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jörg widmann, neue musik & kritik

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das ist mal eine abrechnung: unter dem titel „halbbildung, schwärmerei, leere“ steht sie im bad blog of musick der neuen musikzeitung. da geht es zunächst um widmann, seine (inzwischen) leere, belanglose, aus versatzstücken geschusterte musik (ich konnte den hype um ihn noch nie so recht verstehen – einfach, weil seine musik mich nur selten berührte oder faszinierte. vielleicht war das ja intuitiv richtig …). dann aber auch um die verstrickungen im musikbetrieb, um die vergabe von preisen etc., um festivals und dergleichen – anhand von widmann und . und dann auch noch um die nicht (mehr) vorhandene . und sogar die musikwissenschaft enttäuscht arno lücker (der auch mal selbst komponiert) mit inhaltsleere und ungenauigkeit bei der untersuchung widmannscher musik. er versucht sich stattdessen selbst an einer . da kommt weniger gutes bei raus:

Widmann kommt es nicht auf Struktur, auf Form, auf Reflexion, auf Tiefe, sondern auf Wirkung, Ausdruck, Effekt, Gefühligkeit und auf den „spannenden“ Moment im Konzert an, mit dem er das – wie er: naive – beeindrucken kann

und kurz darauf, am ende der fünften these, kommen noch so ein paar schöne, treffende sätze:

Widmanns kompositorische Ästhetik ist unreflektiert, juvenil, affirmativ bis zur Anbiederung, scheinauthentisch und ohne Utopie. Widmann sehnt sich ins 19. Jahrhundert zurück. Zurück zu den Schwärmern, zurück zum Biedermeier. Seine Ästhetik ist veraltet, aber genau das ist es, was seinen Erfolg ausmacht, was ihn – aus der Gruppe jüngerer Neue-Musik-Komponisten – zum Publikumsliebling der Philharmonieabonnenten Deutschlands werden ließ.

hach, das sitzt. und gefällt mir … auch das: „Was hier in Wahrheit vermittelt wird, ist schlechte, primitiv-monumentale Naivästhetik mit unaufgeklärtem, geschichtlich blindem Spaßfaktor.“

und sehr schön auch noch der nachtrag, daraus muss ich noch einmal zitieren:

… der Autor des Textes schätzt Jörg Widmann, als jemanden, der – würde er nicht von der ihn umarmenden Öffentlichkeit zeitlich und dadurch auch künstlerisch überfordert werden – durchaus das Potential hätte, gute Musik zu komponieren. Vielmehr weiß er von einigen Komponisten, deren Persönlichkeiten nicht derart stromlinienförmig justiert wurden, dass sie sich an alles und jeden anzupassen gewillt sind, dabei aber künstlerisch unsagbar Wert- und Spannungsvolles zu sagen, zu komponieren haben. Diesen Komponisten wird zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Geschrieben von matthias

8. Februar 2010 um 20:54

20 jahre upart in mainz: grund zum feieren. mit vandermark & brötzmann

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Gemeinsames Musikhören und die dazu gehörenden Diskussionen waren und sind die Keimzelle dieses Vereins. Vor zwanzig Jahren fanden sich einige Idealisten zusammen, um den , die freie improvisierte Musik häufiger nach zu bringen: Der - war gegründet. Im Kern ist das seit damals vor allem eine basisdemokratisch organisierte Vereinigung von Idealisten und Fans. Angefangen hat alles an der Universität, im Asta, der 1987 das erste „Akut-Festival“ veranstaltete. Und der harte Kern machte dann nach dem Ende des Studiums einfach weiter – jetzt eben als . Die knapp zwanzig Mitglieder – viel größer ist der auch heute nicht, trotz des stetigen Kommens und Gehens – übernahmen das Akut-Festival und führten es in Eigenregie fort.
Das ist auch heute noch der Kern der Veranstaltungsarbeit von . Auch wenn sie vor einigen Jahren den schweren Entschluss fassen mussten, nur noch im zweijährigen Turnus große Namen der improvisierten Musik nach zu holen. Das lag, natürlich, am Geld: Das Publikumsinteresse an experimenteller, freier Musik ist in den beiden Dekaden deutlich zurückgegangen, wie Gründungsmitglied Uwe Saßmannshausen weiß: „Es ist nicht einfacher geworden.“ Auch die Zuschüsse von Stadt und Land sind immer weiter geschrumpft. Und doch machen sie immer weiter, versichtert Saßmannshausen: „Wir sind halt unverdrossene Idealisten. So lange es irgendwie geht und wir noch Spaß daran haben, wird es weiter geben.“
Und das ist ein großes Glück für , wie man beim Jubiläumskonzert in der Alten Patrone erfahren konnte. Dafür hatte sich der zwei große Meister des zeitgenössischen geleistet: Den deutschen Saxophonisten Peter Brötzmann und seinen amerikanischen Kollegen Ken Vandermark. Zunächst vergnügten sich die beiden Bläser im intimen Duo. Ausgerüstet mit verschiedenen Saxophonen und Klarinetten stürzten sie sich ins Vergnügen – nicht nur für das , sondern offenbar auch für die beiden Bläser. Mit großer, nie nachlassender Intensität, wahnsinnigem Ideenreichtum und natürlich der gerade für Brötzmann typischen ungebändigten Energie.
In ganz andere Gefilde stürmte das Frame-Quartett, Vandermarks Kerntruppe aus Chicago mit am elektronisch verstärkten und gewandelten Cello, am ebenfalls elektronisch behandelten Bass und am – ganz klassischen – Schlagzeug. Mit vertrackten Arrangements, per Handzeichen abgerufenen Schnitten, experimentieren diese vier an der Grenze zwischen teilweise notierter und improvisierter Musik. Sie beginnen mal mit verträumten Streicher-Intro, lassen krachende Gewitter folgen, unterbrechen das mit harten Beats oder synthetischem Gefrickel aus den Effektgeräten – und sie finden aus den unwegsamsten Gebieten immer auf fast wundersame Weise wieder zusammen. Mit solcher Musik kann man zwar keine großen Massen anziehen, am immerhin die Alte Patrone ganz gut füllen. Und Geld verdienen muss mit ihren Konzerten ja nicht – der unschlagbare Vorteil ehrenamtlicher Initiativen.

(mein text für die mainzer rhein-zeitung. eine ausführlichere betrachtung des konzertes steht schon seit vorgestern im blog.)

Geschrieben von matthias

9. September 2009 um 10:24

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