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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; roman</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur.</description>
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		<title>Leben</title>
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		<pubDate>Thu, 24 May 2012 07:32:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Das Leben ist kein Roman. Es ist die Aneinanderreihung von mehr oder weniger pointierten Kurzgeschichten.” — Manuela Reichart, Zehn Minuten und ein ganzes Leben]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Das Leben ist kein Roman. Es ist die Aneinanderreihung von mehr oder weniger pointierten Kurzgeschichten.”</p>
<div align="right">— Manuela Reichart, Zehn Minuten und ein ganzes Leben</p>

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		<title>Hausgemachter Islandroman</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 09:35:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer erz&#228;hlt denn hier &#252;berhaupt?? (107) Warum zieht Island eigentlich die Spinner an? Zumindest die gutm&#252;tigen? Wolfgang M&#252;ller ist ja schon eine Weile auf diese Spezialit&#228;ten wie Feen, Elfe und Kobolde — alles isl&#228;ndische Best&#228;nde — abonniert. Jetzt offenbar auch Albrecht E. Mangler. Mit „VERASCHUNG” (die Versalien sind Absicht), das &#252;ber Tubuk Deluxe (inklusive originaler [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>Wer erzählt denn hier überhaupt??</em> (107)</p></blockquote>
<p>Warum zieht Island eigentlich die Spinner an? Zumindest die gutmütigen? Wolfgang Müller ist ja schon eine Weile auf diese Spezialitäten wie Feen, Elfe und Kobolde — alles isländische Bestände — abonniert. Jetzt offenbar auch Albrecht E. Mangler. Mit „VERASCHUNG” (die Versalien sind Absicht), das über <a title="tubuk deluxe" href="http://tubuk.com/deluxe" target="_blank">Tubuk</a> <a href="http://tubuk.com/book/veraschung" target="_blank">Deluxe</a> (inklusive originaler Island-Asche!) den Weg auf meinen Lesetisch fand, ist jedenfalls ausreichend verrückt, um Mangler zu einem Ehren-Isländer zu machen.</p>
<p>Schon die ganze Aufmachung, das ewige drunter &amp; drüber, die zusätzlich eingeschobene Erzählerfiktion, das Casting für Figuren der Erzählung, … machen den Leser schwindlig. „Veraschung” ist nämlich vieles, aber eines bestimmt nicht: diszipliniert. Stattdessen ist das Büchlein, „der Island-Roman”, ausschweifend, undisziplinert, unbändig, wild, wirr (im besten, nämlich unterhaltenden Sinne das alles …) — und vor allem komisch. Mit allem, was das Erzählerherz und –hirn hergibt, wird gespielt: Mit Fußnoten, mit Ergänzungen, Verweisen, Pseudo-Interaktivität (inklusive <a title="vigo laflamme im netz" href="http://www.vigolaflamme.de/" target="_blank">Blog</a>, <a title="facebook" href="http://www.facebook.com/Vigolaflamme" target="_blank">Facebook-Account</a> — und mit „Warteseiten” im Buch, um die Zeit bis zur Auszählung zu überbrücken …) — das ist fast ein gedruckter Hypertext. Allerdings nur als Show, sozusagen, nur aufgesetzt, um möglichst viel Farbe und Verwirrung in den Lesefluss und den mehr oder weniger geneigten Leser zu bekommen … Dazu noch — nicht zu vergessen  (und auch nicht zu übersehen) — die Selbstreferenzialität auf verschiedenen Ebenen des Textes — eine furios Mischung, fast ein Lehrbuch der Narrativität.</p>
<p>Mangler zieht nämlich so ziemlich alle Register des (auch mal notorisch unzuverlässigen) Erzählens, unzählige Erzählerfiktionen, Fußnoten, Stimmenwechsel, der „Gastbeitrag” von Jökull Eldfellsson, der das ganze noch einmal unterbricht, aber auch die Mittel der Multimedialität (nicht nur Zeichnungen und Bildverweise, auch noch eine isländische Hobbyfotostrecke in der Mitte, stilecht auf Hochglanzpapier) und der Hyperfiktion, Spiel mit den Gattungen … so könnte man jetzt noch eine ganze Weile weiter aufzählen, was er sich so alles einfallen lässt bzw. was er von anderen übernimmt. Zum Glück für „Veraschung” ist das mit 127 Seiten gerade noch so im Rahmen, das der unaufhörliche Strom an erzählerischen Gimmicks noch auszuhalten ist — viel länger hätte ich das wohl nicht ertragen. Ach ja, so etwas wie eine „Fabel”, einen erzählerischen Kern, gibt es auch noch. Der ist aber fast banal, den brauche ich hier nicht zu referieren — ein bisschen muss dem Leser auch selbst überlassen bleiben. Schießlich ist das Entziffern und Entwirren desr Erzählknäuls ein wesenticher Teil des Spaßes — und das ist schon ein rundum amüsantes Spiel.</p>
<blockquote><p><em>Wer erzählt denn hier überhaupt??</em> (107)</p></blockquote>
<p>Albrecht E. Mangler: <a title="veraschung beim verlag" href="http://www.milena-verlag.at/index.php?item=literatur&amp;show_details=155" target="_blank">VERASCHUNG</a>. Der Island-Roman erzählt von Vigo LaFlamme. Mit einem Gastbeitrag von Jökull Eldfellsson. Wien: <a title="der verlag" href="http://www.milena-verlag.at/" target="_blank">Milena</a> 2011. 127 Seiten. ISBN <a title="worldcat" href="http://worldcat.org/isbn/9783852862101" target="_blank">978–3-85286–210-1</a>.</p>

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		<title>Die Gegenwart, das Gl&#252;ck und die Literatur</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 10:39:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<category><![CDATA[gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[literaturkritik]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwie, so habe ich manchmal den Eindruck, gibt es über die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zu viel und zu wenig Untersuchungen. Geschrieben wird viel und viel geschrieben über das Geschriebene. Aber nur ganz, ganz wenig davon gelingt überzeugend. Richard Kämmerlings Buch über „Das kurze Glück der Gegenwart”, in dem er sich der duetschsprachigen Literatur sein 1989 widmet, ist so ein Fall: Schön, dass ein Kritiker versucht, mehr zu tun als einzelne Bücher beim Erscheinen zu besprechen und in der Rückschau noch einmal zu ordnen. Schade, dass er es so tut.</p>
<p>Das fängt schon ganz vorne an, mit der  falschen Prämisse — und ist dann leider auch noch schlecht durchgeführt. Also: Kämmerlings verlangt, <sup class='footnote'><a href='#fn-4615-1' id='fnref-4615-1'>1</a></sup> dass die deutschsprachige Literatur gegenwartshaltig sei und ihren Leserinnen und Lesern die Welt der Gegenwart erklärt. Das ist natürlich irgendwie ein hehrer Wunsch, der zunächst einmal schlüssig scheint, aber doch Unsinn ist: Warum soll die Literatur das tun? Und warum soll sie es — das ist nämlich Kämmerlings Folgerung — unbedingt und aussschließlich mit Stoffen der angeblichen Gegenwart tun? Ist Literatur nicht etwas mehr als bloße Weltbeschreibung? Sollte sie es nicht sein? Ist das die „Aufgabe” der Kunst: Uns die Welt zu zeigen und zu erklären? Oder sollte sie sich nicht mehr um „uns” kümmern — wenn sie überhaupt irgend etwas „soll”?</p>
<p>Jedenfalls geht es für Kämmerlings darum: Autoren sollen ihre Stoffe aus den Erscheinungen der Gesellschaft der Gegenwart übernehmen und entwickeln, sie sollen die Kriege der letzten Jahre thematisieren, soziale Ungleichheiten, wirtschaftliche Entwicklungen, politisches Geschehen. Und sie sollen das offenbar gefälligst in lesbarer, nicht zu ausgefallener Prosa tun — etwas anderes kennt Kämmerlings in diesem Buch nicht: Romane sind  - trotz des damit als großsprecherisch sich erweisenden Untertitels — seine Form, mit einigen Ausflügen in kürzere Formen der erzählenden Literatur. Dramatische Texte haben zur Gegenwart nichts zu sagen? Und Lyrik auch nicht? — Das sieht wie ein typischer Fehlschluss eines Zeitungs-Kritikers aus, würde ich sagen, der mit seinen beruflich bedingten (?) Scheuklappen liest — in der Tat kommt in den deutschen Zeitungen die Lyrik schon nur extrem wenig vor, die dramatischen Texte als Texte (abseits der Performanz der (Ur-)Aufführung) eigentlich überhaupt nicht. Begründbar ist das in den Kunstwerken nicht, höchstens in der vermeintlichen Größe des Interesses der Leserschaft — selbst wenn man Gegenwartshaltigkeit als Maßstab anlegt, sollte man erkennen, dass dazu auch Lyrik und Drama einiges zu sagen haben können.</p>
<p>Leider klebt Kämmerlings dann auch noch über den allergrößten Teil der zweihundert Seiten bloß am Stoff der besprochenen Bücher: Über bloße Inhaltsangaben, knappe Referate des beschriebenen Geschehens mit ein paar Beispielsätzen geht er so gut wie nie hinaus. Sowie es um die eigentliche künstlerische Gestaltung geht, um Stilfragen, um Strukturen der Texte, ihre Formen und Gestalten, wird Kämmerlings ausgesprochen ungenau und nebulös — vielmehr als der „Ton” eines Autors bleibt meist nicht übrig von seiner Analyse. Das ist natürlich schade und ausgesprochen unbefriedigend. Denn es ist ja nicht so, dass er schlechte Bücher vorstellt …</p>
<p>Dafür spielen intertextuelle Netze, die Beziehungen — inhaltliche und temporale — zwischen den Texte, also auch so etwas wie „Schulen” des Schreibens, eine ganz große Rolle. Auch echte oder vermeintliche Vorbilder sind für Kämmerlings sehr wichtig — meist kommen sie aus der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Was dieses Nacheifern, dieses Schreiben auf Anregung anderer Texte, allerdings bedeutet, bleibt er wiederum gerne schuldig: Was heißt es denn, das diese Beziehung erkennbar ist? Für Kämmerlings scheint das eher ein Vorteil zu sein, ein Lernen von den (richtigen) Meistern. Aber warum soll mich das interessieren, ob Autor A jetzt B gekannt hat oder nicht? Neben diesen Beziehungen der Texte untereinander sucht Kämmrlings auch gerne äußere Anlässe für das Entstehen von literarischen Werken auszumachen. Und wieder ist mir nicht ganz klar, was das für das Verstehen (oder auch nur Erfahren) des Kunstwerkes helfen soll. Für ihn ist das aber wichtig, weil damit ja sein Gebot der Gegenwartsnähe erfüllt wird (bzw. zu werden scheint).</p>
<p>Die abschließende Liste der 10 besten Bücher der letzten 20 Jahre ist dann ja, nun ja, ein etwas seltsamer Gag. Irgendwie habe ich den Eindruck, das war eine Verlagsidee, der sich Kämmerlings auch nur etwas widerwillig gebeugt hat. Die Liste selbst bietet eine etwas merkwürdige Mischung, finde ich. Das sind ohne Zweifel gute Bücher — aber die besten? Rainald Goetz ist zum Beispiel mit „Abfall für alle” vertreten — warum „Klage” oder „Loslabern” schlechter sein sollen, erschließt sich mir nicht. Aber die beiden Bücher kennt Kämmerlings offenbar nicht, muss man vermuten — im Text selbst kommen sie nämlich auch nicht vor — und das ist mir völlig unverständlich. Ingo Schulzes „Simple Story” halte ich tendenziell ja auch für etwas überschätzt — das ist, genau wie Marcel Beyers „Flughunde” etwa so ein Buch, das jeder irgendwie gut finden kann. Warum Thomas Lehr ausgerechnet mit „Nabokovs Katze” auf der Liste gelandet ist, das ist mir auch wiederum nicht ganz klar — ich halte das nicht für sein bestes Buch.</p>
<p>Was bleibt als von Kämmerlings Versuch, die (?) deutschsprachige Literatur seit ’89 zu erfassen und zu erklären? Eine Menge Bücher werden angerissen, kurz vorgestellt, referiert — von denen mir durchaus einige wohl durch die Lappen gegangen sind (und durchaus einige sich vielversprechend anhören). Aber ganz, ganz vieles — und leider eben vieles unheimlich Gutes — fällt durch das Raster. Unverständlich bleibt mir einiges: Warum zum Beispiel Reinhard Jirgl nur einmal nur nebenbei erwähnt wird (die Kunst des name-dropping beherrscht Kämmerlings ziemlich gut …) — gerade in das Kapitel zum erinnernden Roman hätte er wunderbar gepasst. Und fraglich bleibt dann doch auch, ob man aus Büchern wie denen von Kurzeck (der etwas mehr Gnade findet als Jirgl, aber natürlich vor allem durch das unvermeidliche „proustsche” Erzählen charakterisiert wird) nicht genauso viel oder sogar mehr über uns und die Gegenwart lernen kann als aus vermeintlich aktuellen Büchern (was bei Kämmerlings ja nur und vor allem aktuelle Stoffe meint), die sich den spezifischen Situationen der Gegenwart, d.h. der letzten ca. 10 Jahre, widmen.</p>
<p>Aber das führt mich ja wieder an den Anfang: Die Forderung der Gegenwartshaltigkeit der Literatur ist meines Erachtens kunstfremder Unsinn, der — wie Ina Hartwig in der Süddeutschen ganz richtig anmerkte — der Literatur eine Stellvertreterfunktion zuweist: Sie soll erleben, was wir selbst nicht tun. Der Anspruch, Literatur müsse uns unsere „Gegenwart”  irgendwie erklären, ist aber ein falscher, der den Kunstwerken auch nur selten gut tut. Dafür gibt es Journalisten. Und bezeichnenderweise ist Kämmerlings von journalistischen Schreibweisen wie Moritz von Uslars „Deutschboden” eben auch sehr angetan — logisch, denn sie erfüllen eben seine Bedingung der Gegenwartsnähe und –beschreibung. Aber Kunst sollte doch etwas mehr sein. Und ist es ja auch immer wieder — Kämmerlings zum Trotz sozusagen.</p>
<p>Richard Kämmerlings. Das kurze Glück der Gegenwart. Deutschsprachige Literatur seit ’89. Stuttgart: Klett-Cotta 2011. 208 Seiten. ISBN <a title="worldcat" href="http://worldcat.org/isbn/9783608946079" target="_blank">978–3-608–94607-9</a>.</p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4615-1'>Ja, er verlangt das wirklich — er will, dass das die Autoren tun, er will ihnen vorschreiben, wie Literatur zu sein hat. Auch wenn er natürlich klug genug ist, eine solche präskriptive Ästhetik mit genügend Caveats zu versehen: Im Kern geht es ihm darum, eine bestimmte Art von Literatur als die (einzig) richtige zu setzen. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4615-1'>↩</a></span></li>
</ol>
</div>

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		<title>Als der Regen begann …</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Nov 2010 00:27:21 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>… damals …: <a href="/literatur/reinhard-jirgl-bekommt-den-georg-buechner-preis-2010/">Büchnerpreisträger</a> Reinhard Jirgl liest aus seinem wunderbaren Roman „Die Stille” — trocken, schlicht und nüchtern ganz auf den Text konzentriert. Aber leider nur ein ganz kurzer Ausschnitt …</p>
<p><object id="flashObj" width="540" height="302" classid="clsid:D27CDB6E-AE6D-11cf-96B8-444553540000" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=9,0,47,0"><param name="movie" value="http://c.brightcove.com/services/viewer/federated_f9?isVid=1&#038;isUI=1" /><param name="bgcolor" value="#FFFFFF" /><param name="flashVars" value="videoId=651201888001&#038;playerID=71239018001&#038;playerKey=AQ~~,AAAABDk7jCk~,Hc7JUgOccNrJEfCrmXm47o33h5TBn3UD&#038;domain=embed&#038;dynamicStreaming=true" /><param name="base" value="http://admin.brightcove.com" /><param name="seamlesstabbing" value="false" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="swLiveConnect" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><embed src="http://c.brightcove.com/services/viewer/federated_f9?isVid=1&#038;isUI=1" bgcolor="#FFFFFF" flashVars="videoId=651201888001&#038;playerID=71239018001&#038;playerKey=AQ~~,AAAABDk7jCk~,Hc7JUgOccNrJEfCrmXm47o33h5TBn3UD&#038;domain=embed&#038;dynamicStreaming=true" base="http://admin.brightcove.com" name="flashObj" width="540" height="302" seamlesstabbing="false" type="application/x-shockwave-flash" allowFullScreen="true" allowScriptAccess="always" swLiveConnect="true" pluginspage="http://www.macromedia.com/shockwave/download/index.cgi?P1_Prod_Version=ShockwaveFlash"></embed></object></p>

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		<title>Pimp my Lesung: Urs Widmer liest vor</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Oct 2010 16:11:27 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Begr&#252;&#223;ung — Verabschiedung — Interviewrunde zweimal — dazwischen noch musikalische Einlagen: Diese Lesung war gut organisiert. Aber mir war’s ein bisschen viel Tara … Die Kerzen passen nicht mehr auf den Geburtstagskuchen. So wird es also Zeit, dass der Jubilar nach 91 Lebensjahren sich auf die Reise macht. So passiert es dem Erz&#228;hler in Urs [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Begrüßung — Verabschiedung — Interviewrunde zweimal — dazwischen noch musikalische Einlagen: Diese Lesung war gut organisiert. Aber mir war’s ein bisschen viel Tara …</p>
<p><!-- p { margin-bottom: 0.21cm; } -->Die Kerzen passen nicht mehr auf den Geburtstagskuchen. So wird es also Zeit, dass der Jubilar nach 91 Lebensjahren sich auf die Reise macht. So passiert es dem Erzähler in Urs Widmers neuestem Roman „<a title="das buch beim perlentaucher" href="http://www.perlentaucher.de/buch/32600.html" target="_blank">Herr Adamson</a>“. Und so wünscht es sich wohl auch Widmer selbst. Denn der <a title="widmer als mainzer stadtschreiber" href="http://www.mainz.de/WGAPublisher/online/html/default/mkuz-5thh4c.de.html" target="_blank">Mainzer Stadtschreiber</a> von 2003 macht es bei seiner Lesung im Rathaus, die die Bücherei am Dom aus Anlass der Bibliothekswoche organisiert hat, immer wieder deutlich: Die Ähnlichkeiten zwischen ihm selbst und dem Ich-Erzähler sind kein Zufall. „Ich schreibe hier meinen eigenen Tod. Und das ist anstrengend. Das Vorlesen aber auch.“ — so pariert er dann nach seiner einstündigen Lesung gekonnt die erste Frage des Moderators Sven Herget.</p>
<p>Auch sonst verleitet ihn das große und ernste Thema der eigenen Sterblichkeit keineswegs zu besonderem Ernst. Im Gegenteil. Weder im Buch noch bei der Lesung kann Widmer seinen Schalk, seine lebendig ausufernde Fantasie verbergen. Schon sein Roman erzählt eine eigentlich ziemlich kuriose Geschichte: Der Ich-Erzähler trifft als Achtjähriger seinen Vor-Toten: Herr Adamson. Das ist der Mensch, der genau in dem Augenblick seiner Geburt gestorben ist. Mit ihm kommt er schon – sozusagen besuchsweise – ins Reich der Toten. Und dieser Vor-Tote wird ihn am Ende auch endgültig abholen in den Tod. Doch bis dahin passiert noch eine ganze Menge, diverse Verwicklungen legen ein Zeugnis von der reichen Einbildungskraft Widmers ab.</p>
<p>Widmer liest das natürlich nicht alles – sein dickes inzwischen gut abgegriffenes, benutztes und bearbeitetes Manuskript, aus dem er im Ratssaal vorträgt, würde für einige Lesungen ausreichen. Geschickt wählt er Auschnitte des Anfangs, mitten aus dem Geschehen und natürlich das Ende – und überbrückt die Lücken mit fast druckreifen Zusammenfassungen des Textes. Überhaupt liest Widmer so lebendig und frisch, dass man immer wieder vergessen kann, dass der Text ja längst in gedruckter Form vorliegt. Mit kleinen Gesten und geschickter Modulation erweckt der Autor den Anschein, er erzählte einfach eine Geschichte. Und zwar eine sehr fantasiereiche. Da glaubt man ihm aufs Wort, dass für ihn nicht nur Schreiben, sondern auch das Vorlesen zwar schwer sei, aber auch glücklich – und süchtig — macht. Die Gefahr besteht allerdings auch, wenn man Urs Widmer nur zuhört.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)</p>

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		<title>Zu Fu&#223; quer durch Amerika</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Oct 2010 10:30:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Tom McNab hat mit „Trans-Amerika” wahrscheinlich das beste Laufbuch geschrieben. Wobei die Einstufung als „Laufbuch” etwas schwierig ist, denn McNab hat einfach einen guten historischen Roman geschrieben. Dessen Sujet ist aber (zuf&#228;llig?) ein Lauf. Und nicht eben irgendein Lauf, sondern der erste Transkontinentallauf der Geschichte, von Charles Flanagan 1931 quer durch die USA. Das Laufen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tom McNab hat mit „Trans-Amerika” wahrscheinlich das beste Laufbuch geschrieben. Wobei die Einstufung als „Laufbuch” etwas schwierig ist, denn McNab hat einfach einen guten historischen Roman geschrieben. Dessen Sujet ist aber (zufällig?) ein Lauf. Und nicht eben irgendein Lauf, sondern der erste Transkontinentallauf der Geschichte, von Charles Flanagan 1931 quer durch die USA. Das Laufen der über 5000 Kilometer langen Strecke an sich ist aber nicht das Zentrum dieses Buches, sondern der soziale Rahmen, der Mikrokosmos des Läufer-Trosses, die sozialen Interaktionen innerhalb dieser eher zufällig zusammengewürfelten Gruppe und ihre Interaktionen mit dem Umfeld, dem Rest der Welt — einzeln und als Gruppe.</p>
<p>Der Trans-Amerika-Lauf, den McNab hier beschreibt (er stützt sich lose auf ein real stattgefundenes Rennen, den Bunion Derby von 1928), ist eine professionelle Veranstaltung, die dem Profit des Unternehmers Charles C. Flanagan dienen soll — über den Umweg der Unterhatlung für die Zuschauer. Das Laufen ist also nicht ein Selbstverwirklichungstrip wie heute so oft. Die Probleme der Organistation und der Läufer sind aber ähnliche wie bei heutigen Unternehmungen diesen Kalibers, wobei die rein läuferische Bewältigung dieser Strecke und die damit verbundenen Probleme zwar vorkommen, aber insgesamt eine nachrangige Stellung einnehmen.</p>
<p>Der Lauf startet mit einem riesigen Starterfeld von über 2000 Läufern, das schnell ausdünnt, dann aber ziemlich stabil bleibt und am Ende in New York noch fast 1000 Läufer umfasst, von denen einig zwischendurch noch an obskuren Leichtathletik-Tunieren teilnehmen, Boxwettkämpfe bestehen oder gegen ein Rennpferd antreten. Immer mit den entsprechenden Wetten. Denn es geht vor allem ums Geldverdienen: Laufen als Geschäft — aber eben als Unterhaltungsgeschäft, für die Zuschauer und als Anlass für Wetten. Die Ausrichtugn war also eine andere als heute, die Perspektive verschob sich. Das alles siedelt McNab in einem genialen Setting an — zur Zeit der Wirtschaftskrise gibt es genug arme Schweine, die das als Strohhalm begreifen und die Gruppe der Läufer entsprechend bunt zusammengewürfelt erscheinen lassen. McNab fokussiert dabei erzählerich auf eine kleine Gruppe an der Spitze: „Doc” Cole, „Iron Man” Morgan, Hugh McPhail, Lord Thurleigt — und die einzig Frau, die von Los Angeles bis New York durchhält, Kate Sheridan … Dazu mixt er ein wenig Romanze (zwischen Kate und Morgan, Flanagans Sekretärin Dixie und Hugh). Geschickt setzt er wechselnde Foki zwischen Läufer und Veranstalter, Außen– und Innensicht durch Einbeziehung der begleitenden Reporter und ihrer Veröffentlichungen ein, um gestalterische und inhaltliche Abwechslung zu erzeugen. Das sportliche (oder wirtschaftliche) Ereignis wird noch dazu auch politisch verknüpft — mit Edgar J. Hoover und seinem FBI, dem amerikanischen Präsidenten und den Gewerkschaften und so einigen wirtschaftlichen Intrigen udn Hinterhalten, die Flanagan meistern muss — und mit Hilfe der grandiosen Läufer und ihrer heldenhaften Kameradschaftlichkeit auch bewältigt.</p>
<p>Diese Mischung aus Intrigen und Liebschaften, Sport, auch etwas Doping (in der deutschen Mannschaft, mit Kokain und ähnlichem), die Verbindung von Heldentum und prosaischem Überlebens-„Kampf”, das alles ergibt ein sehr, sehr buntes Tableau menschlicher Fähigkeiten und Handlungen, die McNab geschickt miteinander verknüpft und in die große Rahmenerzählung, den langsam fortschreitenden Lauf quer durch Amerika, einbettet. Das klingt schon hier viel, und es ist auch viel. McNab hat das aber gut im Griff, seine Gestaltung ist sehr abwechslungreich, seine Phantasie ermöglicht ihm lebendige Schilderungen der Szenerie und der Geschehnisse, sein Stil ist halbwegs elegant und flüssig zu lesen (auch wenn einige Härten drin stehenbleibn, die teilweise aber auch nach Übersetzungsproblemen aussehen). Und beim Lesen vergisst man dann gerne, dass das komplett fiktiv ist. Der Roman gibt sich aber auch sehr geschickt (auch mit der „Nachbemerkung”, die die weiteren Karrieren der Hauptfiguren auflistet) den Anschein historischer Realität. Immerhin gab es 1928 ja auch so etwas ähnliches, das „Bunion Derby”, von Charles C. Pyle auf der selben Route ausgerichtet — allerdings mit der realistischeren Zahl von 275 Startern und lediglich 55 Finishern.<sup class='footnote'><a href='#fn-4360-1' id='fnref-4360-1'>1</a></sup></p>
<p>Tom McNab: Trans-Amerika. Berlin: Aufbau Taschenbuch 2010 (Aufbau 2008). 551 Seiten. ISBN <a href="http://www.worldcat.org/oclc/575035828">978–3-7466–2584-3</a>.</p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4360-1'>Einen knappen <a href="http://www.runningtimes.com/Print.aspx?articleID=9386">Aufriss</a> der Geschichte dieses Laufes gibt es bei runningtimes.com: <a href="http://www.runningtimes.com/Print.aspx?articleID=9386">klick</a>. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4360-1'>↩</a></span></li>
</ol>
</div>

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		<title>Drachentocher: Aufwachsen, Leben &amp; Rebellieren in der DDR</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Oct 2010 19:30:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<category><![CDATA[20. jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[belletristik]]></category>
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		<description><![CDATA[Die „Drachentocher” von Kerstin Młynkec ist ein besonderes Buch. Besonders etwas in der Brutalit&#228;t des Inhalts und ihrem Niederschlag in der Sprache: Erz&#228;hlt mehr oder weniger in der Ich-Form (Ich kann varriieren in seiner Gestalt im Text …) von der Kindheit und Jugend und fr&#252;hen Erwachsenenzeit einer absoluten Au&#223;enseiterin in der DDR, die — uneheliches Kind, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die „Drachentocher” von Kerstin Młynkec ist ein <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/17840.html">besonderes</a> <a href="http://www.literaturkritik.de/public/buecher/Buch-Info.php?buch_id=14301">Buch</a>. Besonders etwas in der Brutalität des Inhalts und ihrem Niederschlag in der Sprache: Erzählt mehr oder weniger in der Ich-Form (Ich kann varriieren in seiner Gestalt im Text …) von der Kindheit und Jugend und frühen Erwachsenenzeit einer absoluten Außenseiterin in der DDR, die — uneheliches Kind, halbe Sorbin, halb asozial, halb analphabetisch, jedenfalls im fortwährenden — auch körperlichen — Konflikt mit Mutter und Staat bzw. seinen Fürsorgeinstitutionen (die so fürsorglich nicht of sind) und ihren personellen Verkörperunge, im Erziehungsheim, in der Schule, bei der Ausbildung und in verschiedenen Betrieben — nicht ihren Lebensweg, sondern eher ihren Leidensweg hier beschreibt …</p>
<p>Das wäre wahrscheinlich nur mittelmäßig interessant, wäre da nicht die absolut einmalige sprachliche Form, in der Młynkec dies in ihrem Erstling erzählt. Sie tut das absolut brutal teilnahmslos und grandios poetisch zugleich: Dieser Roman ist eine Mischung aus teilnehmender Selbstbeobachtung und Verarbeitung durch radikale Poetisierung — immer wieder passieren da kleine Wunder. Man müsste sich nur die Personennamen anschauen, die auf ihre Weise sprechend sind und kleine Sprachkunstwerke, Minimal-Gedichte sozusagen. Das alles wird dann aber in einer derart simplen paratakischen Reihung erzählt, die von der ersten Seite bis zum letzten Satz fast vollständig ohne Kon– oder Subjunktionen auskommt und damit in ziemlich großartiger Weise mit der poetischen Sprache der Sätze, ihren abwegig-schönen Vergleichen vor allem, in Konflikt gerät. (Und die steht ja wiederum in Konflikt zum Inhalt, der eigentlich nie zu dieser Schönheit passen mag — höchstens wenn die Erzählerin sich kurze Momente der Freiheit, des Bei-sich-selbst-Seins ermogelt und schafft: auf dem Pferderücken.)</p>
<p>Der Weg der Außenseiterin oder (stillen) Rebellin führt die namenlose Protagonistin bis in die Obdachlosigkeit (in Berlin, Prenzlauer Berg), mit und ohne Arbeit. Sie stellt einen Ausreiseantrag, unternimmt einen fast geglückten, aber abgebrochenen Fluchtversuch am Brocken, forciert die (Wieder-)Entdeckung der sorbischen Wurzel als wesentlichen Identitätsbaustein und der sorbischen Sprache als dessen Ausdruck. Aber auch das klappt nicht so richtig nachhaltig: „Meine Identität ist nur noch ein Käfig, aus dem der Papagei längst entflogen ist.” (279) Oder etwas später: „Ich bin Sorbin. Ob das ein Problem ist, weiß ich nicht, ein Politikum auf jeden Fall.” (283)</p>
<p>Das Buch ist so voller Seltsamkeiten, gesuchten und wunderschönen Vergleichen, ungewöhnlichen Bildern, starken Metaphern, dass irgenwann nur noch die größten Aberationen auffallen. Zum Beispiel „ÿbl” — wirklich mit Diärese über dem y — was das sein soll, ist mir völlig unklar? Vielleicht eine Markierung, ein gezielt eingesetzter Fremdkörper, so wie das „Übel” von außen auf die Erzählerin hereinbricht, in sie kommt. Es taucht allerdings auch in anderen Zusammenhänge, zusammen als „ÿblegte” auf, die so nicht unbedingt zu erklären sind …</p>
<p>Das ist faszinierend, ungeheuer mitreißend in seiner atemlosen Schönheit und hastig pulsierenden Gewaltigkeit der Brutalität, die hier — personell und institutionell — gegen ein Individuum oder (besser gesagt) ein menschliches Wesen, das gerade erst ein Individuum werden mill/möchte/sollte und so mit aller Gewalt immer wieder daran gehindert wird.</p>
<p>„Drachentochter” endet — natürlich, wie das momentan bei Romanen über die DDR so üblich ist — mit dem Fall der Grenze (in Berlin) in Kapitel 24 und einem kurzen Ausblick in die folgende Freiheit und ihrer Irrungen (das Ende in Südostasien und Südamerika ist sicherlich der schwächste Teil des Buches), was gleich für eine Reise zu Brigitte Bardot genutzt wird:</p>
<blockquote><p>Der französische Grenzpolizist guckte tief ins Archiv meines DDR-Reisepasses. Er fand heraus, daß ich mit dem Ausweis eines Lndes reiste, das schon längst von der Weltkarte verschwunden ist. „Der Weltuntergang fängt ganz klein an”, sagte ich, und er ließ mich bis zum Krater passieren, in dem die DDR verschwunden war. So kam ich nach Berlin, gerade nochrechtzeitig, um die alte Währung gegen die Hälfte der neuen einzutauschen. (270)</p></blockquote>
<p>Mein Lieblingssatz des Buches ist dieser hier:</p>
<blockquote><p>Ein Mähdrescher entkornte gerade Roggen, das abgeschnittene Blondhaar des Sommers hinter sich werfend. (225)</p></blockquote>
<p>Aber von denen gibt es da ganz, ganz viele, so dass „Lieblingssatz” vielleicht doch übertrieben ist …</p>
<p>Kerstin Młynkec: Drachentochter. Reinbek: Rowohlt 2005 (Berlin 2004). 288 Seiten. <a href="http://www.worldcat.org/oclc/76561511">ISBN 3–499-23972–8</a>.</p>

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		<title>Wahrheit oder Leben</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 18:49:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Romane zum Preis von Einen. Oder auch nicht. Eigentlich ist ja doch nur einer, „Die Leinwand” von Benjamin Stein, der im „Turmsegler” auch ein sehr interessantes Blog hat. Aber er wird doppelt erzählt, mit Jan Wechsler und Amnon Zichroni als Zentren der jeweiligen Teile. Und damit auch jeder die Besonderheit merkt, sind die beiden Teile so gedruckt, dass man das Buch von jeder Seite beginnen kann: „Zwei Hauptwege und verschlungene Nebenpfade führen durch diesen Roman. Hinter jedem Umschlag befindet sich ein möglicher Ausgangspunkt für das Geschehen. Es ist Ihnen überlassen, wo Sie zu lesen beginnen.” — so heißt es auf dem Umschlag. Man darf aber auch zwischen jedem der 11 Kapitel die Leserichtung wechseln. Ich fing mit Ammon Zchroni an, las das komplett und wechselte erst dann zum Jan-Wechsler-Teil. Keine Ahnung, ob es eine bessere Variante gibt ;-).</p>
<p>Worum geht es: Um Wahrheit, um Erinnerung, ums Gedächtnis — und vor allem die ganzen Probleme, die damit zusammenhängen. Die trügerische Erinnerung, der unklare Status von Erinnerungen, und immer wieder die Frage: Was ist hier die Wahrheit? Was ist passiert? Was wird wie warum erinnert? Ziemlich am Anfang des Wechsler-Teiles, auf der Seite W.14 heißt es:</p>
<blockquote><p>Niemand wüsste besser als ich, dass die Grenze zwischen Realität und Fiktion in jeder Erzählung mäandernd inmitten der Sprache verläuft, getarnt, unfassbar — und beweglich. Selbst das Wort „Wirklichkeit” führt ins Unwägbare.</p></blockquote>
<p>Damit ist eigentlich schon fast alles über diese großartige Buch gesagt. Die Story ist entsprechend elaboriert. Der Zichroni-Teil erzählt die Geschichte eines mehr oder weniger strenggläubign Juden, seine Ausbildung, seine Zweifel und Glaubensanfechtungen, aber auch seine Festigkeit im Glauben. Jan Wechsler ist ein Schriftsteller (oder auch nicht, er ist sich selbst da extrem unsicher, weil sein Gedächtnis ihn systematisch im Stich lässt), der im Endeffekt Zichroni umbringt — oder umgekehrt, je nach Erzählrichtung. Die fehlende Erinnerung, ihr trügerische (Un-)Sicherheit wird so zum Kriminalfall, das eher philosophische Problem des Status der „Wahreheit” hat auf einmal handfeste Konsequenzen. Dazu kommt noch, damit eng verknüpft, die Frage der Identität des Menschen — bin ich, was ich erinnere? Gibt es einen „wahren” Kern der Identität, die (auch) außerhalb mir selbst, meiner — ja sowieso unzuverlässigen — Erinnerung liegt? Die ganzen „großen” Themen werden zwar sehr deutlich, aber — und das ist dann halt einfach das Schöne an diesem Buch — sie bleiben in die Erzählung wunderbar harmonisch eingebettet: Klar, man merkt recht schnell, worum es dem Autor geht. Aber die story bleibt spannend, die Erzähler können mit ihrer oft weit ausholenden, allen Nebenpfaden nachgehenden, aber genau konstruierten Erzählung trotzdem weiterhin fesseln.</p>
<p>Das entwickelt ziemlich schnell einen deutlichen Sog — vor allem der Zichroni-Teil hat mich sehr gefesselt: Mit seinen sehr farbigen Beschreibungen, seinen ausgesuchten Vergleichen und poetischen Stil — der Wechsler-Teil ist deutlich prosaischer, zumindest kam es mir beim Lesen so vor. Aber irgendwie gelingt es mir gerade nicht, die Freude und Begeisterung meiner Lektüre in Worte zu fassen … Gregor Keuschnig hat dagegen eine nicht nur sehr umfangreiche, sondern auch ziemlich gute und genaue <a href="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/6174948/" target="_blank">Inhaltsangabe</a> für das „<a title="begleitschreiben" href="http://begleitschreiben.twoday.net/" target="_blank">Begleitschreiben</a>” geschrieben. Einige weitere Reaktionen lassen sich über den oben erwähnten <a title="&quot;Die Leinwand&quot; beim Turmsegler" href="http://turmsegler.net/die-leinwand/" target="_blank">Turmsegler</a> oder beim <a title="&quot;Die Leinwand&quot; beim Perlentaucher" href="http://www.perlentaucher.de/buch/33727.html" target="_blank">Perlentaucher</a> finden — die meisten sind ziemlich positiv, was ich gut nachvollziehen kann.</p>
<blockquote><p>Die Welt <em>in</em> mir war für micht die Welt. (W.75)</p>
<p>Ich bin, woran ich mich erinnere. Etwas anderes hab ich nicht. (W.121)</p></blockquote>
<p>Benjamin Stein: Die Leinwand.Roman. München: Beck 2010. ISBN <a href="http://www.worldcat.org/oclc/587651044">978–3-406–59841-8</a>.</p>

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		<title>Juli Zeh, Corpus Delicti</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Jan 2010 15:11:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>… habe ich gelesen auf der Reise von Venedig zurück nach Mainz.</p>
<p>Ein Thesenroman. Reinsten Wassers. Und durchaus oberster Güteklasse. Aber eben mit all den typischen Problemen — Man merkt die Absicht und ist verstimmt (oder so ähnlich). Nun hielt sich die Verstimmung bei mir extrem in Grenzen, weil ich dem Ziel Zehs, dem freien statt dem sicheren Menschen voll zustimme und stark sympathisiere. Das ändert aber wenig daran, dass der Roman — der sich im Untertitel als „Ein Prozess” ausgibt (Gerichtsverhandlung und Entwicklung — natürlich ist beides gemeint … [und diese absolut durchschaubare Doppeldeutigkeit ist typisch für das Buch {leider, meines Erachtens, den semantische Leerstellen sind interpr), künstlerich eher mittelmäßig ist. Ok, die Informationsvergabe ist ganz gut gelungen, sie entwickelt sich halbwegs ungezwungen (am Anfang freilich mit hohem Tempo — und bewusst auf Klarheit der message ausgerichtet).</p>
<p>Worum geht’s? Um einen Staat der Zukunft, in dem Normalität als Gesundheit definiert wird (bzw andersrum) und Krankheit demzufolge abgeschafft ist — gesellschaftlich und privat. Das bedarf natürlich einiger Vorkehrungen … Jedenfalls gerät die Hauptfigur, eine Biologin, mit diesen staatlichen Vorkehrungen, genannt die „Methode”, in Konflikt. Und entwickelt sich zur Widerständlerin auf sehr eigenen Weise, zu einer Art Revolutionärin ohne Revolution. Jedenfalls zu einem Problem für die „Methode”, dass mit allen Mitteln gelöst und schließlich beseitigt werden muss — nicht ohne einige Verwicklungen natürlich. Durch die Montage verschiedener Ebenen, u.a. auch die eines Putzfrauen-Trios, wird das ganz harmonisch in seiner Vielstimmigkeit und Perspektivität. Aber nichtsdestotrotz bleibt die Botschaft klar: Ohne Freiheit ist der Mensch kein Mensch mehr, ist das Leben keine Leben mehr, sondern nur noch Existenz. Die mag zwar sorgen-, schmerz– &amp; krankheitsfrei sein, aber eben ohne Leben. Die Parallelen zu aktuellen Diskussionen sind wohl mehr als zufällig ;-). Und auch mehr als deutlich … Das, es klang oben ja schon an, mindert meine Begeisterung für dieses Buch etwas: Dass die Phantasie zu wenig ausgereizt wird, die Vorstellungkraft zu blass scheint — auch um den Preis der etwa unvollkommenen Vermittlung der zentralen Textbotschaft wäre das doch etwas spannender gewesen. Für mich zumindest. Aber man kann ja nicht immer alles haben.</p>
<p>Juli Zeh: Corpus Delicit. Ein Prozess. Frankfurt am Main: Schöffling 2009.</p>

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		<title>jirgl erh&#228;lt den feuchtwanger-preis</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 07:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[geschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[lion feuchtwanger]]></category>
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		<description><![CDATA[reinhard jirgl, in meinen augen einer der ganz wenigen ganz gro&#223;en lebenden deutschen schriftsteller (in der bedeutung als sprach-k&#252;nstler) erh&#228;lt heute den lion-feuchtwanger-preis f&#252;r historische romane. fast ein wenig ironisch, diese auszeichnung. denn auch wenn jirgls romane sich thematisch mit der vergangenheit besch&#228;ftigen (zwar nicht unbedingt in erster linie, wie es die pressemitteilung der akademie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>reinhard jirgl, in meinen augen einer der ganz wenigen ganz großen lebenden deutschen schriftsteller (in der bedeutung als sprach-künstler) <a href="http://www.adk.de/de/aktuell/pressemitteilungen/index.htm?we_objectID=24611#">erhält heute den lion-feuchtwanger-preis</a> für historische romane. fast ein wenig ironisch, diese auszeichnung. denn auch wenn jirgls romane sich thematisch mit der vergangenheit beschäftigen (zwar nicht unbedingt in erster linie, wie es die pressemitteilung der akademie der künste will, mit „mit heißen Eisen, die sonst keiner anfassen mag”), so fällt mir ihre charakterisierung als „historische” romane doch eher schwer. das liegt natürlich zum einen an der form/kategorie selbst, die ja in der regel nur ein zerrbild ihrer selbst ist, zum anderen aber auch an jirgls texten — denn in meiner lektüre gibt es kaum gegenwärtigere texte als jirgls romane. da ist die titulierung als „historisch” eben eher ungewöhnlich. die charakterisierung als „historiographische metafiktion”, auch wenn sie ein begriffliches ungeheuer ist, scheint mir — als ((post-)moderne) variante und fortsetzung des „klassischen” historischen romans für jirgl geeigneter. aber dafür gibt es (noch) keine preise.</p>

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