Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: verkehr Seite 2 von 9

Werbung als Aufruf zum Rasen

Auto­land Deutsch­land:

koziol-werbung mit warnung vor blitzern

Kozi­ol möch­te wohl, dass sich Autofahrer/​innen nicht zu genau an die Geschwin­dig­keits­be­schrän­kun­gen hal­ten

spinnennetz mit tau

Ins Netz gegangen (14.9.)

Ins Netz gegan­gen am 14.9.:

  • Literature’s Grea­test Ope­ning Lines, as Writ­ten By Mathe­ma­ti­ci­ans | Math with Bad Dra­wings → wun­der­bar: eine phan­ta­sie, wie mathe­ma­ti­ker die eröff­nungs­sät­ze berühm­ter lite­ra­ri­scher wer­ke for­mu­lier­ten, mit schö­nen ideen auch in den kom­men­ta­ren
  • Solo gegen den Strom | FAZ → ein lob­lied auf gün­ther schuh, dem gehirn hin­ter e‑scooter, der mit neu­em unter­neh­men in kür­ze einen güns­ti­gen elek­tri­schen klein­wa­gen, eine weit­ge­hen­de eigen­ent­wick­lung, anbie­tet
  • Al Gore’s New Movie Expo­ses The Big Flaw In Online Movie Ratings | FiveThir­ty­Eight → walt hickey und dhrumil meh­ta über die gefähr­li­chen effek­te, bewer­tun­gen – wie ama­zons imdb-score – in einer ein­zi­gen zahl zusam­men­zu­fas­sen:

    The demo­cra­tiza­ti­on of film reviews has been one of the most sub­stan­ti­al struc­tu­ral chan­ges in the movie busi­ness in some time, but the­re are dan­ge­rous side effects. The peo­p­le who make movies are ter­ri­fied. IMDb scores repre­sent a few thousand most­ly male review­ers who might have seen the film but may­be didn’t, and they’re influen­cing the scoring sys­tem of one of the most popu­lar enter­tain­ment sites on the pla­net.

  • Eine Kri­tik am Lite­ra­tur­be­trieb: Schafft die Jurys ab!| NZZ → felix phil­ipp ingold for­dert, die buch­prei­se (und ihre jurys) abzu­schaf­fen und schlägt lite­ra­tin­nen vor prei­se zwar anzu­neh­men, in der dan­kes­re­de aber ihre unsin­nig­keit zu demons­trie­ren. eigent­lich eine schö­ne idee, die er selbst frei­lich auch ein­fach hät­te umset­zen kön­nen, bei der ent­ge­ge­n­ah­me einer sei­ner zahl­rei­chen prei­se ;-)

    Lite­ra­tur als Kunst − man muss es deut­lich sagen − ist beim ver­blie­be­nen Lese­pu­bli­kum eben­so wenig gefragt wie bei der pro­fes­sio­nel­len Kri­tik, mit ein­ge­schlos­sen all die ande­ren Lite­ra­tur­ver­mitt­ler, die als Prä­sen­ta­to­ren, Mode­ra­to­ren oder Juro­ren, oft auch als Ver­an­stal­ter von Fes­ti­vals und immer öfter als beam­te­te Kul­tur­funk­tio­nä­re am Betrieb betei­ligt sind. Grund­sätz­lich gilt künst­le­ri­scher Anspruch in Bezug auf Stil, Kom­po­si­ti­on, Expe­ri­ment als eli­tär, und dies wie­der­um wird gleich­ge­setzt mit Lan­ge­wei­le und dreis­ter Zumu­tung − ein ver­nich­ten­des Urteil, das jeg­li­che Markt­taug­lich­keit infra­ge stellt. Ein Text soll dem­nach in ers­ter Linie unter­halt­sam, kon­sens­fä­hig und in irgend­ei­ner Wei­se anrüh­rend sein, der­weil schwie­ri­ge, for­dern­de, also im eigent­li­chen Wort­sinn inter­es­san­te Lek­tü­ren kaum noch gefragt sind.

  • The Ador­kab­le Miso­gy­ny of The Big Bang Theo­ry | Pop Cul­tu­re Detec­ti­ve → aus­nahms­wei­se eine video-emp­feh­lung, die schön aus­führ­lich zeigt, wie miso­gyn „the big bang theo­ry“ ist (nicht, dass das beson­ders über­ra­schend wäre …)

lichtung

Kürz­lich in Erbach im Oden­wald:

lechts und rinks

Da ist mir natür­lich sofort Ernst Jandl ein­ge­fal­len:

lich­tung

man­che mei­nen
lechts und rinks
kann man nicht vel­wech­sern
werch ein ill­tum
Ernst Jandl

spinnennetz

Ins Netz gegangen (26.7.)

Ins Netz gegan­gen am 26.7.:

  • Bit­te kei­ne zum Sonett gestampf­ten Gar­ten­mö­bel! | NZZ → moni­ka rinck spricht über spra­che, erken­nen, den­ken und vir­tuo­si­tät in lyrik und essays
  • Wenn Abga­se gefähr­li­cher als Atten­tä­ter sind | Deutsch­land­funk → ste­fan kühl über die schie­fe risi­ko­wahr­neh­mung, mit einem schö­nen schluss:

    Poli­ti­ker, die die kos­ten­lo­se Bereit­stel­lung von Grund­nah­rungs­mit­teln, Wohn­raum oder öffent­li­chem Nah­ver­kehr als Ein­stieg in den Sozia­lis­mus ver­dam­men wür­den, för­dern die kos­ten­lo­se Nut­zung öffent­li­chen Raums für den indi­vi­dua­li­sier­ten Auto­mo­bil­ver­kehr – so, als ob das Grund­recht auf Mobi­li­tät das Recht beinhal­te­te, mit dem eige­nen Auto jeder­zeit über­all hin­fah­ren zu dür­fen, nur weil man die Schä­den, anders als bei Ter­ror­an­schlä­gen, nicht sofort sieht.

  • Man muss Höl­der­lin vor sei­nen Bewun­de­rern in Schutz neh­men | Welt → der titel ist natür­lich so ein all­ge­mein­platz-unsinn, aber ein paar gute sät­ze schreibt denis scheck zu höl­der­lin doch:

    Es gibt Momen­te media­len Über­drus­ses, da scheint mir Höl­der­lins Spra­che die ein­zig mög­li­che. Ein­gän­gig und kris­tal­lin klar, trans­por­tiert sie in jeder Sil­be dann mehr Sinn als eine Tages­zei­tung. An ande­ren Tagen erschei­nen mir die­sel­ben Ver­se dage­gen dun­kel und unver­ständ­lich, ihre Bedeu­tung unfass­bar. Eines Tages, ich bin sicher, bin ich Höl­der­lin gewach­sen.

  • Ein­mal Außen­sei­ter, immer Außen­sei­ter | Zeit → sabi­ne scholl über her­kunft, sozia­le gren­zen und stig­ma­ta
  • Wel­zer: Gewalt ist ein Mit­tel sozia­ler Pra­xis“ | Pan­ora­ma → ganz aus­ge­zeich­ne­tes gespräch mit harald wel­zer über den g20-gip­fel, gewalt, gesell­schaft etc – wun­der­bar, wie genau und tref­fend er vie­les ein­ord­net, his­to­risch und sozio­lo­gisch – unbe­dingt anse­hen!
spinnennetz vor natur

Ins Netz gegangen (19.7.)

Ins Netz gegan­gen am 19.7.:

  • Eine Welt jen­seits von Face­book: Auf der Suche nach Alter­na­ti­ven zum digi­ta­len Kapi­ta­lis­mus | Ber­li­ner Gazet­te → geert lovink über sozia­le netz­wer­ke, offe­ne net­ze und alter­na­ti­ven …
  • Das Luther­jahr soll­te ein gro­ßer Erfolg wer­den, doch die Besu­cher blei­ben aus | FAZ → der faz ist auf­ge­fal­len, dass zwi­schen pla­nung und wirk­lich­keit der besu­cher­strö­me ein unter­schied besteht – luther allei­ne scheint nicht über­all die mas­sen zu locken (da er aber ja über­all ist, sind es wohl doch recht vie­le …)
  • „Es ist eine ande­re Welt gewor­den“ | Zeit → inter­es­san­tes inter­view – gera­de in sei­ner rela­ti­ven unspek­ta­ku­lärt­heit – mit mar­kus hin­ter­häu­ser, dem inten­dan­ten der salz­bur­ger fest­spie­le
  • Die fal­schen Ver­hei­ßun­gen der E‑Mobilität | Blät­ter für deut­sche und inter­na­tio­na­le Poli­tik → über die not­wen­dig­keit einer mobi­li­tärs-revo­lu­ti­on – die wen­de vom ver­bren­nungs- zum e‑motor reicht da näm­lich bei wei­tem nicht aus …

    Es bedarf nicht pri­mär einer tech­no­lo­gi­schen Erneue­rung des bestehen­den auto­do­mi­nier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehrs, son­dern einer umfas­sen­den Mobi­li­täts­wen­de. Deren Ziel muss sein, den öffent­li­chen und schie­nen­ge­bun­de­nen Ver­kehr zu stär­ken, die Fahr­rad­in­fra­struk­tur aus­zu­bau­en und das Ver­kehrs­auf­kom­men radi­kal zu ver­rin­gern – und zwar auf den Stra­ßen und in der Luft. Die fos­si­len Antriebs­ag­gre­ga­te müs­sen zum Aus­lauf­mo­dell wer­den und nur der unbe­dingt nöti­ge Bedarf an indi­vi­du­el­len Auto­mo­bi­len soll­te auf eine elek­tri­sche Basis gestellt wer­den. Nur auf die­se Wei­se könn­ten die gegen­wär­ti­gen Ansät­ze einer Ver­kehrs­wen­de zu einer umfas­sen­den Mobi­li­täts­wen­de wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. […] Letzt­lich brau­chen wir eher eine Revo­lu­ti­on als eine Wen­de: Wir müs­sen das Auto­mo­bil als zen­tra­les Sym­bol für Fort­schritt und sozia­len Sta­tus wie auch für indi­vi­du­el­le Frei­heit ent­thro­nen – auf der Stra­ße, aber auch in unse­ren Köp­fen.

  • In guter Ord­nung, aber schlech­ter Ver­fas­sung | FAZ → micha­el kno­che weist in dar­auf hin, dass deutsch­land sein kul­tu­rel­les erbe der (gedruck­ten) bücher seit lan­gem arg ver­nach­läs­sigt … (auch in der faz darf man also für die digi­ta­li­sie­rung sein ;-) …)

    Wis­sen­schaft und Gesell­schaft brau­chen bei­des, das Ori­gi­nal und das Digi­ta­li­sat. Aber weder mit der Bewah­rung der Ori­gi­na­le noch mit der Digi­ta­li­sie­rung der his­to­ri­schen Buch­be­stän­de geht es in Deutsch­land recht vor­an. Dabei müss­te die Siche­rung der schrift­li­chen Über­lie­fe­rung auf der kul­tur­po­li­ti­schen Agen­da ganz oben ste­hen. Ziel müss­te sein, das Gros der alten Bestän­de in Biblio­the­ken und Archi­ven zugleich zu erhal­ten und digi­tal ver­füg­bar zu machen, natür­lich in klug abge­stimm­ter Wei­se.

    Bei­de Aspek­te lie­ßen sich fabel­haft mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren, wenn ent­spre­chen­de För­der­mit­tel zur Ver­fü­gung stün­den: Was digi­ta­li­siert wird, soll­te zugleich kon­ser­va­to­risch gesi­chert wer­den. Was gesi­chert ist, wird auch digi­ta­li­siert. Das Prin­zip lau­tet: Kon­ver­si­on nicht ohne Kon­ser­vie­rung.

  • Mys­tery of Greek Amphitheater’s Ama­zing Sound Final­ly Sol­ved | Live Sci­ence → wie­der ein rät­sel gelöst: die phä­no­me­na­le akus­tik des thea­ters von epi­dau­ros liegt an den mate­ria­li­en …
netzgebilde (unsplash.com)

Ins Netz gegangen (14.6.)

Ins Netz gegan­gen am 14.6.:

  • Geschich­te lin­ker Medi­en im Über­blick: Eine ganz ande­re Sicht | taz → ein net­ter, kur­zer abriss und über­blick über lin­ke medi­en in deutsch­land und neben­and
  • Wel­cher Islam? Zum Islam in Feuil­le­ton und For­schung | Geschich­te der Gegen­wart → almut höfert plä­diert für mehr genau­ig­keit mit „dem islam“

    Wir kön­nen weder auf den Islam- noch den Euro­pa­be­griff ver­zich­ten, aber die Ver­wen­dung bei­der Begrif­fe ist sehr viel kom­pli­zier­ter als gemein­hin ange­nom­men wird. Wir tun gut dar­an, die Gren­zen zwi­schen „uns“ und „den Ande­ren“ flie­ßend zu hal­ten und die Grund­la­ge einer geein­ten Mensch­heit höher zu set­zen. Es wäre schon viel gehol­fen, zwi­schen spät­an­ti­kem, mit­tel­al­ter­li­chem und moder­nem Islam und Euro­pa zu dif­fe­ren­zie­ren: Denn der „Islam“ ist kein außer­his­to­ri­sches Phä­no­men.

  • Effi­zi­enz­ge­win­ne und Rebound-Effek­te: Umwelt­wir­kun­gen des Die­sel­an­triebs im Ver­gleich | Zukunft Mobi­li­tät → mar­tin ran­del­hoff rech­net mal durch (und vor), ob der die­sel­an­trieb wirk­lich so „umwelt­freund­lich“ ist und sei­ne steu­er­li­che bevor­zu­gung zu recht genießt

    Ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des erhöh­ten Aus­stoß von gesund­heits­ge­fäh­ren­den Luft­schad­stof­fen stellt sich daher die Fra­ge, ob der Die­sel­an­trieb sei­ne Stel­lung in Deutsch­land behal­ten soll­te. Die­se ist auch vor dem Hin­ter­grund zu beant­wor­ten, dass der Otto­mo­tor im Ver­gleich zum Die­sel­mo­tor umfang­rei­che CO2-Reduk­ti­ons­po­ten­zia­le besitzt und Alter­na­ti­ven zu kon­ven­tio­nel­len Antrie­ben kon­kur­renz­fä­hig wer­den.

    Die steu­er­li­che Bevor­zu­gung von Die­sel-Pkw wie auch Die­sel­kraft­stoff setzt Fehl­an­rei­ze und erzeugt Rebound-Effek­te, wel­che eine nega­ti­ve Kli­ma­schutz­wir­kung zur Fol­ge haben. Die Dis­kus­si­on, ob der Die­sel die­se Begüns­ti­gung wei­ter­hin genie­ßen soll und – vor dem Hin­ter­grund der hohen Fol­ge­kos­ten auf­grund von Gesund­heits­schä­den – wei­ter­hin genie­ßen darf, ist daher über­fäl­lig.

  • Post­mo­der­ne als Papp­ka­me­rad | Geschich­te der Gegen­wart → noch mal „geschich­te der gegen­wart“, die­ses mal über die mis­re­prä­sen­ta­ti­on der­post­mo­der­ne in (vie­len) aktu­el­len dis­kus­sio­nen

    Wer sol­che The­sen auf­stellt, wird selbst zum Konstruk­teur, zum Konstruk­teur einer Post­mo­derne, die mit der ‚Reali­tät‘ der Post­mo­derne nichts zu tun hat. Und er wird zum Konstruk­teur eines Realis­mus, der blind ist für die durch Konstruk­tio­nen herge­stellte Reali­tät. … Wer etwas als konstru­iert voraus­setzt, sagt damit nicht, dass das Konstru­ierte nicht real sei. … Wenn man nun aber die konser­va­tive, rechts­po­pu­lis­ti­sche Mimi­kry von post­mo­der­nen Begrif­fen als ‚Post­mo­derne‘ liest, dann ist wirk­lich Hop­fen und Malz verlo­ren. Dage­gen hilft nur das Stu­di­um der post­mo­der­nen Theo­rien selbst. Denn die­se eig­nen sich noch immer beson­ders gut dazu, dieje­ni­gen Konstruk­tio­nen, die ihren Konstruk­ti­ons­cha­rak­ter leug­nen, aber auch dieje­ni­gen, die im Gewand der Subver­sion auftre­ten, zu analy­sie­ren.

  • Das Dep­pen­leer­zei­chen gibt es nicht: Eine Art Replik | Sprach­log → kris­tin kopf über das „dep­pen­leer­zei­chen“ und all­ge­mein die n+n‑komposita im deut­schen in all ihren for­men
spinnweben zwischen holz, schwarz-weiß

Ins Netz gegangen (22.5.)

Ins Netz gegan­gen am 22.5.:

  • Ein Tag im Leben eines ICE | SZ → net­te (wenn auch nicht sehr tief­ge­hen­de) Repor­ta­ge über den Zug an sich (also das Gefährt) und der Auf­wand, der nötig ist, dass er jeden Tag auf den Glei­sen unter­wegs sein kann.
  • Franz Kogl­mann: „Jazz ist für mich kein Syn­onym für Frei­heit“ | Stan­dard → der „stan­dard“ gra­tu­liert franz kogl­mann zum seib­zigs­ten mit einem inter­view, von dem hier die (eini­ge?) ant­wor­ten zu lesen sind

    Ich bin bis heu­te der Mei­nung, die eigent­lich wich­ti­ge musi­ka­li­sche Erschei­nungs­form des 20. Jahr­hun­derts ist der Jazz und nicht die Zwei­te Wie­ner Schu­le!

  • Fake News mit Fake Jour­nals: Gen­der-Stu­dies-Hoax als Ver­lags­ver­sa­gen | netzpolitik.org → leon­hard dobusch bei netz­po­li­tik über das wah­re pro­blem von unse­riö­sen (wissenschafts-)verlagen:

    Unse­riö­se Ver­la­ge, die gegen Bezah­lung jeden Bei­trag als ver­meint­lich begut­ach­tet publi­zie­ren, waren bis­lang vor allem ein Pro­blem für den Wis­sen­schafts­be­trieb. Wie ein ver­meint­li­cher Gen­der-Stu­dies-Hoax zeigt, sind Fake-Ver­la­ge aber auch eine poten­ti­el­le Grund­la­ge für Fake News.

  • Wirk­lich­keits­be­wäl­ti­gung als lite­ra­ri­sches Pro­gramm | Voll­text → schon wie­der ein text von felix phil­ipp ingold – eine allgmei­ne abrech­nung mit der lite­ra­tur­kri­tik, wie sie heu­te betrie­ben wird

    Bele­ge für die­ses ein­di­men­sio­na­le Rea­lis­mus­kon­zept wie auch für das unge­bro­che­ne Bedürf­nis nach dem bel­le­tris­ti­schen Human touch lie­fert die aktu­el­le Buch­kri­tik in belie­bi­ger Anzahl und mit zuneh­men­der Insis­tenz.

  • Colour Wheels, Charts, and Tables Through Histo­ry | Public Domain Review → eine schö­ne über­sicht über diver­se ver­su­che der letz­ten jahr­hun­dert, das farb­spek­trum zu orga­ni­sie­ren und dar­stel­lungs­for­men dafür zu fin­den.
  • How Goog­le Book Search Got Lost | Back­chan­nel → schö­ner, lan­ger text über goog­le books, die ent­wick­lung des pro­jek­tes zum (schein­ba­ren?) still­stand – und die lek­ti­on dar­aus: „Engi­nee­ring is gre­at, but it’s not the ans­wer to all pro­blems.“
spinnennetz

Ins Netz gegangen (19.5.)

Ins Netz gegan­gen am 19.5.:

  • Im Gespräch: Timo Brandt redet mit Bert­ram Rei­ne­cke | Fix­poet­ry → bert­ram rei­ne­cke gibt timo brandt lan­ge ant­wor­ten übers ver­le­gen, expe­ri­men­tel­le lite­ra­tur und sei­ne eige­ne lyrik

    Nein, ich woll­te immer bloß inter­es­san­te Lite­ra­tur ver­le­gen, sol­che, die irgend­was bie­tet, was man anders­wo nicht gebo­ten bekommt. Ich muss nicht jedes Jahr ein Pro­gramm fül­len und kann war­ten, was mich trifft. Dar­über hin­aus ver­le­ge ich lie­ber Autoren, deren Beson­der­heit ich auch greif­bar schil­dern kann.
    […] Ins­ge­samt ist der Ver­dacht, dass bestimm­te alte For­men bestimm­te alte Inhal­te nahe­le­gen, zwar nie unbe­grün­det, aber das Pro­blem erweist sich als eines, mit dem man sehr gut umge­hen kann.

  • Zum Geschäft der Lite­ra­tur­kri­tik heu­te | Voll­text → danie­la stri­gl beant­wor­tet den „volltext“-fragebogen:

    Für mich per­sön­lich: die Simu­la­ti­on einer gesell­schaft­li­chen Rele­vanz, die sie schon seit Län­ge­rem nicht mehr hat. Ich muss zumin­dest so tun, als wäre die Kri­tik noch wich­tig, damit ich jenes Maß an Hin­ga­be und Ernst auf­brin­ge, das jeder lite­ra­ri­sche Text grund­sätz­lich ver­dient. Mit­ten in die­ser mir selbst vor­ge­spiel­ten Wich­tig­keit däm­mert mir frei­lich die Irrele­vanz mei­nes Tuns, die wie­der­um eine schö­ne Frei­heit eröff­net. All­ge­mein betrach­tet ist die Kri­tik in ihrer Mar­gi­na­li­sie­rung natür­lich als sia­me­si­scher Zwil­ling an die Lite­ra­tur gebun­den. Der Zeit­geist hält nicht viel von Lite­ra­tur und von lite­ra­ri­scher Bil­dung bezie­hungs­wei­se er hält sie für Luxus, ergo ent­behr­lich. Das wird sich ein­mal auch wie­der ändern, bis dahin lese und schrei­be ich unver­dros­sen wei­ter.

  • Smar­te Mobi­li­tät | taz → Mar­tin Held, Man­fred Krie­ner und Jörg Schind­ler schla­gen vor, vor­han­de­ne, funk­tio­nie­ren­de Assis­tenz­sys­tem bei Pkw und Lkw viel stär­ker ein­zu­bin­den, um Unfäl­le zu ver­mei­den

    Wir haben Visio­nen vom kom­plett auto­no­men Auto, das angeb­lich alles bes­ser macht. Wir trau­en uns aber nicht, nütz­li­che Assis­tenz­sys­te­me auch nur in Ansät­zen vor­zu­schrei­ben?

    Der oben beschrie­be­ne Ein­satz der Tech­nik wäre sofort mach­bar und wür­de eine heil­sa­me Wir­kung ent­fal­ten. Eben­so wäre in der Über­gangs­zeit ein „Misch­be­trieb“ von Fahr­zeu­gen mit und ohne Assis­tenz­sys­te­me pro­blem­los mög­lich. Und noch ein­mal: In allen Fäl­len blie­ben die Frei­heits­gra­de beim Fah­ren so lan­ge voll­stän­dig erhal­ten, wie die Rechts­vor­schrif­ten ein­ge­hal­ten und kei­ne gefähr­li­chen Fahr­ma­nö­ver gestar­tet wer­den.

  • Ges­tern böse, heu­te nor­mal | Zeit → Harald Wel­zer über „shif­ting base­lines“ (oder, um es anders zu sagen: ver­än­dern­de dis­kur­se)

    Shif­ting base­lines sind gera­de in Zei­ten gro­ßer poli­ti­scher Dyna­mik ein Pro­blem, weil die Nach­rich­ten, Begrif­fe, Kon­zep­te und Pro­vo­ka­tio­nen so beschleu­nigt und viel­fäl­tig ein­an­der abwech­seln, dass man kaum bemerkt, wie das, was ges­tern noch als unsag­bar galt, heu­te schon Bestand­teil eines schein­bar nor­ma­len poli­ti­schen Dis­kur­ses ist. […] Wie bemerkt man sol­che Ver­schie­bun­gen, und wie stemmt man sich dage­gen? Dafür gibt es kein Patent­re­zept, schließ­lich ist man als Mit­glied einer Gesell­schaft stets Teil einer sich ver­än­dern­den sozia­len Gemein­schaft. Aber viel­leicht kann man sich dar­in üben, gele­gent­lich „Augen­blick mal!“ zu sagen, wenn einem etwas so vor­kommt, als habe man es kurz zuvor nicht mal den­ken, geschwei­ge denn sagen wol­len. … Ein­fach mal den Rede- und Denk­fluss unter­bre­chen, die base­line am Ver­schie­ben hin­dern. Den eige­nen mora­li­schen Kom­pass eichen.

  • Gedich­te für alle! | NZZ Felix Phil­ipp Ingold recht klug über die Vor­tei­le von Lyrik, ihre Rezep­ti­on und Kri­tik momen­tan →

    Im Unter­schied zum Infor­ma­ti­ons­ge­halt des Gedichts steht sei­ne Sprach­ge­stalt ein für alle Mal fest, sie ist am und im Gedicht sinn­lich fass­bar, ist Gegen­stand sei­ner ästhe­ti­schen Erkennt­nis, dies in Ergän­zung oder auch in Kom­pen­sa­ti­on zu dem von ihm Gemein­ten. Nicht sei­ner Bedeu­tung nach, aber als Laut­ge­bil­de hat das Wort in jedem Fall sei­ne eige­ne Wahr­heit – nicht zu wider­le­gen, nicht zu ver­fäl­schen, nie­mals adäquat zu über­set­zen.

fischernetz (detail)

Ins Netz gegangen (2.3.)

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  • Let’s not demo­ni­ze driving—just stop sub­si­di­zing it | City Obser­va­to­ry → ein ande­rer weg, die leu­te vom auto weg­zu­be­kom­men: ihnen ein­fach die wirk­li­chen kos­ten des moto­ri­sier­ten ver­kehrs in rech­nung stel­len (ich weiß nicht, ob das wirk­lich so viel bes­ser funk­tio­niert – es scheint mir eher neue unge­rech­tig­kei­ten zu pro­du­zie­ren …)

    But the pro­blem is not that cars (or the peo­p­le who dri­ve them) are evil, but that we use them too much, and in dan­ge­rous ways. And that’s becau­se we’ve put in place incen­ti­ves and infra­struc­tu­re that encou­ra­ge, or even requi­re, us to do so. When we sub­si­di­ze roads, socia­li­ze the cos­ts of pol­lu­ti­on, cra­s­hes and par­king, and even legal­ly requi­re that our com­mu­ni­ties be built in ways that make it impos­si­ble to live wit­hout a car, we send peo­p­le strong signals to buy and own cars and to drive—a lot. As a result, we dri­ve too much, and fre­quent­ly at unsafe speeds given the urban envi­ron­ment.
    […] Dri­ving is a choice, and pro­vi­ded that dri­vers pay all the cos­ts asso­cia­ted with making that choice, there’s litt­le reason to object to that.

  • Ele­ment of Crime: „Del­men­horst“ | Pop-Antho­lo­gie → Uwe Ebbing­haus nimmt das Lied bzw. sei­nen Song­text unter die Lupe

    Poe­sie darf bei Ele­ment of Crime, das scheint ein eher­nes Gesetz der Band zu sein, nicht dau­er­haft durch poe­ti­sche For­mu­lie­run­gen erzeugt wer­den. Manch­mal bricht sich in den Tex­ten sogar eine regel­rech­te Poe­sie­feind­schaft Bahn […]. Aus Angst vor der Pseu­d­oly­rik ver­zich­tet Rege­ner fast kom­plett auf lyri­sche Mar­ker

  • Lin­gu­is­tik: Ein neu­es Bild der Spra­che | Spek­trum → Paul Ibbotson und Micha­el Toma­sel­lo mit einem inter­es­san­ten (auch für lai­en ver­ständ­li­chen) text über aktu­el­le ent­wick­lun­gen in der lin­gu­i­si­tik (auch wenn sie mei­nes erach­tens den stel­len­wert der chomsky’schen uni­ver­sal­gram­ma­tik über­zeich­nen – die ablö­sung läuft schon recht lan­ge …)

    Die Uni­ver­sal­gram­ma­tik scheint end­gül­tig in der Sack­gas­se zu ste­cken. An ihrer Stel­le ver­spricht die gebrauchs­ba­sier­te Lin­gu­is­tik einen aus­sichts­rei­chen Zugang zu den 6000 Spra­chen, die auf der Welt genutzt wer­den.

  • „Wir ver­ste­hen sozia­le Medi­en immer noch nicht wirk­lich“ | future­zo­ne → kur­zes inter­view mit Iyad Rah­wan über sozia­le medi­en, geschwin­dig­kei­ten von nach­rich­ten­ver­brei­tung und infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung und die anpas­sungs­fä­hig­keit von men­schen, gesell­schaf­ten (und ein biss­chen von tech­no­lo­gien)
fischnetz

Ins Netz gegangen (1.3.)

Ins Netz gegan­gen am 1.3.:

  • Grü­ne Wel­le für Rad­fah­rer | Zeit → Andrea Reidl berich­tet von sehr deut­schen Ver­su­chen, grü­ne Wel­len für Rad­fah­re­rin­nen zu eta­blie­ren: Mit viel Tech­nik, die ger­ne auch noch den Rad­lern auf­ge­bür­det wird (wie eine not­wen­di­ge App von Sie­mens, die natür­lich alle Bewe­gun­gen erfasst …)
  • Roter Mar­mor | Floh­bu­de → die floh­bu­de war auf einer ver­an­stal­tung der säch­si­schen afd-frak­ti­on – ein durch­aus fas­zi­nie­ren­der und erhel­len­der (lan­ger) bericht, aber auch bedrü­ckend
  • Zum Tod des His­to­ri­kers Peter Blick­le: Wie geht Demo­kra­tie? | NZZ → urs haf­ner erin­nert an den kürz­lich ver­stor­be­nen his­to­ri­ker peter blick­le:

    Jetzt, im Ange­sicht der auto­ri­tä­ren Inter­na­tio­na­le, käme Blick­les Zeit wie­der, jetzt gewin­nen sei­ne Ana­ly­sen neue Aktua­li­tät: Wie macht man Poli­tik, wie schafft man Demo­kra­tie? Für die Zeit von 1300 bis 1800 hat Blick­le dies ein­dring­lich auf­ge­zeigt und neue Per­spek­ti­ven eröff­net. Viel­leicht hat er mit sei­nem For­schen, das um die sich in ihren Gemein­den orga­ni­sie­ren­den Bau­ern und ein­fa­chen Bür­ger kreis­te, Deutsch­land eine demo­kra­ti­sche Tra­di­ti­on geben wol­len, eine Alter­na­ti­ve zur unheil­vol­len Tra­ver­se vom Bau­ern­feind Luther zum Dik­ta­tor Hit­ler.

    auch wolf­gang schma­le wür­digt blick­les leis­tun­gen in sei­nem blog.

  • I Was a Mus­lim in the Trump White House—and I Las­ted Eight Days | The Atlan­tic → eine ame­ri­ka­ne­rin, die im/​für den natio­nal secu­ri­ty coun­cil arbei­te­te, berich­tet über die ände­run­gen der letz­ten wochen …
  • Umwelt­his­to­ri­ker über Win­ter­ur­laub: „Natur stört gene­rell“ | taz → gutes inter­view mit einem wis­sen­schaft­ler, der vor mar­ki­gen wor­ten nicht zurück­schreckt und am win­ter-/ski­tou­ris­mus der alpen mit all sei­nen aus­wüch­sen wenig posi­ti­ves ent­de­cken kann …

    Win­ter­sport­ge­bie­te waren immer Fabri­ken für tou­ris­ti­sche Zufrie­den­heit. Und die tou­ris­ti­schen Wer­be­bil­der wecken Erwar­tun­gen an die Kul­tur­land­schaft.

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