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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; robert schumann</title>
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		<title>Taglied 13.4.2012</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Apr 2012 19:01:48 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Waldeinsamkeit/In der Fremde — das Gedicht war gestern im Lyrikkalender, heute in der wunderschönen Vertonung von Robert Schumann, von der es nicht gerade wenige gute Aufnahmen gibt …:</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=0krJE9ng64k">http://www.youtube.com/watch?v=0krJE9ng64k</a></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=0krJE9ng64k"><img src="http://img.youtube.com/vi/0krJE9ng64k/default.jpg" width="130" height="97" border=0></a></p>

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		<title>Der Mann mit der Schmetterlingshand</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Aug 2011 18:01:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er hat H&#228;nde wie ein Schmetterling: Nicht nur auf den Tasten schweben sie, in jeder Pause, vor jedem Einsatz setzen sie zu einem kleinen Flug durch die Luft an. In jede Pause schwebt die Hand von den Tasten in den Luft, die Finger flattern und schwingen wie ein Schmetterling von Bl&#252;te zu Bl&#252;te, bevor sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er hat Hände wie ein Schmetterling: Nicht nur auf den Tasten schweben sie, in jeder Pause, vor jedem Einsatz setzen sie zu einem kleinen Flug durch die Luft an. In jede Pause schwebt die Hand von den Tasten in den Luft, die Finger flattern und schwingen wie ein Schmetterling von Blüte zu Blüte, bevor sie wieder ein – vorübergehendes – Ziel finden und sich auf den Tasten niederlassen. Olli Mustonen ist ein faszinierender Pianist. Und nicht nur wegen seiner Fingertänze.</p>
<p>Alles kommt aus ihm. Nicht, weil er die Musik für seinen Auftritt im Schloss Waldthausen umformt. Sondern weil er sie sich vollkommen zu eigen macht. Ob Robert Schumann, Alexander Skrjabin, Rodion Schtschedrin oder Bohuslav Martinů: Jede Musik, die er in Angriff nimmt, zeichnet sich schließlich durch ungeheure Dringlichkeit aus. Das muss er jetzt spielen, genau so, genau in diesem Moment, es drängt geradezu aus ihm heraus. Obwohl natürlich auch Mustonen schon vor Monaten genau festgelegt hat, was er im Schloss Waldthausen, an diesem speziellen Abend, beim <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainz-klassik.de/content/view/14/14/" title="Mainzer Musiksommer" target="_blank">Mainzer Musiksommer</a></span>, spielen wird. Und doch ist in seinem Spiel eben immer wieder die Frische, die neugierige Begeisterung des Entdeckers zu hören: Alle seine Töne atmen Unmittelbarkeit. Ob das die Frucht eines Mönchs oder eines Magiers ist, bleibt unentschieden. </p>
<p>Wie ein Schmetterling plötzlich auftaucht, so unmittelbar wechselt er die Klangfarbe, wenn es nötig ist. Das heißt aber nicht, dass er ausschließlich sanft und zurückhaltend vorsichtig spielen würde: Sobald es nötig wird – und es erscheint ihm öfter nötig, als man glauben möchte – wird aus der Schmetterlingshand ein jagender Adler: Der kreist noch kurz über der Tastatur, stürzt dann im todsicheren Sturzflug rapide hinab, trifft natürlich unweigerlich die richtige Taste. Aber auch den richtigen Ton: Mustonen ist genau, was seine Klanggestaltung angeht, überaus genau.</p>
<p>Und immer wieder fliegt der Schmetterling dazwischen – Mustonen lockert die Hand und die Finger für neue Abenteuer. Ob das in den sattsam bekannten Kinderszenen Schumanns ist oder den nur selten gespielten Präludien &amp; Fugen von Schtschedrin: Klangkombination ist sein große Thema, am besten zu erfahren in den zart abgetönten Akkorden. Kein Wunder: Im Zentrum des Abends steht schließlich Skrjabin, der große Klangkünstler. Mustonen beweist das zunächst mit den Préludes op. 13 und 16, und dann vor allem mit dem späten „Poème“, „Vers la flamme“. Wirklich als ein sprachloses Gedicht erklingt das, unvergleich schön und berauschend. Wie ein Schmetterling eben: Der Flug sieht wie ein Taumeln aus, ist aber schön und zielgerichtet. Und so spielt auch Mustonen: Die Form der Musik ist oft kaum erkennbar, aber das Erlebnis der Reinheit und Freiheit des Klangs überdeckt alle Mängel. </p>
<p>(geschrieben für die <a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de">Mainzer Rhein-Zeitung</a>.)</p>

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		<title>Hoffnungslose Sch&#246;nheit: Sokolov spielt Bach, Brahms &amp; Schumann</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Aug 2010 19:08:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Scheu wie ein Gespenst huscht der Musiker im Halbdunkel zu seinem Instrument, kaum scheint er das Publikum wahrzunehmen, eine kanpp angedeutete Verbeugung muss reichen und auch der sp&#228;ter tosende Applaus scheint ihm eher l&#228;stig als angenehm. Aber es ist ein Geist mit besonderen F&#228;higkeiten – denn Grigory Sokolov kann Klavier spielen wie kaum jemand sonst. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Scheu wie ein Gespenst huscht der Musiker im Halbdunkel zu seinem Instrument, kaum scheint er das Publikum wahrzunehmen, eine kanpp angedeutete Verbeugung muss reichen und auch der später tosende Applaus scheint ihm eher lästig als angenehm. Aber es ist ein Geist mit besonderen Fähigkeiten – denn Grigory Sokolov kann Klavier spielen wie kaum jemand sonst. Die <a href="http://www.burghofspiele.de/">Burghofspiele</a> brachten den russischen Meister alter Schule für ein Recital ins Wiesbadener Kurhaus. Und er brachte ein Programm mit, das von Bach über Brahms bis Schumann reichte. </p>
<p>Schumanns Klaviersonate op. 14 f-Moll war dabei nicht nur der Schluss eines großen Klavierabends, sondern zweifellos auch der Höhepunkt. Sokolov, der sich für die fünfsätzige Version dieses „Konzertes ohne Orchester“, wie eine frühe Form der dritten Sonate noch übertitelt war. Und er entschied sich für radikale Klarheit. Von der oft etwas verwirrenden polyphonen Struktur des ersten Satzes über die drastische Deutlichkeit der energischen Scherzi zu den virtuos-verspielten Variationen des vierten Satzes und dem rasenden Finale: Unter Sokols Händen entwickelt das eine unbarmherzige Folgerichtigkeit, eine unüberhörbare Prägnanz nicht nur der zahllosen Details, sondern auch des gesamten Zusammenhangs der Sonate.<br />
Was hier funktioniert, mehr noch, wirklich begeistern kann, wird in Bachs zweiter Partita stellenweise aber fragwürdig. Dann nämlich, wenn Sokols Insistieren auf der Wichtigkeit bestimmter Momente, sein permamentes „Überhöre das nicht! Das ist wichtig!“ Gefahr läuft, zu einseitig zu werden, wichtige Teile der Komposition, insbesondere die lebendig-freudige Seite einfach zu verschweigen.</p>
<p>In den sieben Fantasien op. 116 von Johannes Brahms wird diese Tendenz noch stärker. Sicher, seine absolut überragende Technik, sein stark fokussierter Ton und seine ungeheuer ausdifferenzierte Dynamik stehen ihm weiter zur Verfügung. Aber über weite Strecken wirkt diese Musik verdammt unmenschlich und abweisend. Denn Sokolov entäußert sie all ihrer Hoffnung, ihrer – eigentlich durchaus vorhandenen – positiven Energie. Immer wieder scheint ihn ausschließlich das Brüchige, das Zerbrochene zu interessieren. Die schmerzhaften Kanten und Ecken, die Verluste und Entbehrungen, Enttäuschungen und Verrat dominieren alles. Sie tun dies allerdings auf eine unbestreitbar faszinierende Weise – denn Grigory Sokolov beherrscht sein Handwerk eben in außerordentlichem Maße: Sie blitzen und funkeln, donnern und grummeln mit Stärke und überklarer Deutlichkeit und lassen zumindest zeitweise gerne vergessen, dass das hier nicht unbedingt der ganze Brahms ist. </p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)<img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/dd91e0399f8f48c592f4e937113628e2" width="1" height="1" alt=""></img></p>

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		<title>Weltdeutung mit Mahler</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Jun 2010 19:11:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wieder nicht nur überwältigend, sondern auch einleuchtend und sinnstiftend: Die Erinnerungsgewebe der fünften Sinfonie Mahlers. Und live nochmal so gut — mit diesen Klangmassen, ihrer Ballung und Differenzierung kommt keine Hifi-Anlange mit. Selbst wenn es nur die akustisch sehr langweilige, mittelmäßige Rheingoldhalle ist.</p>
<p>Spätestens um 21.32 Uhr war es um das Publikum geschehen: Da hob der berühmteste Teil von Gustav Mahlers fünfter Sinfonie an, das Adagietto des vierten Satzes. Und damit hatte der junge Finne Pietra Inkinen mit dem famosen SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg auch die letzten Zweifler unter den Zuhörern in der Rheingoldhalle von seinem Können überzeugt. Denn er wählt nicht den einfachsten Weg – reine Sentimentalität verbietet sich ihm hier, das ist seit der Verwendung dieser Musik für Luchino Viscontis Film „Tod in Venedig“ keinem ernsthaften Musiker mehr eine Option. Aber Inkinen weicht auch nicht einfach ins Gegenteil, die kühl e analytische Exekution des Notentextes aus. Nein, er sucht zu vermitteln, zwischen Kitsch und Wissenschaft, zwischen triefendem Schmalz und knöcherner Erbsenzählerei. Und das gelingt ihm mit dem SWR-Sinfonieorchester ziemlich gut.</p>
<p>Geschmeidig im Ton und flexibel in allen Dimensionen steht ihm von Anfang an und immer wieder die Vielfalt besonders hoch im Kurs: Viel Zeit lässt er dabei freilich weder sich noch Mahlers Musik. Und manchmal laufen auch einige Fäden ins Leere, lässt er die eine oder andere Masche fallen. Insgesamt aber gelingt ihm ein erstaunlich konzises Gewebe, das die Einheit der Vielheit zelebriert: Jede Idee, jede Harmonie mit sich selbst und der Welt, jeder Frieden und jede Erlösung sind in dieser Musik nur vorübergehend. Sie können zwar wieder erscheinen – aber niemals gleich. Stetig treibt der Dirigent sein Orchester nach vorn, drängt immer weiter, auf der Suche nach der nächsten Sensation und dem nächsten Glücksmoment. Und davon gibt es viele. Etwa der Augenblick, in dem die Trompetenfanfare des ersten Satzes vom Totenmarsch zur Elegie wird. Oder die Apotheose im Geschwindmarsch des Finales. Oder das bestens organisierte Chaos des Scherzos.</p>
<p>Auch zusammen mit dem Pianisten Nicholas Angelich in Robert Schumanns Klavierkonzert wurde zuvor schon einiges beglückendes geleistet. Denn auch hier verlieren sich weder Dirigent noch Solist im romantischen Sehnsuchtsbrei. Gerade Angelich befeuert das romantischste aller Klavierkonzerte mit strahlenden Ton sehr deutlich. Diese klare Brillanz, an manchen Stellen strategisch geschickt zurückgenommen, paart sich mit luzidem Orchesterklang und forschen Tempi zu einer sehr selbverständlich gelingenden Einheit. Selbstverständlich, dass die beiden dafür auch entsprechend gefeiert werden.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>)</p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/810da2c2afeb42d48d27d751aa4f3023" width="1" height="1" alt=""></p>

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		<title>schumann, schumann, schumann</title>
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		<pubDate>Sun, 02 May 2010 16:18:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[nein, nicht robert, eusebius und florestan. einfach drei mal schumann. ihm zum 200. geburtstag. ein konzert mit erster und vierter symphonie und der sp&#228;ten konzertphantasie f&#252;r violine &#38; orchester. und einfach ein wunderbares konzert. nix zu meckern gibt es da … Dar&#252;ber h&#228;tte Robert Schumann sich bestimmt gefreut: Wenn er geh&#246;rt h&#228;tte, wie Lena Neudauer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>nein, nicht robert, eusebius und florestan. einfach drei mal schumann. ihm zum 200. geburtstag. ein konzert mit erster und vierter symphonie und der späten konzertphantasie für violine &amp; orchester. und einfach ein wunderbares konzert. nix zu meckern gibt es da …</p>
<p>Darüber hätte Robert Schumann sich bestimmt gefreut: Wenn er gehört hätte, wie Lena Neudauer seine Phantasie für Violine und Orchester spielt. Zusammen mit dem Philharmonischen Staatsorchester unter Catherine Rückwardt, das dem vor 200 Jahren geborenen Komponisten standesgemäß mit einem Konzert gratulierte. Leider vor überwiegend leeren Sitzen in der Phönixhalle. Und das ist nun wirklich ausgesprochen schade, dass diese Hommage an den Orchesterkomponisten Schumann so wenig Resonanz gefunden hat. Verdient hätte sie nämlich ein ausverkauftes Haus. Schließlich kam hier fast alles zusammen, was ein wunderbares Konzerterlebnis garantiert: Ein gut aufgelegtes Orchester, eine inspirierte Dirigentin und eine außergewöhnliche Solistin. Denn Lena Neudauer macht Schumanns selten gespielte späte Konzertphantasie zu einem wirklich phantastischen Ereignis. Mit überirdisch scheinender Präzision führt sie die „Phantasie für Violine und Orchester“ vor, mit hyperkontrollierter Bogenführung und höchster intonatorischer Genauigkeit. Aber, und das war das wirklich faszinierende, ihr Können reicht weit über technische Vollkommenheit hinaus. Denn ihre Perfektion ist nie trocken, sondern als Mittel der Gefühlsdarstellung und Empfindung grandios treffsicher ausgenutzt. Pure Natürlichkeit und hohe Kunst in einem ist das – Widersprüche, die nicht jeder Solist so nahtlos und scheinbar unproblematisch vereinen kann wie Neudauer.</p>
<p>Gerahmt wurde diese Phantasie von der ersten und letzten Symphonie Schumanns. Die Frühlingssinfonie, sein erster Versuch, dem kaum etwas versuchendes anhaftet, ließ Rückwardt pulsierend treibend spielen. Und das Orchester machte mit schlankem, klarem Klang die impulsive Seite sehr stark. Die Frühlingssinfonie ist so kein verträumtes romantisches Traumgespinst, selbst die idyllischen Mittelsätze sind ganz wirklich – mit einem minimalen Schuss romantischer Verklärung.<br />
Wesentlich gesteigert wurde dieses frühlingsfrische Frohlocken in Schumanns vierter Symphonie, zwei Jahre vor seinem Tod vollendet. Mit dem typischen Hang zu grandiosen, leicht überreizten Steigerungen ließ Rückwardt dem Überschwang hier reichlich Raum – genau so, wie es sich für Schumann gehört. So wurde das wunderbar großartig, ein kleines bisschen pathetisch und klanglich reichhaltig ein perfekter Abschluss für das Geburtstagskonzert.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>)<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/aa32517116de44da829c522bdfa8786a" width="1" height="1" alt=""></p>

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		<title>bach und die virtuosen romantiker</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 20:54:34 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wirkte zunächst fast wie eine Beerdigung: Der große schwarze Flügel, Kirill Gerstein ganz und gar in Schwarz gewandt, der gemessenen Schrittes zu seinem Platz schritt und dort wartete, ganz in sich selbst versunken. Aber eine Trauerfeier war der Klavierabend, das fünfte Konzert der SWR-Reihe „Internationale Pianisten“, im Frankfurter Hof nun wirklich nicht. Eine Respektbezeugung allerdings schon. Zunächst ging es nämlich um JOhann Sebastian Bach. Als Komponist und als Vorbild, als Inspiration und als Heroe der klassischen Musik auch im 19. Jahrhundert.<br />
Kirill Gerstein hatte sein kurzfristig noch geändertes Programm rund um Bach konzipiert, mit dessen zweiter Englischen Suite als Mittel– und Referenzpunkt. Und dann spielte auch Ferruccio Busoni eine große Rolle: Zunächst, zum Warmspielen und zur gegenseitigen Gewöhnung, stand dessen fünfte Sonatine an — „in signo Joanni Sebastiani magni”. Aber schon das reichte, um Gersteins Prinzipien klar zu erkennen: Über allem stand ihm die Deutlichkeit. Die knackige, aber sanft artikulierte Ausarbeitung der Formen, der Motive und Themen, ihrer Verarbeitungen und Verbindungen – das lag ihm am Herzen und das gelang ihm treflich.<br />
Darüber hinaus hatte Gerstein sich aber auch noch Busonis Toccata verschrieben. Hier ging es dann richtig zur Sache — virtuos ausgespielt und deutlich bis fast zur Groteske, zeigte er sich von technischen Schwierigkeiten völlig unbeeindruckt.<br />
Und noch eine Toccata bildete das Bindeglied von Bach und Busoni zu Liszt im zweiten Teil: Die C-Dur-Toccata Robert Schumanns, die Gerstein als Episodenhafte Traumbewegung, weit entrückt der Realität vorstellte — ein Traum, der kristallne Klarheiten offenbarte und zugleich ganz und gar irreal erschien — erst der Applaus holte ihn wieder zurück in die Realität.<br />
Das war also schon eine ganze Menge. Vor allem viel Musik mit sehr hohem spieltechnischen Anspruch. Aber Gerstein setzte noch eines drauf und schloss den Abend mit Liszts h-Moll-Sonate ab. Die ist Schumann gewidmet – womit sich der Kreis der gegenseitigen Beziehungen und Verweise an diesem Abend rundete. Natürlich wurde das ein großartiger Schluss. Auch wenn, gerade in den letzten Teilen der Sonate, die Konzentration ein kleines bisschen nachzulassen schien, die Präzision Gersteins minimal aufweichte. Davor entwickelte er aber ganz viel düstere, kraftvolle, konzentrierte, faustische und doch ganz lichthelle Musik. Denn Gerstein spielte das so klar und deutlich, dass man im Geiste mitschreiben hätte können.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>)<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/40e9e86abff446a1a19b28925a49855e" width="1" height="1" alt=""></p>

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		<title>die ewige suche nach dem reinen klang</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 21:21:37 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Franz Schreker komponierte eine gro&#223;e Oper ihrer Suche, Magnus Lindberg behauptet sie in seinem Violinkonzert einfach und ignoriert tapfer alle Zweifel, aber Robert Schumann scheint sie in der dritten Sinfonie tats&#228;chlich gefunden zu haben: Die Geborgenheit der musikalischen Heimat, das Reich des fernen, ertr&#228;umten und immer wieder beschworenen reinen Klangs. Genau darum ging es n&#228;mlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Franz Schreker komponierte eine große Oper ihrer Suche, Magnus Lindberg behauptet sie in seinem Violinkonzert einfach und ignoriert tapfer alle Zweifel, aber Robert Schumann scheint sie in der dritten Sinfonie tatsächlich gefunden zu haben: Die Geborgenheit der musikalischen Heimat, das Reich des fernen, erträumten und immer wieder beschworenen reinen Klangs. Genau darum ging es nämlich im dritten Sinfoniekonzert des Staatstheaters. Und Catherine Rückwardt gelang es mit diesem umfassenden Programm, spannende Verbindungen zwischen Romantik, Spätromantik und zweiter Moderne zu ziehen. Ihren Höhepunkt fand diese Umschau aber schon im frühesten Werk, Schumanns „Rheinischer“ Sinfonie am Ende des Konzertes. Rückwardt machte diesen gewaltigen Geniestreich, in gerade einmal drei Wochen komponiert, zu einem runden, geschmeidigen Hörerlebnis. Alle Antworten schienen hier schon gefunden, in dieser Verknüpfung aus volkstümlicher Einfachheit, formaler Strenge und genialer Eingebung. Und das Philharmonische Staatsorchester sorgte mit sämig-weichem Klang für die akustische Verwirklichun dieser Fantasie einer heilen Welt, die selbst durch die dunklen Schatten im zweiten und dritten Satz nicht dauerhaft eingetrübt werden kann: Gegen diese konzentrierte Harmonie, die farbige Ausgestaltung der paradiesischen Zustände auf Erden (wunderbar schon die Hörner!), dieses gelöste und frei sprudelnde Musizieren hat keine rauhe Wirklichkeit auch nur den Hauch einer Chance.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Magnus Lindbergs Violinkonzert kann sich, 2006 komponiert, der Welt und ihren Ambiguitäten nicht so vollkommen verschließen. Und doch finden sich auch hier mehr als genug Augenblicke, denen genau das gelingt. Freilich, mehr als momentane Erlösung kann es hier aber nicht mehr geben. Da kann sich der junge Solist Jack Liebeck noch so brillant in die höchsten Lagen aufschwingen, da hilft auch der energischste Strich und seine größtmögliche Klarheit nicht mehr. Im Gegenteil, so wird nur noch deutlicher, dass auch in der Musik der Weg zurück ins Paradies der puren Harmonie auf immer verschlossen bleiben muss.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Genau das erfuhr ja auch schon Fritz, die komponierende Hauptfigur aus Franz Schrekers Oper „Der ferne Klang“. „Nachtstück“ ist dort das Zwischenspiel des dritten Aktes übertitelt, das im Staatstheater das Programm wunderbar ergänzte. Vor allem, weil Rückwardt es so schön fragil und offen erklingen ließ, weil das Orchester mit feinen silbrigen Klangspitzen so klar und kontrolliert blieb, dass man meinte, jede Gefühlsregung und jeden Gedankengang des Protagonisten zu hören. Doch das bleibt eine Illusion, genau wie der ewig „ferne“ Klang. Aber eine wunderschöne.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>)</p>

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		<title>an die sterne. schumanns weltliche chormusik</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Apr 2008 11:07:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„An die Sterne“ ist die erste CD mit Robert Schumanns weltlicher Chormusik betitelt, die das Orpheus Vokalensemble unter Cary Graden bei Carus vorgelegt hat. Ganz reichen die S&#228;nger aber nicht ans Firmament. Das 2005 gegr&#252;ndete Orpheus-Vokalensemble, dessen erste Aufnahme diese CD ist, &#252;berzeugt n&#228;mlich nur bedingt. St&#246;rend wirken sich nicht nur das fast permanentes &#220;bergewicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;">„<i>An die Sterne</i>“ ist die erste CD mit <b>Robert Schumanns</b> weltlicher Chormusik betitelt, die das Orpheus Vokalensemble unter Cary Graden bei Carus vorgelegt hat. Ganz reichen die Sänger aber nicht ans Firmament. Das 2005 gegründete Orpheus-Vokalensemble, dessen erste Aufnahme diese CD ist, überzeugt nämlich nur bedingt. Störend wirken sich nicht nur das fast permanentes Übergewicht der Frauenstimmen und die teilweise auffallend mittelmäßige technische Präzision aus, irritierender sind vor allem an der Mangel an Klangdifferenzierung und Charisma. Dabei ist es ja wirklich nicht so, dass Schumanns Chöre fade Kost sind. Die „Fünf Lieder“ op. 55 (auf Gedichte von Robert Burns) sind zum Beispiel ganz ausgezeichnete kleine Kostbarkeiten. Und hier zeigt dass Orpheus-Vokalensemble auch, dass es durchaus fähig ist: Diese fünf Lieder sind wirkliche kleine glitzernde Sterne.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Und musikalisches Einfühlungsvermögen beweist der Chor unter Gary Graden (und auch der begleitende Pianist, Konrad Elser) immer wieder in überraschendem Maße – das macht vieles wett. Es ist aber schon auffallend, dass gerade die getragenen, langsamen Lieder (fast) immer besser sind als die bewegten, mehr Gespür für Atmosphäre und Klangsinn verrraten. Und je komplexer die Kompositionen werden, desto besser wird auch der Chor — wie die besonders plastische Interpretation der „Vier doppelchörigen Gesänge“ op. 141 sehr deutlich zeigt. Gerade der Wechsel zwischen ausgesprochen kunstvollen Chorsätzen und volksliedhaft einfachen Chorliedern, der die ganze Bandbreite des chorischen Werkes Schumanns aufzeigt, macht aber den besonderen Reiz dieser Sammlung aus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><b>Robert Schumann</b>: <i>An die Sterne</i>. Weltliche Chormusik I. Orpheus-Vokalensemble. Konrad Elser, Klavier. Leitung. Gary Graden. Carus 83.173.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.deutscher-chorverband.de/index.php?page=neue-chorzeit" title="Neue Chorzeit" target="_blank">neue chorzeit</a></span>, januar 2008)</p>

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