„Nächstens mehr.“

Literatur, Musik, Theater – die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.

Archiv für das Schlagwort ‘swing’

angebissen: der don-camillo-chor auf cd

keine Kommentare

Musik dazu verwenden, jemanden zu verführen, ist keine neue Idee. Das Opfer mit der Musik als Köder zur Musik zu begehren, ist schon etwas ungewöhnlicher. Und wenn ein das dann auch noch so offen und direkt unternimmt wie der „Don-Camillo-“ aus dem Münchner Umland, dann gehen jeder Zielperson schnell die Argumente für den Widerstand aus.

Das liegt, wie ihre neueste (und erste) CD mit dem passenden Titel „Good Bait“ beweist, zu großem Teil an der jugendlichen Frische und dem unbändigen Überschwang, mit dem der gesamte sich auf sein Repertoire vorwiegend aus und Pop stürzt. So eine freizügige Freude teilt sich dem Hörer in jedem Moment mit, dass er mit dem größten Vergnügen anbeißt.

Das Vergnügen ist allerdings nicht nur ein Verdienst der Sänger und ihres Chorleiters, der sie immer wieder knackig auf den Punkt fokussiert. Es liegt zu einem großen Teil auch an den angenehm einfallsreichen Arrangements, die mehrheitlich vom Dirigenten selbst oder aus der bewährten Feder des um keine Pointe verlegenen stammen.

Das reicht vom feurigen „Chili con Carne“ aus dem Fundus der „Real Group“ über aufgefrische -Klassiker bis zu – in ihren komplexen Arrangements kaum noch erkennbaren – Pop-Hits der letzten Jahrzehnte. Mit einer recht freien Bearbeitung von Brahms‘ „Guten Abend, gut‘ Nacht“ beweist der Don-Camillo- dann nebenbei auch noch, dass er mehr als nur reiner -Pop- ist: Diese jungen Sänger und Sängerinnen fühlen sich in vielen Gefilden zu Hause. Mit Recht. Denn „Good Bait“ ist nicht nur eine schöne, gelungene Leistungsschau, sondern auch einfach gute Unterhaltung.

Don Camillo : Good Bait. Spektral SRL4-09049, 2009.

(geschrieben für die neue chorzeit)

Geschrieben von matthias

5. Juli 2009 um 16:32

mal wieder: jazz und sinfonik gemixt (oder auch nicht)

keine Kommentare

Sinfonieorchester und – das sind zwei Welten, die sich oft sehr fremd sind. Und wenn es dann doch zu einem Rendezvous kommt, darf natürlich George Gershwins „Rhapsody in Blue“ auf keinen Fall fehlen. Aber der Klassiker ist wohl nie so zu hören wie beim Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters in der Phönixhalle. Doch schon in der ersten Hälfte war eine Menge guter Musik auf der Grenze zwischen und Sinfonik zu hören. Ohne großes Vorgeplänkel stiegen das Orchester mit der Unterstützung einiger -Solisten sofot in Earle Hagens „Harlem Nocturne“ ein. Und schon waren sie und das Publikum mittendrin im Hörkino, das direkt nach New York führte – einer Stadt, der die Musiker an diesem Abend noch öfters einen Besuch abstatten würden. Zunächst also Harlem bei Nacht, zu erleben beim eleganten Cruisen durch mehr oder weniger belebte Straßen. Reiche Bilder ziehen hier vorm inneren Auge vorbei. Und das liegt nicht nur am Komponisten, sondern vor allem an zwei Dingen: Den Arrangements von Sebastian Hernandez-Laverny, die die Imagination mit ihrer verschwenderischen Ideenfülle immer wieder zu Höchstleistung anfeuern. Und an den Musikern. Nicht nur das Orchester spielt engagiert swingend auf, auch Saxophonis Oleg Berlin sorgt mit glasklarem Ton und prägnanter Phrasierung für Jazzfeeling und Kurzweil. Drummer Gerhard Stütz und Bassist Götz Ommert liefern derweil ein solides Fundament und Hernandez-Laverny springt zwischen Dirigentenpult und Klavier flink hin und her, ergänzt sein immer wieder durch kurze pianistische Einwürfe.

Für mehr besondere Momente sorgt auch Malte Schäfer bei den Standards „Come, fly with me“ und „Fly me to the moon“. Der Bratscher ist diesmal ausschließlich als Sänger im Einsatz – aber dass dies nicht sein Hauptberuf ist, merkt man ihm nicht an: Locker und geschmeidig bringt er die Stimmung wunderbar auf den Punkt. Genau wie der Mainzer Klarinettist Ates Yilmaz, der bei Jorge Calandrellis virtuosem „Solfeggietto/Metamorphosis“ nach einer Vorlage von Carl Philipp Emanuel Bach ein echtes Heimspiel hat.

Apropos Heimspiel: Das hat auch Nick Benjamin, der mit launigen Moderationen dafür sorgt, dass Publikum entspannt und gut gelaunt bleibt – was angesichts der Menge guter Musik gar nicht nötig gewesen wäre. Das ganze kuluminiert schließlich in Gershwins „Rhapsody in Blue“. Die alleine wäre Hernandez-Laverny aber offenbar zu langweilig gewesen. Deswegen unterbricht er das Original immer wieder, um gemeinsam mit Ommert und Stütz mit weit ausholenden Improvisationen über Gershwins Themen dem ganzen noch mehr einzuverleiben. Ein sehr symphatischer Einfall, der – vor allem durch die phantasiereiche, energische und konzentrierte Improvisationskunst der drei Musiker – das Publikum zu Recht zu standig ovations hinreißt.

(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung.)

Geschrieben von matthias

26. April 2009 um 21:35

Switch to our mobile site