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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; johannes brahms</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.</description>
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		<title>Kammermusik-Karrieren</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 10:36:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Konzert, das „Karrieren“ &#252;berschrieben ist, geh&#246;rt sicher nicht zum Alltag. Auch bei der Villa Musica nicht. Zum 25j&#228;hrigen Jubil&#228;um der Stiftung haben die „Freunde der Villa Musica“, der Unterst&#252;tzerverein, jetzt aber ehemalige Stipendiaten der Villa Musica eingeladen, zur&#252;ckzukehren – jetzt, wo sie alle Karriere gemacht haben. Die mittlerweile arrivierten K&#252;nstler sollen sich musikalisch pr&#228;sentieren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Konzert, das „Karrieren“ überschrieben ist, gehört sicher nicht zum Alltag. Auch bei der <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.villamusica.de" title="Villa Musica" target="_blank">Villa Musica</a></span> nicht. Zum 25jährigen Jubiläum der Stiftung haben die „Freunde der Villa Musica“, der Unterstützerverein, jetzt aber ehemalige Stipendiaten der Villa Musica eingeladen, zurückzukehren – jetzt, wo sie alle Karriere gemacht haben. Die mittlerweile arrivierten Künstler sollen sich musikalisch präsentieren und im Gespräch mit Barbara Harnischfeger, der Vorsitzenden des Freundesvereins, vom Einfluss und Wert der Kammermusik für ein Musikerleben erzählen.</p>
<p>Erste Station war Mainz – und wieder mit außergewöhnlichem Programm. Schon wegen der Besetzung: Oboe, Klarinette und Klavier kommen in dieser Weise nicht so oft zusammen. Aber natürlich gibt es auch für diese Formation Musik. Zum Beispiel das Trio von Edouard Destenay, einem Zeitgenossen von unter anderem Claude Debussy, der aber inzwischen ziemlich gründlich vergessen wurde. In der Villa Musica erklingt das als geschmeidige, kraftvoll-bodenständige Musik. Besonders die schönen Trialoge und Zwiegespräche zwischen den Instrumenten fallen auf: Vor allem Oboist Kai Frömbgen und Klarinettistin Kerstn Grötsch führen immer wieder angeregte Konversationen – ein frisch gespielte, ansteckend gut gelaunte Musik.</p>
<p>Das Karrieren-Konzert war aber auch darüber hinaus ein schönes Beispiel für das Erfolgsrezept der Villa Musica beim Publikum und bei Musikern: Die Mischung von unbekannter und vertrauter Musik, auf hohem Niveau von neugierigen, spielfreudigen Musikern vorgetragen, die sich in fast jedem Programm findet. Zum Bekannten gehörte dieses Mal die zweite Klarinettensonate von Johannes Brahms, eines seiner wunderbaren absoluten Spätwerke. Kerstin Grötsch und Oliver Triendl ließen der Musik ganz viel Raum zur Entfaltung: Sorgsam bemüht, die feine Struktur der Sonate zu zeigen und den emotionalen Gehalt lebendig werden zu lassen. Über weite Strecken ist das dann einfach wunderbare Musik zum Loslassen.</p>
<p>Emotional sind Jörg Widmanns „Intermezzi“ auch, das Loslassen verbietet sich bei ihnen aber vollkommen. Oliver Triendl spielte diese oft düsteren, sehr effektvoll die ganze Klaviatur ausnutzenden kurzen und längeren romantisch verklärten Seelenmusiken in ihrer deutschen Erstaufführung mit großer Sorgfalt, aber mit noch größerer Emphase: Wenn das wirklich ein Spiegel der Seele des Komponisten ist, wie der Pianist andeutete, dann verheißt das wenig Gutes. Die Düsternis überwiegt hier stark, Licht und Trost sind nur in Andeutungen zu finden. Selbst ein „Wiegenlied“ endet dabei in Gewalt, Chaos und Umsturz, in wilden Eruptionen donnernder Klaviertöne. Damit wurde dieses Konzert auch zu einem Beispiel für die Vielfalt der Kammermusik – die ist schließlich, wie es Kerstin Grötsch auf den Punkt brachte, „die Würze im Musikerleben.“</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)</p>

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		<title>Gro&#223;e Messe und gro&#223;e Interpretation</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 09:20:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die vielen Kisten und Instrumentenkoffer des Orchesters stehen noch im Eingangsraum – die Christuskirche ist eben keine Konzerthalle. Auch im Kircheninneren ist es voll, schon der Bachchor und der unterst&#252;tzende Chor der Musikhochschule brauchen einigen Platz, dazu dann noch die &#252;ppig besetze Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Aber f&#252;r das Publikum ist noch gen&#252;gend Platz. Zum Gl&#252;ck. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die vielen Kisten und Instrumentenkoffer des Orchesters stehen noch im Eingangsraum – die Christuskirche ist eben keine Konzerthalle. Auch im Kircheninneren ist es voll, schon der <a title="bacchor mainz" href="http://bachchor-mainz.de/" target="_blank">Bachchor</a> und der unterstützende Chor der Musikhochschule brauchen einigen Platz, dazu dann noch die üppig besetze <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.staatsphilharmonie.de/" title="Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz" target="_blank">Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz</a></span>. Aber für das Publikum ist noch genügend Platz. Zum Glück. Denn der ganze Aufwand der fast zweihundert Musiker ist ja kein Selbstzweck. Und Anton Bruckners dritte Messe in f-Moll, das Hauptwerk des Konzertes am Tag der Deutschen Einheit, sorgt dafür, dass die Christuskirche auch akustisch gut gefüllt wird.</p>
<p>Aber die Fülle des Klangs wurde nie drückend, der machtvolle Klangapparat – und Bruckner nutzt den durchaus ausgiebig – beschert dem Publikum keinswegs eine beschwerliche Enge. Ganz im Gegenteil. Der prägendste Eindruck nicht nur bei der Bruckner-Messe, sondern auch schon in der Altrhapsodie von Johannes Brahms, war die feine Ausgestaltung aller Klänge. Und das ist ein unbedingtes Verdienst Ralf Ottos. Ein wirklich großes noch dazu. Die geradezu verrückt wirkende Detailgenauigkeit in Chor und Orchester geht nämlich mit einer ungeahnten Offenheit der Brucknerschen Musik einher. Was da an Vorbereitung dahinter stecken muss!</p>
<p>Erstaunlich intim klingt die größte Messe Bruckner in der Christuskirche. Das ist nicht gerade kammermusikalisch, aber trotz der teilweise mächtig geschichten Chor– und Orchesterklänge – irgendwie muss Bruckner ja noch zu erkennen sein – doch immer ganz direkte Musik, die sich nicht nur dem unbedingten Glauben ihres Schöpfers verdankt, sondern diese felsenfeste Gewissheit auch weitergeben kann – ohne zu verhehlen, dass vieles anders sein könnte. Der gern mal auftrumpfende, besserwisserische Bruckner kommt hier nicht zum Klingen. Ob es nun die berückende Innigkeit des Gloria ist oder die großartig ausgeformten Kontraste des Credo: Überall in dieser Messe herrscht ein lebendig-atmender Klang, der vor allem eine Geborgenheit in überlegter Gestaltung vermittelt, die sich den Rausch immer wieder versagt – und so vieles überhaupt erst zu erkennen gibt.</p>
<p>Der Bachchor singt das wie ein gebändigter Tiger: Voller Kraft, mit pulsierender Wildheit und natürlichem Instinkt, die aber ganz dem Willen des Dirigenten-Dompteurs Otto unterworfen sind und – ohne gebrochen zu weden, ohne an Ausstrahlung zu verlieren – zivilisiert wurden. Das ist immer ein schmaler Grat zwischen banalem Klangrausch und gefühlsduseligem Kitsch, den Bruckner im Idealfall von seinen Dirigenten verlangt. Und noch dazu technisch nicht ohne Tücken. Otto wandelt sicher – und führt das Publikum so nicht nur zum Erleben, sondern zum ganz neuen Kennenlernen dieser großen Messe.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)</p>

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		<title>Es ist vollbracht: Gardiners Brahms-Aufnahmen</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Apr 2011 08:36:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[John Eliot Gardiner hat eine Vorliebe f&#252;r gro&#223;e und ungew&#246;hnliche Projekte. Nach der Bach-Pilgrimage hat er sich inzwischen einem anderen gro&#223;en B zugewendet: Brahms und seinen Sinfonien. Dessen vier Symphonien reichen aber nicht, das war dem Dirigenten offenbar zu wenig. Also hat Gardiner f&#252;r seine Live-Aufnahmen noch gro&#223;e Chorwerke hinzugef&#252;gt — vorn Brahms, seinen Zeitgenossen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->John Eliot Gardiner hat eine Vorliebe für große und ungewöhnliche Projekte. Nach der Bach-Pilgrimage hat er sich inzwischen einem anderen großen B zugewendet: Brahms und seinen Sinfonien. Dessen vier Symphonien reichen aber nicht, das war dem Dirigenten offenbar zu wenig. Also hat Gardiner für seine Live-Aufnahmen noch große Chorwerke hinzugefügt — vorn Brahms, seinen Zeitgenossen, aber auch von ganz alten Meistern wie Gabrieli, Schütz und Bach. Er will damit vor allem die Vokaltät der Brahmsschen Orchesterwerke hervorheben. Inzwischen ist er damit auch fertig: Vier wunderschön klingende und auch schön anzuschauende CDs sind es geworden, die er mit „seinem” Orchester, dem Orchestre Révolutionnaie et Romantique, und dem Monteverdi-Choir eingespielt hat und auf seinem eignen Label Soli Deo Gloria veröffentlicht hat (vgl. Neue  Chorzeit xx/xx).</p>
<p>Die dritte Symphonie wird ausschließlich von Chorwerken des Meisters selbst gerahmt. Vor allem der „Gesang der Parzen” und die „Nänie” stechen positiv hervor: Mit Augenmaß lässt Gardiner den Monteverdi-Choir sowohl den dramatischen Gestus als auch feine Details der Textausdeutung realisieren.</p>
<p>Auch die vierte CD dieser Reihe fängt ganz ausgesprochen dramatisch an, mit Beethovens Coriolan-Ouvertüre. Und geht dann auch so weiter . Geschmeidig und diszipliniert zugleich ist Gardiners Interpretation aller vier Symphonien, die schwungvoll die Dramatik der Partitur weckt, ohne je bemüht zu wirken. Genauso natürlich und ganz entspannt selbstverständlich (darin wirken diese Aufnahmen fast klassisch) lässt er den Monteverdi-Choir auch die Vokalwerke singen. Selbst die etwas spröderen Brahmsschen „Fest– und Gedenksprüche” fließen bei ihm ganz harmonisch aus den Lautsprechern. Nicht nur hier, auch bei den ausgewählten Chorsätzen von Giovanni Gabrieli, Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach, zeichnen sich diese Aufnahmen immer durch eine angenehme Kombination aus Freude an der Detailgenauigkeit und großzügiger klanglicher Gestaltung aus.</p>
<p>Ob die unmittelbare Nachbarschaft der großen Vokalwerke die Symphonien nun wirklich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt, ist eigentlich egal. Jedenfalls gelingen Gardiner alle vier in vorzüglicher Weise. Und wenn es dazu noch interessante Chormusik gibt — umso besser.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.deutscher-chorverband.de/index.php?page=neue-chorzeit" title="Neue Chorzeit" target="_blank">neue chorzeit</a></span>.)</p>

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		<title>Meisterhafte Meisterwerke im Meisterkonzert</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Mar 2011 09:20:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Selten war wohl eine Konzertpause so notwendig wie bei diesem Meistkonzert. Denn nicht nur waren in der Rheingoldhalle gr&#246;&#223;ere Umbauten auf der B&#252;hne und das Nachstimmen des Fl&#252;gels notwendig. Nein, vor allem waren das eigentlich zwei eigene Konzerte, die von der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Karl-Heinz Steffens hier im Doppelpack angeboten wurden. Zun&#228;chst also zwei Ballett-Musiken: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } 		A:link { so-language: zxx } -->Selten war wohl eine Konzertpause so notwendig wie bei diesem Meistkonzert. Denn nicht nur waren in der Rheingoldhalle größere Umbauten auf der Bühne und das Nachstimmen des Flügels notwendig. Nein, vor allem waren das eigentlich zwei eigene Konzerte, die von der <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.staatsphilharmonie.de/" title="Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz" target="_blank">Staatsphilharmonie</a></span> Rheinland-Pfalz unter Karl-Heinz Steffens hier im Doppelpack angeboten wurden.</p>
<p>Zunächst also zwei Ballett-Musiken: Mit dem Klassiker „Prélude de l’après-midi d’un faune” von Claude Debussy eröffnete das Ludwigshafener Orchester der Abend. Dirigent Steffens wählte einen vorsichtigen, zurückgenommen Zugang: Zart entfaltet sich schon das initiale Flötenthema, und sacht, manchmal etwas stockend, dann aber wieder deutlich treibend entwickelt er die impressionistische Klangschilderung sehr behutsam. Als Fortsetzung der Entwicklung der modernen Ballettmusik sehr logisch folgte dieser Naturidylle Bela Bartóks Musik für die Tanzpantomine „Der wunderbare Mandarin”. Die ließ Steffens deutlich offener und fordernd-drägneder musizieren – anderes wäre bei dieser Musik auch widernatürlich.</p>
<p>Grandios wurde es in der Rheingoldhalle aber erst nach der Pause. Entgegen den üblichen Konzertgewohnheiten kam das Solistenkonzert nämlich zum Schluss – mit gutem Grund. Zum einen ist Brahms’ B-Dur-Klavierkonzert mit ungefähr 45 Minuten schon recht lang. Zum anderen kann man danach kaum noch sinnvoll andere Musik machen. Zumindest, wenn man es so wie Antti Siirala spielt, mit vollem Einsatz, auf Leben und Tod quasi. Da passt dann auch keine Zugabe mehr, obwohl der Saal danach gierte. Aber das war die richtige Entscheidung – alles hätte den Eindruck dieser großen Interpretation höchstens geschmälert. Denn Siirala und Steffens fanden hier wunderbare Wege, die gesamte Vielfalt des Konzertes voll auszuschöpfen. Sie weigerten sich einfach – und sehr konsequent -, sich auf einen einzigen Standort zu begeben. Ständig wechselten sie die Perspektive, zoomten von großen Gesten bis in feinste Details</p>
<p>Siirala kann sich diese ungeheure Vielgestaltigkeit leisten, weil er als Pianist vielseitig genug ist. Sein kerniges, deutlich akzentuiertes Spiel kann phasenweise auch ganz weich und sanft tönen. Immer bleibt er aber ausgesprochen agil – nicht ohne Grund sitzt er wie sprungbereit nur auf der vordersten Kante seiner Klavierbank. Und diese konzentrierte Aufmerksamkeit für alle Aspekte der Partitur ermöglicht zwar nicht immer völlig schlüssige Entwicklungen, aber auf jeden Fall eine Fülle faszinierender Momente, und genial spannend erscheinender Passagen – die dann selbst den Dirigenten immer wieder ganz verblüfft zu seinem Pianisten blicken lassen.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)</p>
<p> </p>

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		<title>Hoffnungslose Sch&#246;nheit: Sokolov spielt Bach, Brahms &amp; Schumann</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Aug 2010 19:08:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Scheu wie ein Gespenst huscht der Musiker im Halbdunkel zu seinem Instrument, kaum scheint er das Publikum wahrzunehmen, eine kanpp angedeutete Verbeugung muss reichen und auch der sp&#228;ter tosende Applaus scheint ihm eher l&#228;stig als angenehm. Aber es ist ein Geist mit besonderen F&#228;higkeiten – denn Grigory Sokolov kann Klavier spielen wie kaum jemand sonst. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Scheu wie ein Gespenst huscht der Musiker im Halbdunkel zu seinem Instrument, kaum scheint er das Publikum wahrzunehmen, eine kanpp angedeutete Verbeugung muss reichen und auch der später tosende Applaus scheint ihm eher lästig als angenehm. Aber es ist ein Geist mit besonderen Fähigkeiten – denn Grigory Sokolov kann Klavier spielen wie kaum jemand sonst. Die <a href="http://www.burghofspiele.de/">Burghofspiele</a> brachten den russischen Meister alter Schule für ein Recital ins Wiesbadener Kurhaus. Und er brachte ein Programm mit, das von Bach über Brahms bis Schumann reichte. </p>
<p>Schumanns Klaviersonate op. 14 f-Moll war dabei nicht nur der Schluss eines großen Klavierabends, sondern zweifellos auch der Höhepunkt. Sokolov, der sich für die fünfsätzige Version dieses „Konzertes ohne Orchester“, wie eine frühe Form der dritten Sonate noch übertitelt war. Und er entschied sich für radikale Klarheit. Von der oft etwas verwirrenden polyphonen Struktur des ersten Satzes über die drastische Deutlichkeit der energischen Scherzi zu den virtuos-verspielten Variationen des vierten Satzes und dem rasenden Finale: Unter Sokols Händen entwickelt das eine unbarmherzige Folgerichtigkeit, eine unüberhörbare Prägnanz nicht nur der zahllosen Details, sondern auch des gesamten Zusammenhangs der Sonate.<br />
Was hier funktioniert, mehr noch, wirklich begeistern kann, wird in Bachs zweiter Partita stellenweise aber fragwürdig. Dann nämlich, wenn Sokols Insistieren auf der Wichtigkeit bestimmter Momente, sein permamentes „Überhöre das nicht! Das ist wichtig!“ Gefahr läuft, zu einseitig zu werden, wichtige Teile der Komposition, insbesondere die lebendig-freudige Seite einfach zu verschweigen.</p>
<p>In den sieben Fantasien op. 116 von Johannes Brahms wird diese Tendenz noch stärker. Sicher, seine absolut überragende Technik, sein stark fokussierter Ton und seine ungeheuer ausdifferenzierte Dynamik stehen ihm weiter zur Verfügung. Aber über weite Strecken wirkt diese Musik verdammt unmenschlich und abweisend. Denn Sokolov entäußert sie all ihrer Hoffnung, ihrer – eigentlich durchaus vorhandenen – positiven Energie. Immer wieder scheint ihn ausschließlich das Brüchige, das Zerbrochene zu interessieren. Die schmerzhaften Kanten und Ecken, die Verluste und Entbehrungen, Enttäuschungen und Verrat dominieren alles. Sie tun dies allerdings auf eine unbestreitbar faszinierende Weise – denn Grigory Sokolov beherrscht sein Handwerk eben in außerordentlichem Maße: Sie blitzen und funkeln, donnern und grummeln mit Stärke und überklarer Deutlichkeit und lassen zumindest zeitweise gerne vergessen, dass das hier nicht unbedingt der ganze Brahms ist. </p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)<img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/dd91e0399f8f48c592f4e937113628e2" width="1" height="1" alt=""></img></p>

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		<title>„herz an herz”: der bachchor mit brahms &amp; reger</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 17:10:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es erbebt die Seele, es zittert das Herz und es schmachtet das Gem&#252;t: In der romantischen Chormusik wird gerne gesehnt und gelitten — aber auch geliebt und gefreut. Nicht gerade typisches Repertoire f&#252;r einen Kirchenchor. Aber der Bachchor ist ja schon l&#228;nger &#252;ber seine urspr&#252;ngliche Funktion hinausgewachsen. Und dass er und sein Dirigent Ralf Otto [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es erbebt die Seele, es zittert das Herz und es schmachtet das Gemüt: In der romantischen Chormusik wird gerne gesehnt und gelitten — aber auch geliebt und gefreut. Nicht gerade typisches Repertoire für einen Kirchenchor. Aber der Bachchor ist ja schon länger über seine ursprüngliche Funktion hinausgewachsen. Und dass er und sein Dirigent Ralf Otto romantische Musik ziemlich gut in Klang setzen können, haben sie auch schon ausreichend bewiesen.<br />
Gute Voraussetzungen für ein gelingendes Konzert also. Und in der Tat, das dritte Abonnement-Konzert, für das der Bachchor mitten in der Passionszeit ins Staatstheater wechselte, gelang ihnen. Nicht nur dem Chor, auch den begleitenden Instrumenatlisten (Burkhard Schaeffer und Petra Morath-Pousinelli am Klavier) und dem Kammermusik-Duo. Denn zwischen den liebestrunkenen und wehevollen Chorsätzen sorgten auch noch Violinist Benjamin Bergmann, wiederum von Burkhard Schaeffer am Klavier unterstützt, für etwas Abwechslung: Mit einer klaren, geradlinigen A-Dur-Violinsonate von Johannes Brahms und Teilen aus der a-Moll-Suite von Max Reger.<br />
Nicht, dass die Abwechslung unbedingt nötig gewesen wäre. Denn der Bachchor selbst bringt schon genügend viele Klangfarben und Stimmungen mit, um einen Konzertabend vielfältig zu gestalten.<br />
Zumal das Programm sich zwar auf zwei Komponisten, eben Brahms und Reger, beschränkte, aber doch alles andere als langweilig war. Da gab es eine kleine Auwahl aus den Ausgewähltenn Volksliedern Regers, die beiden „Nachtwachen“ aus den Fünf Gesängen von Brahms, aber auch Regers frühe Chöre für gemischte Stimmen mit Klavier op. 6. Und schließlich noch die kompletten Brahmsschen Liebesliederwalzer. Die waren natürlich ein echter Höhepunkt, versammelten sie zum Schluss doch noch einmal die große Vielfalt romantischer Chormuik in einem – textlich und musikalisch, inhaltlich und formal.<br />
Und die reichen Differenzierungen des Chores waren hier besonders gut zu beobachten und zu bestaunen. Denn nicht nur der tanzende Dirigent sorgte für Stimmung, auch die präzisen, klaren Chorsätze machten Freude. Otto schaffte es nämlich wieder einmal, genau ins Ziel zu treffen: Durchhörbare Harmonien (selbst in den komplexen Sätzen Max Regers gelang ihm das sehr locker) verbinden sich mit einer wunderbar klaren Verdeutlichung der Komposition. Aber er begnügte sich eben noch lange nicht damit. Denn er ließ seine Sänger und Sängerinnen das zu wirklicher Musik machen: Mit Empfindung und auch etwas Emphase, mit Gefühl und Geschmack leihen sie dem leidenden Herz und der überschwänglich jubilierenden Seele immer wieder ganz frisch ihre klangvollen Stimmen.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>)<img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/6246b61c1e3d47b097562fdd618c3dc1" width="1" height="1" alt=""></p>

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		<title>brahms mal anders. aber ganz anders.</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 18:11:17 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ein ganz normales Orchesterkonzert im Staatstheater: Etwas von Carl Maria von Weber, dann das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy und am Schluss noch die erste Sinfonie von Brahms. Aber irgend etwas ist anders heute – die Musiker sind alle so jung, den Solisten eingeschlossen. Ach so, das ist das Abschlusskonzert der Musikhochschule – das erkl&#228;rt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->Ein ganz normales Orchesterkonzert im Staatstheater: Etwas von Carl Maria von Weber, dann das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy und am Schluss noch die erste Sinfonie von Brahms. Aber irgend etwas ist anders heute – die Musiker sind alle so jung, den Solisten eingeschlossen. Ach so, das ist das Abschlusskonzert der Musikhochschule – das erklärt natürlich die radikale Verjüngung. Nicht aber die professionelle Souveränität, mit der das Orchester hier im Kleinen Haus spielt. Denn das Programm und das Dirigat Wolfram Koloseus’ waren alles andere als ein Schonprogramm.</p>
<p>Am Beginn stand also Musik von Carl Maria von Weber: Die Ouvertüre und zwei Szenen aus dem Freischütz genau gesagt. Das war eine etwas seltsame Erfahrung. Mysteriös gespenstig entfaltete Schauerromantik im Orchester und szenische Andeutungen der jungen Sänger. Klanglich fein abgeschmeckt und auch auf authentische Wirkung ausgerichtet mit den Natur-Blechblasinstrumenten und dem vibrierenden Grundrhythmus. Aber dann brechen die elektronisch verstärkten und auch verfremdeten Singstimmen in die feinsinnige Klangwelt ein – das muss man wohl nicht verstehen. Doch sehr dramatisch ist das alles, vor allem die Wolfsschlucht-Szene mit Danilo Tepsa, Calin Cozma und Florian Küppers.</p>
<p>Mit sehr viel Freude am virtuosen Spiel stürzt sich Igor Tsinman dann in Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert in e-Moll. Er kann sich das aber auch leisten, sicherer Techniker er er ist.</p>
<p>Klar und dicht, in den meisten Teilen sehr unsentimental spielt er – das ist einfach Musik pur, mal wild, mal gedankenverloren träumend. Aber immer jugendlich unbekümmert. Schade nur, dass die robuste Prägnanz des Solisten das fließend begleitende Orchester ganz unverdient in den Hintergrund drängt.</p>
<p>Das kan dafür noch mit der abschließenden ersten Sinfonie von Johannes Brahms ganz alleine brillieren. Das erregte Pulsieren des Anfang setzt sich hier unentwegt fort, im nervösen Hin und Her, in der Unruhe der ständigen Bewegung und der permanenten Unsicherheit der unausgesetzten Hinterfragung aller Positionen und Werte. So, wie Wolfram Koloseus das hier entwickelt, klingt das viel moderner und gegenwärtiger, richtiggehend dekonstruktivistisch eigentlich, als gewöhnlich bei Brahms. Diese Haltung setzt sich dann durch die ganze Sinfonie hindurch fort. So richtig aufblühen kann sie dadurch nie. Auch wenn sich das Orchester redliche Mühe gibt und mit erstaunlicher Klangkultur und großem Engagement durchaus einige Teilerfolge erlangen kann, bleibt es befremdlich. Das Tempo dieser fiebrigen Hast ist immer sehr bemüht und wirkt mehr konstruiert als empfunden. Insgesamt gibt das dann eine oft dämonische, bis zum Wahnsinn aufgetürmt rasende und zerfetzte Sinfonie – eine echte Überraschung.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>)</p>

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		<title>wieder neu: brahms sinfonien und chorwerke</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Jul 2009 17:33:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist schon eine kühne Idee und fast eine Steilvorlage für den Kritiker: John Eliot Gardiner will Brahms noch einmal „neu“ entdecken – und diesmal richtig. Vielleicht muss man so selbstbewusst wie Gardiner sein, um dieser Musik gerecht zu werden. Denn das wird er in fast beängstigender Weise. Da bleibt einfch nichts mehr zu kritisieren.</p>
<p>Alle vier Sinfonien hat er sich vorgenommen. Und er ergänzt sie mit großen Chorwerken von Brahms selbst oder aus seinem Umfeld. Das heißt für die ersten beiden, bereits erschienen CDs (die restlichen zwei folgen im Laufe des nächsten Jahres): Das Schicksalslied, der Begräbnisgesang, die Alt-Rhapsodie umrahmen die Sinfonien 1 und 2, dazu kommt noch Mendelssohn Bartholdys „Mitten wir im Leben sind“ und Schuberts „Gesang der Geister über den Wassern“ sowie zwei von Brahms für Chor und Orchester arrangierte Schubert-Lieder. Die Interpreten sind alte Vertraute Gardiners: Das Orchestre Révolutionnaire et Romantique sorgt mit seiner hohen interpretatorischen und technischen Kompetenz im Umgang mit historischen Instrumenten für den faszinierend durchsichtigen und farbenreichen Orchesterklang, der Monteverdi-Choir für die vokale Präzision und klangliche Wucht, die Gardiner zu bevorzugen scheint.</p>
<p>Denn Gardiner ist nicht nur ein Musiker, der sein Tun sehr genau bedenkt. Sondern auch ein großartiger Dramatiker – auch wenn er das meist im schlanken und flexiblen Gestus seiner Interpretationen versteckt. Nach der Halbzeit ist klar, was man von diesem Projekt erwarten darf: Vieles. Vielleicht sogar alles. Die Sinfonien: Prächtig, lebendig, ungeheuer vital auf der einen Seite, aber auch verflixt ernst, bewusst und genau – als wüsste die Musik selbst um ihren Stellenwert in der Musikgeschichte.</p>
<p>Und die Chormusik: Durchweg auf höchstem Niveau. Gut, der Monteverdi-Choir lässt ab und an einen leichten englischen Akzent aufblitzen. Das ist aber auch schon der einzige Vorwurf, den man ihm machen kann. Die oft im besten Sinne theatralische Dramatik, die Weite des Spektrums, die ihm in klanglichem Ausdruck und Dynamik zur Verfügung steht, die Beweglichkeit des Chores auch im großen Klangvolumen – das alles formt sich unter Gardiners Hand zu fantastischen, unmittelbar mitreißenden und nachhaltig beeindruckenden Musik.</p>
<p>Ob das die Brahms-Sicht wirklich ändert? Auf jeden Fall bringt es die Beteiligten dazu, diese Werke noch einmal so „neu“ aufzuführen, als wäre die Tinte in der Partitur erst gestern trocken geworden.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.deutscher-chorverband.de/index.php?page=neue-chorzeit" title="Neue Chorzeit" target="_blank">neue chorzeit</a></span>)</p>

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		<title>rebell oder nicht? markus groh in mainz</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Sep 2008 10:02:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Internationale Pianisten aus Deutschland – nein, das ist kein Widerspruch. Denn alle Künstler, die der SWR für die zehnte Auflage seiner Konzertreihe „Internationale Pianisten“ nach Mainz holt, sind weit über die Grenzen ihres Heimatlandes erfolgreich. Auch Markus Groh, der die Jubiläumssaison im Frankfurter Hof eröffnen durfte. Und Erfolg hat er zu recht: Sein Mainzer Auftritt zeigt den jungen Pianisten als Musiker von Rang. Und auch als Rebell, der zwar im konventionellen Frack kommt, auf seinen Pferdeschwanz aber auch nicht verzichtet. Dieser Akkord von Aufbegehren und Tradition ist allerdings mehr als eine bloße Äußerlichkeit, er prägt sein Spiel durch und durch.<br />
Denn er sucht sich immer seinen eigenen Weg – ob es um die „Drei Intermezzi“ von Brahms geht, um eine Beethoven-Sonate oder um Erwin Schulhoffs „Cinq Études de Jazz“: Konventionen sind für ihn nie selbstverständlich, sondern müssen erst einmal auf den intellektuellen und musikalischen Prüfstand. Denn das ist die andere Seite von Markus Groh: Er ist nicht nur ein gestandener Virtuose. Im Gegenteil, die gewandte Beherrschung der Klaviertechnik ist reine Nebensache. Ihm geht es immer auch darum, die Strukturen der Kompositionen hörbar zu machen, möglichst jeden einzelnen Ton – und wirklich jeden ganz für sich – so zu spielen, dass sein Publikum quasi mit dem Mikroskop und dem Fernglas gleichzeitig auf das Werk schauen kann. Und das gelingt ihm ohne Zweifel. Die Brahmsschen Intermezzi sind selten so klar, so vollkommen logisch und nachvollziehbar zu hören. Dafür haben sie bei anderen Pianisten mehr Gefühl, mehr emotionalen Überschwang. Denn Groh bleibt immer sehr cool. Beethovens G-Dur-Sonate op. 31/1 verliert im Zuge dessen ziemlich viel von ihrem Esprit und Humor.<br />
Die italienische Abteilung der „Années de Pèlerinage“ von Liszt dagegen berührt ihn hörbar viel mehr. Hier gibt es auf einmal Momente, in denen sich Groh in der Musik fast zu verlieren scheint, in denen er vollkommen aufgeht im Klang – das gab es vor der Pause so nicht. Überhaupt der Klang: Da hat er einiges zu bieten, wenn er will. Vor allem die Präzision, mit der er die sanft gleitenden Übergänge gestaltet, ist faszinierend. Und seine dynamischen Fähigkeiten beeindrucken mit einer fast unerschöpflichen Differenzierung und Genauigkeit. Doch die Hingabe, mit der Groh Liszt entfaltet, verleitet ihn dennoch nie zu emotionalen Kurzschlüssen: Immer bleibt seine großen Stärke, seine Fähigkeit, der Musik kristallne Klarheit zu schenken etwa, ungebrochen. Und das ist so großartig, dass er trotz seines langen Programmes natürlich nicht ohne Zugaben von der Bühne darf. </p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)</p>

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