Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: schweiz

Sommer, also

Sehn­sucht, Ver­klä­rung, Erin­ne­rung, Erwar­tung, Träu­me – und viel Hoff­nung, aber auch viel Rea­li­täts­ver­lust, ‑ver­nei­nung und ‑verw­wei­ge­rung:
All das packt Sibyl­le Berg in einen klei­nen Text „Som­mer, also“.

Der rich­ti­ge Som­mer aus der Erin­ne­rung fand zu Hau­se statt und hat­te mit geschlos­se­nen Fens­ter­lä­den zu tun und mit lee­ren Stun­den und Asphalt, und einer fieb­ri­gen Erwartung. 

Und das lese ich just an dem Tag, an dem es hier wirk­lich som­mer­lich (gewor­den) ist … Und nut­ze die Gele­gen­heit, nicht nur Frau Bergs Bücher zu emp­feh­len, son­dern auch ihre Web­site und ihr am bes­ten auch noch bei Twit­ter zu fol­gen (und dann die fei­ne Linie zwi­schen Fan und Stal­ker nicht überschreiten …).

Wir hof­fen. Der Som­mer ist zu etwas meta­pho­ri­schem gewor­den, zum Traum des per­fek­ten Daseins in einer luzi­den Umge­bung die nur aus freund­li­chen halb­nack­ten Men­schen besteht, und Som­mer­lö­chern in den Medi­en, in denen Raum für sol­che Tex­te ist, weil es gera­de kei­ne Eurok­rie­se gibt und kei­ne Roh­stoff Han­dels ‑Hor­ror­mel­dun­gen, kei­ne Aus­beu­tun­gen ande­rer Men­schen und Län­der, kein Unter­gang, kein Bla­de Run­ner Wet­ter vor der Woh­nung die viel­leicht bald nicht mehr unse­re ist, weil das Vier­tel gen­de­ri­fi­ziert wurde.

Taglied 15.7.2012

Eri­ka Stu­cky, Berg und Geist:

STUCKY-BERG und GEIST.m4v

Beim Kli­cken auf das und beim Abspie­len des von You­Tube ein­ge­bet­te­ten Vide­os wer­den (u. U. per­so­nen­be­zo­ge­ne) Daten wie die IP-Adres­se an You­Tube übertragen.

die gran­di­os ver­rück­te Eri­ka Stu­cky auf dem Berg, im Wind und im Schnee – und wie immer ganz ohne Grenzen …

Taglied 6.2.2012

… Göt­ter des schwei­zer Jazz – naja, Göt­ter viel­leicht nicht (trotz des Namens), aber Grö­ße – und vor allem Ener­gie – hat das schon, was „The Young Gods“ mit Koch-Schütz-Stu­der auf die Bei­ne stellen:

The Young Gods, Koch, Schütz & Stu­der live

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(nur echt mit dem Räucherstäbchen)

Auf einem Ski in Arosa

Das dies­jäh­ri­ge Tref­fen der Mono­ski­fah­rer begann für mich am Don­ners­tag: Vor­mit­tags schnell noch mein Kram fer­tig gepackt – eine gro­ße Tasche voll­ge­stopft mit Schu­hen (zum Ski­fah­ren und Lau­fen), jeder Men­ge Kla­mot­ten und ein paar Müs­li­rie­geln. Dann den Ski unter den Arm geklemmt und ab zum Bahn­hof – der Zug brach­te mich näm­lich nach Schif­fer­stadt, zu Tilo. Der war noch nicht ganz so weit, aber das war nicht wei­ter schlimm, weil sich auch bei Andre­as die Abfahrt etwas ver­zö­gert hat­te. Gegen 17 Uhr waren wir dann unter­wegs: Andre­as mit Toch­ter Aria­ne, Tilo und ich – so ging es nach Aro­sa. Die Fahrt ver­lief denn auch ohne Pro­ble­me, beson­ders das letz­te Stück von Chur, die 360 Kur­ven, auf die Aro­sa so stolz ist (und für die man sogar eine Paten­schaft erwer­ben kann …), sogar in aus­ge­spro­chen rasan­tem Tem­po. Nur in Aro­sa brauch­ten wir einen Moment, unse­re Unter­kunft für die ers­te Nacht zu fin­den: Das Back­pa­ckers Moun­tain­lodge. Das ist offen­bar ein ehe­ma­li­ges San­to­ri­um. Zumin­dest sehen die Räu­me – klei­ne Zim­mer mit Jugend­her­bergs­ein­rich­tung inklu­si­ve Stock­bet­ten – die Flu­re und die Bal­kons sehr danach aus. Da es mitt­ler­wei­le schon 22.15 Uhr war, fan­den wir nur noch eine unbe­setz­te Rezep­ti­on vor – aber immer­hin mit einem Zet­tel, wel­che Zim­mer unse­re waren. Die waren schnell bezo­gen, die Bet­ten gemacht – und das war’s dann auch schon eigent­lich, die Nacht­ru­he rief. Das Moun­tain­lodge war zwar recht ordent­lich und sehr sau­ber, aber über den Preis kann man geteil­ter Mei­nung sein. Für Leu­te aus dem Euro-Gebiet wie uns war das – ange­sichts des beschei­de­nen Kom­forts und der ein­fa­chen Ver­pfle­ge­gung – eigentlch unver­schämt teu­er. Obwohl die bei­den Back­pa­ckers – von den Berg­bah­nen betrie­ben – die bil­ligs­ten Unter­künf­te in Aro­sa sind: Preis­güns­tig sind sie keineswegs …

Denn am Frei­tag soll­te es rich­tig los­ge­hen. Trotz des zei­ti­gen Auf­ste­hens hat zwar nicht das Früh­stü­cken, aber doch das Bezah­len, Auto packen und Aus­che­cken eine gute Wei­le gedau­ert. Auf dem Weg zur Seil­bahn-Tal­sta­ti­on tra­fen wir dann gleich die Leu­te von Duret sowie Remy und Otto. Aller­dings muss­ten wir noch das Auto los­wer­den – in Aro­sa nie eine ein­fa­che Sache, dies­mal bedeu­te­te es einen ordent­li­chen Fuß­marsch für Andre­as. Gegen 10 Uhr war dann aber alles erle­digt und wir oben auf dem Berg. Und das heißt wirk­lich, oben: Auf der Spit­ze des Weiß­horns, wo uns die gro­ße Gon­deln der Sei­bahn (eine ziem­lich zeit­auf­wän­di­ge Fahrt) hin­be­för­der­ten. Zum Ein­fah­ren muss­te erst ein­mal die rote Abfahrt zur Mit­tel­sta­ti­on her­hal­ten (die schwar­ze von oben muss­te ja nicht gleich bei den ers­ten Schwün­gen die­ses Win­ters sein …). Und dann ging es vor allem auf die Pis­ten am Hörn­li – da waren wir einen Groß­teil die­ser drei Tage unter­wegs, die Pis­ten dort, die der eine Vie­rer-Ses­sel bedient, bie­ten wun­der­ba­re Mög­lich­kei­ten: Rote und Schwar­ze glei­cher­ma­ßen, sol­che mit eher gleich­mä­ßi­gem Gefäl­le und wel­che mit schö­nen Absät­zen und Stu­fen – vor allem vie­le Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten … Sehr schö­ne Mög­lich­kei­ten bot aber auch der Car­men­na-Ses­sel­lift (natür­lich von ganz oben, nicht schon ab der Mit­tel­sta­ti­on): Ent­we­der über die schwar­ze Pis­te, die vom Weiss­horn her­un­ter kommt oder direkt am Lift hin­un­ter: Das beginnt gleich rich­tig steil – und weil oben am Ein­stieg eine Schnee­ka­no­ne in Betrieb war, waren gera­de die ers­ten Meter davon ziem­lich hef­tig. Aber dann ging es rich­tig schön hin­un­ter – auch eine klas­se Pis­te. Nur unten viel­leicht einen Tick langweilig.

Der Schnee in Aro­sa: Aus­rei­chend, aber uralt (letz­ter Neu­schnee im Janu­ar, da hat’s den gan­zen Monat aber auch nur 30 Zen­ti­me­ter geschneit) und ent­spre­chend hart. Neben der Pis­te – vor allem am Weiss­horn – war schon fast kein Schnee mehr. Und wo noch mehr oder weni­ger genü­gend war, war er der­ma­ßen stein­hart, dass es kaum fahr­bar war – wir haben es am Hörn­li natür­lich sofort aus­pro­biert. Zumin­dest Spaß macht das Abseits­fah­ren bei sol­chem Schnee nicht.

Abge­schlos­sen haben wir den Ski­tag mit einer gemein­sa­men Tal­ab­fahrt – nach­dem wir alle auf der rich­ti­gen Pis­te waren, war das auch ganz nett und noch erstaun­lich gut zu fah­ren. Danach ging es dann erst ein­mal in die neue Unter­kunft, das ande­re Back­pa­ckers in Aro­sa, Down­town genannt, weil es im Gegen­satz zum Moun­tain­lodge nicht am Orts­rand bei der Pis­te liegt, son­dern mit­ten in der unte­ren Hälf­te des Ortes. Ansons­ten unter­schied es sich nicht groß vom ers­ten Back­pa­ckers – die An- und Abmel­dung ist bei bei­den furcht­bar kom­pli­ziert, auf­wän­dig und umständ­lich gewe­sen. Irgend­wann war das aber alles erle­digt und wir waren auf unse­ren Zim­mern. Inzwi­schen schon reich­lich spät, denn für 17 Uhr war ein ers­tes offi­zi­el­les Tref­fen im nahe­ge­le­ge­nen Sun­star-Hotel ange­setzt. Ich ging aber erst ein­mal wenigs­tens ein biss­chen Lau­fen – viel war es nicht, ich und mei­ne Bei­ne waren müde. Und in Aro­sa gibt es noch weni­ger Mög­lich­kei­ten, ohne gro­ße Stei­gun­gen zu lau­fen, als in ande­ren Ski­or­ten. Mein Forerun­ner hat­te sich dum­mer­wei­se in der Tasche irgend­wann von selbst ange­schal­tet und war des­halb inzwi­schen ohne Strom. Geschätzt war ich ca. 20 Minu­ten für unge­fähr drei Kilo­me­ter unter­wegs, in Rich­tung Hörn­li, ab dem Cam­ping­platz auf der „Pis­te“ Nr. 1.

Nach dem Begrü­ßungs­tref­fen gin­ge wir dann gemein­sam (fast) alle zum Abend­essen ins Cha­man­na – sehr nett und lecker, aber wie alles in die­sem Ort nicht gera­de preis­wert … Das hat sei­ne Zeit gedau­ert – erst gegen 23 Uhr waren wir zurück im Back­pa­ckers und hör­ten auf den Ruf der Betten …

Der Sams­tag begrüß­te uns schon mor­gens mit herr­li­chem Wet­ter: Blau­er Him­mel ohne das kleins­te Wölk­chen. Heu­te beschlos­sen wir, das Auto ste­hen zu las­sen und zu Fuß zur Berg­bahn zu mar­schie­ren. Das war dann doch etwas län­ger als gedacht, zum Glück hat­ten wir die Ski­schu­he noch nicht an. Tilo und ich waren etwas frü­her auf­ge­bro­chen, er woll­te den Duret-Leu­ten hel­fen beim Auf­bau­en des Test­stan­des für deren Mono­skier an der Mit­tel­sta­ti­on. Da ange­kom­men, tra­fen wir zufäl­lig auf Bru­no, Kurt und Rodol­fo. Mit denen war ich dann fast den gan­zen Tag unter­wegs – und wie. Die hatten’s näm­lich ziem­lich eilig. Und man merkt, dass sie öfters auf dem Ski ste­hen als ich – mit­hal­ten konn­te ich, mit etwas Mühe, gera­de so. Das hohe Tem­po mach­te aber wirk­lich irr­sin­nig Spaß: Die Son­ne schien strah­lend, der Schnee war okay, die Pis­ten gut prä­pa­riert. Da mach­te es auch wenig, dass ich schon auf der ers­ten Abfahrt mei­ne rech­te Kon­takt­lin­se ver­lor – die war wohl nicht rich­tig drin. Sehr selt­sam war das, wie ich wäh­rend dem Fah­ren merk­te, dass sie aus dem Auge rutsch­te, im Augen­win­kel hän­gen­blieb und vom Fahrt­wind dann end­gül­tig her­aus­ge­drückt wur­de und auf Nim­mer­wie­der­sehn ver­schwand. Gegen Mit­tag wur­de es zwar etwas vol­ler, aber dafür, dass ganz Aro­sa aus­ge­bucht sein soll­te, war noch erstaun­lich viel Platz auf den Pis­ten. Gut, am Hörn­li-Ses­sel­lift muss­te man zwi­schen­durch mal (ganz) kurz anste­hen – aber auf der Pis­te war das immer noch in Ord­nung mit dem Betrieb. Unter­des­sen lief wie­der – wie sich das für ein Mono­ski­tref­fen gehört – der gro­ße Ski­tausch: Die Durets (und eini­ge ande­re, wie das Monobla­de, der Mono­cross, das Yama­tool/​Coda) wur­den eif­rig pro­biert – von mir aller­dings nicht, ich blieb die­se drei Tage lie­ber bei mei­nem mir ver­trau­ten TT Ham­mer. Die Grup­pen wech­sel­ten über den Tag öfter, der Spaß blieb der­sel­be. So war es ruck­zuck schon 16.30 Uhr, als ich mit Bru­no die letz­te Abfahrt vom Weiss­horn anging. Dann saßen wir noch kurz alle bei der Schirm­bar an der Mit­tel­sta­ti­on (Hüt­ten- & Apré­ski-tech­nisch ist Aro­sa übri­gens extrem zurück­hal­tend), bevor wir die gemein­sa­me Talbafahrt antra­ten. Bis wir dann end­lich wie­der auf unse­rem Zim­mer waren, zeig­te die Uhr schon sechs an – und ich ging erst spät lau­fen. Dies­mal ging es etwas wei­ter, zwar ähn­lich wie am Frei­tag (wie­der auf die „Pis­te“), aber mit eini­gen klei­nen Schlei­fen zusätz­lich: ca. vier Kilo­me­ter in einer hal­ben Stun­de). Nach dem Duschen wid­me­te ich mich noch kurz mei­nem Mono: Vor allem am Nach­mit­tag hat­te ich auf den har­ten Pis­ten gemerkt, dass mei­ne Kan­ten etwas nach­lie­ßen – das wur­de schnell beho­ben. Und dann war es auch schon Zeit für das gro­ße Fon­due Chi­noi­se, wie­der im Cha­man­na, das ja prak­ti­scher­wei­se recht nahe lag – gut vor allem für Andre­as, der nach sei­nem Sturz am Frei­tag mit­tag doch beim Lau­fen sehr gehan­di­capt war.

Am Sonn­tag war wie­der alles anders. Schon beim Auf­wa­chen wur­de klar: Das schö­ne Wet­ter war ver­schwun­den, die ein­zel­nen dunk­len Wol­ken vom Sams­tag abend waren nicht mehr allein, son­dern hin­gen dicht über dem Ort und also voll im Ski­ge­biet den gan­zen Him­mel bede­ckend. Also lie­ßen wir uns mit dem Früh­stück etwas mehr Zeit – es war ja auch Sonn­tag … Weil wir nach dem Ski­fah­ren sofort nach Hau­se woll­ten, war ich extra schon um 7 Uhr auf­ge­stan­den, um vor dem Früh­stück einen klei­nen Lauf zu absol­vie­ren. Die­ses Mal blieb ich auf der Stra­ße, das war am ein­fachs­ten. Bei gera­de ein­mal 0 °C war ich wie­der eine knap­pe hal­be Stun­de unter­wegs – mit schreck­lich stei­fen Beinen …

Auf der Pis­te war es heu­te zwar aus­ge­spro­chen leer, aber auch etwas schwie­rig. Ich brauch­te ein bis zwei Abfahr­ten, mich dar­an zu gewöh­nen: Durch die dich­te Bewöl­kung und den leicht grie­se­li­gen Schnee­fall war das Licht zu dif­fus, das man nicht sah, wo die Pis­te auf- oder abging und ent­spre­chend etwas vor­sich­ti­ger und zurück­hal­ten­der unter­wegs sein soll­te. Mit der Zeit und der Gewöh­nung nahm aber unser Tem­po auch wie­der zu. Bald war ich näm­lich wie­der mit den schnel­len Flit­zern Bru­no, Kurt und Rodol­fo unter­wegs. Und die Pis­ten am Hörn­li kann­ten wir ja inzwi­schen. Tat­säch­lich kam am spä­ten Vor­mit­tag auch für kur­ze Zeit etwas Bes­se­rung auf: Die Wol­ken­de­cke dünn­te stel­len­wei­se etwas aus, so dass die Son­ne etwas stär­ker hin­durch kam – und sofort mach­te das Fah­ren mit deut­lich mehr Sicht erheb­lich mehr Spaß. Mit­tags tra­fen wir uns alle an der Mit­tel­sta­ti­on für eine kur­ze Pau­se. Und dann ging es noch mal in der gro­ßen Grup­pe aufs Weiss­horn. Peter woll­te ja auch noch den Ki-Mono-Car-Ver pro­bie­ren – und tat das gleich auf der lan­gen Abfahrt. Weit kam er damit aller­dings nicht, die­ser Mini­ski ist wohl doch sehr spe­zi­ell. Auf­grund der momen­tan extrem schlech­ten Sicht war die­se Abfahrt aller­dings für den Rest der Grup­pe auch nicht sehr leicht- dafür hat­ten wir die kom­plet­te Pis­te für uns. Heu­te war eh’ kaum jemand utner­wegs, nur so ein paar Unent­weg­te wie wir. Und ein ein­hei­mi­scher Mono­ski­fah­rer, Vik­tor, der seit Jahr­zehn­ten sei­nem Mono­turm treu geblie­ben ist. Nach­mit­tags waren wir dann wie­der in ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen (mit eigent­lich fast allen noch fah­ren­den Teil­neh­mern) am Hörn­li unter­wegs – aller­dings auch nicht mehr beson­ders lan­ge. Andre­as und Aria­ne mach­ten bald Schluss, ich hing noch zwei schnel­le Abfahr­ten an, bevor ich ihnen eben­falls folg­te – und bei der letz­ten Tal­ab­fahrt noch eine fal­sche Abzwei­gung mach­te, die mich – auf dem Weg zur Hörn­li-Express-Tal­sta­ti­on, wo das Auto stand – auf die Pis­te 1 führ­te: Eine Kata­stro­phe, das Ende die­ser Pis­te ist ein Weg, der zum Schluss noch berg­auf führt und bei gutem Schnee viel­leicht gera­de noch so fahr­bar ist, bei lang­sa­men Bedin­gun­gen wie an die­sem Tag aber Fuß­weg bedeutet …

Genau um 16 Uhr hat­ten wir dann im Schnee­trei­ben das Auto gepackt und star­te­ten in Rich­tung Hei­mat. Die Fahrt ver­lief wie­der sehr glatt, bis Chur brauch­ten wir unge­fähr eine Stun­de und dann für den Rest nach Schif­fer­stadt noch­mal vier – genau um 21 Uhr waren wir am Bahn­hof, wo ich mei­nen Zug noch wun­der­bar bequem erreich­te und kurz nach zehn dann wie­der in Mainz war – müde und erschöpft, aber zufrieden.

Denn die Orga­ni­sa­tio­ren Remy und Tilo haben sich wie­der viel Mühe gege­ben – auch wenn wir nicht immer alles mit­ge­macht haben, was sie sich aus­ge­dacht haben. Vor allem auf das Mond­schein­fah­ren am Frei­tag (auf unbe­leuch­te­ter Pis­te bei Voll­mond) hat­te irgend­wie kei­ner Lust, alle waren den gan­zen Tag gefah­ren und ent­spre­chend ausgepowert …
Aro­sa selbst fand ich ganz nett, für mich aller­dings auch aus­ge­spro­chen teu­er. Das Ski­ge­biet ist nicht super anspruchs­voll (wirk­lich ein­fa­che Pis­ten gibt es aber auch fast kei­ne), und fällt auch sonst nicht beson­ders auf: Alles sehr ordent­lich, aber irgend­wie nichts her­aus­ra­gen­des. Aber eini­ge Pis­ten – vor allem die rote 3 am Hörn­li, aber auch die schwar­ze 8 am Weiss­horn, mach­ten eine Men­ge Spaß – gera­de weil sie nicht zu anspruchs­voll und schwie­rig waren, konn­te man/​ich sie wun­der­bar aus­fah­ren und auch mal ordent­lich Tem­po ris­kie­ren. Für die eher über­schau­ba­re Grö­ße (eigent­lich sind es ja nur zwei Ber­ge) gibt es recht vie­le geschickt ange­leg­te Abfahr­ten, aller­dings auch erstaun­lich vie­le Wege, die zudem sehr oft aus­ge­spro­chen flach waren und dem Mono daher nicht so sehr ent­ge­gen­ka­men. Lei­der waren die Pis­ten am Brüg­ger­horn, dem soge­nann­ten „Ent­span­nungs­berg“ nicht offen – bei ver­nünf­ti­gem Schnee hät­te das wohl eini­ge schö­ne Vari­an­ten gege­ben. Über­haupt lässt die Topo­gra­phie erah­nen, dass bei aus­rei­chen­dem Schnee in Aro­sa viel neben der Pis­te mög­lich ist – da hat­ten wir halt ein­fach Pech mit dem Wet­ter in die­sem Win­ter – wobei die Berg­bah­nen den weni­gen Schnee gut im Griff hat­ten und ordent­lich prä­pa­rier­ten. Also, wie­der ein­mal ein schö­ne Tref­fen der mono​-ski​.org: Ein­fach drei schö­ne Tage des Ski­fah­rens – wie immer, wenn sich die Mono­ski­fah­rer treffen …

menschheitsfehler

aus dem heu­ti­gen news­let­ter von frau berg:

„Nicht zum ers­ten Mal, aber deut­lich in Neon­far­be begrei­fe ich: DIE WISSEN ALLE NICHT, WAS SIE TUN. Die Mensch­heit ist die Ras­se, die sich ver­mut­lich am meis­ten überschätzt.“ -

auch sonst (mal abge­se­hen von den invek­ti­ven gegen mara­thon­läu­fer ;-) ) ein schö­nes klei­nes text­lein mit den typi­schen berg-beob­ach­tun­gen … es ist ja immer wie­der nett, sich selbst und die eige­nen beob­ach­tun­gen und ein­schät­zun­gen mit die­sen spo­ra­disch her­ein­flat­tern­den text­stü­cken aus der schweiz bestä­tigt zu wis­sen. der erkennt­nis­wert ist zwar nicht immer sehr hoch, aber prä­gnan­te, oft ätzen­de und gar nicht so men­schen­freund­li­che (aber dazu besteht ja lei­der oft genug auch kein anlass) for­mu­lie­run­gen fin­den sich da drin immer wie­der schö­ne – sie­he oben.

Was für ein grandioser Spaß!

gera­de höre ich die cd sehr schnee sehr wald sehr des schwei­zer akkor­deo­nis­ten hans hass­ler, die mir der post­bo­te heu­te aus der schweiz in den brief­kas­ten gelegt hat. schon das label, bei dem die­ses genia­le meis­ter­werk erschie­nen ist, zeigt ja, was für ein akkor­deo­nist das ist: intakt ist alles ande­re als die hei­mat der volks­mu­sik. und dann ver­wun­dert es kaum mehr, was hier aus den laut­spre­chern tönt. aber die­ser kau­zi­ge und skur­ril-kru­de mix aus volks­mu­sik (ja, in anklän­gen lässt hass­ler mal einen zer­fetz­ten länd­ler auf­tau­chen oder eine pol­ka auf­schei­nen), jazz und vor allem frei­er impro­vi­sa­ti­on erstaunt dann doch ein biss­chen: dass der kerl so gut ist, hät­te ich nicht erwar­tet. denn begeg­net ist er mir bis­her noch nicht bewusst (unbe­wusst muss ich ihn mal in geb­hard ull­manns ensem­ble gehört haben). jeden­falls, hass­ler hat hier nicht nur klei­ne, win­zi­ge spon­ta­ne genie­strei­che auf­ge­nom­men. son­dern auch meh­re­re gro­ße „wer­ke” mit dau­ern von 5–15 minu­ten. das über­ra­gen­de dabei ist etwas, was ich nur ganz sel­ten hör­te bis­her: das steckt vol­ler anspie­lun­gen, allu­sio­nen, zita­te, hin­wei­se, quer­ver­wei­se wie kaum eine musik. aber, das ist das ent­schei­den­de, hass­ler packt das so geni­al zusam­men, schweißt das so per­fekt inein­an­der, dass die ver­schie­dens­ten her­künf­te zwar beim nach­den­ken dar­über klar wer­den, aber nicht zu hören sind: das ist näm­lich ech­te musik aus einem guss. frü­her hät­te man hass­ler sicher einen musi­kan­ten genannt, doch heu­te hat das immer so einen abwer­ten­den bei­geschmack. aber es scheint mir sehr gut zu tref­fen zur cha­rak­te­ri­sie­rung: er spielt ein­fach, wie ihm die fin­ger fal­len – mit aus­ge­spro­che­ner vir­tuo­si­tät in tech­nik und gestal­tung der form. natür­lich tut er dies mit wachem, schar­fen ver­stand – anders lie­ße sich so mons­trös-aus­ufernd gute musik gar nicht erzeu­gen. pir­min boss­art bezeich­net ihn im book­let als „musi­ka­li­schen frei­geist par exel­lence”. und er schreibt noch etwas, dass eigent­lich sehr genau zutrifft und kei­ner ergän­zung bedarf: „es ist nicht immer fass­bar, was geschieht. aber es geschieht.” ach, gäbe es doch nur mehr solch her­vor­ra­gen­de musik. und wür­de sie auch ihren weg zu mir fin­den .… es näm­lich immer wie­der erbau­end, so etwas zu ent­de­cken, es das ers­te, zwei­te, drit­te mal zu hören und über noch mit begeis­te­rung und vor stau­nen auf­ge­sperr­ten lau­schern dazu­sit­zen. doch das pas­siert viel zu sel­ten in der inten­si­tät, wie es hans hass­ler bei mir gera­de schafft. aber das wich­tigs­te hät­te ich jetzt bei­na­he ver­ges­sen. denn essen­ti­ell für die musik die­ser schei­be ist die tat­sa­che, dass hass­ler ein spie­ler ist. und zwar in allen hin­sich­ten, die das wort und sei­ne nut­zer sich nur vor­stel­len kön­nen. gren­zen für die­sen uner­sätt­li­chen spiel­trieb gibt es nicht. und des­halb macht die­se musik, so pro­fund und wahr sie ist, auch noch sol­chen unbän­di­gen spaß. hans hass­ler: sehr schnee sehr wald sehr. intakt 2008. nach­trag: ein por­trät (aus der wochen­zei­tung) und eine knap­pe kri­tik (aus dem tages-anzei­ger) gibt es beim label intakt.

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