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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; franz liszt</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.</description>
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		<title>bach und die virtuosen romantiker</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 20:54:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wirkte zunächst fast wie eine Beerdigung: Der große schwarze Flügel, Kirill Gerstein ganz und gar in Schwarz gewandt, der gemessenen Schrittes zu seinem Platz schritt und dort wartete, ganz in sich selbst versunken. Aber eine Trauerfeier war der Klavierabend, das fünfte Konzert der SWR-Reihe „Internationale Pianisten“, im Frankfurter Hof nun wirklich nicht. Eine Respektbezeugung allerdings schon. Zunächst ging es nämlich um JOhann Sebastian Bach. Als Komponist und als Vorbild, als Inspiration und als Heroe der klassischen Musik auch im 19. Jahrhundert.<br />
Kirill Gerstein hatte sein kurzfristig noch geändertes Programm rund um Bach konzipiert, mit dessen zweiter Englischen Suite als Mittel– und Referenzpunkt. Und dann spielte auch Ferruccio Busoni eine große Rolle: Zunächst, zum Warmspielen und zur gegenseitigen Gewöhnung, stand dessen fünfte Sonatine an — „in signo Joanni Sebastiani magni”. Aber schon das reichte, um Gersteins Prinzipien klar zu erkennen: Über allem stand ihm die Deutlichkeit. Die knackige, aber sanft artikulierte Ausarbeitung der Formen, der Motive und Themen, ihrer Verarbeitungen und Verbindungen – das lag ihm am Herzen und das gelang ihm treflich.<br />
Darüber hinaus hatte Gerstein sich aber auch noch Busonis Toccata verschrieben. Hier ging es dann richtig zur Sache — virtuos ausgespielt und deutlich bis fast zur Groteske, zeigte er sich von technischen Schwierigkeiten völlig unbeeindruckt.<br />
Und noch eine Toccata bildete das Bindeglied von Bach und Busoni zu Liszt im zweiten Teil: Die C-Dur-Toccata Robert Schumanns, die Gerstein als Episodenhafte Traumbewegung, weit entrückt der Realität vorstellte — ein Traum, der kristallne Klarheiten offenbarte und zugleich ganz und gar irreal erschien — erst der Applaus holte ihn wieder zurück in die Realität.<br />
Das war also schon eine ganze Menge. Vor allem viel Musik mit sehr hohem spieltechnischen Anspruch. Aber Gerstein setzte noch eines drauf und schloss den Abend mit Liszts h-Moll-Sonate ab. Die ist Schumann gewidmet – womit sich der Kreis der gegenseitigen Beziehungen und Verweise an diesem Abend rundete. Natürlich wurde das ein großartiger Schluss. Auch wenn, gerade in den letzten Teilen der Sonate, die Konzentration ein kleines bisschen nachzulassen schien, die Präzision Gersteins minimal aufweichte. Davor entwickelte er aber ganz viel düstere, kraftvolle, konzentrierte, faustische und doch ganz lichthelle Musik. Denn Gerstein spielte das so klar und deutlich, dass man im Geiste mitschreiben hätte können.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>)<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/40e9e86abff446a1a19b28925a49855e" width="1" height="1" alt=""></p>

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		<title>rebell oder nicht? markus groh in mainz</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Sep 2008 10:02:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Internationale Pianisten aus Deutschland – nein, das ist kein Widerspruch. Denn alle Künstler, die der SWR für die zehnte Auflage seiner Konzertreihe „Internationale Pianisten“ nach Mainz holt, sind weit über die Grenzen ihres Heimatlandes erfolgreich. Auch Markus Groh, der die Jubiläumssaison im Frankfurter Hof eröffnen durfte. Und Erfolg hat er zu recht: Sein Mainzer Auftritt zeigt den jungen Pianisten als Musiker von Rang. Und auch als Rebell, der zwar im konventionellen Frack kommt, auf seinen Pferdeschwanz aber auch nicht verzichtet. Dieser Akkord von Aufbegehren und Tradition ist allerdings mehr als eine bloße Äußerlichkeit, er prägt sein Spiel durch und durch.<br />
Denn er sucht sich immer seinen eigenen Weg – ob es um die „Drei Intermezzi“ von Brahms geht, um eine Beethoven-Sonate oder um Erwin Schulhoffs „Cinq Études de Jazz“: Konventionen sind für ihn nie selbstverständlich, sondern müssen erst einmal auf den intellektuellen und musikalischen Prüfstand. Denn das ist die andere Seite von Markus Groh: Er ist nicht nur ein gestandener Virtuose. Im Gegenteil, die gewandte Beherrschung der Klaviertechnik ist reine Nebensache. Ihm geht es immer auch darum, die Strukturen der Kompositionen hörbar zu machen, möglichst jeden einzelnen Ton – und wirklich jeden ganz für sich – so zu spielen, dass sein Publikum quasi mit dem Mikroskop und dem Fernglas gleichzeitig auf das Werk schauen kann. Und das gelingt ihm ohne Zweifel. Die Brahmsschen Intermezzi sind selten so klar, so vollkommen logisch und nachvollziehbar zu hören. Dafür haben sie bei anderen Pianisten mehr Gefühl, mehr emotionalen Überschwang. Denn Groh bleibt immer sehr cool. Beethovens G-Dur-Sonate op. 31/1 verliert im Zuge dessen ziemlich viel von ihrem Esprit und Humor.<br />
Die italienische Abteilung der „Années de Pèlerinage“ von Liszt dagegen berührt ihn hörbar viel mehr. Hier gibt es auf einmal Momente, in denen sich Groh in der Musik fast zu verlieren scheint, in denen er vollkommen aufgeht im Klang – das gab es vor der Pause so nicht. Überhaupt der Klang: Da hat er einiges zu bieten, wenn er will. Vor allem die Präzision, mit der er die sanft gleitenden Übergänge gestaltet, ist faszinierend. Und seine dynamischen Fähigkeiten beeindrucken mit einer fast unerschöpflichen Differenzierung und Genauigkeit. Doch die Hingabe, mit der Groh Liszt entfaltet, verleitet ihn dennoch nie zu emotionalen Kurzschlüssen: Immer bleibt seine großen Stärke, seine Fähigkeit, der Musik kristallne Klarheit zu schenken etwa, ungebrochen. Und das ist so großartig, dass er trotz seines langen Programmes natürlich nicht ohne Zugaben von der Bühne darf. </p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)</p>

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