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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; neue musik</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.</description>
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		<title>j&#246;rg widmann, neue musik &amp; kritik</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 19:54:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[das ist mal eine abrechnung: unter dem titel &#8222;halbbildung, schw&#228;rmerei, leere&#8220; steht sie im bad blog of musick der neuen musikzeitung. da geht es zun&#228;chst um widmann, seine (inzwischen) leere, belanglose, aus versatzst&#252;cken geschusterte musik (ich konnte den hype um ihn noch nie so recht verstehen &#8211; einfach, weil seine musik mich nur selten ber&#252;hrte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>das ist mal eine abrechnung: unter dem titel &#8222;<a href="http://blogs.nmz.de/badblog/2010/02/08/halbbildung-schwaermerei-leere/" title="halbbildung etc." target="_blank" class="liexternal">halbbildung, schw&auml;rmerei, leere</a>&#8220; steht sie im <a href="http://blogs.nmz.de/badblog/" title="bad blog of musick" target="_blank" class="liexternal"><em>bad blog of musick</em></a> der <a href="http://www.nmz.de/" title="nmz" target="_blank" class="liexternal">neuen musikzeitung</a>. da geht es zun&auml;chst um widmann, seine (inzwischen) leere, belanglose, aus versatzst&uuml;cken geschusterte musik (ich konnte den hype um ihn noch nie so recht verstehen &#8211; einfach, weil seine musik mich nur selten ber&uuml;hrte oder faszinierte. vielleicht war das ja intuitiv richtig &#8230;). dann aber auch um die verstrickungen im musikbetrieb, um die vergabe von preisen etc., um festivals und dergleichen &#8211; anhand von widmann und wolfgang rihm. und dann auch noch um die nicht (mehr) vorhandene musikkritik. und sogar die musikwissenschaft entt&auml;uscht <a href="http://www.arnoluecker.de/" title="arno l&uuml;cker zuhause" target="_blank" class="liexternal">arno l&uuml;cker<strong></strong></a> (der auch mal selbst komponiert) mit inhaltsleere und ungenauigkeit bei der untersuchung widmannscher musik. er versucht sich stattdessen selbst an einer analyse. da kommt weniger gutes bei raus:</p>
<blockquote><p>Widmann kommt es nicht auf Struktur, auf Form, auf Reflexion, auf Tiefe, sondern auf Wirkung, Ausdruck, Effekt, Gef&uuml;hligkeit und auf den „spannenden“ Moment im Konzert an, mit dem er das – wie er: naive – Publikum beeindrucken kann</p></blockquote>
<p>und kurz darauf, am ende der f&uuml;nften these, kommen noch so ein paar sch&ouml;ne, treffende s&auml;tze:</p>
<blockquote><p>Widmanns kompositorische &Auml;sthetik ist unreflektiert, juvenil, affirmativ bis zur Anbiederung, scheinauthentisch und ohne Utopie. Widmann sehnt sich ins 19. Jahrhundert zur&uuml;ck. Zur&uuml;ck zu den Schw&auml;rmern, zur&uuml;ck zum Biedermeier. Seine &Auml;sthetik ist veraltet, aber genau das ist es, was seinen Erfolg ausmacht, was ihn – aus der Gruppe j&uuml;ngerer Neue-Musik-Komponisten – zum Publikumsliebling der Philharmonieabonnenten Deutschlands werden lie&szlig;.</p></blockquote>
<p>hach, das sitzt. und gef&auml;llt mir &#8230; auch das: &#8222;Was hier in Wahrheit vermittelt wird, ist schlechte, primitiv-monumentale Naiv&auml;sthetik mit unaufgekl&auml;rtem, geschichtlich blindem Spa&szlig;faktor.&#8220;</p>
<p>und sehr sch&ouml;n auch noch der nachtrag, daraus muss ich noch einmal zitieren:</p>
<blockquote><p>&#8230; der Autor des Textes sch&auml;tzt J&ouml;rg Widmann, als jemanden, der – w&uuml;rde er nicht von der ihn umarmenden &Ouml;ffentlichkeit zeitlich und dadurch auch k&uuml;nstlerisch &uuml;berfordert werden – durchaus das Potential h&auml;tte, gute Musik zu komponieren. Vielmehr wei&szlig; er von einigen Komponisten, deren Pers&ouml;nlichkeiten nicht derart stromlinienf&ouml;rmig justiert wurden, dass sie sich an alles und jeden anzupassen gewillt sind, dabei aber k&uuml;nstlerisch unsagbar Wert- und Spannungsvolles zu sagen, zu komponieren haben. Diesen Komponisten wird zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.</p></blockquote>
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		<title>die ewige suche nach dem reinen klang</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 21:21:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Franz Schreker komponierte eine gro&#223;e Oper ihrer Suche, Magnus Lindberg behauptet sie in seinem Violinkonzert einfach und ignoriert tapfer alle Zweifel, aber Robert Schumann scheint sie in der dritten Sinfonie tats&#228;chlich gefunden zu haben: Die Geborgenheit der musikalischen Heimat, das Reich des fernen, ertr&#228;umten und immer wieder beschworenen reinen Klangs. Genau darum ging es n&#228;mlich [...]]]></description>
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<p style="margin-bottom: 0cm;">Franz Schreker komponierte eine gro&szlig;e Oper ihrer Suche, Magnus Lindberg behauptet sie in seinem Violinkonzert einfach und ignoriert tapfer alle Zweifel, aber Robert Schumann scheint sie in der dritten Sinfonie tats&auml;chlich gefunden zu haben: Die Geborgenheit der musikalischen Heimat, das Reich des fernen, ertr&auml;umten und immer wieder beschworenen reinen Klangs. Genau darum ging es n&auml;mlich im dritten Sinfoniekonzert des Staatstheaters. Und Catherine R&uuml;ckwardt gelang es mit diesem umfassenden Programm, spannende Verbindungen zwischen Romantik, Sp&auml;tromantik und zweiter Moderne zu ziehen. Ihren H&ouml;hepunkt fand diese Umschau aber schon im fr&uuml;hesten Werk, Schumanns „Rheinischer“ Sinfonie am Ende des Konzertes. R&uuml;ckwardt machte diesen gewaltigen Geniestreich, in gerade einmal drei Wochen komponiert, zu einem runden, geschmeidigen H&ouml;rerlebnis. Alle Antworten schienen hier schon gefunden, in dieser Verkn&uuml;pfung aus volkst&uuml;mlicher Einfachheit, formaler Strenge und genialer Eingebung. Und das Philharmonische Staatsorchester sorgte mit s&auml;mig-weichem Klang f&uuml;r die akustische Verwirklichun dieser Fantasie einer heilen Welt, die selbst durch die dunklen Schatten im zweiten und dritten Satz nicht dauerhaft eingetr&uuml;bt werden kann: Gegen diese konzentrierte Harmonie, die farbige Ausgestaltung der paradiesischen Zust&auml;nde auf Erden (wunderbar schon die H&ouml;rner!), dieses gel&ouml;ste und frei sprudelnde Musizieren hat keine rauhe Wirklichkeit auch nur den Hauch einer Chance.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Magnus Lindbergs Violinkonzert kann sich, 2006 komponiert, der Welt und ihren Ambiguit&auml;ten nicht so vollkommen verschlie&szlig;en. Und doch finden sich auch hier mehr als genug Augenblicke, denen genau das gelingt. Freilich, mehr als momentane Erl&ouml;sung kann es hier aber nicht mehr geben. Da kann sich der junge Solist Jack Liebeck noch so brillant in die h&ouml;chsten Lagen aufschwingen, da hilft auch der energischste Strich und seine gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Klarheit nicht mehr. Im Gegenteil, so wird nur noch deutlicher, dass auch in der Musik der Weg zur&uuml;ck ins Paradies der puren Harmonie auf immer verschlossen bleiben muss.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Genau das erfuhr ja auch schon Fritz, die komponierende Hauptfigur aus Franz Schrekers Oper „Der ferne Klang“. „Nachtst&uuml;ck“ ist dort das Zwischenspiel des dritten Aktes &uuml;bertitelt, das im Staatstheater das Programm wunderbar erg&auml;nzte. Vor allem, weil R&uuml;ckwardt es so sch&ouml;n fragil und offen erklingen lie&szlig;, weil das Orchester mit feinen silbrigen Klangspitzen so klar und kontrolliert blieb, dass man meinte, jede Gef&uuml;hlsregung und jeden Gedankengang des Protagonisten zu h&ouml;ren. Doch das bleibt eine Illusion, genau wie der ewig „ferne“ Klang. Aber eine wundersch&ouml;ne.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>)</p>
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		<title>spuren der hoffnung: rock in der (katholischen) kirche</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 13:08:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[An Material l&#228;sst es Markus Sch&#246;llhorn nicht mangeln. Der Partitur seiner Rockmesse mit dem sch&#246;nen Titel „Spuren der Hoffnung“, die er f&#252;r den Deutschen Katholikentag 1998 in Mainz geschrieben hat, ist eine ganze Liste an vorliegenden Ausgaben und Stimmen beigef&#252;gt. Und dann ermuntert der Komponist auch noch zum Experimentieren. Dabei bietet die Messvertonung, deren deutsche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">An Material l&auml;sst es Markus Sch&ouml;llhorn nicht mangeln. Der Partitur seiner Rockmesse mit dem sch&ouml;nen Titel „Spuren der Hoffnung“, die er f&uuml;r den Deutschen Katholikentag 1998 in Mainz geschrieben hat, ist eine ganze Liste an vorliegenden Ausgaben und Stimmen beigef&uuml;gt. Und dann ermuntert der Komponist auch noch zum Experimentieren.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dabei bietet die Messvertonung, deren deutsche Texte von Martina Beckmann und Sibylle Brandl und anderen stammen, schon von alleine viel Abwechslung. Sch&ouml;llhorn spielt mit den verschiedensten Kompositionsmustern aus dem Sacro-Pop und seinen Verwandten, etwa mit dem homophonen, fast klassischen vierstimmigen Satz des Vater Unser, dem Reggae des Sanctus (inklusive sehr athmosph&auml;rischem Intro) oder dem ausgesprochen lebendig-vibrierenden Credo, das vor Zuversicht geradezu strahlt. Und doch immer bleibt auch noch gen&uuml;gend Raum f&uuml;r Adaptionen und Improvisationen. Noch nicht einmal eine Band ist f&uuml;r die Rockmesse unbedingt notwendig – empfehlenswert w&auml;re sie allerdings schon. Aber alternativ gibt es auch eine Orgelstimme, eine Blechbl&auml;sersatz oder eine Ausgabe f&uuml;r kammermusikalisches Ensemble.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">F&uuml;r die S&auml;nger ist das insgesamt gar nicht so sehr schwer – man muss sich nur ein bisschen trauen und darf nicht zu sch&uuml;chtern sein. Und mit ordentlich Schwung an die Sache heran gehen. Die Messe tr&auml;gt ihren Titel &uuml;brigens sehr zu recht: Hoffnung, Aufbruchstimmung, Kraft und Zuversicht sind hier &uuml;berall nicht nur in Spuren zu finden – sie pr&auml;gen Text und Musik, Melodie und Arrangement durch und durch.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Markus Sch&ouml;llhorn: <a href="http://www.carus-verlag.com/index.php3?BLink=KKArtikel&amp;ArtikelID=30139" title="spuren der hoffnung" target="_blank" class="liexternal">Spuren der Hoffnung. Eine Rockmesse</a>. <a href="http://www.carus-verlag.com/" title="carus-verlag" target="_blank" class="liexternal">Carus</a> 97.300 (Partitur), 97.300/05 (Chorpartitur)</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.dcvg.de/neuechorzeit/chorzeit.html" target='blank' class="liexternal">Neue Chorzeit</a>)</p>
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		<title>klavierkunst f&#252;r eine bessere welt</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Oct 2009 18:09:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er scheint ein ganz normaler junger Pianist zu sein, so wie er in Jeans und schwarzem Hemd auf die B&#252;hne des Frankfurter Hofes kommt. Aber in Kai Schumacher steckt mehr. Denn wer „The People United Will Never Be Defeated“ aufnimmt (f&#252;r das Mainzer Label Wergo) und auch noch live spielt, der muss etwa Besonderes sein. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Er scheint ein ganz normaler junger Pianist zu sein, so wie er in Jeans und schwarzem Hemd auf die B&uuml;hne des Frankfurter Hofes kommt. Aber in Kai Schumacher steckt mehr. Denn wer „The People United Will Never Be Defeated“ <a href="http://www.wergo.de/shop/de_DE/3/show,266002.html" title="aufnahme bei wergo" target="_self" class="liexternal">aufnimmt</a> (f&uuml;r das Mainzer Label <a href="http://www.wergo.de" target="_blank" class="liexternal">Wergo</a>) und auch noch live spielt, der muss etwa Besonderes sein. Schlie&szlig;lich ist Frederic Rzewskis riesiger Variationenzyklus nicht irgend ein Werk</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Zum einen sind da die technischen Schwierigkeiten: In diesen gut sechzig Minuten ist eine Menge verpackt – rasende L&auml;ufe, donnernde Akkorde, wilde Spr&uuml;nge, brutale Lautst&auml;rke und subtile Feinheiten wechseln st&auml;ndig. Und die musikalischen Anforderungen sind auch nicht gering: Diese 36 Variationen erfordern viel Gestaltungskraft, viel &Uuml;bersicht und gleichzeitig enorme Konzentration im Detail.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Es geht aber noch weiter: Wer diese Musik spielt, bezieht immer auch irgend eine politische Position. Schlie&szlig;lich ist das Musik, die etwas ver&auml;ndern will. Denn Rzewski hat nicht irgend eine Melodie als Grundlage genommen, sondern das chilenische „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/El_pueblo_unido" title="wikipedia zu el pueblo unido ..." target="_blank" rel="nofollow" class="liwikipedia">El pueblo unido jamás será vencido</a>“, das Anfang der 1970er Jahre zum musikalischen Symbol des Widerstands gegen Pinochet wurde.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Kai Schumacher macht das im <a href="http://www.frankfurter-hof-mainz.de" class="liexternal">Frankfurter Hof</a> &uuml;berdeutlich, er l&auml;sst n&auml;mlich erst einmal das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=LWlkWPXfvXc" title="eine aufnahme des &quot;el pueblo unido ...&quot;" target="_self" class="liexternal">Original</a> einspielen – gleich ein erster G&auml;nsehaut-Moment. Davon wird es noch eine ganze Menge geben. Denn was Rzewski komponiert hat, das ist nicht nur hochvirtuos und vielf&auml;ltig, artifiziell und nat&uuml;rlich zugleich. Sondern auch so voller Ideen, Stile, Ankl&auml;nge, dass es ungeheuer viel zu entdecken gibt. Und Kai Schumacher scheint das alles im Blick zu haben. Seine Interpretation dieses aufgrund seiner hohen Schwierigkeit nahezu nie gespielten Werkes ist gerade dadurch ausgezeichnet, die kunstvolle Gestalt der Musik besonders in den Fokus zu holen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Andererseits verliert der Zyklus dadurch an Sch&auml;rfe – und auch die Gewissheit, dass das geeinte Volk wirklich niemals besiegt werden wird. Vielleicht ist das zwangsl&auml;ufig so, die weltgeschichtliche Entwicklung seit 1975, als Rzewski das Mammutwerk komponierte, ist ja keine reine Erfolgsgeschichte der Befreiung unterdr&uuml;ckter V&ouml;lker. Gerade diese Spannung zwischen Optimismus und dem Bewusstsein um Niederlage und Unterdr&uuml;ckung auf der anderen Seite f&uuml;hrt Schumacher immer wieder ganz besonders hervor.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">So realisiert er mit elastischem Ton, mit federnder Kraft ein sehr offenes Kunstwerk: Das hier ist eine Auff&uuml;hrung, die gerade die stilistische Vielfalt der Variationen, von den analytisch die Melodie zersplitternden S&auml;tzen &uuml;ber virtuose Tastendonnermomente bis zu Jazz- und Blues-Impressionen, besonders deutlich macht. Diese Kontraste arbeitet Schumacher sehr stark heraus – und ist doch immer wieder dann besonders &uuml;berzeugend, wenn er sich ganz in die Musik versenken kann, wenn die zarten und zerbrechlichen Momente auch ihn selbst neu ergreifen und ber&uuml;hren.</p>
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		<title>&#8222;Alte Musik, die Kunst &#8230;</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Aug 2009 19:54:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8230; des vorletzten und vorvorletzten Jahrhunderts. O je. Wie kam man als gesunder Mensch dazu, sich das anzuh&#246;ren? Man musste doch neueste, neue Musik h&#246;ren!&#8220; (moritz von uslar, waldstein oder der tod des walter gieseking am 6. juni 2005, 69)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; des vorletzten und vorvorletzten Jahrhunderts. O je. Wie kam man als gesunder Mensch dazu, sich das anzuh&ouml;ren? Man musste doch neueste, neue Musik h&ouml;ren!&#8220; (moritz von uslar, waldstein oder der tod des walter gieseking am 6. juni 2005, 69)</p>
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		<title>angebissen: der don-camillo-chor auf cd</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jul 2009 14:32:32 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Musik dazu verwenden, jemanden zu verf&#252;hren, ist keine neue Idee. Das Opfer mit der Musik als K&#246;der zur Musik zu begehren, ist schon etwas ungew&#246;hnlicher. Und wenn ein Chor das dann auch noch so offen und direkt unternimmt wie der „Don-Camillo-Chor“ aus dem M&#252;nchner Umland, dann gehen jeder Zielperson schnell die Argumente f&#252;r den Widerstand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Musik dazu verwenden, jemanden zu verf&uuml;hren, ist keine neue Idee. Das Opfer mit der Musik als K&ouml;der zur Musik zu begehren, ist schon etwas ungew&ouml;hnlicher. Und wenn ein Chor das dann auch noch so offen und direkt unternimmt wie der „Don-Camillo-Chor“ aus dem M&uuml;nchner Umland, dann gehen jeder Zielperson schnell die Argumente f&uuml;r den Widerstand aus.</p>
<p>Das liegt, wie ihre neueste (und erste) CD mit dem passenden Titel „Good Bait“ beweist, zu gro&szlig;em Teil an der jugendlichen Frische und dem unb&auml;ndigen &Uuml;berschwang, mit dem der gesamte Chor sich auf sein Repertoire vorwiegend aus Jazz und Pop st&uuml;rzt. So eine freiz&uuml;gige Freude teilt sich dem H&ouml;rer in jedem Moment mit, dass er mit dem gr&ouml;&szlig;ten Vergn&uuml;gen anbei&szlig;t.</p>
<p>Das Vergn&uuml;gen ist allerdings nicht nur ein Verdienst der S&auml;nger und ihres Chorleiters, der sie immer wieder knackig auf den Punkt fokussiert. Es liegt zu einem gro&szlig;en Teil auch an den angenehm einfallsreichen Arrangements, die mehrheitlich vom Dirigenten selbst oder aus der bew&auml;hrten Feder des um keine Pointe verlegenen Oliver Gies stammen.</p>
<p>Das reicht vom feurigen „Chili con Carne“ aus dem Fundus der „Real Group“ &uuml;ber aufgefrische Swing-Klassiker bis zu – in ihren komplexen Arrangements kaum noch erkennbaren – Pop-Hits der letzten Jahrzehnte. Mit einer recht freien Bearbeitung von Brahms&#8216; „Guten Abend, gut&#8216; Nacht“ beweist der Don-Camillo-Chor dann nebenbei auch noch, dass er mehr als nur reiner Jazz-Pop-Chor ist: Diese jungen S&auml;nger und S&auml;ngerinnen f&uuml;hlen sich in vielen Gefilden zu Hause. Mit Recht. Denn „Good Bait“ ist nicht nur eine sch&ouml;ne, gelungene Leistungsschau, sondern auch einfach gute Unterhaltung.</p>
<p>Don Camillo Chor: Good Bait. Spektral SRL4-09049, 2009.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.dcvg.de/neuechorzeit/chorzeit.html" target='blank' class="liexternal">neue chorzeit</a>)</p>
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		<title>orff, bartók und gershwin gl&#252;cklich vereint</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 20:57:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Béla Bartók, George Gershwin und Carl Orff haben wenig gemein. Und doch passen sie alle in das Konzert des Bachchores in der Christuskirche. Denn kleine &#220;bereinstimmungen finden sich doch. Zum Beispiel, um ganz pragmatisch anzufangen, es gibt von jedem Musik f&#252;r zwei Klaviere – wenn man schon zwei hochklassige Pianisten wie die Br&#252;der Paratore zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 100%;">Béla Bartók, George Gershwin und Carl Orff haben wenig gemein. Und doch passen sie alle in das Konzert des Bachchores in der Christuskirche. Denn kleine &Uuml;bereinstimmungen finden sich doch. Zum Beispiel, um ganz pragmatisch anzufangen, es gibt von jedem Musik f&uuml;r zwei Klaviere – wenn man schon zwei hochklassige Pianisten wie die Br&uuml;der Paratore zur Verf&uuml;gung hat, muss man das ja auch nutzen. Und sie komponierten (fast) zur gleichen Zeit: Gershwins „Rhapsody in Blue“ war 1924 erstmals zu h&ouml;ren, Bartóks Sonate f&uuml;r zwei Klaviere und Schlagzeug im Januar 1938 und Orffs „Carmina burana“ entstand ab 1934. Das h&ouml;rt man ihnen aber kaum an, denn trotz der zeitlichen N&auml;he bleibt diese Trias grundverschieden.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 100%;">Bartóks Sonate zum Beispiel ist ein eher spr&ouml;des, auch nur selten aufgef&uuml;hrtes Werk. Und eigentlich klingt es auch nicht so harmlos, wie hier in der Christuskirche. Da tr&auml;gt der Raum gro&szlig;e Mitschuld, der vieles weichzeichnet und verschwimmen l&auml;sst. Anthony und Joseph Paratore versuchen zwar, durch knackige Pointierungen dem etwas entgegenzusetzen. Aber so richtig weit kommen sie damit nicht. So bleibt die Sonate mit der ungew&ouml;hnlichen Besetzung f&uuml;r zwei Klaviere und zwei Schlagwerker (die aus dem Ensemble Babette Haag kamen) f&uuml;r dieses Mal fast eine verwunschene Feenmusik, deren weich flie&szlig;ende, stellenweise sogar ins rauschhaft taumelnde Klangwelten aber durchaus auch bedrohlichere Szenarien herbeizaubert. Doch noch bleibt alles Rohe und Wilde in sicherer Distanz und fest eingez&auml;unt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 100%;">Gershwins Musik kennt solche Gefahren nicht. Routiniert arbeiten sich die Pianisten mit jahrzehntelanger Erfahrung durch die Rhapsody in Blue. Das Schlagwerk bleibt hier aber eher rasselnder und scheppernder Fremdk&ouml;rper, was dem Zauber aber nicht weiter schadet.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 100%;">Daf&uuml;r d&uuml;rfen die Percussionisten danach noch einmal alles geben: Die „Carmina burana“, die der Bachchor in der vom Orff-Sch&uuml;ler Wilhelm Killmayer angefertigten Fassung f&uuml;r zwei Klavier und Schlagwerk pr&auml;sentierte, bietet ja nicht nur dem Chor reichlich M&ouml;glichkeiten zum Brillieren. Dem aber ungedingt auch – und der Bachchor nutzt die wie immer ganz selbstverst&auml;ndlich. Unter Ralf Ottos beseelter Leitung ergibt sich organisch eines aus dem anderen, laufen Chors&auml;tze nahtlos in Soli und umgekehrt, verbinden sich Humoreske und Folklore, Liebesleid und Freudentaumel zu einer m&auml;chtigen, klangewaltigen Einheit. Besonders auszeichnend dabei: Die unersch&uuml;ttliche Pr&auml;zision – nicht nur technisch, sondern auch klanglich und emotional treffen Otto und seine S&auml;nger immer genau auf den Punkt. Auch die Solisten passen gut dazu: Daniel Sans gef&auml;llt mit beherrschter Sicherheit, der kom&ouml;diantisch begabte Klaus H&auml;ger mit seinem unkompliziertem Bass und die Sopranistin Valentina Farcas f&uuml;gt sich mit selbst in gro&szlig;er H&ouml;he klarer Stimme wunderbar ins Gesamtbild. Kein Wunder, dass die ausverkaufte Christuskirche restlos begeistert ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 100%;">(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>)</p>
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		<title>mal wieder: jazz und sinfonik gemixt (oder auch nicht)</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 19:35:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sinfonieorchester und Jazz – das sind zwei Welten, die sich oft sehr fremd sind. Und wenn es dann doch zu einem Rendezvous kommt, darf nat&#252;rlich George Gershwins „Rhapsody in Blue“ auf keinen Fall fehlen. Aber der Klassiker ist wohl nie so zu h&#246;ren wie beim Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters in der Ph&#246;nixhalle. Doch schon in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sinfonieorchester und Jazz – das sind zwei Welten, die sich oft sehr fremd sind. Und wenn es dann doch zu einem Rendezvous kommt, darf nat&uuml;rlich George Gershwins „Rhapsody in Blue“ auf keinen Fall fehlen. Aber der Klassiker ist wohl nie so zu h&ouml;ren wie  beim Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters in der Ph&ouml;nixhalle. Doch schon in der ersten H&auml;lfte war eine Menge guter Musik auf der Grenze zwischen Jazz und Sinfonik zu h&ouml;ren. Ohne gro&szlig;es Vorgepl&auml;nkel stiegen das Orchester mit der Unterst&uuml;tzung einiger Jazz-Solisten sofot in Earle Hagens „Harlem Nocturne“ ein. Und schon waren sie und das Publikum mittendrin im H&ouml;rkino, das direkt nach New York f&uuml;hrte – einer Stadt, der die Musiker an diesem Abend noch &ouml;fters einen Besuch abstatten w&uuml;rden. Zun&auml;chst also Harlem bei Nacht, zu erleben beim eleganten Cruisen durch mehr oder weniger belebte Stra&szlig;en. Reiche Bilder ziehen hier vorm inneren Auge vorbei. Und das liegt nicht nur am Komponisten, sondern vor allem an zwei Dingen: Den Arrangements von Sebastian Hernandez-Laverny, die die Imagination mit ihrer verschwenderischen Ideenf&uuml;lle immer wieder zu H&ouml;chstleistung anfeuern. Und an den Musikern. Nicht nur das Orchester spielt engagiert swingend auf, auch Saxophonis Oleg Berlin sorgt mit glasklarem Ton und pr&auml;gnanter Phrasierung f&uuml;r Jazzfeeling und Kurzweil. Drummer Gerhard St&uuml;tz und Bassist G&ouml;tz Ommert liefern derweil ein solides Fundament und Hernandez-Laverny springt zwischen Dirigentenpult und Klavier flink hin und her, erg&auml;nzt sein Arrangement immer wieder durch kurze pianistische Einw&uuml;rfe.</p>
<p>F&uuml;r mehr besondere Momente sorgt auch Malte Sch&auml;fer bei den Standards „Come, fly with me“ und „Fly me to the moon“. Der Bratscher ist diesmal ausschlie&szlig;lich als S&auml;nger im Einsatz – aber dass dies nicht sein Hauptberuf ist, merkt man ihm nicht an: Locker  und geschmeidig bringt er die Stimmung wunderbar auf den Punkt. Genau wie der Mainzer Klarinettist Ates Yilmaz, der bei Jorge Calandrellis virtuosem „Solfeggietto/Metamorphosis“  nach einer Vorlage von Carl Philipp Emanuel Bach ein echtes Heimspiel hat.</p>
<p>Apropos Heimspiel: Das hat auch Nick Benjamin, der mit launigen Moderationen daf&uuml;r sorgt, dass Publikum entspannt und gut gelaunt bleibt – was angesichts der Menge guter Musik gar nicht n&ouml;tig gewesen w&auml;re. Das ganze kuluminiert schlie&szlig;lich in Gershwins „Rhapsody in Blue“. Die alleine w&auml;re Hernandez-Laverny aber offenbar zu langweilig gewesen. Deswegen unterbricht er das Original immer wieder, um gemeinsam mit Ommert und St&uuml;tz mit weit ausholenden Improvisationen &uuml;ber Gershwins Themen dem ganzen noch mehr Jazz einzuverleiben. Ein sehr symphatischer Einfall, der – vor allem durch die phantasiereiche, energische und konzentrierte Improvisationskunst der drei Musiker – das Publikum zu Recht zu standig ovations hinrei&szlig;t.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>.)</p>
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		<title>brittens &#8222;war requiem&#8220; &#8211; politik und/oder musik</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Apr 2009 19:16:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es hat sich einiges wunderbar gef&#252;gt f&#252;r dieses Konzert: Zum Prolog f&#252;r den diesj&#228;hrigen Kultursommer Rheinland-Pfalz zeigte sich die Sonne schon sommerlich. Und es gab noch dazu einige &#220;bereinstimmungen zur Urauff&#252;hrung des „War Requiem“, die Benjamin Britten sicherlich gefreut h&#228;tten. Genau wie die europ&#228;ische Zusammensetzung der Musiker: Ch&#246;re aus Frankreich, Deutschland und Polen nehmen sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es hat sich einiges wunderbar gef&uuml;gt f&uuml;r dieses Konzert: Zum Prolog f&uuml;r den diesj&auml;hrigen Kultursommer Rheinland-Pfalz zeigte sich die Sonne schon sommerlich. Und es gab noch dazu einige &Uuml;bereinstimmungen zur Urauff&uuml;hrung des „War Requiem“, die Benjamin Britten sicherlich gefreut h&auml;tten. Genau wie die europ&auml;ische Zusammensetzung der Musiker: Ch&ouml;re aus Frankreich, Deutschland und Polen nehmen sich gemeinsam mit dem Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz unter Klaus Arp des Requiems an.</p>
<p>Genau wie 1962 in Coventry fand auch die Mainzer Auff&uuml;hrung im Rahmen der kleinen Tournee dieses Projektes, die von Frankreich &uuml;ber Rheinland-Pfalz nach Polen f&uuml;hrt, in einem im Zweiten Weltkrieg zerst&ouml;rten Gotteshaus, der Christuskirche, statt. Und genau wie damals stammen die Solisten aus verschiedenen L&auml;ndern – gut, statt aus Russland kommt die Sopranistin Justyna Bachowska aus Polen. Aber der Bariton Jens Hamann ist Deutscher, der Tenor Deryck Huw Webb Brite – genau wie vor &uuml;ber vierzig Jaren. Die Voraussetzungen waren also ziemlich gut und bereits sehr sybmolisch aufgeladen. Nur der Raum erwies sich, trotz seiner symbolischen Kraft, als nur m&auml;&szlig;ig geeignet. Akustisch war die Riesenbesetzung in der Christuskirche n&auml;mlich nicht besonders gut aufgehoben.</p>
<p>Klaus Arp tat aber trotzdem sein Bestes, aus Orchester und Ch&ouml;ren eine klangliche Einheit zu formen. Und das Ergebnis konnte sich durchaus h&ouml;ren lassen. Das Jugendorchester spielte ausgesprochen diszipliniert und genau. Freilich lie&szlig; Arp auch niemand aus dem Blick: Seine Argusaugen und sein fordernder Dirigentenstab hatten die Musiker permanent voll unter Kontrolle. Auch die jugendlich klingenden Ch&ouml;re: Neben dem heimischen Landesjugendchor und dem Kinderchor Maîtrise de Dijon, der sich stimmlich schon sehr erwachsen pr&auml;sentierte, war noch der Kammerchor der Musikakademie aus Kattowitz dabei. Doch trotz der starken Besetzung blieb der Chor leider an Durchschlagskraft hinter den Erwartungen zur&uuml;ck – die S&auml;nger hatten es oft schwer, gegen den satten Orchesterklang anzukommen. Daf&uuml;r entsch&auml;digten sie mit ausgesprochen delikaten Feinheiten und zarten Pianissimi.</p>
<p>Zusammen mit den sehr sicher und &uuml;berzeugend agierenden Solisten enstand so in der Christuskirche eine intensiv mahnende, von der Richtigkeit ihres Anliegens sehr &uuml;berzeugte Auff&uuml;hrung des „War Requiems“. Und die lie&szlig; sowohl die kleinen Unzul&auml;nglichkeiten als auch die symbolische &Uuml;berh&ouml;hung des Konzertes vergessen: Denn egal wer und wo und warum das „War Requiem“ auff&uuml;hrt – diese Komposition setzt ihr Programm des Pazifimus, der Trauer &uuml;ber allem Kriegsleid unbedingt durch. Erst recht, wenn sie mit so viel Engagement und Sachverstand musiziert wird wie hier.</p>
<p>(gechrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>.)</p>
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		<title>passionsmusik aus siebenb&#252;rgen</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Apr 2009 17:38:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Siebenb&#252;rgen ist nicht gerade ein Zentrum deutscher Kirchenmusik. Genauer gesagt, ist es eher ein Zentrum von gar nichts. Manchmal sind aber die R&#228;nder durchaus interessanter als die Mitte. Etwa, wenn dort bestimmte Traditionen &#252;berleben, wie zum Beispiel die &#252;ber lange Zeit weitergegebenen lokalen Passionsmusiken. Das sollte man wissen, wenn man sich die „Siebenb&#252;rgische Passionsmusik“ f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Siebenb&uuml;rgen ist nicht gerade ein Zentrum deutscher Kirchenmusik. Genauer gesagt, ist es eher ein Zentrum von gar nichts. Manchmal sind aber die R&auml;nder durchaus interessanter als die Mitte. Etwa, wenn dort bestimmte Traditionen &uuml;berleben, wie zum Beispiel die &uuml;ber lange Zeit weitergegebenen lokalen Passionsmusiken. Das sollte man wissen, wenn man sich die „Siebenb&uuml;rgische Passionsmusik“ f&uuml;r Chor, Solisten und Orgel von Hans Peter T&uuml;rk anh&ouml;rt. Denn T&uuml;rk ist ein siebenb&uuml;rgischer Komponist.</p>
<p>Eine neue Matth&auml;us-Passion also, als Fortf&uuml;hrung noch erhaltener Br&auml;uche – aber dennoch &uuml;berhaupt nicht blo&szlig; bewahrend, sondern eben weiterf&uuml;hrend. Denn T&uuml;rk ist zwar kein Avantgardist, aber doch – trotz seiner geographischen Randlage – als Kompositionsprofessor ein Kenner der Entwicklungen und Techniken in der Musik. Und zwar nicht nur der Musik der letzten Jahre. Denn seine „Siebenb&uuml;rgische Passionsmusik“ bedient sich bei Formen und Techniken aus eigentlich der ganzen abendl&auml;ndischen Musikgeschichte. Das f&uuml;hrt zu einigen eigenartigen und bemerkenswerten Ergebnissen, die die Einspielung mit der Mei&szlig;ner Kantorei 1961 unter Christfried Br&ouml;del und mit Ursula Philippi an der Orgel eindr&uuml;cklich vorf&uuml;hrt.<br />
Denn wie immer, wenn sich Bekanntes mit Fremdem, Vertrautes mit Exotischem mischt, entdeckt man reilich Neues und Interessantes – in Beidem. Der Text bleibt ganz auf vertrautem Boden, in der Musik entwickelt der 1940 geborene Siebenb&uuml;rge aber einen eigenen Ton. Dabei vertraut T&uuml;rk auf die Worte – und zwar sehr stark. Daraus und damit entwickelt er eine Musik, die sich dem H&ouml;rer unmittelbar unmitteilt. Und sie zeigt deutlich: Hier geht es nicht darum, um jeden Preis au&szlig;ergew&ouml;hnliche Musik zu finden. T&uuml;rk strebt offenbar viel mehr danach, der Passionserz&auml;hlung ein zeitgem&auml;&szlig;es musikalisches Gewand zu geben, sie aber zuallererst als Erz&auml;hlung zu verstehen. Und das kann dann eben auch hei&szlig;en, sich als Komponist extrem zur&uuml;ckzunehmen. Auch in dieser konzentrierten Form, mit wenigen Einw&uuml;rfen, behutsam untermalenden T&ouml;nen der Orgel etwa gelingt es ihm ohne Weiteres, starke Kontraste und nahegehende Stimmungen zu vermitteln, spannende Rezitative zu schreiben, die nat&uuml;rlich und kunstvoll zugleich wirken. Und vor allem hochgradig einf&uuml;hlsame, intensiv vibrierende Chor&auml;le, die den wahren Kern dieser Passionsmusik bilden.</p>
<p>Das ist dann in der Summe eine durchaus moderne Musik, die verst&auml;ndlich und unbedingt zug&auml;nglich auch f&uuml;r Nicht-Kenner der zeitgen&ouml;ssischen Musik ist. Und eigentlich sogar f&uuml;r deren Ver&auml;chter zu ertragen. Gut funktionierende Kirchenmusik also.</p>
<p>Hans Peter T&uuml;rk: Siebenb&uuml;rgische Passionsmusik f&uuml;r den Karfreitag nach dem Evangelisten Matth&auml;us f&uuml;r Chor, Solisten und Orgel. Ursula Philippi, Orgel. Mei&szlig;ner Kantorei 1961, Christfried Br&ouml;del. Musikproduktion Dabringhaus und Grimm 2009. MDG 902 1554-6.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.dcvg.de/neuechorzeit/chorzeit.html" target='blank' class="liexternal">neue chorzeit</a>)</p>
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