„Nächstens mehr.“

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und noch ein (letzter) messias. aber ein grandioser.

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oder auch nicht … jedenfalls: hervorragend. und bequeme stühle …
Prophezeiung, Geburt, Kreuzestod und Auferstehung – es ist immer das selbe. Der „Messias“ von Händel ist nun einmal so etwas wie eine Jesu. Und die bleibt in jeder Aufführung gleich. Aber es ist doch immer wieder anders: Ein anderer , ein anderes Orchester, andere Solisten und ein anderer Dirigent. So bekommt auch Händel bekanntestes immer wieder etwas Neues. Auch in der , wo jetzt, kurz vor Schluss des Händel-Jubiläumsjahres, auch der sich des englischen Hits angenommen hat – als ob es keine anderen Oratorien aus der Feder Händels gäbe. Aber immerhin, unter der Leitung von Ralf Otto wird das genau so, wie man das erwartet: Grandios. Oder eigentlich gerade überhaupt nicht grandios. Denn Otto kümmert sich nicht so sehr um Erwartungen und Aufführungstraditionen, um Pracht und Effekt. Er stößt lieber immer wieder zum Kern des „Messias“ vor. Und dort sind es nicht nur der triumphale „Hallelujah“- am Ende des zweiten Teils oder die große Schlussfuge, die zählen. Dort, im Innersten dieser Partitur, findet Otto mit seinen vorzüglichen Solisten und dem prächtigen Orchester ganz private und intime Bekenntnismusik. Das ist faszinierend und bestechend, wie ernst Otto die Noten nimmt und wie genau er sie umsetzen kann.
Für den scheint das fast ein Heimspiel zu sein: Federleicht und voll mit vibrierender Spannung preisen sie anfangs die Herrlichkeit Gottes. Und sie halten diese Mischung aus konzentrierter Präzision und ausgwogen weichen Klängen durch bis in das allerletzte, abschließende Amen. Diese Einheit des komplexen Oratoriums wird auch durch den Dirigenten gefördert, dem offenbar selbst die kurze Pause zum Nachstimmen zwischen zweitem und drittem Teil schon zu lange ist: Otto bemüht sich nämlich sehr erfolgreich um einen „Messias“ aus einem Guss – mit dichten Übergängen zwischen den einzelnen Nummern, mit weit ausholenden dramatischen Entwicklungen und Verzögerungen. Und vor allem mit einer sensiblen und klugen Tempogestaltung: Auf zügigen Grundtempi aufbauend, besticht er mit flexiblen Anpassungen, aber auch mit ungeheurer Ruhe und Anspannung in langsamen Sätzen. Zum Beispiel der herrlichen Alt-Arie „He was despised“, die Andrew Radley bis zum Zerreißen dehnt und mit körperlicher Spannung auflädt. Überhaupt geizen auch die Solisten nicht mit vollem Einsatz: Der elastisch geführte Sopran von Susanne Bernhard und der furiose Bass von Klaus Mertens ebenso wie der lichte und klare Tenor Hans Jörg Mammel – beides alte Bekannte in der . Genau wie das Münchener Orchester „L‘arpa festante“, das Otto empfindsame, aber unsentimentale Deutung des „Messias“ knackig ergänzt und zu einer intensiven, neuen Hörerfahrung macht.

Geschrieben von matthias

15. Dezember 2009 um 23:49

noch ein messias. aber immer wieder der selbe.

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manchmal muss man ganz schön leiden für die kunst. über drei stunden in harten kirchenbänken. und das für den xten . und der war nicht so überragend gut, dass das rumsitzen wirklich spaß gemacht hätte (überhaupt, der hat ja doch so einige längen. oder anders: das heutige zeitempfinden passt nicht mehr zu solchen dingern – drei stunden musik – und nix passiert …)

Irgendwann muss jeder in diesem Jahr dem Jubilar huldigen. Die ist da schon relativ spät mit ihrem Tribut an Händels 250. Todestag. Aber dafür war es dann auch ein ambitioniertes Vorhaben: Der „“ musste es schon sein, diesen Anlass zu würdigen. Schade eigenlich, dass es offenbar wirklich immer der Mesias sein muss – Händel hat ja noch einige Oratorien mehr komponiert.

Für die war es immerhin eine große Herausforderung, die fast drei Stunden Musik auf die Beine zu stellen. Und für das Publikum in den voll besetzten harten Bänken von Sankt Johannis auch, wirklich bis zum Schuss durchzuhalten. Aber das lag nicht an den Musikern, sondern an den unbequemen Sitzen. Denn Volker hat neben seinem solide vorbereiteten noch einiges aufgeboten für diesen Messias. Das auf englisch gesungen wurde, ist inzwischen ja schon fast selbstverständlich – auch wenn das der Verständlichkeit nicht gerade förderlich ist. Zumal und Solisten sich ziemlich penibel an die Aussprache des 18. Jahrhunderts hielten. Auch die historischen Instrumente des Orchesters, der sehr klangstarken Frankfurter Camerata musica, gehören mittlerweile zum guten Ton. Und es lohnt sich – wer einmal die große Bass-Arie „The trumpet shall sound“ im dritten Teil mit einer authentischen Trompete erlebt hat, will an dieser Stelle kein modernes Instrument mehr hören. In Sankt Johannis kam noch hinzu, dass der leichtfüßige Bass von Johannes Wilhelmi mit seiner sehr baritonalen Färbung sich nicht nur hier wunderbar mit Trompete und Orchester mischte.

Fast so gut wie der Alt von Maarten van Leer. Der zeigte, etwa im zweiten Teil, wirklich alle Facetten seines Könnens und zog alle Register der musikalischen Empfindung. Gerade die zarten, innerlichen Momente gelangen ihm ausgesprochen bewegend. Am deutlichsten im „He was despised“ – eine hochgradig emphatische Musik, die er zusammen mit hier entfaltete. Das konnten weder der Tenor Christian Petrenz noch die Sopranistin Renata Grunwald überbieten. Aber schließlich hatte von Leer in ein mehr als passendes Gegenüber. Denn auch der Dirigent hatte seine größten Erfolge in den zarten, zurückgenommenen Stellen des Oratoriums. Sicher, so krachende Chorhits wie der große „Hallelujah“- lösen immer wieder Begeisterung aus. Aber viel spannender, viel unmittelbarer gelangen die Details der stärker introvertieren Chöre und Arien. Hier wurde sein Gespür für die Kraft der innigen Momente sehr deutlich. Und seine Fähigkeit, präzise abgestimmte Pausen ganz genau zu setzen. So lässt sich dann auch im „“ immer wieder Neues entdecken.

Geschrieben von matthias

18. November 2009 um 12:23

geschaffen aus dem nichts

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Es war ein Hit von der ersten Aufführung an, den vor 210 Jahren mit seinem „Die Schöpfung“ gelandet hat. Und wie jetzt der volle Dom bei schönstem Sonntagssommerwetter beweist, gilt das auch noch heute. Man konnte im Dom auch wunderbar erfahren, warum genau die „Schöpfung“ sich eigentlich seit ihrer Uraufführung dieser andauernder Beliebtheit erfreut: Kaum ein anderes Werk Haydns – und auch die Vorbild-Oratorien Händels nicht – kann so eine große Bandbreite musikalischer Mittel und so eine gelungene Mischung aus Schönheit, Drama, Spannung und Happy-End aufweisen: Fast wie das Rezept eines Blockbusters liest sich die Liste der Eigenschaften dieses Komposition.

Und Domkapellmeister Mathias Breitschaft gelingt es mit der ganzen Masse der erwachsenen Sängern seiner Chöre und dem vital spielenden Mainzer Kammerorchester, diese Mischung ganz ausgezeichnet vorzuführen und in der Balance zu halten. So erhält die aufklärerisch gefärbte Erzählung der Schöpfungsgeschichte eine sehr pointierte Dramatik. Breitschaft nimmt sich nämlich der plastischen Klangschilderungen Haydns und seiner bildhaften Vertonung des biblischen Geschehens in drastischer Deutlichkeit an. Das macht den Text fast überflüssig, so klar und nachvollziehbar wird die Klangsprache im Dom entwickelt. Und das Beste: Damit ist Breitschaft noch nicht am Ende. Ihm gelingt es nämlich außerdem auch, die Einheit des Oratoriums betonend zu wahren. Die zügigen Tempi und seine scharfe Kontrolle des Geschehens, gepaart mit der energischen Animation aller Beteiligten verhindern trotz aller feinen Arbeit das Verlieren in Details. Von der hier sehr friedvollen „Vorstellung des Chaos“ am Beginn, die die kommende Ordnung der Schöpfung schon in sich trägt, bis zum großen Finale nach dem Lobpreis des paradiesischen Lebens im Garten Eden reicht die vollendete Einheit der Musik. Und die Solisten unterstützen ihn in seinen intensiven Bemühungen. Bariton Dietrich Greve hilft mit fülliger, warmtönender Güte und Harmonie, während Tenor Markus Schäfer sich eher den dramatischen Akzenten und deutlichen Akzenten verpflichtet sieht. Vor allem die Sopranistin Sabine Goetz aber beeindruckt mit ihrer engelsgleichen, reinen und in allen Lagen ausgegelichenen Stimme – eine wunderbare Besetzung für den Erzengel Gabriel. Der wirkte neben dieser leidenschaftlichen und ausgesprochen präzisen fast etwas blass, bewältigt seine Partie aber natürlich sehr sicher. Mit so viel chorischer Masse, die sich – etwa im wunderbar zarten Eingangschor – durchaus zähmen lässt, kann Breitschaft souverän arbeiten. Und da ist es kein Wunder, dass die „Schöpfung“ auch in ihren Status als immerwährender Hit behaupten kann.

(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung)

Geschrieben von matthias

1. Juli 2009 um 21:21

power und einfühlungsvermögen: händels oratorien im querschnitt

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Nicht alle Händel-Einspielungen, die jetzt erscheinen, verdanken ihre Entstehung dem Jubiläum des Komponisten. Der Maulbronner Kammerchor und sein Leiter Jürgen Budday etwa beschäftigen sich schon länger und sehr erfolgreich mit den großen Oratorien des Meisters. Und seit zehn Jahren werden ihre Aufführungen von K&K mitgeschnitten. Aus diesem reichhaltigen Material hat das Label nun, zur Feier des doppelten Jubiläums sozusagen, eine Auswahl unter dem Titel „The Power of Händel“ zusammengestellt. Die etwas reißerische Vermarktung verzeiht man gerne – denn „outstanding“ sind sie wirklich, diese ausgewählten Soli und Chöre. Und „Power of Händel“ heißt das ganze Unternehmen zu recht. Denn was immer wieder sofort auffällt, ist die immense Kraft, die Budday und seine Mitstreiter in der Musik zum Leben erwecken. Das liegt beileibe nicht nur an den fast durchweg zügig bis rasanten Tempi. Eine Freude ist es aber schon, zu hören, wie präzise der Maulbronner Kammerchor auch bei hohem Tempo bleibt, wie rasch die Sänger – immerhin keine Profis! – reagieren und wie wendig sie in Klang und Ausdruck bleiben.

Klarheit, Prägnanz und pointierte Ausdrucksstärke gehen eine ausgesprochen fruchtbare Allianz ein. Und dass hier federnd und spritzig gesungen wird – mit Freude und Esprit aller Beteiligten – das hört man eben in fast jedem Moment. Und man hört es gerne, zumal auch die Aufnahme atmosphärisch gelungen ist.

The Power of Händel. Best of his glorious Oratorios. Solisten, Maulbronner Kammerchor, Jürgen Budday. KuK 44, 2008.

(geschrieben für die neue chorzeit)

Geschrieben von matthias

9. März 2009 um 16:27

Abgelegt in kritik

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schönheit in groß: mendelssohn bartholdys elias

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Die große Bühne der Phönixhalle ist voll gefüllt. Dicht an dicht stehen und sitzen die Studenten in und Orchester des Collegium Musicums der Universität. Denn Felix verlangt vollen Einsatz und große Massen für sein „Elias“. Und obwohl die Zahl der Mitwirkenden hier noch lange nicht an die der Uraufführung heranreicht, kommt der „Elias“ in diesem Semester-Abschlusskonzert ziemlich großartig und mächtig daher. Das hindert den Dirigenten Joshard Daus aber überhaupt nicht daran, auch den Details ausreichend Aufmerksamkeit zu schenken.
Dieser „Elias“ ist also schön, über weite Strecken sogar wunderschön. Aber er ist einfach nur schön. Das ist zwar eigentlich großartig. Und auch überhaupt keine einfache Leistung. Dass aber dennoch etwas fehlt, merkt man an einigen Stellen. Etwa an den Soli von Ulf Bästlein, der geschmeidig und volltönend einen wunderbar emotionalen Elias gibt, der durchaus auch mal am fehlenden Glauben seines Volkes verzweifeln kann. Oder auch an der eleganten Leichtigkeit der Engelsmusik von Fionnuala McCarthy. Das ist nämlich genau die Trennungslinie zwischen den Solisten (außerdem noch die solide Altistin Claudia Rüggeberg und der etwas verwaschen klingende Tenor Julio Fernández) und den Ensembles, vor allem dem : Daus kümmert sich nicht besonders um die religiösen Inhalte. Ihm scheint es im Gegensatz zu seinen Solisten vor allem um die reine Musik zu gehen, ihre klangliche Gestalt führt er immer wieder auf Hochglanz poliert vor.
Das kann Daus ausgezeichnet. Und auch delikate Stimmungen evozieren. Aber was ihm weniger gelingt, das ist die weiter umfassende Spannung, die Dramaturgie des gesamten Oratoriums. Zwar bemüht er sich um zügig-fließende Tempi und dichte Anschlüsse der einzelnen Sätze und Nummern, verpasst dabei aber immer wieder eigentliche Höhepunkte. Dort, wo die Musik klein und leicht, detailreich und schwebend sein kann und soll, dort hat er seine größten Stärken. Er lässt seine Musiker zwar immer wieder Anlauf nehmen für den nächsten Spannungsgipfel – aber die letzten Meter verweigert er ihnen dann gerne.
Keinen Abbruch tut das dem Engagement und der Leistung der Studenten. Vor allem der zeigt sich wieder einmal als Wachs in den Händen Daus‘. Weich und geschmeidig, kompakt und erstaunlich beweglich folgt er ihm sehr bereitwillig für zwei Stunden große und reine Musik
(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung)

Geschrieben von matthias

12. Februar 2009 um 23:27

stark im glauben und in der musik: paulus im dom

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-Jahr, Komponisten-Jubiläum, Weihnachten – Anlässe gibt es mehr als genug, Felix Mendelsson-Bartholdy “ jetzt aufzuführen. Aber eigentlich ist der beste Grund ja schon, dieses große Werk überhaupt zum Klingen zu bringen. Vor allem, wenn man sich darauf so ausgezeichnet versteht wie Domkapellmeister Mathias Breitschaft – dann braucht man wirklich keinen äußeren Anlass mehr. Die Erwartungen der vielen Mainzer – selbst Stehplätze waren schon knapp – wurden im Dom also bestimmt nicht enttäuscht.
Von Anfang bis Ende, von der Steinigung des Stephanus über die Wandlung des Saulus zum bis zum Abschied des Märtyrers von seiner Gemeinde zeichnete Breitschaft mit den Domchören und dem Mainzer Kammerorchester eine intensive Klanggeschichte des sicheren Bestehens im Glauben. Der Hauptakteur dabei war – wenig überraschend an diesem Ort – die Chöre, also vor allem die Domkantorei mit den verstärkenden Männerstimmen des Domchores. Die gaben nämlich den entscheidenden Kick, bereiteten mit ihrer nachdrücklichen Präsenz ein ausgezeichnetes Klangfundament.
Breitschaft führte seine Musiker in dramatischer Aufladung genau und diszipliniert, mit klar gezeichneten Strukturen und deutlichen Höhepunkten in den weiten Bögen – so macht das richtig viel Freude. Und außerdem gelang ihm noch etwas Besonderes: Zwei Chöre schienen sich in den Kehlen der Sänger zu verstecken. So völlig verschiedenen klang das in den Chörsätzen einerseits und den älen andererseits. Indem Breitschaft diesen Unterschied aber so deutlich markierte und gleichzeitig auch die Verbindung zwischen allen Teilen des Werkes besonders stärkte, erschien das nicht gerade knappe hier wie aus einem Guss.
Das Solistenquartett spielte oder sang dabei wunderbar mit, vor allem der kräftige Sopran von Kaja Bördner und der stark ausdifferenzierte Bariton Johannes Kösters als .
In der Verbindung mit den ausgefeilten Chorpassagen und gerade ihrer klanglichen Festigkeit betonte Breitschaft damit ganz besonders die personale, individuelle Seite des Glauben, die Erfahrung Gottes. Diese Gewissheit der religiösen Grundlage macht das - so anrührend – selbst Atheisten muss so eine überzeugende Darbietung zumindest Respekt entlocken.

(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung)

Geschrieben von matthias

26. Dezember 2008 um 00:22

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