Wissen

Wis­sen ist nicht dazu bestimmt, uns zu trös­ten: es ent­täuscht, beun­ru­higt, schnei­det, ver­letzt. Michel Fou­cault, Wach­sen und ver­meh­ren

Vigiles et studeas atque legas

Vigi­les et stu­de­as atque leg­as, ut ex hoc buio tibi rema­nen­te, exci­te­ris ad stu­den­dum et legen­dum, cum vivere sine lit­te­ris mors sit et vilis homi­nis sepul­tu­ra — Wache und stu­die­re und lies, damit du, wenn dir dabei ein Zwei­fel bleibt, dadurch (erst recht) ange­spornt wirst zum Stu­die­ren und Lesen, da ohne Wis­sen­schaft zu leben der Tod ist und ein elen­des Grab für den Men­schen.Siger von Bra­bant, Ques­tio­nes de ani­ma intel­lec­tiva

Placebo

Wer sich mal kurz Gedan­ken über Pla­ce­bos und Wirk­sam­keits­nach­wei­se machen möch­te – bit­te schön:

Man beach­te die mus­ter­gül­ti­ge Anga­be der zugrund­lie­gen­den Stu­die per DOI, die noch nicht ein­mal erfun­den ist …

Kein Versuch wurde unternommen, dieses Ergebnis zu verstehen

Wun­der­bar, die­ser Abs­tract, der tat­säch­li­ch in einem Tagungs­band (EOS Trans. AGU Vol 72 1991, No 27–53, S. 456) ver­öf­fent­licht wur­de:

Fractal Analysis of Deep Sea

Frac­tal Ana­ly­sis of Deep Sea

und da heißt es immer, die Geis­tes­wis­sen­schaf­ten wür­den lee­re Luft ver­öf­fent­li­chen, wäh­rend die Natur­wis­sen­schaf­ten durch stren­ge peer-reviews vor sol­chem Unsinn geschützt sei­en … (via wired)

Gute wissenschaftliche Praxis nur im Verborgenen?

Die DFG – die immer­hin einen Groß­teil der deut­schen For­schung finan­ziert und damit auch inhalt­li­ch maß­ge­bend bestimmt – hat zusam­men mit der Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz beschlos­sen, dass „gute wis­sen­schaft­li­che Pra­xis“ (eine Wort­kon­struk­ti­on, die mich immer sehr an die genauso unspe­zi­fier­te „gute fach­li­che Pra­xis“ der Bäue­rin­nen und Bau­ern erin­nert) ver­langt, dass Whist­leb­lo­wer ihre Beob­ach­tun­gen, Ent­de­ckun­gen und Befürch­tun­gen – zum Bei­spiel von Pla­gia­ten – nicht öffent­li­ch machen sol­len, son­dern nur den zustän­di­gen Gre­mi­en der Hoch­schu­len ver­mel­den – damit, so muss man sich das wohl den­ken, die dann in Ruhe und ohne von den blö­den Fra­gen der ner­ven­den Öffent­lich­keit (die zwar alles bezahlt, aber was soll’s …) oder gar Fach­kol­le­gin­nen und –kol­le­gen beläs­tigt zu wer­den, ent­schei­den kön­nen, was sie zu tun geden­ken. Fast wie die arca­na impe­rii also …

Wer das – wie ich – nicht so gut fin­det und sol­che Din­ge auch zukünf­tig lie­ber öffent­li­ch ver­han­delt sehen möch­te, der oder die möge bit­te die­se von Ste­fan Heß­brüg­gen initi­ier­te Peti­ti­on hier mit­zeich­nen. Viel Hoff­nung habe ich zwar nicht, dass sie wirk­li­ch etwas bewegt, aber ver­su­chen soll­te und muss man es wenigs­tens. Also: Mit­zeich­nen!

Nach­trag: Der Pete­ten Ste­fan Heß­brüg­gen hat im Redak­ti­onblog von Hypo­the­ses noch ein­mal aus­führ­li­ch begrün­det, war­um die Peti­ti­on not­wen­dig ist und war­um HRK & DFG irren.

Verreißen

In der „Süd­deut­schen Zei­tung“ kann man heu­te ein wun­der­ba­res Bei­spiel für einen Total­ver­riss fin­den: Jens Hacke lässt kein ein­zi­ges gutes Haar an der Habi­li­ta­ti­ons­schrift von Fried­rich Kieß­ling, der die alte Bun­des­re­pu­blik auf ihre/eine Ide­en­ge­schich­te unter­sucht. Und Hacke bemän­gelt wirk­li­ch alles, was man an einer his­to­ri­schen Stu­die kri­ti­sie­ren kann: Die (feh­len­de) Metho­de, die man­geln­de Berück­sich­ti­gung neu­er Lite­ra­tur, die dün­ne und unver­ständ­li­che Quel­len­aus­wahl und sogar den Titel. Und natür­li­ch die mage­ren Ergeb­nis­se. Gründ­li­cher kann man einen His­to­ri­ker­kol­le­gen kann erle­di­gen. Zumin­dest nicht mit Feder und Tin­te …

Universitäres Blutgeld

schön und auch gar nicht wei­ter kom­men­tie­rungs­be­dürf­tig, die­ser Sei­ten­hieb, den Diede­rich­sen (der die Uni­ver­si­tät ja inzwi­schen von innen kennt) in sei­nem Büch­lein zu den „Sopra­nos“ da schnell noch in Rich­tung (privat-)spendenfinanierte Uni­ver­si­tä­ten aus­teilt:

In die­ser Epi­so­de ist nicht nur end­li­ch ein­mal befrie­di­gens beschrie­ben wor­den, wie Hoch­schu­len sich dort finan­zie­ren, wo dies der Staat nicht tut – indem sie durch geschul­te Kräf­te Druck auf die ideo­lo­gi­sch unsi­che­ren und legi­ti­ma­ti­ons­be­dürf­ti­gen Teil­de des pri­vat­wirt­schaft­li­ch-mafiö­sen Kom­ple­xes aus­üben -, son­dern vor allem sehen wir zu, wie die Akteu­re der „Sopra­nos“ sich ihren See­len­frie­den zurecht­kon­stru­ie­ren

Died­rich Diede­rich­sen: The Sopra­nos. Zürich: Dia­pha­nes 2012, S. 84

Digitale Pausen

Hans Ulrich Gum­brecht betreibt ja schon seit geraum­er Zeit eine Anti-Blog-Blog bei der FAZ: Digital/Pausen. Marei­ke König vom DHI Paris hat ihn dazu befragt – und abge­se­hen von dem etwas ver­wir­ren­den Sprach­ge­brauch Gum­brechts, der Blog­posts immer als „Blog“ bezeich­net, ist das durch­aus inter­es­sant. Gera­de weil Gum­brecht ja aus einer enorm pri­vi­le­gier­ten Posi­ton spricht – er gibt ganz offen zu, bei der FAZ nur mit dem blog­gen ange­fan­gen zu haben, weil er gut dafür bezahlt wird – und gera­de weil Gum­brecht ja nicht im eigent­li­chen Sin­ne bloggt, weist er doch auf eini­ge wich­ti­ge Punk­te hin, aus denen ich auch das Blog­gen von Wis­sen­schaft­ler for­de­re oder befür­wor­te: Weil das eine Mög­lich­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­on ist, die für die Wis­senchaft enorm wich­tig ist – und die enor­me Band­brei­te ent­wi­ckeln kann, zum Bei­spiel:

Man erschließt sich damit ein Publi­kum – nicht nur quan­ti­ta­tiv – was man über ein Buch nicht errei­chen kann. 

Und spä­ter:

Wenn ich etwas pro­du­zie­re, was letzt­li­ch für Kom­mu­ni­ka­ti­on pro­du­ziert ist – und das ist Wis­sen­schaft immer – dann muss ich schon sehen, dass ich eini­ge Leu­te errei­che.

Neben­bei weist er zum Schluss übri­gens auch noch auf einen in den letz­ten Jah­ren wie­der etwas in Ver­ges­sen­heit gera­te­nen kate­go­ria­len Unter­schied zwi­schen Natur- und Geis­tes­wis­sen­schaf­ten hin: Dass Geis­tes­wis­sen­schaf­ten im eigent­li­chen Sin­ne gar nicht for­schen, kei­ne neu­en Regel­mä­ßig­kei­ten oder Gesetz­mä­ßig­kei­ten ent­de­cken (oder das zumin­dest sel­tent tun). Und das gera­de aus der spe­zi­fi­schen Form der geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Übung – der „Kon­tem­pla­ti­on“ – eigent­li­ch ein Gebot der Offen­heit der Wis­sen­schaft resul­tiert, für das neue digi­ta­le Medi­en ein gro­ßer Segen sind. Oder sein könn­ten, wenn sie systembedingt/institutionell die ent­spre­chen­de Wür­di­gung erfüh­ren.

Das gesam­te Inter­view kann man hier nach­hö­ren: kli­ck.

Suchbild #1

Fin­de den Feh­ler:

Aku­punk­tur funk­tio­niert nicht nur beim Men­schen – auch bei Kühen und Käl­bern ist sie ein wirk­sa­mes, scho­nen­des und wirt­schaft­li­ches Ver­fah­ren.

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