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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; mainz</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.</description>
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		<title>Italiensche Marienverehrung des 17. Jahrhunderts in der Mainzer Christuskirche</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 10:12:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[So einfach geht das also mit dem Reisen in der Zeit. Man braucht nur ein paar spezielle Instrumente, gute Musiker und einen verst&#228;ndigen Dirigenten. Zumindest in die Vergangenheit kommt man damit recht leicht. Etwa 400 Jahre zur&#252;ck, ins Italien kurz nach 1600. Da hatte Claudio Monteverdi sich gerade auf den Weg nach Rom gemacht, um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So einfach geht das also mit dem Reisen in der Zeit. Man braucht nur ein paar spezielle Instrumente, gute Musiker und einen verst&auml;ndigen Dirigenten. Zumindest in die Vergangenheit kommt man damit recht leicht. Etwa 400 Jahre zur&uuml;ck, ins Italien kurz nach 1600. Da hatte Claudio Monteverdi sich gerade auf den Weg nach Rom gemacht, um dem Papst eine seiner Partituren zu &uuml;berreichen. Die enthielt neben einer Messe auch die Marienvesper. Und w&auml;hrend die Messvertonung eher vergessen wurde, ist die „Vespro della Beata Vergine“ heute lebendiger denn je. Den Papst, Paul V., hat Monteverdis Musik &uuml;brigens nicht besonders interessiert oder fasziniert. Heute ist das anders, die Marienvesper begeistert nicht nur Katholiken. Auch in der Christuskirche, wo Ralf Otto sie mit dem Bachchor und dem Orchester L‘Arpa festante auff&uuml;hrte, stie&szlig; sie auf offene Ohren.</p>
<p>Mit Zinken, Dulcian, eng mensurierten Posaunen und Lauten k&ouml;nnte das, nach allem, was wir wissen, zumindest nahe an den Gegebenheiten um 1600 sein. Aber wie genau das mit dem &uuml;bereinstimmt, was Monteverdi im Ohr hatte, ist gar nicht so wichtig. Entscheidender ist, dass es den heutigen Zuh&ouml;rer &uuml;berzeugt. Und das gelingt Ralf Otto wieder einmal ziemlich gut. Sicher, die ersten S&auml;tze, vor allem die Psalmvertonungen, nimmt er geradezu rasant – da h&auml;tte etwas mehr Differenzierung nicht geschadet. Und ja, auch die Textverst&auml;ndlichkeit des Bachchores war schon besser. Aber wer kann heute schon noch so gut Latein, dass er die in italienischer Aussprach gesungenen Bibeltexte ohne Programmheft und &Uuml;bersetzung verst&uuml;nde?</p>
<p>Sp&auml;testens ab der Sonata und dem Hymnus „Ave maris stella“ war das aber restlos vergessen. Denn hier und vor allem im abschlie&szlig;enden gro&szlig;en Magnificat spielten alle Beteiligten ihre Tugenden voll aus: Der Bachchor sang lebendig, geschmeidig angepasst gleicherma&szlig;en kraftvoll und sanft schmelzend. Otto setzte Akzente, trieb das Geschehen immer wieder voran und sorgte f&uuml;r die notwendige dramaturgische Stringenz. Und das Orchester begeisterte mit Spielkultur und nahezu swingendem Drive. Auch Solisten standen auch nicht zur&uuml;ck: Alle sechs trafen sehr elegant die Mitte zwischen Hervortreten mit teilweise virtuosen Partien und r&uuml;cksichtsvoller Eingliederung in den Gesamtklang. &Uuml;berhaupt war das ein gro&szlig;er Verdienst Ottos: Das stimmige Konzept f&uuml;r die gesamte Marienvesper h&ouml;rbar zu machen. Und zwar nicht nur zeitliches Nacheinander von grandioser Herrlichkeit und innig bittender Verehrung, sondern in gegenseitige Befruchtung. Genau so, wie man sich die Marienvereherung von 400 Jahren vorstellt. </p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">Mainzer Rhein-Zeitung</a>.)</p>
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		<title>Bachs h-moll-Messe zum Chorgeburtstag</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Jun 2010 20:07:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es sieht ganz locker aus und ungezwungen aus, wie der Figuralchor da so hemds&#228;rmelig in St. Johannis aufgereiht steht. Auch die Mainzer Camerata Musicale musiziert ganz unformell gekleidet. Aber das t&#228;uscht: Wenn bei ihrem Jubil&#228;umskonzert zum 30. Chorgeburtstag mit Bachs h-Moll-Messe eines nicht der Fall ist, dann ist das ein laxer Umgang mit der Musik. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es sieht ganz locker aus und ungezwungen aus, wie der Figuralchor da so hemds&auml;rmelig in St. Johannis aufgereiht steht. Auch die Mainzer Camerata Musicale musiziert ganz unformell gekleidet. Aber das t&auml;uscht: Wenn bei ihrem Jubil&auml;umskonzert zum 30. Chorgeburtstag mit Bachs h-Moll-Messe eines nicht der Fall ist, dann ist das ein laxer Umgang mit der Musik.<br />
Nat&uuml;rlich erwartet das eigentlich auch niemand. Denn der Dirigent des Mainzer Figuralchors, Stefan Weiler, nimmt seinen Job und seine Aufgabe auch schon seit 30 Jahren sehr ernst.<br />
Faszinierend ist es immer wieder, ihm dabei zuzusehen. Wie er auswendig dirigiert und trotzdem pr&auml;ziser als mancher, der die Partitur vor sich hat. Wie er fast zwei Stunden lang zumindest innerlich mitsingt. Und wie er Chor und Orchester immer wieder aufpeitscht. Denn bei Weilers Auff&uuml;hrungen ist es eigentlich nie langweilig. Nicht nur sein Dirigierstil ist sehr extrovertiert, beweglich und dramatisch. Seine Musik klingt genauso, sie tr&auml;gt jede emotionale Regung nach au&szlig;en. </p>
<p>Daf&uuml;r wird aber auch wirklich an jeder Stellschraube so lange gedreht, bis das maximal M&ouml;gliche Klang wird. Das hei&szlig;t zum Beispiel, dass m&ouml;glichst jeder Kontrast stark gemacht wird, manchmal sogar regelrecht &uuml;berh&ouml;ht. Denn von diesen H&ouml;hepunkten lebt Weilers Interpretation. Zwar bem&uuml;ht er sich auch in introvertierten Abschnitten um innige Gestaltung. Aber so richtig aufbl&uuml;hen k&ouml;nnen er und der Figuralchor dann doch immer wieder in den musikdramatischen H&ouml;hepunkten, beim Ende des Glorias etwa oder auch im Credo. Das scheint sowieso Weilers zentraler Ansatzpunkt f&uuml;r die Messe zu sein. Denn hier die Differenz zwischen mythisch hauchenden, bis zur Schmerzgrenze gedehnten Abschnitten (vor allem beim „Et incarnatus est“) und der triumphal-verlocken Glaubensgewissheit besonders gro&szlig;.<br />
Das hat den Vorteil, dass die zwei Stunden, die Bach f&uuml;r seine Messvertonung braucht, im Nu vor&uuml;ber sind: St&auml;ndig passiert etwas Neues, st&auml;ndig gibt es Abwechslung und andere Reize.<br />
Allerdings genau das auf Dauer auch ein bisschen deas Problem: Das sind – nicht immer, aber &uuml;ber weite Strecken – an sich reizvolle Kontraste und einfallsreiche Details, die aber unabl&auml;ssig gereiht werden und gr&ouml;&szlig;ere Zusammmenh&auml;nge manchmal etwas aus den Augen verlieren. </p>
<p>Aber auf jeden Fall ist diese h-Moll-Messe expressive &Uuml;berzeugungsarbeit von der ersten bis zur letzten Note. Fast missionarisch erscheint das – als wollte uns ausgerechnet Bach, der protestantische Kirchenmusiker schlechthin, zum Katholizismus verf&uuml;hren. Zum Anh&auml;nger der lateinischen Messe k&ouml;nnte man nach so einer Auff&uuml;hrung immerhin leicht werden. </p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die Mainzr <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">Rhein-Zeitung</a>)</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/03acc78848604d2e8568f29d3e6f9dec" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Weltdeutung mit Mahler</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Jun 2010 19:11:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Immer wieder nicht nur &#252;berw&#228;ltigend, sondern auch einleuchtend und sinnstiftend: Die Erinnerungsgewebe der f&#252;nften Sinfonie Mahlers. Und live nochmal so gut &#8211; mit diesen Klangmassen, ihrer Ballung und Differenzierung kommt keine Hifi-Anlange mit. Selbst wenn es nur die akustisch sehr langweilige, mittelm&#228;&#223;ige Rheingoldhalle ist. Sp&#228;testens um 21.32 Uhr war es um das Publikum geschehen: Da [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wieder nicht nur &uuml;berw&auml;ltigend, sondern auch einleuchtend und sinnstiftend: Die Erinnerungsgewebe der f&uuml;nften Sinfonie Mahlers. Und live nochmal so gut &#8211; mit diesen Klangmassen, ihrer Ballung und Differenzierung kommt keine Hifi-Anlange mit. Selbst wenn es nur die akustisch sehr langweilige, mittelm&auml;&szlig;ige Rheingoldhalle ist.</p>
<p>Sp&auml;testens um 21.32 Uhr war es um das Publikum geschehen: Da hob der ber&uuml;hmteste Teil von Gustav Mahlers f&uuml;nfter Sinfonie an, das Adagietto des vierten Satzes. Und damit hatte der junge Finne Pietra Inkinen mit dem famosen SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg auch die letzten Zweifler unter den Zuh&ouml;rern in der Rheingoldhalle von seinem K&ouml;nnen &uuml;berzeugt. Denn er w&auml;hlt nicht den einfachsten Weg – reine Sentimentalit&auml;t verbietet sich ihm hier, das ist seit der Verwendung dieser Musik f&uuml;r Luchino Viscontis Film „Tod in Venedig“ keinem ernsthaften Musiker mehr eine Option. Aber Inkinen weicht auch nicht einfach ins Gegenteil, die k&uuml;hl e analytische Exekution des Notentextes aus. Nein, er sucht zu vermitteln, zwischen Kitsch und Wissenschaft, zwischen triefendem Schmalz und kn&ouml;cherner Erbsenz&auml;hlerei. Und das gelingt ihm mit dem SWR-Sinfonieorchester ziemlich gut.</p>
<p>Geschmeidig im Ton und flexibel in allen Dimensionen steht ihm von Anfang an und immer wieder die Vielfalt besonders hoch im Kurs: Viel Zeit l&auml;sst er dabei freilich weder sich noch Mahlers Musik. Und manchmal laufen auch einige F&auml;den ins Leere, l&auml;sst er die eine oder andere Masche fallen. Insgesamt aber gelingt ihm ein erstaunlich konzises Gewebe, das die Einheit der Vielheit zelebriert: Jede Idee, jede Harmonie mit sich selbst und der Welt, jeder Frieden und jede Erl&ouml;sung sind in dieser Musik nur vor&uuml;bergehend. Sie k&ouml;nnen zwar wieder erscheinen – aber niemals gleich. Stetig treibt der Dirigent sein Orchester nach vorn, dr&auml;ngt immer weiter, auf der Suche nach der n&auml;chsten Sensation und dem n&auml;chsten Gl&uuml;cksmoment. Und davon gibt es viele. Etwa der Augenblick, in dem die Trompetenfanfare des ersten Satzes vom Totenmarsch zur Elegie wird. Oder die Apotheose im Geschwindmarsch des Finales. Oder das bestens organisierte Chaos des Scherzos.</p>
<p>Auch zusammen mit dem Pianisten Nicholas Angelich in Robert Schumanns Klavierkonzert wurde zuvor schon einiges begl&uuml;ckendes geleistet. Denn auch hier verlieren sich weder Dirigent noch Solist im romantischen Sehnsuchtsbrei. Gerade Angelich befeuert das romantischste aller Klavierkonzerte mit strahlenden Ton sehr deutlich. Diese klare Brillanz, an manchen Stellen strategisch geschickt zur&uuml;ckgenommen, paart sich mit luzidem Orchesterklang und forschen Tempi zu einer sehr selbverst&auml;ndlich gelingenden Einheit. Selbstverst&auml;ndlich, dass die beiden daf&uuml;r auch entsprechend gefeiert werden.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>)</p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/810da2c2afeb42d48d27d751aa4f3023" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>training auf dem rheinsteig</title>
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		<pubDate>Sun, 23 May 2010 12:54:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf dem Rheinsteig war ich ja schon &#246;fter unterwegs. Diesmal sollte es ein Trainingsmarathon werden &#8211; zum 700. Tag ununterbrochenen t&#228;glichen Laufens (streaken) muss es ja etwas besonderes sein. Also verschob ich den Start von Eltville nach Erbach, das bringt ungef&#228;hr zwei Kilometer Strecke &#8211; und damit den Rest, der mir bisher zum Marathon gefehlt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem Rheinsteig war ich ja schon <a href="http://matthias-mader.de/laufen/deutschland-ist-schoen/" class="liinternal">&ouml;fter</a> <a href="http://matthias-mader.de/freizeit/zum-rhein-zum-rhein-zum-deutschen-rhein/" class="liinternal">unterwegs</a>. Diesmal sollte es ein Trainingsmarathon werden &#8211; zum 700. Tag ununterbrochenen t&auml;glichen Laufens (<a href="http://matthias-mader.de/in-bewegung/taeglich-laufen/" class="liinternal">streaken</a>) muss es ja etwas besonderes sein. Also verschob ich den Start von Eltville nach Erbach, das bringt ungef&auml;hr zwei Kilometer Strecke &#8211; und damit den Rest, der mir bisher zum Marathon gefehlt hat.<br />
Das Prozedere war das &uuml;bliche: Um kurz vor 9 bin ich in Mainz in die S8 gestiegen, die mich nach Wiesbaden brachte. Dort nahm ich die Regionalbahn in Richtung Koblenz &#8211; am Pfingstsamstag war das ein Wanderer-Zug. Und obwohl die Leute auch lauter komische Klamotten hatten, haben sie mich trotzdem seltsam angeschaut &#8211; mit meinen Kompressionsstr&uuml;mpfen, kurzer Tight, &auml;rmellosen, engen Singlet und zwei Flaschen in der Hand entsprach ich nicht den &uuml;blichen Reisenden &#8211; die waren mit schweren Schuhen, St&ouml;cken und Rucksack unterwegs (weder schwere Schuhe noch St&ouml;cke sind in der Gegend f&uuml;r irgend etwas n&ouml;tig &#8230;). </p>
<p>Um 9:30 ging es dann in Erbach im Rheingau los. Das Thermometer zeigte schon 20 °C, die Sonne brannte vom wolkenlosen blauen Himmel recht unbarmherzig herunter. Meinen Weg, den ich mir so ausgedacht hatte, fand ich problemlos: Kurz nach dem Bahnhof ab und aus Erbach hinaus durch die Felder in Richtung Kloster Eberbach. Das hei&szlig;t vor allem: Es ging gleich bergauf. Aber nicht sehr steil. Noch nicht. Kurz vorm Kloster traf ich dann auf das Str&auml;&szlig;chen, das mich an die Klosterpforte f&uuml;hrte. Dann noch schnell zwischen Sch&auml;nke und Basilika durchs Kloster und auf der anderen Seite wieder hinaus. Da stand ich dann erstmal, im Wald. Aufgrund von Bauarbeiten an der Klostermauer war da n&auml;mlich ziemliches Durcheinander und ich fand keine Rheinsteig-Markierung. Das war nicht so prickelnd. Denn hier kannte ich den Weg ja so gut wie gar nicht &#8211; das bin ich nur mal vor Ewigkeiten in die andere Richtung gewandert &#8230; Aber die Richtung nach Kiedrich wusste ich noch, also war klar, wo ich suchen musste. Und kurze Zeit sp&auml;ter fand ich den Rheinsteig dann auch tats&auml;chlich. Der ging erst einmal bergauf &#8211; das macht er ja gerne &#8230; Hier aber so richtig: steil und matschig. Ich entschied mich f&uuml;r den Schongang und marschierte zum ersten Mal ein kurzes St&uuml;ck. Dann ging es aber bald besser, im Wald etwas hinab und wieder hinauf und dann &uuml;ber eine der sch&ouml;nsten Stellen des Rheinsteigs (so weit ich ihn kenne): Die Wiesen oberhalb von Kiedrich. Mit wunderbarem Ausblick &uuml;ber das Tal auf einem ganz altmodischen Wiesenweg, ganz unbefestigt und eigentlich nur von den Wanderern genutzt. Inzwischen kamen mir von denen auch schon die ersten entgegen &#8211; es wurden noch einige heute, deutlich mehr als sonst. In Kiedrich habe ich dann minimal abgek&uuml;rzt, damit ich nicht so viel im Ort rumlaufen musste. Hier wusste ich, was zu kommen hatte (hier kommt man n&auml;mlich von Eltville auf den Rheinsteig): Der Aufstieg zum Kiedricher Turm. Der ist so richtig steil. Die ersten paar Kehren bin ich noch gelaufen &#8211; schlie&szlig;lich musste ich Wanderer &uuml;berholen. Nicht sehr klug, wahrscheinlich. Und durchgehalten habe ich es auch nicht. Auch vom Kiedricher Turm hat man einen sch&ouml;nen Ausblick. Vor allem bei solch einem Kaiserwetter. </p>
<p>Aber mit Pause war nix, ich hatte ja noch einige Kilometer vor mir. Zun&auml;chst durch die Weinberge, dann aber bald wieder in den Wald. Da ging es dann lustig auf und ab, mit mehr oder weniger viel Schlamm &#8211; teilweise war es ganz sch&ouml;n rutschig. So ging es dann auf und ab, meist durch den Wald, mit kurzen Wiesenst&uuml;cken &#8211; so war die pralle Sonne noch gar nicht so &#8222;schlimm&#8220;. Irgendwann kam dann auch schon Schlangenbad &#8211; nach einigen Unsicherheiten bei verschiedenen Kreuzungen, wo ich mir nicht mehr sicher war, in welche Richtung der Weg ging &#8211; und beim Laufen gleichzeitig nach den Markierungen Ausschau halten und auf die ganzen Schlamml&ouml;cher und Stolperfallen des Weges zu achten ist anstrengend. Aber es hat ja immer geklappt &#8211; nur ganz kleine minimale Verlaufer waren dabei. Durch Schlangenbad ging es dann, inklusive unangenehmer Treppen im &#8222;Kurpark&#8220;. </p>
<p>Nach Schlangenbad, das war mir noch in Erinnerung, geht es erst einmal wieder hoch. Das ging dann aber tats&auml;chlich noch einigerma&szlig;en, obwohl meine Beine mittlerweile schon deutliche Erm&uuml;dung meldeten. Dabei war noch nicht einmal die 20-km-Marke geknackt. Aber die meisten Aufstiege hatte ich jetzt hinter mir, hinter Georgenborn ging es ersteinaml bergab (allerdings so steil, dass es auch keinen Spa&szlig; machte). Und den schlimmsten gab es nicht mehr: In Frauenstein wurde die Wegf&uuml;hrung zum Goethestein hinauf ge&auml;ndert und somit die steilste Passage &#8211; wenn ich mich recht erinnere, waren das vorwiegend Treppenstufen &#8211; umgangen. So war ich schneller als gedacht am Goethestein &#8211; die n&auml;chste Etappe, sozusagen. Allerdings, obwohl es jetzt flach wurde &#8211; es lag noch ein gutes St&uuml;ck Weg vor mir. Zun&auml;chst durch die Weinberge, kreuz und quer, damit ja m&ouml;glichst wenig Asphalt oder Beton dabei ist. Dann durch die G&auml;rten vor Schierstein. Da konnte ich an einer Quelle noch einmal auftanken und mich erfrischen. Inzwischen hatte die Sonne und die ungewohnte W&auml;rme n&auml;mlich erheblichen Tribut gefordert: Mein Singlet hatte sch&ouml;ne wei&szlig;e R&auml;nder, die Haare klebten in alle Richtungen, die Arme waren auch schon reichlich klebrig. Irgendwo dort in den G&auml;rten verlor ich dann endg&uuml;ltig den offiziellen Rheinsteig aus den Augen. Aber das war dann egal, jetzt ging es eigentlich nur noch am Rhein hinauf in Richtung Mainz &#8211; vorbei auch am Biebricher Schloss, dass vom Wiesbadener Pfingstturnier in Beschlag genommen war. Inzwischen war der Weg zwar nicht mehr so anspruchsvoll &#8211; jetzt musste ich h&ouml;chstens Spazierg&auml;ngern ausweichen &#8211;, das Laufen wurde aber nur bedingt leichter. Denn die Erm&uuml;dung schlug jetzt doch ganz sch&ouml;n kr&auml;ftig zu. Aber ein paar Kilometer noch &#8211; das sollte doch zu schaffen sein. Bis Mainz ging es auch. Aber auf der Theodor-Heuss-Br&uuml;cke wurde mir langsam klar, dass nach den 42 Kilometern ziemlich sicher Schluss sein w&uuml;rde. Schluss war dann auch, aber sogar etwas fr&uuml;her. Irgendwo knapp vor dem Kilometer 41 ging mein Kreislauf in die Knie &#8211; und bevor ich im Laufen umkippte, machte ich der Qual lieber ein Ende und marschierte den Rest nach Hause.</p>
<p>Gut vier Stunden war ich unterwegs &#8211; also nicht gerade sehr schnell. Irgendwo ist meine Form abhanden gekommen. Dazu kam jetzt auch noch der Mangel an Wasser &#8211; getrunken habe ich wohl kaum mehr als 1,5 Liter &#8211; das war, gerade bei diesem Wetter, halt doch einfach zu wenig &#8230; Aber trotz aller Qual &#8211; es war dennoch wieder sch&ouml;n, so lange unterwegs zu sein, so einen sch&ouml;nen und abwechslungsreichen Weg bei so grandiosem Wetter unter die F&uuml;&szlig;e zu nehmen.<br />
Hier ist die &Uuml;bersicht bei Runsaturday: <a href="http://www.runsaturday.com/act/290309" class="liexternal">Klick</a><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c50bdb779020412f9db29510bc3b4f5f" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>seemusik, basstubakonzert und elgar: enigma pur</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 11:55:25 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[ein irgendwie seltsames und doch logisches programm hat sich die roam f&#252;r die 13. arbeitsphase ausgedacht: englische musik (sowieso meist kaum mein fall &#8230;) aus dem 20. jahrhundert. zwei klassiker &#8211; brittens &#8222;sea interludes&#8220; und elgars &#8222;enigma-variationen&#8220; &#8211; und ein kuriosum: ein concerto f&#252;r basstuba und orchester. trotz tuba day: so toll ist das nicht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ein irgendwie seltsames und doch logisches programm hat sich die <a href="http://roam-online.de" class="liexternal">roam</a> f&uuml;r die 13. arbeitsphase ausgedacht: englische musik (sowieso meist kaum mein fall &#8230;) aus dem 20. jahrhundert. zwei klassiker &#8211; brittens &#8222;sea interludes&#8220; und elgars &#8222;enigma-variationen&#8220; &#8211; und ein kuriosum: ein concerto f&uuml;r basstuba und orchester. trotz <a href="http://www.tubaday.com" class="liexternal">tuba day</a>: so toll ist das nicht, dass ich nun der ansicht w&auml;re, so etwas m&uuml;sste unbedingt regelm&auml;&szlig;ig aufgef&uuml;hrt werden &#8230;</p>
<p>Einen „Klassiker unter den Tubakonzerten“ nennt das Programmheft Ralph Vaughan Williams‘ 1954 komponiertes Concerto. Nun, unter den Blinden ist der Ein&auml;ugige K&ouml;nig, k&ouml;nnte man einwenden: So arg viele Tubakonzerte gibt es eben nicht. Schon gar nicht bekannte. Aber dieses Concerto aus der Feder des englischen Komponisten bleibt davon unber&uuml;hrt. Denn es w&uuml;rde sich auch in gr&ouml;&szlig;erer und st&auml;rkerer Konkurrenz behaupten. Das bewies jetzt der junge Tubist Carl Woodcroft – ebenfalls aus England &#8211;, den die Rheinische Orchesterakademie Mainz f&uuml;r ihr ganz der englischen Musik des 20. Jahrhunderts gewidmetes Programm gewonnen hat. Das Concerto nahm da als Rarit&auml;t eine zentrale Stellung ein. Aber nicht nur als Kuriosum. Denn sowohl die ROAM mit ihrer Dirigentin Marion Leleu als auch Woodcroft machten sich zu wahren Botschaftern dieses Werkes. Mit Charme und Akribie spielten sie wie Vaughan Williams mit dem kompositorischen Material: Denn auch wenn es ziemlich schmissig und eing&auml;ng sich gibt, das Tubakonzert f&uuml;hrt abwechslungsreich allerei musiklaische Technik vor. Und nat&uuml;rlich das Instrument, die Basstuba. Hinter dem (und seinem Notenpult) verschwindet Woodcroft fast. Aber akustisch ist er daf&uuml;r umso pr&auml;senter: Klug gliedert er sich in den Orchesterklang ein, um an den entscheidenden Stellen einen Schritt nach vorn zu tun. Seine klare Artikulation, die weiche Tonkaskaden und das wunderbar samtige Pianissimo auch in der dunkelsten Tiefe heben ihn klanglich deutlich heraus. Das Orchester ist dabei aber weit mehr als blo&szlig;er Hintergrund oder reiner Sparringpartner. Denn Vaughan Williams verteilt sein Material dicht auf so ziemlich alle Beteiligten – eine Chance, die auch die ROAM nutzt.</p>
<p>Mehr noch als in den „Four Sea Interludes“ von Benjamin Britten, die das Konzert im Schoss er&ouml;ffneten. Die blieben n&auml;mlich etwas unbefriedigend verschwommen – ihre geheimnisvolle Stimmungsmagie hatte so kaum eine Chance. Viel weniger jedenfalls als Edward Elgars Enigma-Variationen. Auch wenn man die menschlichen Vorbilder, die Elgar hier mit Variationen eines Themas charakterisiert, nicht kennt: Die Musik ist so beredt, dass sich die Wissensl&uuml;cke leicht schlie&szlig;t. Und Marion Leleu und die ROAM sind gut geeignete Vermittler: Pointiert, mit ironischer Keckheit und sanft schmelzendem Spott, aber auch mit Mut zur pathetischen Gr&ouml;&szlig;e bringen sie das gekonnt auf den Punkt – und spielen dabei locker die ganze Bandbreite der M&ouml;glichkeiten vom robusten L&auml;rmen bis zum feinsinnigen Tongespinst und wieder zur&uuml;ck aus.<br />
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		<title>schumann, schumann, schumann</title>
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		<pubDate>Sun, 02 May 2010 16:18:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[nein, nicht robert, eusebius und florestan. einfach drei mal schumann. ihm zum 200. geburtstag. ein konzert mit erster und vierter symphonie und der sp&#228;ten konzertphantasie f&#252;r violine &#38; orchester. und einfach ein wunderbares konzert. nix zu meckern gibt es da &#8230; Dar&#252;ber h&#228;tte Robert Schumann sich bestimmt gefreut: Wenn er geh&#246;rt h&#228;tte, wie Lena Neudauer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>nein, nicht robert, eusebius und florestan. einfach drei mal schumann. ihm zum 200. geburtstag. ein konzert mit erster und vierter symphonie und der sp&auml;ten konzertphantasie f&uuml;r violine &amp; orchester. und einfach ein wunderbares konzert. nix zu meckern gibt es da &#8230;</p>
<p>Dar&uuml;ber h&auml;tte Robert Schumann sich bestimmt gefreut: Wenn er geh&ouml;rt h&auml;tte, wie Lena Neudauer seine Phantasie f&uuml;r Violine und Orchester spielt. Zusammen mit dem Philharmonischen Staatsorchester unter Catherine R&uuml;ckwardt, das dem vor 200 Jahren geborenen Komponisten standesgem&auml;&szlig; mit einem Konzert gratulierte. Leider vor &uuml;berwiegend leeren Sitzen in der Ph&ouml;nixhalle. Und das ist nun wirklich ausgesprochen schade, dass diese Hommage an den Orchesterkomponisten Schumann so wenig Resonanz gefunden hat. Verdient h&auml;tte sie n&auml;mlich ein ausverkauftes Haus. Schlie&szlig;lich kam hier fast alles zusammen, was ein wunderbares Konzerterlebnis garantiert: Ein gut aufgelegtes Orchester, eine inspirierte Dirigentin und eine au&szlig;ergew&ouml;hnliche Solistin. Denn Lena Neudauer macht Schumanns selten gespielte sp&auml;te Konzertphantasie zu einem wirklich phantastischen Ereignis. Mit &uuml;berirdisch scheinender Pr&auml;zision f&uuml;hrt sie die „Phantasie f&uuml;r Violine und Orchester“ vor, mit hyperkontrollierter Bogenf&uuml;hrung und h&ouml;chster intonatorischer Genauigkeit. Aber, und das war das wirklich faszinierende, ihr K&ouml;nnen reicht weit &uuml;ber technische Vollkommenheit hinaus. Denn ihre Perfektion ist nie trocken, sondern als Mittel der Gef&uuml;hlsdarstellung und Empfindung grandios treffsicher ausgenutzt. Pure Nat&uuml;rlichkeit und hohe Kunst in einem ist das – Widerspr&uuml;che, die nicht jeder Solist so nahtlos und scheinbar unproblematisch vereinen kann wie Neudauer.</p>
<p>Gerahmt wurde diese Phantasie von der ersten und letzten Symphonie Schumanns. Die Fr&uuml;hlingssinfonie, sein erster Versuch, dem kaum etwas versuchendes anhaftet, lie&szlig; R&uuml;ckwardt pulsierend treibend spielen. Und das Orchester machte mit schlankem, klarem Klang die impulsive Seite sehr stark. Die Fr&uuml;hlingssinfonie ist so kein vertr&auml;umtes romantisches Traumgespinst, selbst die idyllischen Mittels&auml;tze sind ganz wirklich – mit einem minimalen Schuss romantischer Verkl&auml;rung.<br />
Wesentlich gesteigert wurde dieses fr&uuml;hlingsfrische Frohlocken in Schumanns vierter Symphonie, zwei Jahre vor seinem Tod vollendet. Mit dem typischen Hang zu grandiosen, leicht &uuml;berreizten Steigerungen lie&szlig; R&uuml;ckwardt dem &Uuml;berschwang hier reichlich Raum – genau so, wie es sich f&uuml;r Schumann geh&ouml;rt. So wurde das wunderbar gro&szlig;artig, ein kleines bisschen pathetisch und klanglich reichhaltig ein perfekter Abschluss f&uuml;r das Geburtstagskonzert.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>)<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/aa32517116de44da829c522bdfa8786a" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>vom rhein an die m&#252;mling</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 18:33:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[weil das wetter ja unerschrocken gut geblieben ist, habe ich am freitag abend meine pl&#228;ne ge&#228;ndert und statt des rucksacks f&#252;r die bahnfahrt nach erbach am samstag morgen die radtaschen gepackt. endlich einmal wollte ich die gesamte strecke mit dem liegerad absolvieren &#8211; teile davon bin ich ja schon gefahren, vor allem von erbach nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>weil das wetter ja unerschrocken gut geblieben ist, habe ich am freitag abend meine pl&auml;ne ge&auml;ndert und statt des rucksacks f&uuml;r die bahnfahrt nach erbach am samstag morgen die radtaschen gepackt. endlich einmal wollte ich die gesamte strecke mit dem liegerad absolvieren &#8211; teile davon bin ich ja schon gefahren, vor allem von erbach nach darmstadt. also habe ich mir eine <a href="http://www.bikemap.net/route/457882" title="routen geplant" class="liexternal">route</a> ausgedacht, die 79,1 kilometer verhie&szlig; und nat&uuml;rlich einen sch&ouml;nen anstieg im letzten drittel.</p>
<p>am samstag morgen brauchte ich dann zwar recht lange, bis ich endlich mal in die g&auml;nge kam. aber sobald ich dann gegen halb zehn auf dem liegerade sa&szlig;, ging es mir bestens. warum auch nicht? &#8211; die sonne schien vom blauen himmel herab, es war noch nicht sehr warm, aber angenehm; mich erwartete eine sch&ouml;ne tour und ich hatte eigentlich den ganzen tag zeit. also lie&szlig; ich es sehr unhektisch angehen und rollte los &#8211; &uuml;ber die theodor-heu&szlig;-br&uuml;cke durch kastel, in kostheim &uuml;ber den main und dann ersteinmal in richtung bischofsheim geradelt. so weit war das &uuml;berhaupt kein problem, hier kannte ich mich ja noch ungef&auml;hrt aus. von bischofsheim ging es dann erst einmal nach gro&szlig; gerau. und zwar immer geradeaus. wirklich geradeaus. denn die l3482 macht hier keine krumme sachen.</p>
<p>hinter gro&szlig; gerau wollte ich eigentlich auf der b42 &uuml;ber weiterstadt nach darmstadt weiterfahren. aber das schien mir dann dort nicht mehr so opportun: die budnesstra&szlig;e war arg viel befahren, mit wenig platz f&uuml;r radler. und zuf&auml;llig traf ich dort, kurz vor der a67, auch auf den fahrradweg nach darmstadt. also habe ich den genommen und blieb westlich der autobahn. der radweg f&uuml;hrte mich dann &uuml;ber griesheim nach darmstadt rein. und war so ein radweg, den ich nicht besonders mag. denn immer wieder die scharfen ecken, nur um ein feld weiter wieder die urspr&uuml;nglich richtung aufzunehmen &#8211; da wird der sch&ouml;ne rhythmus immer wieder unterbrochen. immerhin war wenig verkehr &#8211; au&szlig;er den spargelerntebusse, die in gro&szlig;en staubfahnen durch die felder bretterten, war ich alleine. nur die sonne lie&szlig; mich nicht im stich &#8211; inzwischen war es warm geworden, so dass ich froh war, mich des lang&auml;rmligen oberteils entledigen zu k&ouml;nnen. mit kurzer hose war ich ja sowieso unterwegs.</p>
<p>in darmstadt wollte ich dann besonders schlau sein und die enge und viel befahrene heinrichstra&szlig;e (es war schlie&szlig;lich samstag!) umgehen. das hat mich allerdings einen kleinen umweg gekostet &#8211; irgendwann war ich auf einmal auf der b3. die hat zwar einen sch&ouml;nen radweg, f&uuml;hrt aber leider nicht dahin, wo ich hin wollte. irgendwann war ich dann aber gl&uuml;cklich am b&ouml;llenfalltor und konnte das sch&ouml;ne st&uuml;ck durchs m&uuml;hltal unter die r&auml;der nehmen. dann ging es durch ober-ramstadt &#8211; nat&uuml;rlich wieder schrecklich verstopft mit den doofen blechdosen &#8211; in richtung hahn. dort, am anstieg hinter ramstadt, dem ersten richtigen h&uuml;gel dieser tour, merkte ich doch langsam, dass ich schon einige kilometer in den beinen hatte &#8211; 43, um genau zu sein. au&szlig;erdem bekam ich hunger. also oben erst einmal eine erste kurze pause gemacht, den ausblick genossen und die erste banane verspeist. dann ging es wieder hinab, sch&ouml;n flott den wind um die nase wehen lassen, nach hahn, um gleich wieder den n&auml;chsten h&uuml;gel richtung gro&szlig;-bieberau in angriff zu nehmen. der entsch&auml;digte auch wieder mit einer sch&ouml;nen abfahrt in den ort hinein. sch&ouml;n steil vor allem. unten, zwischen den h&auml;usern, war dann nat&uuml;rlich wieder blechb&uuml;chsen-stau. aber das kannte ich inzwischen ja (wenn ich in gro&szlig;-bieberau bin, ist immer stau ;-)) und bin ganz frech auf dem b&uuml;rgersteig dran vorbei ;-). und schon war ich im gersprenztal. also fast daheim, sozusagen.</p>
<p>aber noch nicht ganz. bis brensbach ging es sch&ouml;n locker auf dem fast schon anachronistischen mehrzweckstreifen an der bundesstra&szlig;e. und dann eben hinauf, hin&uuml;ber ins m&uuml;mlingtal. ich hatte mir ausgesucht: von brensbach &uuml;ber b&ouml;llstein nach michelstadt hinunter. das war eine gute wahl, denn der aufstieg von brensbach nach b&ouml;llstein d&uuml;rfte, meiner erinnerung und meinem empfinden nach, der flachste &uuml;bergang von der gersprenz zur m&uuml;mling sein. er zieht sich zwar ein bisschen, aber sehr steil ist er nur in ganz kurzen st&uuml;cken. das war auch ganz gut so, denn wie ich dort merkte, war meine schaltung nicht mehr richtig eingestellt und ich kam nicht ins kleinste kettenblatt. hinauf gekommen bin ich dann aber doch, freilich mit deutlich mehr krafteinsatz als mir lieb war. und die sonne heizte hier ganz sch&ouml;n ein &#8211; irgendwie hatte ich da auch mehr wald in erinnerung &#8230;</p>
<p>kurz vor b&ouml;llstein, an der hohen stra&szlig;e, legte ich dann (fast schon traditionell) am dortigen parkplatz meine zweite rast ein, bei der auch die zweite banane dran glauben musste. jetzt, nach 66 kilometern, merkte ich die anstrengung doch schon ziemlich. auch bei der abfahrt war&#8217;s dann zu sp&uuml;ren: besonders schnell wurde ich nicht mehr, f&uuml;r die gro&szlig;en g&auml;nge fehlte einfach die notwendige kraft, um da noch ordentlich tempo zu geben. und die strecke der b47 &uuml;ber rehbach und steinbach ist auch nicht besonders steil. richtig anstregend wurde es dann aber erst bei den letzten mini-erhebungen zwischen michelstadt und erbach und beim schlussanstieg in erbach selbst. aber da hatte ich das ziel ja schon vor augen. nach 83 kilometern war ich dann angekommen. gebraucht hatte ich daf&uuml;r noch nicht einmal vier stunden. mit dem zug sind es auch schon mehr als zwei &#8230; allerdings habe ich nach dem zugfahren nicht so viel pudding in den beinen. und am n&auml;chsten tag weder muskelkater in den oberschenkeln noch einen leichten sonnenbrand auf den armen (der verwundert mich allerdings schon &#8230;)</p>
<p>das profil sieht fast schlimmer aus als es war:<br />

<a href="http://matthias-mader.de/wp-content/gallery/fahrrad/profil.jpg" title="" class="thickbox" rel="singlepic368" >
	<img class="ngg-singlepic ngg-center" src="http://matthias-mader.de/wp-content/gallery/cache/368__320x240_profil.jpg" alt="von mainz nach erbach: das höhenprofil" title="von mainz nach erbach: das höhenprofil" />
</a>
<br />
aber das habe ich ja oben schon erw&auml;hnt. und au&szlig;erdem wusste ich ja, was auf micht zukommt.</p>
<p>und das ist die gesamte strecke (hier auch bei gpsies:<a href="http://www.gpsies.com/map.do?fileId=zvptpldulriregav" class="liexternal"> mainz-erbach</a>):<br />

<a href="http://matthias-mader.de/wp-content/gallery/fahrrad/strecke-komplett.jpg" title="" class="thickbox" rel="singlepic367" >
	<img class="ngg-singlepic ngg-center" src="http://matthias-mader.de/wp-content/gallery/cache/367__400x240_strecke-komplett.jpg" alt="von mainz nach erbach: die strecke" title="von mainz nach erbach: die strecke" />
</a>
<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/183b6cb72d7647629d9a794e8cfa6784" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>gro&#223;e musik im gro&#223;en raum: bachs johannes-passion im dom</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2010 19:42:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der erste Versuch war gleich ein Meisterwerk. Nun war Bach, als er die Johannes-Passion f&#252;r den Karfreitag 1724 in Leipzig komponierte, ja beileibe kein Anf&#228;nger mehr. Erfahren ist auch Domkapellmeister Mathias Breitschaft. Das merkt man seiner Interpretation der Johannes-Passion im Domkonzert mit der Domkantorei St. Martin und dem Mainzer Kammerorchester durchaus an – im besten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der erste Versuch war gleich ein Meisterwerk. Nun war Bach, als er die Johannes-Passion f&uuml;r den Karfreitag 1724 in Leipzig  komponierte, ja beileibe kein Anf&auml;nger mehr. Erfahren ist auch Domkapellmeister Mathias Breitschaft. Das merkt man seiner Interpretation der Johannes-Passion im Domkonzert mit der Domkantorei St. Martin und dem Mainzer Kammerorchester durchaus an – im besten Sinne. Denn Breitschaft agiert durchweg mit ruhiger Hand und mit Respekt vor dem Meisterwerk, in gro&szlig;en, ausholenden Geb&auml;rden steuert er durch die Passionserz&auml;hlung. Nicht zu ruhig allerdings. Immer wieder beweist er n&auml;mlich treffendes Gesp&uuml;r f&uuml;r die vielen dramatischen Momente, von den Bach und sein Texdichter so vielf&auml;ltigen Gebrauch machten. Schon der Beginn, der Eingangschor „Herr,unser Herrscher“ verdeutlichte das: Mit Gr&ouml;&szlig;e und Gro&szlig;artigkeit von Breitschaft weit ausgespannt, umfasst der schwingende Chorklang Herrlichkeit und Marter der Passion Jesu zugleich.</p>
<p>Man merkt aber auch, dass der Domkapellmeister sich f&uuml;r diese Auff&uuml;hrung eine ziemlich junge Solisten-Riege engagiert hat. Und zwar ebenfalls durchaus positiv. Denn die S&auml;nger, insbesondere die sowieso von Bach quantitativ und qualitativ hier sehr bevorzugten M&auml;nner, beleben mit ihren frischen und energischen Stimmen die Passion enorm. Zudem singen sie auch mit Mut zum Risiko, zum musikalischen Wagnis. Insbesondere der Evangelist von Thomas Volle wird so zu einem engagierten, beteiligten und unmittelbar betroffenem Erz&auml;hler, der selbst noch mitten im Geschehen steht und seine Zuh&ouml;rer da auch direkt hinein f&uuml;hrt. Der Jesus von Clemens Breitschaft wirkte gegen diesen frischen Zugang fast etwas altv&auml;terlich – sehr abgekl&auml;rt, fast entr&uuml;ckt und menschlicher Pein weit enthoben. Mechtild Bach und Heike Wessels erg&auml;nzten das passend mit Hingabe und W&auml;rme.</p>
<p>Aber eigentlich ist in der Johannes-Passion mehr der Chor als die Solisten die Hauptperson – mit den Chorszenen und vor allem den Chor&auml;len, den Meisterwerken Bachscher Satzkunst. Solide und engagiert, in den Chor&auml;len manches zwar sehr getragen und bedeutungsvoll inszeniert. Aber nichtsdestotrotz bei Domkantorei in besten H&auml;nden – bis hin zum gelungenen Finale, der treffenden Kombination aus gro&szlig;em Gestus im Chor „Ruht wohl“ und der grandiosen Steigerung des zart beginnenden Schlusschorals „Ach Herr, lass dein lieb Engelein“, der energisch-satt im ewigen Lob Christi kulminiert.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>)<img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/ae9c8fd3629443698700688d21fc70c9" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>brahms mal anders. aber ganz anders.</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 18:11:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<category><![CDATA[abschlusskonzert]]></category>
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		<category><![CDATA[violkonzert]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein ganz normales Orchesterkonzert im Staatstheater: Etwas von Carl Maria von Weber, dann das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy und am Schluss noch die erste Sinfonie von Brahms. Aber irgend etwas ist anders heute – die Musiker sind alle so jung, den Solisten eingeschlossen. Ach so, das ist das Abschlusskonzert der Musikhochschule – das erkl&#228;rt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->Ein ganz normales Orchesterkonzert im Staatstheater: Etwas von Carl Maria von Weber, dann das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy und am Schluss noch die erste Sinfonie von Brahms. Aber irgend etwas ist anders heute – die Musiker sind alle so jung, den Solisten eingeschlossen. Ach so, das ist das Abschlusskonzert der Musikhochschule – das erkl&auml;rt nat&uuml;rlich die radikale Verj&uuml;ngung. Nicht aber die professionelle Souver&auml;nit&auml;t, mit der das Orchester hier im Kleinen Haus spielt. Denn das Programm und das Dirigat Wolfram Koloseus&#8216; waren alles andere als ein Schonprogramm.</p>
<p>Am Beginn stand also Musik von Carl Maria von Weber: Die Ouvert&uuml;re und zwei Szenen aus dem Freisch&uuml;tz genau gesagt. Das war eine etwas seltsame Erfahrung. Mysteri&ouml;s gespenstig entfaltete Schauerromantik im Orchester und szenische Andeutungen der jungen S&auml;nger. Klanglich fein abgeschmeckt und auch auf authentische Wirkung ausgerichtet mit den Natur-Blechblasinstrumenten und dem vibrierenden Grundrhythmus. Aber dann brechen die elektronisch verst&auml;rkten und auch verfremdeten Singstimmen in die feinsinnige Klangwelt ein – das muss man wohl nicht verstehen. Doch sehr dramatisch ist das alles, vor allem die Wolfsschlucht-Szene mit Danilo Tepsa, Calin Cozma und Florian K&uuml;ppers.</p>
<p>Mit sehr viel Freude am virtuosen Spiel st&uuml;rzt sich Igor Tsinman dann in Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert in e-Moll. Er kann sich das aber auch leisten, sicherer Techniker er er ist.</p>
<p>Klar und dicht, in den meisten Teilen sehr unsentimental spielt er – das ist einfach Musik pur, mal wild, mal gedankenverloren tr&auml;umend. Aber immer jugendlich unbek&uuml;mmert. Schade nur, dass die robuste Pr&auml;gnanz des Solisten das flie&szlig;end begleitende Orchester ganz unverdient in den Hintergrund dr&auml;ngt.</p>
<p>Das kan daf&uuml;r noch mit der abschlie&szlig;enden ersten Sinfonie von Johannes Brahms ganz alleine brillieren. Das erregte Pulsieren des Anfang setzt sich hier unentwegt fort, im nerv&ouml;sen Hin und Her, in der Unruhe der st&auml;ndigen Bewegung und der permanenten Unsicherheit der unausgesetzten Hinterfragung aller Positionen und Werte. So, wie Wolfram Koloseus das hier entwickelt, klingt das viel moderner und gegenw&auml;rtiger, richtiggehend dekonstruktivistisch eigentlich, als gew&ouml;hnlich bei Brahms. Diese Haltung setzt sich dann durch die ganze Sinfonie hindurch fort. So richtig aufbl&uuml;hen kann sie dadurch nie. Auch wenn sich das Orchester redliche M&uuml;he gibt und mit erstaunlicher Klangkultur und gro&szlig;em Engagement durchaus einige Teilerfolge erlangen kann, bleibt es befremdlich. Das Tempo dieser fiebrigen Hast ist immer sehr bem&uuml;ht und wirkt mehr konstruiert als empfunden. Insgesamt gibt das dann eine oft d&auml;monische, bis zum Wahnsinn aufget&uuml;rmt rasende und zerfetzte Sinfonie – eine echte &Uuml;berraschung.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>)</p>
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		<title>wise guys: so viel nettigkeit &#8211; das kann doch nicht sein</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 18:27:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[sie nervt zumindest ein bisschen. aber bevor ich das l&#228;stern anfange, zun&#228;chst einmal den text, den ich f&#252;r die mainzer rhein-zeitung schrieb: Sie sind bringen alle zusammen: Singende Kinder, kreischende Teenies mit und ohne Eltern, alte Fans, die schon beim ersten Konzert dabei waren genau wie zahlreich neu enthusiasmierte, solche mit Partitur unterm Arm und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>sie nervt zumindest ein bisschen. aber bevor ich das l&auml;stern anfange, zun&auml;chst einmal den text, den ich f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a> schrieb:</p>
<p>Sie sind bringen alle zusammen: Singende Kinder, kreischende Teenies mit und ohne Eltern, alte Fans, die schon beim ersten Konzert dabei waren genau wie zahlreich neu enthusiasmierte, solche mit Partitur unterm Arm und diejenigen, die schon im Tour-T-Shirt erscheinen und signierte CDs als Troph&auml;en heimtragen. Bei den <a href="http://www.wiseguys.de" target="_blank" class="liexternal">Wise Guys</a> ist einfach jeder zu Hause. Und die f&uuml;nf sind &uuml;berall dort daheim, wo ein B&uuml;hne und einige gut gelaunte Zuh&ouml;rer zu finden sind. In Mainz passiert das &ouml;fters. Jetzt wieder mal in der Ph&ouml;nix-Halle, um ihr neues Album vorzustellen. Das hei&szlig;t „Klassenfahrt“ &#8211; ein wunderbarer, passender Titel f&uuml;r das Quintett. Die auch nicht mehr ganz so jungen Herren aus K&ouml;ln werden n&auml;mlich einfach nicht so richtig erwachsen. Daf&uuml;r haben sie viel zu viel Spa&szlig; am Rumalbern. Und am Singen. Und ganz besonders, wenn sie beides verbinden k&ouml;nnen. Zum Beispiel in der Rap-Parodie „Hamlet“, in der zumindest zwei aus ihrer Mitte, Sari und Ferenc, mal die ganz harten Kerle geben. Das erfordert einige Umstellung, denn eigentlich sind die Wise Guys viel zu nett f&uuml;r so etwas. Deshalb ist das auch nicht gerade der H&ouml;hepunkt des Konzertes. Davon gibt es aber mehr als genug andere – mit den alten Hits wie „Es ist nicht immer leich ich zu sein“ oder dem unvergessenlichen „Radio“. Aber auch mit neuer Musik und neuen Texten, wie immer vor allem von D&auml;n und Eddi.<br />
Denn, das zeigt „Klassenfahrt“ sehr sch&ouml;n, die Wise Guys bleiben sich treu. Und das hei&szlig;t, dass sie weiterhin sehr nette, hitverd&auml;chtige Popsongs schreiben. Dass sie die als A-Cappella-Gruppe halt ausschlie&szlig;lich mit ihren Stimmb&auml;ndern produzieren, ist da fast zuf&auml;llig. Und gar nicht so wichtig. Hauptsache, die gute Laune kommt. Daf&uuml;r brauchen sie nie viel: Eine eing&auml;ngige Melodie, ein unbedingt gereimter Text, etwas Augenzwinkern: Und fertig ist schon die Rock-Hymne „Latein“, die den Klassenprimus zum Helden macht. Zumindest f&uuml;r diesen Song. &Uuml;berhaupt ihr ungebrochener Optimismus. Das wird manchmal fast zu viel, wenn sie immer noch und wieder nur an das Gute glauben – selbst „Am Ende des Tages“, mag er noch so ruppig gewesen sein. Und das „Schlechte Karma“ wird nat&uuml;rlich auch umgehend &uuml;berwunden. Das sind eben die Wise Guys: unverdrossen gut drauf. Das es musikalisch einfallsreichere und stimmlich raffiniertere Gruppen gibt, macht da gar nix. Denn wenn die Wise Guys dann zum Beispiel „Wo der Pfeffer w&auml;chst“ anstimmen, k&ouml;nnten sie sich ganz entspannen und aufs pantominische Singen verlegen – das Publikum singt gerne und rundum begeistert an ihrer Stelle. Aber das tun sie nat&uuml;rlich nicht. Sondern legen noch einen Zahn zu und rocken auf der B&uuml;hne mal so richtig ab. Schlie&szlig;lich wollen ja alle Spa&szlig; haben – und das „ganz ohne Drogen“, wie es einmal hei&szlig;t. Aber irgendewie sind die Wise Guys doch auch eine Droge. Man kommt einfach nicht los von ihnen.</p>
<p>ja, so war das. und ich habe noch ein bisschen mehr dr&uuml;ber nachgedacht. vielleicht ist ja der erfolg der wise guys in deutschland das beste zeichen f&uuml;r ihr mittelma&szlig; &#8211; in zeit und ort &#8211;, f&uuml;r die zufriedenheit der musiker &amp; des publikums mit der bequemen mitte, dem ewigen sowohl-als auch: ein bisschen witz, ein bisschen nachdenklichkeit, ein bisschen gut, ein bisschen b&ouml;se, ein bisschen freud und ein bisschen leid. aber halt nichts richtig &#8230; nichts wirklich zu ende gedacht oder gef&uuml;hrt. und das nervt nach einer weile &#8211; mich zumindest: diese ewigen halbheiten, die &#8211; das unterstelle ich &#8211; durchaus berechnet, zumindest beabsichtigt sind: n&auml;mlich aus der orientierung am gr&ouml;&szlig;ten gemeinsamen nenner. die offensichtliche &auml;sthetische (und intellektuelle) belanglosigkeit ist die folge davon. und damit ist die musik nicht nur nachrangig, sondern auch voll zufrieden: das streben nach besonderem, nach au&szlig;ergew&ouml;hnlichem hat sie l&auml;ngst aufgegeben. das aber macht sie (fast) bl&ouml;dsinnig (ok, das ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen) massenkompatibel. nur eben auch langweilig und vorhersehbar. da ist f&uuml;r mich einfach kein kitzel, kein reiz mehr dran &#8211; weder musikalisch noch inhaltlich irgend etwas &uuml;berraschendes, neues.</p>
<p>schon die besetzung weist ja darauf hin: f&uuml;nf m&auml;nnerstimmen &#8211; aber keine extreme. kein wirklich tiefer bass und kein ordetnlicher hoher tenor. auch keine beatbox oder wirklich gute vocal percussion. und, das ist die kehrseite, deswegen sind sie ja auch so wunderbar zum mitsingen geeignet. aber das liegt nat&uuml;rlich auch an den einfachst gebauten songs, den &uuml;bersichtlichen arrangements und vor allem den eing&auml;ngigen, unkomplizierten, eigentlich sogar simplen melodien.</p>
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