Ins Netz gegangen (8.5.)

Ins Netz gegan­gen am 8.5.:

kajak-videos

aus irgend einem grunde fällt mir das hier gerade ein — jeder, der schon ein­mal (oder gar öfter) so ein video gese­hen hat, wird diese schil­de­rung kennen…

gun­nar homann

how to have some fun with some fri­ends: sze­nen eines videoabends

ich bin ja kein padd­ler. aber ich kenne padd­ler. und die padd­ler, die ich kenne, schauen manch­mal pad­del­vi­deos. da schau ich mit. gar nicht so sehr aus sozio­lo­gi­schem inter­esse, son­dern eher weil ich es unter gar kei­nen umstän­den ver­pas­sen will, wenn mittel-irrsinnige voll­kom­men irr­sin­ni­gen zuschauen. allein die fach­sim­pe­lei über boote! es gibt blaue. und es gibt grüne. und gelbe. es gibt sol­che von einer firma, sol­che von einer ande­ren und sol­che von noch mal ande­ren fir­men. die mittel-irrsinnigen, mit denen ich paddel-videos schaue, erken­nen die marke immer sofort. was aber noch viel unglaub­li­cher ist: sie erken­nen sogar die voll­kom­men irr­sin­ni­gen, die in den boo­ten sit­zen, und zwar nur am helm!
jemand schiebt den ers­ten video rein. ach, denke ich, jetzt geht es gleich wie­der los: eine unter­neh­mungs­lus­tig klin­gende stimme wird erklä­ren, wo sich irr­sin­nige was­ser­fälle run­ter­stür­zen wer­den. und tat­säch­lich: eine unter­neh­mungs­lus­tige stimme erklärt, wo sich gleich ein paar irr­sin­nige die was­ser­fälle hin­un­ter­stür­zen wer­den. der ort ist aber nicht so wich­tig.
wich­ti­ger ist, was jetzt kommt: men­schen­fres­ser­mu­sik. uah! bamm-bamm. uah! uah! bammbamm-bamm. und hier der erste irr­sin­nige. er fährt an, macht alles falsch, über­schlägt sich, haut sich an fel­sen an, fällt in ein tosen­des becken. so einen scheiß würde ich nie machen. die machen das aber. ein paar von den mittel-irrsinnigen, mit denen ich das video schaue (und die momen­tan übri­gens nicht sehr intel­li­gent auf den bild­schirm star­ren), auch. aber wenigs­tens las­sen sie sich dabei nicht filmen.

men­schen­fres­ser­mu­sik

wenn dann der erste depp end­lich run­ter­ge­pol­tert ist, kommt der moment, auf den ich in wirk­lich­keit gewar­tet habe: meine lieb­lings­pas­sage in pad­del­vi­deos, das sah­ne­häub­chen, die ama­rena­kir­sche auf der eis­creme­torte. denn jetzt sehen wir den irr­sin­ni­gen, der sich gerade alles kaputt­ge­hauen hat, beim inter­view auf der inten­siv­sta­tion, quatsch, am ufer. er tropft, lacht und ist sehr leben­dig. mit ande­ren wor­ten: wir sehen irgend einen­jun­gen mann von der straße, für fünf dol­lar vor die kamera gelockt, in ned­pren gesteckt, mit einem eimer was­ser über­gös­sen und vor einer foto­ta­pete auf­ge­stellt, um den klapskalli zu erset­zen, der sich eben in den tod gestürzt hat.
na gut, viel­leicht irre ich mich. aber wenn der junge mann, den wir sehen, wirk­lich der junge drauf­gän­ger ist, macht das die fol­gende szene umso erschüt­tern­der. denn jetzt fühlt ein unsicht­ba­rer inter­viewer dem drauf­gän­ger knall­hart auf den zahn und hin­ter­fragt den gan­zen wahn­sinn mal so rich­tig und gesamt­kri­tisch. man hört die frage zwar nie, aber aus der ant­wort kann man schlie­ßen, dass sie ziem­lich genau so lau­ten muss: »sag mal steve, alte hütte, das ist zwar doof, aber in den ande­ren videos fra­gen die das auch immer. also, wieso pad­delst du eigent­lich?»
und was ant­wor­tet der drauf­gän­ger? etwa: »och, weiß nich, aber da wo ich her­komme, sind eigent­lich alle gestört«? ach woher. der drauf­gän­ger strahlt, ham­pelt ein biss­chen rum und ver­fällt in einen dem ohr schmei­cheln­den sing­sang, in dem sich neun worte unun­ter­bro­chen wie­der­ho­len: yeah. it’s. great have. some. fun. with. some. fri­ends. fünf minu­ten geht das so. gerade, wenn alle ein­schla­fen, kommt wie­der men­schen­fres­ser­mu­sik und völ­lig über­ra­schend: der zweite padd­ler. obwohl er ganz genau gese­hen hat, wie es sei­nen vor­gän­ger zer­brö­selt hat, fährt er an den fall ran, macht alles falsch, über­schlägt sich, haut sich an, fällt in ein tosen­des becken, dann wie­der bammbammhavesomefun-withsomefriends. plötz­lich und wie aus hei­te­rem him­mel: der dritte padd­ler.
bevor ich auf ihn, sein boot, sei­nen helm sowie sein gesam­tes ver­hal­ten genauer ein­ge­hen werde, sollte ich viel­leicht kurz reka­pi­tu­lie­ren, was sich bis­her im ers­ten von den 23 hier zu behan­deln­den videos abge­spielt hat, damit auch die zu spät gekom­me­nen gäste auf dem lau­fen­den sind. also: bis­her sind zwei padd­ler einen fall gefah­ren, haben alles falsch gemacht, sich über­schla­gen, um her­nach in ein tosen­des becken zu fal­len. dann haben sie gemur­melt, es sei schön. spaß mit freun­den zu haben, und meine mit­gu­cker haben blöd genickt.

pro video 18.000.000 mal

nun aber wie ver­spro­chen zum drit­ten paddler…nein, halt, es gibt eine über­ra­schung: es mel­det sich näm­lich wie­der die stimme. sie ver­kün­det, dass sich die padd­ler jetzt woan­ders anhauen wer­den! und die­ses mal fährt der padd­ler, der beim ers­ten mal zuerst gefah­ren ist, viel­leicht als drit­ter! dann aber wie­der der zweite, der dritte, dann kommt der vierte, dann der fünfte. die­ser zyklus wird in gut gemach­ten videos min­des­tens 18 mil­lio­nen mal durch­lau­fen. dann kommt das nächste video. und dann alle videos hin­ter­ein­an­der weg. ich schaue gerne pad­del­vi­deos with some fri­ends. yeah. it’s great. eat some chips, have some fun, bammbammbamm. was daran gut
ist? keine ahnung. ich bin ja kein paddler.

(aus dem kanumagazin)