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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; musikkritik</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur.</description>
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		<title>j&#246;rg widmann, neue musik &amp; kritik</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 19:54:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[das ist mal eine abrechnung: unter dem titel „halbbildung, schw&#228;rmerei, leere” steht sie im bad blog of musick der neuen musikzeitung. da geht es zun&#228;chst um widmann, seine (inzwischen) leere, belanglose, aus versatzst&#252;cken geschusterte musik (ich konnte den hype um ihn noch nie so recht verstehen — einfach, weil seine musik mich nur selten ber&#252;hrte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>das ist mal eine abrechnung: unter dem titel „<a title="halbbildung etc." href="http://blogs.nmz.de/badblog/2010/02/08/halbbildung-schwaermerei-leere/" target="_blank">halbbildung, schwärmerei, leere</a>” steht sie im <a title="bad blog of musick" href="http://blogs.nmz.de/badblog/" target="_blank"><em>bad blog of musick</em></a> der <a title="nmz" href="http://www.nmz.de/" target="_blank">neuen musikzeitung</a>. da geht es zunächst um widmann, seine (inzwischen) leere, belanglose, aus versatzstücken geschusterte musik (ich konnte den hype um ihn noch nie so recht verstehen — einfach, weil seine musik mich nur selten berührte oder faszinierte. vielleicht war das ja intuitiv richtig …). dann aber auch um die verstrickungen im musikbetrieb, um die vergabe von preisen etc., um festivals und dergleichen — anhand von widmann und wolfgang rihm. und dann auch noch um die nicht (mehr) vorhandene musikkritik. und sogar die musikwissenschaft enttäuscht <a title="arno l&uuml;cker zuhause" href="http://www.arnoluecker.de/" target="_blank">arno lücker<strong></strong></a> (der auch mal selbst komponiert) mit inhaltsleere und ungenauigkeit bei der untersuchung widmannscher musik. er versucht sich stattdessen selbst an einer analyse. da kommt weniger gutes bei raus:</p>
<blockquote><p>Widmann kommt es nicht auf Struktur, auf Form, auf Reflexion, auf Tiefe, sondern auf Wirkung, Ausdruck, Effekt, Gefühligkeit und auf den „spannenden“ Moment im Konzert an, mit dem er das – wie er: naive – Publikum beeindrucken kann</p></blockquote>
<p>und kurz darauf, am ende der fünften these, kommen noch so ein paar schöne, treffende sätze:</p>
<blockquote><p>Widmanns kompositorische Ästhetik ist unreflektiert, juvenil, affirmativ bis zur Anbiederung, scheinauthentisch und ohne Utopie. Widmann sehnt sich ins 19. Jahrhundert zurück. Zurück zu den Schwärmern, zurück zum Biedermeier. Seine Ästhetik ist veraltet, aber genau das ist es, was seinen Erfolg ausmacht, was ihn – aus der Gruppe jüngerer Neue-Musik-Komponisten – zum Publikumsliebling der Philharmonieabonnenten Deutschlands werden ließ.</p></blockquote>
<p>hach, das sitzt. und gefällt mir … auch das: „Was hier in Wahrheit vermittelt wird, ist schlechte, primitiv-monumentale Naivästhetik mit unaufgeklärtem, geschichtlich blindem Spaßfaktor.”</p>
<p>und sehr schön auch noch der nachtrag, daraus muss ich noch einmal zitieren:</p>
<blockquote><p>… der Autor des Textes schätzt Jörg Widmann, als jemanden, der – würde er nicht von der ihn umarmenden Öffentlichkeit zeitlich und dadurch auch künstlerisch überfordert werden – durchaus das Potential hätte, gute Musik zu komponieren. Vielmehr weiß er von einigen Komponisten, deren Persönlichkeiten nicht derart stromlinienförmig justiert wurden, dass sie sich an alles und jeden anzupassen gewillt sind, dabei aber künstlerisch unsagbar Wert– und Spannungsvolles zu sagen, zu komponieren haben. Diesen Komponisten wird zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.</p></blockquote>

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		<title>manfred trojahn schreibt &#252;ber (seine) musik</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jul 2007 11:43:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[medien]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Komponist, der nicht schreiben kann, hat es schwer heutzutage. Werkkommentare f&#252;r Urauff&#252;hrungen, Programmhefte, musikgeschichtliche Betrachtungen und der eine oder andere biographische Splitter sowie hin und wieder ein Werkstattbericht sind Pflicht&#252;bungen bei der Vermarktung des musikalischen Schaffens. Nicht alle Tonsetzer sind dazu aber gleicherma&#223;en begabt. Manfred Trojahn geh&#246;rt sicherlich zu den besseren: An die Wortgewalt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Komponist, der nicht 	schreiben kann, hat es schwer heutzutage. Werkkommentare für 	Uraufführungen, Programmhefte, musikgeschichtliche 	Betrachtungen und der eine oder andere biographische Splitter sowie 	hin und wieder ein Werkstattbericht sind Pflichtübungen bei der 	Vermarktung des musikalischen Schaffens. Nicht alle Tonsetzer sind 	dazu aber gleichermaßen begabt. Manfred Trojahn gehört 	sicherlich zu den besseren: An die Wortgewalt eines Wolfgang Rihm 	reicht er zwar nicht heran, genauso wenig wie an die 	abstrakt-analytische Schärfe Helmut Lachenmanns oder Hans 	Zenders (von denen allen auch ausgezeichnete Sammelbände ihrer 	schreibenden Tätigkeit vorliegen) – aber erzählen und 	schreiben kann er zweifellos. Vor allem aber kann er durchaus für 	sich einstehen und seine Position verteidigen. Und man kann diese 	Nebenprodukte des schreibenden Musikers nicht nur mit Gewinn, 	sondern oft auch mit erheblichem Vergnügen lesen. Das man dafür 	nicht lange in den Archiven herumwühlen muss, hat man 	Hans-Joachim Wagner und dem Frankfurter Stroemfeld-Verlag, sonst 	eigentlich nicht gerade eine Heimstatt musik(-wissenschaftlichen) 	Schrifttums, zu verdanken. Denn dort ist jetzt ein umfangreicher 	Band mit Trojahns „Schriften zur Musik“ erschienen.  Das sind 	mittlerweile, nach einigen Jahrzehnten des Komponierens und 	Schreibens, über 500 gedruckte Seiten: Texte 	zu ästhetischen Fragen, biographische Skizzen, Glossen, 	Notizen, viele Gespräche und natürlich die 	Einführungstexte zu den eigenen Werken. „Was wird es für 	ein Buch werden“, so fragt sich Trojahn im Vorwort. Und er gibt 	drei Möglichkeiten der Antwort vor: „Eine versteckte 	Biographie? Eine verkappte Ästhetik? Oder doch die Beschreibung 	einer Reise zu mir selbst?“ Entscheiden lässt sich das kaum. 	Denn es von allem etwas dabei.Vor allem ist es aber ganz viel 	Rechtfertigung: Rechtfertigung des eigenen Tuns vor sich selbst und 	der Welt. Denn Trojahn zeigt sich als unbedingter, scharfzüngiger 	Verfechter der Freiheit der Kunst. Und deshalb bekommt – 	naturgemäß – vor allem der Musikbetrieb mit seinen 	Festivals, Theatern, Veranstaltern und den bösen, unwilligen 	und unverständigen Menschen des Feuilletons zu Zeiten 	postmoderner Kunstbetriebsamkeit immer wieder eine geballte Ladung 	Kritik ab. Ge– und beschrieben ist das 	durchaus mit einer Veranlagung zum geistreichen, gebildeten Bonmot. 	Und auch Trojahns fast unverbrüchlich scheinende 	Traditionverbundenheit schimmert ganz selbstverständlich immer 	durch. Wichtiger und einflussreicher ist aber sein unbdingter Glaube 	an die Beständigkeit der emotionalen Kraft der Musik – und 	dabei insbesondere der Oper, des musikalischen Theaters oder wie 	auch immer man es nennen mag: Diese Gattung hat ihn – als Hörer 	– schon früh gepackt, davon erzählt er immer wieder. 	Besonders in den Fokus seiner Darstellung rückt dabei das 	Wunder der „Darstellung“: „Denn schon damals [d.h. in seiner 	Kindheit] waren mir die dargestellten Personen wesentlich wichtiger 	als die darstellenden.“ Das Ungeheuerliche, das aus dem Nichts 	„Personen“, Figuren, Charaktere entstehen, geschaffen mit Worten 	und Musik (da der junge Manfred Trojahn Oper in erster Linie am 	Radio kennenlernte ohne die ergänzenden Zeichen der Bühne 	und der Gesten): Dieses Faszinosum der Jugend und der Reife 	schildert Trojahn mit glühender Begeisterung. Zum Unternehmen der 	Werkeinfühungen (dem Trojahn wie die meisten Komponisten sehr 	skeptisch gegenübersteht) äußert er sich dagegen 	eher pessimistisch: „Im allgemeinen sind das aussichtslose 	Versuche, denn nur die Dramaturgie denkt, daß der Hörer 	denken sollte, was der Komponist denkt, daß der Hörer 	denken müßte.“ Und da ist er auch schon wieder bei 	seinem Lieblingsthema, wie es in den „Schriften zur Musik“ ganz 	deutlich zu erkennen ist: Der Freiheit der Musik. Das heißt 	für einen Komponisten wie Trojahn natürlich keineswegs 	subjektive Beliebigkeit, ungebundenes Austoben seiner Träume 	und Vorstellungen: „Künstlerische 	Freiheit ist Synonym für die Arbeit an einer Utopie 	gesellschaftlichen Lebens, und sie enthält den Anspruch aufs 	Ganze.“ Diese gesellschaftliche Situierung der Musik, sie zieht 	sich in verschieden starken Ausprägungen immer wieder durch 	seine Texte. Überhaupt liegt Trojahn viel daran, sein eigenes 	Schaffen zu kontextualisieren und zu zeigen, dass er mit den Mitteln 	und den Ergebnissen seiner musikalischen Kreativität nicht 	alleine ist.  Und so sehr er Komposition 	als Prozess, als Zwischenergebnis einer fortwährenden 	Entwicklungsgeschichte und damit engstens verknüpft mit dem 	(Er-)Leben seines Schöpfers, dem Komponisten und seinen 	(Lebens-)Bedingungen, versteht, so sehr besteht er gleichermaßen 	auf dem Handwerk des 	Komponierens. Solche gekonnt gemachte und erarbeitete Musik möchte 	er dann aber auch noch gerne offen 	halten – nicht offen im Verständnis der offenen Form“, 	sondern offen für die Rezeption: „Das zielt auf eine Musik 	abseits von Massenwirkung“, indem es ganz wie zu den Zeiten der 	bürgerlichen Bildung, intensive Beschäftigung mit Musik 	voraussetzt, „aber ohne exklusiven Abschluß durch 	Unzugänglichkeit.“ Denn auch das wird in seinen gesammelten 	Schriften noch einmal und immer wieder deutlich: Trojahn versteht 	sein Komponieren als gesellschaftliches 	Tun. Und gerade deshalb ist er fast unaufhörlich darum bemüht, 	sich selbst und seine Werke in den richtigen Kontext einzuordnen. 	Der frühe Schock der Etikettierung, der kaum einen Komponisten 	der letzten Generation so zeitig und so heftig getroffen hat wie 	ihn, macht sich hier immer wieder bemerkbar. Fast verbissen und in 	der Sache unerbittlich kämpft er dagegen an – biographisch 	durchaus verständlich, heute freilich in der Obsessivität 	durchaus obsolet erscheinend: Solche Dinge nimmt doch kaum noch ein 	Hörer, der seinen Ohren auch nur ein bisschen vertraut, 	wirklich ernst. Diese heftigen Kämpfe um die (Deutungs-)Hoheit 	sind zwar längst 	Vergangenheit. Damit sind sie in dieser Sammlung aber auch 	Erinnerung an Zeiten, als Neue Musik noch für Bewegung gut war, 	Aufmerksamkeit erregen konnte, mehr als nur ein leichtes Säuseln 	im Blätterwald erreichte.</p>
<p><strong>Manfred Trojahn</strong>: <em>Schriften 	zur Musik</em>. Hrsg. von Hans-Joachim Wagner. Frankfurt am Main, Basel: 	Stroemfeld 2006.<br />
(erschienen in <a title="die tonkunst online" href="http://die-tonkunst.de/">„die tonkunst</a>”, jg. 1 (2007), heft 3, seite 322–323)</p>

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