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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; pop</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.</description>
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		<title>&#220;berall nur Blau</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 19:23:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auch wenn der Einband ganz gelb ist: „Bluescreen” von Mark Greif ist ein fantastisches Buch. Mir war Greif ja noch unbekannt — eine echte L&#252;cke. Die Essays, die er „Ein Argument vor sechs Hintergr&#252;nden” untertitelte und die in der — von Greif mitherausgegebenen — Zeitschrift n+1 erschienen sind, drehen sich um Erscheinungen des modernen Lebens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn der Einband ganz gelb ist: „Bluescreen” von Mark Greif ist ein fantastisches Buch. Mir war Greif ja noch unbekannt — eine echte Lücke. Die Essays, die er „Ein Argument vor sechs Hintergründen” untertitelte und die in der — von Greif mitherausgegebenen — Zeitschrift n+1 erschienen sind, drehen sich um Erscheinungen des modernen Lebens der Gegenwart, um den sexuelle Fetisch der Jugendlichkeit, um Über– und Untersexualiserung, um YouTube oder um die Geschichte des HipHop (einer der besten Essays überhaupt: „Rappen lernen”, der ausgehend von einer ganz persönlichen Erfahrung einen breiten Abriss des HipHops und seiner Bedeutungen entwickelt).</p>
<p>Die Ästhetisierung des ganzen Lebens ist die zentrale These Greifs. Aber darum spinnt sich ein wunderbarer Kosmos der Beobachtungen und Erklärungen des Alltags der Gegenwart und seiner medialen, ästhetischen und kulturellen Erscheinungen — so etwas wie eine Zeitdiagnose in Schlaglichtern. Da geht es dann auch nicht mehr nur um die eigentliche Ästhetisierung, sondern etwas allgemeiner um das Problem der mediale Vermittlung unserer Erfahrungen und im Besonderen um das Leben in Narrationen: Greif sieht die Menschen der Gegenwart umstellt von Erzählungen, die den Blick auf die „Wirklichkeit” behindern. Da kann man freilich auch anderer Meinung sein: Die narrative und mediale Erfahrung muss nicht unbedingt schlecht sein. Greif neigt sich da manchmal etwas der kulturpessimistischen Sicht zu, die die mediale Vermittlung als Hindernis ansieht, als Abkehr von einem — von Greif selbst durchaus als solchen in seiner Problematik erkannten — idealen Zustand der Unmittelbarkeit.</p>
<p>Aber Essays wie „Rappen lernen” oder auch der „Hochsommer der Sexkinder” sind trotzdem große Kulturkritik: Erklärend, aber durchaus von einem Standpunkt aus kritisch hinterfragend, ohne besserwisserischen Gestus des Alleswissers und alleserklärers allerdings, der sowieso schon weiß, was er von allem hält. In dieser Hinsicht sind das eben Essays im besten Sinne: Versuche, Erklärungen zu finden — Erklärungen z.B. für Phänomene wie das Reality-Fernsehen. Und davon ausgehend immer die Überlegung: Was macht das mit uns? Wie verändert das uns, unsere Haltung, unsere Wahrnehmungen, unsere Einstellungen, unser Verhältnis zur Welt und zu unseren Mitmenschen. In bester Essay-Tradition nimmt Greif sich da als Zweifler und Sucher auch nicht zu sehr zurück, sondern bleibt als Person, als Erlebender und Fragensteller, immer präsent. Dass das außerdem klar formuliert, überzeugend argumentiert und luzide geschrieben ist, gehört unbedingt zum positiven Eindruck dieses empfehlenswerten Bandes. </p>
<p>Mark Greif: <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/bluescreen-mark_greif_12629.html" title="verlags-seite" target="_blank">Bluescreen</a>. Ein Argument vor sechs Hintergründen. Berlin: Suhrkamp 2011. 231 Seiten. ISBN <a href="http://worldcat.org/isbn/9783518126295" target="_blank">978–3-518–12629-5</a>.</p>

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		<title>teuflisch — oder auch nicht</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Nov 2011 20:09:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[die neue platte von kammerflimmer kollektief (ja, in diesem fall ist das wirklich eine platte — so viel nostalgie und klangextremismus muss bei dieser gruppe sein!) hei&#223;t „teufelskamin” das weckt bei mir weniger d&#252;stere als vor allem romantische assoziationen, so in der richtung des teufels im „freisch&#252;tz” etwa. und auch wenn das nat&#252;rlich eine ganz, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>die neue platte von <a href="http://www.kammerflimmer.com">kammerflimmer kollektief</a> (ja, in diesem fall ist das wirklich eine platte — so viel nostalgie und klangextremismus muss bei dieser gruppe sein!) heißt „teufelskamin”</p>
<p>das weckt bei mir weniger düstere als vor allem romantische assoziationen, so in der richtung des teufels im „freischütz” etwa. und auch wenn das natürlich eine ganz, ganz andere baustelle ist: kammerflimmer kollektief wird immer romantischer, scheint mir zumindest. dazu passt, dass das format irgendwie popiger, hörerfreundlicher wirkt: beim ersten hören scheint mir das deutlich mehr am „normalen” popsong orientiert als die älteren alben. natürlich ist das kein mainstream, dafür ist das trio einerseits zu verspielt, andererseits zu konsequent im stimmungsbau. denn das ist bezeichnend für sie — und wirkt bei mir romantisch: die mit wenigen strichen gemalten stimmungsbilder, die zartheit der stimmen, die fragilität der klänge (zumindest der meisten). und natürlich ist die fast hemmungslose, nur hin und wieder gebrochene schönheit auch ein romantisches element.</p>
<p>mit spannung, unglaube und vorfreude sehe ich den letzten titel im tracklisting: „the people united will never be defeated”. und das kleindgedruckte weist tatsächlich sergio ortega &amp; eduardo caraasco als komponisten aus, bei ihnen hieß das natürlich „el pueblo unido jamás serás vencidio”. wie soll das mit dem weich-plätschernden schönheitssound des kammerflimmer kollektief zusammenpassen? das ist schließlich eine art kampflied!<br />
man erkennt es tatsächlich. aber machen tun die drei damit nicht viel: sie spielen es kurz an, tändeln ein wenig herun, und schon bricht das ganze wieder ab. besonders politisch scheint das also nicht gedacht zu sein …</p>
<p>irgendwie hat mit der „teufelskamin” jetzt nicht besonders berührt: wieder nette, auch gute musik, stimmungsstark und feinsinnig — aber wenig bis nichts, was sich in mir festhakt, was bleiben will …</p>
<p><a href="http://www.kammerflimmer.com">Kammerflimmer Kollektief</a>: Teufelskamin. <a href="http://www.staubgold.com" target="_blank">Staubgold</a> analog 9. 2011.</p>

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		<title>hans s&#246;llner wird alt</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 10:32:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[und ein bisschn depressiv. oder zumindest resignativ. wenn man sich „mei zuastand” anh&#246;rt und das mit „im regen live” (meiner meinung nach wohl seine beste ver&#246;ffentlichung), dann l&#228;uft’s einem fast kalt den r&#252;cken hinunter: das ist ein ganz anderer mensch, offenbar nur noch ein rest des einstigen mannsbilds. gebrochen klingt er, schwerf&#228;llig fast, wie er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>und ein bisschn depressiv. oder zumindest resignativ. wenn man sich „mei zuastand” anhört und das mit „im regen live” (meiner meinung nach wohl seine beste veröffentlichung), dann läuft’s einem fast kalt den rücken hinunter: das ist ein ganz anderer mensch, offenbar nur noch ein rest des einstigen mannsbilds. gebrochen klingt er, schwerfällig fast, wie er sich mühevoll aufrafft, in gemächlichen tempi alte lieder zu singen — das ist schauerlich. vor allem wenn man noch das unbeugsame energiebündel im ohr und vor augen hat, das söllner einmal war, der sich schon aus prinzip mit allem und jedem angelegt hat. hat ihn die macht des staates (die war es ja vor allem, gegen die er kämpfend/schreiend/singend aufbegehrte) doch gebrochen? es mag fast so scheinen. richtig traurig ist das, wenn er so — ja, man muss es so sagen: so gezähmt lieder singt wie „für meine buam”, die vom aufstand singen, von unbeugsamkeit und prinzipienfestigkeit bis zum bittersten ende. die stimme ist jetzt brüchig und die aufnahme im kalt (man möcht hier fast sagen: seelenlos) klingenden studio — schön sauber, fein produziert, zart gespielt vom bayaman’sissdem — hilft da auch nicht (aber söllner war live schon immer besser). auch der reggae hat jede farbe und jedes strahlen verloren, ist löchrig geworden und blass, oft sogar fad klingt er nun, fast wie eine pflichübung manchmal, nicht mehr wie eine tiefe innerste überzeugung.</p>
<p>ein alterswerk ist „mei zuastand”, ohne zweifel. aber gebraucht, gebraucht hätte es das nicht … söllner zuzuhören, wie er sich im „wintertraum” verliert („oin winter in mir, der koi ende mehr nimmt” ) — ich kann mich nicht entscheiden, ob das traurig, folgerichtig oder einfach der lauf der dinge ist …</p>
<p>und dann noch das cover. das sieht söllner aus wie ein alter indianer-häuptling. bald wird er in weisen sprüchen und zungen zu uns reden, unser neuer gott. oder, wenn man ins digipack hinein schaut: söllner als der alte, der weise vom berge, der aus der ferne geruhsam beobachtet und scharf urteilt … — mit solchen klischees spielt nicht nur die verpackung, das atment auch die musik immer. und er wird uns bis zum — nicht mehr fernen — letzten atemzug ermahnen, jetzt doch mal endlich, endlich aufzustehen, mal was zu tun, gegen all die bösen, bösen missstände, und gegen die blöden und böser bolitiger mal so eine richtige revolution anzuzetteln und die macht der liebe zu entfesseln und das universum entscheiden lassen (ja, das ist dann halt söllners privatreligion. dafür muss man sich wahrscheinlich erst ein paar dutzend jahre bekiffen …). inhaltlich war das natürlich schon immer mehr oder weniger quatsch. aber jetzt klingt es leider auch noch so, als ob söllner das selbst so sähe — und dann hat das ganze natürlich überhaupt keinen sinn mehr.</p>
<p>hans söllner: mei zustand. trikont 2011.</p>

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		<title>Poppiger Barock: H&#228;ndels Hallelujah aufgepeppt</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jul 2011 11:10:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der erste Blick ist richtig erschreckend: „ss-p-t-pow“, „dang-dang-tsch-gang-g-dah-dab“ — das soll jetzt H&#228;ndels Hallelujah sein? Dieses willk&#252;rliche Durcheinander von Pausen und Noten, von Punktierungen und Synkopen? Und diese sinnentleerten Laute? Ja, hinter dem scheinbaren Chaos steckt tats&#228;chlich „das“ Hallelujah aus H&#228;ndels „Messiah“. Allerding ganz leicht &#252;berarteitet: Eine Renovierung k&#246;nnte man die Bem&#252;hungen Bernhard Hofmanns nennen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der erste Blick ist richtig erschreckend: „ss-p-t-pow“, „dang-dang-tsch-gang-g-dah-dab“ — das soll jetzt Händels Hallelujah sein? Dieses willkürliche Durcheinander von Pausen und Noten, von Punktierungen und Synkopen? Und diese sinnentleerten Laute?</p>
<p>Ja, hinter dem scheinbaren Chaos steckt tatsächlich „das“ Hallelujah aus Händels „Messiah“. Allerding ganz leicht überarteitet: Eine Renovierung könnte man die Bemühungen Bernhard Hofmanns nennen. Denn seine Bearbeitung soll den Klassiker mal wieder auffrischen: Er macht Pop, was schon immer Pop war und ist – nur dass es sich jetzt auch für das 21. Jahrhundert so anhört. Und in dieser Hinsicht findet dann plötzlich alles seinen Platz, steht jede Note und jede Pause ganz richtig und fängt – mit ein bisschem Durchblick und Übung – auch wirklich leicht zu grooven an. Vor allem rhythmische Sicherheit und Festigkeit der Sänger sind dafür allerdings unabdingbare Voraussetzung, sonst wird es schwierig, das lebendig werden zu lassen. Auch ein klangkräftiges, sicheres Bassgrundierung ist unablässlich. Aber das ist bei Händel ja auch nicht viel anders. Jedenfalls hat Hofmann für seinen sechstimmigen Satz die wesentlichen Momente des Originals – etwa die Unisoni bei „For the Lord God“ — bewahrt und ziemlich geschickt in sein Arragenment eingebaut, der zugleich klassischer Chorsatz und Popsong sein will.</p>
<p>Eine durchaus vorsichtige, ja sehr behutsame Renovierung ist das also: Ein frischer Anstrich für ein altes Haus – die Substanz ist die gleiche, an manchen Stellen sieht es trotzdem auf einmal ganz anders und neu aus, bietet der wahrscheinlich bekannteste Chorsatz der Musikgeschichte wieder ein neues Hörerlebnis. Ohne Zweifel ist das eine angenehme Überraschung – und ein wunderbares Zugabenstück.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.deutscher-chorverband.de/index.php?page=neue-chorzeit" title="Neue Chorzeit" target="_blank">neue chorzeit</a></span>.)</p>
<p> </p>

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		<title>Singende Seelen</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jul 2011 14:07:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn ein A-Cappella-Ensemble sich den Namen „Sjaella“, f&#252;r „Seele“ gibt, kann man von der ersten CD schon einiges erwarten. Besonders beseelt singen die sechs jungen S&#228;ngerinnen auf ihrer Deb&#252;t-Aufnahme allerdings eher selten. Ein bisschen schade ist das, die technischen M&#246;glichkeiten dazu h&#228;tte die Gruppe, die trotz der Jugend ihrer Mitglieder sch&#246;n sechs Jahre gemeinsam singt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ein A-Cappella-Ensemble sich den Namen „Sjaella“, für „Seele“ gibt, kann man von der ersten CD schon einiges erwarten. Besonders beseelt singen die sechs jungen Sängerinnen auf ihrer Debüt-Aufnahme allerdings eher selten. Ein bisschen schade ist das, die technischen Möglichkeiten dazu hätte die Gruppe, die trotz der Jugend ihrer Mitglieder schön sechs Jahre gemeinsam singt, nämlich durchaus. Der wilde Stilmix, das kunterbunte Sammelsurium dieser CD zeigt das deutlich: Intonationssicher und klar ausbalanciert singen sie immer, ob die Musik von Knut Nystedt stammt oder von Sting, ob gerade die Noten von Duruflés „Tota pulchra es“ oder ein Volksliedsatz an der Reihe sind: Immer wieder singt Sjaella ohne Zweifel sauber – man könnte problemlos mitschreiben. Aber Charme, Inspiration oder Esprit – das vermittelt die Aufnahme leider kaum. Deswegen hängen selbst Beatles-Hits wie „Drive my car“ oder Stings „Valparaiso“ etwas glanzlos im leeren Raum. Dabei gelingt Sjaella durchaus einiges, Diamons are a girl’s best friend etwa – das hat in seiner naiven Unschuld schon seinen Reinz … Aber ob das wirklich so tief ins Innere der Teenager-Seelen blicken lässt, wie das Booklet behauptet?</p>
<p>Sjaella: Sjaella. Querstand VKJK 1009. 2011. 48:52 Minuten.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.deutscher-chorverband.de/index.php?page=neue-chorzeit" title="Neue Chorzeit" target="_blank">neue chorzeit</a></span>.)</p>

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		<title>est</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Nov 2010 01:25:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Dieses Eric Svensson Trio. Und diese Musik, das ist unglaublich. […] Da ist kein Ton, den ich nicht schon geh&#246;rt h&#228;tte, der beutet alles aus, von Bill Evans bis Pat Metheny udn macht daraus so was angenehm … […] Es ist nicht richtig kuschelig. Die improvisieren, aber das ist keine richtige Improvisation. Selbst die Ekstatse [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Dieses Eric Svensson Trio. Und diese Musik, das ist unglaublich. […] Da ist kein Ton, den ich nicht schon gehört hätte, der beutet alles aus, von Bill Evans bis Pat Metheny udn macht daraus so was angenehm … […] Es ist nicht richtig kuschelig. Die improvisieren, aber das ist keine richtige Improvisation. Selbst die Ekstatse ist gespielt.” (Frank Witzel, in: ders., Klaus Walter, Thomas Meinecke: Die Bundesrepublik Deutschland, 121)</p>

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		<title>Die Finnen sind wieder da: Rajaton mit neuer CD</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Oct 2010 20:22:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit Spannung und gro&#223;er Vorfreude wurde diese CD erwartet. Fast zu viel Erwartung war das, die Anspr&#252;che sind hoch. Und vielleicht doch zu hoch ;-) Aber jetzt ist es ja da, das neue Album von Rajaton, am Donnerstag lag es in meinem Briefkasten: „Tarinoita” hei&#223;t es, seit drei Jahren die ersten neue CD mit echter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Spannung und großer Vorfreude wurde diese CD erwartet. Fast zu viel Erwartung war das, die Ansprüche sind hoch. Und vielleicht doch zu hoch ;-) Aber jetzt ist es ja da, das neue Album von <a href="http://www.rajaton.net">Rajaton</a>, am Donnerstag lag es in meinem Briefkasten: „<a href="http://www.tarinoita.net">Tarinoita</a>” heißt es, seit drei Jahren die ersten neue CD mit echter Rajaton-Musik (dazwischen lagen die geniale Abba-CD, das auch schöne Queen-Projekt und Best-Of-Kompilationen).</p>
<p>Also, schnell in den CD-Player damit und ein erstes Hören. Und die hohen Erwartungen bleiben eher unerfüllt. Sicher, das ist eindeutig Rajaton. Aber irgendwie macht es nie klick, ist da nichts dabei, was mich spontan begeistert. Aber dann heute, auf der richtigen Anlage zu Hause klingt das doch gleich ganz anders.  Genial ist der zweite Track, „The Lament”, schon ein bisschen (der war mir schon beim ersten Hören auch sehr sympathisch). Hier breitet Rajaton sein enormes Repertoire an klanglichen Fähigkeiten ungeniert aus. Und es doch kein technisches Show– oder Bravourstück, sondern ein wunderschöner, etwas trauriger, aber durchaus positiver Song.</p>
<p>Überhaupt, das Positive. Dieses ganze Album ist infiziert vom Glücks-Virus. Man muss nur ins Booklet schauen: Auf jeder Doppelseite strahlt die glückliche, zufriedene Rajaton-Familie, versammelt zum lukullischen Picknick in idyllischer Landschaft (ich glaube, ich muss mal nach Finnland ;-) und freut sich des Lebens. Aber nun der Reihe nach:</p>
<p>Das eröffnende „Onni”, d.h. Glückl, ist wunderbar entspannt, sowas von relaxt, dass ich gleich meinen Lieblingssessel und ein Glas Rotwein brauche … (etwas viel der Studiotechnik-Spielerei stört aber ein kleines bisschen). Auch „The Lament (Of My Heart)” ist ebenfalls eigentlich sehr locker, weit schwingend, sanft wiegend, und immerhin ein kleines bisschen verspielt, mit großartigem Soundgeschehen: Ganz klar ein erster Höhepunkt. Dafür ist das umwerfende „Aurora” dann eine klassische, schöne Up-Tempo-Nummer — da sieht man mal wieder die Kunst Rajatons: Die Verwandlung. Das klingt ganz anders, viel heller, spitzer, spritziger. Und schon wieder neu, mit einem schönen Arrangement, sehr einfallsreich und geschickt austariert.</p>
<p>Mit „Uphill” wildert Rajaton dann, mit einem scheinbar unterkomplexer Satz (der natürlich durchaus seine Feinheiten hat) in ihnen eher fremden Gefilden, tun das aber nicht nur mit ganz schön massivem Ensembleklang, sondern auch mit Überzeugung. Dafür schlägt das folgende „Väinamöisen Veneretki” dann aber wieder ziemlich zu, mit großem Effekt und viel Effekt, mit ganz viel „Natur”, mit wassergeplätscher, wind, vögelgezwitscher und vor allem eingängigen Melodien</p>
<p>„I Need You To Turn To” ist in seiner positiven Gewissheit, verbunden mit einem minimalen melancholischen Einschlag, ein typischer Rajaton-Song — mit einer einschmeichelnden Melodie, genial arrangierten wortlosen Zwischenmusiken und Hintergrundgesängen (wobei das kaum mehr als Hintergrund zu bezeichnen zu ist, das ist wesentlicher Teil der musikalischen Erscheinung).</p>
<p>Das „Glass House” ist dann wirklich gläsern. Wahnsinn, sie können noch einen Tick durchsichtiger, gläserner ebener, singen als sonst. Klarheit überstrahlt alles — auch wenn das eigentlich gar kein so fröhlicher Text ist, die Musik gewinnt ihm doch einiges Positives ab. Um „Tuuti, Tuuti Poiuttani” als Wiegenlied zu erkennen, braucht man kein Finnisch zu können — auch hier schafft es die Musik ganz alleine, die zentrale Botschaft schon in den ersten Takten zu vermitteln — eine Geborgenheit des Kindseins, die das Erwachsenwerden immer schon in sich trägt und entsprechend nie frei von Ambivalenzen ist.</p>
<p>Mit „Surma” erreicht Rajaton das andere Ende des Lebens, den Tod. Der grummelt zwar mal im Bass etwas röhrend-bedrohlich herum, hat gegen den Rest der Stimmen aber keine dauerhaften Durchsetzungschancen. „Kaivo” besingt wieder mal einen Brunnen („Un-Wishing Well”, in der Version von „Out of Bounds” ist einer meiner Alltime-Favoriten unter den Rajaton-Songs), mit großem Geschütz und großer Geste — die Idylle kehrt endgültig zurück und wird im abschließenden „Laulua Lopettaessa” — dem Ende des Singens — freiwillig beendet. Das ist vielleicht überhaupt ein guter Schlüssel für das gesamte Album: Die Selbstermächtigung des Sängers: Das Lied beginnt, wenn ich singe — und es hört auf, wenn ich nicht mehr singe. So geht es auch mit der Fröhlichkeit, dem Glück, der Idylle dieser Musik: Sie liegt im Sänger, der Sängerin. Und auch — ein bisschen zumindest — im Hörer. Aber nicht wirklich in der Welt …</p>
<p>„Tarinoita” heißt wohl soviel wie Geschichten. Das ist mir hier aber nicht aufgefallen, dass sie besonders stark beim Erzählen von Geschichten wären. Und das liegt bestimmt nicht nur, zum Teil aber durchaus an der Sprachbarriere. Mir sind die Songs dieser CD, wie so oft bei Rajaton, eher tönende, klingende Tableaus als Geschichten. Jede Nummer hat ihren eigenen Klang. Aber wie gesagt, erzählerisches kann ich darin eher wenig entdecken. In manchen Momenten erinnert das sogar ein bisschen an die Weihnachts-CD — ist wahrscheinlich der finnische Einschlag, der hier durchkommt. Aber die Momente dauern nicht, denn dafür ist Rajaton viel zu abwechslungsreich: Chamäleonartig wechseln sie ständig ihre Erscheinung. Das wirkt manchmal schon fast ein wenig erschlagend, auch manchmal einen Tick zu sehr gewollt, ist in manchen Momenten einfach ein bisschen viel auf einmal.</p>
<p>Und noch ein kleines Aber: Wie eigentlich immer würde ich mir ja schon mal wünschen, dass Rajaton mal in ein richtig gutes Studio geht und einen Tontechniker engagiert, der ihrem Niveau entspricht. Klanglich, also was die Aufnahmeseite und Reproduktion angeht, ist da nämlich noch viel herauszuholen. Sie haben ja eine Tendenz, mit dem Möglichkeiten der Technik etwas zu spielen. Aber das Ergebnis, insbesondert die Hallvarianten, klingen oft, nun ja, eher bescheiden für die heutigen Möglichkeiten. Live nehme ich so etwas gerne in Kauf, bei einer CD, die ja auch immerhin fast 20 Euro kostet, hätte ich’s schon gerne etwas besser. Vor allem bei einem so großartigen Ensemble wie Rajaton.</p>
<p><a href="http://www.rajaton.net/en/frontpage/">Rajaton</a>: <a href="http://www.tarinoita.netUeng/songs.htm">Tarinoita</a>. Boundless Records 2010.</p>

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		<title>Der Mond ist immer noch dunkel</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Oct 2010 20:17:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Wird Pop die neue Klassik? Ersetzt die Bewertung der Interpretation die „alte” Popkritik, wird die Abweichung oder Treue zum Original statt der Neuheit, der Innovation, des Überraschenden und Ungewohnten fokussiert? Anzeichen dafür gibt es — aber eigentlich schon immer und immer wieder. Denn Referenzen an Idole tauchen in der Popgeschchte häufiger auf, die sich dann auch als Interpretation eines Textes (dem Originalsong) lesen lassen. Dass ganze Alben re-interpretiert werden, ist aber — von dezidierten Cover– &amp; Tribut-Bands mal abgsehen — aber schon seltener. Doch vielleicht ist es trotzdem noch etwas weit hergeholt, die Datenbasis (noch) etwas schmal, um hier eine neue Ära der Popgeschichte einzuläuten.[1 Irgendwer tat das schon, ich finde es aber gerade nicht mehr, wo ich das las …]</p>
<p>Jedenfalls lässt sich die neue Platte der <a title="The Flaming Lips" href="http://www.flaminglips.com/" target="_self">Flaming Lips</a> so lesen: „The Dark Side of the Moon” als — ja, als was eigentlich? Referenz? Interpretation? Coverversion?[2 Zum Original gibt es übrigens einen seeeehr umfassenden Artikel in der englischsprachigen Wikipdia: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Dark_Side_of_the_Moon" target="_blank">klick</a>.] In der <a title="Christian Kortmann &uuml;ber &quot;The Dark Side of the Moon&quot;" href="http://www.zeit.de/2010/34/Flaming-Lips" target="_blank">Zeit</a> wird das sogar als „originaler als das Original” eingestuft. So weit würde ich wohl nicht gehen. Und ich würde diese Platte als Zeichen auch nicht überinterpretieren wollen. Aber neugierig gemacht hat sie mich schon, auch wenn ich kein Fan der Flaming Lips bin.</p>
<p>Der Titel ist jedenfalls schon mal genial, auf seine verrückte Weise. Eigentlich heißt die Platte nämlich: „The Flaming Lips With Stardeath And White Dwarfs With Henry Rollins And Peaches Doing Dark Side Of The Moon”. Und dann natürlich die Musik: Beim ersten Hören überrascht, sehr sogar, hat mich die Nähe zum Original: Das klingt eher wie eine Coverversion als eine Aneignung. Aber man merkt dann doch Unterschiede. Vor allem, wenn man sich das Original noch einmal anhört. Pink Floyd ist reiner und purer, ja, auch perfekter im Sound, im Zusammenklang des ganzen Songs und des ganzen Albums. Und das Original hat irgendwie mehr Swing, einen angenehmeren Puls, mehr Feeling. Die Flaming Lips sind, von Natur aus sozusagen, härter, sie bolzen das oft mit wesentlich mehr Kraft und Druck heraus als es Pink Floyd vor Jahrzehnten tat. Die Flaming Lips sind rauer und derber — etwa so, als würden sie der Feinheit des Originals (die ja auch nur eine relative war/ist) nicht mehr ganz trauen, als sähen sie eine (leichte) Verschärfung für notwendig, um die Songs am Leben zu halten. Natürlich sind sie ingesamt rockiger und kerniger. Diese Mondseite wird zunächst mal ganz stark bestimmt vom insistierenden, pochenden Treiben der E-Gitarren. Und sie wirkt insgesamt viel dringlicher, nicht so einfach zu erledigen, nicht in den Hintergrund abschiebbar: Das hier muss jetzt (noch einmal) gehört werden und nicht nur geduldet, das verlangt viel stärker eine Reaktion als Pink Floyd. Zumindest als es Pink Floyd heute tut, damals, 1973 (ja, so lange ist das schon her …), mag das anders gewesen sein, dass kann ich leider nicht beurteilen. Jedenfalls könnte die Aufmerksamkeitsbeanspruchung der „neuen” Version eben auch an ihrer „Neuheit” (die ja wiederum — wenn überhaupt — nur eine graduelle ist) liegen und weniger an der konkreten musikalischen Gestalt, dem Sound der Flaming Lips). Sehr schön allein schon das Husten bei „Breathe”, das der Musik alles entspannt-relaxte mit einem Schlag wegnimmt. Und „The Great Gig in the Sky” wird dann zum großen Panorama überhaupt, <em>dem</em> Überblick, „Money” dagegen zur Musik oder dem Abbild einer harten, verstörten (verzerrten) Welt — noch dadurch etwas stärker als im Original, würde ich meinen.</p>
<p>Peter Gabriels „Scratch my Back” wäre eine ander Veröffentlichung der letzten Zeit, die sich (auch) in diesem Sinne lesen ließe. Aber vor allem wohl als Referenz an die Songs und ihre Urheber. Und übrigens ganz eigenwillig interpretiert, was die Songs fast schon wieder zu Gabriels macht.[3 Sting macht’s lieber mit seiner eigenen Musik oder gleich mit alten, d.h. barocken Liedern … — aber davon halte ich ja nicht so sehr viel, ohne das hier weiter ausführen zu wollen …] Und während ich das schreibe, fällt mir noch etwas anderes ein: Noel Akchoté, der auf „<a href="http://www.winterandwinter.com/index.php?id=1410" target="_blank">So lucky</a>” Kylie Minogues Song interpretiert — oder als Vorlage für seine eigene Musik nimmt (was nebenbei auch zeigt: wie gut die Songs sind und in Erinnerung ruft, wie gut Minogue als Performerin ihrer Songs ist …). Aber der ist ja im Herzen Jazzer, die hatten schon öfters einen lockeren Umgang mit Inspirationen und Vorlagen für ihre Musik.[4 Zum Beispiel <a title="rusconi" href="http://www.rusconi-music.com/" target="_blank">Rusconi</a>, die auf „<a title="Rezension in der Zeit" href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2010/05/12/rusconi-sonic-youth_5415" target="_blank">It’s a sonic life</a>” Musik der Sonic Youth verarbeiten.]</p>
<p>The Flaming Lips With Stardeath And White Dwarfs With Henry Rollins And Peaches Doing Dark Side Of The Moon. Warner 2010.</p>

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		<title>Kratz meinen R&#252;cken</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 11:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[R&#252;hrend ist wohl das Wort, mit dem man Peter Gabriels „Scratch My Back”, sein achtes Studioalbum, am besten beschreiben k&#246;nnte. Reduktion und innere Ruhe, ja eine gewisse Gelassenheit und Selbsicherheit, bestimmt diese Musik: Popsongs — gesungen, mit ein paar wenigen (akustischen) Instrumenten, in mehr oder weniger orchestralem Arrangements, die aber nie — auch dort nicht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rührend ist wohl das Wort, mit dem man Peter Gabriels „Scratch My Back”, sein achtes Studioalbum, am besten beschreiben könnte.</p>
<p>Reduktion und <a title="HD Schellnack &uuml;ber &quot;Scratch my back&quot;" href="http://www.hdschellnack.de/peter-gabriel-scratch-my-back/" target="_blank">innere Ruhe</a>, ja eine gewisse Gelassenheit und Selbsicherheit, bestimmt diese Musik: Popsongs — gesungen, mit ein paar wenigen (akustischen) Instrumenten, in mehr oder weniger orchestralem Arrangements, die aber nie — auch dort nicht, wo sie sehr symphonisch werden — aufdringlich wirken. „stark but always emotional” wollte Gabriel die Arrangements (von John Metcalfe) haben. Und ich denke, das ist sehr gut getroffen …</p>
<p>Den Anfang macht David Bowies „Heroes”, mit zarter, sanfter Streicherbegleitung, voller Sehnsucht — aber nicht nach vergangenem, sondern nach zukünftigem: Das ist der Klang gewordene Wunsch nach Stärke im Leben, nach gelungenem Lebensvollzug. „The Boy In The Bubble”, ein alter Paul-Simon-Song (von mir auch im Original auf „Graceland” sehr geschätzt), wie Gabriel hier fast — aber ganz kontrolliert — die Stimme versagt … „The Power Of The Heart” hat dann auch eine ganz eigene Kaft, die Stärke der inneren Überzeugung, der Gewissheit und Vergewisserung, die unbedingt nach außen dringen will. Und dann natürlich, mein absoluter Liebling auf dieser CD, den ich mir immer wieder anhören könnte: „My Body Is A Cage” (von Arcade Fire), allein schon wengen der wunderbaren Melodie und dem unverdrossenen „But my mind holds the key” — einfach grandios, und dieser herrliche Orchesterausbruch, der das ins Überirdische steigert — grandios, ich muss es einfach wiederholen.</p>
<p>Die meisten Songs kenne ich aber überhaupt nicht im Original (zumindest nicht bewusst). Aber das macht natürlich überhaupt nichts, denn das, was Gabriel hier vorlegt, hat seine Berechtigung ganz aus sich selbst. Dazu gehört auch, dass „Scratch My Back” wirklich ein Album aus einem Guss geworden ist: Die zwölf Songs sind zwar durchaus abwechslungsreich und verschieden, jeder mit seiner eigenen Stimmung und Identität, aber sie passen (natürlich auch durch ihre ähnliche Klanglichkeit im Arrangement) auch wunderbar zusammen, ergeben eine sehr schöne, dichte Abfolge. Auch wenn es die größten Gegensätze gegeneinander stellt, zum Beispiel der extrem minimalistischen Version von Randy Newmans „I Think It’s Going To Rain Today” direkt das pompös-orchestrale „Après Moi” folgen lässt, in dem sich Gabriel völlig gehen lässt: „It’s the only place on the record where I let myself loose, screaming in a way I haven’t done since the <em>Passion</em> record.” (aus einem <a title="Interview mit Peter Gabriel" href="http://thequietus.com/articles/03628-peter-gabriel-on-new-album-scratch-my-back-review" target="_blank">Interview</a> auf <a title="the quietus" href="http://thequietus.com/" target="_blank">The Quietus</a>).</p>
<p>Faszinierend ist auf jeden Fall, was so „simple” Pop-Songs hergeben können, wenn sich ein Meister über sie hermacht (aber auch hier gilt natürlich: das klappt auch nicht immer). Und ja, das wird durchaus auch mal sentimental. Aber irgendwie bleibt es dennoch angenehm und erträglich: Auch wenn die „dunkle” Seite vorherrscht, wirkt die Musik einfach sehr ehrlich und persönlich.</p>
<p>(Mir ist natürlich klar: „Scratch My Back” hat natürlich nichts mit einem kratzenden Rücken zu tun, sondern meint im deutschen das „Eine Hand wäscht die andere” und hängt hier mit Peter Gabriels Konzept zusammen, diese Platte mit einem „Gegenstück” zu komplettieren, auf dem befreundete Musiker seine Songs interpretieren.)</p>
<p>Peter Gabriel: <a title="en-wikipedia" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Scratch_My_Back" target="_blank">Scratch My Back</a>. Real World/Virgin 2010.</p>

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		<title>wise guys: so viel nettigkeit — das kann doch nicht sein</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 18:27:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[sie nervt zumindest ein bisschen. aber bevor ich das l&#228;stern anfange, zun&#228;chst einmal den text, den ich f&#252;r die mainzer rhein-zeitung schrieb: Sie sind bringen alle zusammen: Singende Kinder, kreischende Teenies mit und ohne Eltern, alte Fans, die schon beim ersten Konzert dabei waren genau wie zahlreich neu enthusiasmierte, solche mit Partitur unterm Arm und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>sie nervt zumindest ein bisschen. aber bevor ich das lästern anfange, zunächst einmal den text, den ich für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span> schrieb:</p>
<p>Sie sind bringen alle zusammen: Singende Kinder, kreischende Teenies mit und ohne Eltern, alte Fans, die schon beim ersten Konzert dabei waren genau wie zahlreich neu enthusiasmierte, solche mit Partitur unterm Arm und diejenigen, die schon im Tour-T-Shirt erscheinen und signierte CDs als Trophäen heimtragen. Bei den <a href="http://www.wiseguys.de" target="_blank">Wise Guys</a> ist einfach jeder zu Hause. Und die fünf sind überall dort daheim, wo ein Bühne und einige gut gelaunte Zuhörer zu finden sind. In Mainz passiert das öfters. Jetzt wieder mal in der Phönix-Halle, um ihr neues Album vorzustellen. Das heißt „Klassenfahrt“ — ein wunderbarer, passender Titel für das Quintett. Die auch nicht mehr ganz so jungen Herren aus Köln werden nämlich einfach nicht so richtig erwachsen. Dafür haben sie viel zu viel Spaß am Rumalbern. Und am Singen. Und ganz besonders, wenn sie beides verbinden können. Zum Beispiel in der Rap-Parodie „Hamlet“, in der zumindest zwei aus ihrer Mitte, Sari und Ferenc, mal die ganz harten Kerle geben. Das erfordert einige Umstellung, denn eigentlich sind die Wise Guys viel zu nett für so etwas. Deshalb ist das auch nicht gerade der Höhepunkt des Konzertes. Davon gibt es aber mehr als genug andere – mit den alten Hits wie „Es ist nicht immer leich ich zu sein“ oder dem unvergessenlichen „Radio“. Aber auch mit neuer Musik und neuen Texten, wie immer vor allem von Dän und Eddi.<br />
Denn, das zeigt „Klassenfahrt“ sehr schön, die Wise Guys bleiben sich treu. Und das heißt, dass sie weiterhin sehr nette, hitverdächtige Popsongs schreiben. Dass sie die als A-Cappella-Gruppe halt ausschließlich mit ihren Stimmbändern produzieren, ist da fast zufällig. Und gar nicht so wichtig. Hauptsache, die gute Laune kommt. Dafür brauchen sie nie viel: Eine eingängige Melodie, ein unbedingt gereimter Text, etwas Augenzwinkern: Und fertig ist schon die Rock-Hymne „Latein“, die den Klassenprimus zum Helden macht. Zumindest für diesen Song. Überhaupt ihr ungebrochener Optimismus. Das wird manchmal fast zu viel, wenn sie immer noch und wieder nur an das Gute glauben – selbst „Am Ende des Tages“, mag er noch so ruppig gewesen sein. Und das „Schlechte Karma“ wird natürlich auch umgehend überwunden. Das sind eben die Wise Guys: unverdrossen gut drauf. Das es musikalisch einfallsreichere und stimmlich raffiniertere Gruppen gibt, macht da gar nix. Denn wenn die Wise Guys dann zum Beispiel „Wo der Pfeffer wächst“ anstimmen, könnten sie sich ganz entspannen und aufs pantominische Singen verlegen – das Publikum singt gerne und rundum begeistert an ihrer Stelle. Aber das tun sie natürlich nicht. Sondern legen noch einen Zahn zu und rocken auf der Bühne mal so richtig ab. Schließlich wollen ja alle Spaß haben – und das „ganz ohne Drogen“, wie es einmal heißt. Aber irgendewie sind die Wise Guys doch auch eine Droge. Man kommt einfach nicht los von ihnen.</p>
<p>ja, so war das. und ich habe noch ein bisschen mehr drüber nachgedacht. vielleicht ist ja der erfolg der wise guys in deutschland das beste zeichen für ihr mittelmaß — in zeit und ort -, für die zufriedenheit der musiker &amp; des publikums mit der bequemen mitte, dem ewigen sowohl-als auch: ein bisschen witz, ein bisschen nachdenklichkeit, ein bisschen gut, ein bisschen böse, ein bisschen freud und ein bisschen leid. aber halt nichts richtig … nichts wirklich zu ende gedacht oder geführt. und das nervt nach einer weile — mich zumindest: diese ewigen halbheiten, die — das unterstelle ich — durchaus berechnet, zumindest beabsichtigt sind: nämlich aus der orientierung am größten gemeinsamen nenner. die offensichtliche ästhetische (und intellektuelle) belanglosigkeit ist die folge davon. und damit ist die musik nicht nur nachrangig, sondern auch voll zufrieden: das streben nach besonderem, nach außergewöhnlichem hat sie längst aufgegeben. das aber macht sie (fast) blödsinnig (ok, das ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen) massenkompatibel. nur eben auch langweilig und vorhersehbar. da ist für mich einfach kein kitzel, kein reiz mehr dran — weder musikalisch noch inhaltlich irgend etwas überraschendes, neues.</p>
<p>schon die besetzung weist ja darauf hin: fünf männerstimmen — aber keine extreme. kein wirklich tiefer bass und kein ordetnlicher hoher tenor. auch keine beatbox oder wirklich gute vocal percussion. und, das ist die kehrseite, deswegen sind sie ja auch so wunderbar zum mitsingen geeignet. aber das liegt natürlich auch an den einfachst gebauten songs, den übersichtlichen arrangements und vor allem den eingängigen, unkomplizierten, eigentlich sogar simplen melodien.</p>

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