Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Kategorie: medien Seite 2 von 45

geknüpftes netz (knoten)

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  • “Die Ret­tung­sor­gan­i­sa­tion hat sich nach Eschede weit­er­en­twick­elt“ – Inter­view mit dem Unfallmedi­zin­er Ewald Hüls | Sozialthe­o­ris­ten → span­nen­des inter­view mit ewald hüls, der beim ice-unglück in eschede lei­t­en­der notartzt war, über möglichkeit­en, konzepte, strate­gien und lern­prozesse der ret­tungsmedi­zin

    Der Ret­tungs­di­enst hat genau das erst­mal ler­nen müssen – im Gegen­satz zu allen anderen beteiligten Organ­i­sa­tio­nen wie Bun­deswehr, Polizei, Gren­zschutz, Berufs­feuer­wehren – in solchen Lagen wirk­lich umzuschal­ten und bei einem Masse­nan­fall von Ver­let­zten anders zu agieren, als wir das aus dem täglichen Ret­tungs­di­enst, näm­lich der Indi­vid­u­alver­sorgung, ken­nen. Das war eine der stärk­sten Anstren­gun­gen in den let­zten Jahren, solche Konzepte dann auch tat­säch­lich zu verin­ner­lichen. Wenn ich eine Großschadenslage habe, kann ich nicht ein­fach irgend­wo rein stür­men, son­dern muss auf Befehl ganz bes­timmte Arbeit­en ver­richt­en, die abges­timmt sind.

  • Der The­ater­be­trieb ist ein Män­ner­laden | FR → die regis­seurin karin henkel im inter­view mit dirk pilz über the­ater, männliche (macht)strukturen, ungle­ich­heit und verän­derun­gen

    Es gibt ja viel weniger große Rollen für Frauen, aber ich möchte mit den tollen Schaus­pielerin­nen arbeit­en, die ich kenne. Das habe ich mir dur­chaus zur Auf­gabe gemacht: Wie kön­nen diese mehr vorkom­men? Und das ist dann natür­lich ein fem­i­nis­tis­ch­er Blick. Immer alles aus ein­er Män­ner­per­spek­tive zu erzählen – das lang­weilt mich.

  • Die Kli­mawan­dler | taz → bern­hard pöt­ter sieht in keinen grund für pos­i­tive nachricht­en:

    Denn in der Umwelt‑, Energie- und Nach­haltigkeit­spoli­tik legt das Kabi­nett Merkel IV ger­ade einen Fehlstart hin. Schon im Wahlkampf 2017 kamen diese The­men prak­tisch nicht vor. Im Koali­tionsver­trag von CDU/CSU und SPD wur­den sie an den Rand gedrängt. Und in der Real­ität der ersten drei Monate wurde es noch schlim­mer: Ziele wur­den gekappt, Fris­ten ver­säumt, Zusagen kassiert, Drin­gen­des wurde auf die lange Bank geschoben. […] Aber auf ein Sig­nal für mehr Nach­haltigkeit aus dem Kan­zler­amt, wo eigentlich die Nach­haltigkeit­spoli­tik koor­diniert wird, wartet sie bish­er verge­blich.

  • Zu Büch­ern find­et man nicht allein | FAZ → ein schönes und (lei­der) notwendi­ges plä­doy­er von tilman spreck­elsen für die erhal­tung von stadt­bib­lio­theken und ihre rolle im lese­leben, aber eben auch für die gesellschaft ins­ge­samt:

    Denn wenn es einen Ort gibt, an dem sich unsere Gesellschaft mit all ihren Werten und ihren Wider­sprüchen spiegelt samt der Frei­heit, sich aus dem Ange­bot ganz allein und unbeobachtet das Passende her­auszusuchen, ohne befürcht­en zu müssen, wie im Inter­net dabei auf Schritt und Tritt reg­istri­ert zu wer­den, dann ist er hier.

  • „Die Blu­men sind weg, die Schmetter­linge auch“ | taz → inter­view mit Claudius Prößer über insek­ten­ster­ben, land­wirtschaft und zwänge der gegen­wart — sehr lesenswert.
netzstruktur auf blauem hintergrund (vernetzungsgraph)

Ins Netz gegangen (16.5.)

Ins Netz gegan­gen am 16.5.:

  • Der neue Berlin­er Feiertag muss der Europatag am 9. Mai wer­den! | Der (europäis­che) Föder­al­ist → manuel müller schlägt vor, einen feiertag für eruopa/die europäis­che einigung/befriedung einzuführen

    In Erin­nerung an die Schu­man-Erk­lärung bege­ht die Europäis­che Union den 9. Mai bere­its seit vie­len Jahren als Europatag. Europaweit find­en heute Feste und Ver­anstal­tun­gen statt, um die europäis­che Idee, die Errun­gen­schaften der europäis­chen Inte­gra­tion und das bürg­er­schaftliche Engage­ment für län­derüber­greifend­en Aus­tausch und Ver­ständi­gung zu feiern.

    Nur eines ist der Europatag noch nicht: ein geset­zlich­er Feiertag. Das Land Berlin hat jet­zt die Chance, das zu ändern.

  • Im Korsett des Tur­bokap­i­tal­is­mus | SZ → im gegen­satz zu ger­hard mätzigs etwas herumeiern­den sowohl-als-auch-artikel fordert lau­ra weiss­müller einen guten punkt, bevor man über die ange­blich bessere leis­tung der nachge­baut­en pseu­do-alt­stadt in frank­furt disku­tiert:

    Und genau deswe­gen macht es keinen Sinn, das neue Frank­furter Alt­stadtquarti­er in Stel­lung gegen eine Architek­tur zu brin­gen, die ver­sucht, auf die Prob­leme unser­er Zeit zu reagieren. Wer die Qual­itäten bei­der Rich­tun­gen — hier die Baut­en der Alt­stadt­fre­unde, dort die der Avant­gardis­ten — ern­sthaft ver­gle­ichen möchte, müsste erst mit der­sel­ben Sorgfalt, Detail­freude und Unter­stützung der Baube­hörde ein ähn­lich dicht­es Stück Stadt, und zwar in gle­ich­er zen­traler Lage, in zeit­genös­sis­chem Gewand bauen lassen. Anson­sten ist es unlauter, eine Architek­tur für ihre Unbe­haus­theit ver­ant­wortlich zu machen, wenn man sie aus Kosten­grün­den genau in dieses Korsett zwingt.

  • Ein Reisender auf dem Ozean der Texte: Gérard Genette ist tot | NZZ → milo rau schreibt einen gut informierten nachruf auf den großen lit­er­atur­the­o­retik­er gérard genette, der let­zte woche ver­starb:

    Der­art zahlre­ich sind die Bezüge ausser­halb und inner­halb sein­er Diszi­plin, der­art vielfältig ist Genettes Ein­fluss auf die Geis­teswis­senschaften ins­ge­samt, dass es let­ztlich wohl diese total­isierende Unab­hängigkeit von Schulen und Denkrich­tun­gen ist, die sein Werk ausze­ich­net.

spinnennetz in blühpflanzen

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  • Umso schlim­mer für die Tat­sachen | Süd­deutsche → wolf­gang kraushaar wirft einen instruk­tiv­en blick auf die “ergeb­nisse” des gedenk­jahres zum 50. jubiläum von “1968”

    Kaum jemand, der sich damals auf die Bewe­gung ein­ge­lassen hat­te, dürfte so wieder aus ihr her­aus­gekom­men sein, wie er zuvor in sie hineinge­gan­gen war. Das war ein kom­prim­iert­er, äußerst dynamis­ch­er Prozess, der die Einzel­nen nur zu häu­fig grundle­gend verän­dert hat.

    Diese Bewe­gung war aber in ihrem Kern auch etwas völ­lig Neuar­tiges. Ihre Akteure woll­ten ja nicht ein­fach wie noch die Arbeit­er- oder Gewerkschafts‑, die Friedens- oder Oster­marschbe­we­gung durch ihren Protest Inter­essen ver­fol­gen und bes­timmte Ziele erre­ichen. Nein, sie woll­ten sich dabei auch selb­st entwick­eln, verän­dern, manche sog­ar “befreien”. Es ging 1968 zugle­ich auch immer um die Bewegten selb­st, um ihre Bedürfnisse, ihre Wün­sche, ihre Träume — in einem emphatis­chen Sinne um Sub­jek­tiv­ität. Die Schalen der alten Per­son soll­ten abgeschüt­telt und darunter ein neues Ich ent­deckt und gebor­gen wer­den. Damit hat­te sie allen Irrun­gen und Wirrun­gen zum Trotz ein Bewe­gungs­for­mat geschaf­fen, das für andere Protestierende zum Fix­punkt wurde und an dem sich viele später ori­en­tiert haben.

  • Die Sche­in­frei­heit der Bibel | taz → heinz-wern­er kub­itz­ka erk­lärt, warum es falsch (und schein­heilig) ist, sich für mod­erne werte auf das chris­ten­tum zu berufen:

    Tol­er­anz und Frei­heit sind eben nicht organ­isch aus dem Chris­ten­tum erwach­sen, son­dern mussten ger­adezu in Geg­n­er­schaft zum Chris­ten­tum ver­wirk­licht wer­den. […] Befreiung find­et und fand nicht mit, son­dern meist gegen die Reli­gio­nen statt. Mod­erne Werte nimmt man nicht aus alten Schriften.

  • Ver­bale Auss­chuss­ware | Spiegel → sascha lobo verzweifelt an face­books com­mu­ni­ty-stan­dards — und zwar aus­drück­lich schon an ihrer sprach­lichen ver­fass­theit
  • Mein erster DSGVO Rant – Zu viele Mythen und gefährlich­es Halb­wis­sen zum neuen europäis­chen Daten­schutzrecht | Recht 2.0 → carsten ulbricht ärg­ert sich über panik und falsche infor­ma­tio­nen in bezug auf die dsg­vo

    Wer sich hier von der Panikmache nicht ansteck­en lässt, son­dern sich aus vernün­fti­gen Quellen oder bei Beratern informiert, die einen prak­tik­ablen Weg zur Umset­zung zeigen und nicht nur mit­teilen, wie unsich­er und riskant alles wird, der wird auch die Vor­gaben der DSGVO sin­nvoll umge­set­zt bekom­men.

  • Von der Lügen­presse zur Lügen­wis­senschaft? | Zeit­geschichte online → andreas wirsching macht sich gedanken über den platz und die rel­e­vanz der (zeit-)geschichte in der heuti­gen gesellschaft:

    Mit ihrem plu­ralen Blick auf die Ver­gan­gen­heit ver­mei­det die Prob­le­merzeu­gungs­geschichte zugle­ich die Frag­men­tierung ihres Gegen­standes ent­lang iden­titär­er Abgren­zun­gen. Sie lässt sich daher nicht vor den Kar­ren außer­wis­senschaftlich­er Iden­tität­skon­struk­tions­bedürfnisse span­nen, son­dern analysiert diese selb­st als Prob­lemhor­i­zont der Gegen­wart.
    So – und wie ich meine nur so – lässt sich die Zeit­geschichte als Vorgeschichte der Gegen­wart ver­ste­hen. Und als solche kann sie nicht nur, son­dern sollte unbe­d­ingt ihre Stimme in der Deu­tung aktueller Prob­lem­la­gen erheben. Gegenüber den Reduk­tion­is­ten aller Couleur wirkt sie störend, aber eben das erweist ihre öffentliche Rel­e­vanz.
    Und in nicht weni­gen Diskus­sio­nen liegt darin auch ihre beson­dere Kom­pe­tenz. His­torische Wis­senschaften sind näm­lich die einzi­gen Diszi­plinen, die gle­ich­sam mit zwei Augen sehen. Während das eine Auge in der Zeit- und Stan­dort­ge­bun­den­heit des Wis­senschaftlers haften bleibt, richtet sich das andere auf die his­torische Tiefe. Und erlauben Sie mir zum Schluss eine nicht ganz ern­stzunehmende Weit­er­führung des Bildes. Denn sind nicht die rein gegen­wart­sori­en­tierten Wis­senschaften gle­ich­sam die Einäugi­gen unter den Blind­en – den blind­en Zeitgenossen, die ihre Gegen­wart nicht zu ver­ste­hen ver­mö­gen? Und ist es demge­genüber nicht allein die Zeit­geschichte, die mit ihren bei­den Augen zusam­men räum­lich sehen kann. Wenn es sich so ver­hält, ist die Zeit­geschichte wed­er anti­quar­ische noch Lügen­wis­senschaft und um ihre Rel­e­vanz braucht uns nicht bange zu sein.

fischernetz

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Ins Netz gegan­gen am 19.4.:

  • Fata, Libel­li. Lit­er­aturkolumne | Merkur → ekke­hard knör­er wirft einen instruk­tiv­en blick auf den buch­markt und seine (haupt-) akteur*innen

    Ein Buch ist ide­al­typ­isch das, was eine Autorin ver­fasst, ein Agent in ihrem Namen verkauft, eine Lek­torin lek­to­ri­ert, ein Ver­lag set­zen lässt, pub­liziert und bewirbt, was ein Händler online oder im Laden verkauft, eine Rezensentin rezen­siert, eine Käuferin kauft. Ein Buch ist also ein ziem­lich kom­plex­es, aus geisti­gen, materiellen, ökonomis­chen Aspek­ten zusam­menge­set­ztes Objekt. […] Das Schreiben von Büch­ern ist eine in jed­er Hin­sicht aufwändi­ge und anstren­gende Sache. Die aller­meis­ten Autorin­nen und Autoren von Lit­er­atur kön­nen, wie sich aus den genan­nten Zahlen ohne viel Rech­nen ergibt, wed­er von den Verkäufen ihrer Büch­er noch von den Vorschüssen leben. Das gilt für die USA, das gilt für Deutsch­land, es gilt wohl über­all auf der Welt. Den­noch erscheinen Jahr für Jahr unfass­bar viele bel­letris­tis­che Titel. Wovon leben all diese Men­schen?

  • Geschlossen gegen imag­inierte Bedro­hun­gen | Süd­deutsche → ein ziem­lich guter essay von felix stephan über die ver­biesterten, eng­stirni­gen kämpfe um (deutungs-)hoheit (auch) in der kul­turszene, die er er im ver­har­ren in den eige­nen echokam­mern begrün­det sieht
  • Aber über Juden­hass nicht lachen wollen! | Über­mei­den → gabriel yoran regt sich ziem­lich zu recht über dumme fra­gen beim dlf auf:
    [Lev­it] soll allen Ern­stes erk­lären, wie sich sein Twit­tern jüdis­ch­er Witze mit Kri­tik an einem Preis für Verächtlich­machung von Auschwitz-Häftlin­gen verträgt. Was ist das für ein furcht­bares Land, in dem ein führen­des, ser­iös­es Medi­um solche Fra­gen stellt?
  • Moni­ka Grüt­ters im Inter­view | Tagesspiegel → ein total irres inter­view mit moni­ka grüt­ters, die sich ern­sthaft darüber beschw­ert, dass bei kul­tur­poli­tis­chen entschei­dun­gen (zu) viele mitre­den wollen. nun ja:

    Manch­mal würde auch der Kul­turbe­trieb eine Autorität gut ver­tra­gen.

  • Die große Inklu­sion | taz → vor­ab­druck eines auzuges aus armin nassehs neuem buch über 1968, “Gab es 1968?”, das — wenn ich den hier veröf­fentlicht­en text als maßstab nehme — sehr inter­es­sant zu sein scheint:

    Als wirk­sames Erbe [von 1968] haben sich Inklu­sion­ss­chübe vol­l­zo­gen, in deren Folge es zu ein­er Gen­er­alin­klu­sion der Bevölkerung kam. Dadurch ist es, so meine These, in allen wes­teu­ropäis­chen Län­dern zu einem mehr oder weniger merk­lichen impliziten Linksruck gekom­men – nicht expliz­it links gemäß der Vorstel­lung der radikalen Rev­o­lu­tion­sper­spek­tive des kleinen harten Kerns von „1968“, wonach die Gesellschaft ein umbaubares Objekt darstellt. Doch die Inklu­sions­dy­namik hat dur­chaus zu ein­er diskur­siv­en Beteili­gung größer­er Grup­pen geführt, und es kam zu ein­er grup­penüber­greifend­en Prämi­ierung von Abwe­ichung allein deshalb, weil die „Arbeit­steilung“ von Schicht­en und Milieus durcheinan­derg­eri­et.
    […] Die Poli­tisierung der Inklu­sion ist das, was ich hier als das impliz­it Linke beze­ich­nen möchte. Es ist links, weil es die egal­itären, auf soziale Ungle­ich­heit zie­len­den For­men von Mit­glied­schaft und Gen­er­alin­klu­sion von Bevölkerun­gen offen­siv ange­ht und sich mit jedem Schritt in Rich­tung Gen­er­alin­klu­sion die Unmöglichkeit ein­han­delt, solche For­men wieder zurück­zu­drehen. Und es ist impliz­it links, weil es für die Ver­fol­gung solch­er Poli­tik kein­er expliz­it linken Seman­tik und Pro­gram­matik bedarf.

spinnennetz mit tautropfen

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  • Oh-ranien­platz, Ih-ranien­platz | taz → roland berg über die fehlende schöne/ästhetische gestal­tung von baut­en in der stadt heute:

    Und stets ori­en­tiert man sich dabei an der ver­meintlich „schö­nen“ Ver­gan­gen­heit. Zeit­genös­sisch-verbindliche Vorstel­lun­gen über das Schöne scheinen zu fehlen. Also das, was Immanuel Kant sein­erzeit „Gemeinsinn“ nan­nte. Heute scheint das Vor­mod­erne aus der Geschichte als einzige Norm für die Gegen­wart als verbindlich. Und selt­samer­weise wird – zumin­d­est in ästhetis­ch­er Hin­sicht – von den meis­ten das Frühere dem Heuti­gen vorge­zo­gen. […] Ret­ro­spek­tive Ästhetik und Rekon­struk­tion von (Alt‑)Bauten und ganz­er Stadträume bis hin zu Wieder­aufer­ste­hung des abgeris­se­nen Berlin­er Schloss­es füllen die Leere, die der Ver­lust des Gemeinsinns für das Schöne in der Gegen­wart mit sich gebracht hat.

  • Wer Gedichte liest, weiss mehr über das Leben | NZZ → die nzz doku­men­tiert leicht gekürzt die dankesrede von michael brauch für den alfred-kerr-preis

    Bei der Beschäf­ti­gung mit der Frage, warum sich ein­er wie ich mit Gedicht­en befasst und Rezen­sio­nen zu Gedicht­bän­den schreibt, gelangt man zu ähn­lichen Ein­sicht­en, wie sie Nico­las Born 1970 for­muliert hat: Es hat mit dem eige­nen Existieren zu tun, mit dem Ver­such, dem Rät­sel des eige­nen Daseins auf die Spur zu kom­men. Beim Lesen von Gedicht­en ist man fast immer mit den Fra­gen nach den let­zten Din­gen kon­fron­tiert, wir wer­den unmit­tel­bar und ohne schützende Ein­leitung in medias res gewor­fen. Die Verse der Gedichte, die wir lesen, ver­mit­teln uns das «punk­tuelle Zün­den der Welt im Sub­jecte», wie es ein Schüler des Philosophen Hegel for­mulierte. […] Beim Lesen von Gedicht­en wird ein Riss sicht­bar in dem Welt­ge­bäude, das uns eben noch ver­traut schien. Ein Riss wird sicht­bar im Welt­ge­bäude, und – so sagt es ein­mal der rus­sis­che Welt­po­et Ossip Man­del­stam – die poet­is­che Rede weckt uns mit­ten im Wort auf. Gedichte sprechen von dem skan­dalösen Fak­tum, dass wir geboren wor­den sind und dass wir in noch nicht vorstell­bar­er, aber doch nicht allzu fern­er Zukun­ft ster­ben wer­den.

  • Über ein richtiges Lehrer-Leben im falschen Schul­sys­tem | Bil­dungslück­en → schreibt über kri­tik an schule und ihrem sys­tem und möglichkeit­en der verbesserung und verän­derung, auch auf indi­vidu­eller ebene

    Denn unser Schul­sys­tem hat so viele grundle­gende Män­gel, dass ich mir oft die Frage stelle, ob es das über­haupt geben kann: ein richtiges Lehrerleben im falschen Schul­sys­tem. Im Laufe der Zeit habe ich einige (Über-)Lebensstrategien entwick­elt.

  • Secu­ri­ty | Ohne Text singt kein Men­sch mit

    Die Change-Man­age­ment-Fachkraft ein­er großen Unternehmens­ber­atung und ein Stu­dent im dun­klen Kapuzen­pul­li leg­en in der Schlange nacheinan­der ihre Gür­tel, die Geld­börsen und ihre Lap­tops in die Durch­leuch­tungs-Schalen auf das Band der Sicher­heit­skon­trolle. Sie schauen sich kurz lächel­nd an, weil bei­de das­selbe Lap­top-Mod­ell aus ihren Handgepäck-Reise­taschen nesteln.

  • Rad­fahren in Kopen­hagen und Berlin: Vom Paradies in die Vorhölle| Deutsch­land­funk Kul­tur → die über­schrift sagt eigentlich schon alles — ein kurz­er, sub­jek­tiv­er ver­gle­ich der rad­fahrmöglichkeit­en in den bei­den städten

    Lieber über gute Rad­wege ohne Helm als über schlechte mit.

  • Jüdisch, ehren­hal­ber | FAZ → claudius sei­dl sehr richtig zu dem blödsin­ni­gen geschwätz von “jüdisch-christlich­er prä­gung”:

    Insofern schließt die Rede von der „jüdisch-christlichen Prä­gung“ nicht nur den Islam aus – was ja der eigentliche Zweck dieser Behaup­tung ist. Auch Aufk­lärung und Athe­is­mus, auch die, ger­ade in der deutschen Lit­er­aturgeschichte, so wichtige Sehn­sucht nach jen­em heit­er­eren Him­mel, in welchem die men­schlicheren Göt­ter der Griechen wohnen, wer­den von dieser Rede, wenn nicht aus­geschlossen, dann doch zu den Apokryphen ein­er Tra­di­tion, deren Kanon ange­blich jüdisch-christlich ist (man möchte die Namen all der­er, die diese Rede zu Frem­den macht in der deutschen Kul­tur, gar nicht aufzählen müssen).

  • Wun­der­bar­er Eigensinn| Faust Kul­tur → ein wun­der­bares, kluges gespräch mit dem lyrikkri­tik­er michael braun, den ich immer wieder gerne lese (auch wenn ich nicht in allem mit ihm übere­in­stimme …):

    Ich würde für mich sagen: Es muss eine Störung der geläu­fi­gen Sprach­struk­turen erfol­gen, wir müssen beim Sprechen und Schreiben die Ver­trautheit ver­lieren – auch in unserem Ver­ste­hen -, wir müssen aus­ge­he­belt wer­den beim Lesen solch­er Verse, son­st kann kein gutes Gedicht entste­hen. […] Das poet­is­che Selb­st­ge­spräch ver­mag manch­mal eben doch andere zu erre­ichen. Und ob das nun 17 oder 97 oder 1.354 sind, spielt keine Rolle. Also, 1.354, diese berühmte Enzens­berg­er­sche Kon­stante, ist ja noch zu opti­mistisch angelegt. Nicht 1.354 Men­schen pro Pop­u­la­tion, ob in Island oder den USA, greifen zu Gedicht­bän­den, son­dern nur 135,4 Lyrik­leser! Also die Enzens­berg­er­sche Kon­stante müsste durch 10 geteilt wer­den. 135,4 Rezip­i­en­ten pro Gedicht­band ist die neue Kon­stante für öffentliche Aufmerk­samkeit auf Gedichte.

gefrorenes spinnennetz

Ins Netz gegangen (14.3.)

Ins Netz gegan­gen am 14.3.:

  • «Ulysses»-Neuedition: «Rechtlich ist die Sache tot»| NZZ → angela schad­er fasst die vorgänge um die rev­i­dierte joyce-über­set­zung anschaulich zusam­men — dass einem ver­lag wie suhrkamp so etwas passiert, ist schon reich­lich pein­lich …
  • Staatsmin­is­terin für falsche Ver­sprechun­gen und fliegende Autos | Zeit → fried­helm greis nimmt die beru­fung bärs zur staatsmin­is­ter­ing für dig­i­tales und ihre ersten inter­views sehr zu recht kri­tisch unter die lupe

    Ihre bish­eri­gen Äußerun­gen lassen darauf schließen, dass sich Bär vor allem als Lob­by­istin der Dig­i­tal­wirtschaft und der Provider sieht. […] Bärs Ziel scheint es dage­gen zu sein, die Daten­schutzregeln für alle Nutzer aufzuwe­ichen, damit deutsche Fir­men mit der Daten­sam­mel­wut der US-Konz­erne konkur­ri­eren kön­nen.

  • “Eine Polizei, die sich auf Microsoft stan­dar­d­isiert, betreibt Dat­en-Harakiri” | Süd­deutsche → ein gutes inter­view mit rafael lagu­na über open source, das freie netz, ver­ant­wor­tung und sicher­heit

    Wenn die öffentliche Hand Geld für Soft­ware-Entwick­lung investiert, sollte sie es immer so tun, dass am Ende Open-Source-Soft­ware rauskommt. Dann kön­nen auch andere Behör­den in Europa die Ergeb­nisse nutzen. Und wenn man sen­si­bel­ste Dat­en ein­er Bun­des- oder Lan­des­be­hörde abspe­ichert, dann doch bitte in einem Sys­tem mit voll­ster Kon­trolle — das geht nur mit Open Source. Eine Polizei, die sich auf Microsoft stan­dar­d­isiert, betreibt Dat­en-Harakiri.

  • Im Stahlgezwitsch­er | Pop-Zeitschrift → jörg scheller und wolf­gang ull­rich “besprechen” gekon­nt und umfassend den twit­ter-account von nor­bert bolz, über den ich auch kür­zlich gestolpert bin und den ich auf­grund sein­er inhalte nicht (mehr) für voll nehmen kann

    Der wichtigere Grund für unsere Beschäf­ti­gung mit dem Account von Bolz ist jedoch, dass sich in ihm die Geschichte ein­er Radikalisierung abspielt. Und eben darin ist er wohl symp­to­ma­tisch. Bolz gehört zu der Gen­er­a­tion älter­er Män­ner, aus deren Rei­hen seit dem Herb­st 2015 vielfach scharfe Kri­tik an der Flüchtlingspoli­tik der Bun­desregierung, namentlich an Angela Merkel geübt wird. Wie etwa auch Peter Slo­ter­dijk, Rüdi­ger Safran­s­ki oder Jörg Baberows­ki ste­ht Nor­bert Bolz damit auf ein­mal in der Nähe von Recht­spop­ulis­mus, AfD und Pegi­da. Seine Tweets erfahren von dort viel Zus­pruch, der ihn offen­bar nicht nur nicht stört, son­dern sog­ar ans­pornt, noch polemis­ch­er zu for­mulieren und sich die Reiz- und Kampf­vok­a­beln der recht­en Szenen zu eigen zu machen. […] So sieht also die Twit­ter-Kar­riere von jeman­dem aus, der seine lib­er­al-kon­ser­v­a­tive Hal­tung einem Ver­fol­gungswahn opfert. […] In Bolz‘ Tweets wal­tet der „Thy­mos“, also der von der Neuen Recht­en beschworene „Zorn“ und „Stolz“, in Beamtengestalt. Aus kom­fort­abler Dis­tanz, umhegt von Väterchen Staat, gut abgesichert durch ein unkünd­bares Beschäf­ti­gungsver­hält­nis, das Bolz all seinen Kla­gen über das Elend der Uni­ver­sitäten zum Trotz aufrechter­hält. Was das mit dem von ihm häu­fig beschwore­nen lib­eralen Geist und Mut zu tun haben soll, ist mir schleier­haft. Bolz zählt ja zu den­jeni­gen Pro­fes­soren, die auch in der Pri­vatwirtschaft über­leben kön­nten. Er ist in den Massen­me­di­en präsent, er ist ein gefragter Red­ner und er ver­di­ent gut damit.

  • Set­tling the score: cel­e­brat­ing the women erased from the musi­cal canon | Guardian → anas­ta­sia beli­na erin­nert an vergessene kom­pon­istin­nen, ins­beson­dere an augus­ta holmès

    We are the poor­er for her absence. With­out know­ing and under­stand­ing the work of female com­posers, we will always have a lim­it­ed view on the his­to­ry of com­po­si­tion. Why do we still dif­fer­en­ti­ate between male and female com­posers? Sure­ly gen­der has no bear­ing on the qual­i­ty of the music.

  • ÖPP-Pleite mit Ansage – der exem­plar­ische Fall A1 mobil | Luna­park 21 → carl waß­muth über die gründe, warum öpps für die gesellschaft (und das gemein­wohl) eher keine gute idee sind — was in der regel mit den verträ­gen zusam­men­hängt:

    ÖPP-Verträge bewirken, dass der Staat für Änderun­gen immer bezahlen muss.

zaun im schnee

Ins Netz gegangen (28.2.)

Ins Netz gegan­gen am 28.2.:

  • Düs­sel­dor­fer Verk­lärung | Begleitschreiben → anlässlich der “Düs­sel­dor­fer Erk­lärung” der klein(eren) ver­lage und den wun­sch nach förderung und preise für die immense kul­turelle (sie behaupten sog­ar, es sei eine kün­st­lerisch) leis­tung dieser ver­lage schlägt gre­gor keuschnig vor, gle­ich nägel mit köpfen zu machen:

    Aber es gibt noch Steigerungspo­ten­tial. Wie wäre es mit einem Aufruf, den Leser, die Leserin mit einem adäquat­en Preis staatlich zu unter­stützen? Die Kri­te­rien für die Preisver­gabe sind leicht zu eruieren: Der preiswürdi­ge Leser, die preiswürdi­ge Leserin, muss min­destens 50 Büch­er im Jahr lesen (3 davon Lyrik und min­destens 20% von soge­nan­nten unab­hängi­gen Ver­la­gen). Er/Sie ver­ste­ht sein Tun als kün­st­lerische Leis­tung. Ein Dienst an der Lit­er­atur.

  • Wie ich beina­he ein Pla­giat enthüllte | Zeit → eine nette geschichte über (klas­sis­che) musik und die ver­wirrung, die falsche met­da­dat­en bei stream­ing­di­en­sten aus­lösen kön­nen, hat gabriel yoran hier aufgeschrieben
  • Bürg­er­meis­ter, fangt ein­fach an! | Zeit → ste­fan ramm­ler fordert nicht ganz zu unrecht dazu auf, bei der verkehrspoli­tik und vor allem der verkehr­swende nicht immer nur auf die bun­de­spoli­tik zu star­ren und zu warten, son­dern auch lokal und kom­mu­nal zu denken und vor allem zu han­deln

    Es ist ja nicht so, dass kluge, gut ver­wobene und langfristig aus­gerichtete Konzepte für einen zukun­fts­gerecht­en Umbau des Mobil­itätssys­tems in Deutsch­land fehlten. Man wüsste sehr wohl, wie es gin­ge – man will es aber nicht wollen oder glaubt, es nicht wollen zu kön­nen. Noch immer haben die Han­del­nden nicht ver­standen, dass das Behar­ren beim Alten oder weit­ere Inno­va­tio­nen in der fos­silen Massen­mo­torisierung eben ger­ade nicht die Zukun­ft der deutschen Autoin­dus­trie sich­ern.

  • Die Köni­gin des poet­is­chen Eigensinns | Zeit → michael braun würdigt die große lyrik­erin elke er zu ihrem 80. geburt­stag
  • Plat­tform-Kap­i­tal­is­mus: “Wir müssen über Ver­staatlichung nach­denken”| Zeit → inter­es­santes inter­view mit Nick Srnicek über plat­tfor­men, die plat­tfor­mökonomie und die damit ver­bun­de­nen verän­derun­gen
gefrorenes spinnennetz

Ins Netz gegangen (31.1.)

Ins Netz gegan­gen am 31.1.:

  • Inter­view: “Die Rel­e­vanz von Geschlecht nimmt ab” | Cam­pus Mainz → die ger­man­is­tis­che sprach­wis­senschaft­lerin damaris nübling über sprache und geschlecht, gen­der und gerechtigkeit

    Langfristig wäre es gut, die Kat­e­gorie Geschlecht aufzulösen, statt sie zu drama­tisieren. Das funk­tion­iert neben dem Streuen auch mit neu­tral­isieren­den Pronomen im Plur­al wie “alle”, “viele” oder “manche”. Außer­dem kann man auch anstelle von Per­so­n­en­beze­ich­nun­gen abstrak­tere Begriffe ver­wen­den, zum Beispiel: “Das Insti­tut hat entsch­ieden” anstelle von “Der Insti­tut­sleit­er hat entsch­ieden” und so weit­er.
    Allerd­ings kommt das immer auf den Kon­text an. Feste Rezepte gibt es nicht, Kreativ­ität ist gefragt. Dazu gehören auch die zunehmenden Präsenspar­tizip­i­en im Plur­al wie “Studierende”. Sin­gu­lare wie “der Studierende” tau­gen dage­gen nicht, da Sin­gu­lare immer mit Genus aufge­laden sind. Meine Erfahrung ist, dass es weniger eine Frage der Möglichkeit­en als des Wil­lens ist.

  • Kul­turgut Buch — bröck­elt der Mythos? | Deutsch­land­funk Kul­tur → ein nach­den­klich­es inter­view mit jörg sun­der­meier vom famosen ver­brech­er-ver­lag zur lage des buch­mark­tes und der lit­er­atur im ganz all­ge­meinen

    Ich glaube, momen­tan ist eher das Prob­lem nicht so sehr, dass die Leute nicht lesen wollen oder nicht lesen kön­nen, son­dern dass es ein biss­chen demi mode ist, und ich habe aber den Ein­druck, dass es sich ändert und dass das Lesen wieder zurück­kommt,

  • “Gewon­nen hat die deutsche Nation” | Zeit → noch ein älteres inter­view, das schon lange in mein­er leseliste schlum­mert: georg schmidt spricht über den dreißigjähri­gen krieg (die leserkom­mentare ignori­ert man aber bess­er …)
  • The Ulti­mate Pro­duc­tiv­i­ty Blog → großar­tig, sehr tre­f­fend auf den punkt gebracht
  • Abwe­sen­heit als Krise | Sozialthe­o­ris­ten → span­nende über­legun­gen von ste­fan kühl zum prob­lem der anwe­sen­heit­skon­trollen an uni­ver­sitäten

    Selb­st in Überwachung­sprak­tiken begabte Lehrende wer­den fest­stellen, dass sie trotz einzel­ner Siege über beson­ders auf­fäl­lige Drücke­berg­er am Ende diese Kon­trol­lkämpfe ver­lieren wer­den. Die Kreativ­ität von Studieren­den beim Erfind­en von Wegen, diese Kon­trollen zu unter­laufen, wird immer größer sein als die Kreativ­ität von Lehren­den im Erfind­en neuer Wege der Kon­trolle. Anwe­sen­heit­slis­ten sind deswe­gen ein stumpfes Schw­ert, um das Leis­tungsniveau von Studieren­den anzuheben. […] Das Prob­lem der Abwe­sen­heit von Studieren­den ist also nicht vor­rangig ein Prob­lem der Qual­ität der Lehren­den, son­dern liegt vielmehr in der Gestal­tung der Stu­di­engänge selb­st […] Statt auf das Prob­lem der Abwe­sen­heit mit dem eher brachialen Mit­tel der Anwe­sen­heit­sliste zu reagieren, gäbe es eine Alter­na­tive. Man kön­nte chro­nis­che Abwe­sen­heit­en – oder Anwe­sen­heit­en, die nur über Anwe­sen­heit­slis­ten durchge­set­zt wer­den kön­nen – als ein Zeichen dafür sehen, dass irgen­det­was in dem Stu­di­en­gang nicht stimmt.

  • Trump ist der Geburtshelfer von “Me Too” | SZ → eine gute — und wie mir scheint, sehr tre­f­fende — einord­nung von hed­wig richter der #MeToo-bewe­gung in den wan­del von män­ner-/männlichkeits­bildern und die geschichte der gle­ich­berech­ti­gung

    Die Empörung über die Gewalti­gen, die sich der Leiber der anderen bedi­enen, ist mehr als ein Hash­tag und etwas anderes als eine Het­z­jagd. Sie ist das Ende der let­zten Selb­stver­ständlichkeit: Das Zweifel- und Bedenken­lose ein­er männlichen Herrschaft, das in die Kör­p­er eingeschrieben war, scheint endgültig außer Kraft geset­zt zu sein.

  • The Hori­zon of Desire | Lon­greads → ein her­vor­ra­gen­der essay von lau­rie pen­ny über kon­sens, rape cul­ture, männlich- und weib­lichkeit und die damit ein­herge­hen­den (stereo­typen) erwartun­gen an das ver­hal­ten beim sex

    Rape cul­ture is not about demo­niz­ing men. It is about con­trol­ling female sex­u­al­i­ty. It is anti-sex and anti-plea­sure. It teach­es us to deny our own desire as an adap­tive strat­e­gy for sur­viv­ing a sex­ist world. […] But unless we talk about desire, about agency, about con­sent, then we’ll only ever be fight­ing this cul­ture war in retreat. It’s a real war, one that impacts our bod­i­ly auton­o­my and our eco­nom­ic and polit­i­cal pow­er. The bat­tle for female desire and agency goes way beyond the bed­room, and it’s a bat­tle that right now every­one is los­ing.

weihnachtsbaum im netz

Ins Netz gegangen (22.12.)

Ins Netz gegan­gen am 22.12.:

  • Unter falsch­er Flagge. Rechte “Iden­titäre” set­zen auf Antiken-Pop. Die Geschichte ihrer Sym­bole dürfte ihnen kaum gefall­en | Pop His­to­ry → eine wun­der­bare kleine geschichte: bodo mrozek erzählt, was hin­ter dem lamb­da als signet der iden­titären bewe­gung steckt — wie so oft, ist das zeichen, seine entste­hung und nutzung deut­lich weniger ein­deutig als seine nutzer es gerne hät­ten oder sug­gerieren …
  • Der normierte All­t­ag | Neues Deutsch­land → ein kurz­er rück­blick auf 100 jahre nor­mung in deutsch­land — von kegel­s­tiften bis ret­tungstra­gen …
  • Ist dieser Mann an allem schuld? Oder doch Sig­mar Gabriel? | zeit → bernd ulrich sehr richtig über das irrlichternde denken und argu­men­tieren von sig­mar gabriel und (zumin­d­est teile) der spd:

    Ökolo­gie … wird als etwas Zweitrangiges und im Prinzip schon Geregeltes abge­tan, die fun­da­men­tale Krise wird oft­mals geleugnet. … Und als dann das ZDF segen­sre­icher­weise eine ein­schlägige Umfrage in Auf­trag gab, waren alle ganz über­rascht von den Ergeb­nis­sen: Auf die Frage, ob zum Erre­ichen der Kli­maziele auch dann Kohlekraftwerke abgeschal­tet wer­den soll­ten, wenn das ökonomisch neg­a­tive Fol­gen haben kön­nte, antworteten zwei Drit­tel mit Ja. 82 Prozent gaben an, gegen den Kli­mawan­del werde inter­na­tion­al nicht genug getan, während immer­hin 52 Prozent der Mei­n­ung waren, selb­st Deutsch­land tue hier zu wenig. Offen­bar bewe­gen sich viele Poli­tik­er und Jour­nal­is­ten ökol­o­gisch gese­hen in ein­er Son­der­welt.

  • Büch­er ver­legen und Holz hack­en | Deutsch­land­funk Kul­tur → peter engstler im gespräch mit ulrike timm beim deutsch­land­funk kul­tur
  • Wozu noch Bib­lio­theken? | Deutsch­land­funk → inter­es­san­ter (langer) essay von michael knoche über bib­lio­theken und das inter­net, wenn auch manch­mal etwas selt­same argu­men­ta­tion (u.a.: such­maschi­nen erfassen nicht das ganze inter­net, deswe­gen benötigt man bib­lio­theken, die wis­sen mit aus­gewählten werken bere­it­stellen …)

    Die Fokussierung auf die eigene Samm­lung reicht heute nicht mehr aus. Die eigene Samm­lung muss als Teil eines Net­zw­erks begrif­f­en wer­den. Bib­lio­theken müssen heute viel arbeit­steiliger vorge­hen und viel mehr miteinan­der kooperieren, als dies in der Welt der gedruck­ten Lit­er­atur notwendig war. Bib­lio­theken müssen Bestand hal­ten, aber sie funk­tion­ieren nur noch als Sys­tem.

gefrorene schneeflocke

Ins Netz gegangen (13.12.)

Ins Netz gegan­gen am 13.12.:

  • “Mein Kampf” wird öfter in der Schule gele­sen | SZ → die edi­tion scheint also tat­säch­lich zu wirken:

    Seit der Veröf­fentlichung der his­torisch-kri­tis­chen Aus­gabe von Adolf Hitlers “Mein Kampf” wird das Buch immer öfter an bay­erischen Schulen behan­delt. Beson­ders in Mit­tel- und Beruf­ss­chulen wer­den jet­zt mehr Auss­chnitte der Het­zschrift auf unter­schiedlich­stes Weise in den Unter­richt einge­bun­den.

  • Alles online? | dig­ithek blog → von wegen alles ist dig­i­tal — die zen­tral­bib­lio­thek zürich hat in ihrem bestand mal nachgeschaut und ‑gezählt:

    Es ist noch längst nicht alles online ver­füg­bar, was in unseren Mag­a­zi­nen ste­ht. Und wenn es dig­i­tal vorhan­den ist, dann lohnt sich ein Blick in die Bib­lio­thek­sange­bote. Google hat zwar vieles dig­i­tal­isiert, auf­grund von Urhe­ber­recht­en sind die Werke aber nicht voll­ständig ver­füg­bar. Und manche Titel find­et man wirk­lich nur in den Bib­lio­theken.“

  • Die Mediatheken von ARD und ZDF: ein Hor­ror­trip | Über­me­di­en → ste­fan stuck­mann hat sich (in einem recht lan­gen text) die mediatheken der öffentlich-rechtlichen sender in deutsch­land angeschaut — und ist recht unter­wältigt. da bin ich ja fast froh, dass ich dank mediathekview die seit­en nur sel­ten auf­suchen muss …
  • “Der Panz­er auf der Brust der Stu­den­ten” | Zeit → hart­mut rosa über stu­den­ten, leis­tungs- und zeit­druck und das ler­nen

    Uni­ver­sitäten sind Reflex­ion­sin­stanzen der Gesellschaft. Die Atem­losigkeit des wis­senschaftlichen Betriebs existiert und bet­rifft Studierende und Lehrende. Ich denke, eine Gesellschaft, die glaubt, sich so eine Reflex­ion­sin­stanz nicht mehr leis­ten zu müssen, ist dem Unter­gang gewei­ht. Men­schliche Lebens­for­men kennze­ich­nen sich auch dadurch, dass sie sich reflex­iv weit­er­en­twick­eln, durch die Art und Weise, wie sie sich selb­st inter­pretieren und ver­ste­hen. Und das erfordert eine gewisse Dis­tanz zum oper­a­tiv­en Geschehen. Wenn man die Uni­ver­sität als reine Aus­bil­dungsin­sti­tu­tion betra­chtet, ver­liert sie ihre Reflexions‑, Kor­rek­tur- und Reparatur­funk­tion. […] Die Real­ität ist vielle­icht, dass die Uni­ver­sität zu ein­er Ent­frem­dungszone wird. Ziel müsste es sein, die Uni­ver­sität zu einem Res­o­nanzraum zu machen. Es ist ganz schw­er, unter den gegen­wär­ti­gen Bedin­gun­gen, Res­o­nan­zoasen zu schaf­fen.

  • Dig­i­tal­isierung, Effizienz und der Rebound-Effekt | trans­form → tilman san­tar­ius über den rebound-effekt und die dig­i­tal­isierung — nicht wahnsin­nig neu, aber eine gute zusam­men­fas­sung

    Es scheint, dass die Dig­i­tal­isierung nicht so entspan­nt ressourcenscho­nend ist, son­dern den gesellschaftlichen Stof­fwech­sel in ein­er Weise neu anregt, die die glob­ale Energie- und Ressourcennach­frage belastet: Die Effizien­zgewinne wer­den mehr als wettgemacht durch den gestiege­nen Kon­sum den die dig­i­tal­en Ser­vices und damit gesunke­nen Preise anre­gen.

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