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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; Interpretation</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur.</description>
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		<title>Der Mond ist immer noch dunkel</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Oct 2010 20:17:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Wird Pop die neue Klassik? Ersetzt die Bewertung der Interpretation die „alte” Popkritik, wird die Abweichung oder Treue zum Original statt der Neuheit, der Innovation, des Überraschenden und Ungewohnten fokussiert? Anzeichen dafür gibt es — aber eigentlich schon immer und immer wieder. Denn Referenzen an Idole tauchen in der Popgeschchte häufiger auf, die sich dann auch als Interpretation eines Textes (dem Originalsong) lesen lassen. Dass ganze Alben re-interpretiert werden, ist aber — von dezidierten Cover– &amp; Tribut-Bands mal abgsehen — aber schon seltener. Doch vielleicht ist es trotzdem noch etwas weit hergeholt, die Datenbasis (noch) etwas schmal, um hier eine neue Ära der Popgeschichte einzuläuten.[1 Irgendwer tat das schon, ich finde es aber gerade nicht mehr, wo ich das las …]</p>
<p>Jedenfalls lässt sich die neue Platte der <a title="The Flaming Lips" href="http://www.flaminglips.com/" target="_self">Flaming Lips</a> so lesen: „The Dark Side of the Moon” als — ja, als was eigentlich? Referenz? Interpretation? Coverversion?[2 Zum Original gibt es übrigens einen seeeehr umfassenden Artikel in der englischsprachigen Wikipdia: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Dark_Side_of_the_Moon" target="_blank">klick</a>.] In der <a title="Christian Kortmann &uuml;ber &quot;The Dark Side of the Moon&quot;" href="http://www.zeit.de/2010/34/Flaming-Lips" target="_blank">Zeit</a> wird das sogar als „originaler als das Original” eingestuft. So weit würde ich wohl nicht gehen. Und ich würde diese Platte als Zeichen auch nicht überinterpretieren wollen. Aber neugierig gemacht hat sie mich schon, auch wenn ich kein Fan der Flaming Lips bin.</p>
<p>Der Titel ist jedenfalls schon mal genial, auf seine verrückte Weise. Eigentlich heißt die Platte nämlich: „The Flaming Lips With Stardeath And White Dwarfs With Henry Rollins And Peaches Doing Dark Side Of The Moon”. Und dann natürlich die Musik: Beim ersten Hören überrascht, sehr sogar, hat mich die Nähe zum Original: Das klingt eher wie eine Coverversion als eine Aneignung. Aber man merkt dann doch Unterschiede. Vor allem, wenn man sich das Original noch einmal anhört. Pink Floyd ist reiner und purer, ja, auch perfekter im Sound, im Zusammenklang des ganzen Songs und des ganzen Albums. Und das Original hat irgendwie mehr Swing, einen angenehmeren Puls, mehr Feeling. Die Flaming Lips sind, von Natur aus sozusagen, härter, sie bolzen das oft mit wesentlich mehr Kraft und Druck heraus als es Pink Floyd vor Jahrzehnten tat. Die Flaming Lips sind rauer und derber — etwa so, als würden sie der Feinheit des Originals (die ja auch nur eine relative war/ist) nicht mehr ganz trauen, als sähen sie eine (leichte) Verschärfung für notwendig, um die Songs am Leben zu halten. Natürlich sind sie ingesamt rockiger und kerniger. Diese Mondseite wird zunächst mal ganz stark bestimmt vom insistierenden, pochenden Treiben der E-Gitarren. Und sie wirkt insgesamt viel dringlicher, nicht so einfach zu erledigen, nicht in den Hintergrund abschiebbar: Das hier muss jetzt (noch einmal) gehört werden und nicht nur geduldet, das verlangt viel stärker eine Reaktion als Pink Floyd. Zumindest als es Pink Floyd heute tut, damals, 1973 (ja, so lange ist das schon her …), mag das anders gewesen sein, dass kann ich leider nicht beurteilen. Jedenfalls könnte die Aufmerksamkeitsbeanspruchung der „neuen” Version eben auch an ihrer „Neuheit” (die ja wiederum — wenn überhaupt — nur eine graduelle ist) liegen und weniger an der konkreten musikalischen Gestalt, dem Sound der Flaming Lips). Sehr schön allein schon das Husten bei „Breathe”, das der Musik alles entspannt-relaxte mit einem Schlag wegnimmt. Und „The Great Gig in the Sky” wird dann zum großen Panorama überhaupt, <em>dem</em> Überblick, „Money” dagegen zur Musik oder dem Abbild einer harten, verstörten (verzerrten) Welt — noch dadurch etwas stärker als im Original, würde ich meinen.</p>
<p>Peter Gabriels „Scratch my Back” wäre eine ander Veröffentlichung der letzten Zeit, die sich (auch) in diesem Sinne lesen ließe. Aber vor allem wohl als Referenz an die Songs und ihre Urheber. Und übrigens ganz eigenwillig interpretiert, was die Songs fast schon wieder zu Gabriels macht.[3 Sting macht’s lieber mit seiner eigenen Musik oder gleich mit alten, d.h. barocken Liedern … — aber davon halte ich ja nicht so sehr viel, ohne das hier weiter ausführen zu wollen …] Und während ich das schreibe, fällt mir noch etwas anderes ein: Noel Akchoté, der auf „<a href="http://www.winterandwinter.com/index.php?id=1410" target="_blank">So lucky</a>” Kylie Minogues Song interpretiert — oder als Vorlage für seine eigene Musik nimmt (was nebenbei auch zeigt: wie gut die Songs sind und in Erinnerung ruft, wie gut Minogue als Performerin ihrer Songs ist …). Aber der ist ja im Herzen Jazzer, die hatten schon öfters einen lockeren Umgang mit Inspirationen und Vorlagen für ihre Musik.[4 Zum Beispiel <a title="rusconi" href="http://www.rusconi-music.com/" target="_blank">Rusconi</a>, die auf „<a title="Rezension in der Zeit" href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2010/05/12/rusconi-sonic-youth_5415" target="_blank">It’s a sonic life</a>” Musik der Sonic Youth verarbeiten.]</p>
<p>The Flaming Lips With Stardeath And White Dwarfs With Henry Rollins And Peaches Doing Dark Side Of The Moon. Warner 2010.</p>

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		<title>Kratz meinen R&#252;cken</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 11:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Interpretation]]></category>
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		<description><![CDATA[R&#252;hrend ist wohl das Wort, mit dem man Peter Gabriels „Scratch My Back”, sein achtes Studioalbum, am besten beschreiben k&#246;nnte. Reduktion und innere Ruhe, ja eine gewisse Gelassenheit und Selbsicherheit, bestimmt diese Musik: Popsongs — gesungen, mit ein paar wenigen (akustischen) Instrumenten, in mehr oder weniger orchestralem Arrangements, die aber nie — auch dort nicht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rührend ist wohl das Wort, mit dem man Peter Gabriels „Scratch My Back”, sein achtes Studioalbum, am besten beschreiben könnte.</p>
<p>Reduktion und <a title="HD Schellnack &uuml;ber &quot;Scratch my back&quot;" href="http://www.hdschellnack.de/peter-gabriel-scratch-my-back/" target="_blank">innere Ruhe</a>, ja eine gewisse Gelassenheit und Selbsicherheit, bestimmt diese Musik: Popsongs — gesungen, mit ein paar wenigen (akustischen) Instrumenten, in mehr oder weniger orchestralem Arrangements, die aber nie — auch dort nicht, wo sie sehr symphonisch werden — aufdringlich wirken. „stark but always emotional” wollte Gabriel die Arrangements (von John Metcalfe) haben. Und ich denke, das ist sehr gut getroffen …</p>
<p>Den Anfang macht David Bowies „Heroes”, mit zarter, sanfter Streicherbegleitung, voller Sehnsucht — aber nicht nach vergangenem, sondern nach zukünftigem: Das ist der Klang gewordene Wunsch nach Stärke im Leben, nach gelungenem Lebensvollzug. „The Boy In The Bubble”, ein alter Paul-Simon-Song (von mir auch im Original auf „Graceland” sehr geschätzt), wie Gabriel hier fast — aber ganz kontrolliert — die Stimme versagt … „The Power Of The Heart” hat dann auch eine ganz eigene Kaft, die Stärke der inneren Überzeugung, der Gewissheit und Vergewisserung, die unbedingt nach außen dringen will. Und dann natürlich, mein absoluter Liebling auf dieser CD, den ich mir immer wieder anhören könnte: „My Body Is A Cage” (von Arcade Fire), allein schon wengen der wunderbaren Melodie und dem unverdrossenen „But my mind holds the key” — einfach grandios, und dieser herrliche Orchesterausbruch, der das ins Überirdische steigert — grandios, ich muss es einfach wiederholen.</p>
<p>Die meisten Songs kenne ich aber überhaupt nicht im Original (zumindest nicht bewusst). Aber das macht natürlich überhaupt nichts, denn das, was Gabriel hier vorlegt, hat seine Berechtigung ganz aus sich selbst. Dazu gehört auch, dass „Scratch My Back” wirklich ein Album aus einem Guss geworden ist: Die zwölf Songs sind zwar durchaus abwechslungsreich und verschieden, jeder mit seiner eigenen Stimmung und Identität, aber sie passen (natürlich auch durch ihre ähnliche Klanglichkeit im Arrangement) auch wunderbar zusammen, ergeben eine sehr schöne, dichte Abfolge. Auch wenn es die größten Gegensätze gegeneinander stellt, zum Beispiel der extrem minimalistischen Version von Randy Newmans „I Think It’s Going To Rain Today” direkt das pompös-orchestrale „Après Moi” folgen lässt, in dem sich Gabriel völlig gehen lässt: „It’s the only place on the record where I let myself loose, screaming in a way I haven’t done since the <em>Passion</em> record.” (aus einem <a title="Interview mit Peter Gabriel" href="http://thequietus.com/articles/03628-peter-gabriel-on-new-album-scratch-my-back-review" target="_blank">Interview</a> auf <a title="the quietus" href="http://thequietus.com/" target="_blank">The Quietus</a>).</p>
<p>Faszinierend ist auf jeden Fall, was so „simple” Pop-Songs hergeben können, wenn sich ein Meister über sie hermacht (aber auch hier gilt natürlich: das klappt auch nicht immer). Und ja, das wird durchaus auch mal sentimental. Aber irgendwie bleibt es dennoch angenehm und erträglich: Auch wenn die „dunkle” Seite vorherrscht, wirkt die Musik einfach sehr ehrlich und persönlich.</p>
<p>(Mir ist natürlich klar: „Scratch My Back” hat natürlich nichts mit einem kratzenden Rücken zu tun, sondern meint im deutschen das „Eine Hand wäscht die andere” und hängt hier mit Peter Gabriels Konzept zusammen, diese Platte mit einem „Gegenstück” zu komplettieren, auf dem befreundete Musiker seine Songs interpretieren.)</p>
<p>Peter Gabriel: <a title="en-wikipedia" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Scratch_My_Back" target="_blank">Scratch My Back</a>. Real World/Virgin 2010.</p>

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		<title>„Das Konzert ist beinahe ein Abfallprodukt”</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Feb 2010 17:07:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[musik]]></category>
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		<description><![CDATA[Pianist Kristian Zimerman in einem aufschlussreichen Gespr&#228;ch mit dem NZZ-Redakteur Peter Hagmann. Da geht es neben anderem auch um Motivation und Ziel des Pianisten: Man k&#246;nnte ja sagen: Das Konzert ist beinahe ein Abfallprodukt. Ich &#252;be nicht, um Karriere zu machen, ich &#252;be auch nicht f&#252;r ein Konzert. Ich versuche mich zu entwickeln und zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Pianist Kristian Zimerman in einem aufschlussreichen <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur_und_kunst/der_klavier-poet_der_romantik_1.5096878.html">Gespräch</a> mit dem NZZ-Redakteur Peter Hagmann. Da geht es neben anderem auch um Motivation und Ziel des Pianisten: </p>
<blockquote><p>Man könnte ja sagen: Das Konzert ist beinahe ein Abfallprodukt. Ich übe nicht, um Karriere zu machen, ich übe auch nicht für ein Konzert. Ich versuche mich zu entwickeln und zu bereichern</p></blockquote>
<p>Aber hauptsächlich geht es um Chopin, dessen Jubiläum ja gerade ganz dringend ansteht. Und da ist Zimerman als einer der besten gegenwärtigen Chopin-Pianisten natürlich ein wunderbarer Gesprächspartner, der nicht nur Klavier spielen kann, sondern auch eine Menge weiß. Z.B. über das Problem der Nation &amp; der Nationalität — im Leben und in der Musik:</p>
<blockquote><p>Am Ende geht es aber überall um dasselbe: um Liebe, um Sicherheit, um das Dazugehören, um Heimat. Und Chopin schreibt über diese Dinge, er schreibt aus der Seele heraus über die Seele. Und er schreibt in einer besonderen Ehrlichkeit.</p></blockquote>
<p>Oder über das Genie der Konstanz der Qualität bei Chopin, oder über den Begriff der Romantik und ihrer heutige Interpreation:</p>
<blockquote><p>Das geht daneben, man muss Chopin in einem eigentlichen Sinn romantisch spielen. Das fängt an mit dem Rubato. Das Rubato darf nicht mit zu kleinen Werkzeugen gemacht werden. Man muss sich vielmehr bewusst sein, dass die Masse, die hier bewegt werden soll, von enormer Dimension ist und dass dieser Bewegungsvorgang seine Zeit braucht. Das Rubato darf sich also nicht auf allzu kleinem Raum entfalten, es muss im Gegenteil in einen grossen Atem integriert sein.</p></blockquote>
<p>Das sind auch die Gründe, warum ich Zimeman so schätze: Weil man dieses Wissen, diese Überlegung und die Detailfreudigkeit sowie seine Genauigkeit auch hört.</p>
<p>Heute in der <a href="http://www.nzz.ch">Neuen Zürcher Zeitung</a>: <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur_und_kunst/der_klavier-poet_der_romantik_1.5096878.html">klick</a>.</p>

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