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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; mainz</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur.</description>
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		<title>We want Miles!</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 18:20:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Jazzgeschichte ist meist mit intensivem Plattensammeln verbunden. Es geht aber auch anders. Zum Beispiel so, wie es Sebastian Sternal macht. Der Mainzer Professor für Jazzklavier hat nämlich nicht nur zusammen mit der Stadt Mainz eine neue Konzert– und Jamsession-Reihe im Frankfurter Hof ins Leben gerufen. Er nutzt die erste Veranstaltung des „Treffpunkt Jazz“ auch gleich für eine formidable Lektion in Sachen Jazzgeschichte. „We want Miles“ ist das übertitelt – und löst diesen Wunsch auch gleich ein: Miles Davis gibt es an diesem Abend eine Menge. </p>
<p>Im zum Club umgebauten Saal des Frankfurter Hofes ist das Publikum dafür um die in der Mitte platzierten Instrumentalisten gruppiert und kann sich aus allen Richtung an Wissen und Unterhaltung ergötzen. Sternal und seine Band mit Dozenten der Mainzer Musikhochschule und dem Gast-Trompeter Frederik Köster spielen sich nicht nur durch die Highlights der langen Karriere des wahrscheinlich berühmtesten Jazztrompeters, sondern erläutern die Musik von Davis auch noch. Oder zumindest einige ausgewählte Stationen davon – der späte Miles zum Beispiel bleibt leider vollkommen außen vor. Er muss es ja auch, denn das bräuchte noch einmal eine ganz andere Band. Aber anderseits muss man sagen: Ein Verlust ist das überhaupt nicht. Denn Sebastian Sternal zeigt sich nicht nur als informierter Moderator, sondern vor allem eben wieder einmal als ausgezeichneter Pianist und Bandleader, der leicht, präzise und poetisch über die Tastatur schwirrt. Die schwerste Aufgabe hat aber unbestritten Frederik Köster, der Miles Davis mit dessen eigenem Instrument, der Trompete, ehrt. Köster zeigt sich davon aber weitgehend unbeeindruckt und brilliert mit vollem, sonorem Ton und melodiösem Einfallsreichtum. </p>
<p>Überhaupt macht der erste Treffpunkt deutlich: Jazzgeschichte muss nicht in der Stilkopie enden. Denn obwohl sich das Quartett natürlich genau auskennt und sich Bebop, modalem oder Cool Jazz anpasst, ist doch auch immer wieder unüberhörbar, dass sie einer anderen Generation als Miles Davis entstammen. Behutsam fügen sie auch mal einige moderne Elemente ein, auch wenn sie Standards wie „Someday my prince will come“ oder „My funny Valentine“ in den Miles-Versionen vorführen. Denn diese Jazzgeschichte hat immer beides: Vorführen der Geschichte und Leben im Moment. Der historische Aspekt wird noch verstärkt durch Erläuterungen Sternals und die Textpassagen aus der Autobiographie von Miles Davis, die Alexander Gelhausen zwischendrin noch vorträgt. Das ist dann zusammen kunstvoll authentisch und authentisch kunstvoll – ein schöner Spagat, den das Quartett hier vollbringt. Ein großes Manko bleibt aber: Das ist viel zu wenig. Aber nach dem offiziellen Teil gibt es ja noch Gelegenheit zum gemeinsam Jammen. </p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.) </p>

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		<title>Der Weltuntergang findet nicht statt — Ligetis „Macabre” in Mainz</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Mar 2012 09:13:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gy&#246;rgy Ligetis „Le Grand Macabre” habe ich bis gestern noch nie live gesehen, sondern bisher nur als Musik bzw. Text gekannt. Und die Mainzer Inszenierung (auch f&#252;r Mainz &#252;brigens das erste Mal, das auf die B&#252;hne des Staatstheaters zu bringen) ist nicht dazu angetan, das wesentlich zu &#228;ndern. Zumindest im Moment nicht. Denn das, was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>György Ligetis „Le Grand Macabre” habe ich bis gestern noch nie live gesehen, sondern bisher nur als Musik bzw. Text gekannt. Und die <a href="http://www.staatstheater-mainz.com/index.php?id=1333" target="_blank">Mainzer Inszenierung</a> (auch für Mainz übrigens das erste Mal, das auf die Bühne des Staatstheaters zu bringen) ist nicht dazu angetan, das wesentlich zu ändern. Zumindest im Moment nicht. Denn das, was Regisseur Lorenzo Fioroni auf die Bühne von Paul Zoller gebracht hat, ließ mich ziemlich ratlos zurück. Ratlos insofern, als mir überhaupt nicht klar wurde, was die Idee dieser Inszenierung war.</p>
<p>Die musikalische Seite, die der Generalmusikdirektor Hermann Bäumer zu verantwortet, hat es mir sehr angetan. Bäumer lässt Ligetis nicht ganz einfache Partitur mit klarer Kraft spielen, die Organisation der Klänge, die ein ausgesprochen weites Spektrum vom feinsten Wischen bis zum massivsten Dröhnen umfassen, gelingt ihm ausgezeichnet. Erstaunt und überrascht hat mich, das muss ich sagen, wie deutlich und klar, wie sauber und durchhörbar das Mainzer Orchester die Partitur ausleuchtet. Bäumer schafft es auch ziemlich gut, die formale Vielfalt von Ligetis Oper aufzuzeigen, ohne ins rein akademische Musizieren zu verfallen. Zudem auch die Sänger des Ensembles sich bei der Premiere sehr gut präsentieren, vor allem der Piet von Alexander Spemann war sehr überzeugend, aber auch der gewichtige Nektrotzar von Stefan Stoll vermochte zu gefallen. Vor allem aber war das eine schöne Ensembleleistung, bei der das Niveau durchweg sehr ansprechend war.</p>
<h2>Klamauk statt Groteske</h2>
<p>Ligetis Oper ist sicher schwierig, ich bin mir auch überhaupt nicht sicher, ob ich sie irgendwie verstehe. Aber, wie gesagt, diese Inszenierung hilft mir dabei überhaupt nicht. Denn eine Interpretation kann ich daraus kaum erkennen. Das, was bei Ligeti im großen und ganzen als grotesk erscheint, zeigt sich hier vor allem als Klamauk. Und wenn es das nicht ist, ist es langweilige Leere — so die erste Szene, völlig belangloses Herumstehen und Herumgestikulieren auf der Bühne. Der Anfang war noch „normal”, schlichtes realistisches Spiel einer Hochzeitsgesellschaft. Aber zunehmend driftet das immer mehr in den Klamauk ab, regressiert zum Blödeln — und das war nicht gemeint, da bin ich mir halbwegs sicher.</p>
<p>Die Bühne ist auch wieder so ein Fall. Riesige Kacheln prägen das Bild — oder auch nicht: Das ist irgendwie ganz neutral, ohne Bedeutung. Dafür hat Zoller eine schön variable Bühne gebaut, mit der Drehbühne und vielen einzelnen Elemente, die de Bühnenarbeiter fleißig hin und her schieben dürfen und kombinieren (und die sich dafür auch verbeugen dürfen am Schluss). Teilweise gibt das realistische Räume (das Schlafzimmer und das Bad, sogar mit ganz detailgetreu mit den typischen Requisiten eines Badezimmers), teilweise aber einfach abstrakte Flächen, die einfahc den Raum irgendwie aufteilen. Auch eine riesige Spiegelwand darf ab und an mitspielen. Und über allem schwebt eine orangene Lichtscheibe (die Sonne?) und eine kleinere weiße (der Mond?), die zum Schluss gemeinsam leuchten. Und seltsamerweise ist sie oben offen, die nicht sehr hoch gebaute Bühne, so dass der Schnürboden und die Beleuchtung zu sehen ist (nicht nur, wenn sie als Komet in den Zuschauerraum strahlt). Das ist jetzt irgendwie nicht verkehrt, sagt mir alles aber überhaupt nichts. Gerade in der Mischung aus abstrakter Bühne und Realismus (der in den Requisiten udn  Kostümen noch deutlicher ist)</p>
<h2>Leere Gesten</h2>
<p>So leer im Sinne von bedeutungslos, wie sich die Bühne mir zeigt, wirkte auch vieles von dem, was auf der Bühne geschah. Man könnte ja durchaus auf die Idee kommen, dass die Geschichte eines von Astronomen vorhergesagten Weltuntergangs mitsamt des Weltenvernichters Nekrotzar, der in Person auftritt und eingreift, nicht nur auf der Ebene der Theaterhandlung eine — dort, im „schönen Breughelland”, auch eine politische — Bedeutung hat. Davon kann ich aber einfach nichts erkennen. Daran krankt in meinen Augen einfach die ganze Inszenierung: Sie sagt mir nichts. Nehmen wir etwa die Videokamera und –projektion. Am Anfang ist das aus der Handlung motiviert, als Kameramann bei einer Hochzeitsgesellschaft. Das funktioniert aber halt nur in der ersten Szene. Bei den weiteren Auftritten der Kamera und ihrer Projektion ist mir die Motivation — und der Sinn — dann völlig schleierhaft geblieben. Vor allem, wenn wir die Handlung auf der Bühne in einem kleinen, teilweise verschobenen, Ausschnitt aus der Vogelperspektive mehrere Meter über den Figuren noch einmal sehen dürfen. Was soll das?</p>
<p>Bezeichnend für die Leere der Inszierung sind aber auch andere Idee, z. B. auch die Idee, den Chor als Volk im Zuschauerraum protestieren zu lassen: Das ist natürlich sehr naheliegend, aber dann einfach nicht sehr spannend und nicht sehr aufschlussreich umgesetzt. Die Transparente sind Platzhalter, das steht „Neid” und „Geiz” drauf — was das wohl wieder soll? Dafür werfen sie mit zusammengeknäultem Papier, fuchteln mit den Armen nd verteilen Zettel — aber davon habe ich leider keinen bekommen — ich vermute aber, dass da nichts wesentliches draufstand … Und natürlich darf heute auch eine Anonymous-/Guy-Fawkes-Maske nicht fehlen. Aber was sagt die uns hier? Was will die? Völlig schleierhaft …</p>
<p>Das klingt jetzt vielleicht alles negativer als es eigentlich gemeint ist: Wirklich schlecht im Sinne von abstoßend, falsch oder unsinnig war das gar nicht so sehr. Mir schien nur die Inszenierung einfach leer und belanglos zu sein. Und das war mir ein bisschen wenig, da rettet es die Musik alleine auch nicht mehr. Vielleicht sind meine Erwartungen aber auch etwas hoch gewesen — wenn man eine Oper, ein Musiktheaterwerk schon als Musik (und historischen Moment der Musikgeschichte) einigermaßen gut kennt und oft gehört hat, hat es nach so langer Zeit eine Inszenierung natürlich schwer, die aufgebauten Erwartungen zu erfüllen.</p>
<p><strong>György Ligeti: Le Grand Macabre</strong>. Oper in vier Bildern. Staatstheater Mainz, Premiere: 17.3.2012. Inszenierung. Lornezo Fioroni. Musikalische Leitung: Hermann Bäumer.</p>
<p> </p>

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		<title>Mainz liegt am Meer — zumindest in der f&#252;nften Jahreszeit</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 10:12:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zum Schluss steht das singende Publikum. Und das ist kein gew&#246;hnlicher Anblick f&#252;r ein Sinfoniekonzert. Aber auf der B&#252;hne sieht es auch nicht ganz normal aus: Die Bratschen zum Beispiel kommen direkt aus dem Krankenhaus. Manche h&#228;ngen noch am Tropf, andere sitzen im Rollstuhl, haben Bandagen nicht nur um die K&#246;pfe, sondern auch um die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Schluss steht das singende Publikum. Und das ist kein gewöhnlicher Anblick für ein Sinfoniekonzert. Aber auf der Bühne sieht es auch nicht ganz normal aus: Die Bratschen zum Beispiel kommen direkt aus dem Krankenhaus. Manche hängen noch am Tropf, andere sitzen im Rollstuhl, haben Bandagen nicht nur um die Köpfe, sondern auch um die Instrumente, verbrauchen  Binden und Papiertaschentücher im Minutentakt. Auch sonst ist das Philharmonische Staatsorchester ein wilder Haufen – zumindest dem Aussehen nach. </p>
<p>Denn klanglich hat Chefdirigent Hermann Bäumer sein Orchester fest im Griff. Sogar als stilecht über die Bühne trippelnde Geisha, die ihren Dirigentenstab aus dem kunstvoll Haarknoten zaubert. Und bei jedem Auftritt beinahe an der Stufe auf das Dirigentenpodest scheitert.<br />
Dabei hatte alles so gesittet angefangen, fast wie ein ganz normales Sinfoniekonzert des Staatstheater. Freilich, die bunte Garderobe der Zuhörer war ein erster Hinweis. Und das Publikum war von Beginn an nicht in Abendgarderobe, sondern in Feierlaune. Auch das Programm verband mit Jacques Offenbach, Hector Berlioz, Leonard Bernstein und Henry Wood Komponisten, die sonst nicht unbedingt zusammen erklingen. Aber wenn man zeigen will, dass Mainz wirklich am Meer liegt, wie der Titel vorschlägt, muss man sich eben ein bisschen anstrengen. Und das tat das Orchester auch. Mit großzügigen Gesten, viel Effekt – aber durchaus mit Substanz und Feingefühl.</p>
<p>Kein Wunder, das ist ja auch kein normales Konzert, sondern die Symphonie Fastnachtique. Sonst wäre Lars Reichow als Conferencier auch ziemlich fehl am Platz. Erzählt und erheitert wie gewohnt, lässt die Musiker durchatmen und das Publikum mit seinen Witzen und kleinen Geschichten durchlachen. Und manchmal gelingt ihm sogar eine passgenaue Überleitung zur nächsten Musik. Aber richtig locker wurde das erst nach der Pause: Mit der traditionellen Konzertkleidung haben die Musiker offenbar auch die Zurückhaltung abgelegt. Die Nummern aus Paul Abrahams Operette „Die Blume von Hawaii“ zeigten, dass das Mainzer Orchester auch erstklassige Unterhaltungsmusik bieten kann: Swingend, marschierend und tänzerisch, unterstützt vom fröhlichen Theaterchor und einem souveränen Solistenquintett – die einzigen übrigens, die dem Frack treu blieben. Aber auch sie konnte die Füße nicht immer stillhalten. Und Tanzmusik ist das ja auch, irgendwie: Schon Bernsteins Tänze aus „On the Town“ oder die aus der „Last Night of the Proms“ bekannte Fantasia on British Sea Songs von Henry Wood. Der dazugehörige Union Jack wurde dann allerdings dann auf der Bühne geschwungen – und sofort mit Fastnachtsfarben und 05er-Flaggen neutralisiert. Vor allem aber eben die Songs aus der Blume von Hawaii bringen Hände und Füße zum Zucken. </p>
<p>Großartig wird es dann noch einmal bei der Zugabe. Und so richtig fastnachtlich, mit Klatschen, Schunkeln und dazugehörigem Mitsingen. Da verzeiht man den Solisten auch, dass sie dafür noch Spickzettel brauchen – schließlich kommen ja einige aus Wiesbaden. </p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.) </p>

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		<title>Neujahrskonzert auf Barock</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:05:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nein, ein Neujahrskonzert war das nicht: Keine Walzer gab es und auch keine gro&#223;e Abendgaderobe. Daf&#252;r war es schon eine Woche zu sp&#228;t. Stattdessen gab es aber eine Menge gro&#223;e Musik: Mitten aus der Pracht des Barocks war das Programm des „Konzertes zum neuen Jahr“, das das Mainzer Staatstheater nun schon zum neunten Mal als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, ein Neujahrskonzert war das nicht: Keine Walzer gab es und auch keine große Abendgaderobe. Dafür war es schon eine Woche zu spät. Stattdessen gab es aber eine Menge große Musik: Mitten aus der Pracht des Barocks war das Programm des „Konzertes zum neuen Jahr“, das das Mainzer Staatstheater nun schon zum neunten Mal als Benefizkonzert für die Stiftung Mainzer Theaterkultur veranstaltete, geschöpft. Und die barocken Herrscher wussten, wie man die Musik zur öffentlichen Repräsentation benutzt, ob in der Oper, der Instrumentalmusik oder dem Oratorium. Von den offensichtlichen Beispielen der Musik für herrschaftliche Festakte ganz zu schweigen. In die letzte Kategorie fallen zum Beispiel die Krönungskantaten von Georg Friedrich Händel. Die dritte, „The King shall rejoice“, war im Großen Haus mit dem Staatstheater-Chor und dem Philharmonischen Staatsorchester zu hören. Andreas Hotz dirigierte das durchaus festiv, aber vor allem sehr maßvoll.<br />
Doch Händel blickte nicht nur gütig-verschmitzt vom Programmheft, sondern steuerte auch die meiste Musik bei. Etwa die Feuerwerksmusik. Die ist, gerade bei solchen Konzerten, ja fast ein<br />
unvermeidlicher Kracher. Und man könnte meinen, der jugendliche Überschwang, mit dem Andreas Hotz immer wieder auf die Bühne stürmt, schlüge sich nun auch in der Musik nieder. Und gerade hier, in diesem Hit. Das war dann aber kaum der Fall. Viel prägender war seine Eleganz. Die wurzelte in der Eleganz der Bewegungen des Dirigenten, die das Klangbild sehr stark bestimmten. Ohne Großspurigkeit oder Auftrumpfen kamen alle die instrumenatorischen Effekte daher, machten sich aber auch nie klein oder verstecken sich. Im Gegenteil: Der sauber gearbeitete Klang, der ohne gesuchte Extreme auskam, klang vollkommen selbstsicher und selbstverständlich. Die Pauken dröhnten, die Trompeten strahlten, die Streicher klangen satt, aber nie fett: Genau so kennt man das. Darin liegt, bei allem Maßhalten, durchaus eine gewisse Grandezza. Und klar wird auch: Das hat schon seinen Grund, warum Feuerwerksmusik immer wieder aufgeführt wird – auch wenn es nicht Händels raffinierteste Komposition ist. </p>
<p>Damit das Konzert aber noch etwas großartiger wurde, kamen auch noch drei Solisten auf die Bühne. Zum Beispiel die gut aufgelegte Tanjana Charalgina, die Vivaldis Wut des gerechten Zorns (in einer Motetten-Arie) ebenso heruntersausen ließ wie sie der großartigen Freude Händels (natürlich aus dem „Messias) vollendete Strahlkraft mitgab. Die Hauptlast trug aber eindeutig das Orchester. Und das trug sie sehr selbstverständlich. Nicht nur mit dem ganzen Händel-Potpourri, sondern auch mit deutschen und französischen Kollegen. Etwa dem berührenden Plainte von Telemann, einen instrumentalen Klagesang, von Hotz mit klaren Linien dirigerte und zwischen Solo-Oboe und Streichern harmonisch austarierte. Oder der farbenprächtigen Suite „Les Indes Galantes“ von Jean-Philippe Rameau, die er selbst aus seiner beliebten Indianer-Oper bastelte. Die bot dem Philharmonischen Staatsorchester mehr als genug Gelegenheit, kraftvoll und doch immer ausgeglichen die exotischen Seiten des Barock vorzuführen. Und das ist dann doch besser als jeder Walzer.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)</p>

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		<title>M&#252;de beim 7. MMM</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 17:11:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schon wieder nix … Der mittlerweile schon siebte Mainzer Maarauer-(Ultra-)Marathon, kurz MMM, startete dieses Mal nicht am Samstag morgen. Sondern am 23.12., also am Tag vor Heilig Abend. Und um 22 Uhr — also quasi mitten in der Nacht. Trotzdem waren so viele L&#228;ufer wie noch nie am Start, &#252;ber zwanzig Verr&#252;ckte begaben sich auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon wieder nix …</p>
<p>Der mittlerweile schon siebte Mainzer Maarauer-(Ultra-)Marathon, kurz <a href="http://pheidippides.de/MMM/" >MMM</a>, startete dieses Mal nicht am Samstag morgen. Sondern am 23.12., also am Tag vor Heilig Abend. Und um 22 Uhr — also quasi mitten in der Nacht. Trotzdem waren so viele Läufer wie noch nie am Start, über zwanzig Verrückte begaben sich auf die fünf Runden, die — bei einer Rundenlänge von 9 km ganz logisch — 45 Kilometer Gesamtstrecke und damit eben gerade so einen Ultra ergeben. Nicht alle sind aber angekommen. Und ich war einer von denen.</p>
<p>Dabei hatte alles so gut angefangen. Gleich auf den ersten Metern, noch auf der Kostheimer Mainbrücke, fand sich ein Trio zusammen, dessen Tempo mir gefiel. So sind wir gemütlich und einigermaßen gleichmäßig losgezogen, irgendwo um die 6 Minuten/km müssen das gewesen sein. Kilometer um Kilometer fiel, und ruckzuck waren wir schon wieder auf der Mainspitze, wo uns Brigitte und Thomas, die den Verpflegungsstand und die Läufer wunderbar betreuten, schon empfingen. Nach einem kurzen Nuckeln an der Trinkflasche — pures Mainzer Wasser <img src='http://laufen.matthias-mader.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  — ging es auch gleich auf die zweite Runde. Meine Beine waren noch fast entspannt und geradezu unverschämt locker. Auch die zweite Runde absolvierten wir weiterhin schön gleichmäßig und ohne Probleme. Bei der dritten Dreibrückenrunde wurde es dann allerdings interessant, zumindest für mich: Irgendwas stimmte nicht mehr. Und es waren nicht die Beine, die waren zwar nicht mehr taufrisch, aber immer noch erstaunlich lebendig und fit. Aber der Kopf wollte nicht mehr: Die Müdigkeit wurde anstrengend. Vor allem, weil mein Kreislauf sich mit dem Kopf solidarisierte und ungeachtet des kontinuierlichen Laufens seit gut zwei Stunden beschloss, dass nun die normale Schlafenszeit sei und entsprechend reduzierte. Das führte zu seltsamen Zuständen — nein, kein Delirium, so schlimm war es nicht. Aber ab der zweiten Hälfte der dritten Runde begleitete mich doch ein permanentes Schwindelgefühl, ein Gefühl, als würde ich jeden Moment umkippen — und doch lief und lief ich einfach weiter … So richtig behagte mir das aber nicht, um es vorsichtig auszdrücken. Eigentlich hatte ich wieder mal genug. Doch Brigitte und Thomas ließen mich nicht so leicht vom Haken: Mit liebevoller Umsorgung und in Begleitung von Pierre, der auch etwas schwächelte, nahm ich die vierte Runde doch noch in Angriff. Wirklich besser wurde es aber nicht, überhaupt nicht. Im Gegenteil, fast: Das Schwindelgefühl verstärkte sich eher noch. Spätestens ab der Theodor-Heuss-Brücke war mir dann endnültig klar: Das wird ein <a href="https://docs.google.com/spreadsheet/pub?key=0AptIrj2PPPm1dFNNWDdFWGZTVy1DSGVGUlBrTWRtUnc&amp;single=true&amp;gid=2&amp;output=html" >DNF</a>, nach dieser, der vierten, Runde breche ich das ganze ab.</p>
<p>Und so geschah es dann auch. Immerhin schafften wir es, kurz vor der Mainspitze noch zwei Läufer zu überrunden — und uns selbst nicht überrunden zu lassen. Das aber nur knapp, Jens kam kurz nach uns an — nur war er eben schon am Ende der fünften Runde.</p>
<p>Ich hätte ja nicht gedacht, das mich das Laufen in der Nacht so fertig macht. Aber vielleicht habe ich die Tage zuvor auch einfach zu wenig geschlafen. Nun ja, es gibt immer ein nächstes Mal. Beim Laufen sowieso und beim MMM ganz bestimmt.</p>

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		<title>Meisterkonzert mit und ohne Weihnachten</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Dec 2011 10:22:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es sieht fast wie ein normales Meisterkonzert aus: Eine kleine Haydn-Sinfonie, dann Beethovens viertes Klavierkonzert und zum Abschluss ein richtig gro&#223;es sinfonisches Werk, die achte Sinfonie von Schubert. Aber Weihnachten macht sich auch im Meisterkonzert bemerkbar – zumindest ein bisschen: Die Sinfonie Nr. 26 von Haydn tr&#228;gt n&#228;mlich den Beinamen „Weihnachtssinfonie“. Das ist zwar eigentlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es sieht fast wie ein normales Meisterkonzert aus: Eine kleine Haydn-Sinfonie, dann Beethovens viertes Klavierkonzert und zum Abschluss ein richtig großes sinfonisches Werk, die achte Sinfonie von Schubert. Aber Weihnachten macht sich auch im Meisterkonzert bemerkbar – zumindest ein bisschen: Die Sinfonie Nr. 26 von Haydn trägt nämlich den Beinamen „Weihnachtssinfonie“. Das ist zwar eigentlich ein Fehler, denn Haydn hat sie als Passionsmusik komponiert. Aber der besinnliche zweite Satz lässt sich auch im Advent gut hören. Vor allem, wenn ihn die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.staatsphilharmonie.de/" title="Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz" target="_blank">Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz</a></span> unter ihrem Gastdirigenten Fabrice Bollon so farbig und bildhaft musiziert wie beim vierten Meisterkonzert. In der Rheingoldhalle hatte Bollon schon mit den ersten Haydn-Takten die Richtung vorgegeben: Kräftig zupackend formt er vor allem sehr satte Streicherklänge und bemüht sich um deutliche, manchmal sogar grelle Farben. Prachtvoll und sehr repräsentativ wirken da selbst die andächtigen Klänge des Mittelsatzes.</p>
<p>Ähnlich rustikal ließ er das Ludwigshafener Orchester dann die achte Sinfonie von Franz Schubert musizieren. Die hat ihren Beinamen „Große“ zwar vor allem bekommen, weil Schubert noch eine zweite, frühere C-Dur-Sinfonie komponiert hat, die einfach deutlich kürzer ist. Bei Bollon ist das „groß“ aber durchaus entscheidend: Mächtig und wuchtig stapelt er die dicken Akkorde auf das felsefeste Fundament der dröhnenden Posaunen. Ungeheuer massiv wirkt da fast jeder Ton, jede Phrase wie für die Ewigkeit. Fragen oder gar Zweifel findet der Dirigent in dieser Partitur überhaupt keine, befiehlt stattdessen felsenfeste Gewissheiten. Das ist natürlich, gerade im zweiten Satz und schließlich vor allem im Scherzo, eine unerbittliche Vereinfachung. Eine Vereinfachung, die trotz ihrer Verzerrung klanglich durchaus wirken kann, auch wenn im Finale die Kantigkeit und Schärfe dieser Klangkonstruktion leider etwas verloren geht.</p>
<p>Viel faszinierender blieb da Beethovens viertes Klavierkonzert in Erinnerung. Denn Jasminka Stancul spielte das wunderbar schnörkellos und trocken, mit fast heiligem Ernst. Dabei blieb das Konzert im Kern auch bei ihr natürlich unverkennbar romantisch. Aber die zartfühlige Poesie ihrer Phrasierung verband sich wunderbar mit ihrer klaren Tongebung. Vor allem aber gelang der Pianistin und dem Orchester ein erregendes Miteinander – und genau darauf kommt es bei diesem Konzert an. Zumal Bollon aus dem Orchester auch feine Klangfarben kitzeln konnte, die die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.staatsphilharmonie.de/" title="Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz" target="_blank">Staatsphilharmonie</a></span> in der Rheingoldhalle nicht immer bietet. So ausgewogen und balanciert im Hin und Her der Musik war das wirklich ein intellektuell und emotional aufregendes Spiel – und ganz unabhängig von der Jahreszeit.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)</p>

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		<title>Das erste Mal: Pacemaker beim Arque-Lauf</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Nov 2011 15:56:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<category><![CDATA[kelkheim]]></category>
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		<description><![CDATA[Heute war es so weit: Mein erster Einsatzals Pacemaker stand auf dem Plan. Und zwar beim Arque-Lauf. Der zeichnet sich ja dadurch aus, dass in bestimmten Gruppen mit bestimmten Tempi gelaufen wird: 5:00min/km, 5:30, 6:00, 6:30 und 7 min/km. Das ganze &#252;ber ein sch&#246;ne Strecke von Kelkheim nach Mainz, &#252;ber offizielle 34,xx km. Gabi Gr&#252;ndling [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute war es so weit: Mein erster Einsatzals Pacemaker stand auf dem Plan. Und zwar beim <a title="arque-lauf" href="http://arquelauf.de" >Arque-Lauf</a>. Der zeichnet sich ja dadurch aus, dass in bestimmten Gruppen mit bestimmten Tempi gelaufen wird: 5:00min/km, 5:30, 6:00, 6:30 und 7 min/km. Das ganze über ein schöne Strecke von Kelkheim nach Mainz, über offizielle 34,xx km.<br />
<a title="laufticker" href="http://laufticker.de" >Gabi Gründling</a> hatte im Sommer den <a title="twittrlauftreff" href="https://twitter.com/#!/search?q=%23twitterlauftreff" >#twitterlauftreff</a> gefragt, ob jemand Lust hat, Pacemaker für diese Lauf — übrigns ein Spendenlauf — zu werden. Und ich hatte mich gemeldet. Und das dann erst einmal wieder schön vergessen. Zum Glück kam noch eine Erinnerungsmail …</p>
<p>Deswegen hat also heute um 6:15 Uhr der Wecker geklingelt. Und ich hatte keine Lust, mein schön gemütliches Bett zu verlassen. Natürlich habe ich es trotzdem getan, rechtzeitig, um den „Dom-Shuttle“, den Bus vom Fischtor in Mainz zum Start in Kelkheim, zu erwischen. Die Fahrt verlief mit der obligatorischen Läuferplauderei ziemlich zügig — auch ganz nett, so durch den Morgen zu fahren …</p>
<p>Am Sportplatz Reis in Kelkheim dann die Anmeldung, das Abholen des Pacemaker-Leibchens und Warten. Das Umziehen verschob ich noch ein wenig: Schön kalt war’s da oben am Waldrand. So richtig unangehm: 1 °C, aber vor allem neblig-feucht. Kein schönes Wetter, um in Laufkleidung herzumstehen. Ich hatte mich auf die Wettervorhersage verlassen: 6–8 °C, purer Sonnenschein war für den Vormittag sowohl in Kelkheim als auch in Mainz gemeldet. Also bin ich in kurzer Hose, dünnem Unterhemd, dünnem #twitterlauftreff-Shirt, dazu Ärmling und ein Buff-Tuch, gestartet. Vor und während dem Start war das definitiv zu wenig — böse gefroren habe ich. Unterwegs war es dann aber genau richtig.</p>
<p>Gruppe C also, die zweitschnellste (lieber wäre mir D gewesen, aber dafür hatten sich mehr Pacemaker gemeldet). Bis Samstag waren nur drei Pacemaker bekannt, darunter auch <a title="ironchrissi" href="https://twitter.com/#!/ironchrissi" >@ironchrissi</a> vom #twitterlauftreff. Morgens tauchten dann aber noch weitere zwei auf, so dass wir mit fünf Leuten ausreichend stark waren: 3–4 vorne, zum Bremsen der übereifrigen Läufer, 1–2 hinten, damit das Feld zusammenbleibt. Die Gruppe war auch nicht übermäßig groß — laut Meldeliste 69 Läufer (fast nur Männer), so viele waren es aber wohl doch nicht.<br />
Der Start, so ganz stilecht mit Pistolenschuss, erfolgte, wir sammelten unser Begleit-Polizei-Motorrad ein und legten los. Die ersten Kilometer waren fast notwendigerweise zu schnell — es ging nur bergab und wir wollten warm werden. Die Vereinigung mit der Mini-Gruppe vom Startplatz Stückes klappte auch. Dann, am Ortsausgang von Kelkheim, kam bald der erste — und schwerste — Anstieg. Das ging aber besser als ich befürchtete — ich fühlte mich ziemlich gut dabei. Dann geht es einige Kilometer leicht wellig durch den Wald — da zog es sich schon mal etwas auseinander — und schließlich wieder hinunter in den nächsten Ort, wo wir prompt einen kleinen Verlaufer einbauten, weil mein Kollege nicht auf mich hören wollte und zu früh abbog.</p>
<p>Und dann kam auch schon bald die erste Verpfegungsstation zwischen Kilometer 12 und 13 am Ortsausgang von Marxheim. Der weitere Weg nach einer kurzen Stehrast führte uns, immer noch gut im Schnitt mit um die 5:27 min/km durch verschiedene Orte, auch ein Stück Bundesstraße entlang — immer mit Polizeischutz und Krankenwagen als Verfolger.</p>
<p>Nach der zweiten Verpflegung in den Feldern bei Kilometer 20 oder so wurde der Druck aufs Tempo vorne etwas höher: Ein paar Läufer hatten es etwas eiliger als der vorgesehene Schnitt. Das ließ sich aber alles gut regeln, während die Strecke bei inzwischen wirklich herrlichstem Laufwetter — ca. 8 °C (geschätzt), Sonne pur — einfach wunderbar durch die Weinberge und am Main entlang führte.</p>
<p>Die dritte Verpflegung war dann auch schon in Hochheim, ungefähr bei Kilometer 28. Dann wurde der Weg etwas unschöner: Zunächst mit überraschend nervigem Pflaster (ist mir dort noch nie so aufgefallen). Und ich mag auch das Stück von Hochheim nach Kostheim nicht — keine Ahnung, warum eigentlich. Am Deich kann’s eigentlich nicht liegen, die laufe ich sonst eigentlich gerne …</p>
<p>Etwas später, am Anfang der Maaraue, war dann ziemlich plötzlich die Luft raus, die Beine wollten nicht mehr so recht, die Kraft fehlte. Und der Wille reichte nicht mehr. Ich ließ mich also ans Ende der Gruppe zurück fallen und begleitete die Letzten — die hatten noch etwas mehr Probleme als ich — mit nach Mainz und ins Ziel.</p>
<p>Da gab’s natürlich wieder die obligatorische Fünf-Minuten-Terrine — das gehört einfach zum Arque-Lauf dazu. Reichhaltige Getränke-Auswahl war auch vorhanden: Das war mehr, als so mancher Stadtmarathon (ja, auch der in Mainz) bei in der Regel deutlich höheren Anmeldegebühren auf die Beine stellt. Überhaupt lief die Organisation wieder wie am Schnürchen: Man merkt eben, dass die das schon einige Jahre machen. Schade nur, dass die Teilnehmerzahlen das nicht (mehr) widerspiegeln: 341 Läufer waren am Samstag gemeldet, da kamen natürlich noch einige Nachmeldunge hinzu. Seit einigen Jahren werden es kontinuierlich weniger Läufer (bei den Radfahrern werden es eher mehr). Vielleicht ist das denen zu wenig glamourös, zu wenig Event? Und Marathoni kann man sich dann auch nicht nennen. So ganz verstehen kann ich das aber nicht: Das ist doch gerade das Schöne am Laufen, dass man auch so etwas wunderbar machen kann, ganz ohne Druck. Und wenn man sich halbwegs richtig einschätzt, muss man wirklich einfach nur (mit-)laufen, sich nicht um Weg oder Tempo kümmern. Und bekommt sogar noch Verpflegung auf den knapp 35 Kilometern — das ist doch einfach schön. Insbesondere natürlich, wenn das Wetter so großartig ist wie heute. Da hat es sich wirklich gelohnt, dass ich zum ersten Mal beim Laufen meine Kontaktlinsen — sonst bin ich ja komplett ohne Sehhilfen unterwegs — benutzt habe: underschöne Ausblicke im Taunus und den Weinbergen am Main, mit herbstlichem Laub und natürlich strahlendem Sonnenschein. Besser geht’s eigentlich nicht.</p>
<p>Arque-Lauf 2011: Gruppe C (5:30 min/km), Laufzeit heute: <a href="http://www.runningfreeonline.com/act/693032" >3:11:33</a> (ja, wirklich!) für 34,630 Kilometer (hat auch ziemlich genau so auf meinem Garmin gestanden).<br />
Hier gibt’s die <a href="http://www.runningfreeonline.com/act/693032/subView/Map" >Streckenaufzeichnung</a> meiner GPS-Uhr: <a href="http://www.runningfreeonline.com/act/693032/subView/Map" >klick</a>, den <a href="http://www.runningfreeonline.com/act/693032/subView/Speed" >Tempo</a>- und <a href="http://www.runningfreeonline.com/act/693032/subView/Height" >Höhenverlauf</a>.</p>

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		<title>Warten und Erf&#252;llung</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Nov 2011 09:52:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Star und der H&#246;hepunkt des Abends lie&#223; lange auf sich warten. Zun&#228;chst war erst einmal das Pflichtprogramm zu absolvieren. Genau so spielte die Deutsche Staatsphilharmonie unter Karl-Heinz Steffens Mozarts Posthorn-Serenade am Beginn des zweiten Meisterkonzerts allerdings auch: mit f&#252;lligem Klang, aber ohne jede erkennbare Idee und leider auch ohne h&#246;rbare Energie. Sicher, das ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Star und der Höhepunkt des Abends ließ lange auf sich warten. Zunächst war erst einmal das Pflichtprogramm zu absolvieren. Genau so spielte die Deutsche <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.staatsphilharmonie.de/" title="Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz" target="_blank">Staatsphilharmonie</a></span> unter Karl-Heinz Steffens Mozarts Posthorn-Serenade am Beginn des zweiten Meisterkonzerts allerdings auch: mit fülligem Klang, aber ohne jede erkennbare Idee und leider auch ohne hörbare Energie. Sicher, das ist nicht gerade Mozarts spannendste Partiur. Aber so langweilig muss es nicht zwangsläufig sein. Es blieb also beim Warten. Und auch nach der Pause war das Warten beim Meisterkonzert in der Rheingoldhalle noch nicht ganz vorbei. Das Orchester saß schon längst bereit, bis Maximilian Hornung dazu stieß. Aber es hat sich gelohnt, auf den jungen Instrumentalisten zu warten. Denn der Münchner Cellist brachte das dringend notwendige Leben in die Musik, mit dem ersten Cello-Konzert von Camille Saint-Saens, und machte endgültig Schluss mit dem Warten. Sein sehr tragfähiger, aber nie aufdringlicher Ton vibrierte vor Lebendigkeit. Ständig veränderte er sich, ließ Nuancen ohne Zahl schimmern und gleißen. Mit Vehemenz attackierte sein Bogen die Saiten – und schaffte es doch, die Töne weich schweben zu lassen und harmonisch abzurunden. So dynamisch wie seine Tongebung war auch seine Interpretation: Bestimmtheit und Selbstbewusstsein waren die entscheidenden Charakteristika. Jeder Ton, jede Phrase verkündete: Das muss jetzt hier unbedingt genau so klingen. Und Hornung kann das auch so spielen. Er versank – was bei Saent-Sains durchaus nahe liegt – nie in sentimentalem Gehabe, sondern entwickelte eine präzise Emotionalität. Nur leider ist das alles viel zu schnell wieder vorbei.</p>
<p>Und nach diesem Höhepunkt in der Konzertmitte schien auch das Ludwigshafener Orchester wie ausgewechselt. Die Staatsphilharmonie spielte nun deutlich freier und vitaler, mit mehr Einsatz und mehr Seele. Claude Debussys „La mer“ wurde deshalb zum passenden Abschluss einer Reihe zunehmend exotischerer Musik. Zunächst ließ Steffens sein Orchester ein richtig unfreundliches, ausgesprochen unwirtliche Bild des Meeres malen. Mit einigen Kanten und Haken widersetzte sich das jeder Romantisierung. Und er steigerte das noch: Die dritte sinfonische Skizze Debussys, den Dialog zwischen Wind und Meer, dirigierte er als reinsten Nervenkitzel – ein echter Thriller. Und die Staatsphilharmonie belebte diese ausgesprochen kunstvoll geschaffene Klangwelt bis zur wilden Dringlichkeit und der Beinahe-Ekstase– das Warten hat sich doppelt gelohnt. </p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)</p>

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		<title>Klassik im Klub</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 09:44:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Fl&#252;gel mitten im Roxy, zwischen den Sofas unter L&#252;stern – das verwandelt den Club fast in einen gro&#223;b&#252;rgerlichen Salon des 19. Jahrhunderts. Nicht nur der Raum verweist auf diese l&#228;ngst untergegangene Form der gesellig-kulturellen Unterhaltung. Auch die Musik, die der Pianist Kai Schumacher sich ausgesucht hat, passt in diese Tradition: Vorwiegend kleinere, charakteristische St&#252;cke [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Flügel mitten im <a title="roxy mainz" href="http://www.myroxy.de" target="_blank">Roxy</a>, zwischen den Sofas unter Lüstern – das verwandelt den Club fast in einen großbürgerlichen Salon des 19. Jahrhunderts. Nicht nur der Raum verweist auf diese längst untergegangene Form der gesellig-kulturellen Unterhaltung. Auch die Musik, die der Pianist Kai Schumacher sich ausgesucht hat, passt in diese Tradition: Vorwiegend kleinere, charakteristische Stücke hat er aufs Programm gesetzt – keine schwerverdauliche klassische Kost, sondern charmante Musik, die auch Nicht-Experten goutieren können.</p>
<p>Auch das Publikum verhält sich automatisch viel lockerer als im „normalen“ Konzert: Zwanglos im Club verteilt, wo sich gerade ein Plätzchen zum Sitzen findet. Viel geplaudert wird auch in diesem postmodernen Salon. Und dann doch ganz aufmerksam gelauscht. Denn das Ziel des Vereins der „Freunde Junger Musiker“, die das Klavierkonzert im Roxy organisierten, war nicht, den Salon wieder zu beleben. Sondern ein neues, jüngeres Publikum für die Klaviermusik zu erschließen und begeistern. Halbwegs könnte das funktioniert haben, immerhin waren – neben dem üblichen Konzertpublikum — auch eine Menge junge Leute gekommen. Ob das dauerhaft wirkt, wird man sehen müssen. Auf jeden Fall ist so ein deutlich verjüngtes Publikum offensichtlich wesentlich begeisterungsfähiger, so offensive Beifallsbekundungen sind sonst eher selten.</p>
<p>Nicht ganz zu unrecht allerdings haben sie im Roxy ihren Platz. Kai Schumacher hat nicht nur ein hervorragendes Programm entwickelt, sondern ist auch als Musiker so vielseitig, dass er beispielsweise problemlos zwischen George Gershwin und Felix Mendelssohn Bartholdy hin und her wechseln kann: Er begann mit einer kleinen Auswahl der Mendelssohnschen „Lieder ohne Worte“, durchsetzt mit Songs und Preludes von Gershwin. Und streute in diese farbig gespielte Mischung dann auch noch ein paar pianistisch-virtuose Bearbeitungen von Rocksongs ein, die seiner Virtuosität viel Raum lassen. Und sein Faible für Rock blitzt immer wieder auf – bis zuletzt: Als Zugaben spielt er Songs von den Foo Fighters und von Slayer. Auch wenn man das fast gesagt bekommen muss: Das ist ganz stark der Tradition der virtuosen Klavierbearbeitung des 19. Jahrhunderts verpflichtet, so dass die Schumacherschen Adaptionen sich nahtlos ins klassische Rpertoire einfügen. Auch wenn er sehr kraftvoll donnern kann, selbst mit dem kleinen Flügel im Roxy. Und damit ist er auch schon wieder direkt bei Franz Liszt, der auch mehrmals im Programm auftaucht – es hängt eben alles zusammen.</p>
<p>Aber auch andere Pfade in die Gegenwart steuert Schumacher an. Zum Beispiel mit einer Minimal-Music-Section, die – wieder einmal – bei Liszt anfängt, den eher unbekannten meditativ-repetitiven „Nuages gris“, und über Erik Satie bis zu Philipp Glass führt, den Schumacher mit einer sehr lebendig-sprühenden Interpretation des „Mad Rush“ vorstellt. Nicht nur hier, immer wieder merkt man: Nicht allein das Roxy hat seinen Spaß, auch Kai Schumacher freut sich von Herzen an seiner Musik. Und das ist immer ein gutes Zeichen.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)</p>

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		<title>Gro&#223;e Messe und gro&#223;e Interpretation</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 09:20:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<category><![CDATA[anton bruckner]]></category>
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		<description><![CDATA[Die vielen Kisten und Instrumentenkoffer des Orchesters stehen noch im Eingangsraum – die Christuskirche ist eben keine Konzerthalle. Auch im Kircheninneren ist es voll, schon der Bachchor und der unterst&#252;tzende Chor der Musikhochschule brauchen einigen Platz, dazu dann noch die &#252;ppig besetze Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Aber f&#252;r das Publikum ist noch gen&#252;gend Platz. Zum Gl&#252;ck. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die vielen Kisten und Instrumentenkoffer des Orchesters stehen noch im Eingangsraum – die Christuskirche ist eben keine Konzerthalle. Auch im Kircheninneren ist es voll, schon der <a title="bacchor mainz" href="http://bachchor-mainz.de/" target="_blank">Bachchor</a> und der unterstützende Chor der Musikhochschule brauchen einigen Platz, dazu dann noch die üppig besetze <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.staatsphilharmonie.de/" title="Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz" target="_blank">Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz</a></span>. Aber für das Publikum ist noch genügend Platz. Zum Glück. Denn der ganze Aufwand der fast zweihundert Musiker ist ja kein Selbstzweck. Und Anton Bruckners dritte Messe in f-Moll, das Hauptwerk des Konzertes am Tag der Deutschen Einheit, sorgt dafür, dass die Christuskirche auch akustisch gut gefüllt wird.</p>
<p>Aber die Fülle des Klangs wurde nie drückend, der machtvolle Klangapparat – und Bruckner nutzt den durchaus ausgiebig – beschert dem Publikum keinswegs eine beschwerliche Enge. Ganz im Gegenteil. Der prägendste Eindruck nicht nur bei der Bruckner-Messe, sondern auch schon in der Altrhapsodie von Johannes Brahms, war die feine Ausgestaltung aller Klänge. Und das ist ein unbedingtes Verdienst Ralf Ottos. Ein wirklich großes noch dazu. Die geradezu verrückt wirkende Detailgenauigkeit in Chor und Orchester geht nämlich mit einer ungeahnten Offenheit der Brucknerschen Musik einher. Was da an Vorbereitung dahinter stecken muss!</p>
<p>Erstaunlich intim klingt die größte Messe Bruckner in der Christuskirche. Das ist nicht gerade kammermusikalisch, aber trotz der teilweise mächtig geschichten Chor– und Orchesterklänge – irgendwie muss Bruckner ja noch zu erkennen sein – doch immer ganz direkte Musik, die sich nicht nur dem unbedingten Glauben ihres Schöpfers verdankt, sondern diese felsenfeste Gewissheit auch weitergeben kann – ohne zu verhehlen, dass vieles anders sein könnte. Der gern mal auftrumpfende, besserwisserische Bruckner kommt hier nicht zum Klingen. Ob es nun die berückende Innigkeit des Gloria ist oder die großartig ausgeformten Kontraste des Credo: Überall in dieser Messe herrscht ein lebendig-atmender Klang, der vor allem eine Geborgenheit in überlegter Gestaltung vermittelt, die sich den Rausch immer wieder versagt – und so vieles überhaupt erst zu erkennen gibt.</p>
<p>Der Bachchor singt das wie ein gebändigter Tiger: Voller Kraft, mit pulsierender Wildheit und natürlichem Instinkt, die aber ganz dem Willen des Dirigenten-Dompteurs Otto unterworfen sind und – ohne gebrochen zu weden, ohne an Ausstrahlung zu verlieren – zivilisiert wurden. Das ist immer ein schmaler Grat zwischen banalem Klangrausch und gefühlsduseligem Kitsch, den Bruckner im Idealfall von seinen Dirigenten verlangt. Und noch dazu technisch nicht ohne Tücken. Otto wandelt sicher – und führt das Publikum so nicht nur zum Erleben, sondern zum ganz neuen Kennenlernen dieser großen Messe.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)</p>

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