»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Tag: urheberrecht

Ins Netz gegangen (20.7.)

Ins Netz gegan­gen am 20.7.:

  • «Digi­tal Huma­nities» und die Geis­tes­wis­sen­schaf­ten: Geist unter Strom — NZZ Feuille­ton — sehr selt­sa­mer text von urs haf­ner, der vor allem wohl seine eigene skep­sis gegen­über »digi­tal huma­nities« bestä­ti­gen wollte. dabei unter­laufe ihm einige feh­ler und er schlägt ziem­lich wilde vol­ten: wer »huma­nities« mit »human­wis­sen­schaf­ten« über­setzt, scheint sich z.b. kaum aus­zu­ken­nen. und was die ver­zer­rende dar­stel­lung von open access mit den digi­tal huma­nities zu tun hat, ist auch nicht so ganz klar. ganz abge­se­hen davon, dass er die fächer zumin­dest zum teil fehl­re­prä­sen­tiert: es geht eben nicht immer nur um close rea­ding und inter­pre­ta­tion von ein­zel­tex­ten (abge­se­hen davon, dass e-mailen mit den digi­tal huma­nities unge­fähr so viel zu tun hat wie das nut­zen von schreib­ma­schi­nen mit kittler’schen medientheorien …)
  • Lyrik: Reißt die Sei­ten aus den Büchern! | ZEIT ONLINE — nette idee von tho­mas böhm, die lyrik zu ver­ein­zeln (statt in lyrik­bän­den zu sam­meln), das gedicht als opti­sches sprach­kunst­werk zu ver­mark­ten (auch wenn ich seine argu­men­ta­tio­nen oft über­haupt nicht über­zeu­gend finde)
  • Ein­sam auf der Säule « Lyrik­zei­tung & Poe­try News — gute kri­tik­kri­tik zur bespre­chung des aktu­el­len »Jahr­buchs für Lyrik« in der »zeit«, die auch mich ziem­lich ver­wun­dert hat.
    Unter­schei­dung, Alter­na­ti­ven, Schwer­punkt­set­zung? Fehl­an­zeige. Rez. zieht es vor, sich als scharfe Kri­ti­ke­rin zu insze­nie­ren, jede Dif­fe­ren­zie­rung schwächte das Bild nur. Lie­ber auf der Schul­ter von Rie­sen, hier neben Krü­ger, Benn & Co. vor allem Jos­sif Brodsky, auf die behaup­tet magere deut­sche Szene her­ab­bli­cken. Ein­sam ist es dort oben auf der Säule!

  • Ver­kehrs­si­cher­heit: Brun­ners letzte Fahrt | ZEIT ONLINE — sehr inten­sive repor­tage von hen­ning sus­se­bach über die pro­bleme der/mit altern­den auto­fah­rern (für mei­nen geschmack manch­mal etwas trä­nen­drü­sig, aber ins­ge­samt trotz­dem sehr gut geschrie­ben)
    Urlaubs­zeit in Deutsch­land, Mil­lio­nen Rei­sende sind auf den Stra­ßen. Da biegt ein 79-Jähriger in fal­scher Rich­tung auf die Auto­bahn ein – fünf Men­schen ster­ben. Ein Unglück, das zu einer bri­san­ten Frage führt: Kann man zu alt wer­den fürs Autofahren?

  • Lyrik und Rap: Die här­teste Gang­art am Start | ZEIT ONLINE — uwe kolbe spricht mit mach one (sei­nem sohn) und kon­stan­tin ulmer über lyrik, raps, rhyth­mus und the­men der kunst
    Dass ich mit mei­nen Gedich­ten kein gro­ßes Publi­kum errei­che, ist für mich etwas, wor­un­ter ich sel­ten leide. Ich möchte das, was ich mache, auf dem Niveau machen, das mir vor­schwebt. Dabei nehme ich auch keine Rück­sicht mehr. Ich gehe an jeden Rand, den ich errei­chen kann.

  • Rai­nald Goetz: Der Welt­ab­schrei­ber | ZEIT ONLINE — sehr schöne und stim­mende (auch wenn das thea­ter fehlt …) wür­di­gung rai­nald goe­t­zes durch david hugen­dick anläss­lich der bekannt­gabe, dass goetz dies­jäh­ri­ger büchner-preis-träger wird
    Die ein­zige Reak­tion auf die Zudring­lich­keit der Welt kann nur in deren Pro­to­koll beste­hen, die zugleich ein Pro­to­koll der eige­nen Über­for­de­rung sein muss.

  • »Pan­ora­ma­f­rei­heit«: Wider den Urheberrechts-Extremismus — Süddeutsche.de — leon­hard dobusch zum ver­such, in der eu das urhe­ber­recht noch wei­ter zu ver­schär­fen:
    Wir alle sind heute ein biss­chen wie Lich­ten­stein oder War­hol. Wir erstel­len und tei­len stän­dig Fotos und Videos, in denen Werke ande­rer vor­kom­men. Zeit, dass das Urhe­ber­recht dar­auf eingeht.

  • Stravinsky’s Ille­gal “Star Span­g­led Ban­ner” Arran­ge­ment | Timo­thy Judd — ich wusste gar nicht, dass es von stra­winsky so ein schö­nes arran­ge­ment der ame­ri­ka­ni­schen hmyne gibt. und schon gar nicht, dass die angeb­lich ver­bo­ten sein soll …
  • Essay Grie­chen­land und EU: So deutsch funk­tio­niert Europa nicht — taz.de — ulrich schulte in der taz zu grie­chen­land und der eu, mit vie­len sehr guten und tref­fen­den beob­ach­tun­gen & beschrei­bun­gen, unter ande­rem die­sen
    Von CSU-Spitzenkräften ist man inzwi­schen gewohnt, dass sie jen­seits der baye­ri­schen Lan­des­grenze so dumpf agie­ren, als gös­sen sie sich zum Früh­stück fünf Weiß­bier in den Hals.
    […]
    Das Char­mante an der teils irr­lich­tern­den Syriza-Regierung ist ja, dass sie ein­ge­spielte Riten als nackt entlarvt.

  • Sich „kon­struk­tiv ver­hal­ten“ heißt, ernst genom­men zu wer­den | KRZY­SZ­TOF RUCH­NIE­WICZ — Stel­lung­nahme ehe­ma­li­ger Mit­glie­dern des Wis­sen­schaft­lich Bera­ter­krei­ses der (sowieso über­mä­ßig vom Bund der Ver­trei­benen domi­nier­ten) Stif­tung Flucht, Ver­trei­bung, Ver­söh­nung zur Farce der Wahl des neuen Direk­tors unter Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Monika Grütters
  • Kon­sum: Kleine Geschichte vom rich­ti­gen Leben | ZEIT ONLINE — marie schmidt weiß nicht so recht, was sie von craft beer, hand­ge­rös­te­tem kaf­fee und dem gan­zen zele­brier­ten super-konsum hal­ten soll: fetisch? rück­be­sin­nung alte hand­werk­li­che werte? oder was?
  • Alle Musik ist zu lang — wun­der­bare über­le­gun­gen von diet­mar dath zur musik, der welt und ihrer phi­lo­so­phie

    Alle bereits vor­han­dene, also auf­ge­schrie­bene oder auf­ge­zeich­nete Musik, ob als Schema oder als wie­der­ga­be­fä­hige Auf­füh­rung erhal­ten, ist für Men­schen, die heute Musik machen wol­len, zu lang, das heißt: Das kön­nen wir doch nicht alles hören, wir wol­len doch auch mal anfan­gen. Wie gesagt, das gilt nicht nur für die Werke, son­dern schon für deren Mus­ter, Prin­zi­pien, Gat­tun­gen, Tech­ni­ken.
    […]
    Musik hält die Zeit an, um sie zu ver­brau­chen. Wäh­rend man sie spielt oder hört, pas­siert alles andere nicht, inso­fern han­delt sie von Ewig­keit als Ereig­nis– und Taten­lo­sig­keit. Aber beide Aspekte der Ewig­keit, die sie zeigt, sind in ihr nicht ein­fach irgend­wie gege­ben, sie müs­sen her­ge­stellt wer­den: Die Ereig­nis­lo­sig­keit selbst geschieht, die Taten­lo­sig­keit selbst ist eine musi­ka­li­sche Tat.

  • Lite­ra­tur­blogs are bro­ken | The Daily Frown — fabian tho­mas attes­tiert den »lite­ra­tur­blogs« »feh­lende Dis­tanz, Gefall­sucht und Harm­lo­sig­keit aus Prin­zip« — und ange­sichts mei­ner beob­ach­tung (die ein eher klei­nes und unsys­te­ma­ti­sches sample hat) muss ich ihm lei­der zustimmen.
  • Inter­view ǀ „Ent-identifiziert euch!“ — der Frei­tag — groß­ar­ti­ges gespräch zwi­schen harald fal­cken­berg und jona­than meese über wag­ner, bay­reuth, kunst und den gan­zen rest:
    Ja, ich hab total auf lieb Kind gemacht. Ich merkte ja schon, dass ich im Wagner-Forum so als Mons­ter dar­ge­stellt wurde. Ich bin kein Mons­ter. Ich wollte das Ding nur radi­ka­li­sie­ren. Ich hab auf nett gemacht und so getan, als wäre ich gar nicht ich selbst. Was ich ja immer tue. Sei nie­mals du selbst. Keine Selbst­su­che, bitte. Keine Pil­ger­fahrt. Keine Mön­che­rei. Ich bin ein­fach wie ’n Spiel­kind da ran­ge­gan­gen, und ich dachte, jetzt geht’s ab.
    […]
    Kul­tur ist genauso beschis­sen wie Gegen­kul­tur. Main­stream ist genauso beschis­sen wie Under­ground. Kul­tur und Gegen­kul­tur ist das Glei­che. Poli­tik kannst du nicht mit Kul­tur bekämp­fen. Son­dern nur mit Kunst. Du kannst nicht eine neue Par­tei grün­den, weil sie genauso scheiße ist wie jede andere. Du kannst keine neue Reli­gion grün­den, weil sie genauso scheiße ist wie alle ande­ren. Du kannst keine neue Eso­te­rik schaf­fen, weil sie genauso scheiße ist wie jede andere. Du kannst keine Spi­ri­tua­li­tät schaf­fen, die bes­ser wäre als alle ande­ren.
    Jede Par­tei ist gleich scheiße, jede Reli­gion ist gleich zukunfts­un­fä­hig, jede Eso­te­rik ist abzu­leh­nen. Ich benutze Eso­te­rik, aber ich iden­ti­fi­ziere mich nicht damit. Ich iden­ti­fi­ziere mich nicht mit Wag­ner, ich iden­ti­fi­ziere mich nicht mit Bay­reuth, ich iden­ti­fi­ziere mich mit gar nichts.
    Ent-identifiziert euch! Seid nicht mehr! Seid eine Num­mer! Seid end­lich eine Num­mer!
    Das ist geil. Seid kein Name! Seid kein Indi­vi­duum! Seid kein Ich! Macht keine Nabel­be­schau, keine Pil­ger­reise, geht nie­mals ins Klos­ter, guckt euch nie­mals im Spie­gel an, guckt immer vor­bei!
    Macht nie­mals den Feh­ler, dass ihr auf den Trip geht, euch selbst spie­geln zu wol­len. Ihr seid es nicht. Es ist nicht die Wich­tig­tue­rei, die die Kunst aus­macht, son­dern der Dienst an der Kunst. Die Kunst ist völ­lig frei. Meine Arbeit, die ist mir zuzu­schrei­ben, aber nicht die Kunst. Die spielt sich an mir ab.

  • Eine Bemer­kung zur Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung by Fach­di­dak­tik Deutsch -
    »Fak­ten­wis­sen« kommt nicht zuerst, wenn Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung ernst genom­men wird – Kön­nen kommt zuerst. Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung bedeu­tet, die Ler­nen­den zu fra­gen, ob sie etwas kön­nen und wie sie zei­gen kön­nen, dass sie es kön­nen. Weil ich als Leh­ren­der nicht mehr zwin­gend sagen kann, auf wel­chem Weg die­ses Kön­nen zu errei­chen ist. Dass die­ses Kön­nen mit Wis­sen und Moti­va­tion gekop­pelt ist, steht in jeder Kom­pe­tenz­de­fi­ni­tion. Wer sich damit aus­ein­an­der­setzt, weiß das. Tut das eine Lehr­kraft nicht, ist das zunächst ein­fach ein­mal ein Zei­chen dafür, dass sie sich nicht mit Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung beschäf­tigt hat. Fehlt diese Bereit­schaft, müs­sen zuerst die Vor­aus­set­zun­gen dafür geschaf­fen werden.

  • Essay zum UN-Weltkulturerbe: Mord mit bes­ten Absich­ten — taz.de -
    Und immer noch drän­geln die Städte, die Dör­fer, die Regio­nen, dass sie ja als Erste ein­bal­sa­miert wer­den. Wie die Län­der, die sich um Olym­pi­sche Spiele bewer­ben, ohne sich klar­zu­ma­chen, dass sie damit ihren Unter­gang her­auf­be­schwö­ren wie Grie­chen­land mit Athen.

  • Wie man nicht für die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung argu­men­tiert | saschalobo.com — sascha lobo seziert den tweet von rein­hold gall. wie (fast) immer exzel­lent. schade (und mir unver­ständ­lich), dass sol­che texte in den gro­ßen, publi­kums­wirk­sa­men medien kei­nen platz fin­den — warum steht das nicht im print-spiegel, der gedruck­ten faz oder süddeutschen?
  • Sex (und gen­der) bei der Fifa | Männlich-weiblich-zwischen — ein schö­ner text zum pro­blem der bestim­mung des geschlechts, des bio­lo­gi­schen, wie es die fifa ver­sucht — näm­lich über den testosteron-spiegel. mit dem (inzwi­schen erwart­ba­ren) resul­tat: so kann man das jeden­falls nicht machen.

    an darf also ver­mu­ten und hof­fen, dass auch diese Defi­ni­tion von sex zu sport­li­chen Zwe­cken dem­nächst, wie bis­her alle ande­ren Defi­ni­tio­nen auch, als unbrauch­bar und absurd erwei­sen – aber wohl, eben­falls wie immer, erst zu spät.

Ins Netz gegangen (19.5.)

Ins Netz gegan­gen am 19.5.:

  • Euro­krise: »Es gibt keine ein­deu­ti­gen Geg­ner« | ZEIT ONLINE — joseph vogl im gespräch mit der »zeit«:
    Einer­seits hat es ein gewal­ti­ges Umver­tei­lungs­pro­gramm gege­ben, bei dem pri­vate Schuld­ner – also vor allem die hoch ver­schul­de­ten Groß­ban­ken – mit­hilfe öffent­li­cher Gel­der saniert wur­den. Ande­rer­seits hat man mit der Restau­ra­tion des Finanz­sys­tems auch das alte Schla­mas­sel der Zeit vor 2008 wie­der her­bei­fi­nan­ziert: Es herr­schen heute wie­der die glei­chen Risi­ko­la­gen, die glei­che Insta­bi­li­tät an den Finanz­märk­ten. Para­do­xer­weise ent­steht diese neue Unsi­cher­heit eben genau durch die Maß­nah­men, also das Aus­schüt­ten von viel Geld, mit denen die Krise bekämpft wer­den sollte. Was sich in die­ser Zeit hin­ge­gen tat­säch­lich ver­än­dert hat, ist die Art und Weise, wie wir regiert wer­den. […]
    Wir erle­ben also gerade ein finanz­po­li­ti­sches Dou­ble­bind: Einer­seits gibt die herr­schende Dog­ma­tik vor, dass das Wirt­schafts­wachs­tum nur mit Inves­ti­tio­nen und neuem bil­li­gem Geld zu errei­chen ist. Ande­rer­seits erhöht das glei­che bil­lige Geld die Risi­ko­an­fäl­lig­keit auf den Märk­ten. Die­ses Dilemma kenn­zeich­net also an einem Punkt ihre Macht und gleich­zei­tig ihre struk­tu­relle Ohnmacht.

     — er sagt noch eini­ges mehr, was das inter­view sehr lesens­wert macht. und sehr bezeich­nend ist, dass sol­che eigent­lich emi­nent öko­no­mi­schen (und poli­ti­schen) beob­ach­tun­gen gerade ein kul­tur­wis­sen­schaft­ler machen muss — die »fach­leute« schei­nen da (zumin­dest in der deut­schen öffent­lich­keit) keine posi­tion und/oder stimme zu finden …

  • Wolf­gang Ull­rich: „Urhe­ber­rechte für die sozia­len Netz­werke gänz­lich sus­pen­die­ren“ – iRights.info — der kunst­his­to­ri­ker wolf­gang ull­rich im inter­view mit irights über kunst, inter­net, jus­tiz, das urhe­ber­recht — und tech­no­viking
    Das Urhe­ber­recht denkt auch in den sozia­len Netz­wer­ken viel zu sehr vom klas­si­schen Werk­be­griff her und nicht vom Ort, an dem etwas statt­fin­det. Und da sehe ich die Par­al­le­len zur Pro­ble­ma­tik in der Kunst. Wer etwas in die Social Media plat­ziert, gibt es frei – und die Welt kann damit machen, was sie will. Aber in den meis­ten Fäl­len macht die Welt gar nichts damit. Ab und zu pas­siert dann doch etwas, es ent­steht gar ein Mem.[…]
    Mei­ner Mei­nung nach hinkt bei etli­chen Urtei­len die Recht­spre­chung der Kunst­pra­xis um zwei bis drei Jahr­zehnte hin­ter­her. Und das ist auch beim Tech­no­viking der Fall.

  • Wehr­macht: Die ver­ges­se­nen Sol­da­tin­nen | ZEIT ONLINE — die his­to­ri­ke­rin karen hage­mann erin­nert an die rolle der frauen im zwei­ten welt­krieg
    Nicht nur in der popu­lä­ren Erin­ne­rung wurde das Aus­maß der mili­tä­ri­schen Kriegs­un­ter­stüt­zung von Frauen lange ver­ges­sen, selbst in der umfang­rei­chen Geschichts­schrei­bung zum Zwei­ten Welt­krieg wer­den Frauen zumeist nur als Arbei­te­rin­nen in der Kriegs­in­dus­trie oder Kran­ken­schwes­tern por­trä­tiert. Dies ist um so bemer­kens­wer­ter, als wir heute auf fast drei­ßig Jahre For­schung zum Thema Geschlecht, Mili­tär und Krieg zurück­bli­cken kön­nen und die Ära der Welt­kriege zu den am bes­ten erforsch­ten Perio­den über­haupt gehört. Die­ser Befund gilt nicht nur für die deut­sche, son­dern ähn­lich auch für die inter­na­tio­nale Geschichts­wis­sen­schaft. Wie ist die Ver­drän­gung zu erklä­ren? Warum fällt es vie­len offen­bar noch heute so schwer, sich Frauen als Sol­da­tin­nen vor­zu­stel­len?
    Ein Grund hier­für dürfte die Bedeu­tung sein, die dem Recht, im Dienste des Staa­tes oder einer ande­ren höhe­ren Macht Waf­fen tra­gen und töten zu dür­fen – oder im Kriegs­fall zu müs­sen – für die Mar­kie­rung der Geschlech­ter­dif­fe­ren­zen zukommt. Seit der Antike ist die­ses Recht männ­lich kon­no­tiert. Die kom­ple­men­täre Rolle der Frauen bestand bis ins frühe 20. Jahr­hun­dert hin­ein vor allem darin, Män­ner zum Kampf zu moti­vie­ren, Ver­wun­dete zu pfle­gen und Gefal­lene zu betrau­ern. […]Teil der Demo­bi­li­sie­rung in der Nach­kriegs­zeit war in allen kriegs­be­tei­lig­ten Staa­ten eine Poli­tik, die die Vor­kriegs­ge­schlech­ter­ord­nung und damit die soziale Sta­bi­li­tät wie­der­her­stel­len sollte. Frauen wur­den aus den Armeen ent­las­sen und muss­ten ihre wäh­rend des Krie­ges ein­ge­nom­me­nen Arbeits­plätze in Indus­trie, Han­del und Ver­wal­tung für die heim­keh­ren­den Vete­ra­nen frei machen, die wie­der allei­nige Fami­li­e­n­er­näh­rer wer­den soll­ten. Die 1950er Jah­ren mit ihrem Wirt­schafts­wun­der wur­den in West­deutsch­land und ande­ren Län­dern West­eu­ro­pas dank einer ent­spre­chen­den Fami­li­en­po­li­tik zum »gol­de­nen Zeit­al­ter« des Modells der »Alleinverdiener-Hausfrau«-Familie.

  • Stra­di­va­ris Cello: Oh, Mara! | ZEIT ONLINE — caro­lin pirich über eines der berühm­tes­ten cel­los aus der stradivari-werkstatt und sei­nen momen­tan­ten besit­zer, chris­tian pol­téra:
    »Das Mara zu spie­len ist wie mit der Stimme eines ande­ren zu spre­chen«, sagt der neue Part­ner des Mara. »Das dau­ert ein, zwei Jahre, bis es nach mir klingt.«

  • Social Media: Das Netz bist du! | ZEIT ONLINE — kilian tro­tier por­trä­tiert den bri­ti­schen anthro­po­lo­gen daniel mil­ler (und seine for­schung), der welt­weit die nut­zung sozia­ler netz­werke erforscht und schon mal eines fest­ge­stellt hat: die regio­na­len nut­zungs­un­ter­schiede sind gewaltig.
  • Eine Lanze für blog­gende Stu­die­rende: Patrick Bah­ners zur Causa Münkler-Watch | Redak­ti­ons­blog — patrick bah­ners legt dar, warum es nicht ganz so abstrus, unver­schämt und ohne vor­bild ist, als blog­gende stu­die­rende mit einem kri­ti­schen blog anonym blei­ben zu wol­len. und macht neben­bei eine inter­es­sante anmer­kung:
    Hei­kel für Münk­ler ist, dass einige der ihm zuge­schrie­be­nen Ein­las­sun­gen, die ihn in kei­nem guten Licht daste­hen las­sen, für Leute, die ihn ken­nen, einen nur allzu glaub­wür­di­gen Sound haben.

  • Nach­ruf auf Odo Mar­quard — Mit Witz zum Den­ken anre­gen — ein Nach­ruf auf den Phi­lo­so­phen Odo Mar­quard beim deutschlandradio
  • Gewalt | Schmalenstroer.net — michael schma­len­s­troer bringt auf den punkt, warum man bei der dar­stel­lung von gewalt­tä­ti­gen momen­ten der geschichte manch­mal sich einer sehr kras­sen spra­che (und/oder bil­der) bedie­nen muss:
    Wenn Digi­tal­Past also bru­tal ist, dann beschwert euch bei euren Groß­el­tern. Weil die bru­tal waren.

  • Streik: Hurra, Deutsch­land liegt lahm | ZEIT ONLINE — sehr guter kom­men­tar zum strei­ken in deutschlnd, unter ande­rem mit die­sem schö­nen und lei­der so abso­lut zutref­fen­den satz: »Die SPD agiert momen­tan also unge­fähr so sozi­al­de­mo­kra­tisch wie Ayn Rand beim Restpostenverkauf.«
  • The Opera Plat­form — schöne initia­tive:
    Die Opern­platt­form ist eine Part­ner­schaft zwi­schen Opera Europa, einem 155 Opern und Fest­spiele umfas­sen­den Netz­werk, dem Kul­tur­sen­der ARTE und 15 Opern­häu­sern aus ganz Europa. Sie wird vom Pro­gramm Krea­ti­ves Europa der Euro­päi­schen Kom­mis­sion unter­stützt und ist für alle Bei­träge offen, die Oper einem brei­te­ren Publi­kum zugäng­lich machen wollen.

  • Bahn-Streik: Danke, Claus Weselsky! — Augstein-Kolumne — SPIE­GEL ONLINE — sehr rich­ti­ger kom­men­tar von jakob augs­tein zur rele­vanz des gdl-streiks & warum die deut­schen der gdl dan­ken sollten

Ins Netz gegangen (23.4.)

Ins Netz gegan­gen am 23.4.:

  • Bis­lang unver­öf­fent­lichte Wehr­machts­ak­ten jetzt online zugäng­lich — das dhi mos­kau und das zen­tral­ar­chiv des russ. ver­tei­di­gungs­min­ste­ri­ums haben bis­her unver­öf­fent­lichte wehr­machts­ak­ten digi­ta­li­siert und stel­len sie (in kürze) online zur ver­fü­gung
    Der Bestand der deut­schen Doku­mente im Zen­tral­ar­chiv des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums umfasst ca. 28.000 Akten und ist ins­ge­samt in 50 Find­bü­cher geglie­dert. Nach dem Abschluss der ers­ten Pro­jekt­phase wer­den am 29. April 2015 die für die For­schung beson­ders wich­ti­gen Unter­la­gen des Ober­kom­man­dos der Wehr­macht (271 Akten) und des Hee­res (988 Akten) sowie der Hee­res­gruppe Mitte (852 Akten) weit­ge­hend online zugäng­lich gemacht. Aus­ge­nom­men sind bis­lang groß­for­ma­tige Kar­ten, deren Digi­ta­li­sie­rung beson­ders auf­wän­dige Tech­no­lo­gien erfor­dert. In einer zwei­ten Pro­jekt­phase fol­gen in Kürze die Bestände der Hee­res­gruppe „Weich­sel“ (54 Akten), des Amts Ausland/Abwehr im OKW (52 Akten), der Waffen-SS und Poli­zei (120 Akten) sowie Beu­te­do­ku­mente der Auf­klä­rungs­ver­wal­tung beim Gene­ral­stab der Roten Armee –GRU (332 Akten).

  • Bun­des­nach­rich­ten­dienst: Neue NSA-Affäre erschüt­tert BND — SPIE­GEL ONLINE — Über­wa­chung: Neue Spio­na­ge­af­färe erschüt­tert BND (und mich auch …)
  • We Can’t Let John Deere Des­troy the Very Idea of Ownership | WIRED — wenn urhe­ber­schutz (und so etwas wie software-patente …) wild lau­fen, freuen sich kon­zerte — denn dann kommt so etwas her­aus:
    John Deere and Gene­ral Motors want to evis­ce­rate the notion of ownership. Sure, we pay for their vehi­cles. But we don’t own them. Not accor­ding to their cor­po­rate lawy­ers, anyway

  • 31 Theo­rie­an­sätze: Woran erkennt man ein Gedicht? — NZZ — der ver­le­ger jochen jung (von jung & jung) hat 31 »theo­rie­an­säatze« (man könnte sie auch the­sen nen­nen) über das wesen von gedich­ten notiert:
    Gedichte strah­len in ihrer Herr­lich­keit, sie kön­nen blen­den (aber nicht blind machen). Bis­wei­len sind sie auch Blender.

  • Jour­na­lis­mus als Kata­stro­phe | Lesen was klü­ger macht — eine erklä­rende abrech­nung mit dem zustand des jour­na­lis­mus heute von georg seeß­len
    Einen Unter­schied zwi­schen „Qua­li­täts­jour­na­lis­mus“ und Bou­le­vard kann es dann nicht mehr geben, wenn alle Nach­rich­ten­me­dien einer­seits aus den glei­chen Inter­es­sen und den glei­chen Quel­len ent­ste­hen, und wenn sie ande­rer­seits alle an die glei­chen Kun­den (Anzei­gen auf der einen, Leute die Kau­fen, ein­schal­ten, kli­cken usw. auf der ande­ren) wol­len, wenn sie Down­gra­den von Niveau und Respekt als Über­le­bens­stra­te­gie recht­fer­ti­gen. Dabei wer­den die Tricks der Nach­rich­ten­er­zeu­gung aus mehr oder weni­ger nichts immer selbst­zer­stö­re­ri­scher.[…]
    Kann denen mal viel­leicht jemand sagen, dass die Unter­schei­dung zwi­schen gutem und schlech­tem Jour­na­lis­mus nicht darin lie­gen kann, dass man letzte Gren­zen der Nie­der­tracht über­schrei­tet oder nicht, son­dern darin, dass man seine Arbeit und sei­nen Auf­trag grund­sätz­lich anders versteht?

  • Auf Kante gepresst — Warum der Vinyl-Hype die Schall­platte kaputt­macht | Das Fil­ter — inter­es­sante ein­bli­cke in die schwie­rig­kei­ten, die es mit sich bringt, ein »ver­al­te­tes« medium wie die schall­platte wei­ter zu pro­du­zie­ren — v.a. die pro­bleme, die feh­len­der neu­bau von pro­duk­ti­ons­ma­schi­nen und –werk­zeug ver­ur­sa­chen (von der frage nach mate­rial für zwi­schen­stu­fen ganz abgesehen) …

Ins Netz gegangen (24.2.)

Ins Netz gegan­gen am 24.2.:

  • Das MoMa New York erwirbt Alvin Luciers “I am sit­ting in a room” « Kul­tur­techno — 
  • Hoch­schwarz­wald: Ab ins gemachte Nest! | ZEIT ONLINE — die zeit macht ein biss­chen wer­bung für moder­ni­sierte (teure) feri­en­woh­nung im schwarz­wald, die mit schi­ckem design über­nach­tungs­gäste anlo­cken wol­len, dafür aber die wert­schöp­fung schön zen­tra­li­sie­ren und kon­zen­trie­ren (und eben nur noch einen bruch­teil bei den besit­zern vor ort las­sen)
    Im Hoch­schwarz­wald hat die Tou­ris­mus GmbH vor­han­dene Feri­en­woh­nun­gen moder­ni­siert. Ein Gewinn für alle Seiten?

  • If Our Sons Were Trea­ted Like Our Daugh­ters | Lori Day — sehr schö­nes gedan­ken­spiel …
    Come with me. Let’s open the door to a par­al­lel uni­verse. Here in this par­al­lel world, the rules are dif­fe­rent because gen­der roles are flip­ped. Loving par­ents and teachers accept this strange cul­ture as if it’s not so bad, or per­haps even good.…

  • Edi­tion: Hit­lers »Mein Kampf« kommt 2016 rund 2000 Sei­ten dick — DIE WELT — sven felix kel­ler­hoff war bei der vor­stel­lung der kom­men­tier­ten aus­gabe von hit­lers »mein kampf«, die er sehr begrüßt:
    Das IfZ und sein Vize­chef Magnus Brecht­ken jeden­falls sind den rich­ti­gen Weg in einer offe­nen Gesell­schaft gegan­gen: Sie suchen gegen den offen­sicht­lich beschränk­ten Hori­zont von Beam­ten und (eini­gen) Poli­ti­kern in Mün­chen die Unter­stüt­zung der Öffent­lich­keit. Denn jede Fort­set­zung des absur­den Tan­zes um Hit­lers »Mein Kampf« führt nur in die Irre.

  • Ver­bot für Brechts Stück „Baal“: In Gra­bes­ruhe — taz.de — es ist ganz ein­fach mit dem brecht-theater:
    Es zählt zur pos­tu­men Iro­nie von Brechts Leben, dass der große Zer­trüm­me­rer des Klas­si­ker­thea­ters schluss­end­lich selbst zum Klas­si­ker gewor­den ist. Pos­tum wer­den Brechts Ideen in Stein gemei­ßelt, wofür sie der Autor nie vor­ge­se­hen hatte.

  • Kie­ler Matro­sen­auf­stand 1918 : Berühm­tes Foto ent­puppt sich nach fast 100 Jah­ren als Irr­tum — quel­len­kri­tik bei foto­gra­fien ist eine schwie­rige und auf­wän­dige sache:
    Erstaun­li­cher Erkennt­nis im Bun­des­bild­ar­chiv: Das bekann­teste Foto, mit dem seit fast 100 Jah­ren der Kie­ler Matro­sen­auf­stand von 1918 illus­triert wurde, ist in Wahr­heit in Ber­lin entstanden.

    hier war es die »ori­gi­nal­vor­lage« (was auch immer das genau ist …), die durch ihre beschrif­tung eine kor­rek­tur erzwang

  • Alte Schrif­ten — wahn­sin­nig umfang­reich, auch mit eini­gen ttf-fonts für aus­ge­fal­le­nes wie die mero­win­gi­sche minus­kel …
    Auf die­sen Sei­ten fin­den Sie eine Samm­lung alter Schrift­zei­chen aller Völ­ker und Kul­tu­ren von Abur bis Zapotekisch.

Ins Netz gegangen (10.3.)

Ins Netz gegan­gen am 10.3.:

  • Liebe Raub­ko­pie­rer bei der SPD, | taz Haus­blog — Sebas­tian Hei­ser mahnt SPD-Gruppierungen ab, weil sie eines sei­ner Fotos nicht lizenz­ge­mäß ver­wand­ten:

    Nor­ma­ler­weise stört es mich nicht, wenn andere Leute meine Texte oder Bil­der wei­ter­ver­brei­ten. Falls es mich doch mal stört, schreibe ich eine freund­li­che E-Mail oder greife zum Tele­fon (außer bei Kai Diek­mann). Aber in die­sem Fall dachte ich mir: Warum sol­len unter dem kaput­ten Urhe­ber­recht immer nur die Leute lei­den, die damit täg­lich arbei­ten müs­sen? Und nicht auch mal die, die dafür ver­ant­wor­lich sind?

  • Hubert Fichte — Der schwarze Engel — (Nach­trag zur Erin­ne­rung an sei­nen Todes­tag am 8. März)
  • Sybille Lewitscharoff: Sybille Bergs Gedan­ken zur Skan­dal­rede — SPIE­GEL ONLINE — Sybille Bergs heu­tige Kolumne könnte man Satz für Satz zitie­ren — sie hat ein­fach Recht …

    Unver­ständ­lich jedoch: Was bringt schein­bar gesunde, gut­si­tu­ierte Men­schen dazu, unver­dros­sen über Dinge zu reden, die sie nicht betref­fen, son­dern nur die Träg­heit ihres Geis­tes offen­ba­ren? Homo­pho­bie, Angst vor Rand­grup­pen und Ekel vor in Retor­ten gezeug­tem Leben sagen nur etwas über den Ver­stand der lal­len­den Kri­ti­ker aus. Sie sagen: Ich bin am Ende mit mei­ner Weis­heit. Ich will nicht den­ken, ich will mich nicht neu ori­en­tie­ren. Ich will keine Welt, in der alle Men­schen gleich sind.

  • Jus­tiz: Bitte ent­schul­di­gen Sie, Herr Eda­thy | ZEIT ONLINE — Tho­mas Fischer, Rich­ter am BGH, in der »Zeit« über die Rolle der Staats­an­walt­schaft im Straf­recht, ihre Ent­wick­lung und ihren gegen­wär­ti­gen Zustand — natür­lich aus aktu­el­lem Anlass:

    Man wagt es kaum zu sagen: Viel­leicht sollte sich der Rechts­staat – jeden­falls vor­läu­fig, bis zum Beweis des Gegen­teils – bei dem Beschul­dig­ten Sebas­tian Eda­thy ein­fach ent­schul­di­gen. Er hat, nach allem, was wir wis­sen, nichts Ver­bo­te­nes getan. Viel­leicht soll­ten die­je­ni­gen, die ihn gar nicht schnell genug in die Hölle schi­cken wol­len, vor­erst ein­mal die eige­nen Wichs­vor­la­gen zur Begut­ach­tung an die Presse über­sen­den. Viel­leicht soll­ten Staats­an­walt­schaf­ten weni­ger auf­ge­regt sein und sich ihrer Pflich­ten ent­sin­nen. Viel­leicht soll­ten Par­tei­po­li­ti­ker ihren durch nichts gerecht­fer­tig­ten herr­schaft­li­chen Zugriff auf den Staat min­dern. Viel­leicht soll­ten auf­ge­klärte Bür­ger ernst­haft dar­über nach­den­ken, wo sie die Grenze zie­hen möch­ten zwi­schen Gut und Böse, zwi­schen dem Innen und Außen von Gedan­ken und Fan­ta­sien, zwi­schen lega­lem und ille­ga­lem Ver­hal­ten. Zwi­schen dem nack­ten Men­schen und einer »Poli­zey«, die alles von ihm weiß.

  • Ann Cot­ten im Inter­view: Die Abwei­chung beja­hen | Frank­fur­ter Rund­schau — Judith von Stern­burg spricht mit Ann Cot­ten

    Als ich ein­mal Orna­mente gezeich­net habe, fiel mir auf, dass in mei­ner Struk­tur offen­bar etwas ange­legt ist, das die Abwei­chung immer bejaht. Ich ver­su­che, den abso­lut schö­nen Kreis, die gerade Linie zu zeich­nen, aber meine Fin­ger sind bis in die Spit­zen dar­auf trai­niert, die Abwei­chung gut­zu­hei­ßen. […]
    Ich glaube, es wäre vor­ei­lig, sich damit zufrie­den zu geben, nicht per­fekt sein zu wol­len. Natür­lich kann ich nicht wie ein Com­pu­ter zeich­nen, aber die Bemü­hung darum macht etwas mit mir. Ich habe genug Chaos in mir, um froh zu sein, wenn ich mich um klare For­men bemühe. Ohne die Liebe zur uner­reich­ba­ren Per­fek­tion, zu Gott, wie immer Sie es nen­nen wol­len, wäre Kunst auch nur so ein Kacken. Wenn man sich damit zufrie­den gibt, das Fleisch­li­che, Feh­ler­hafte zu feiern.

Ins Netz gegangen (7.8.)

Ins Netz gegan­gen am 7.8.:

Noch zwei Jahre etwas Freiheit

Der Bun­des­tag hat ges­tern (wie­der ein­mal ganz kurz vor knapp, bevor die Frist am Jah­res­ende aus­läuft) beschlos­sen, die befris­tete Rege­lung des Urhe­ber­rechts in §52a noch ein­mal zwei Jahre zu ver­län­gern. Damit ist es immer­hin zunächst noch mög­lich, in Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten Texte auch digi­tal zur Ver­fü­gung zu stel­len und nicht nur als Kopier­vor­lage im Ord­ner … Wie man aber — wie die Regie­rungs­par­teien — davon spre­chen kann, dass die Aus­wir­kun­gen »in der Pra­xis noch nicht abschlie­ßend bewer­tet« wer­den könn­ten, ist mir ein Rät­sel. Die SPD hatte immer­hin bean­tragt, dass gleich zu ent­fris­ten, weil die Rege­lung in §52a gerade pra­xis­taug­lich sei. Und um die Schi­zo­phre­nie noch etwas wei­ter zu trei­ben, haben CDU & FDP gleich ange­kün­digt, in den nächs­ten Jah­ren über eine dau­er­hafte Rege­lung nach­zu­den­ken. Wel­che neue Erkennt­nisse man da in den nächs­ten Mona­ten erwar­tet und warum man da so viel nach­den­ken und ent­schei­den muss, erschließt sich mir ja nicht so recht und ver­rät die Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ta­ges lei­der auch nicht …

Die Mit­tei­lung des Bun­des­ta­ges dazu im Wortlaut:

Gegen die Stim­men der Lin­ken bei Ent­hal­tung der Grü­nen hat der Bun­des­tag am 29. Novem­ber den Gesetz­ent­wurf von CDU/CSU und FDP zur Ände­rung des Urhe­ber­rechts­ge­set­zes (17/11317) auf Emp­feh­lung des Rechts­aus­schus­ses (17/11699) ange­nom­men. Damit kön­nen urhe­ber­recht­lich geschützte Inhalte zwei Jahre län­ger, näm­lich bis Ende 2014, unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen einem abge­grenz­ten Per­so­nen­kreis für Unter­richts– und For­schungs­zwe­cke zugäng­lich gemacht wer­den, zum Bei­spiel, indem sie in das Intra­net von Schu­len oder Uni­ver­si­tä­ten ein­ge­stellt wer­den. Für das Ein­stel­len muss eine Ver­gü­tung an eine Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft gezahlt wer­den. Die Koali­tion begrün­det die Ver­län­ge­rung die­ser Rege­lung um zwei Jahre damit, dass in die­ser Zeit über den Inhalt einer end­gül­ti­gen, unbe­fris­te­ten Rege­lung ent­schie­den wer­den soll. Die Aus­wir­kun­gen der mehr­mals befris­te­ten Rege­lung in Para­graf 52a des Urhe­ber­rechts­ge­set­zes könn­ten in der Pra­xis noch nicht abschlie­ßend bewer­tet wer­den, heißt es zur Begrün­dung. Gegen das Votum der Oppo­si­tion lehnte der Bun­des­tag einen Gesetz­ent­wurf der SPD (17/10087) ab, der dar­auf abzielte, die Rege­lung in Para­graf 52a nicht län­ger zu befris­ten, weil sie sich bewährt habe.

verschönerung der welt

rich­tig und kon­se­quent ange­wen­det könnte das urhe­ber­recht viel­leicht tat­säch­lich zu einer ver­schö­ne­rung der welt füh­ren: es würde die krea­tive betä­ti­gung all derer unter­bin­den, die keine künst­le­ri­sche aus­bil­dung oder keine rechts­ab­tei­lung haben. (wirres.net)

hach. wie heißt es bei monty python so schön: Always Look on the Bright Side of Life. eben.

ich würde nicht stehlen

so ist eine kam­pa­gne der euro­päi­schen grü­nen gegen die lobby-politik der gro­ßen medi­en­kon­zerne und vor allem die ent­spre­chen­den urheberrechts-gesetzgebungen der letz­ten zeit über­schrie­ben: hier ent­lang. schö­nes video dazu gbit’s auch — stan­des­ge­mäß natür­lich auch als torrent-download. ganz nett gemacht. aber ob’s etwas hilft?

2015 — Matthias Mader. Die Seite wird mit Wordpress betrieben und benutzt ein freies Design von Anders Norén.