„Nächstens mehr.“

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jazz oder was? die dritten jazztage des mainzer klangraums

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zumindest der erste tag, beim zweiten abend konnte ich leider nicht dabei sein. aber die erste hälfte war schon ziemlich an- & aufregend – genau wie es das lineup verhieß: , frau contra bass, daniel stelter band etc.

hier meine betrachtungen für die mainzer rhein-zeitung:
Zwei Duos und zwei Quartette: Schon der Auftakt der dritten Klangraum-Jazztage Mainz bot ein reichhaltiges Programm: Mit Blue Snow, FrauContraBass, und der Daniel-Stelter-Band war das Programm nicht nur gut vollgepackt, sondern auch sehr unterschiedlich bestückt. Und einige Bekannte waren ja auch dabei, zusammen mit den neuen Gesichtern beim ausverkauften ersten Tag in der Showbühne. Die Veranstalter vom Klangraum-Studio freut der wachsende Zuspruch, die am am Eingang vergeblich noch um Einlass bittenden vermutlich weniger. Ddenn sie verpassten wirklich einiges. Nach dem leisen, feinsinnig-versponnen Auftakt von Blue Snow, dem schweizerischen Percussionisten-Duo, das mit Marimbaphon, Vibraphon und auch auf dem umfunktionierten Ikea-Tisch Rhythmen aller möglichen Herkünfte ganz ohne schweizer Gemütlichkeit mischte, war es aber mit der Ruhe und Gelassenheit ganz schnell vorbei.
FrauContraBass, das andere Duo, erfreuten schon im letzten Jahr bei den Jazztagen. Auch jetzt hatten Sängerin Katharina Debus und Bassist Hanns Höhn wieder viel launige Musik dabei. Mit Stevie Wonder, Jamiroquai und vielen anderen widmen die beiden sich der Liebe – der körperlichen und der platonischen, der erfüllten und der versagten. Trotz der Reduktion des musikalischen Materials erzeugen sie großartige Effekte: Höhn schrammelt, zupft, klopft und reibt an allen Ecken und Enden seines Kontrabasses, Debus lässt ihre kräftige, volle Stimme röhren, scatten und schmeicheln.
Auch die Daniel-Stelter-Band, die zum Schluss, gegen Mitternacht, als das Publikum schon anfing zu schwächeln, der Showbühne einheizte, war im letzten Jahr schon zu Gast. Und immer noch scheinen die vier Männer über unerschöpfliche Energiereservoirs zu verfügen. Die Rhythmusgruppe ist zwar personalidentisch mit der von . Aber mit Ulf Kleiner an den Fender-Rhodes und Daniel Stelters sowie seiner E-Gitarre wird das ganz anders: Die druckvollen, knackig dröhnenden Grooves werden mit dem Mut und der Kraft zu ganz schlichten, betörenden Melodien großer Prägnanz konfrontiert und ergänzt. Egal, ob als Hommage an einen HipHopper oder in der traurigen Geschichte eines untergehenden Papierbötchens: Alles überflüssige wird gnadenlos entsorgt, auf der Suche nach dem Optimum ihrer Musik ist das Quartett schon ziemlich nah am Ziel.
Damit knüpfen sie nicht nur personell an an. Auch die machen nicht gerne viele unnötige Worte und Töne. Aber sie sind exaltierter, experimentierfreudiger. Ihre Mischung aus , Jazz, Funk und einem reichlichen Schuss ist dabei aber auch wunderbar ausgefeilt. Und live noch besser als im Studio: Noch präziser in den Stimmungen, noch genauer und auch noch konzentrierter, noch – was man kaum glauben mag – ein bisschen mehr entschlackt und zugleich gnadenlos fokussiert. Diese Strenge, gepaart mit der unbändigen Freude – die Musiker scheinen oft noch mehr Spaß zu haben als das auch schon begeisterte Publikum – das ist so zwingend, so unbarmherzig richtig – und so wunderbar gut.
Und es ist eine herrliche Ergänzung für die Jazztage und passt genau in deren Profil. Nach dem ersten Abend war ja noch nicht Schluss: Am Samstag ging es genauso bunt und umfangreich weiter – diesmal mit der Phoenix-Foundation und Lars Reichow, mit dem akustischen Jazz von Spaniol 4, dem elektronisch abgeschmeckten Klängen von „2 fishes in the big big sea“ und den hauseigenen Vibes.

Geschrieben von matthias

30. Januar 2010 um 21:40

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„YouTube hat das Beatboxen revolutioniert“

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Raue Industrieklänge mischen sich hier mit feinsten Harmonien – der Vocal Jazz Summit in der Mainzer Phönixhalle bringt reine Töne in eine eher ungemütliche Gegend. Aber die Sänger und Fans sind ja nicht gekommen, die Aussicht zu bestaunen. Sondern zu arbeiten, zu lernen und vor allem ganz viel zu hören. In allen Facetten.

Mittendrin in dem Gewusel schlendert Tobias Hug gelassen vom Studioraum zur Kaffeetheke, vom Foyer auf die große Bühne. Der auf den ersten Blick unscheinbare, zurückhaltende Bass der Swingle Singers ist eine der zentralen Figuren des Summits, der nach der Premiere 2005 zum zweiten Mal in Mainz stattfindet.

Hug, immer eine schicke Kappe auf dem kahlen Kopf, hat seine Arbeit nämlich schon vor dem eigentlichen Beginn angefangen. Drei Tage hat er mit drei Kollegen und 28 Lernwilligen die Masterclass „ and Beyond“ in der Mainzer Hochschule für Musik auf die Beine gestellt.

„Es war ungeheuer intensiv. Und es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wir hatten eine ganz starke Eigendynamik, die Gruppe hat sich ganz schnell zusammengefunden. Und was uns besonderen Spaß gemacht hat: Wir haben noch nicht zusammen gearbeitet, das war auch für uns ein neues Konzept.“ Wir, das sind die vier Dozenten: Neben Hug sein Bass-Kollege bei den Swingle Singers, Kevin Fox, dazu der belgische Beatboxer und Vize-Weltmeister RoxorLoops und der Franzose Jérôme Colloud, ein Akrobat nicht nur der Stimme.

„Erstmals haben wir hier mit Dozenten aus verschiedene Richtungen gearbeitet“, erzählt Hug: „Hip-Hop, Vocal-Jazz, Theater: die verschiedensten Improvisationstechniken waren hier vertreten. Und natürlich spielte das Beatboxen eine besondere Rolle, aber wir haben auch viel mit anderen Improvisationsmodellen gearbeitet, mit circle songs oder Techniken aus der Theaterimprovisation. Unser Ziel war immer, abwechslungsreich zu bleiben und doch zu etwas Gemeinsamen zu kommen.“

Die Masterclass lebte auch von ihrer bunten Zusammensetzung – von Hip-Hop-Kids bis zu gestandenen Chorleitern und Musiklehrern war so ziemlich alles vertreten. Und alle waren nicht nur musikalisch neugierig und offen: „Wir haben ungeheuer viel zurückbekommen von den Teilnehmern, die haben sich gut miteinander verstanden. Und die Experimentierfreude hat uns immer wieder überrascht. Vor allem aber die großen Entwicklungen in diesen drei Tagen, wie wirklich alle sehr bald ihre Hemmungen fallen gelassen haben – das war wirklich toll. Denn am Anfang ist man natürlich scheu, es klingt ja auch etwas albern zunächst, wenn man es noch nie gemacht hat – aber in der Masterclass haben alle diese Scheu abgelegt.“ Das Abschlusskonzert, zugleich offizieller Beginn des eigentlichen Summits, war zwar fast eine reine Insider-Sache, konnte den Enthusiasmus Tobias Hugs aber gut belegen: Die Dozenten traten kaum mehr in Erscheinung, die Gruppe steuerte sich selbst durch verschiedene Improvisationen, in Gruppen und solistisch, im Circle Song und dem Hip-Hop-Break.

Aber wie kommt man als Schulmusikstudent in Trossingen überhaupt zu den Swingle Singers? Und zum Beatboxen?

„Ich habe in einer -Gruppe gesungen, die sich aus dem Jazzchor Freiburg entwickelt hat. Da war ich Bass und habe angefangen, gleichzeitig Beats zum Bass dazu zu machen. Dann hat mich das so interessiert und fasziniert, das ich nach allem gesucht habe, was ich irgendwie finden konnte und habe einen -Workshop in Österreich mitgemacht. Gleichzeitig war dort auch ein Swingle-Singers-Workshop. Da habe ich die Swingle Singers kennen gelernt und gemeint, wenn ihr mal einen Bass braucht, meldet euch. Damals studierte ich noch Schulmusik in Trossingen. Sechs Monate später hatte ich – am Tag meiner Zwischenprüfung – das erste Vorsingen in London …“

Seit 2001 ist er jetzt Bass bei dem wohl dienstältesten Vocal-Jazz-Ensemble der Welt. Und inzwischen auch künstlerischer Leiter des Ensembles.

Überhaupt hat er schon viel gemacht – Anthropologie studiert, Geschäftsmann mit eigenem Unternehmen zum Import von Computerteilen gewesen, als Koch gearbeitet – und dann doch der Entschluss: „Ich muss es mit der Musik probieren. Wenn es nicht klappt – okay. Aber bisher läuft es ganz gut. Es kann also gut sein, dass das deutsche Beamtentum mich für immer verloren hat.“

Inzwischen ist er trotzdem eine Art Lehrer geworden. Denn immer öfter lässt er andere, junge Sänger und Ensembles an seinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben – da geht es längst nicht nur um das Beatboxen, sondern auch um klassische Ensembletechniken oder verschiedene Methoden des Obertongesangs. Auch das ist typisch für Tobias Hug: „Ich habe halt schon immer, von Kindesbeinen an, ganz viel mit der Stimme einfach experimentiert und rumgespielt.“ Grenzen gibt es da kaum noch.

„YouTube hat das Beatboxen wirklich revolutioniert: Zum Einen kennt jetzt fast jeder Beatboxen. Dann hat es das Beatboxen auch in den Mainstream geschafft – Björk, Justin Timberlake, DSDS – überall findet man sie jetzt.“ Er selbst hat noch ohne das hilfreiche Internet-Videoportal gelernt – mit einer amerikanischen VHS-Kassette und vielen direkten Kontakten zu Beatboxern. Aber Tobias Hug ist doch immer noch in erster Linie Bass, kein reiner Stimmakrobat: „Das Interessante beim Beatboxen ist dann eigentlich, es nicht nur als so ein Gimmick zu benutzen, als etwas Witziges, als Partytrick, sondern wirklich Musik damit zu machen, das Beatboxen also auch musikalisch weiterzuentwickeln. Oder es vernünftig in ein Ensemble einzubauen. Das sind zwei völlig verschiedene Disziplinen, das Solo-Beatboxing im Hip-Hop-Style mit seinen Battles und Shows und die Vocal Percussion in einem -Ensemble. Und da habe ich einfach viel Erfahrung, wie man Vokal-Schlagzeuger ist in einer Band.“

Schließlich ist er ja inzwischen seit acht Jahren die eine Hälfte des tiefen Viertels der Swingle Singers. Was unterscheidet die Arbeit in einer solchen Gruppe also vom Solisten?

„Die Technik ist schon dieselbe, aber viel stärker zurückgenommen: Man macht einen , vielleicht noch ein paar Variationen, während der Solo-Beatboxer viel stärker mit elektronischen Soundimitationen aus allen Bereichen der Musik arbeiten wird. Vokalschlagzeuger benutzt dann oft wirklich nur die vier, fünf Klänge des Schlagzeugs – mehr nicht.“

Und die sind in ihren Grundzügen schnell gelernt: In mehreren Workshops gaben die Masterclass-Dozenten beim Summit noch einmal eine ganz kurze Einführung in das Beatboxing für alle: Den Aufbau der Grooves aus den einzelnen Instrument des Schlagzeugs, das bewusste Kombinieren von Bass Drum, Snare, Hi-Hat und Toms nicht nur so, dass es groovt, sonder auch so, dass genügend Luft zum Durchhalten bleibt. Und dann muss man nur noch üben – die Grundlagen sind nicht schwer.

Aber natürlich bot auch der Summit mehr als reine Vocal Percussion. Sehr viel mehr sogar. Neben den großen Konzerten mit Top Acts aus der ganzen Welt – den Swingle Singers, The Real Group, Manhattan Transfer – eine Menge (noch) nicht so berühmter Ensembles, Nachwuchsgruppen aus ganz Europa – nicht unbedingt viel schlechter, wenn überhaupt. Für jede Menge Abwechslung im Stil und Repertoire, für Gruppen von solistischen Ensembles bis zur vokalen Big Band war so gesorgt. Eine Menge Anregungen also, diese internationale Leistungsschau des , eine Menge Stoff für die Ohren – danach braucht man erst einmal Pause.

Die gab’s aber nicht. Denn selbst zwischen Nachmittags- und Abendkonzert, zwischen morgendlichem Workshop und mittäglichem Coaching ist da ja auch noch das zentrale Zelt vor der Phönixhalle, wo sich alle Welt wieder trifft, um beim Kaffee weiter zu machen, das Gehörte zu diskutieren und Kontakte zu knüpfen. Und dann waren da ja auch noch die Workshops – eher theoretisches zum Proben, Arrangieren und Dirigieren von -Sätzen mit Stephen Zegree oder Bertrand Gröger (der seine Loop-Songs auch in den abendlichen Konzerten mit dem Publikum zelebrierte) und anderen oder etwa eine Einführung in die Arrangements Gene Puerlings von Jesper Holm. Die Teilnehmer waren dafür teilweise weit angereist – aus ganz Deutschland sowieso, aus den Niederlanden, Belgien, der Schweiz. Und auch aus dem Iran: Das Teheran Vocal Ensemble, gerade in Europa auf verschiedenen Festivals unterwegs, nutzte die Chance, sich in einem der angebotenen Coachings durch die Real Group und die Swingle Singers noch einen Feinschliff beim großen Vorbild aus abzuholen. Mehdi Abtahi war ganz begeistert: „Die haben diese Art der Musik bei uns überhaupt erst bekannt gemacht. Und jetzt konnten wir von ihnen lernen – das war sehr hilfreich und hat uns großen Spaß gemacht.“

Das Niveau war nicht nur in den Konzerten hoch – auch in den Coachings offenbarten so einige Amateurgruppen professionelles Können. Tobias Hug beobachtet das auch von London aus: „Ich sehe, dass sich in den letzten fünf, sechs Jahren hier viel getan hat, dass viele Gruppen nicht nur den Schritt in die Professionalität geschafft haben, sondern richtige Stars sind.“ Und dass die Entwicklung auch in die Breite geht: „Die Leute wollen eben singen – und ist unschlagbar, vor allem im Live-Kontext: Die Stimme ist das Unmittelbarste überhaupt um mit dem Publikum in Kontakt treten. Die Menschen wollen singen, aber nicht mehr im Kirchenchor – da entwickeln sich eben Jazz-, - und Gospelchöre. Vielleicht hängt das auch mit dem Beatboxen zusammen. Aber war schon immer cool. Nur haben’s die Leute noch nicht gewusst. Und jetzt merken sie es.“ Und damit verabschiedet sich Tobias Hug. Er hat noch viel vor – ein weiterer Workshop wartet, dann der Soundcheck und das große der Swingle Singers.

(geschrieben für die Neue Chorzeit)

Geschrieben von matthias

13. November 2009 um 19:25

oh, merry england!

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Der arme Steven Devine. Der Cembalist muss am Schluss einen ziemlich steifen Hals gehabt haben. Denn mehr als in seine Noten blickte er beim in der Augustinerkirche zu seinen Ensemblekollegen von . Und dafür musste er ständig schrägt über seine rechte Schulter schauen. Die Verrenkungen haben sich aber gelohnt. Zumindest für das Publikum, das so Erstklassiges zu hören bekam.

Die permanente visuelle Kommunikation des Quartetts, die nicht nur vom Cembalo ausging, sondern den Gambisten Charles Medlam genauso einbezog wie die beiden Geigerinnen Ingrid Seifert und Hannah Medlam, diese ständige gegenseitige Kontrolle und Vergewisserung der Gemeinsamkeiten führt zu einem starken, wunderbar konzentrierten Klangbild. Die Erfahrung aus über dreißig Jahren gemeinsamen Musizierens hilft da natürlich auch noch. Jedenfalls gab es einiges zu sehen: Nicht nur aufmerksame, hellwache und kommunikative Musiker, deren Blicke sich öfter kreuzten als ihre Melodien, sondern auch ganz viel Bewegung: Da tanzten die Bögen munter über die Saiten und die Finger wirbelten die Griffbretter hoch und runter – Langeweile hatte keine Chance in der Augustinerkirche.

Nur der Bach-Notenband auf dem Pult vor Devine blieb stummes, unbewegliches Requisit – ganz der englischen Musik hatten die Londoner sich gewidmet. Natürlich, würde man sagen, wüsste man nicht, dass die Londoner auch ganz ausgezeichnet deutsche und italienische Barockmusik spielen können. Aber davon gab es dieses Mal nur in der Zugabe eine klitzekleine Kostprobe.

Englische Musik des 17. Jahrhundert also – das ist vieles, was kaum noch jemand wirklich kennt: von Komponisten wie John Jenkins, Christopher Simpson, William Lawes oder Matthew Locke ist heute nicht mehr sehr verbreitet. Zu ihrer Zeit waren das in und um London aber alles ausgewiesene, geschätzte Meister. Die Formen reichen von empfindsamen Tanzsätzen – großartig etwa das Cembalosolo „A sad Pavan for these distracted times“, in der Thomas Tomkins die Wirren nach der Hinrichtung des Königs Charles in eine für das 17. Jahrhundert extrem emotionale Musik fasst – bis zur typischen englischen Gattung der Grounds. Von diesen freien Variationen über ein wiederholtes Bassthema hatte das Ensemble einige dabei, etwa Christopher Simpsons “Ground Divisions“, die dem Gambisten Charles Medlam viel Möglichkeiten gab, nicht nur seine Fingerfertigkeit, sondern auch seinen Einfallsreichtum vorzuführen.

Die abschließende Händel-Sonate – in gilt George Frederic Handel ja genauso selbstverständlich als Engländer wie hier als Deutscher – allerdings war dann nicht mehr ganz so typisch englisch. Aber ist kosmpolitisch genug, auch das zu meistern: Mit ihrer typischen Einfühlungskraft und der wunderbar wachsamen, reaktionsfreudigen Gemeinsamkeit ihres energischen Spiels machten sie sich Händel genauso zu eigen wie den Rest des Programms.

(gechrieben für die mainzer rhein-zeitung)

Geschrieben von matthias

4. August 2009 um 23:41

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haydn, nichts als haydn: die eröffnung des mainzer musiksommers

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Festlicher geht es kaum. Passender aber auch nicht: Denn die feierliche Eröffnung des Mainzer Musiksommers – der dieses Jahr schon seinen zehnten Geburtstag feiern kann – verbindet sich im ersten mit einer intensiven Würdigung eines der diesjährigen Jubilare der Musikgeschichte. Domkapellmeister Mathias Breitschaft dirigierte zum Auftakt der diesjährigen, gemeinsam von SWR und der Stadt Mainz veranstalteten Konzertreihe, nämlich ein reines Haydn-Programm. Und obwohl er in „seinem“ Raum, dem , naturgemäß vorwiegend Kirchenmusik heranzog, ein gleichermaßen repräsentatives und abwechslungsreiches. Denn neben dem Zentrum, der Großen Orgel-Solo-Messe und dem „Te Deum Laudamus“ noch zwei Orgelkonzerte aus dem reichen Fundus, den Haydn auch da hinterlassen hat.

Der Limburger Organist Markus Eichenlaub meisterte dabei auch die virtuosen Passagen fast nonchalant, immer mit coolem understatement und lässiger Eleganz, die ihre Wirkung vor allem aus der leicht dahin fliegend, locker und entspannt wirkenden technischen Präzision schöpfte. Das Kurpfälzische Kammerorchester ließ Breitschaft etwas erdiger und stärker grundiert begleiten. So bot er dem Solisten viel Raum, der sich – aus der Partitur spielend – aber lieber zurückhielt und geschmeidig in den Gesamtklang eingliederte.

Doch im Zentrum des Eröffnungskonzertes stand mit der großen und großartigen Messe eine fröhlich-überschwängliche Vertonung des Ordinariums. Und Breitschaft ließ keinen Zweifel an seiner Bereitschaft, der Messe nicht nur Power ohne Ende mitzugeben, sondern auch stark kontrastierende zarte und innige Momente. Und dann wieder war die Messvertonung spritzig-pulsierend bis zur Grenze des Wahnwitzes. Aber es ging alles gut – der Domkammerchor war bestens präpariert und verwöhnte mit jugendlich-frischem und schlanken Klang. Und die versierten Solisten, neben der gewohnt souveränen Janice Creswell und der klaren Diana Schmid sowie dem zurückhaltenden Bass Clemens Breitschaft vor allem der charismatische und engagierte Tenor Daniel Jenz, ließen auch keine Wünsche offen.

Ähnlich forsch ging der Domkappellmeister auch das C-Dur-Te deum an. Das wurde dann so rasant und energieprotzend, dass es fast einen Tick angeberisch wirkte. Aber nur fast: Denn Breitschaft blieb immer gerade noch so kontrolliert und zielgerichtet, dass das Te deum zu einer unwiderstehlichen Verführung, einer sanften, unmerklichen Überredung hin zu Glauben und Kirche, wurde. Dass so wunderschöne Musik entstand, war fast nur ein Nebenprodukt. Aber wenn das so gut gelingt, dann lässt man ihm die Absicht zur Verführung – die schließlich durchaus im Sinne Haydns ist – gerne durchgehen. Und hofft, dass die restlichen Konzerte des Musiksommers genauso viele Verheißungen preisgeben werden.

(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung.)

Geschrieben von matthias

3. August 2009 um 15:11

jazz im klangraum: jazztage mainz, tag 1

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Beim ersten Mal hätte es noch Glück sein können, beim zweiten Mal kann der Erfolg der Jazztage Mainz kein Zufall mehr sein. Acht Bands in zwei Tagen ist eine Menge Musik, aber im „Klangraum“, wie die Organisatoren sich nennen, ist Platz für vieles. Musikalische Grenzen sind hier längst aufgehoben. So war es auch beileibe kein reines Jazz-, der nahm auch gehörigen Raum ein.
Den Anfang machte das sehr relaxte „Diethelm Duo“. Mit der Besetzung Fender Rhodes und Saxophon spielten sie angenehm entspannte Kompositionen mit unüberhörbaren Wurzeln im West-Coast-Cool-Jazz. Ihre fein gewobenen, durchaus mal psychedelisch angehauchten klar strukturierten Songs gleichen dabei Ausflüge in verträumte Gegenden.
Das Quartett um den Gitarristen Daniel Stelter, dass die Bühne danach eroberte, führte in ganz andere Regionen. Denn sie heizten unbarmherzig ein, als würden sie schon ewig zusammen spielen. Dabei waren die Jazztage ihr erster Live-Auftritt überhaupt, bisher spielten sie nur im Studio zusammen. Unerbittlich groovten sie mit allen Mitteln und entpuppten sich dabei als echte Klang-Extremisten. Vom ersten Ton jedes neuen Stückes an verfolgten sie die Eskalation ihres knackigen Sounds mit enormer Konsequenz. Die Rasanz, mit der diese Mischung aus Jazz, und hartem Rock von einem Extrem ins andere kippt, war beeindruckend. Genauso wie die Sicherheit, mit der die vier jungen Musiker das mit vollem Körpereinsatz vom wippenden Fuß bis zur exaltierten Mimik umsetzten.
FrauContraBass verhieß dann erst einmal wieder kammermusikalische Entspannung. Aber von wegen: Auch das Duo von Sängerin Katharina Debus und Bassist Hanns Höhn ließ kaum Luft zum Ausruhen. Dafür hatten ja auch die reichlich dimensionierten Umbaupausen genügend Gelegenheit gegeben. Auf die Idee muss man freilich erst einmal kommen, mit Bass und Gesang ausgesuchte Perlen der Popgeschichte neu zu interpretieren. Stevie Wonder hat diese artistische Duo genauso auf dem Programm wie Michael Jackson oder Britney Spears. Und weil Debus eine sehr wandlungsfähige Sängerin auch ohne Text ist und Höhn seinen Kontrabass auch mal zum Schlagzeug verwandelt, funktionierte das wunderbar.
Funktionieren trifft auch die Vorgehensweise von „Trance “ sehr genau. Die sieben Musiker um den Schlagzeuger Stefan Krachten grooven mit schamlosem Ekkletizismus und gnadenloser guten Laune seit über fünfzehn Jahren durch Jazz, Rock und Funk. Und sie klingen immer noch frisch und unverbraucht, voller Ideen und vor allem Spontaneität und echter Kraft – auch in der Showbühne Mainz. Ein wirklich mitreißender und fetziger Abschluss des Abends – für die Jazztage Mainz allerdings gerade einmal die Halbzeit, denn auch der Samstag war ja wieder voller Musik.

(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung)

Geschrieben von matthias

28. Januar 2009 um 13:26

Abgelegt in kritik,musik

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