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Schlagwort: free jazz Seite 2 von 3

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  • Uni­ver­si­tät Mainz: Wir­bel um Habi­li­ta­ti­on eines Theo­lo­gen – FAZ
  • Lyrik: Dich­ter, traut euch ins Zen­trum! | ZEIT ONLINE – so ganz ver­ste­he ich nora bossongs posi­ti­on hier nicht, mir ist da zu viel sic et non drin … irgend­wie geht es also dar­um, dass lyrik sich mit ihrer außen­sei­ter­rol­le nicht all­zu­sehr zufrie­den geben soll­te, aber auch nicht all­zu­sehr auf poli­ti­sche, ästhe­ti­scher oder wie auch immer mas­sen­wir­kung um jeden preis abzie­len soll …

    Denn sosehr die Mar­gi­na­li­sie­rung von Lyrik zu miss­bil­li­gen ist, so genießt Lite­ra­tur jen­seits von Ver­kaufs­druck immer auch den Vor­teil grö­ße­rer ästhe­ti­scher Frei­heit.
    […] Denn wie soll sprach­lich auf „extrem poli­ti­sche Zei­ten“ reagiert wer­den, wenn beim Rezi­pi­en­ten der Umgang mit Spra­che durch Beschleu­ni­gung, Infor­ma­ti­ons­flut und Auf­merk­sam­keits­hei­sche­rei kon­ti­nu­ier­lich ver­flacht? Dass sich Lyrik, ob kon­ven­tio­nell oder expe­ri­men­tell, die­ser Ent­sen­si­bi­li­sie­rung wider­setzt, zeigt auch ihre poli­ti­sche Dimen­si­on. Nur wie weit ist es her mit dem kri­ti­schen Poten­zi­al von Spra­chir­ri­ta­ti­on, wenn sie kaum jeman­den mehr erreicht? Was ist eine Avant­gar­de, die zwar noch als ästhe­ti­sche Vor­hut neu­es Ter­rain erkun­det, doch kei­ne Trup­pe mehr hin­ter sich hat?

  • Geschich­te im Fern­se­hen: Histo­ry sells – Medi­en – Süddeutsche.de – ger­hard mat­zig und karo­li­ne bei­sel neh­men den trend zum his­to­ri­en-tv („rück­wärts­fern­se­hen“ nen­nen sie es) zum anlass einer klei­nen, bit­te­ren gesell­schafts­dia­gno­se:

    Den­noch ist es bit­ter, dass genau dann, wenn die Pro­ble­me der Gegen­wart am größ­ten sind, wenn die Flieh­kräf­te der Glo­ba­li­sie­rung wir­ken und wir als Erben des fos­si­len Wahn­sinns vor einem Abgrund ste­hen, wenn Elend, Hun­ger, Krieg und Not auf der hal­ben Welt regie­ren, dass wir genau dann, wenn wir nach vor­ne schau­en müss­ten, um Lösun­gen zu fin­den, die lei­der nicht im Bie­der­mei­er­rah­men des Kup­fer­stich­ka­bi­netts ruhen, uns so sehr mit dem stän­di­gen Zurück­schau­en auf­hal­ten. Fern­be­die­nungs­be­quem. Und über­haupt der Welt und der Gegen­wart recht fern.

    dass sie aller­dings etwas sinn­frei von „kon­tra­fak­ti­scher Geschichts­theo­rie“ spre­chen, lässt mich sehr an ihrer bil­dung und befä­hi­gung zur gesell­schafts­dia­gno­se zwei­feln ;-)

  • Auf der Suche nach ver­ges­se­nen Lite­ra­tur­klas­si­kern – katha­ri­na teutsch berich­tet über das eu-pro­jekt „schwob“, das ver­sucht (wenn ich das rich­tig ver­ste­he …), ver­ges­se­ne oder unbe­kann­te wich­ti­ge wer­ke der natio­nal­li­te­ra­tu­ren (wie­der) ins bewusst­sein zu rufen. teutsch spricht dum­mer­wei­se von „klas­si­kern“, ohne offen­bar zu wis­sen, was das ist – denn eigent­lich sind schon „ver­ges­se­ne Klas­si­ker“ schwie­rig (wenn sie ver­ges­sen sind, sind die ent­spre­chen­den tex­te ja wohl gera­de kei­ne klas­si­ker – zumin­dest nicht mehr, sie waren es höchs­tens mal), die rede von „gänz­lich unentdeckte[n] Klassiker[n]“ ist aber nicht mehr nur alber, son­dern ein­fach abso­lut unsin­nig …
  • CD-Cover-Kri­tik: Hel­mut Lachen­manns Gefüh­le | Auf dem Sperr­sitz – wenn musik­kri­ti­ker sich lang­wei­len oder ihnen vom dau­er­hö­ren die ohren blu­ten, wen­den sie sich den covern zu …
  • Lite­ra­ri­sches Quar­tett: „Die Leu­te krie­gen jetzt erst mal mich“ | ZEIT ONLINE – iris radisch hat mit vol­ker wei­der­mann gespro­chen, der (aus­ge­rech­net der!) im herbst das lite­ra­ri­sche quar­tett im zdf wie­der­be­le­ben soll. das gespräch macht mir wenig hoff­nung, dass das eine lite­ra­tur­kri­tisch rele­van­te ver­an­stal­tung wer­den könn­te. aber mal sehen, viel­leicht über­ra­schen sie mich ja …
  • Frank­fur­ter Antho­lo­gie: Johann Wolf­gang Goe­the: „Todes­lied eines Gefan­ge­nen“ – FAZ – mathi­as may­er stellt ind er frank­fur­ter antho­lo­gie ein ziem­lich unbe­kann­tes goe­the-gedicht vor: Die­ses Gedicht hat Goe­the nur ein­mal dru­cken las­sen. Dass er sich hier mit Tod und Kan­ni­ba­lis­mus beschäf­tigt, ist unty­pisch für ihn. So kann man den Dich­ter in sei­ner gan­zen Frei­heit bestau­nen.
  • Nach Hacker­an­griff: Raus aus der digi­ta­len Hilf­lo­sig­keit – FAZ – frank rie­ger hofft und wünscht, was sich nun hin­sicht­lich des umgangs mit digi­ta­len net­zen, soft­ware und sicher­heit ändern könn­te (oder wohl eher soll­te, wirk­lich opti­mis­tisch bin ich da nicht …)

    Wirk­lich wirk­sam wären statt­des­sen hohe Inves­ti­tio­nen in lang­fris­ti­ge, effek­ti­ve Abwehr­kon­zep­te. Der Kern des Pro­blems ist und bleibt die schlech­te Qua­li­tät der Soft­ware, auf der unse­re digi­ta­le Welt beruht, und der Man­gel an qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal, um Sys­te­me sicher zu kon­fi­gu­rie­ren, zu admi­nis­trie­ren und zu war­ten. Was es des­halb jetzt braucht, ist ein umfang­rei­ches Pro­gramm zur För­de­rung von siche­ren Pro­gram­mier­spra­chen, siche­rer Soft­ware, von Aus­bil­dungs­pro­gram­men für Sicher­heits­pe­zia­lis­ten und Geset­ze für Haf­tungs­re­geln und Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen für Soft­ware und IT-Sys­te­me.

  • Janet­te Sadik-Khan: Wagt muti­ge Expe­ri­men­te, die güns­tig und schnell umzu­set­zen sind! » Zukunft Mobi­li­tät -

    Janet­te Sadik-Khan war von April 2007 bis 2013 Beauf­trag­te für den Ver­kehr der Stadt New York City. Wäh­rend ihrer Amts­zeit war sie ver­ant­wort­lich für 10.000 Kilo­me­ter Stra­ßen­netz, 800 Brü­cken, 12.000 Kreu­zun­gen, 1,3 Mil­lio­nen Stra­ßen­schil­der und 300.000 Stra­ßen­lam­pen. Und für eine neue Ver­kehrs­po­li­tik in New York City.

  • Mari­lyn Mon­roe Reads Joyce’s Ulys­ses at the Play­ground (1955) | Open Cul­tu­re – RT @openculture: Mari­lyn Mon­roe Reads Joyce’s “Ulys­ses“ at the Play­ground (1955)
  • Die Psy­cho­lo­gie des Über­se­hens – der adfc weist dar­auf hin: warn­wes­ten (und ähn­li­ches) brin­gen rad­fah­rern nichts. so wie in groß­bri­tan­ni­en die for­scher, die die auf­merk­sam­kei­ten im ver­kehr unter­sucht haben, argu­men­tie­ren, rede ich ja auch immer: wenn ich die rad­fah­rer nicht sehe, weil ich nicht hin­schaue, wo die sind, brin­gen auch warn­wes­ten nichts. das ist ja eigent­lich auch logisch: wenn die warn­wes­ten die sicht­bar­keit wirk­lich erhöh­ten, wür­de das im umkehr­schluss doch fast bedeu­ten, dass die auto­fah­rer nahe­zu blind sind …
  • Jac­ques Der­ri­da inter­views Ornet­te Cole­man, 1997 (pdf) – sehr inter­es­san­tes gespräch zwi­schen der­ri­da und cole­man, unter ande­rem über die ent­wick­lung der har­mo­lo­dics, tech­no­lo­gie und das poli­tisch-eman­zi­pa­to­ri­sche poten­zi­al der musik/​des jazz
  • Ornet­te Cole­man: Schön­heit ist ein sel­te­nes Gut | ZEIT ONLINE – ste­fan hentz wür­digt den revo­lu­tio­nä­ren ornet­te cole­man

    Als ein Musi­ker, der nicht aus dem Her­zen der Jazz­sze­ne kam, der sich nicht vor­her durch die jah­re­lan­ge Mit­wir­kung in hoch­ge­schätz­ten ande­ren Bands über jeden Zwei­fel hin­weg gespielt hat­te, son­dern mit eigen­ar­ti­gen, eige­nen Ideen auf der Büh­ne erschien, blieb Ornet­te Cole­man ein Außen­sei­ter der Jazz­sze­ne. Und damit umso wich­ti­ger und reprä­sen­ta­ti­ver für deren afro­ame­ri­ka­ni­sche Sei­te.

Taglied 16.6.2014

Geb­hard Ull­mann ist immer ein Ohr wert – hier, in die­ser etwas ande­ren fil­mi­schen Umset­zung, viel­leicht auch einen Blick:

GULF of Ber­lin: mov.10 (video: oli­ver potratz)

Beim Kli­cken auf das und beim Abspie­len des von You­Tube ein­ge­bet­te­ten Vide­os wer­den (u. U. per­so­nen­be­zo­ge­ne) Daten wie die IP-Adres­se an You­Tube über­tra­gen.

(via Welt­sicht aus der Nische)

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  • Gegner_​innen und poli­ti­sche Kon­flik­te | Aus Lie­be zur Frei­heit – Noti­zen zur Arbeit der sexu­el­len Dif­fe­renz – Ant­je Schrupp macht auf einen inter­es­san­ten Punkt der poli­ti­schen Dis­kus­si­on und Tätig­keit auf­merk­sam: Das Ver­schwin­den der Geg­ner­schaft:

    Mei­ner Ansicht nach geht es eher dar­um, die Kate­go­rie der „Gegner_​innenschaft“ wie­der bewusst in das poli­ti­sche Reper­toire auf­neh­men (das per­sön­li­che, das der eige­nen Grup­pe…), als zusätz­li­che Mög­lich­keit sozu­sa­gen, das eige­ne Ver­hält­nis zu ande­ren Akteu­rin­nen zu begrei­fen – neben den bei­den bereits gän­gi­gen Kate­go­rien von „Geht gar nicht/​ist dumm“ oder „Kann-man-tole­rie­ren“.

  • Tho­mas Meine­cke (F.S.K.) singt… – You­Tube – das ist Cool­ness: Tho­mas Meine­cke singt/​litaneit Dr. Arnold Fanck >
  • %post_​author%: Tho­mas Meine­ckes Clip/​/​Schule ohne Wor­te 1 – LOGBUCH (Suhr­kamp-Blog) – Die „Clip/​/​Schule“ von Tho­mas Meine­cke ist übri­gens eine aus­ge­spro­chen span­nen­de Sache (mit coo­lem Namen) >
  • Aus­stel­lung: Free Jazz in der DDR | ZEIT ONLINE – Chris­toph Dieck­mann nutzt die Gele­gen­heit der Aus­stel­lungs­er­öff­nung in Cott­bus, die Zeit-Leser über den Free Jazz in der DDR zu infor­mie­ren:

    Die Free Jaz­zer der DDR kom­mu­ni­zier­ten. Sie leb­ten Fan­ta­sie und Indi­vi­dua­li­tät. Sie wur­den kei­ne Opfer des Sys­tems. Statt Frei­heit ein­zu­kla­gen, nah­men sie sich Frei­heit und gaben sie an uns wei­ter. Das bleibt. Gelernt ist gelernt.

    Den West­mu­si­kern erschien die DDR als Free-Jazz-Para­dies. Daheim erfreu­ten sie ein paar Dut­zend Unent­weg­te, im Osten lausch­ten empha­ti­sche Men­gen. Gage gab es frei­lich nur in Mark der DDR. Mit die­sem „India­ner­geld“ war im Wes­ten wenig anzu­fan­gen. Man konn­te es im Reser­vat ver­sau­fen. Oder Instru­men­te kau­fen.

  • Mei­ne Hei­mat: Die­ses Stück Ger­ma­ny – FAZ
    Die „Oden­wald­höl­le“ – Anto­nia Baum lässt ihrem Hass auf den Oden­wald (hier das Weschnitz­tal, also fast schon Berg­stra­ße) frei­en Lauf …
  • Völ­ker­recht­ler über Spar­auf­la­gen: „Das ist Hartz IV für Euro­pa“ – taz.de
    Andre­as Fischer beklagt in der taz, dass die EU die Spar­auf­la­gen juris­tisch nicht kor­rekt ent­wi­ckelt und umge­setzt hat:

    Die „Memo­ran­den of Under­stan­ding“, die Ver­ein­ba­run­gen über die Kre­dit­auf­la­gen, grei­fen in eine gan­ze Rei­he von Grund- und Men­schen­rech­ten ein.

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  • Chro­nist sei­nes Lebens und sei­ner Epo­che: Zum Tod von Peter Kurz­eck – Lite­ra­tur Nach­rich­ten – NZZ.ch – Roman Bucheli weist in sei­nem Peter-Kurz­eck-Nach­ruf in der NZZ sehr rich­tig dar­auf hin, dass die Lebens­er­in­ne­rungs­be­schrei­bung allei­ne nicht das Ent­schei­den­de für die Grö­ße des Kurz­eck­schen Werks ist:

    Nicht Prousts gepfleg­te «mémoi­re invo­lon­tai­re» hat ihn umge­trie­ben, son­dern die pani­sche Angst, das Ver­lo­re­ne und Ver­gan­ge­ne im Ver­ges­sen noch ein­mal preis­ge­ben zu müs­sen. Er über­liess sich nicht dem Strom der Erin­ne­rung, son­dern brach­te sie, mit Nabo­kov, noch ein­mal und – so die uner­füll­ba­re Hoff­nung – lücken­los zum Spre­chen.
    […] Kurz­eck heg­te noch ein­mal, als hät­te es die Bruch­stel­len der Moder­ne und die neu­en For­men des Erzäh­lens nie gege­ben, den Traum von einem Gan­zen, das sich im lite­ra­ri­schen Kunst­werk nach­bil­den lässt. Er moch­te dabei auch nicht etwa auf das rhe­to­ri­sche Mit­tel ver­trau­en, dass im Teil das Gan­ze ent­hal­ten sein kön­ne, son­dern nahm sein Ver­fah­ren auf eine gera­de­zu bra­chia­le Wei­se wört­lich: Die Zeit soll­te im erzähl­ten Werk gleich­sam mass­stab­ge­recht noch ein­mal erste­hen. Er stand dar­um Bal­zac näher als Proust, und die deut­schen Erzäh­ler des 19. Jahr­hun­derts waren ihm min­des­tens eben­so ver­traut wie sei­ne an raf­fi­nier­ten Erzähl­tech­ni­ken geschul­ten Zeit­ge­nos­sen.

  • Tod im Neben­satz – taz.de – Jan Süsel­becks klu­ger Nach­ruf auf Peter Kurz­eck in der taz:

    In der Melan­cho­lie die­ser Proust’schen Dau­er­me­di­ta­ti­on, die zu sei­ner Mar­ke wur­de und ihm einen Platz in der Lite­ra­tur­ge­schich­te sicher­te, ging es Kurz­eck aber gar nicht um kon­kre­te Orte. Er war kein Regio­nal- oder gar Hei­mat­schrift­stel­ler. Kurz­eck träum­te sich in einen ganz eige­nen Sound des Den­kens und Schrei­bens hin­ein, in eine detail­ver­ses­se­ne, musi­ka­lisch vor sich hin kon­tra­punk­tie­ren­de Ästhe­tik der Pro­vinz, die tat­säch­lich alles ande­re als pro­vin­zi­ell war. Kurz­eck war auf der Suche nach uto­pi­schen Orten, die hät­ten exis­tie­ren kön­nen

  • Die Wahr­heit über die Wahr­heit: Archi­tek­tur­ge­schich­te (ganz) kurz gefasst – für so etwas muss man das Inter­net doch lie­ben: Archi­tek­tur­ge­schich­te (ganz) kurz gefasst (wirk­lich ganz kurz …)
  • Nach­ruf Peter Kurz­eck: Die gan­ze Zeit erzäh­len, immer | ZEIT ONLINE – Ein sehr anrüh­ren­der, inten­si­ver und lie­be­vol­ler Nach­ruf von Chris­toph Schrö­der:

    Der Tod von Peter Kurz­eck ist das Schlimms­te, was der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur seit vie­len Jah­ren pas­siert ist./

  • Koali­ti­ons­ver­trag: Der Kern des Net­zes – Tech­nik & Motor – FAZ – Da hat Micha­el Spehr wohl recht:

    Netz­neu­tra­li­tät eig­net sich also bes­tens als Lack­mus­test für Netzkompetenz./

    Und lei­der gibt es kaum Poli­ti­ker (und Mana­ger) in ent­spre­chen­den Posi­tio­nen, die den Test bestehen …

Aber das Wort Hund bellt ja nicht

Das Set­ting kling nicht gera­de inter­es­sant – im Gegen­teil: ein Mann filmt drei alte Män­ner dabei, wie sie Musik machen – das soll ein packen­der Film wer­den? Was so lang­wei­lig und unin­spi­riert klingt, ist aber dann fas­zi­nie­rend: Bernd Scho­chs Film Aber das Wort Hund bellt ja nicht ist wirk­lich ein tol­ler Musik­film.

Über meh­re­re Jah­re hin­weg hat er die Auf­trit­te des Tri­os im Jazz­club Karls­ru­he gefilmt. Dar­aus ist ein empa­thi­scher und begeis­ter­ter Film über das Schlip­pen­bach-Trio, die­se euro­päi­sche Urge­stein des Free Jazz, gewor­den. Das Trio war ja irgend­wie schon immer da: Seit 1970, also mitt­ler­wei­le deut­lich über 40 Jah­re musi­zie­ren Alex­an­der von Schlip­pen­bach, Evan Par­ker und Paul Lovens tat­säch­lich schon zusam­men. Nähe und Zurück­hal­tung zeich­net Aber das Wort Hund bellt ja nicht beson­ders aus: Bernd Scho­ch rückt ihnen ganz und gar auf die Pel­le, ohne jeden Abstand – aber durch die ewi­gen Ein­stel­lun­gen und der enge, kaum ver­än­der­te Bild­aus­schnitt ver­mit­telt das eine gro­ße Kon­zen­tra­ti­on – genau so wie auch die Musik, die gemacht wird. Und dar­um geht es ja: Nicht um die drei Her­ren, son­dern um die Musik, ihre Musik. Die inten­si­ven, lan­ge Bli­cke, die den Akteu­ren ganz nah auf die Haut rücken – beim Spie­len und ganz oft auch beim Hören (was die ande­ren spie­len) – das ist in sei­ner Ein­fach­heit über­ra­schend schön. Das Ver­sen­ken, das Auf­ge­hen in der Musik des Moments so mit­zu­er­le­ben, ist ein Genuss. Und es ist wun­der­bar, wie der Film das zeigt, ganz unauf­ge­regt, aber genau und streng kom­po­niert.

Zwi­schen die lan­gen Musik­pas­sa­gen sind kur­ze Sprech­ab­schnit­te der drei Musi­ker (aus einem Gespräch?) mon­tiert, die Musik und Leben des Tri­os nicht so sehr erklä­ren, als viel­mehr unter bestimm­ten Aspek­ten beleuch­ten. Da sagt einer (Par­ker) der drei den schö­nen Satz: „use the known to reach the unknown“. Es ist auf eine rüh­ren­de Wei­se schön, den Musi­kern so nah und dicht beim Musik-Machen zuzu­se­hen – das ver­mit­telt ein Gefühl, direkt dabei zu sein, Teil der Musik selbst zu wer­den: „Wir wer­den sowie­so spie­len, bis es nicht mehr geht“.

Aus-Lese #16

Ron Wink­ler: Torp. Mit Illus­tra­tio­nen von Pětrus Åkkor­děon. Ber­lin: J. Frank 2010. 155 Sei­ten.

Der Lyri­ker Ron Wink­ler hat mit Torp ein sehr humor­vol­les und ein­sich­ti­ges Buch vor­ge­legt. Was das eigent­lich ist, ist schwer zu sagen: Kur­ze Text(fragment)e, schwan­kend zwi­schend Minia­tur, Lyrik und Apho­ris­men paa­ren sich hier mit Illus­tra­tio­nen. Der Ein­fall und die For­mu­lie­rungs­kunst bestim­men das Ergeb­nis maß­geb­lich – also doch Lyrik? Aber gebun­de­ne Spra­che ist es nicht. Irgend­wie ist es aber auch völ­lig egal, weil Torp ein­fach Spaß macht. Wink­ler führt hier knapp und kurz mög­li­che Wel­ten vor – oder viel­leicht auch nur eine, die des „Torp“. Sprach­spie­le und Ver­frem­dun­gen küm­mern sich um eine neue, ande­re Sicht auf das „Ich“ und die Welt und den gan­zen Kram. Unter­stützt wird das mit ähn­lich exal­tiert-phan­tas­tisch-ver­fremd­ent-über­zeich­nen­den Illus­tra­tio­nen. Ein net­tes, nach­denk­li­ches, unter­halt­sa­mes, tie­fes Buch – auch wenn nicht viel drin­steht. Und wenn die Schrift­art zumin­dest gewöh­nungs­be­dürf­tig ist, mir einen Deut zu ver­spielt ist – auch wenn vie­les an Text und Bild Spiel ist, so ist es doch nicht nur Spiel, son­dern zeigt ja gera­de durch das Spiel sei­ne Wahr­haf­tig­keit – die­ser Ernst wird von der Schrift ten­den­zi­ell nicht wahr­ge­nom­men bzw. über­spielt …

Ron Wink­ler schlägt vor, Torp als „Kon­takt­an­zei­ge zum Ken­nen­ler­nen sei­ner selbst [zu] ver­ste­hen, aber auch als Hand­buch zum Ver­ständ­nis einer doch eini­ger­ma­ßen tor­phaf­ten Welt“. Und das kann man sei­ner Mei­nung nach dar­aus ler­nen: „Mög­li­cher­wei­se, dass man noch das Pro­fans­te als aura­tisch erle­ben kann. Torp wirbt, wenn man so will, für ein lite­ra­ri­sches Sein.“ Das passt.

Torp kor­ri­gier­te gern Sprich­wör­ter und Apho­ris­men. Als geis­ti­ge Betriebs­sys­te­me bräuch­ten auch Ideen hin und wie­der ein Update (29)
Torp konn­te stun­den­lang Gedich­te lesen. So lächer­lich das auch klin­gen mag. (67)
Torp begrüß­te die Exis­tenz.
Torp bemerkt sehr oft und immer wie­der neu, dass das Geräusch von Wie­se nicht ganz stimm­te. (137)

Bau­er, Chris­toph J.: Brötz­mann. Gesprä­che. Ber­lin: Posth-Ver­lag 2012. 180 Sei­ten.

Der Wup­per­ta­ler Phi­lo­so­phie­do­zent Chris­toph J. Bau­er hat sich mehr­mals mit Peter Brötz­mann zu Gesprä­chen getrof­fen. Die sind hier abge­druckt. Lei­der offen­bar ganz und gar unre­di­giert, als rei­ne Tran­skrip­ti­on der Gesprä­che – mit den ent­spre­chen­den Fol­gen. Der mäan­dernd-trei­ben­den Gesprächs­füh­rung zum Bei­spiel, die auch dar­an ein biss­chen krankt, dass Bau­er – weder Inter­view-erfah­re­ner Jour­na­list noch Jazz-Spe­zia­list, son­dern Fan – oft arg unprä­zi­se, schwam­mig fragt. Dafür ger­ne auch mal aus­ufernd und ins sehr All­ge­mei­ne Abdrif­ten. Ande­rer­seits wer­den so die direk­te Aus­sa­gen Brötz­manns wer­den nicht abge­mil­dert: Der ist – wie sei­ne Musik, könn­te man sagen – im Gespräch manch­mal harsch und kan­tig in sei­nen Urtei­len und sei­ner Spra­che. Aber oft bleibt mir das auch etwas unge­nau, vie­les nur andeu­tend, anrei­ßend, aber eben gedank­lich und sprach­lich nicht aus­ge­ar­bei­tet (viel­leicht auch, weil die Fra­gen zu wenig unter­stüt­zen, zu wenig bei der „Geburt“ hel­fen …). Aber den­noch gibt es viel Klar­text, zu eige­nen und frem­den Feh­lern, zu Musi­ker-Kol­le­gen, zu Abnei­gun­gen und Vor­lie­ben. Die bei­den unter­hal­ten sich zum Bei­spiel über Frei­heit im Jazz und der Gesell­schaft, wie über­haupt der Zusam­men­hang von Musik und Gesell­schaft eine wich­ti­ge Rol­le spielt, die Bedin­gun­gen und Unter­schie­de die­ser bei­den „Sys­te­me“. Außer­dem geht es unter ande­rem um die Ent­ste­hungs­grün­de und ‑kon­tex­te des „Free Jazz“, um die Arbeits­wei­se des Chi­ca­go Ten­tet, um euro­päi­sche und ame­ri­ka­ni­sche Tra­di­tio­nen, um das Leben als Musi­ker, mit Musi­kern, auf Tour und so wei­ter etc.

Taglied 23.5.2013

wun­der­schön, die­se Auf­nah­men des Quar­tetts um Ken Van­der­mark oder Russ John­son vom April 2013:

John­son, Van­der­mark, Lon­berg-Holm, Dai­sy – excerpt 1

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auch Teil 2:

John­son, Van­der­mark, Lon­berg-Holm, Dai­sy – excerpt 2

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sowie Teil 3 & 4 sind das Anhö­ren wert …

John­son, Van­der­mark, Lon­berg-Holm, dai­sy – excerpt 3

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John­son, Van­der­mark, Lon­berg-Holm, Dai­sy – excerpt 4

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Taglied 21.5.2013

Marc Ribot zum Geburts­tag, natür­lich mit Musik von ihm selbst – einer genia­len Ver­si­on von „Take Five“:

Marc Ribot’s Cera­mic Dog, Take 5, Le Pois­son Rouge, NYC 5−5−13

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Taglied 18.10.2012

Lean Left, Live @ Schlacht­hof Wels, 22.9.2011:


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Taglied 24.6.2012

Die Klang­qua­li­tät ist nicht gera­de über­ra­gend, aber die Musik schon – Ken Van­der­mark spielt Antho­ny Brax­t­on (Com­po­si­ti­on No. 6C):

Ken Van­der­mark, „Cele­bra­ting the Mid­west School“ [1 of 2]

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