Ins Netz gegangen (13.4.)

netzgebilde (unsplash.com)Clint Adair

Ins Netz gegangen am 13.4.:

  • Märchenstunde am Main | NZZ → jürgen tietz spart nicht mit deutlichen Worten über den Unsinn einer (scheinbaren) Rekonstruktion einer historischen Altstadt

    Dort, wo nach den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs nur noch rauchende Trümmer lagen, manifestiert sich heute ein gebauter Aufschrei nach verlorener Heimeligkeit und einstiger städtischer Bedeutung. Dafür musste das zu Beginn der siebziger Jahre gebaute Technische Rathaus verschwinden, nach nur 35 Jahren. So kurzatmig ist die hessische Geschichte. Was aber ist der Sinn dieser gebauten Frankfurter Märchenwelt? Leistet sie einen Beitrag, um die drängenden Fragen der Zukunft der Städte zu lösen? Wohl kaum, denn auf dem historisierenden neuen Herzstück Frankfurts entsteht gerade einmal die bescheidene Zahl von sechzig Wohnungen – mit einer Fläche von insgesamt 7000 Quadratmetern. Sonst gibt sich das Quartier als architektonisch verdichtete Seelenmassage, ein Gegenmodell zu den Hochhäusern der globalisierten Stadt.
    ...
    Der grosse Irrtum einer derart fiktionalen Stadtarchitektur ist es, dass sie wie eine gebaute Zeitmaschine wirkt. Doch sie ist nur ein Abziehbild einer deutschen Seelenlandschaft, in der die Verwundungen der Kriegs- und Nachkriegszeit bis in die nach-nachfolgende Generation andauern. So entsteht eine weinerliche Mischung aus Verlust und Verdrängung, aus romantischer Sehnsucht und einer Unfähigkeit zu trauern.

  • Werben mit Google: Ist die taz Schmuddelkram? | taz-hausblog → die taz nut googles adsense und berichtet hier von schwierigkeiten bei der "richtlinien"-einhaltung und kommunikation mit dem unternehmen
  • Wollen alle Autoren sein? Alles schreibt, keiner liest | NZZ → jochen hörisch über das sich verändernde verständnis von schreiben und lesen, den zusammenhang von sein und schreiben, welt und text

    Alles schreibt, aber kaum einer liest mehr so gründlich, konzentriert und hingebungsvoll wie der Leser in Rilkes gleichnamigem Gedicht oder der Buch-Enthusiast in Michael Endes «Unendlicher Geschichte». ... Es ist offenbar, dass Gott nicht im Sinne logischer Evidenz offenbar ist, dass auch er ein schwächelnder Autor ist, der die Kluft, die die Welt von den Worten trennt, nicht ein für alle Mal überwinden kann. ... Das Wort wird Fleisch, Bits werden Atome, die Idee der Transsubstantiation ist heute mehr als ein faszinierendes religiöses Phantasma, nämlich ein Schreibprogramm für ambitionierte Ingenieure. Wer diese Wandlung von Lese- in Schreibprogramme im Blick hat, wird sowohl das Comeback militanter Religiosität als auch die Inflation der Schreiblust heute mit anderen Augen sehen. ... Man vergisst gerne, dass die verpflichtende Alphabetisierung ein kultureller Sonderweg einer seltsamen Weltecke in einer exzentrischen Epoche ist bzw. war. Heute können, wenn sie denn Zugriff auf Zauberwerke der Ingenieurs- und Informatikerkunst haben, alle lesen und schreiben – paradoxerweise eben auch diejenigen, die nicht lesen und schreiben können. Gemeinsam ist ihnen der Wunsch, nicht nur ein Wort mitzureden, sondern Autoren zu werden, die von der Pflicht dispensiert sind, lesen zu müssen.

  • NS-Filme: Vorbehaltsvorbehalte| Freitag → dirk alt und friedemann beyer über die zunehmend unnötige, aus der zeit gefallene "vorbehalts"-lösung, die ns-propagandafilme (bzw. manche davon) unter halbverschluss hält

    Vor diesem Hintergrund mutet die hiesige Kontroverse um eine offizielle Zugänglichmachung der Vorbehaltsfilme kurios an, zumal sie nicht nur die längst unwiderrufliche Verfügbarkeit der Filme ignoriert, sondern darüber hinaus von Dämonisierung und reflexartiger Betroffenheit geprägt ist.

  • Index, A celebration of the | TLS → ein lob der indices und ihres klugheit/ihres wissens, anlässlich des sechzigjährigen bestehens der "Society of Indexers"
  • a href="http://blogs.faz.net/pop-anthologie/2017/03/18/alte-mythen-in-honig-351/">Genesis: „The Musical Box“ | Pop-Anthologie → hervorragende würdigung des großartigen "the musical box" (auf "nursery cryme") von genesis in der pop-anthologie der faz:

    Dass die Karrieren von Collins und Rutherford in Hits wie „Dance Into the Light“ oder „All I Need is a Miracle“ gipfelten, die von einer erschütternden Belanglosigkeit sind, ist das traurige Ende dieser Entwicklung. „The Musical Box“ aber darf nicht im Kuriositätenkabinett der Musikgeschichte abgelegt werden. Es gehört zum Kanon der besten britischen Popmusik.

Ins Netz gegangen (7.12.)

Ins Netz gegan­gen am 7.12.:

  • Mehr­spra­chig­keit : Ein Kind, drei Spra­chen | ZEIT – mar­tin spie­wak hat für die „Zeit“ auf­ge­schrie­ben, wie kin­der mit mehr­spra­chig­keit umge­hen – näm­li­ch in der regel posi­tiv.
  • Dich­ter und Com­pu­ter im radi­ka­len Zwie­ge­spräch | FAZ.net – elke hei­nemann geht in der FAZ der fra­ge nach, wie digi­ta­li­sie­rung (die hier vor allem com­pu­te­ri­sie­rung meint) die lyrik ver­än­dert bzw. ver­än­dern kann/könnte/wird …

    Vie­le Lite­ra­tur­gat­tun­gen nähern sich vor­sich­tig den Maschi­nen an, nur die Lyrik hat Berüh­rungs­ängs­te. Wie digi­tal kann ein Gedicht sein?

  • Mar­le­ne Stree­ru­witz: Die Stun­de der Wahr­heit des Gel­d­es | derStandard.at – mar­le­ne stree­ru­witz über die auf­lö­sung der demo­kra­ti­schen gesell­schaft ins lachen, am bei­spiel der usa & donald trump: „Die Ent­wer­tung demo­kra­ti­schen Ver­han­delns in der Gesell­schaft erfolgt über die Ent­wer­tung von Min­der­hei­ten.“

    So wird das Prin­zip der Geschwis­ter­lich­keit aus der poli­ti­schen Kul­tur ent­fernt. Demo­kra­tie war geschwis­ter­li­ch gedacht. Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der soll­te das Prin­zip sein. Die Über­nah­me von Pflich­ten und die gerech­te Ver­tei­lung der Rech­te waren vor­ge­se­hen. Das bedeu­te­te je neu­es Ver­han­deln der Auf­tei­lung der Rech­te und der Über­nah­me von Pflich­ten. Denn. Die Grund­rech­te der Per­son ach­tend kann es kei­ne end­gül­ti­ge Rege­lung die­ser Ver­tei­lung geben. Es muss stets neu ver­han­delt wer­den. Kei­ner und kei­ne soll über den ande­ren ste­hen. Und. Um das leben zu kön­nen, müs­sen alle dar­an Betei­lig­ten sich ihrer Grund­rech­te bewusst sein. Alle müs­sen den Wert der Per­son an den Grund­rech­ten mes­sen und dar­aus auf ihren eige­nen Wert und den der ande­ren schlie­ßen. Der Wert muss bewusst sein.
    […] Das Grund­recht der Per­son auf Wür­de ist im Lachen der ande­ren auf­ge­löst.

    Das ist dann ziem­li­ch unwie­der­bring­li­ch. Denn. Es bleibt der Ent­schei­dung der Lachens­be­stim­mer über­las­sen, wer wie ern­st genom­men wird. Die Lachen­den sind nur noch Gefolg­schaft. Im Fall von Donald Trump geht es gen­au dar­um. Die demo­kra­ti­sche Ver­hand­lung soll durch Füh­rung ersetzt wer­den. Der Kapi­ta­list will aber nicht ins Patri­ar­chat zurück­keh­ren. Vater zu sein. Das hie­ße ja auch wie­der nur die Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung. Der Post­ka­pi­ta­list Trump will die Welt ja nur für den Geld­fluss in sei­ne Tasche zurich­ten. Denn. In der Logik unse­rer ver­wirt­schaft­lich­ten Welt der frag­men­tier­ten Dienst­leis­tungs­wirt­schaft gibt es als mög­li­ches Ziel einer Poli­tik ohne­hin nur die Weiter­fül­lung der Taschen des einen Pro­zents der Alles­be­sit­zen­den. Es ist dar­in dann wie­der logi­sch, dass einer aus die­sem Besitz­stand her­aus die Rhe­to­rik der Schmä­hung der Ande­ren so authen­ti­sch lie­fern und sich so in den Besitz des Lachens der Mit­schmä­hen­den set­zen kann.

  • Ver­hü­tung – Anti­ba­by­pil­le – hüb­sch ris­kant | Süddeutsche.de – ein inter­es­san­ter text von wer­ner bar­tens, der auf­zeigt, wie man leu­te dazu bringt, völ­lig gegen jede logik medi­ka­men­te zu bevor­zu­gen, die unsi­che­rer sind als ande­re

    Unter jun­gen Frau­en nimmt der Markt­an­teil der Pil­len der 3. und 4. Gene­ra­ti­on trotz­dem ste­tig zu. Das ist eini­ger­ma­ßen rät­sel­haft, denn die Risi­ko­be­wer­tung der Euro­päi­schen Arz­nei­mit­tel­be­hör­de hat ein­deu­tig erge­ben, dass die Prä­pa­ra­te zu einem deut­li­ch höhe­ren Embo­lie- und Throm­bo­se­ri­si­ko füh­ren. Das Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te hat im Früh­jahr 2014 ent­schie­den, dass in immer mehr Bei­pack­zet­teln auf die erhöh­te Gefahr hin­ge­wie­sen wer­den muss. Sons­ti­ge Kon­se­quen­zen bis­her: kei­ne.

    die ärz­te – die das ja ver­schrei­ben müs­sen – bekom­men auch ihr fett weg …

  • Legen­dä­re Sel­euk­iden-Fes­tung Acra in Jeru­sa­lem ent­deckt -

    Die Wis­sen­schaf­ter ent­deck­ten kürz­li­ch bei Aus­gra­bun­gen unter dem frü­he­ren Giva­ti-Park­platz süd­li­ch des Tem­pel­ber­ges Über­res­te der legen­dä­ren Fes­tung Acra. Die Zita­del­le war vor etwa 2.150 Jah­ren unter dem Sel­euk­iden-König Antio­chus IV. Epi­pha­nes gebaut wor­den.

  • Städ­te­be­schimp­fun­gen – auch cool: tho­mas bern­hards städ­te­be­schimp­fun­gen, auf der kar­te ver­ord­net und mit zita­ten gar­niert …
  • Jan Böh­mer­mann : Ich hab Kul­tur­kri­tik | ZEIT ONLINE@davidhug in der Zeit über jan böh­mer­mann, sein „ich hab poli­zei“ und die kri­tik dar­an …

    Dabei ist Gangs­t­er­rap inzwi­schen Main­stream, ähn­li­ch wie Peter Maf­fay oder Xavier Nai­doo es schon lan­ge sind. Das tut viel­leicht weh, aber da müs­sen wir alle eben durch. 

  • Über­wa­chung für mehr Sicher­heit? Ein fata­ler Trend – Lobo-Kolum­ne – SPIEGEL ONLINE – muss man immer wie­der emp­feh­len: sascha lobos spie­gel-kolum­ne …

    Die Evi­denz ist tot, es lebe das medial insze­nier­te Gefühl der Evi­denz.

  • Peter Kurz­eck – ein Getrie­be­ner der Spra­che | Frank­fur­ter Rund­schau – claus-jür­gen göp­fert berich­tet in der FR über peter kurz­eck, sein schrei­ben, sei­nen nach­lass und die arbeit des stro­em­feld-ver­la­ges (und der lek­to­ren deu­ble & loss), den in eine publi­ka­ti­ons­fä­hi­ge form zu brin­gen:

    Im Gespräch mit sei­nem Freund Rudi Deu­ble erscheint Kurz­eck als ein Getrie­be­ner. „Zu Ruhe kam der nie!“ Sehr früh sei er stets auf­ge­stan­den in sei­ner zwei­ten Hei­mat Uzés, habe gear­bei­tet bis zum Mit­tag. Dann folg­te ein aus­ge­dehn­ter Spa­zier­gang durch die son­nen­durch­glüh­te Land­schaft, dana­ch ein Mit­tag­es­sen und ein kur­zer Schlaf. Am Nach­mit­tag habe er dann wie­der zu schrei­ben begon­nen, bis etwa um 22 Uhr.

    Mit der Schreib­ma­schine: Die Sei­ten waren stets nur zu einem Drit­tel bis zu einer Hälf­te beschrie­ben, in ganz engem Zei­len­ab­stand, dazwi­schen hat­te der Autor noch hand­schrift­li­che Kor­rek­tu­ren ein­ge­tra­gen. Die unte­re Manu­skript­hälf­te war wei­te­ren Anmer­kun­gen gewid­met. Sym­bo­le wie Drei­ecke und Kreu­ze struk­tu­rier­ten den Text. Die Arbeit der Lek­to­ren gli­ch der von Archäo­lo­gen.

  • Frem­den­hass : „Ich hal­te das für hoch­ge­fähr­li­ch“ | ZEIT ONLINE – gutes inter­view mit nor­bert frei über die aktu­el­len gefah­ren für die deut­sche demo­kra­tie

    Was wir der­zeit erle­ben, ist etwas ande­res, näm­li­ch eine zuneh­men­de, fun­da­men­ta­le Ver­ach­tung für die Demo­kra­tie, für das „Sys­tem“ und die „Sys­tem­par­tei­en“. Ich hal­te das für hoch­ge­fähr­li­ch, gera­de auch weil sich sol­che Stim­mun­gen über die digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le so leicht ver­brei­ten las­sen. Dadurch ist eine Par­al­le­löf­fent­lich­keit ent­stan­den, die sich für die „bür­ger­li­che Öffent­lich­keit“ kaum mehr inter­es­siert.

  • Jus­tiz : Das soll Recht sein? | ZEIT ONLINE – die Zeit gibt dem straf­ver­tei­di­ger schwenn mög­lich­keit, auf pro­ble­me (wie u.a. das feh­len­de pro­to­koll) der deut­schen straf­ge­richts­ver­fah­ren auf­merk­sam zu machen

    Die größ­te Gefahr für den Unschul­di­gen lau­ert in den Vor­ent­schei­dun­gen. An ihnen sind oft die­sel­ben Berufs­rich­ter betei­ligt, die spä­ter an der Haupt­ver­hand­lung mit­wir­ken und das Urteil fäl­len. […] Auch ein Haft­be­fehl darf nur erge­hen, wenn der Tat­ver­dacht drin­gend, die spä­te­re Ver­ur­tei­lung eines Ange­klag­ten also hoch­wahr­schein­li­ch ist. Und da lau­ert die zwei­te Fal­le. Denn hat der Rich­ter den Haft­be­fehl selbst erlas­sen oder auf­recht­erhal­ten, so wird es ihm spä­ter schwer­fal­len, von der eige­nen Ver­ur­tei­lungs­pro­gno­se abzu­rü­cken.

  • Tou­ris­mus : „Der deut­sche Urlau­ber hat ein aus­ge­spro­che­nes Struk­tur­be­dürf­nis“ | ZEIT ONLINE – die Zeit hat mit drei sehr unter­schied­li­chen rei­se­lei­tern dar­über gespro­chen, wie sie „die deut­schen“ im urlaub wahr­neh­men und emp­fin­den. sehr ver­gnüg­li­ch
  • Wir ver­lie­ren täg­li­ch Tau­sen­de Daten­punk­te Zeit- und Medi­en­ge­schich­te – kon­rad lisch­ka weist auf ein ech­tes pro­blem hin: die feh­len­de archi­vie­rung von online-medien/-nachrichten

    Zwei Jahr­zehn­te Online­jour­na­lis­mus sind vor­bei­ge­zo­gen, ohne dass jemand die Daten­ba­sis für die Erfor­schung die­ser Grün­der­zeit geschaf­fen hat. All das ist für immer ver­lo­ren, wir haben heu­te dank Brewster Kah­le immer­hin Bruch­stü­cke und Moment­auf­nah­men. Enorm wich­ti­ge Daten für die Erfor­schung von The­men­kar­rie­ren und ver­än­der­ten Nut­zungs­ge­wohn­hei­ten in den 20 Jah­ren Online­jour­na­lis­mus wäre die Abruf­zah­len der archi­vier­ten Wer­ke. All die­se Daten lagen ein­mal digi­tal in irgend­wel­chen Daten­ban­ken vor. Viel­leicht sind sie noch irgend­wo da drau­ßen. Aber wenn heu­te jemand die Onlin­ebe­richt­erstat­tung über den 11.9.2001 mit der über den 13.11.2015 ver­glei­chen will, hat er noch viel weni­ger Mate­ri­al als ein His­to­ri­ker, der die archi­vier­ten Zei­tungs­aus­ga­ben aus dem 19. Jahr­hun­dert für sei­nen Berg­ar­bei­ter­streik unter­sucht.

Ins Netz gegangen (31.8.)

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Ins Netz gegangen (10.3.)

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  • Lie­be Raub­ko­pie­rer bei der SPD, | taz Haus­blog – Sebas­ti­an Hei­ser mahnt SPD-Grup­pie­run­gen ab, weil sie eines sei­ner Fotos nicht lizenz­ge­mäß ver­wand­ten:

    Nor­ma­ler­wei­se stört es mich nicht, wenn ande­re Leu­te mei­ne Tex­te oder Bil­der wei­ter­ver­brei­ten. Falls es mich doch mal stört, schrei­be ich eine freund­li­che E-Mail oder grei­fe zum Tele­fon (außer bei Kai Diek­mann). Aber in die­sem Fall dach­te ich mir: War­um sol­len unter dem kaput­ten Urhe­ber­recht immer nur die Leu­te lei­den, die damit täg­li­ch arbei­ten müs­sen? Und nicht auch mal die, die dafür ver­ant­wor­li­ch sind?

  • Hubert Fich­te – Der schwar­ze Engel – (Nach­trag zur Erin­ne­rung an sei­nen Todes­tag am 8. März)
  • Sybil­le Lewitschar­off: Sybil­le Bergs Gedan­ken zur Skan­dal­re­de – SPIEGEL ONLINE – Sybil­le Bergs heu­ti­ge Kolum­ne könn­te man Satz für Satz zitie­ren – sie hat ein­fach Recht …

    Unver­ständ­li­ch jedoch: Was bringt schein­bar gesun­de, gut­si­tu­ier­te Men­schen dazu, unver­dros­sen über Din­ge zu reden, die sie nicht betref­fen, son­dern nur die Träg­heit ihres Geis­tes offen­ba­ren? Homo­pho­bie, Angst vor Rand­grup­pen und Ekel vor in Retor­ten gezeug­tem Leben sagen nur etwas über den Ver­stand der lal­len­den Kri­ti­ker aus. Sie sagen: Ich bin am Ende mit mei­ner Weis­heit. Ich will nicht den­ken, ich will mich nicht neu ori­en­tie­ren. Ich will kei­ne Welt, in der alle Men­schen gleich sind.

  • Jus­tiz: Bit­te ent­schul­di­gen Sie, Herr Eda­thy | ZEIT ONLINE – Tho­mas Fischer, Rich­ter am BGH, in der „Zeit“ über die Rol­le der Staats­an­walt­schaft im Straf­recht, ihre Ent­wick­lung und ihren gegen­wär­ti­gen Zustand – natür­li­ch aus aktu­el­lem Anlass:

    Man wagt es kaum zu sagen: Viel­leicht soll­te sich der Rechts­staat – jeden­falls vor­läu­fig, bis zum Beweis des Gegen­teils – bei dem Beschul­dig­ten Sebas­ti­an Eda­thy ein­fach ent­schul­di­gen. Er hat, nach allem, was wir wis­sen, nichts Ver­bo­te­nes getan. Viel­leicht soll­ten die­je­ni­gen, die ihn gar nicht schnell genug in die Höl­le schi­cken wol­len, vor­er­st ein­mal die eige­nen Wichs­vor­la­gen zur Begut­ach­tung an die Pres­se über­sen­den. Viel­leicht soll­ten Staats­an­walt­schaf­ten weni­ger auf­ge­regt sein und sich ihrer Pflich­ten ent­sin­nen. Viel­leicht soll­ten Par­tei­po­li­ti­ker ihren durch nichts gerecht­fer­tig­ten herr­schaft­li­chen Zugriff auf den Staat min­dern. Viel­leicht soll­ten auf­ge­klär­te Bür­ger ernst­haft dar­über nach­den­ken, wo sie die Gren­ze zie­hen möch­ten zwi­schen Gut und Böse, zwi­schen dem Innen und Außen von Gedan­ken und Fan­ta­si­en, zwi­schen lega­lem und ille­ga­lem Ver­hal­ten. Zwi­schen dem nack­ten Men­schen und einer „Poli­zey“, die alles von ihm weiß.

  • Ann Cot­ten im Inter­view: Die Abwei­chung beja­hen | Frank­fur­ter Rund­schau – Judith von Stern­burg spricht mit Ann Cot­ten

    Als ich ein­mal Orna­men­te gezeich­net habe, fiel mir auf, dass in mei­ner Struk­tur offen­bar etwas ange­legt ist, das die Abwei­chung immer bejaht. Ich ver­su­che, den abso­lut schö­nen Kreis, die gera­de Linie zu zeich­nen, aber mei­ne Fin­ger sind bis in die Spit­zen dar­auf trai­niert, die Abwei­chung gut­zu­hei­ßen. […] Ich glau­be, es wäre vor­ei­lig, sich damit zufrie­den zu geben, nicht per­fekt sein zu wol­len. Natür­li­ch kann ich nicht wie ein Com­pu­ter zeich­nen, aber die Bemü­hung dar­um macht etwas mit mir. Ich habe genug Cha­os in mir, um froh zu sein, wenn ich mich um kla­re For­men bemü­he. Ohne die Lie­be zur uner­reich­ba­ren Per­fek­ti­on, zu Gott, wie immer Sie es nen­nen wol­len, wäre Kunst auch nur so ein Kacken. Wenn man sich damit zufrie­den gibt, das Fleisch­li­che, Feh­ler­haf­te zu fei­ern.

Ins Netz gegangen (1.6.)

Ins Netz gegan­gen (29.5.–1.6.):

  • Mau­ert Luther nicht ein! – DIE WELT – Der His­to­rik Heinz Schil­ling ist mit den bis­he­ri­gen Vor­be­rei­tun­gen des Refor­ma­ti­ons-Jubi­lä­ums 2017 nicht so ganz zufrie­den …

    Die Kluft zwi­schen gegen­warts­ori­en­tier­tem Ver­kün­di­gungs­be­geh­ren und Ver­lan­gen nach his­to­ri­scher wie bio­gra­fi­scher Tie­fen­boh­rung ist zu über­brü­cken, will das Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um nicht unter das hohe Niveau der auf das 20. Jahr­hun­dert bezo­ge­nen Gedenk­kul­tur unse­res Lan­des zurück­fal­len. Es geht um die eben­so sim­ple wie fol­gen­rei­che Fra­ge, wie viel Wis­sen­schaft das Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um braucht und wie viel Wis­sen­schaft es ver­trägt. Denn nur auf einer soli­den his­to­ri­schen Basis ist eine nach­hal­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit dem „pro­tes­tan­ti­schen Erbe“ in der euro­päi­schen Neu­zeit und glo­ba­len Moder­ne mög­li­ch.

  • Es muss ja nicht alles von mir sein“ – DIE WELT – Lite­ra­tur – Frank Kas­par besucht Moni­ka Rinck und lässt sich von ihr erklä­ren und zei­gen, wie man heu­te Gedich­te schreibt, ohne pein­li­ch und ner­vend zu sein (was ihn anschei­nend ziem­li­ch über­rascht, dass das geht …):

    Wer in Moni­ka Rincks Tex­te ein­taucht, dem schwirrt bald der Kopf vor lau­ter Stim­men und Spra­chen, die dort frei zusam­men­schie­ßen. Deut­sch, Eng­li­sch, Fran­zö­si­sch, Ita­lie­ni­sch und Pfäl­zi­sch, inne­re tref­fen auf äuße­re Stim­men, rhyth­mi­sch Aus­ge­feil­tes auf bewusst gesetz­te Brü­che, Sprün­ge, Aus­ru­fe: Ha! Ach so! Hoho­ho! Die „Gischt der wirk­li­chen gespro­che­nen Spra­che“, die Wal­ter Ben­ja­min an Alfred Döblins Mon­ta­ge-Roman „Ber­lin Alex­an­der­platz“ so begeis­tert hat, gur­gelt zwi­schen den Zei­len und macht das Gewe­be leben­dig und beweg­li­ch.

  • Emme­rich Jose­ph von Breid­bach zu Bür­res­heim: Vor­kämp­fer der katho­li­schen Auf­klä­rung – FAZ -

    Emme­rich Jose­ph von Breid­bach zu Bür­res­heim, auch bekannt unter dem Spitz­na­men „Breit­fass von Schüt­tes­heim“ – angeb­li­ch trank er zu jeder Mahl­zeit sechs Maß Rhein­wein. Emme­rich galt als offen­her­zig und volks­nah, obwohl sei­ne Ansich­ten so gar nicht in Ein­klang mit dem wun­der­gläu­bi­gen Baro­ck-Katho­li­zis­mus der kon­ser­va­ti­ven Land­be­völ­ke­rung stan­den. Er las Vol­taire und Dide­rot, wur­de schließ­li­ch zum bedeu­tends­ten Herr­scher der katho­li­schen Auf­klä­rung. Beson­ders sei­ne Schul­re­form wirk­te nach­hal­tig. Letzt­li­ch schuf die Ratio­na­li­sie­rung des Kur­main­zer Aus­bil­dungs­sys­tems die Grund­la­ge für die Revo­lu­ti­on in der Dom­stadt.

    Dass die Main­zer den Wein lie­ben, ist also nichts Neu­es …

  • Lebens­mit­tel­spe­ku­la­ti­on in der Frü­hen Neu­zeit – Wie Wet­ter, Grund­herr­schaft und Getrei­de­prei­se zusam­men­hin­gen | Die Welt der Habs­bur­ger – Nah­rungs­mit­tel­spe­ku­la­ti­on ist kei­ne Erfin­dung und auch nicht nur ein Pro­blem des 21. Jahr­hun­derts – wer hät­te es gedacht .…:

    Die Preis­stei­ge­run­gen waren jedoch nicht nur auf Wet­ter­ka­prio­len zurück­zu­füh­ren, auch das Ver­hal­ten der welt­li­chen und kirch­li­chen Grund­her­ren trug maß­geb­li­ch zum Anstieg der Getrei­de­prei­se bei. 

  • »Wie ein Rau­sch« | Jüdi­sche All­ge­mei­ne – Ein Inter­view mit dem Kla­vier­duo Tal & Gro­ethuy­sen über Wag­ner, Alfred Prings­heim und Israel:

    Dar­in liegt auch die Leis­tung des Bear­bei­ters. Er steht ja stän­dig vor gro­ßen Fra­gen: Wie tei­le ich das auf? Wie kann ich mög­lichst viel vom Ori­gi­nal unter­brin­gen, sodass es plas­ti­sch ist, aber nicht über­la­den? Aber auch pia­nis­ti­sch rea­li­sier­bar? Und es hat sich her­aus­ge­stellt, dass Alfred Prings­heim, der eigent­li­ch Auto­di­dakt war, mit die inter­es­san­tes­ten und auch pia­nis­tischs­ten Lösun­gen gefun­den hat.

    Schön auch der Schluss­satz: „Und was Wag­ner angeht, sind wir jetzt wie­der für eine Wei­le bedient.“ – ich glau­be, das gilt nach die­sem Jahr für alle …

  • Adress­comp­toir: Auf der Suche nach Grill­par­zer – Hein­rich Lau­be irrt durch Wien:

    Grill­par­zer, wo bin ich über­all hin­gera­then, um Dich zu fin­den! — ers­ter Hof, zwei­te Stie­ge, drit­ter Sto­ck, vier­te Thür! Es wir­beln mir noch die Beschrei­bun­gen im Kop­fe. Nach einer vor­mit­täg­li­chen Such­jagd stand ich end­li­ch in einer schma­len, öden Gas­se vor einem gro­ßen schweig­sa­men Hau­se

    Grill­par­zers über­ra­schend beschei­de­ne Woh­nung kann man übri­gens im städ­ti­schen Wien-Muse­um besich­ti­gen.

Netzfunde vom 7.5.

Mei­ne Netz­fun­de vom 7.5.:

Netzfunde der letzten Tage (23.4.–26.4.)

Mei­ne Netz­fun­de für die Zeit vom 23.4. zum 26.4.:

Das eigent­li­che Schrei­ben ist ein Kampf gegen den Text, der ent­steht.“
— Hei­ner Mül­ler: Krieg ohne Schlacht. Leben in zwei Dik­ta­tu­ren. Eine Auto­bio­gra­phie. Köln: Kie­pen­heu­er & Wit­sch 2003, 299.