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Schlagwort: urheberrecht (Seite 1 von 2)

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  • Sexualstrafrecht: Wäre die Vagina doch ein Auto | Spiegel → maragerete stokowski in ihrer kolumne über die erbärmlichen versuche des justizministers maas & der großen koalition, ein zeitgemäßes sexualstrafrecht zu schaffen

    Ach, wär die Vagina doch ein Auto, sie wär jetzt schon in Deutschland angenehm sicher.

  • „Alles handschriftlich und auf Papier“ – Lektoren lieben’s analog – pubiz :: Home Redaktion/Lektorat → kathrin passig über arbeitsprozesse in verlagen:
    Die für mich als Autorin sichtbaren Arbeitsprozesse in den mir bekannten Verlagen sind auf dem Stand der frühen 90er Jahre. Ich wundere mich über dieses fehlende Interesse an den Werkzeugen der Textverarbeitung in einer Branche, in der der Text doch einigermaßen zentral ist.

    ich bin mir freilich nicht sicher, ob digital immer automatisch besser als analog ist (was passig durchaus impliziert)

  • big changes: I am leaving ownCloud, Inc. today → frank karlitschek verlässt seine firma, die owncloud inc., bleibt dem projekt aber erhalten:
    The community has grown tremendously, with contributions by almost 1000 people over the last 6 years, over 80 every single month. Nothing is perfect, the company could have done a better job recognizing the achievements of the community. It sometimes has a tendency to control the work too closely and discus things internally. But overall, the balance was not too bad.

    da selbst ich das "knirschen" mitbekommen habe, muss es da doch einige verwerfungen gegeben haben … mal sehen, wie es mit owncloud weitergeht

  • Kunst in der DDR → eher zufällig entdeckt: das ziemlich coole projekt des "Bildatlas: Kunst in der DDR" mit bildern und sehr, sehr vielen begleitenden materialien

    Derzeit sind 20.400 Werke aus 162 Sammlungen erfasst. Neben den bekannten Werken der „Kunst in der DDR“ befindet sich darunter auch eine Vielzahl von Werken, die bislang weitgehend unbekannt waren oder als verschollen galten. In den beteiligten Forschungsteams werden neben der Dokumentation der Sammlungen ebenso die Formen des Bildtransfers, die „Wege der Bilder“ in die öffentlichen Sammlungen, analysiert. So waren in der DDR statt musealer Eigenerwerbungen staatlich finanzierte Ankäufe und kulturpolitisch intendierte „Übereignungen“ entscheidend. Durch das Verbundprojekt wird nun neben der Sammlungsdokumentation auch eine Vernetzung der Bestandsdaten der Museen und weiterer Sammlungen erreicht, die für eine zukünftige Erschließung und Nutzung der Werke sowie für eine Neubefragung der Künste in der DDR unumgänglich ist.

    Die Forschungsergebnisse werden in einem gedruckten „Bildatlas“ sowie durch eine internetbasierte Datenbank öffentlich zugänglich gemacht. Die Kooperation mit den außermusealen und musealen Einrichtungen – von kleinen Heimatmuseen über die stadt- und kulturgeschichtlichen Museen bis hin zu den großen Kunstmuseen in Leipzig, Dresden, Schwerin, Frankfurt/Oder und Berlin – ermöglicht es, bislang im Depot verwahrte und nicht veröffentlichte Werke wieder „sichtbar“ zu machen. Die große Ausstellung „Abschied von Ikarus. Bildwelten in der DDR – neu gesehen“ in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar präsentiert die Ergebnisse des Verbundes im Neuen Museum Weimar.

  • Schöner Verlegen – mit dem Geld anderer Leute | Übermedien → stefan niggemeier sehr gut & richtig zu den einseitig hyperventilierenden medienreaktionen auf das vg-wort-urteil:
    Wenn jetzt wirklich das große Verlagssterben einsetzte, wäre das eine bemerkenswerte Ironie: Es würde bedeuten, dass das ganze schöne Geschäft über viele Jahre nur funktionierte, weil Verlage rechtswidrig Geld kassierten, das eigentlich den Urhebern zugestanden hätte.

  • Müllentsorger in Sozialen Netzwerken „Sie berichten von Depressionen“ | taz → Tausende Philippiner sortieren aus, was uns im Internet an Bildern nicht begegnen soll. Der Berliner Theaterregisseur Moritz Riesewieck hat dort recherchiert.
    Was wir in Manila sehen, ist die Passionsgeschichte des Internetzeitalters.

Ins Netz gegangen (25.4.)

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  • Originalmanuskript zu Arthur Koestlers Sonnenfinsternis entdeckt | FAZ → interessanter bericht über den zufälligen fund des typoskripts von arthur koestlers "sonnenfinsternis" – und was das für den text und seine rezeption bedeuten könnte
  • Wem gehört das Geld der VG Wort? | Wolfgang Michal → die einzige gute, treffende und richtige einschätzung und erklärung des vg-wort-urteils, die ich bisher gelesen habe – die zeitungen etc. schlagen sich ja anscheinend alle auf die seite der verlage, die jetzt ihren rechtmäßig erhaltenen geldern nachjammern
  • Warum die „Reform“ des Sexualstrafrechts keine ist | Verfassungsblog → ulrike lembke erklärt im verfassungsblog, warum die strafrechtsreform der bundesregierung so schlecht und vor allem unzureichend ist
    Die Bundesregierung verpasst die Chance, den minderen strafrechtlichen Schutz der sexuellen Selbstbestimmung und die faktische Straflosigkeit sexueller Übergriffe in Deutschland durch einen großen Wurf zu beenden. Erforderlich ist ein Grundtatbestand der „nicht einverständlichen sexuellen Handlungen“, welcher sich zur Vergewaltigung so verhält wie Diebstahl zu Raub, denn die sexuelle Selbstbestimmung verdient den gleichen Schutz wie das Eigentum. Im Rechtsstaat zählt nicht, wer am schnellsten zurückschlägt. Und in der Sexualität zählt seit langem eine Verhandlungsmoral, die beidseitiges Einverständnis zur Bedingung gemeinsamer Lust macht. Auch dahinter sollte der strafrechtliche Schutz nicht zurückbleiben.

  • Gericht: Hautfarbe darf bei Kontrolle keine Rolle spielen | law blog → udo vetter weist auf ein urteil des ovg rheinland-pfalz hin, dass die hürden für eine diskriminierungsfreie polizeikontrolle ausreichend hoch hängt – die hautfarbe darf nämlich danach nicht wesentliches teil des "motivbündels" sein. mal sehen, ob das bundesverwaltungsgericht das auch so sieht – ich kann mir nicht vorstellen, dass die bundespolizei das auf sich sitzen lässt (und revision ist zugelassen)
  • Keine Verlegerbeteiligung: VG Wort erleidet Niederlage in Karlsruhe | Börsenblatt → das bgh macht mit der farce schluss, dass die vg wort mit dem geld der autorinnen & autoren verlage subentioniert (für die ist das natürlich ein bitterer einnahmeverlust …)

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  • Literaturblogs: Dieses Buch wird Ihr Leben verändern! | Zeit – ana maria michel schreibt am mythos der guten, objektiven literaturkritiken in (zeitungs)feuilletons und der schlechten, subjektiven werbenden besprechungen in blogs und youtube-kanälen fort. eines der kriterien ihres ziemlich unzulänglichen textes: in blogs gäbe es nur positive, lobende besprechungen – als ob das in feuilleton anders wäre!
  • Stradivari: Frau General lässt bitten | ZEIT ONLINE – wolfram goertz kann sich nicht einkriegen vor begeisterung, dass frank peter zimmermann für drei jahre eine neue geige hat.
  • Der Online-Freud – alle 17 bände der "gesammelten werke" von freud gibt es hier online: zum lesen im browser oder als pdf- bzw. epub-download.
  • Open Access zerstört die Wissenschaft. Meint Urs Heftrich in der FAZ. | LIBREAS.Library Ideas – ben kaden setzt der verlagspropaganda der faz entgegen

    faktisch ist die Bedrohung des wissenschaftlichen Verlagswesens durch Open Access und Zweitveröffentlichungsrechte keinesfalls so akut, wie sie ihren Lesern glauben machen wollen. Zum Diskurs gehört also auch, darauf hinzuweisen. Ursächlich für einen Rückgang bei den Erwerbungen sind sicher nicht vorrangig die Repositorien und Open-Access-Verlage, sondern vielmehr die grotesken Preissteigerung der STEM-Monopolisten sowie Kürzungen in den Bibliotheksetats. Wie sehr würde man sich über regelmäßige, gern auch scharfe Feuilleton-Beiträge aus Heidelberg gegen die Preispolitik von Elsevier und für die bessere finanzielle Ausstattung von deutschen Hochschulbibliotheken freuen.

  • Deutschland: Off Duty | NEO MAGAZIN ROYALE mit Jan Böhmermann – ZDFneo – YouTube – so bescheuert, dass es schon wieder gut ist: jan böhmermanns neuestes video "Deutschland: Off Duty"
  • Geschichte der Gegenwart – "eine Gruppe von Geistes- und Kultur­wis­sen­schaft­le­rInnen" v.a. aus zürich startete gerade die "Geschichte der Gegen­wart" als plattform, um sich in die öffentliche diskussion einzumischen.
    Texte, in denen die Gegen­wart nicht verneint wird durch das, was man immer schon zu wissen glaubt, sondern zugäng­lich wird durch das, was man erschließen und rekon­stru­ieren, erörtern und analy­sieren, begreifen und einschätzen lernen kann.

    Gegen­wart liegt nicht einfach vor, sondern sie passiert, wobei sie sich unserer Aufmerk­sam­keit laufend wieder entzieht… Halten wir sie fest! Dabei gilt: Wie sie passiert und was in ihr passiert, folgt aus all ihren Vergan­gen­heiten, die nicht abgeschlossen sind.

    Geschichte der Gegen­wart bietet bewusst keine Möglich­keit, Artikel unmit­telbar zu kommen­tieren. Diese heute so verbrei­tete Form der medialen Öffent­lich­keit hat u. E. den Nachweis ihrer publi­zis­ti­schen Unabding­bar­keit und politi­schen Produk­ti­vität bislang nicht erbringen können, sondern öffnete das Feld nicht zuletzt dem ungefil­terten Vorur­teil, der Ranküne und der blossen Mutmas­sung, die sich um Argumente nicht zu kümmern braucht.

    könnte interessant werden …

  • Stellungnahme zu “Siegerkunst” | ideenfreiheit – wolfgang ullrich berichtet perversitäten des urheberrechts: künstler_innen nutzen das zunehmend, um abbildungen ihrer (öffentlich ausgestellten) werke in publikationen, die ihnen nicht gefallen, zu verhindern und somit eine wissenschaftliche auseinandersetzung (fast) unmöglich machen. und das spiel kann man bis zu 70 jahre nach dem tod der urheberinnen weiterspielen …

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  • «Digital Humanities» und die Geisteswissenschaften: Geist unter Strom – NZZ Feuilleton – sehr seltsamer text von urs hafner, der vor allem wohl seine eigene skepsis gegenüber "digital humanities" bestätigen wollte. dabei unterlaufe ihm einige fehler und er schlägt ziemlich wilde volten: wer "humanities" mit "humanwissenschaften" übersetzt, scheint sich z.b. kaum auszukennen. und was die verzerrende darstellung von open access mit den digital humanities zu tun hat, ist auch nicht so ganz klar. ganz abgesehen davon, dass er die fächer zumindest zum teil fehlrepräsentiert: es geht eben nicht immer nur um close reading und interpretation von einzeltexten (abgesehen davon, dass e-mailen mit den digital humanities ungefähr so viel zu tun hat wie das nutzen von schreibmaschinen mit kittler'schen medientheorien …)
  • Lyrik: Reißt die Seiten aus den Büchern! | ZEIT ONLINE – nette idee von thomas böhm, die lyrik zu vereinzeln (statt in lyrikbänden zu sammeln), das gedicht als optisches sprachkunstwerk zu vermarkten (auch wenn ich seine argumentationen oft überhaupt nicht überzeugend finde)
  • Einsam auf der Säule « Lyrikzeitung & Poetry News – gute kritikkritik zur besprechung des aktuellen "Jahrbuchs für Lyrik" in der "zeit", die auch mich ziemlich verwundert hat.
    Unterscheidung, Alternativen, Schwerpunktsetzung? Fehlanzeige. Rez. zieht es vor, sich als scharfe Kritikerin zu inszenieren, jede Differenzierung schwächte das Bild nur. Lieber auf der Schulter von Riesen, hier neben Krüger, Benn & Co. vor allem Jossif Brodsky, auf die behauptet magere deutsche Szene herabblicken. Einsam ist es dort oben auf der Säule!

  • Verkehrssicherheit: Brunners letzte Fahrt | ZEIT ONLINE – sehr intensive reportage von henning sussebach über die probleme der/mit alternden autofahrern (für meinen geschmack manchmal etwas tränendrüsig, aber insgesamt trotzdem sehr gut geschrieben)
    Urlaubszeit in Deutschland, Millionen Reisende sind auf den Straßen. Da biegt ein 79-Jähriger in falscher Richtung auf die Autobahn ein – fünf Menschen sterben. Ein Unglück, das zu einer brisanten Frage führt: Kann man zu alt werden fürs Autofahren?

  • Lyrik und Rap: Die härteste Gangart am Start | ZEIT ONLINE – uwe kolbe spricht mit mach one (seinem sohn) und konstantin ulmer über lyrik, raps, rhythmus und themen der kunst
    Dass ich mit meinen Gedichten kein großes Publikum erreiche, ist für mich etwas, worunter ich selten leide. Ich möchte das, was ich mache, auf dem Niveau machen, das mir vorschwebt. Dabei nehme ich auch keine Rücksicht mehr. Ich gehe an jeden Rand, den ich erreichen kann.

  • Rainald Goetz: Der Weltabschreiber | ZEIT ONLINE – sehr schöne und stimmende (auch wenn das theater fehlt …) würdigung rainald goetzes durch david hugendick anlässlich der bekanntgabe, dass goetz diesjähriger büchner-preis-träger wird
    Die einzige Reaktion auf die Zudringlichkeit der Welt kann nur in deren Protokoll bestehen, die zugleich ein Protokoll der eigenen Überforderung sein muss.

  • „Panoramafreiheit“: Wider den Urheberrechts-Extremismus – Süddeutsche.de – leonhard dobusch zum versuch, in der eu das urheberrecht noch weiter zu verschärfen:
    Wir alle sind heute ein bisschen wie Lichtenstein oder Warhol. Wir erstellen und teilen ständig Fotos und Videos, in denen Werke anderer vorkommen. Zeit, dass das Urheberrecht darauf eingeht.

  • Stravinsky’s Illegal “Star Spangled Banner” Arrangement | Timothy Judd – ich wusste gar nicht, dass es von strawinsky so ein schönes arrangement der amerikanischen hmyne gibt. und schon gar nicht, dass die angeblich verboten sein soll …
  • Essay Griechenland und EU: So deutsch funktioniert Europa nicht – taz.de – ulrich schulte in der taz zu griechenland und der eu, mit vielen sehr guten und treffenden beobachtungen & beschreibungen, unter anderem diesen
    Von CSU-Spitzenkräften ist man inzwischen gewohnt, dass sie jenseits der bayerischen Landesgrenze so dumpf agieren, als gössen sie sich zum Frühstück fünf Weißbier in den Hals.
    […] Das Charmante an der teils irrlichternden Syriza-Regierung ist ja, dass sie eingespielte Riten als nackt entlarvt.

  • Sich „konstruktiv verhalten“ heißt, ernst genommen zu werden | KRZYSZTOF RUCHNIEWICZ – Stellungnahme ehemaliger Mitgliedern des Wissenschaftlich Beraterkreises der (sowieso übermäßig vom Bund der Vertreibenen dominierten) Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung zur Farce der Wahl des neuen Direktors unter Kulturstaatsministerin Monika Grütters
  • Konsum: Kleine Geschichte vom richtigen Leben | ZEIT ONLINE – marie schmidt weiß nicht so recht, was sie von craft beer, handgeröstetem kaffee und dem ganzen zelebrierten super-konsum halten soll: fetisch? rückbesinnung alte handwerkliche werte? oder was?
  • Alle Musik ist zu lang – wunderbare überlegungen von dietmar dath zur musik, der welt und ihrer philosophie

    Alle bereits vorhandene, also aufgeschriebene oder aufgezeichnete Musik, ob als Schema oder als wiedergabefähige Aufführung erhalten, ist für Menschen, die heute Musik machen wollen, zu lang, das heißt: Das können wir doch nicht alles hören, wir wollen doch auch mal anfangen. Wie gesagt, das gilt nicht nur für die Werke, sondern schon für deren Muster, Prinzipien, Gattungen, Techniken.
    […] Musik hält die Zeit an, um sie zu verbrauchen. Während man sie spielt oder hört, passiert alles andere nicht, insofern handelt sie von Ewigkeit als Ereignis- und Tatenlosigkeit. Aber beide Aspekte der Ewigkeit, die sie zeigt, sind in ihr nicht einfach irgendwie gegeben, sie müssen hergestellt werden: Die Ereignislosigkeit selbst geschieht, die Tatenlosigkeit selbst ist eine musikalische Tat.

  • Literaturblogs are broken | The Daily Frown – fabian thomas attestiert den "literaturblogs" "fehlende Distanz, Gefallsucht und Harmlosigkeit aus Prinzip" – und angesichts meiner beobachtung (die ein eher kleines und unsystematisches sample hat) muss ich ihm leider zustimmen.
  • Interview ǀ „Ent-identifiziert euch!“ — der Freitag – großartiges gespräch zwischen harald falckenberg und jonathan meese über wagner, bayreuth, kunst und den ganzen rest:
    Ja, ich hab total auf lieb Kind gemacht. Ich merkte ja schon, dass ich im Wagner-Forum so als Monster dargestellt wurde. Ich bin kein Monster. Ich wollte das Ding nur radikalisieren. Ich hab auf nett gemacht und so getan, als wäre ich gar nicht ich selbst. Was ich ja immer tue. Sei niemals du selbst. Keine Selbstsuche, bitte. Keine Pilgerfahrt. Keine Möncherei. Ich bin einfach wie ’n Spielkind da rangegangen, und ich dachte, jetzt geht’s ab.
    […] Kultur ist genauso beschissen wie Gegenkultur. Mainstream ist genauso beschissen wie Underground. Kultur und Gegenkultur ist das Gleiche. Politik kannst du nicht mit Kultur bekämpfen. Sondern nur mit Kunst. Du kannst nicht eine neue Partei gründen, weil sie genauso scheiße ist wie jede andere. Du kannst keine neue Religion gründen, weil sie genauso scheiße ist wie alle anderen. Du kannst keine neue Esoterik schaffen, weil sie genauso scheiße ist wie jede andere. Du kannst keine Spiritualität schaffen, die besser wäre als alle anderen.
    Jede Partei ist gleich scheiße, jede Religion ist gleich zukunftsunfähig, jede Esoterik ist abzulehnen. Ich benutze Esoterik, aber ich identifiziere mich nicht damit. Ich identifiziere mich nicht mit Wagner, ich identifiziere mich nicht mit Bayreuth, ich identifiziere mich mit gar nichts.
    Ent-identifiziert euch! Seid nicht mehr! Seid eine Nummer! Seid endlich eine Nummer!
    Das ist geil. Seid kein Name! Seid kein Individuum! Seid kein Ich! Macht keine Nabelbeschau, keine Pilgerreise, geht niemals ins Kloster, guckt euch niemals im Spiegel an, guckt immer vorbei!
    Macht niemals den Fehler, dass ihr auf den Trip geht, euch selbst spiegeln zu wollen. Ihr seid es nicht. Es ist nicht die Wichtigtuerei, die die Kunst ausmacht, sondern der Dienst an der Kunst. Die Kunst ist völlig frei. Meine Arbeit, die ist mir zuzuschreiben, aber nicht die Kunst. Die spielt sich an mir ab.

  • Eine Bemerkung zur Kompetenzorientierung by Fachdidaktik Deutsch
    »Faktenwissen« kommt nicht zuerst, wenn Kompetenzorientierung ernst genommen wird – Können kommt zuerst. Kompetenzorientierung bedeutet, die Lernenden zu fragen, ob sie etwas können und wie sie zeigen können, dass sie es können. Weil ich als Lehrender nicht mehr zwingend sagen kann, auf welchem Weg dieses Können zu erreichen ist. Dass dieses Können mit Wissen und Motivation gekoppelt ist, steht in jeder Kompetenzdefinition. Wer sich damit auseinandersetzt, weiß das. Tut das eine Lehrkraft nicht, ist das zunächst einfach einmal ein Zeichen dafür, dass sie sich nicht mit Kompetenzorientierung beschäftigt hat. Fehlt diese Bereitschaft, müssen zuerst die Voraussetzungen dafür geschaffen werden.

  • Essay zum UN-Weltkulturerbe: Mord mit besten Absichten – taz.de
    Und immer noch drängeln die Städte, die Dörfer, die Regionen, dass sie ja als Erste einbalsamiert werden. Wie die Länder, die sich um Olympische Spiele bewerben, ohne sich klarzumachen, dass sie damit ihren Untergang heraufbeschwören wie Griechenland mit Athen.

  • Wie man nicht für die Vorratsdatenspeicherung argumentiert | saschalobo.com – sascha lobo seziert den tweet von reinhold gall. wie (fast) immer exzellent. schade (und mir unverständlich), dass solche texte in den großen, publikumswirksamen medien keinen platz finden – warum steht das nicht im print-spiegel, der gedruckten faz oder süddeutschen?
  • Sex (und gender) bei der Fifa | Männlich-weiblich-zwischen – ein schöner text zum problem der bestimmung des geschlechts, des biologischen, wie es die fifa versucht – nämlich über den testosteron-spiegel. mit dem (inzwischen erwartbaren) resultat: so kann man das jedenfalls nicht machen.

    an darf also vermuten und hoffen, dass auch diese Definition von sex zu sportlichen Zwecken demnächst, wie bisher alle anderen Definitionen auch, als unbrauchbar und absurd erweisen – aber wohl, ebenfalls wie immer, erst zu spät.

Ins Netz gegangen (19.5.)

Ins Netz gegangen am 19.5.:

  • Eurokrise: „Es gibt keine eindeutigen Gegner“ | ZEIT ONLINE – joseph vogl im gespräch mit der "zeit":
    Einerseits hat es ein gewaltiges Umverteilungsprogramm gegeben, bei dem private Schuldner – also vor allem die hoch verschuldeten Großbanken – mithilfe öffentlicher Gelder saniert wurden. Andererseits hat man mit der Restauration des Finanzsystems auch das alte Schlamassel der Zeit vor 2008 wieder herbeifinanziert: Es herrschen heute wieder die gleichen Risikolagen, die gleiche Instabilität an den Finanzmärkten. Paradoxerweise entsteht diese neue Unsicherheit eben genau durch die Maßnahmen, also das Ausschütten von viel Geld, mit denen die Krise bekämpft werden sollte. Was sich in dieser Zeit hingegen tatsächlich verändert hat, ist die Art und Weise, wie wir regiert werden. […] Wir erleben also gerade ein finanzpolitisches Doublebind: Einerseits gibt die herrschende Dogmatik vor, dass das Wirtschaftswachstum nur mit Investitionen und neuem billigem Geld zu erreichen ist. Andererseits erhöht das gleiche billige Geld die Risikoanfälligkeit auf den Märkten. Dieses Dilemma kennzeichnet also an einem Punkt ihre Macht und gleichzeitig ihre strukturelle Ohnmacht.

    – er sagt noch einiges mehr, was das interview sehr lesenswert macht. und sehr bezeichnend ist, dass solche eigentlich eminent ökonomischen (und politischen) beobachtungen gerade ein kulturwissenschaftler machen muss – die "fachleute" scheinen da (zumindest in der deutschen öffentlichkeit) keine position und/oder stimme zu finden …

  • Wolfgang Ullrich: „Urheberrechte für die sozialen Netzwerke gänzlich suspendieren“ – iRights.info – der kunsthistoriker wolfgang ullrich im interview mit irights über kunst, internet, justiz, das urheberrecht – und technoviking
    Das Urheberrecht denkt auch in den sozialen Netzwerken viel zu sehr vom klassischen Werkbegriff her und nicht vom Ort, an dem etwas stattfindet. Und da sehe ich die Parallelen zur Problematik in der Kunst. Wer etwas in die Social Media platziert, gibt es frei – und die Welt kann damit machen, was sie will. Aber in den meisten Fällen macht die Welt gar nichts damit. Ab und zu passiert dann doch etwas, es entsteht gar ein Mem.[…] Meiner Meinung nach hinkt bei etlichen Urteilen die Rechtsprechung der Kunstpraxis um zwei bis drei Jahrzehnte hinterher. Und das ist auch beim Technoviking der Fall.

  • Wehrmacht: Die vergessenen Soldatinnen | ZEIT ONLINE – die historikerin karen hagemann erinnert an die rolle der frauen im zweiten weltkrieg
    Nicht nur in der populären Erinnerung wurde das Ausmaß der militärischen Kriegsunterstützung von Frauen lange vergessen, selbst in der umfangreichen Geschichtsschreibung zum Zweiten Weltkrieg werden Frauen zumeist nur als Arbeiterinnen in der Kriegsindustrie oder Krankenschwestern porträtiert. Dies ist um so bemerkenswerter, als wir heute auf fast dreißig Jahre Forschung zum Thema Geschlecht, Militär und Krieg zurückblicken können und die Ära der Weltkriege zu den am besten erforschten Perioden überhaupt gehört. Dieser Befund gilt nicht nur für die deutsche, sondern ähnlich auch für die internationale Geschichtswissenschaft. Wie ist die Verdrängung zu erklären? Warum fällt es vielen offenbar noch heute so schwer, sich Frauen als Soldatinnen vorzustellen?
    Ein Grund hierfür dürfte die Bedeutung sein, die dem Recht, im Dienste des Staates oder einer anderen höheren Macht Waffen tragen und töten zu dürfen – oder im Kriegsfall zu müssen – für die Markierung der Geschlechterdifferenzen zukommt. Seit der Antike ist dieses Recht männlich konnotiert. Die komplementäre Rolle der Frauen bestand bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein vor allem darin, Männer zum Kampf zu motivieren, Verwundete zu pflegen und Gefallene zu betrauern. […]Teil der Demobilisierung in der Nachkriegszeit war in allen kriegsbeteiligten Staaten eine Politik, die die Vorkriegsgeschlechterordnung und damit die soziale Stabilität wiederherstellen sollte. Frauen wurden aus den Armeen entlassen und mussten ihre während des Krieges eingenommenen Arbeitsplätze in Industrie, Handel und Verwaltung für die heimkehrenden Veteranen frei machen, die wieder alleinige Familienernährer werden sollten. Die 1950er Jahren mit ihrem Wirtschaftswunder wurden in Westdeutschland und anderen Ländern Westeuropas dank einer entsprechenden Familienpolitik zum "goldenen Zeitalter" des Modells der "Alleinverdiener-Hausfrau"-Familie.

  • Stradivaris Cello: Oh, Mara! | ZEIT ONLINE – carolin pirich über eines der berühmtesten cellos aus der stradivari-werkstatt und seinen momentanten besitzer, christian poltéra:
    "Das Mara zu spielen ist wie mit der Stimme eines anderen zu sprechen", sagt der neue Partner des Mara. "Das dauert ein, zwei Jahre, bis es nach mir klingt."

  • Social Media: Das Netz bist du! | ZEIT ONLINE – kilian trotier porträtiert den britischen anthropologen daniel miller (und seine forschung), der weltweit die nutzung sozialer netzwerke erforscht und schon mal eines festgestellt hat: die regionalen nutzungsunterschiede sind gewaltig.
  • Eine Lanze für bloggende Studierende: Patrick Bahners zur Causa Münkler-Watch | Redaktionsblog – patrick bahners legt dar, warum es nicht ganz so abstrus, unverschämt und ohne vorbild ist, als bloggende studierende mit einem kritischen blog anonym bleiben zu wollen. und macht nebenbei eine interessante anmerkung:
    Heikel für Münkler ist, dass einige der ihm zugeschriebenen Einlassungen, die ihn in keinem guten Licht dastehen lassen, für Leute, die ihn kennen, einen nur allzu glaubwürdigen Sound haben.

  • Nachruf auf Odo Marquard – Mit Witz zum Denken anregen – ein Nachruf auf den Philosophen Odo Marquard beim deutschlandradio
  • Gewalt | Schmalenstroer.net – michael schmalenstroer bringt auf den punkt, warum man bei der darstellung von gewalttätigen momenten der geschichte manchmal sich einer sehr krassen sprache (und/oder bilder) bedienen muss:
    Wenn DigitalPast also brutal ist, dann beschwert euch bei euren Großeltern. Weil die brutal waren.

  • Streik: Hurra, Deutschland liegt lahm | ZEIT ONLINE – sehr guter kommentar zum streiken in deutschlnd, unter anderem mit diesem schönen und leider so absolut zutreffenden satz: »Die SPD agiert momentan also ungefähr so sozialdemokratisch wie Ayn Rand beim Restpostenverkauf.«
  • The Opera Platform – schöne initiative:
    Die Opernplattform ist eine Partnerschaft zwischen Opera Europa, einem 155 Opern und Festspiele umfassenden Netzwerk, dem Kultursender ARTE und 15 Opernhäusern aus ganz Europa. Sie wird vom Programm Kreatives Europa der Europäischen Kommission unterstützt und ist für alle Beiträge offen, die Oper einem breiteren Publikum zugänglich machen wollen.

  • Bahn-Streik: Danke, Claus Weselsky! – Augstein-Kolumne – SPIEGEL ONLINE – sehr richtiger kommentar von jakob augstein zur relevanz des gdl-streiks & warum die deutschen der gdl danken sollten

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  • Bislang unveröffentlichte Wehrmachtsakten jetzt online zugänglich – das dhi moskau und das zentralarchiv des russ. verteidigungsminsteriums haben bisher unveröffentlichte wehrmachtsakten digitalisiert und stellen sie (in kürze) online zur verfügung
    Der Bestand der deutschen Dokumente im Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums umfasst ca. 28.000 Akten und ist insgesamt in 50 Findbücher gegliedert. Nach dem Abschluss der ersten Projektphase werden am 29. April 2015 die für die Forschung besonders wichtigen Unterlagen des Oberkommandos der Wehrmacht (271 Akten) und des Heeres (988 Akten) sowie der Heeresgruppe Mitte (852 Akten) weitgehend online zugänglich gemacht. Ausgenommen sind bislang großformatige Karten, deren Digitalisierung besonders aufwändige Technologien erfordert. In einer zweiten Projektphase folgen in Kürze die Bestände der Heeresgruppe „Weichsel“ (54 Akten), des Amts Ausland/Abwehr im OKW (52 Akten), der Waffen-SS und Polizei (120 Akten) sowie Beutedokumente der Aufklärungsverwaltung beim Generalstab der Roten Armee –GRU (332 Akten).

  • Bundesnachrichtendienst: Neue NSA-Affäre erschüttert BND – SPIEGEL ONLINE – Überwachung: Neue Spionageaffäre erschüttert BND (und mich auch …)
  • We Can’t Let John Deere Destroy the Very Idea of Ownership | WIRED – wenn urheberschutz (und so etwas wie software-patente …) wild laufen, freuen sich konzerte – denn dann kommt so etwas heraus:
    John Deere and General Motors want to eviscerate the notion of ownership. Sure, we pay for their vehicles. But we don’t own them. Not according to their corporate lawyers, anyway

  • 31 Theorieansätze: Woran erkennt man ein Gedicht? – NZZ – der verleger jochen jung (von jung & jung) hat 31 "theorieansäatze" (man könnte sie auch thesen nennen) über das wesen von gedichten notiert:
    Gedichte strahlen in ihrer Herrlichkeit, sie können blenden (aber nicht blind machen). Bisweilen sind sie auch Blender.

  • Journalismus als Katastrophe | Lesen was klüger macht – eine erklärende abrechnung mit dem zustand des journalismus heute von georg seeßlen
    Einen Unterschied zwischen „Qualitätsjournalismus“ und Boulevard kann es dann nicht mehr geben, wenn alle Nachrichtenmedien einerseits aus den gleichen Interessen und den gleichen Quellen entstehen, und wenn sie andererseits alle an die gleichen Kunden (Anzeigen auf der einen, Leute die Kaufen, einschalten, klicken usw. auf der anderen) wollen, wenn sie Downgraden von Niveau und Respekt als Überlebensstrategie rechtfertigen. Dabei werden die Tricks der Nachrichtenerzeugung aus mehr oder weniger nichts immer selbstzerstörerischer.[…] Kann denen mal vielleicht jemand sagen, dass die Unterscheidung zwischen gutem und schlechtem Journalismus nicht darin liegen kann, dass man letzte Grenzen der Niedertracht überschreitet oder nicht, sondern darin, dass man seine Arbeit und seinen Auftrag grundsätzlich anders versteht?

  • Auf Kante gepresst – Warum der Vinyl-Hype die Schallplatte kaputtmacht | Das Filter – interessante einblicke in die schwierigkeiten, die es mit sich bringt, ein "veraltetes" medium wie die schallplatte weiter zu produzieren – v.a. die probleme, die fehlender neubau von produktionsmaschinen und -werkzeug verursachen (von der frage nach material für zwischenstufen ganz abgesehen) …

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  • Das MoMa New York erwirbt Alvin Luciers “I am sitting in a room” « Kulturtechno
  • Hochschwarzwald: Ab ins gemachte Nest! | ZEIT ONLINE – die zeit macht ein bisschen werbung für modernisierte (teure) ferienwohnung im schwarzwald, die mit schickem design übernachtungsgäste anlocken wollen, dafür aber die wertschöpfung schön zentralisieren und konzentrieren (und eben nur noch einen bruchteil bei den besitzern vor ort lassen)
    Im Hochschwarzwald hat die Tourismus GmbH vorhandene Ferienwohnungen modernisiert. Ein Gewinn für alle Seiten?

  • If Our Sons Were Treated Like Our Daughters | Lori Day – sehr schönes gedankenspiel …
    Come with me. Let's open the door to a parallel universe. Here in this parallel world, the rules are different because gender roles are flipped. Loving parents and teachers accept this strange culture as if it's not so bad, or perhaps even good….

  • Edition: Hitlers „Mein Kampf“ kommt 2016 rund 2000 Seiten dick – DIE WELT – sven felix kellerhoff war bei der vorstellung der kommentierten ausgabe von hitlers "mein kampf", die er sehr begrüßt:
    Das IfZ und sein Vizechef Magnus Brechtken jedenfalls sind den richtigen Weg in einer offenen Gesellschaft gegangen: Sie suchen gegen den offensichtlich beschränkten Horizont von Beamten und (einigen) Politikern in München die Unterstützung der Öffentlichkeit. Denn jede Fortsetzung des absurden Tanzes um Hitlers "Mein Kampf" führt nur in die Irre.

  • Verbot für Brechts Stück „Baal“: In Grabesruhe – taz.de – es ist ganz einfach mit dem brecht-theater:
    Es zählt zur postumen Ironie von Brechts Leben, dass der große Zertrümmerer des Klassikertheaters schlussendlich selbst zum Klassiker geworden ist. Postum werden Brechts Ideen in Stein gemeißelt, wofür sie der Autor nie vorgesehen hatte.

  • Kieler Matrosenaufstand 1918 : Berühmtes Foto entpuppt sich nach fast 100 Jahren als Irrtum – quellenkritik bei fotografien ist eine schwierige und aufwändige sache:
    Erstaunlicher Erkenntnis im Bundesbildarchiv: Das bekannteste Foto, mit dem seit fast 100 Jahren der Kieler Matrosenaufstand von 1918 illustriert wurde, ist in Wahrheit in Berlin entstanden.

    hier war es die "originalvorlage" (was auch immer das genau ist …), die durch ihre beschriftung eine korrektur erzwang

  • Alte Schriften – wahnsinnig umfangreich, auch mit einigen ttf-fonts für ausgefallenes wie die merowingische minuskel …
    Auf diesen Seiten finden Sie eine Sammlung alter Schriftzeichen aller Völker und Kulturen von Abur bis Zapotekisch.

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  • Liebe Raubkopierer bei der SPD, | taz Hausblog – Sebastian Heiser mahnt SPD-Gruppierungen ab, weil sie eines seiner Fotos nicht lizenzgemäß verwandten:

    Normalerweise stört es mich nicht, wenn andere Leute meine Texte oder Bilder weiterverbreiten. Falls es mich doch mal stört, schreibe ich eine freundliche E-Mail oder greife zum Telefon (außer bei Kai Diekmann). Aber in diesem Fall dachte ich mir: Warum sollen unter dem kaputten Urheberrecht immer nur die Leute leiden, die damit täglich arbeiten müssen? Und nicht auch mal die, die dafür verantworlich sind?

  • Hubert Fichte – Der schwarze Engel – (Nachtrag zur Erinnerung an seinen Todestag am 8. März)
  • Sybille Lewitscharoff: Sybille Bergs Gedanken zur Skandalrede – SPIEGEL ONLINE – Sybille Bergs heutige Kolumne könnte man Satz für Satz zitieren – sie hat einfach Recht …

    Unverständlich jedoch: Was bringt scheinbar gesunde, gutsituierte Menschen dazu, unverdrossen über Dinge zu reden, die sie nicht betreffen, sondern nur die Trägheit ihres Geistes offenbaren? Homophobie, Angst vor Randgruppen und Ekel vor in Retorten gezeugtem Leben sagen nur etwas über den Verstand der lallenden Kritiker aus. Sie sagen: Ich bin am Ende mit meiner Weisheit. Ich will nicht denken, ich will mich nicht neu orientieren. Ich will keine Welt, in der alle Menschen gleich sind.

  • Justiz: Bitte entschuldigen Sie, Herr Edathy | ZEIT ONLINE – Thomas Fischer, Richter am BGH, in der "Zeit" über die Rolle der Staatsanwaltschaft im Strafrecht, ihre Entwicklung und ihren gegenwärtigen Zustand – natürlich aus aktuellem Anlass:

    Man wagt es kaum zu sagen: Vielleicht sollte sich der Rechtsstaat – jedenfalls vorläufig, bis zum Beweis des Gegenteils – bei dem Beschuldigten Sebastian Edathy einfach entschuldigen. Er hat, nach allem, was wir wissen, nichts Verbotenes getan. Vielleicht sollten diejenigen, die ihn gar nicht schnell genug in die Hölle schicken wollen, vorerst einmal die eigenen Wichsvorlagen zur Begutachtung an die Presse übersenden. Vielleicht sollten Staatsanwaltschaften weniger aufgeregt sein und sich ihrer Pflichten entsinnen. Vielleicht sollten Parteipolitiker ihren durch nichts gerechtfertigten herrschaftlichen Zugriff auf den Staat mindern. Vielleicht sollten aufgeklärte Bürger ernsthaft darüber nachdenken, wo sie die Grenze ziehen möchten zwischen Gut und Böse, zwischen dem Innen und Außen von Gedanken und Fantasien, zwischen legalem und illegalem Verhalten. Zwischen dem nackten Menschen und einer "Polizey", die alles von ihm weiß.

  • Ann Cotten im Interview: Die Abweichung bejahen | Frankfurter Rundschau – Judith von Sternburg spricht mit Ann Cotten

    Als ich einmal Ornamente gezeichnet habe, fiel mir auf, dass in meiner Struktur offenbar etwas angelegt ist, das die Abweichung immer bejaht. Ich versuche, den absolut schönen Kreis, die gerade Linie zu zeichnen, aber meine Finger sind bis in die Spitzen darauf trainiert, die Abweichung gutzuheißen. […] Ich glaube, es wäre voreilig, sich damit zufrieden zu geben, nicht perfekt sein zu wollen. Natürlich kann ich nicht wie ein Computer zeichnen, aber die Bemühung darum macht etwas mit mir. Ich habe genug Chaos in mir, um froh zu sein, wenn ich mich um klare Formen bemühe. Ohne die Liebe zur unerreichbaren Perfektion, zu Gott, wie immer Sie es nennen wollen, wäre Kunst auch nur so ein Kacken. Wenn man sich damit zufrieden gibt, das Fleischliche, Fehlerhafte zu feiern.

Ins Netz gegangen (7.8.)

Ins Netz gegangen am 7.8.:

Noch zwei Jahre etwas Freiheit

Der Bundestag hat gestern (wieder einmal ganz kurz vor knapp, bevor die Frist am Jahresende ausläuft) beschlossen, die befristete Regelung des Urheberrechts in §52a noch einmal zwei Jahre zu verlängern. Damit ist es immerhin zunächst noch möglich, in Schulen und Universitäten Texte auch digital zur Verfügung zu stellen und nicht nur als Kopiervorlage im Ordner … Wie man aber – wie die Regierungsparteien – davon sprechen kann, dass die Auswirkungen „in der Praxis noch nicht abschließend bewertet“ werden könnten, ist mir ein Rätsel. Die SPD hatte immerhin beantragt, dass gleich zu entfristen, weil die Regelung in §52a gerade praxistauglich sei. Und um die Schizophrenie noch etwas weiter zu treiben, haben CDU & FDP gleich angekündigt, in den nächsten Jahren über eine dauerhafte Regelung nachzudenken. Welche neue Erkenntnisse man da in den nächsten Monaten erwartet und warum man da so viel nachdenken und entscheiden muss, erschließt sich mir ja nicht so recht und verrät die Pressemitteilung des Bundestages leider auch nicht …

Die Mitteilung des Bundestages dazu im Wortlaut:

Gegen die Stimmen der Linken bei Enthaltung der Grünen hat der Bundestag am 29. November den Gesetzentwurf von CDU/CSU und FDP zur Änderung des Urheberrechtsgesetzes (17/11317) auf Empfehlung des Rechtsausschusses (17/11699) angenommen. Damit können urheberrechtlich geschützte Inhalte zwei Jahre länger, nämlich bis Ende 2014, unter bestimmten Voraussetzungen einem abgegrenzten Personenkreis für Unterrichts- und Forschungszwecke zugänglich gemacht werden, zum Beispiel, indem sie in das Intranet von Schulen oder Universitäten eingestellt werden. Für das Einstellen muss eine Vergütung an eine Verwertungsgesellschaft gezahlt werden. Die Koalition begründet die Verlängerung dieser Regelung um zwei Jahre damit, dass in dieser Zeit über den Inhalt einer endgültigen, unbefristeten Regelung entschieden werden soll. Die Auswirkungen der mehrmals befristeten Regelung in Paragraf 52a des Urheberrechtsgesetzes könnten in der Praxis noch nicht abschließend bewertet werden, heißt es zur Begründung. Gegen das Votum der Opposition lehnte der Bundestag einen Gesetzentwurf der SPD (17/10087) ab, der darauf abzielte, die Regelung in Paragraf 52a nicht länger zu befristen, weil sie sich bewährt habe.

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