Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Kategorie: sprache Seite 2 von 3

ûf der worte heide #12

  • »Spe­zia­lis­ten des Darm­sai­ten­ka­tarrhs« nennt Kai Luehrs-Kai­ser in der »Welt« sehr gehäs­sig die Ver­fech­ter des his­to­risch infor­mier­ten Musi­zie­rens
  • »hel­mut­koh­li­sier­te« Politiker—was auch immer das ist, da lässt David Hugen­dick in sei­ner Glos­se auf Zeit-Online zur Leip­zi­ger Buch­mes­se die Details offen
  • »Dich­ter­selbst­ver­tei­di­gung« steht in der sel­ben Glos­se von Hugen­dick, ist aber ein Zitat von Danie­la Seel

Maßarbeit

Maß­ar­beit bie­tet die Schnei­de­rei »Kuhn Maß­kon­fek­ti­on« (in deren Stamm­haus in Schnee­berg ich auch schon Kun­de war) an, zumin­dest für ihre Klei­dung. Bei der Spra­che scheint es damit noch deut­lich zu hapern, wie ich heu­te im Schau­fens­ter der Main­zer Filia­le (die im Post­ge­bäu­de unter­ge­bracht ist) sah. So machen sie dort Wer­bung für einen Dop­pel­pack:
Maßkonfektion-Werbung
Streng genom­men ist das—so wie es hier offe­riert wird—gar kein Dop­pel­pack mehr. Zumin­dest kei­ner, der Maß­an­zug und –kos­tüm ent­hal­ten könn­te. Der Aus­schnitt macht es viel­leicht noch etwas deut­li­cher:

Maßanzüge- ... was?

Maß­an­zü­ge– … was?

Dafür muss man sich schon ganz schön anstren­gen, dass eine sol­che Fehl­leis­tung tat­säch­lich ins Schau­fens­ter gelangt. Und dort auch noch hän­gen bleibt. Der Feh­ler, genau wie das Ange­bot im Dop­pel­pack, ist—vermute und hof­fe ich mal—dabei zwar »nur« ein Flüch­tig­keits­feh­ler und liegt nicht pri­mär am man­geln­den Ortho­gra­phie-Wis­sen, aber für eine der­ma­ßen gro­ße Wer­be­ak­ti­on eines Unter­neh­mens, dass so viel Wert auf Stil und Klas­se legt, ist das den­noch (oder gera­de des­halb) aus­ge­spro­chen pein­lich.

Schubert oder Schumann—egal, Hauptsache Lied

… mögen sich Rai­ner Wiec­zo­rek und/​oder sei­ne Lek­to­rin gedacht haben, als er die­sen Absatz (auf Sei­te 92) in sei­ner Tuba-Novel­le schrieb:

Ich grol­le nicht: Er leg­te das Mund­stück in die Fül­ler-Scha­le und ver­such­te an Suzan­ne und Beckett zu den­ken, wie sie ein­träch­tig den Schu­bert-Lie­dern lau­schen.

Und ja, aus dem Zusam­men­hang der vori­gen Sei­ten geht ein­deu­tig her­vor, dass es sich um die Schu­mann-Lie­der han­deln soll—der ent­spre­chen­de Abschnitt eini­ge Sei­ten zuvor heißt auch »Dich­ter­lie­be«.

ûf der worte heide #11

  • »Allerweltskrieg«—Franz Hes­sel, Heim­li­ches Ber­lin (1927)
  • »Bauphallomanisten«—nennt der Foto­graf Lois Hechen­blai­k­ner in einem taz-Inter­view die Archi­tek­ten
  • »Bemerkungskunst«—Rainer Wiec­zo­rek, Tuba-Novel­le (2010), S. 65

Binnenmajuskel-Exzess

Nach die­sem Wer­be­falt­blatt ist mir ja jeg­li­che Lust auf den Besuch die­ser Holz­ver­bren­nungs­an­la­ge ver­lo­ren gegan­gen: 16 (unnö­ti­ge) Bin­nen­ma­jus­keln auf zwei Seiten—in sol­cher Häu­fung sieht man das glück­li­cher­wei­se sehr sel­ten …

Binnenmajuskeln

Bin­nen­ma­jus­keln

Binnenmajuseln

Bin­ne­ma­jus­keln

ûf der worte heide #10

  • »Inszenierungsurlaub«—schreibt Kath­rin Rög­g­la in anma­ßung)
  • »CamelSchrift«—so nennt der Infor­ma­ti­ker Fran­çois Bry die Abkür­zungs­schreib­wei­se der Juris­ten für Geset­zes­wort­un­ge­tü­me wie »Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz«

Qualitätsjournalismus (mal wieder)

Ich glaub­te ja mei­nen Augen nicht, als ich die­se Titel­zei­le in mei­nem RSS-Rea­der sah:

Frank­reich greift in Mali Kon­flikt ein

Aber die »Süd­deut­sche Zei­tung« meint das hier ernst—was sie meint, kann ich aller­dings nicht sagen: Der Satz ist nicht ent­schlüs­sel­bar. Und das nur, weil die zustän­di­gen Text­knech­te nicht ein­mal mehr die ein­fachs­ten Kom­po­si­ti­ons­re­geln der deut­schen Spra­che (und deren Ortho­gra­phie) beherr­schen. Auch ein klei­ner Bin­de­strich (oder bes­ser noch, die Zusam­men­schrei­bung) kann eben viel aus­rich­ten.

"Mali Konflikt"

»Mali Konflikt«—Screenshot der SZ-Web­sei­te (12.1.2013)

(Und noch so neben­bei: Die ein­zi­ge eige­ne Leis­tung der »Süd­deut­schen Zei­tung« ist übri­gens der Feh­ler. Der kom­plet­te Inhalt die­ser Mel­dung ist Agen­tur­ma­te­ri­al.)

Update: Wie die @SZ mit­teilt, ist das nicht ihr Feh­ler. Son­dern der der Agen­tur Reu­ters. Und der ist auch schon kor­ri­giert:

ûf der worte heide #9

»pes­si­miert«

(Goog­le fin­det eini­ge weni­ge Tref­fer aus dem IT-Bereich—ich habe es hier zum ers­ten Mal gele­sen …)

Kommasetzung per Zufallsgenerator

Kom­ma­set­zung per Zufalls­ge­nera­tor:
Back-Factory Jubiläumsaktion
– und das ist ja bei­lei­be kein Ein­zel­fall. Aber immer­hin ist der Rest fast feh­ler­los, nur die »Genuss Hel­din.« braucht noch etwas Nach­bes­se­rung …

Primzahlen & Witze

Gera­de habe ich ein sprach­wis­sen­schaft­li­ches Update mei­nes Lieb­lings-Phy­si­ker-Wit­zes ken­nen­ge­lernt. Und das macht – man mag es kaum glau­ben – den Witz tat­säch­lich noch bes­ser. Zumin­dest für Men­schen, die ein biss­chen Ahnung von Lin­gu­is­tik haben:

A mathe­ma­ti­cian, a phy­si­cist, an engi­neer, and a lin­gu­ist are try­ing to deci­de if all odd num­bers are prime. The mathe­ma­ti­cian says, „one’s prime, 3’s prime, 5’s prime, 7’s prime, 9’s not prime, so no.“ The phy­si­cist says, „one’s prime, 3’s prime, 5’s prime, 7’s prime, 9’s not prime, but may­be that’s expe­ri­men­tal error.“ The engi­neer says, „one’s prime, 3’s prime, 5’s prime, 7’s prime, 9’s prime … “
The lin­gu­ist says, „one’s prime, 3’s prime, 5’s prime, 7’s prime. Aha! We have a uni­ver­sal gene­ra­liza­tion. Nine doesn’t seem to be prime, but it MUST be prime at some under­ly­ing level of repre­sen­ta­ti­on!“

Ich ver­such‘ das mal zu über­set­zen:

Eine Mathe­ma­ti­ke­rin, ein Phy­si­ker, ein Ingeu­nier und eine Sprach­wis­sen­schaft­le­rin dis­ku­tie­ren, ob alle unge­ra­den Zah­len Prim­zah­len sind. Die Mathe­ma­ti­ke­rin sagt: 1 ist eine Prim­zahl1, 3 ist ein Prim­zahl, 5, 7 auch, 9 ist kei­ne Prim­zahl: Also ist die Ant­wort Nein. Der Phy­si­ker sagt: 1 ist eine Prim­zahl, 3 ist ein Prim­zahl, 5 und 7 auch, 9 ist ein Mess­feh­ler – also Ja. Der Inge­nieur sagt: 3 ist ein Prim­zahl, 5, 7 auch, 9 ist auch eine Prim­zahl …
Die Sprach­wis­sen­schaft­le­rin sagt: 1 ist eine Prim­zahl, 3 ist ein Prim­zahl, 5 und 7 auch – aha, hier haben wir also eine Uni­ver­sa­lie. 9 scheint da nicht rein­zu­pas­sen, aber es *muss* auf einer unte­ren Ebe­ne der Reprä­sen­ta­ti­on eine Prim­zahl sein!

Nun ja, lus­tig fin­den das wahr­schein­lich wirk­lich nur Lin­gu­is­ten ;-)

Show 1 foot­no­te

  1. Ja, ich weiß, das ist eigent­lich falsch und Mathe­ma­ti­ker wür­den das nicht sagen – aber sonst funk­tio­niert der Witz nicht so gut …

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