„Nächstens mehr.“

Literatur, Musik, Theater – die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.

Archiv für das Schlagwort ‘pop’

wise guys: so viel nettigkeit – das kann doch nicht sein

keine Kommentare

sie nervt zumindest ein bisschen. aber bevor ich das lästern anfange, zunächst einmal den text, den ich für die mainzer rhein-zeitung schrieb:

Sie sind bringen alle zusammen: Singende Kinder, kreischende Teenies mit und ohne Eltern, alte Fans, die schon beim ersten Konzert dabei waren genau wie zahlreich neu enthusiasmierte, solche mit Partitur unterm Arm und diejenigen, die schon im Tour-T-Shirt erscheinen und signierte CDs als Trophäen heimtragen. Bei den Wise Guys ist einfach jeder zu Hause. Und die fünf sind überall dort daheim, wo ein Bühne und einige gut gelaunte Zuhörer zu finden sind. In passiert das öfters. Jetzt wieder mal in der Phönix-Halle, um ihr neues Album vorzustellen. Das heißt „Klassenfahrt“ – ein wunderbarer, passender Titel für das Quintett. Die auch nicht mehr ganz so jungen Herren aus Köln werden nämlich einfach nicht so richtig erwachsen. Dafür haben sie viel zu viel Spaß am Rumalbern. Und am Singen. Und ganz besonders, wenn sie beides verbinden können. Zum Beispiel in der Rap-Parodie „Hamlet“, in der zumindest zwei aus ihrer Mitte, Sari und Ferenc, mal die ganz harten Kerle geben. Das erfordert einige Umstellung, denn eigentlich sind die Wise Guys viel zu nett für so etwas. Deshalb ist das auch nicht gerade der Höhepunkt des Konzertes. Davon gibt es aber mehr als genug andere – mit den alten Hits wie „Es ist nicht immer leich ich zu sein“ oder dem unvergessenlichen „Radio“. Aber auch mit neuer Musik und neuen Texten, wie immer vor allem von Dän und Eddi.
Denn, das zeigt „Klassenfahrt“ sehr schön, die Wise Guys bleiben sich treu. Und das heißt, dass sie weiterhin sehr nette, hitverdächtige Popsongs schreiben. Dass sie die als A-Cappella-Gruppe halt ausschließlich mit ihren Stimmbändern produzieren, ist da fast zufällig. Und gar nicht so wichtig. Hauptsache, die gute Laune kommt. Dafür brauchen sie nie viel: Eine eingängige Melodie, ein unbedingt gereimter Text, etwas Augenzwinkern: Und fertig ist schon die -Hymne „Latein“, die den Klassenprimus zum Helden macht. Zumindest für diesen . Überhaupt ihr ungebrochener Optimismus. Das wird manchmal fast zu viel, wenn sie immer noch und wieder nur an das Gute glauben – selbst „Am Ende des Tages“, mag er noch so ruppig gewesen sein. Und das „Schlechte Karma“ wird natürlich auch umgehend überwunden. Das sind eben die Wise Guys: unverdrossen gut drauf. Das es musikalisch einfallsreichere und stimmlich raffiniertere Gruppen gibt, macht da gar nix. Denn wenn die Wise Guys dann zum Beispiel „Wo der Pfeffer wächst“ anstimmen, könnten sie sich ganz entspannen und aufs pantominische Singen verlegen – das Publikum singt gerne und rundum begeistert an ihrer Stelle. Aber das tun sie natürlich nicht. Sondern legen noch einen Zahn zu und rocken auf der Bühne mal so richtig ab. Schließlich wollen ja alle Spaß haben – und das „ganz ohne Drogen“, wie es einmal heißt. Aber irgendewie sind die Wise Guys doch auch eine Droge. Man kommt einfach nicht los von ihnen.

ja, so war das. und ich habe noch ein bisschen mehr drüber nachgedacht. vielleicht ist ja der erfolg der wise guys in das beste zeichen für ihr mittelmaß – in zeit und ort –, für die zufriedenheit der musiker & des publikums mit der bequemen mitte, dem ewigen sowohl-als auch: ein bisschen witz, ein bisschen nachdenklichkeit, ein bisschen gut, ein bisschen böse, ein bisschen freud und ein bisschen leid. aber halt nichts richtig … nichts wirklich zu ende gedacht oder geführt. und das nervt nach einer weile – mich zumindest: diese ewigen halbheiten, die – das unterstelle ich – durchaus berechnet, zumindest beabsichtigt sind: nämlich aus der orientierung am größten gemeinsamen nenner. die offensichtliche ästhetische (und intellektuelle) belanglosigkeit ist die folge davon. und damit ist die musik nicht nur nachrangig, sondern auch voll zufrieden: das streben nach besonderem, nach außergewöhnlichem hat sie längst aufgegeben. das aber macht sie (fast) blödsinnig (ok, das ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen) massenkompatibel. nur eben auch langweilig und vorhersehbar. da ist für mich einfach kein kitzel, kein reiz mehr dran – weder musikalisch noch inhaltlich irgend etwas überraschendes, neues.

schon die besetzung weist ja darauf hin: fünf männerstimmen – aber keine extreme. kein wirklich tiefer bass und kein ordetnlicher hoher tenor. auch keine oder wirklich gute percussion. und, das ist die kehrseite, deswegen sind sie ja auch so wunderbar zum mitsingen geeignet. aber das liegt natürlich auch an den einfachst gebauten songs, den übersichtlichen arrangements und vor allem den eingängigen, unkomplizierten, eigentlich sogar simplen melodien.

Geschrieben von matthias

8. Februar 2010 um 19:27

Abgelegt in medien,musik

Schlagworte: , , , , , ,

jazz oder was? die dritten jazztage des mainzer klangraums

keine Kommentare

zumindest der erste tag, beim zweiten abend konnte ich leider nicht dabei sein. aber die erste hälfte war schon ziemlich an- & aufregend – genau wie es das lineup verhieß: triband, frau contra bass, daniel stelter etc.

hier meine betrachtungen für die mainzer rhein-zeitung:
Zwei Duos und zwei Quartette: Schon der Auftakt der dritten Klangraum-Jazztage bot ein reichhaltiges Programm: Mit Blue Snow, FrauContraBass, Triband und der Daniel-Stelter- war das Programm nicht nur gut vollgepackt, sondern auch sehr unterschiedlich bestückt. Und einige Bekannte waren ja auch dabei, zusammen mit den neuen Gesichtern beim ausverkauften ersten Tag in der Showbühne. Die Veranstalter vom Klangraum-Studio freut der wachsende Zuspruch, die am am Eingang vergeblich noch um Einlass bittenden vermutlich weniger. Ddenn sie verpassten wirklich einiges. Nach dem leisen, feinsinnig-versponnen Auftakt von Blue Snow, dem schweizerischen Percussionisten-Duo, das mit Marimbaphon, Vibraphon und auch auf dem umfunktionierten Ikea-Tisch Rhythmen aller möglichen Herkünfte ganz ohne schweizer Gemütlichkeit mischte, war es aber mit der Ruhe und Gelassenheit ganz schnell vorbei.
FrauContraBass, das andere Duo, erfreuten schon im letzten Jahr bei den Jazztagen. Auch jetzt hatten Sängerin Katharina Debus und Bassist Hanns Höhn wieder viel launige Musik dabei. Mit Stevie Wonder, Jamiroquai und vielen anderen widmen die beiden sich der Liebe – der körperlichen und der platonischen, der erfüllten und der versagten. Trotz der Reduktion des musikalischen Materials erzeugen sie großartige Effekte: Höhn schrammelt, zupft, klopft und reibt an allen Ecken und Enden seines Kontrabasses, Debus lässt ihre kräftige, volle Stimme röhren, scatten und schmeicheln.
Auch die Daniel-Stelter-, die zum Schluss, gegen Mitternacht, als das Publikum schon anfing zu schwächeln, der Showbühne einheizte, war im letzten Jahr schon zu Gast. Und immer noch scheinen die vier Männer über unerschöpfliche Energiereservoirs zu verfügen. Die Rhythmusgruppe ist zwar personalidentisch mit der von Triband. Aber mit Ulf Kleiner an den Fender-Rhodes und Daniel Stelters sowie seiner E-Gitarre wird das ganz anders: Die druckvollen, knackig dröhnenden Grooves werden mit dem Mut und der Kraft zu ganz schlichten, betörenden Melodien großer Prägnanz konfrontiert und ergänzt. Egal, ob als Hommage an einen HipHopper oder in der traurigen Geschichte eines untergehenden Papierbötchens: Alles überflüssige wird gnadenlos entsorgt, auf der Suche nach dem Optimum ihrer Musik ist das Quartett schon ziemlich nah am Ziel.
Damit knüpfen sie nicht nur personell an Triband an. Auch die machen nicht gerne viele unnötige Worte und Töne. Aber sie sind exaltierter, experimentierfreudiger. Ihre Mischung aus Pop, , Funk und einem reichlichen Schuss Soul ist dabei aber auch wunderbar ausgefeilt. Und live noch besser als im Studio: Noch präziser in den Stimmungen, noch genauer und auch noch konzentrierter, noch – was man kaum glauben mag – ein bisschen mehr entschlackt und zugleich gnadenlos fokussiert. Diese Strenge, gepaart mit der unbändigen Freude – die Musiker scheinen oft noch mehr Spaß zu haben als das auch schon begeisterte Publikum – das ist so zwingend, so unbarmherzig richtig – und so wunderbar gut.
Und es ist eine herrliche Ergänzung für die Jazztage und passt genau in deren Profil. Nach dem ersten Abend war ja noch nicht Schluss: Am Samstag ging es genauso bunt und umfangreich weiter – diesmal mit der Phoenix-Foundation und Lars Reichow, mit dem akustischen von Spaniol 4, dem elektronisch abgeschmeckten Klängen von „2 fishes in the big big sea“ und den hauseigenen Vibes.

Geschrieben von matthias

30. Januar 2010 um 21:40

Abgelegt in kritik,musik

Schlagworte: , , , , , ,

„YouTube hat das Beatboxen revolutioniert“

keine Kommentare

Raue Industrieklänge mischen sich hier mit feinsten Harmonien – der Vocal Jazz Summit in der Mainzer Phönixhalle bringt reine Töne in eine eher ungemütliche Gegend. Aber die Sänger und Fans sind ja nicht gekommen, die Aussicht zu bestaunen. Sondern zu arbeiten, zu lernen und vor allem ganz viel zu hören. In allen Facetten.

Mittendrin in dem Gewusel schlendert Tobias Hug gelassen vom Studioraum zur Kaffeetheke, vom Foyer auf die große Bühne. Der auf den ersten Blick unscheinbare, zurückhaltende Bass der Swingle Singers ist eine der zentralen Figuren des Summits, der nach der Premiere 2005 zum zweiten Mal in stattfindet.

Hug, immer eine schicke Kappe auf dem kahlen Kopf, hat seine Arbeit nämlich schon vor dem eigentlichen Beginn angefangen. Drei Tage hat er mit drei Kollegen und 28 Lernwilligen die Masterclass „ and Beyond“ in der Mainzer Hochschule für Musik auf die Beine gestellt.

„Es war ungeheuer intensiv. Und es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wir hatten eine ganz starke Eigendynamik, die Gruppe hat sich ganz schnell zusammengefunden. Und was uns besonderen Spaß gemacht hat: Wir haben noch nicht zusammen gearbeitet, das war auch für uns ein neues Konzept.“ Wir, das sind die vier Dozenten: Neben Hug sein Bass-Kollege bei den Swingle Singers, Kevin Fox, dazu der belgische Beatboxer und Vize-Weltmeister RoxorLoops und der Franzose Jérôme Colloud, ein Akrobat nicht nur der Stimme.

„Erstmals haben wir hier mit Dozenten aus verschiedene Richtungen gearbeitet“, erzählt Hug: „Hip-Hop, -, Theater: die verschiedensten Improvisationstechniken waren hier vertreten. Und natürlich spielte das Beatboxen eine besondere Rolle, aber wir haben auch viel mit anderen Improvisationsmodellen gearbeitet, mit circle songs oder Techniken aus der Theaterimprovisation. Unser Ziel war immer, abwechslungsreich zu bleiben und doch zu etwas Gemeinsamen zu kommen.“

Die Masterclass lebte auch von ihrer bunten Zusammensetzung – von Hip-Hop-Kids bis zu gestandenen Chorleitern und Musiklehrern war so ziemlich alles vertreten. Und alle waren nicht nur musikalisch neugierig und offen: „Wir haben ungeheuer viel zurückbekommen von den Teilnehmern, die haben sich gut miteinander verstanden. Und die Experimentierfreude hat uns immer wieder überrascht. Vor allem aber die großen Entwicklungen in diesen drei Tagen, wie wirklich alle sehr bald ihre Hemmungen fallen gelassen haben – das war wirklich toll. Denn am Anfang ist man natürlich scheu, es klingt ja auch etwas albern zunächst, wenn man es noch nie gemacht hat – aber in der Masterclass haben alle diese Scheu abgelegt.“ Das Abschlusskonzert, zugleich offizieller Beginn des eigentlichen Summits, war zwar fast eine reine Insider-Sache, konnte den Enthusiasmus Tobias Hugs aber gut belegen: Die Dozenten traten kaum mehr in Erscheinung, die Gruppe steuerte sich selbst durch verschiedene Improvisationen, in Gruppen und solistisch, im Circle und dem Hip-Hop-Break.

Aber wie kommt man als Schulmusikstudent in Trossingen überhaupt zu den Swingle Singers? Und zum Beatboxen?

„Ich habe in einer a-cappella-Gruppe gesungen, die sich aus dem Jazzchor Freiburg entwickelt hat. Da war ich Bass und habe angefangen, gleichzeitig Beats zum Bass dazu zu machen. Dann hat mich das so interessiert und fasziniert, das ich nach allem gesucht habe, was ich irgendwie finden konnte und habe einen -Workshop in Österreich mitgemacht. Gleichzeitig war dort auch ein Swingle-Singers-Workshop. Da habe ich die Swingle Singers kennen gelernt und gemeint, wenn ihr mal einen Bass braucht, meldet euch. Damals studierte ich noch Schulmusik in Trossingen. Sechs Monate später hatte ich – am Tag meiner Zwischenprüfung – das erste Vorsingen in London …“

Seit 2001 ist er jetzt Bass bei dem wohl dienstältesten --Ensemble der Welt. Und inzwischen auch künstlerischer Leiter des Ensembles.

Überhaupt hat er schon viel gemacht – Anthropologie studiert, Geschäftsmann mit eigenem Unternehmen zum Import von Computerteilen gewesen, als Koch gearbeitet – und dann doch der Entschluss: „Ich muss es mit der Musik probieren. Wenn es nicht klappt – okay. Aber bisher läuft es ganz gut. Es kann also gut sein, dass das deutsche Beamtentum mich für immer verloren hat.“

Inzwischen ist er trotzdem eine Art Lehrer geworden. Denn immer öfter lässt er andere, junge Sänger und Ensembles an seinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben – da geht es längst nicht nur um das Beatboxen, sondern auch um klassische Ensembletechniken oder verschiedene Methoden des Obertongesangs. Auch das ist typisch für Tobias Hug: „Ich habe halt schon immer, von Kindesbeinen an, ganz viel mit der Stimme einfach experimentiert und rumgespielt.“ Grenzen gibt es da kaum noch.

„YouTube hat das Beatboxen wirklich revolutioniert: Zum Einen kennt jetzt fast jeder Beatboxen. Dann hat es das Beatboxen auch in den Mainstream geschafft – Björk, Justin Timberlake, DSDS – überall findet man sie jetzt.“ Er selbst hat noch ohne das hilfreiche Internet-Videoportal gelernt – mit einer amerikanischen VHS-Kassette und vielen direkten Kontakten zu Beatboxern. Aber Tobias Hug ist doch immer noch in erster Linie Bass, kein reiner Stimmakrobat: „Das Interessante beim Beatboxen ist dann eigentlich, es nicht nur als so ein Gimmick zu benutzen, als etwas Witziges, als Partytrick, sondern wirklich Musik damit zu machen, das Beatboxen also auch musikalisch weiterzuentwickeln. Oder es vernünftig in ein Ensemble einzubauen. Das sind zwei völlig verschiedene Disziplinen, das Solo-Beatboxing im Hip-Hop-Style mit seinen Battles und Shows und die Percussion in einem a-cappella-Ensemble. Und da habe ich einfach viel Erfahrung, wie man Vokal-Schlagzeuger ist in einer .“

Schließlich ist er ja inzwischen seit acht Jahren die eine Hälfte des tiefen Viertels der Swingle Singers. Was unterscheidet die Arbeit in einer solchen Gruppe also vom Solisten?

„Die Technik ist schon dieselbe, aber viel stärker zurückgenommen: Man macht einen Groove, vielleicht noch ein paar Variationen, während der Solo-Beatboxer viel stärker mit elektronischen Soundimitationen aus allen Bereichen der Musik arbeiten wird. Vokalschlagzeuger benutzt dann oft wirklich nur die vier, fünf Klänge des Schlagzeugs – mehr nicht.“

Und die sind in ihren Grundzügen schnell gelernt: In mehreren Workshops gaben die Masterclass-Dozenten beim Summit noch einmal eine ganz kurze Einführung in das Beatboxing für alle: Den Aufbau der Grooves aus den einzelnen Instrument des Schlagzeugs, das bewusste Kombinieren von Bass Drum, Snare, Hi-Hat und Toms nicht nur so, dass es groovt, sonder auch so, dass genügend Luft zum Durchhalten bleibt. Und dann muss man nur noch üben – die Grundlagen sind nicht schwer.

Aber natürlich bot auch der Summit mehr als reine Percussion. Sehr viel mehr sogar. Neben den großen Konzerten mit Top Acts aus der ganzen Welt – den Swingle Singers, The Real Group, Manhattan Transfer – eine Menge (noch) nicht so berühmter Ensembles, Nachwuchsgruppen aus ganz Europa – nicht unbedingt viel schlechter, wenn überhaupt. Für jede Menge Abwechslung im Stil und Repertoire, für Gruppen von solistischen Ensembles bis zur vokalen Big war so gesorgt. Eine Menge Anregungen also, diese internationale Leistungsschau des , eine Menge Stoff für die Ohren – danach braucht man erst einmal Pause.

Die gab’s aber nicht. Denn selbst zwischen Nachmittags- und Abendkonzert, zwischen morgendlichem Workshop und mittäglichem Coaching ist da ja auch noch das zentrale Zelt vor der Phönixhalle, wo sich alle Welt wieder trifft, um beim Kaffee weiter zu machen, das Gehörte zu diskutieren und Kontakte zu knüpfen. Und dann waren da ja auch noch die Workshops – eher theoretisches zum Proben, Arrangieren und Dirigieren von -Sätzen mit Stephen Zegree oder Bertrand Gröger (der seine Loop-Songs auch in den abendlichen Konzerten mit dem Publikum zelebrierte) und anderen oder etwa eine Einführung in die Arrangements Gene Puerlings von Jesper Holm. Die Teilnehmer waren dafür teilweise weit angereist – aus ganz sowieso, aus den Niederlanden, Belgien, der Schweiz. Und auch aus dem Iran: Das Teheran Ensemble, gerade in Europa auf verschiedenen Festivals unterwegs, nutzte die Chance, sich in einem der angebotenen Coachings durch die Real Group und die Swingle Singers noch einen Feinschliff beim großen Vorbild aus England abzuholen. Mehdi Abtahi war ganz begeistert: „Die haben diese Art der Musik bei uns überhaupt erst bekannt gemacht. Und jetzt konnten wir von ihnen lernen – das war sehr hilfreich und hat uns großen Spaß gemacht.“

Das Niveau war nicht nur in den Konzerten hoch – auch in den Coachings offenbarten so einige Amateurgruppen professionelles Können. Tobias Hug beobachtet das auch von London aus: „Ich sehe, dass sich in den letzten fünf, sechs Jahren hier viel getan hat, dass viele Gruppen nicht nur den Schritt in die Professionalität geschafft haben, sondern richtige Stars sind.“ Und dass die Entwicklung auch in die Breite geht: „Die Leute wollen eben singen – und a-cappella ist unschlagbar, vor allem im Live-Kontext: Die Stimme ist das Unmittelbarste überhaupt um mit dem Publikum in Kontakt treten. Die Menschen wollen singen, aber nicht mehr im Kirchenchor – da entwickeln sich eben -, Pop- und Gospelchöre. Vielleicht hängt das auch mit dem Beatboxen zusammen. Aber a-cappella war schon immer cool. Nur haben’s die Leute noch nicht gewusst. Und jetzt merken sie es.“ Und damit verabschiedet sich Tobias Hug. Er hat noch viel vor – ein weiterer Workshop wartet, dann der Soundcheck und das große Konzert der Swingle Singers.

(geschrieben für die Neue Chorzeit)

Geschrieben von matthias

13. November 2009 um 19:25

spuren der hoffnung: rock in der (katholischen) kirche

keine Kommentare

An Material lässt es Markus Schöllhorn nicht mangeln. Der Partitur seiner Rockmesse mit dem schönen Titel „Spuren der Hoffnung“, die er für den Deutschen Katholikentag 1998 in geschrieben hat, ist eine ganze Liste an vorliegenden Ausgaben und Stimmen beigefügt. Und dann ermuntert der Komponist auch noch zum Experimentieren.

Dabei bietet die Messvertonung, deren deutsche Texte von Martina Beckmann und Sibylle Brandl und anderen stammen, schon von alleine viel Abwechslung. Schöllhorn spielt mit den verschiedensten Kompositionsmustern aus dem Sacro-Pop und seinen Verwandten, etwa mit dem homophonen, fast klassischen vierstimmigen Satz des Vater Unser, dem Reggae des Sanctus (inklusive sehr athmosphärischem Intro) oder dem ausgesprochen lebendig-vibrierenden Credo, das vor Zuversicht geradezu strahlt. Und doch immer bleibt auch noch genügend Raum für Adaptionen und Improvisationen. Noch nicht einmal eine ist für die Rockmesse unbedingt notwendig – empfehlenswert wäre sie allerdings schon. Aber alternativ gibt es auch eine Orgelstimme, eine Blechbläsersatz oder eine Ausgabe für kammermusikalisches Ensemble.

Für die Sänger ist das insgesamt gar nicht so sehr schwer – man muss sich nur ein bisschen trauen und darf nicht zu schüchtern sein. Und mit ordentlich Schwung an die Sache heran gehen. Die trägt ihren Titel übrigens sehr zu recht: Hoffnung, Aufbruchstimmung, Kraft und Zuversicht sind hier überall nicht nur in Spuren zu finden – sie prägen Text und Musik, Melodie und Arrangement durch und durch.

Markus Schöllhorn: Spuren der Hoffnung. Eine Rockmesse. Carus 97.300 (Partitur), 97.300/05 (Chorpartitur)

(geschrieben für die Neue Chorzeit)

Geschrieben von matthias

11. November 2009 um 14:08

schleichende begeisterung

keine Kommentare

ich höre ja, das ist eine art geständnis, element of crime recht gerne. insbesondere seit „“ haben sie es mir immer angetan. ein etwas sündiges begehren ist das, weil ich sonst eigentlich eher etwas komplexere, avancierte ästhetische programme und konzepte schätze. aber manchmal ist so ein bisschen seichter pop auch nicht schlecht ;-). denn auch wenn gerade die texte immer wieder sehr gepriesen werden – im grunde bleibt es alles sehr harmlos hier.

das neueste album, „immer da wo du bist bin ich nie“, schien mir dann aber zunächst, beim ersten und zweiten hören, doch arg platt geraten. aber, das ist das gemeine bei element of crime der letzten jahre, sie schleichen sich doch in die gunst der hörer ein. inzwischen hat mich auch die neue cd ziemlich gepackt. die musik ist ja im großen und ganzen immer noch dieselbe – ein bisschen mehr tex-mex-anklänge, aber sonst bleibt es beim bewährten sound. aber eben ziemlich gut gemacht:  eingängige, sehr eingängige melodien, nett harmonisiert, tight gespielt, ohne irgend jemand zum widerspruch aufzuregen – deutsche konsensmusik at it’s best … die texte, zunächst, hatte mich ziemlich genervt: dieses bemühen um kunstvolle naivität, diese wollen um jeden preis, das aus fast jeder zeile spricht – nervig.

thematisch ist das natürlich extrem einfallslsos – der plattentitel [ein fast-zitat übrigens des ersten verses von delmenhorst vom mittelpunkt der welt], zugleich liedtitel #6 (auch da ohne komma), verrät eigentlich alles. aber das element of crime vorzuwerfen ist ungefähr so sinnvoll wie den metzger dafür anzuklagen, dass er keinen käse verkauft. da sind es halt doch dann doch die „netten“ formulierungen, die es wieder rausreißen, die ins bewusstsein einsickern und zunehmend zustimmung und freude hervorrufen … aber genau auf das einsickern kommt es offenbar an: beim ersten hören ist das nicht unbedingt auffällig, vieles geht glatt vorüber (und je nach stimmung ist man, d.h. bin ich, gelangweilt oder genervt). an vielen feinheiten erfreut man sich erst beim x-ten hören. und das ist wiederum ein großer vorzug der element-of-crime-musik: sie verträgt das ofte hören erstaunlich gut. weil sie, trotz ihre bescheidenen ästhetik und scheinbaren stromlinienförmigkeit, genügend details dafür bietet.

inzwischen bin ich schon fast begeistert … es gibt auf jeden fall schlimmeres, als das zu mögen.

Geschrieben von matthias

20. Oktober 2009 um 17:31

Abgelegt in pop

Schlagworte: , , , ,

neue verweise vom 7.4.2009

keine Kommentare

  • My Brightest Diamond -
  • Hans Wollschläger – „ Hans Wollschläger“ von Thomas Körber.
  • triband-pop-irgendwas
  • STUDNITZKY | Jazz & more – sebastian studnitzky (u.a. triband-mitglied)
  • Friedliche Revolution.de – 2009 jähren sich die „Friedliche Revolution“ in der ehemaligen DDR und der Umbruch in Osteuropa zum zwanzigsten Mal. Gedenkfeiern, politische Debatten, Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt, Filmpremieren und zahlreiche Events stehen an.Das Onlineportal FriedlicheRevolution.de begleitet diese öffentliche Auseinandersetzung kritisch, ordnet Publikationen ein und bietet einen Überblick über die wichtgsten Veranstaltungen.

    - ganz nett gemacht …

Geschrieben von matthias

7. April 2009 um 21:01

Switch to our mobile site