April

april-brückeFederico Beccari

Nun, da der Monat fast um ist, zeigt sich mal wie­der: T. S. Eliot hat­te recht

April is the cru­el­lest mon­th, bree­ding
Lilacs out of the dead land, mixing
Memo­ry and desi­re, stir­ring
Dull roots with spring rain.
[…]

T. S. Eliot, The Was­te Land

Ins Netz gegangen (22.4.)

Ins Netz gegan­gen am 22.4.:

  • Das Netzwerkdurchsetzungs­gesetz: Im Zwei­fel gegen die Mei­nungs­frei­heit? | Ver­fas­sungs­blog → lukas ger­har­din­ger hat im ver­fas­sungs­blog gro­ße zwei­fel am „netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz“ (das allein wegen dem völ­lig bescheu­er­ten, fal­schen namen unsinn ist …):

    Es zeigt sich, dass das Vor­ha­ben der Bun­des­re­gie­rung ein erheb­li­ches Gefah­ren­po­ten­ti­al für das Recht der frei­en Rede birgt. Ins­be­son­de­re das vor­ge­ge­be­ne Lösch­ver­fah­ren, wel­ches rasche, nicht aber recht­mä­ßi­ge Ent­schei­dun­gen bezweckt, lässt eine Viel­zahl an feh­ler­haf­ten Ent­schei­dun­gen befürch­ten. Die dro­hen­den Geld­bu­ßen set­zen zudem einen gefähr­li­chen Anreiz. Denn neben den offen­kun­di­gen Fäl­len wird es unzäh­li­ge Zwei­fels­fäl­le geben. Und im Zwei­fel wird sich wohl kei­ne wirt­schaft­li­ch den­ken­de Platt­form für die Mei­nungs­frei­heit stark machen und dabei ein spür­ba­res Buß­geld ris­kie­ren. Es ist daher zu befürch­ten, dass die sozia­len Netz­wer­ke in gro­ßer Zahl Inhal­te löschen wer­den, die zwar unlieb­s­am sein mögen, aber gera­de des­we­gen von der Mei­nungs­frei­heit gedeckt sind. Das geplan­te Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz ver­kehrt damit die Frei­heits­ver­mu­tung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in das Gegen­teil. In den sozia­len Netz­wer­ken droht nun­mehr der Grund­satz zu gel­ten: Im Zwei­fel gegen die Mei­nungs­frei­heit.

  • Kleist-Hand­schrif­ten­ge­ne­ra­tor| kleist-digi­tal → sehr cool: ein kleist-hand­schrif­ten-gene­ra­tor, mit kleist-hand­schrif­ten zum down­load als font-datei­en!
  • Wel­chen Platz sieht so jemand für Frau­en in der Gesell­schaft?“ | Zeit → über wer­bung, sexis­mus, öffent­licht­keits­gei­le spin­ner und jour­na­lis­ten …
  • Opening of UN files on Holo­caust will ‚rewri­te chap­ters of his­to­ry‘ | Guar­di­an → Archi­ve used in pro­se­cu­ti­on of Nazis reveals detai­led evi­den­ce of death camps and geno­ci­de pre­vious­ly unse­en by public

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netzgebilde (unsplash.com)Clint Adair

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  • Märchenstunde am Main | NZZ → jürgen tietz spart nicht mit deutlichen Worten über den Unsinn einer (scheinbaren) Rekonstruktion einer historischen Altstadt

    Dort, wo nach den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs nur noch rauchende Trümmer lagen, manifestiert sich heute ein gebauter Aufschrei nach verlorener Heimeligkeit und einstiger städtischer Bedeutung. Dafür musste das zu Beginn der siebziger Jahre gebaute Technische Rathaus verschwinden, nach nur 35 Jahren. So kurzatmig ist die hessische Geschichte. Was aber ist der Sinn dieser gebauten Frankfurter Märchenwelt? Leistet sie einen Beitrag, um die drängenden Fragen der Zukunft der Städte zu lösen? Wohl kaum, denn auf dem historisierenden neuen Herzstück Frankfurts entsteht gerade einmal die bescheidene Zahl von sechzig Wohnungen – mit einer Fläche von insgesamt 7000 Quadratmetern. Sonst gibt sich das Quartier als architektonisch verdichtete Seelenmassage, ein Gegenmodell zu den Hochhäusern der globalisierten Stadt.
    ...
    Der grosse Irrtum einer derart fiktionalen Stadtarchitektur ist es, dass sie wie eine gebaute Zeitmaschine wirkt. Doch sie ist nur ein Abziehbild einer deutschen Seelenlandschaft, in der die Verwundungen der Kriegs- und Nachkriegszeit bis in die nach-nachfolgende Generation andauern. So entsteht eine weinerliche Mischung aus Verlust und Verdrängung, aus romantischer Sehnsucht und einer Unfähigkeit zu trauern.

  • Werben mit Google: Ist die taz Schmuddelkram? | taz-hausblog → die taz nut googles adsense und berichtet hier von schwierigkeiten bei der "richtlinien"-einhaltung und kommunikation mit dem unternehmen
  • Wollen alle Autoren sein? Alles schreibt, keiner liest | NZZ → jochen hörisch über das sich verändernde verständnis von schreiben und lesen, den zusammenhang von sein und schreiben, welt und text

    Alles schreibt, aber kaum einer liest mehr so gründlich, konzentriert und hingebungsvoll wie der Leser in Rilkes gleichnamigem Gedicht oder der Buch-Enthusiast in Michael Endes «Unendlicher Geschichte». ... Es ist offenbar, dass Gott nicht im Sinne logischer Evidenz offenbar ist, dass auch er ein schwächelnder Autor ist, der die Kluft, die die Welt von den Worten trennt, nicht ein für alle Mal überwinden kann. ... Das Wort wird Fleisch, Bits werden Atome, die Idee der Transsubstantiation ist heute mehr als ein faszinierendes religiöses Phantasma, nämlich ein Schreibprogramm für ambitionierte Ingenieure. Wer diese Wandlung von Lese- in Schreibprogramme im Blick hat, wird sowohl das Comeback militanter Religiosität als auch die Inflation der Schreiblust heute mit anderen Augen sehen. ... Man vergisst gerne, dass die verpflichtende Alphabetisierung ein kultureller Sonderweg einer seltsamen Weltecke in einer exzentrischen Epoche ist bzw. war. Heute können, wenn sie denn Zugriff auf Zauberwerke der Ingenieurs- und Informatikerkunst haben, alle lesen und schreiben – paradoxerweise eben auch diejenigen, die nicht lesen und schreiben können. Gemeinsam ist ihnen der Wunsch, nicht nur ein Wort mitzureden, sondern Autoren zu werden, die von der Pflicht dispensiert sind, lesen zu müssen.

  • NS-Filme: Vorbehaltsvorbehalte| Freitag → dirk alt und friedemann beyer über die zunehmend unnötige, aus der zeit gefallene "vorbehalts"-lösung, die ns-propagandafilme (bzw. manche davon) unter halbverschluss hält

    Vor diesem Hintergrund mutet die hiesige Kontroverse um eine offizielle Zugänglichmachung der Vorbehaltsfilme kurios an, zumal sie nicht nur die längst unwiderrufliche Verfügbarkeit der Filme ignoriert, sondern darüber hinaus von Dämonisierung und reflexartiger Betroffenheit geprägt ist.

  • Index, A celebration of the | TLS → ein lob der indices und ihres klugheit/ihres wissens, anlässlich des sechzigjährigen bestehens der "Society of Indexers"
  • a href="http://blogs.faz.net/pop-anthologie/2017/03/18/alte-mythen-in-honig-351/">Genesis: „The Musical Box“ | Pop-Anthologie → hervorragende würdigung des großartigen "the musical box" (auf "nursery cryme") von genesis in der pop-anthologie der faz:

    Dass die Karrieren von Collins und Rutherford in Hits wie „Dance Into the Light“ oder „All I Need is a Miracle“ gipfelten, die von einer erschütternden Belanglosigkeit sind, ist das traurige Ende dieser Entwicklung. „The Musical Box“ aber darf nicht im Kuriositätenkabinett der Musikgeschichte abgelegt werden. Es gehört zum Kanon der besten britischen Popmusik.

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Berliner Fernsehtum hinterm NetzFlo Karr

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geknüpftes netz (knoten)FrankenCH

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fischnetzjackmac34

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  • Grü­ne Wel­le für Rad­fah­rer | Zeit → And­rea Reidl berich­tet von sehr deut­schen Ver­su­chen, grü­ne Wel­len für Rad­fah­re­rin­nen zu eta­blie­ren: Mit viel Tech­nik, die ger­ne auch noch den Rad­lern auf­ge­bür­det wird (wie eine not­wen­di­ge App von Sie­mens, die natür­li­ch alle Bewe­gun­gen erfasst …)
  • Roter Mar­mor | Floh­bu­de → die floh­bu­de war auf einer ver­an­stal­tung der säch­si­schen afd-frak­ti­on – ein durch­aus fas­zi­nie­ren­der und erhel­len­der (lan­ger) bericht, aber auch bedrü­ckend
  • Zum Tod des His­to­ri­kers Peter Blick­le: Wie geht Demo­kra­tie? | NZZ → urs haf­ner erin­nert an den kürz­li­ch ver­stor­be­nen his­to­ri­ker peter blick­le:

    Jetzt, im Ange­sicht der auto­ri­tä­ren Inter­na­tio­na­le, käme Blick­les Zeit wie­der, jetzt gewin­nen sei­ne Ana­ly­sen neue Aktua­li­tät: Wie macht man Poli­tik, wie schafft man Demo­kra­tie? Für die Zeit von 1300 bis 1800 hat Blick­le dies ein­dring­li­ch auf­ge­zeigt und neue Per­spek­ti­ven eröff­net. Viel­leicht hat er mit sei­nem For­schen, das um die sich in ihren Gemein­den orga­ni­sie­ren­den Bau­ern und ein­fa­chen Bür­ger kreis­te, Deutsch­land eine demo­kra­ti­sche Tra­di­ti­on geben wol­len, eine Alter­na­ti­ve zur unheil­vol­len Tra­ver­se vom Bau­ern­feind Luther zum Dik­ta­tor Hit­ler.

    auch wolf­gang schma­le wür­digt blick­les leis­tun­gen in sei­nem blog.

  • I Was a Mus­lim in the Trump Whi­te House—and I Las­ted Eight Days | The Atlan­tic → eine ame­ri­ka­ne­rin, die im/für den natio­nal secu­ri­ty coun­cil arbei­te­te, berich­tet über die ände­run­gen der letz­ten wochen … 
  • Umwelt­his­to­ri­ker über Win­ter­ur­laub: „Natur stört gene­rell“ | taz → gutes inter­view mit einem wis­sen­schaft­ler, der vor mar­ki­gen wor­t­en nicht zurück­schreckt und am winter-/skitourismus der alpen mit all sei­nen aus­wüch­sen wenig posi­ti­ves ent­de­cken kann …

    Win­ter­sport­ge­bie­te waren immer Fabri­ken für tou­ris­ti­sche Zufrie­den­heit. Und die tou­ris­ti­schen Wer­be­bil­der wecken Erwar­tun­gen an die Kul­tur­land­schaft.

Ins Netz gegangen (27.2.)

netzgebilde (unsplash.com)Clint Adair

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  • Empfehlung: Internationale Reisen nur noch ohne Smartphone | mobilegeeks → casten dobschat empfiehlt, beim grenzübertritt kein smartphone dabeizuhaben - es könnte kopiert werden. oder alternativ nur ein zurückgesetztes telefon mitnehmen ...
  • Wie die Alkoholindustrie uns dazu bringt, immer weiter zu trinken | Correctiv → zdf & correctiv über die "alkoholpolitik" in deutschland, die wirtschaftliche interessen der unternehmer über volkswirtschaftliche und gesundheitliche stellt
  • One Woman's Brilliant "Fuck You" to Wikipedia Trolls | Backchannel → A young Wikipedia editor withstood a decade of online abuse. Now she’s fighting back — on Wikipedia itself:

    But on that Friday night, Temple-Wood had an idea. For every harassing email, death threat, or request for nude photos that she received, she resolved to create a Wikipedia biography on a notable woman scientist who was previously unknown to the free online encyclopedia. She thought of it as a giant “fuck you” to the anonymous idiots seeking to silence her.


  • Erinnerungskultur: "Wenn Schüler provozieren ..." | Zeit
    → die historiker jeannette und dirk van laak im interview über geschichte, geschichtsbilder, kritische geschichtswissenschaft und öffentlichkeit

    Hinter die Standards der kritischen Geschichtswissenschaft kann niemand zurück. Sie hat heute international eine bemerkenswerte Blüte erreicht, die deutschen Historiker arbeiten auf höchstem Niveau, was die Vielfalt ihrer Themen und Methoden angeht. Aber ihre gesellschaftliche Autorität ist momentan relativ schwach. Historiker müssen daher lernen, auf andere Weise zu überzeugen, etwa durch die Qualität ihrer Selbstreflexion, die Leidenschaft für das Fach und überzeugende Argumente gegen die Ewigkeitsbehauptungen mancher Populisten. Die Neue Rechte legitimiert sich andauernd mit Bezügen auf die Geschichte, ist in ihrem Geschichtsbild aber leicht angreifbar. Wir sollten uns wieder mehr auf öffentliche Debatten über Geschichte einlassen, vielleicht sogar auf Marktplätzen.

  • Die Leiden des Literaturkritikers: Ach, niemand hört auf mich | NZZ → rainer moritz schreibt schön und leicht melancholisch über die wirkungslosigkeit (jetzt und posthum) der literaturkritik ...

Fasching

[...]

Ein einziges Mal im Jahre nur, wenige kurze Wochen hindurch, kommen die Menschen da, wo sich noch etwas vorlutherischer Geist erhalten hat, zur Besinnung und Freude. Es ist, als ob im Karneval die Einsicht über sie käme, dass all ihr alltägliches Gehaben grauenvoll alberner Mummenschanz ist, und als ob das verschüttete Gefühl der selbstständigen Wesenheit jedes Einzelnen einmal wenigstens sich emporwühlen müsse, um tief Atem zu holen und dann wieder, am Aschermittwoch, zurückzusinken in den Alpdruckschlaf der unwahrscheinlichen Wirklichkeit.
Dieselben Leute, die sonst nicht weit genug abrücken können von denen, die in Kleidung, Haartracht oder Benehmen von den üblichen Konventionen abweichen, oder sich gar zu einer Weltanschauung bekennen, die von den demokratischen Vorschriften im Kern unterschieden ist diese selben Leute kleiden sich plötzlich in bunte Lappen, putzen sich so originell zurecht, wie es ihnen nur möglich ist, und bewegen sich ungezwungen, lebendig, herzlich unter den gleichfalls verkleideten Nebenmenschen. Sie empfinden mit einem Male, dass sie, je singulärer ihre Erscheinung in der Menge wirkt, den übrigen Larven umso enger verbunden sind, und sie finden die ihnen im gewöhnlichen Leben ganz fremde Freiheit, übermütig zu sein, die Zwangsformen der Geschäftlichkeit beiseitezuschieben und öffentlich vor aller Augen menschliche Regungen einzugestehen.
Die Behörden selbst müssen die überall aufgepflanzten Verbotspfähle zurückstecken, um der Ausgelassenheit freiere Bahn zu schaffen, und wo sie es nicht tun, wo verknöcherter Beamteneifer mit Polizeistunden und Sittlichkeitsverordnungen auch noch im Getriebe der Faschingsfröhlichkeit herumfuhrwerkt, da hört man von den bravsten Bürgern kräftige Verwünschungen und erfrischende Bekenntnisse zu anarchischen Lebensformen. Sie vergessen, dass sie das ganze Jahr vor dem Fasching die Beaufsichtigung durch den Schutzmann selbst gewünscht haben, dass sie sie das ganze Jahr nach dem Fasching wieder wünschen werden und dass sie willig Steuern gezahlt haben für die Besoldung der Nüchternheit, die, verkörpert in Paragrafendrechslern, die vielleicht selbst ganz gern mit den andern trinken, tanzen und küssen möchten, auch in dem kurzen Zeitraum der pflichtentbundenen Freude mechanisch weiterfunktioniert.
Es ist verzweifelt schade, dass von dem Geiste des Karnevals, der recht eigentlich der Geist der Rebellion ist, so gar keine Spur über den Faschingsdienstag hinaus gerettet werden kann. Nachher wird die Rechnerei und Schacherei und all das verrückte Getue wieder losgehen.

[...] Erich Mühsam, Fasching (1933) [zitiert nach: Erich Mühsam: Das seid ihr Hunde wert! Ein Lesebuch. Herausgegeben von Markus Liske und Manja Präkels. Berlin: Verbrecher 2014, S. 153f.]

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Zara Walker

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  • Schluss mit dem Toten­tanz-Gerau­ne | Zeit → klaus kast­ber­ger mel­det sich zur angeb­li­chen „kri­se der gema­nis­tik“ zu wort und kon­sta­tiert auch eine kri­se – er hät­te ger­ne wie­der mehr ver­ste­hen von lite­ra­ri­schen höhen­kamm­tex­ten als ande­res …
  • Hier wird an der Zukunft gear­bei­tet | NZZ → noch ein bei­trag zur ger­ma­nis­tik-kri­sen-debat­te, in dem frau­ke berndt vor allem die inter­na­tio­na­li­tät der ger­ma­nis­tik her­vor­hebt

    Längst sind nicht alle Schät­ze geho­ben auf die­sem Gebiet, das weder ges­tern noch heu­te an den Sprach­gren­zen des Deut­schen oder den media­len Gren­zen des Buches halt­macht. Des­halb wird die Suche nach Ant­wor­ten auf die drän­gen­den Fra­gen der Gegen­wart stets auch zur Lite­ra­tur und in die Tex­te füh­ren: Glo­ba­li­sie­rung, Natio­na­li­sie­rung, Popu­la­ri­sie­rung oder Fik­tio­na­li­sie­rung.
    Denn lite­ra­ri­sche Tex­te sind Ver­suchs­an­ord­nun­gen, Pro­be­büh­nen und Umschlag­plät­ze für sol­che ethi­schen, poli­ti­schen, öko­no­mi­schen oder phi­lo­so­phi­schen Fra­ge­stel­lun­gen. Ihnen geben Tex­te in Erzäh­lun­gen, Sze­nen und Bil­dern For­men, weil auf sol­che Fra­gen kei­ne Begrif­fe ant­wor­ten kön­nen.
    Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­te­rin­nen ana­ly­sie­ren die­se For­men und den­ken über sie auf der Grund­la­ge ihrer Geschich­te und im Hori­zont eines gros­sen Spek­trums an Theo­ri­en nach. Es ist daher kein Wun­der, dass die­se Exper­tin­nen der Form ihre Stim­men sowohl in öffent­li­chen als auch in tages­ak­tu­el­len Debat­ten immer wie­der erhe­ben.
    […] War ein­mal wirk­li­ch alles bes­ser – zu Zei­ten die­ses merk­wür­dig ver­gol­de­ten Damals, als nur weni­ge gros­se Män­ner vie­le gros­se Bücher geschrie­ben haben? Ich weiss nicht, war­um mei­ne Kol­le­gen ihren Vätern nach­trau­ern. Mir und vie­len ande­ren feh­len die Auto­kra­ten jeden­falls nicht beson­ders. Die Bücher sind des­halb nicht schlech­ter gewor­den, der Umgang an den Uni­ver­si­tä­ten dafür aber deut­li­ch bes­ser.

  • Mobi­li­tät in Metro­po­len: Neue Wege durch die Stadt | FAZ → schö­ner über­bli­ck über das umden­ken der stadt- und ver­kehrs­pla­ner, was die zukunfts­fä­hi­ge gestal­tung der ver­kehrs­we­ge und des ver­kehrs in den (groß-)städten angeht
  • Von den Gren­zen des Gesangs­re­per­toires | Bad Blog Of Musi­ck → wen­de­lin bitz­an über die reper­toire­be­schrän­kun­gen in aus­bil­dung und aus­übung, ins­be­son­de­re bei sänger/innen:

    Das Gesangs­re­per­toire scheint fak­ti­sch auf einen Zeit­raum von etwa 250 Jah­ren begrenzt zu sein: Nor­ma­ler­wei­se kom­men klas­si­sche Gesangs­so­lis­ten gut mit Musik von Bach bis Strauss aus. Nie­man­den scheint es zu küm­mern, wenn sie Wer­ke von Jos­quin, Mon­te­ver­di, Lul­ly, Webern, Schosta­ko­wit­sch oder Brit­ten bei­sei­te las­sen. Unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass die Genann­ten aus­nahms­los als prä­gen­de Vokal­kom­po­nis­ten ihrer Zeit gel­ten kön­nen, wer­den sie von Sän­ge­rin­nen und Sän­gern der Gegen­wart über­wie­gend igno­riert. Die Fel­der der ›Alten Musik‹ und ›Neu­en Musik‹ erschei­nen als Rand­be­rei­che des Kunst­mu­sik­be­triebs, die exklu­siv von geson­dert aus­ge­bil­de­ten Spe­zia­lis­ten bedient wer­den und über ein glei­cher­ma­ßen spe­zia­li­sier­tes Publi­kum ver­fü­gen.

  • Sprach­at­ta­cke der Rechts­po­pu­lis­ten: Trom­pe­ten des Trum­pis­mus | Spie­gel → georg seeß­len in einer sehr guten ana­ly­se über trump, demo­kra­tie und die medi­en etc:

    Trum­pis­mus ist in sei­ner ers­ten Pha­se die Kunst, die poli­ti­schen Dis­kur­se nach den Regeln der Unter­hal­tungs­in­dus­trie auf­zu­lö­sen. Es müs­sen Bil­der her, wo Tex­te waren, es muss Mythos her, wo Geschich­te war, es müs­sen Emo­tio­nen her, wo Logik war. Es ist schwer zu sagen, ob hin­ter der Ver­gif­tung von Spra­che und Dis­kurs so etwas wie ein Plan steckt, ob sie dem „Natu­rell“ der Reprä­sen­tan­ten der popu­lis­ti­schen Rech­ten ent­spricht, oder ob sie ein­fach durch tri­al and error als Erfolgs­re­zept erkannt wur­de. Spre­chen, um den ande­ren sprach­los zu machen jeden­falls, hat sei­ne Tra­di­tio­nen und ist schließ­li­ch media­le Pra­xis in den Talk­shows gewor­den.

  • Kli­ma­wan­del in den Alpen:Der Kampf um den Schnee | Deutsch­land­ra­dio Kul­tur → eine aus­führ­li­che repor­ta­ge von tobi­as kro­ne und micha­el watz­ke über ski­ge­bie­te in bay­ern und den drang, immer mehr und immer künst­li­cher „win­ter­sport“ zu ermög­li­chen …

Ins Netz gegangen (30.1.)

spinnweben zwischen holz, schwarz-weißnidan

Ins Netz gegan­gen am 30.1.:

  • Talk­show-Ter­ror mit Trump-Effekt| Deutsch­land­ra­dio Kul­tur → bodo mor­s­häu­ser über die unsäg­li­chen talk­shows des deut­schen fern­se­hens:

    Ihr Kri­te­ri­um ist der Erre­gungs­pe­gel, den es zu hal­ten gilt. Ist es Absicht oder ist es Unge­schick, dass die­se Art von soge­nann­ter Dis­kus­si­on eine der bes­ten Wahl­kampf­hil­fen für unse­re neue, auf Erre­gungs­pe­gel spe­zia­li­sier­te Rechts­par­tei ist? Abge­se­hen davon, dass Migra­ti­ons­the­men sowie­so ihr Spiel­feld sind.

    Ganz sicher wer­den Ter­ror und Sicher­heit die Wahl­kampf­the­men des Jah­res wer­den. Wirt­schafts- oder sozi­al­po­li­ti­sche The­men dage­gen – wie unter­be­zahl­te Jobs, sie­ben Mil­lio­nen Emp­fän­ger von Trans­fer­leis­tun­gen, Armut bei jedem sechs­ten Kind, die absurd unge­rech­te Ver­mö­gens­ver­tei­lung, die per­ma­nen­te Euro-Kri­se oder der unglaub­li­che Abgas­be­trug – sind offen­bar nicht erre­gend genug.

  • Men­schen ers­ter Klas­se, Men­schen zwei­ter Klas­se | law blog → udo vet­ter hält aus guten grün­den wenig davon, (wei­te­re) son­der­rech­te für poli­zis­tin­nen etc. zu schaf­fen
  • Ber­li­ner Städ­te­bau – lang­wei­lig und fan­ta­sie­los | SZ → der fran­zö­si­sche deutsch­land-kor­re­spon­dent chris­to­phe bour­doi­se­au rech­net mit der städ­te­bau-poli­tik ber­lins ziem­li­ch gna­den­los ab:

    Seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung ori­en­tiert sich die Ber­li­ner Poli­tik nicht an der Sub­stanz die­ser Stadt – an deren Ener­gie und Krea­ti­vi­tät -, son­dern an den alten und stau­bi­gen preu­ßi­schen Zei­ten mit deren Men­tor Karl Fried­rich Schin­kel.

  • Stop Pro­ble­ma­ti­zing Aca­de­mic Jar­gon | Sla­te → rebec­ca schu­man schreibt gegen die ver­ach­tung, die aka­de­mi­schem jar­gon (eigent­li­ch ja: fach­spra­che) beson­ders der geis­tes­wis­sen­schaf­ten ent­ge­gen­schlägt. kei­ne beson­ders ori­gi­nel­le argu­men­ta­ti­on, aber nett zu lesen und schließ­li­ch nie fal­sch …

    Per­haps the ans­wer moving for­ward, then, is not to join in the mocke­ry of jar­gon, but to dou­ble down on it. Scho­lars of Yid­dish stu­dies are hap­py to tell you the thou­sand-year-old lan­gua­ge deve­lo­ped as a kind of secret code so that its spea­kers could talk fre­e­ly under the noses of their oppres­sors (and, yes, some­ti­mes mock them). Per­haps aca­de­mic jar­gon could ser­ve a simi­lar pur­po­se. Yes, per­haps the last hope to pro­ble­ma­ti­ze fascis­to­id non­pro­gres­si­ve edges, so to speak, is to reter­ri­to­ria­li­ze the oppo­si­tio­nal ver­na­cu­lars. But per­haps that was the point all along, and jar­gon has been lying pati­ent­ly and use­ful­ly in wait for all this time, a secret code in sear­ch of a foo­lish tyrant.

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