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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; religion</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.</description>
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		<title>Wahrheit oder Leben</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 18:49:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zwei Romane zum Preis von Einen. Oder auch nicht. Eigentlich ist ja doch nur einer, „Die Leinwand” von Benjamin Stein, der im „Turmsegler” auch ein sehr interessantes Blog hat. Aber er wird doppelt erz&#228;hlt, mit Jan Wechsler und Amnon Zichroni als Zentren der jeweiligen Teile. Und damit auch jeder die Besonderheit merkt, sind die beiden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Romane zum Preis von Einen. Oder auch nicht. Eigentlich ist ja doch nur einer, „Die Leinwand” von Benjamin Stein, der im „Turmsegler” auch ein sehr interessantes Blog hat. Aber er wird doppelt erzählt, mit Jan Wechsler und Amnon Zichroni als Zentren der jeweiligen Teile. Und damit auch jeder die Besonderheit merkt, sind die beiden Teile so gedruckt, dass man das Buch von jeder Seite beginnen kann: „Zwei Hauptwege und verschlungene Nebenpfade führen durch diesen Roman. Hinter jedem Umschlag befindet sich ein möglicher Ausgangspunkt für das Geschehen. Es ist Ihnen überlassen, wo Sie zu lesen beginnen.” — so heißt es auf dem Umschlag. Man darf aber auch zwischen jedem der 11 Kapitel die Leserichtung wechseln. Ich fing mit Ammon Zchroni an, las das komplett und wechselte erst dann zum Jan-Wechsler-Teil. Keine Ahnung, ob es eine bessere Variante gibt ;-).</p>
<p>Worum geht es: Um Wahrheit, um Erinnerung, ums Gedächtnis — und vor allem die ganzen Probleme, die damit zusammenhängen. Die trügerische Erinnerung, der unklare Status von Erinnerungen, und immer wieder die Frage: Was ist hier die Wahrheit? Was ist passiert? Was wird wie warum erinnert? Ziemlich am Anfang des Wechsler-Teiles, auf der Seite W.14 heißt es:</p>
<blockquote><p>Niemand wüsste besser als ich, dass die Grenze zwischen Realität und Fiktion in jeder Erzählung mäandernd inmitten der Sprache verläuft, getarnt, unfassbar — und beweglich. Selbst das Wort „Wirklichkeit” führt ins Unwägbare.</p></blockquote>
<p>Damit ist eigentlich schon fast alles über diese großartige Buch gesagt. Die Story ist entsprechend elaboriert. Der Zichroni-Teil erzählt die Geschichte eines mehr oder weniger strenggläubign Juden, seine Ausbildung, seine Zweifel und Glaubensanfechtungen, aber auch seine Festigkeit im Glauben. Jan Wechsler ist ein Schriftsteller (oder auch nicht, er ist sich selbst da extrem unsicher, weil sein Gedächtnis ihn systematisch im Stich lässt), der im Endeffekt Zichroni umbringt — oder umgekehrt, je nach Erzählrichtung. Die fehlende Erinnerung, ihr trügerische (Un-)Sicherheit wird so zum Kriminalfall, das eher philosophische Problem des Status der „Wahreheit” hat auf einmal handfeste Konsequenzen. Dazu kommt noch, damit eng verknüpft, die Frage der Identität des Menschen — bin ich, was ich erinnere? Gibt es einen „wahren” Kern der Identität, die (auch) außerhalb mir selbst, meiner — ja sowieso unzuverlässigen — Erinnerung liegt? Die ganzen „großen” Themen werden zwar sehr deutlich, aber — und das ist dann halt einfach das Schöne an diesem Buch — sie bleiben in die Erzählung wunderbar harmonisch eingebettet: Klar, man merkt recht schnell, worum es dem Autor geht. Aber die story bleibt spannend, die Erzähler können mit ihrer oft weit ausholenden, allen Nebenpfaden nachgehenden, aber genau konstruierten Erzählung trotzdem weiterhin fesseln.</p>
<p>Das entwickelt ziemlich schnell einen deutlichen Sog — vor allem der Zichroni-Teil hat mich sehr gefesselt: Mit seinen sehr farbigen Beschreibungen, seinen ausgesuchten Vergleichen und poetischen Stil — der Wechsler-Teil ist deutlich prosaischer, zumindest kam es mir beim Lesen so vor. Aber irgendwie gelingt es mir gerade nicht, die Freude und Begeisterung meiner Lektüre in Worte zu fassen … Gregor Keuschnig hat dagegen eine nicht nur sehr umfangreiche, sondern auch ziemlich gute und genaue <a href="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/6174948/" target="_blank">Inhaltsangabe</a> für das „<a title="begleitschreiben" href="http://begleitschreiben.twoday.net/" target="_blank">Begleitschreiben</a>” geschrieben. Einige weitere Reaktionen lassen sich über den oben erwähnten <a title="&quot;Die Leinwand&quot; beim Turmsegler" href="http://turmsegler.net/die-leinwand/" target="_blank">Turmsegler</a> oder beim <a title="&quot;Die Leinwand&quot; beim Perlentaucher" href="http://www.perlentaucher.de/buch/33727.html" target="_blank">Perlentaucher</a> finden — die meisten sind ziemlich positiv, was ich gut nachvollziehen kann.</p>
<blockquote><p>Die Welt <em>in</em> mir war für micht die Welt. (W.75)</p>
<p>Ich bin, woran ich mich erinnere. Etwas anderes hab ich nicht. (W.121)</p></blockquote>
<p>Benjamin Stein: Die Leinwand.Roman. München: Beck 2010. ISBN <a href="http://www.worldcat.org/oclc/587651044">978–3-406–59841-8</a>.</p>

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		<title>Unsinn haufenweise — aber sch&#246;n geordnet</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 09:12:15 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das Periodensystem der Chemiker scheint in letzter Zeit (?) viele dazu zu verleiten, das auf andere Gegenst&#228;nde zu &#252;bertragen — den Jazz zum Beispiel. Oder, wie ich jetzt bei Herrn Rau entdeckte, auf den gesammelten Unsinn unserer Zeit. Crispian Jago hat das entwickelt, f&#252;r sein Blog „Sience, Reason and Critical Thinking”. Bei Herrn Rau &#252;brigens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Periodensystem der Chemiker scheint in letzter Zeit (?) viele dazu zu verleiten, das auf andere Gegenstände zu übertragen — den <a href="http://www.redraspus.com/periodictable">Jazz</a> zum Beispiel. Oder, wie ich jetzt bei <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2010/07/das-periodensystem-des-irrationalen-unsinns.htm">Herrn Rau</a> entdeckte, auf den gesammelten <a href="http://crispian-jago.blogspot.com/2010/07/periodic-table-of-irrational-nonsense.html">Unsinn unserer Zeit</a>. Crispian Jago hat das entwickelt, für sein Blog „<a href="http://crispian-jago.blogspot.com">Sience, Reason and Critical Thinking</a>”. Bei Herrn Rau übrigens sind gleich die üblichen Kommentare gekommen — das ginge doch nicht, die „richtigen” Religionen mit so Sachen wie Holocaust-Leugnung und in einen Topf zu werfen.</p>
<p><a class="thickbox" rel="" href='http://matthias-mader.de/wp-content/gallery/diverses/woo-table-v1-4.png' title=''><img src='http://matthias-mader.de/wp-content/gallery/diverses/thumbs/thumbs_woo-table-v1-4.png' alt='Periodensystem des Unsinns' class='ngg-singlepic ngg-center' /></a></p>

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		<title>religi&#246;se konservative sind d&#252;mmer als atheistische linke</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Feb 2010 12:27:29 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>zumindest haben sie offenbar einen niedrigeren intelligenz-quotienten. im durchschnitt natürlich. zu dem schluss kommt man, wenn man ergebnisse einer amerikanischen und einer englischen studie kombiniert. beide fanden leichte varianzen im iq, die mit der politischen einstellung signifikant korrelieren: die gruppe der sehr konservativen hat demnach einen iq-durchschnitt von 95, die der sehr progressiven einen von 106. ähnlich, wenn auch etwas geringer in der differenz, bei der differenzierung zwischen sehr religiös (97) und überhaupt nicht religiös (103). in der <a href="http://www.sueddeutsche.de/B5z38b/3238429/Hirn-und-Haltung.html">süddeutschen von heute</a> hat christopher schraer das nett erzählt und mit kommentaren und erklärungsversuchen der psychologen garniert, z.B. von Detlef Rost:</p>
<blockquote><p>Um progressiv zu sein, brauchen Menschen kognitive Leistungsfähigkeit. Wer immer im Bekannten bleibt, muss nicht viel überlegen.</p></blockquote>
<p>(via <a href="http://www.sueddeutsch.de">papier-zeitung</a>)<br />
nachtrag: noch mehr dazu hat florian rötzer bei <a href="http://www.heise.de/tp/">telepolis</a> geschrieben: „<a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32160/1.html">Intelligente Menschen sind eher Atheisten und gehen nachts später schlafen</a>” (via <a href="http://twitter.com/viertelnachvier">@viertelnachvier</a>)</p>

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		<title>Deutscher Alltag, 9. Januar 2010</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Jan 2010 12:41:49 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nein, es geht jetzt nicht um das Wetter, das ja nur ganz normaler Winter ist (also Alltag, auch wenn allerlei pseudojournalistische Medien gleich wieder Weltuntergangsszenarien konstruieren). Nein, hier geht es — wieder einmal — um den Grund, Samstag morgens die S&#252;ddeutsche Zeitung zu lesen. Vor allem die Wochenendbeilage, von der ich im allgemeinen nicht besonders [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, es geht jetzt nicht um das Wetter, das ja nur ganz normaler Winter ist (also Alltag, auch wenn allerlei pseudojournalistische Medien gleich wieder Weltuntergangsszenarien konstruieren). Nein, hier geht es — <a title="die welt ist voller r&auml;tsle" href="/publizistik/die-welt-ist-voller-groszer-raetsel/" target="_blank">wieder</a> einmal — um den Grund, Samstag morgens die Süddeutsche Zeitung zu lesen. Vor allem die Wochenendbeilage, von der ich im allgemeinen nicht besonders begeistert bin. Aber ein kleiner Text animiert mich immer wieder: <a title="kurt kister (wp)" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Kister" target="_blank">Kurt Kister</a>s Kolumne „Deutscher Alltag”. Gottseidank ist (und hoffentlich bleibt) sie eine Kleinigkeit, eine Dreingabe — aber eine wunderbare. Auf größeres Format gezogen würde sie wahrscheinlich schnell unerträglich werden. So kann kk aber jede Woche ganz hervorragend seine ironische und satirische Ader ausleben. Und das ganze mit mehr oder weniger aktuellen Beobachtungen verknüpfen. Nicht immer sind das zwangsläufig grandiose Würfe. Aber immer sind sie niveauvoll und eröffnen neue Blicke.</p>
<p>Heute zum Beispiel steht da mitten in deneher harmlos-netten Betrachtungen zum „wilden Lesen” ein wunderschöner (wenn auch gar nicht so wahnsinnig origineller) Satz:</p>
<blockquote><p>Es ist immer richtig, das Leben zu ändern, was bei Sloterdijk damit beginnen sollte, dass er sich endlich mal die Haar schneiden lässt.</p></blockquote>
<p>Und dann geht es gleich weiter:</p>
<blockquote><p>Sloterdijks Miniatur über den Scientology-Gründer Hubbard plus seine Grundsätzlichkeiten über die Nicht-Existenz von Religion bringen einen zum Beispiel zu der Überlegung, was denn eigentlich Hubbard von Mohammed unterscheidet, und ob nicht vielleicht Tom Cruise und Osama bin Laden einen ähnliche Hang zur Vertikalität ausleben.</p></blockquote>
<p>Ja, wenn man Kurt Kister heißt, dann kommt man offenbar auf solche herrlichen Ideen und Vergleiche.</p>
<p>Er schließt übrigens fast konventionell und absolut zustimmungsfähig: „Was für ein Abenteuer: Lesen.” Deswegen: Samstags immer Kurt Kisters „Deutschen Alltag” lesen. es ist ein Abenteuer, das Spaß mach. Bestimmt. Garantiert.</p>

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		<title>„‚Bindsch&#228;dler, ich glaube, …</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Oct 2009 18:27:12 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[… da&#223; uns heute weniger das Gesellschaftliche zu schaffen macht als vielmehr dieses Vakuum an Spiritualit&#228;t, das uns sozusagen an den Rand eines kosmischen Abgrundes saugt’, sagte Baur, l&#228;chelnd.” (Gerhard Meier, Borodino, 114)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>… daß uns heute weniger das Gesellschaftliche zu schaffen macht als vielmehr dieses Vakuum an Spiritualität, das uns sozusagen an den Rand eines kosmischen Abgrundes saugt’, sagte Baur, lächelnd.” (Gerhard Meier, Borodino, 114)</p>

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		<title>„Denn letztlich ist der Dalai Lama</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 18:26:31 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>… nichts anderes als ein Papst für Psychosomatiker, gescheiterte Agnostiker und andere Memmen, denen der Papst aus dem eigenen Kulturkreis zu hart ist.” (Adrian Kreye, <a href="http://blogs.sueddeutsche.de/feuilletonist/2009/08/02/ein-papst-fur-memmen/" target="_blank">Der Feuilletonist</a>)</p>

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		<title>„Die Art, wie ein Theolog, …</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 11:45:37 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>… gleichgültig ob in Berlin oder in Rom, ein „Schriftwort” auslegt oder ein Erlebnis, einen Sieg des vaterländischen Heers zum Beispiel unter der höheren Beleuchtung der Psalmen Davids, ist immer dergestalt kühn, dass ein Philolog dabei an allen Wänden emporläuft.” (friedrich nietzsche, der antichrist, 52)</p>

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		<title>„gott …</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Jun 2009 21:44:32 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>ist ersatzwort.” (birgit kempker, sehnsuch im hyperbett. ein transverfickter diskurs, 98)</p>

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		<title>die echte religion!</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Feb 2009 08:53:00 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>… sagte Catharina; das ist eben der Streit! keiner glaubt, an der unechten sich verloren zu haben.” — Ludwig Tieck, Der Hexen-Sabbat, 117</p>

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		<title>protestanten und ihr –ismus</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Nov 2006 08:35:09 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[sie m&#252;ssen ausgesprochen gute lektoren beim beck-verlag in m&#252;nchen haben f&#252;r diese reihe, die „wissen“-taschenb&#252;cher. die sind n&#228;mlich immer ausgesprochen gut lesbar, f&#252;r laien verst&#228;ndlich, ohne deshalb flach zu sein. dieser band (der protestantismus von friedrich wilhelm graf) ist dabei schon vergleichsweise voraussetzungsreich, und – um es gleich zu sagen – mir fehlt auch ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>sie müssen ausgesprochen gute lektoren beim beck-verlag in münchen haben für diese reihe, die „wissen“-taschenbücher. die sind nämlich immer ausgesprochen gut lesbar, für laien verständlich, ohne deshalb flach zu sein. dieser band (der protestantismus von friedrich wilhelm graf) ist dabei schon vergleichsweise voraussetzungsreich, und – um es gleich zu sagen – mir fehlt auch ein wenig der kern: da wird viel geschrieben über die äußere entwicklung des protestantismus, viel über die kulturelle und politische seite, aber der eigentlich nukleus, die spezifische form des glaubens und der frömmigkeit, ist für meine begriffe etwas kurz abgehandelt – es kommt natürlich vor und ist selbstverständlich angesichts der (hier auch gut dargestellten) vielfalt protestantischer strömungen sicher eine schwierige aufgabe, aber gerade da hätte ich mir ein bisschen mehr information gewünscht, die über die konstatierung des problems hinausgeht: „alle aussagen über ein ‚wesen des protestantismus‘ lassen sich durch vielfältige widerstrebende phänomen in einzelnen protestantischen lebenswelten relativieren“ – geschenkt, das ist billig. das „protestantische“ als solches, so suggeriert schon der blick ins inhaltsverzeichnis (und die lektüre bestätigt das leider cum grano salis) interessiert graf nur mehr am rande: wenn es um „die zukunft des protestantischen“, so heißt das abschließende kapitel, geht.der protestantismus scheint also, wenn man nur grafs darstellung vor augen hat, mehr ein kulturphänomen als eine religiöse erscheinung zu sein. sein hauptkapitel ist dann auch folgerichtig so betitelt: „protestantismus und kultur“. hier versucht graf, dem wesen des protestantismus auf die spur zu kommen. und eben mit den genannten schwierigkeiten. aber doch, um hier nicht nur blöd rumzumeckern, auch wieder nicht ganz vergebens. auffallend ist allerdings die sehr variabel konzise argumentation und faktendichte: es gibt seiten, da reiht sich (direktes oder indirektes) zitat an zitat, da fliegen die daten nur so um die köpfe der leser. und es gibt seiten, da kommt graf auf einmal wieder zu einer lesbaren darstellungsform – schade, dass die varianz so arg groß ist.</p>
<p>die protestanten und staat, bildung, individuum, innerlichkeit – das sind seine hauptthemen. und das ganze vorzüglich an quellen des 18. und 19. jahrhunderts dargestellt, von denen graf eine unübersehbare menge zu kennen scheint. was das 20. jahrhundert angeht, wird es aber ganz plötzlich ganz dünn, über die zwanziger hinaus gibt es kaum etwas, als hätte sich das problem bereits erledigt, als würde keiner mehr darüber nachdenken …</p>
<p>so kreist graf also eigentlich immer weiter um ganz wenige themen: die individualisierung (v.a. des glaubens, die aber nicht ohne folgen für das weltliche denken und leben blieb…) und das, was seit max weber die „protestantische ethik“ genannt wird, die bemühung um ökonomischen etc. erfolg im diesseits als zeichen eines frommen, gottgefälligen lebens, die hand in hand geht mit der entwicklung des bürgerlichen leistungsethos: „die in allen protestantischen lebenswelten zu beobachtende symbolische kommunikation, in der innerlichkeit religiös inszeniert und reflexiv gesteigert wird, läßt sich deshalb auch als erfindung von individualität beschreiben.“ (73) – schon recht, aber ist das nicht ein wenig einseitig? spielten da nicht – auch – noch andere faktoren eine rolle? z.b. der tiefgreifende wandel der ökonomischen und politischen verfassung der gesellschaft seit dem mittelalter? deren zunehmende beschleunigung? das sind natürlich alles faktoren, die nie alleine betrachtet werden können, immer in heftigsten interdependenzen stehen und die sache deshalb so höllische kompliziert machen… lustigerweise (aber: eigentlich ist das nicht so wahnsinnig lustig…) schreibt graf selbst zwei sätze weiter: „die aufklärer und die liberalen des 19. und 20. jahrhunderts feierten die reformation deshalb als jene religiös …</p>

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