»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: buch (Seite 1 von 3)

Bücherleben

– –Dann müßtn Sie auch noch auf die-Bücher aufpassen. – Erwiderte ich im selben Ton. –Denn Bücher leben. Und was lebt, das will – sich behaupten.Reinhard Jirgl, Oben das Feuer, unten der Berg, 232

Aus-Lese #42

Viel zu lange gewartet mit der nächsten Aus-Lese, deswegen ist das jetzt eine Auslese der Aus-Lese …

Friedrich Forssman: Wie ich Bücher gestalte. Göttingen: Wallstein 2015 (Ästhetik des Buches, 6). 79 Seiten.

forssman, wie ich bücher gestalte„Ein Buch ist schön, wenn die Gestaltung zum Inhalt paßt.“ (71) – in diesem kleinen, harmlosen Satz steckt eigentlich schon das gesamte gestalterische Credo Forssmans (dessen Name ich immer erst beim zweiten Versuch richtig schreibe …) drin. Forssman, als Gestalter und Setzer der Spätwerke Arno Schmidts schon fast eine Legende, inzwischen auch durch die Neugestaltung der Reclamschen „Universal Bibliothek“ in fast allen Händen, will in diesem kleinen Büchlein – 79 Seiten sind nicht viel, wenn es um Buchgestaltung, Typographie, Herstellung und all das drumherum gehen soll – zeigen, wie er selbst Bücher gestaltet, das heißt, nach welchen Kriterien er arbeitet. Ein Werkstattbericht soll das sein – und das ist es auch, nicht nur, weil es so aussieht.

Locker plaudert er, könnte man sagen, über die Arbeit an der Herstellung eines Buches. Das betrifft letztlich all die Aspekte, die über den „reinen“ Text als Inhalt hinausgehen: Typographie, Satz, Format, Herstellung, Umschlag und vieles mehr. Forssman plaudert, sage ich, weil er sich dezidiert als Theorie-Verächter darstellt. Letztlich sind das alles Regel- und Geschmackfragen: Ein Buch ist schön, wenn es gut ist – und es ist gut, wenn es schön ist. Viel mehr steckt da eigentlich nicht dahinter. Forssman sieht Buchgestaltung ausdrücklich als Kunsthandwerk, das bestimmten Regeln gehorcht. Die – und den guten Geschmack bei der Beurteilung ihrer Anwendung – lernt man, indem man andere Bücher der Vergangenheit (und Gegenwart) anschaut und studiert. Freiheit und Tradition bzw. Regel sind die Pole, zwischen denen jeder Kunsthandwerker sich immer wieder verortet. Beim Lesen klingt das oft traditioneller und langweiliger, als Forsmanns Bücher dann sind. Das liegt wahrscheinlich nicht zuletzt daran, dass er sehr stark auf eine ausgefeilte und konsequente Durchgestaltung des gesamten Buches Wert legt – vom Bindungsleim bis zur korrekten Form der An- und Abführungsstriche hat er alles im Blick. Und, darauf weist er auch immer wieder hin, Regelhaftigkeit und Tradition heißt ja nicht, dass alles vorgegeben ist: Es gibt Freiheitsgrade, die zu nutzen im Sinne einer Interpretation des vorliegenden Textes die Aufgabe des Buchgestalters ist. Und dabei gilt dann doch wieder:

Die Beweislast liegt immer beim Veränderer, in der Typographie erst recht. (42)

Ilija Trojanow: Macht und Widerstand. Frankfurt am Main: Fischer. 479 Seiten.

ilija trojanow, macht und widerstandEin ganz schöner Brocken, und ein ganz schön heftiger dazu. Nicht wegen der literarirschen Form, sondern wegen des Inhalts – der ist nicht immer leicht verdaulich. Es geht um Bulgarien unter sozialistischer/kommunistischer Herrschaft, genauer gesagt, um die „Arbeit“ und die Verbrechen der Staatssicherheit. Das erzählt Trojanow auf der Grundlage von Archivakten, die zum Teil auch ihren Weg ins Buch gefunden haben (seltsamerweise werden sie – und nur sie – in kleinschreibung angekündigt …). Trojanow konstruiert eine Geschichte aus zwei Polen – Macht und Widerstand natürlich – die sich in zwei Männern niederschlagen und recht eigentlich, das wird ganz schnell klar, personifizieren. Die sind dadurch für meinen Geschmack manchmal etwas eindimensional geworden: Der eine ist eben die mehr oder weniger reine Verkörperung des Prinzipes Widerstand, der anderen der Macht (bzw. des prinzipienlosen Opportunismus). In abwechselnden Kapiteln wechselt auch immer die Perspektive entsprechend. Geschickt gelingt Trojanow dabei ein harmonischer Aufbau, der Informationen sehr harmonisch und allmählich weitergibt. Seinen hauptsächlichen Reiz zieht Macht und Widerstand vielleicht aber doch daraus, dass es sozusagen Literatur mit Wahrheitsanspruch ist, den Fiktionalitätspakt also aufkündigt (und daran im Text durch die eingestreuten Aktenübersetzungen, die sonst für den literarischen Text wenig tun, immer wieder erinnert). Das macht die Bewertung aber zugleich etwas schwierig: Als rein literarischer Text überzeugt es mich nicht, in seiner Doppelfunktion als Literatur und historisch-politische Aufklärung ist es dagegen großartig.

John Hirst: Die kürzeste Geschichte Europas. Hamburg: Atlantik 2015. 206 Seiten.

hirst, europaEine interessante Lektüre bietet diese Geschichte Europas, sie ist durchaus erfrischend, die extreme Verknappung. Aber halt auch immer wieder problematisch – vieles fehlt, vieles ist ungenau bis fehlerhaft. Aber um Vollständigkeit (der behandelten Themen oder der Darstellung) kann es in einer „kürzesten Geschichte“ natürlich überhaupt nicht gehen.

Hirst geht es im ersten Teil – „Die kürzeste Version der Geschichte“ überschrieben – vor allem um die Formierung Europas: Wie wurde Europa das, was es heute ist (oder vor wenigen Jahren war)? Er stützt sich dabei vor allem auf drei Phänomene und siedelt das maßgeblich im Übergang von Antike zu Mittelalter an: Europa ist die Verbindung von der „Kultur des antiken Griechenlands und Roms“, dem Christentum und der „Kultur der germanischen Krieger“. Immer wieder betont er, dass Europa als Idee und Gestalt eben maßgeblich eine Mischung sei. Und die versteht man nur, wenn man ihre Genese im Blick hat (das alles gilt übrigens für ihn bis in die Jetztzeit – ich bin mir nicht sicher, ob er dabei nicht doch die Macht & Notwendigkeit der Geschichte überschätzt …): Nur mit Kenntnis dieser Wurzeln versteht man also die Gegenwart. Er fasst seine Überlegungen zum Zusammenwirken seiner Grundfaktoren immer wieder in schönen Diagrammen zusammen, die dann zum Beispiel so aussehen:

Die ersten Teile – wo es um die eigentliche Geschichte und Formierung Europas als Europa geht – sind dabei gar nicht so schlecht: Natürlich ist das alles sehr verkürzt, aber übrigens auch gut lesbar. Danach, wo es unter Überschriften wie „Einfälle und Eroberungen“, „Staatsformen“, „Kaiser und Päpste“ um Linien und Tendenzen der europäischen Geschichte in Mittelalter und Neuzeit geht, wird es für meinen Geschmack aber zu episodisch und auch historisch oft zu ungenau. In der Konzeption fehlt mir zu viel Kultur und Kulturgeschichte: Hirst geht weitestgehend von klassischer politischer Geschichte aus, ergänzt das noch um etwas Philosophie und ein bisschen Religion. Und: Hirst denkt für meinen Geschmack auch zu sehr in modernen Begriffen, was manchmal zu schiefen Bewertungen führt (übrigens auch anderen bei Historikern (immer noch) ein beliebter Fehler …)

Manche Wertung und Einschätzung stößt bei mir auf größeren Widerstand. Manchmal aber auch einfaches handwerkliches Pfuschen, wenn Hirst etwa Davids Zeichnung „Schwur im Ballhaus“ unhinterfragt als getreues Abbild einer wirklichen Handlung am Beginn der Französischen Revolution liest und interpretiert (dass er den Leser sonst mit Quellen nicht weiter behelligt, ist natürlich dem Format geschuldet). Seltsam fand ich auch sein Bild der mittelalterlichen Kirche vor Gregor VII und ihr Verhältnis zur Politik: „Örtliche Machthaber und die Monarchen Europas hatten sie [die Kirche] untergraben, schlechtgemacht und ausgeplündert.“ (149) – eindeutiger kann man kaum Position beziehen …

Damit ist Hirst insgesamt also sicher nicht die letzte Autorität zur Geschichte Europas, nichtsdestotrotz aber durchaus eine stimulierende Lektüre. So weit wie Gustav Seibt, der das in der SZ ein „Meisterwerk der Vereinfachung“ nannte, würde ich allerdings nicht gehen.

Roland Barthes: Der Eiffelturm. Berlin: Suhrkamp 2015. 80 Seiten.

barthes, eiffelturmZum 100. Geburtstag des großen Roland Barthes hat Suhrkamp seinen kleinen Text über den Pariser Eiffelturm in einem schön gemachten Büchlein mit ergänzenden Fotos veröffentlicht (das bei mir allerdings schon beim ersten Lesen zerfiel …). Barthes untersucht nicht nur, was der Eiffelturm eigentlich ist – nämlich ein (annähernd) leeres Zeichen -, sondern vor allem, was er bedeutet und was er mit Paris und dem Beobachter oder besser Betrachter macht. So konstatiert er unter anderem, dass der Eiffelturm einen neuen Blick (aus der Höhe eben) auf die Stadt als neue Natur, als menschlichen Raum ermöglicht und eröffnet. Und damit ist der Eiffelturm für Barthes die Materialisation dessen, was die Literatur im 19. Jahrhundert schon längst geleistet hatte, nämlich die Ermöglichung, die Struktur der Dinge (als „konkrete Abstraktion“) zu sehen und zu entziffern. Der besondere Kniff des Eiffelturms besteht und darin, dass er – im Unterschied zu anderen Türmen und Monumenten – kein Innen hat: „Den Eiffelturm besichtigen heißt sich zu seinem Parasiten, nicht aber zu seinem Erforscher machen.“ (37), man gleitet immer nur auf seiner Oberfläche.

Damit und durch die Etablierung eines neuen Materials – dem Eisen statt dem Stein – verkörpert der Eiffelturm einen neuen Wert – den der funktionellen Schönheit. Gerade durch seine Nutzlosigkeit (die ihn vor seiner Erbauung so suspekt machte) befähigt ihn besonders – weil keine tatsächliche Nutzung sich mit einmengt -, zum Symbol der Stadt Paris zu werden: „Der Eiffelturm ist durch Metonymie Paris geworden.“ (51) – und mehr noch, er ist „die ungehemmte Metapher“ überhaupt: „Blick, Objekt, Symbol, der Eiffelturm ist alles, was der Mensch in ihn hineinlegt.“ (63). Genau das ist es natürlich, was ihn für den strukturalistischen Semiotiker Barthes so interessant und anziehend macht. Und diese Faszination des Autors merkt man dem Text immer wieder an.

Michael Fehr: Simeliberg. 3. Auflage. Luzern: Der gesunde Menschenversand 2015. 139 Seiten.

Grau
nass
trüb
ein Schweizer Wetter
ziemlich ab vom Schuss (5)

fehr, simeliberg– so fängt das „Satzgewitter“ von Michael Fehrs Simeliberg an. Die Methode bleibt über die fast 140 Seiten gleich: Die Sätze der harten, schweizerisch gefärbten Prosa werden durch ihre Anordnung der Lyrik angenähert (das typographische Dispositiv ist sogar ganz unverfälscht das der Lyrik), statt Satzzeichen benutzt Fehr Zeilenumbrüche. Diese zeilenweise Isolierung von Satzteilen und Teilsätzen verleiht dem Text nicht nur eine eigenartige Gestalt, sondern auch ein ganz eigenes Leseerlebnis: Das ist im Kern „echte“ Prosa, die durch ihre Anordnung aber leicht wird, den Boden unter den Füßen verliert, ihre Festigkeit und Sicherheit (auch im Bedeuten und Meinen) aufgegeben hat: Sicher im Sinne von unverrückt und wahr ist hier kaum etwas, die Form lässt alles offen. Dabei ist die erzählte Geschichte in ihrem Krimicharakter (der freilich keine „Auflösung“ erfährt) beinahe harmlos: Ein abgelegener Hof, seltsame Todesfälle, eine gigantische Explosion, eine Untersuchung, die Konfrontation von Dorf und Stadt, von Einheimischen und Zugezogenen. Genau wie die Geschichte bleibt alles im Ungefähren, im Düsteren und Schlammigen – die Figuren sind Schattenrisse, ihre Motivation wie ihre Sprache bruchstückhaft. Und genau wie die Menschen (fast) alle seltsame Sonderlinge sind, ist auch der Text sonderbar – aber eben sonderbar faszinierend, vielleicht gerade durch seine Härte und die abgründige Dunkelheit, die er ausstrahlt. Und die Fehr weder mildern will noch kann durch eine „angenehmere“, das heißt den Lesererwartungen mehr entsprechende, Erzählweise.

Hans-Jost Frey: Henrici. Solothurn: Urs Engeler 2014. 84 Seiten.

frey, henriciAuch wieder ein nettes, sympathisches Büchlein: In über 60 kurzen Geschichten, Anekdoten, Skizzen hinterfragt Henrici (den man sich wohl als alter ego des Literaturwissenschaftlers Frey vorstellen darf) den Alltag der Gegenwart, unser Tun und unser Sprechen. Das ist einfach schön verspielt, verliebt ins Spielen, genauer gesagt, ins Wortspiel: Durch das spielerische Arbeiten mit gedankenlos geäußerten Worten und Sätzen, mit Gemeinplätzen, hinsichtlich ihres Klanges und ihrer Semantik bringt Frey immer wieder die Bedeutungen zum Tanzen. Das sind oft oder sogar überwiegend gar keine weltverändernden Beobachtungen, die diese Miniaturen erzählen. Aber sie haben die Kraft, das Alltägliche, das Normale, das man immer wieder als Gegeben unhinterfragt einfach so hinnimmt und weiterführt, für die Beobachtung und Inspektion zu öffnen: Denn im spielerischen Verdrehen der Worte zeigt Frey immer wieder, was die eigentlich leisten (können), wenn man sie nicht bloß unbedacht äußert, sondern auch in banalen Situationen auf ihre Möglichkeiten und Bedeutungen abklopft – da kommt Erstaunliches, oft ausgesprochen Komisches dabei heraus. Eine sehr sympathische (und leicht zugängliche) Art des (Sprach)Philosophierens …

Titus Meyer: Meiner Buchstabeneuter Milchwuchtordnung. Leipzig: Reinecke & Voß 2015. 84 Seiten.

Zu diesem ganz wunderbaren Büchlein mit dem zauberhaften Titel Meiner Buchstabeneuter Milchwuchtordnung von Titus Meyer, das voller faszinierend artistischer Sprachkunstwerke steckt, habe ich schon vor einiger Zeit ein paar Sätze verloren: klick.

Wolfgang Herrndorf: Bilder deiner großen Liebe. Ein unvollendeter Roman. Herausgegeben von Kathrin Passig und Marcus Gärtner. RM Buch und Medien 2015. 141 Seiten.

herrndorf, bilder deiner großen liebeBilder deiner großen Liebe ist ein unveröffentlichtes und auch unfertiges Manuskript aus dem Nachlass Wolfgang Herrndorfs, das Kathrin Passig und Marcus Gärtner (die mit Herrndorf eng bekannt/befreundet waren) zur Veröffentlichung „arrangiert“ haben. Denn das vorhandene Textmaterial setzt an verschiedenen Stellen des geplanten Romans an und ist auch unterschiedlich stark ausgearbeitet. Das merkt man auch beim Lesen – einiges passt (etwa chronologisch und topographisch) nicht zusammen, an einigen Stellen brechen Episoden mit Stichworten oder Halbsätzen ab. Trotzdem liest man eben Herrndorf: Wieder eine Art Road-Novel, diesmal von der „verrückten“ Isa auf ihrem Weg durch das Land berichtend, wobei sie einige spannende Begegnungen erlebt. Ein sehr bunter, etwas chaotischer und deutlich unfertiger Text – ich bin mir nicht sicher, ob Herrndorf damit ein Gefallen getan wurde, das noch zu veröffentlichen. Sicher, das ist nett zu lesen. Aber in dieser Form ist es eben überhaupt nicht auf der Ebene, auf der Herrndorfs andere Texte angesiedelt sind. Für Herrndorf-Fans sicher ein Muss, die anderen können das ohne großen Verlust auslassen.

Verrückt sein heißt ja auch nur, dass man verrückt ist, und nicht bescheuert. (7)

außerdem noch gelesen:

  • Iris Hanika: Wie der Müll geordnet wird. Graz, Wien: Droschl 2015. 298 Seiten.
  • Ulrike Almut Sandig: Grimm. Gedichte. Nach den Kinder- und Hausmärchen von Jacob und Wilhelm Grimm, hg. von Brigitte Labs-Ehlert. Detmold: Wege durch das Land 2015 (Wege durch das Land 23). 32 Seiten.
  • Urs Faes: Und Ruth. Frankfurt am Main, Wien, Zürich: Büchergilde Gutenberg 2001 [Suhrkamp 2001]. 181 Seiten.
  • Monique Schwitter: Eins im Andern. 5. Auflage. Graz: Droschl 2015. 232 Seiten.
  • Thomas Melle: Raumforderung. Erzählungen. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007. 200 Seiten.
  • Manfred Mittermayer: Thomas Bernhard. Eine Biografie. Wien: Residenz Verlag 2015. 452 Seiten.
  • Peter Stamm: Nacht ist der Tag. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2014. 253 Seiten.
  • Sigmar Schollak: Narrenreise. Halle: Mitteldeutscher Verlag 2015. 159 Seiten.
  • Sabine Scholl: Wir sind die Früchte des Zorns. Zürich: Secession Verlag für Literatur 2013. 288 Seiten.
  • Anke Stelling: Bodentiefe Fenster. 4. Auflage. Berlin: Verbrecher 2015. 249 Seiten.
  • Gunnar Gunnarsson: Advent im Hochgebirge. Erzählung. Stuttgart: Reclam 2006. 103 Seiten.
  • Hans Joachim Schädlich: Versuchte Nähe. Prosa. Reinbek: Rowohl 1992.

Ins Netz gegangen (4.6.)

Ins Netz gegangen am 4.6.:

  • The Danish Cycling Experience – The European – es ist ganz einfach:
    If you want to have bicycles cycling your city, you have to build your city for bicycles to cycle.

    oder:

    The main reason why the bike has become such a popular choice: It’s the easiest way! It’s healthy, cheap, sustainable, and nowadays the two-wheeler is even pretty trendy in major cities around the world. But at the end of the day, simplicity is the one thing that really counts for commuters.

  • Des Kaiser’s neue Karte: Disruption mit Datenschutz? — Das gute digitale Leben — Medium – lea gimpel über eine neue kundenkarte, die zwar auf persönliche daten verzichten, dabei aber – und das ist mindestens genauso schlimm – weiter dazu beiträgt, die solidarische gesellschaft aufzulösen:
    Die absolute Preisdiskriminierung ist der feuchte Traum jedes Wirtschaftswissenschaftlers. Und wird sich bald auf alle Lebensbereiche erstrecken: Vom Supermarkteinkauf über das Ticket für den öffenlichen Nahverkehr bis zur Strom- und Wasserversorgung. Doch was passiert mit denen, die dabei nicht mitmachen wollen? Nach welchen Kritieren werden Preise gemacht, wer bestimmt sie? Und welche gesellschaftlichen Auswirkungen hat die komplette Umstellung des Preismodells, das unserem Wirtschaftssystem zugrunde liegt?

  • The 20 Most Bike-Friendly Cities on the Planet | WIRED – With each edition, the Copenhagen­ize Design Company’s Index of the most bike-friendly cities in the world evolves. In 2011 we ranked 80 global cities; in 2013 we ranked 150.

    This year, we considered cities with a regional population over 600,000 (with a few exceptions because of their political and regional importance, and to keep things interesting). We ranked 122 cities. The top 20 are presented here.

  • Vom Pergament ins Internet – das jgu-magazin berichtet über das dfg-projekt der digitalen veröffentlichung der augsburger baumeisterbücher
    Die Augsburger Baumeisterbücher sind ein außergewöhnliche Quelle. "Es gibt fast aus jeder größeren Stadt und selbst aus kleineren Orten in Deutschland Kontobücher oder Rechnungsbücher", erklärt Rogge. "Sie sind nur unterschiedlich gut überliefert. Manche fangen erst um das Jahr 1500 an. Die Augsburger Baumeisterbücher beginnen 1320. Das ist sehr früh. Außerdem sind sie bis zum Jahr 1800 fast komplett erhalten. Bei vielen anderen Städten klaffen große Lücken." Und bei Augsburg handelt es sich um einen bedeutenden Ort, eine Reichsstadt, eine weitgehend autonome Kommune, die nur dem Kaiser unterstand. "Sie war unter anderem stark in den internationalen Handel eingebunden."

  • Thema: 70 Jahre Aufbau-Verlag: Bau Aufbau auf | ZEIT ONLINE – burkhard müller porträt den (heutigen) aufbau-verlag inkl. seiner geschichte und seinen besitzer, matthias koch
  • Gleiche Rechte als Sonderrechte? – sehr gute ausführungen von anna katharina marigold zur gleichstellung vor dem recht in deutschland …
  • Hatten im Mittelalter alle Menschen schlechte Zähne? | blog.HistoFakt.de – das histofakt-blog über die zähne des mittelalterlichen menschens – die wahrscheinlich (so weit wir das wissen) gar nicht so schlecht waren …
    wer etwas auf sich hielt, wird ohne Zweifel von den zahlreichen Möglichkeiten zur Zahnpflege Gebrauch gemacht und auf frischen Atem geachtet haben. Da die typische Ernährung die Zahngesundheit zudem weit weniger gefährdete, als dies heutzutage der Fall ist, dürften also die meisten Menschen im Mittelalter entgegen populärer Vor- und Darstellungen tatsächlich nicht über schlechte, sondern im Gegenteil über starke, gesunde und weiße Zähne verfügt haben.
    Nicht Verfall war im Mittelalter die größte Gefahr für Zähne und Zahnfleisch, sondern Verschleiß.

Ins Netz gegangen (19.3.)

Ins Netz gegangen am 19.3.:

  • Die zwölf Arbeiten des Verlegers | Edit – jan wenzel charakerisiert die tätigkeit des verlegens in 12 arbeiten und beginnt mit dem "einkreisen der gegenwart", bevor er sich eher prosaischen arbeiten widmet
    Die Arbeit des Verlegers ist vor allem eine Suche. […] Der Wunsch, die flüchtige Gegenwart lesbar zu machen, ist sein Antrieb. Die Spur seiner Suchbewegung sind die Bücher, die entstehen. Jetzt und jetzt und jetzt.

  • Vorschläge für eine bessere Opernwelt. | Bad Blog Of Musick – moritz eggert macht – ziemlich einfache – vorschläge, wie die opernwelt deutschlands besser (und vor allem: aktueller) werden könnte: einfach mehr neue opern spielen – und zwar nicht nur uraufführungen, sondern auch nach-inszenierungen …
    Gäbe es aber viel Neues, Verrücktes und Experimentelles in den Opernhäusern zu sehen, so würde man sich auch gerne mal eine Mozartoper anschauen, die ohne sinnlosen Schnickschnack auskommt und in der sich niemand anpissen muss. Das wäre dann auch nicht spießig, sondern lebendige Tradition in Kommunikation mit dem Neuen. Wenn ich mir die “Mona Lisa” anschaue, so ist es halt die “Mona Lisa”, und das ist auch in Ordnung so. Ein Dokument einer bestimmten Zeit, einer bestimmten Sicht auf die Dinge. Ich muss das nicht zerstören, sondern kann es auch so mal stehen lassen.
    Es wäre alles so einfach.
    Wenn sich nur jemand mal endlich trauen würde, etwas dauerhaft zu ändern.

  • Heidegger-Lehrstuhl-Streit: Rektor versteht nicht – jürgen kaube über die "aufregung" um die umwidmung eines lehrstuhls zur junior-professur an der uni freiburg:
    Doch der Rektor der Universität Freiburg versteht die ganze Aufregung nicht. Wir glauben ihm. Er versteht es einfach nicht, aber genau das ist ja das Problem. An deutschen Universitäten, die dauernd Exzellenz beschwören und nach Stanford schauen, gibt es zu viel Spitzenpersonal, das einfach nicht versteht, wenn sich andere über die Phrasen aufregen, mit denen es seine merkwürdigen Entscheidungen dekoriert.

  • BND-Überwachung: Warum schickt der BND der Bundeswehr abgehörte Daten? | ZEIT ONLINE – es hört nicht auf mit den spionageskandalen – der bnd scheint wirklich keinerlei respekt für irgendwelche deutschen gesetze und grenzen zu haben:
    Warum gibt der BND der Bundeswehr abgehörte Daten? Und lässt von ihr Spionagemeldungen übersetzen? Es ist illegal

  • Vorratsdatenspeicherung : Ein Schritt zur totalen Überwachung | ZEIT ONLINE – kai biermann erinnert (mal wieder, leider aber eben auch mal wieder notwendigerweise) daran, warum eine lückenlose überwachung der gesamten bevölkerung mit der vorradtsdatenspeicherung keine so gute idee ist:
    Darum aber, die Arbeit der Polizei bequemer zu machen, darf es nicht gehen. Sicherheit ist nicht das oberste Ziel eines Staates, auch wenn Innenminister das gerne behaupten. Wäre es das, würde dieser Staat bald all seine Bürger vollständig überwachen. Genau um das zu verhindern, gibt es das Grundgesetz, es ist eine Sammlung von Abwehrrechten, mit denen sich die Bürger den Staat vom Leib halten sollen. Und dort steht, die Würde der Menschen zu schützen und zu erhalten, sei die erste Regel.
    […] Kein Anschlag der vergangenen Jahre war im Nachhinein eine Überraschung, alle Täter waren bereits zuvor aufgefallen. Für diese Erkenntnisse brauchte es keine gesetzliche Vorratsdatenspeicherung.

  • Peter Engstler: Die Freiheit, langsam zu sein | Frankfurter Rundschau – sabine vogler hat den wunderbaren peter engstler und seinen verlag besucht und ein schönes porträt eines idealisten geschrieben:
    Als Engstler 1986 mit dem Bücherverlegen begann, hatte er keinerlei Finanzkapital im Hintergrund. Das ist bis heute so. Sein Einmannbetrieb rechnet sich marktwirtschaftlich nicht. Engstlers Bücher, nunmehr knapp 200 und fast alle noch lieferbar, sind Nischenprodukte: Lyrik, experimentelle Prosa.
    […] Engstler ist ein Beispiel dafür, dass doch ein richtiges Leben im falschen möglich ist. Ein glücklicher Rebell, dem nichts mangelt. […] Was immer da abläuft, es ist unbezahlbar.
  • ICE-Anbindung Darmstadts: Knifflige Überlegungen – neue Eisenbahnstrecken zu planen kann ganz schön kompliziert sein. Hier: ICE in Darmstadt – hält er oder nicht?

Ins Netz gegangen (10.3.)

Ins Netz gegangen am 10.3.:

Ins Netz gegangen (5.1.)

Ins Netz gegangen am 5.1.:

  • Kolumne Besser: Wie der Herr, so’s Gescherr – taz.de – das gibt's auch nicht jeden tag: dass ich deniz yücel zustimme und seinen text auch noch gut finde. dank "pegida"-blödsinn ist's möglich (und nötig!) – also lesen!:
    Pegida findet die „Lügenpresse“ doof, die „Lügenpresse“ findet Pegida doof. Aber es gibt Ausnahmen: Stephan, Weimer, Matussek, Broder, di Lorenzo.

  • 32. Lepanto oder Der fortgesetzte Missbrauch der Vergangenheit | Geschichte wird gemacht – achim landwehr beschäftigt sich (notgedrungen …) mit dem umstand, dass der afd-politiker einfach mal ohne anlass in der fas ohne besondere historische kenntnis über die schlacht von lepanto schreibt.
    Was lernen wir aus diesem ansonsten gänzlich zu vernachlässigenden Beitrag?

    Missbrauche nicht die Vergangenheit in vereinfachender und verfälschender Form für billige politische Anliegen der Gegenwart.
    Wenn du schon von dieser Vergangenheit erzählst, dann tue es in möglicher komplexer, möglichst zahlreiche Aspekte berücksichtigender Form.
    Wenn du schon einen Artikel schreibst, in dem billige Ressentiments gegen Andere bedient werden, dann schreibe wenigstens einen guten Artikel. Üble Beiträge mit üblen Inhalten sind eine doppelte Beleidigung.
    Wenn du etwas aus Lepanto lernen willst, dann lerne dies: Es ist wirklich für alle Beteiligten besser, auf gegenseitige Anerkennung und Zusammenarbeit zu setzen als auf gegenseitiges Abschlachten.

    Muss man so etwas wirklich noch hinschreiben?

  • Kraut von Rüben sortiert – Krautreporter durchgezählt | Verwickeltes – marc mit einigen interessanten beobachtungen und bemerkungen zu den "krautreportern". einiges deckt sich mit meiner eigenen erfahrung – etwa das genervtsein von den tilo-jung-plauderstündchen. jedenfalls haben es die "krautreportern", denen ich ja gerne geld bezahlt habe (und so arg viel war es ja auch gar nicht) noch nicht geschafft, zu einem wichtigen teil meines medienkonsums zu werden – ich vergesse immer mal wieder, das zu checken …
  • Höhlen: Geh zum Teufel! | ZEIT ONLINE – "Die Welt brauchte viel weniger Psychopharmaka, wenn die Leute öfter in Höhlen gehen würden." >
  • Das Auge liest mit – Nur wenige Literaten nutzen die Oberfläche ihrer Texte als eigenständige Ausdrucksform oder machen sich die Mühe, die materielle Grundlage ihrer Texte – die Schrift – zu reflektieren. – feature von jochen meißner, ca. 54 minuten
  • France’s rock star economist Thomas Piketty turns down Legion of Honour | World news | The Guardian – piketty scheint ein mann mit charakter zu sein:
    French economist Thomas Piketty has spurned the Legion of Honour, the country’s highest distinction, on the grounds that the government should not decide who is honourable.

Ins Netz gegangen (9.12.)

Ins Netz gegangen am 9.12.:

  • 30. Neohistofloxikon oder Neue Floskeln braucht das Land | Geschichte wird gemacht – achim landwehr wird grundsätzlich:
    Es ist eigentlich immer an der Zeit, das eigene Denken über Vergangenheit und Geschichte mal etwas durchzuschütteln und auf den grundsätzlichen Prüfstand zu stellen.

  • Who is afraid of jazz? | JazzZeitung – "Wer hätte gedacht, dass ich sogar Bruckner einmal spannender und frenetischer finden würde als neuen Jazz!"
  • Essay: Schläfrig geworden – DIE WELT – er osteuropa-historiker karl schlögel widerspricht in der "welt" den verfassern & unterzeichnern des aufrufes "wieder krieg in europa?" – meines erachtens mit wichtigen argumenten:
    Denn in dem Aufruf ist neben vielen Allgemeinplätzen, die die Eigenschaft haben, wahr zu sein, von erstaunlichen Dingen die Rede. So lautet der erste Satz: "Niemand will Krieg" – so als gäbe es noch gar keinen Krieg. Den gibt es aber. Russische Truppen haben die Krim besetzt
    […] Abermals ist vom "Nachbarn Russland" die Rede: Wie muss die Karte Europas im Kopf derer aussehen, die so etwas von sich geben oder mit ihrer Unterschrift in Kauf nehmen! Peinlich – und wahrscheinlich in der Eile von den viel beschäftigten, ernsthaften Unterzeichnern nicht zur Kenntnis genommen – die Behauptung, Russland sei seit dem Wiener Kongress Mitgestalter der europäischen Staatenwelt. Das geht viel weiter zurück, wie auch Laien wissen, die schon von Peter dem Großen gehört haben. Und ausgerechnet die Heilige Allianz zu zitieren, mit der die Teilung Polens zementiert, die polnischen Aufstände niedergeworfen und die 1848er-Revolution bekämpft worden ist – das passt nicht gut zur Ernsthaftigkeit eines um den Dialog bemühten Unternehmens. Vom Molotow-Ribbentrop-Pakt – eine zentrale Erfahrung aller Völker "dazwischen" und im 75. Jahr der Wiederkehr des Vertrages, der den Zweiten Weltkrieg möglich gemacht hat – ist im Text gar nicht die Rede, einfach zur Seite geschoben, "verdrängt".

  • Was bewegt Yvan Sagnet?: Hoffnung der Sklaven | ZEIT ONLINE
    Arbeiter aus dem Sudan, aus Burkina Faso, aus Mali, aus fast jedem Land Afrikas. In dreckigen Mänteln suchen sie vor den Müllhaufen nach Verwertbarem. Es ist, als würde man durch einen düsteren, apokalyptischen Roman von Cormac McCarthy fahren. An den Feldwegen, die von den Landstraßen abgehen, stehen Prostituierte. Rumäninnen und Bulgarinnen. So sieht es aus, das Herz der italienischen Tomatenproduktion.

    – fritz schaap in der zeit über den versuch des gewerkschafters yvan sagnet, die miserablen bedingungen der arbeiter in italien, v.a. der erntehelfer, zu verbessern. der sagt u.a.

    "Der Käufer muss wissen: Wenn er in den Supermarkt geht und ein Kilogramm italienische Tomaten für achtzig Cent kauft, dann wurden diese Tomaten von miserabel entlohnten Arbeitern geerntet, die man ohne Weiteres als moderne Sklaven bezeichnen kann."

  • Eine wichtige Information der Vereinigten Geheimdienste – YouTube – Better no Letter: Eine wichtige Information der Vereinigten Geheimdienste (siehe auch: The U.S.S.A. says: BETTER NO LETTER!)
  • Union kritisiert Ramelow-Wahl in Thüringen: Verlogene Heulsusen | tagesschau.de – wow, bei der ARD & der Tagesschau ist jemand genauso angewidert vom Verhalten der CDU in Thüringen wie ich
  • Forschung: So will doch keiner arbeiten! | ZEIT ONLINE – Forschung: So will doch keiner an Unis arbeiten! – Dieses Mal mit einer Historikerin
  • Zerschlagen, aber im Sammlungskontext erschließbar: In der Bayerischen Staatsbibliothek wurde über den Ankauf des Schott-Archivs informiert | nmz – neue musikzeitung – Zerschlagen, aber im Sammlungskontext erschließbar: Die Bestände des Archivs des Schott-Verlages teilen sich künftig auf die Staatsbibliotheken München und Berlin sowie sechs Forschungseinrichtungen auf. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
  • So entstand der Mythos der „Trümmerfrauen“ – Politik – Süddeutsche.de – die sz lässt sich von der historikerin leonie treber noch einmal erklären, woher die "trümmerfrauen" kommen:
    Es wurde ein äußerst positives Bild dieser Frauen vermittelt: Dass sie sich freiwillig und mit Freude in die harte Arbeit stürzen und den Schutt wegräumen, um den Wiederaufbau voranzutreiben. Die PR war auch enorm wichtig, weil die Trümmerräumer – wie zuvor erwähnt – stigmatisiert waren und solche schweren Jobs bis dahin eigentlich nicht von Frauen erledigt werden sollten. Deshalb wurde das Bild der "Trümmerfrau" positiv aufgeladen mit den Stereotypen, die wir noch heute mit dem Begriff verbinden.

  • Mainzer Schott-Musikverlag: Historisches Archiv wird öffentlich zugänglich – Rheinland-Pfalz | SWR.de – "optimale Erschließung" = Zerstörung des Zusammenhangs. Schott-Musikverlag: Archiv wird öffentlich zugänglich
  • Hat die Jugend keinen Ehrgeiz mehr? | Blog Magazin – philipp tingler über die gegenwart, die kultur und den ehrgeiz zum glück:
    Gegenwärtig leben wir in einer Gesellschaft, die Selbstperfektionierung, die Arbeit am Ich, als Selbstgenuss postuliert; einer der letzten Leitwerte in der irreduziblen Vielfalt der uns allenthalten umgebenen Kontingenzkultur ist: Authentizität. Dafür steht auch Diane von Fürstenberg. Die Biografie als Projekt. Wenn jetzt also plötzlich alle aus ihrem Leben ein Kunstwerk machen wollen, dann ist das nicht nur ein ethischer, sondern auch ein sehr ehrgeiziger Imperativ: Lebenswelten und -formen werden ambitioniert durchästhetisiert, und das Pathos der Selbsterschaffung richtet sich auf die beiden grossen Ziele der Postwachstumsgesellschaft: Spass und Glück.
    […] Wir sehen also, dass Ehrgeiz durchaus nicht verschwunden ist, sondern sich nur verirrt hat.

    seine therapie ist übrigens ziemlich einfach (und wahrscheinlich gar nicht so verkehrt): selbstironie als die "schönste Form der Eigenliebe"

  • Duden | Konrad-Duden-Preis 2014 geht an Damaris Nübling | – Der Konrad-Duden-Preis 2014 geht an @DFDmainz-Projektleiterin Damaris Nübling
  • E-Books: Wir sind die Fährtenleser der neuen Literatur – Bücher – FAZ – elke heinemann über die vielfalt der neuen (kleine) e-book-verlage:
    Dichtung ist längst auch digital: Auf der Suche nach E-Books abseits des Mainstreams führt der Weg in Deutschland vor allem nach Berlin. Doch die engagierten Spezialverlage haben auch spezielle Probleme.

  • Gender-Debatte: Anschwellender Ekelfaktor | ZEIT ONLINE – wunderbar: robin detje rechnet gnadenlos mit den kolumnenhetzern #ulfharaldjanmatthias aber (schade nur, dass das bei der @Zeit wieder niemand lesen wird und harald deshalb weiter die leserschaft vergiften darf):
    Heute tobt die Schlussstrichdebatte Feminismus. Ende: nicht abzusehen. Alternde Männer an vorderster Front. Hoher Unterhaltungswert, aber auch anschwellender Ekelfaktor. Die Argumentation wieder faszinierend: Feminismus gibt es inzwischen doch schon so lange, das nervt, Frauen nerven ja immer, und die Frauen wollen offenbar tatsächlich, dass wir Männer unser Verhalten ändern, weshalb jetzt wir die eigentlichen Opfer sind.
    […] Und deshalb husch, husch, ihr allmännermächtigen Diskursbeherrscher, zurück in eure Eckkneipe. Die jetzt leider von einem Gender-Studies-Lesben-, Transen- und X-trupp übernommen wird, und ihr schiebt für eine Weile in der Küche Abwaschdienst.

    Entschuldigung, aber das wird man sich als aufgeklärter, älterer deutscher Mann doch noch wünschen dürfen.

  • “Feminismus kann niemals Lifestyle sein” • Denkwerkstatt – gabriele michalitsch im interview mit einigen sehr richtigen beobachtungen:
    Feminismus kann niemals Lifestyle sein, Feminismus ist immer politisch. Wenn die Medien eine solche Diskussion befeuern, ist das eine Form von Antifeminismus und der Versuch, den Begriff Feminismus zu vereinnahmen, ihm seine politische Relevanz abzusprechen. Feminismus war zudem nie männerfeindlich, er wurde immer auch von Männern mitgetragen. Wenn, dann wendet er sich gegen bestimmte Konzeptionen von Männlichkeit – wie auch Weiblichkeit. Wäre dieser angeblich neue Feminismus nicht Gegenstand öffentlicher Debatten, müssten wir uns erst gar nicht damit auseinandersetzen – in meinen Augen ist das eine antifeministische Strategie.

    und später auf den punkt gebracht:

    Wenn Feminismus auf Karriere mit Kindern reduziert wird, ist das das Ende des Feminismus.

Erkenntniß der Wahrheit

Es ist wahr: so wenig der Mensch ohne Speise und Tranck seyn kan / so wenig kan er auch ohne Bücher oder etwas dergleichen zur Erkenntniß der Wahrheit und Tugend kommen.

— Christian Thomasius, Monatsgespräche V (1689), S. 1155.

Ins Netz gegangen (31.8.)

Ins Netz gegangen am 29.8.:

  • Strand: Wie Gold am Meer | ZEIT ONLINE
    Es ist nicht nur das Meer, das den Sand vom Strand wegholt, es ist auch der Mensch.

    spannender text über den sand – am strand und im beton etc. und was der in den letzten jahren alles für probleme bereitet (weil der mensch herumpfuscht …)

  • Spendenaktion ǀ Ice Bucket Challenge? Fuck off! — der Freitag – RT @derfreitag: Spendenaktion: #IceBucketChallenge? Fuck off! >>
  • Kolumne Luft und Liebe: Wahn und Schmodder – taz.de – "Breaking News: Die Welt ist kompliziert. Und im Internet gibt es gleichzeitig Feministinnen und krasse Pornos" >
  • 50 – Na 1, 356 – Korrespondenzen mit Herbert Marcuse (p. V 118, 1-383) – Seite – Max Horkheimer – Digitale Sammlungen – RT @benni_b: Doof wenn man berühmt wird und dann im Nachlass des Kumpels der eigene Sexismus zu Tage tritt: #marcuse #horkheimer
  • Simply Explained — Geek&Poke – Simply Explained — Geek&Poke;
  • Deutsche Politik vor den Weltkriegen – FAZ – heinrich august winkler über den kriegsbeginn 1914, die frage der schuld bzw. hauptschuld und warum seiner meinung nach deutschland nicht ganz auf einer ebene mit den anderen europäischen staaten anzusiedeln ist:
    Schwerer noch wiegt die Ausklammerung der innenpolitischen Vorgeschichte des deutschen Weges in den Ersten Weltkrieg bei Clark und Münkler. Der Militarismus war ein gesamteuropäisches Phänomen, aber nirgendwo waren die Gesellschaft und das politische Denken so militarisiert wie im Deutschen Reich. „Kriegsparteien“ gab es überall, aber nirgendwo verfügten sie über einen so breiten gesellschaftlichen und politischen Rückhalt wie in Deutschland. Er reichte vom ostelbischen Rittergutsbesitz über die Schwerindustrie und Teile des gebildeten Bürgertums bis zu den Verbänden des gewerblichen Mittelstandes und der kaufmännischen Angestellten. Deutschland war eine konstitutionelle, keine parlamentarische Monarchie. Der Reichskanzler war dem Kaiser, nicht dem Reichstag verantwortlich. Die militärische Kommandogewalt des Königs von Preußen, der zugleich Deutscher Kaiser war, bedurfte nicht der ministeriellen Gegenzeichnung – ein Relikt des Absolutismus.

    – und zur kontinuität von 1914 und 1939 (was alles zusammen bei den faz-lesern nicht auf große gegenliebe stößt …)

  • In Redesigned Room, Hospital Patients May Feel Better Already – NYTimes.com – die new york times über die rolle von architekten im gesundheitswesen, hier am beispiel eines neubaus des "University Medical Center of Princeton":
    But the real eye-opener was this: Patients also asked for 30 percent less pain medication.

  • Es geht ums Lesen – taz.de – johannes thumfart in der der taz über das befreiende potenzial von ebooks (und warum es scheinheilig ist, dem gedruckten buch so sehr nachzuweinen):
    Kern der ablehnenden Haltung gegenüber dem E-Book ist, dass es eben nur den eigentlichen Zweck von Büchern erfüllt, nämlich das Gelesenwerden. Dagegen ist das gedruckte Buch in unseren Breitengraden vor allem ein Dummy für den Gabentisch, das man geschenkt bekommt, im Bücherschrank abstellt, als Accessoire neben den Latte macchiato legt, aber auch – etwas seltener – an Freunde verleiht und weiterverkauft. Für all diese Nebenaspekte der Buchkultur taugt das E-Book nicht.

    Anstatt also dem gedruckten Buch nachzuweinen oder gar zu versuchen, es durch Ornamente im bislang herrlich reduzierten E-Book zu imitieren, muss E-Book-Kultur davon handeln, den Prozess der Demokratisierung, Säkularisierung und Rationalisierung der Schrift, der schon mit der Erfindung des Alphabets begann, zu beschleunigen. In dem Sinne findet sich die Speerspitze der Buchkultur heute in den trivialen Ecken fernab der Büchermessen und ähnlicher Veranstaltungen: In der "Fan Fiction" zum Beispiel, wo massenweise Schmuddelliteratur for the people by the people gemacht wird, die auch noch in der U-Bahn vollkommen unsichtbar gelesen wird und in keinem Regal als Trophäe ausgestellt werden muss.

    Buchgestalter, Verlage, Kritiker, Buchdeckel und Druckerschwärze stehen dieser neuen, auf das Wesentliche reduzierten Ästhetik der sich literarisch emanzipierenden Masse nur im Wege.

  • Warum ich die Petition gegen Amazon nicht unterschreibe – Süddeutsche.de – ich finde, stefan weidner hat durchaus recht, auch wenn er sich in details irrt (wann/womit bitte ist es besser, auf dem tablet als auf dem ebook-reader zu lesen? und natürlich ist es nicht egal, wo ich meine ebooks kaufe, weil amazon sie einsperrt. aber das sind nebensächlichkeiten, die hier nichts zur sache tun)
    Aggressivität und einen unsentimentalen Blick nach vorn. Amazon hat das, der deutsche Buchmarkt nicht, nichts anderes belegt der Protest gegen Amazon. Ich verstehe die Gründe für den Protest und die Angst, aber das ändert nichts an der Verknöcherung und Reformunwilligkeit des Buchmarktes. An sich ist er, ich sagte es, perfekt. Aber das System hat den Kontakt zur Außenwelt verloren. Und da diese, wie Außenwelt oft, unbekannt und böse ist, will man sich nur umso mehr von ihr abkapseln. So sind schon viele Spezies ausgestorben.

Bücher

Zum heutigen „Welttag des Buches“ darf und muss Georg Christoph Lichtenberg, der große Leser und Schreiber, zu Wort kommen lassen:

Wie man alte Bücher studiert, in der Absicht Wahrheit zu suchen, so kann man wohl zuweilen eine Ausbeute erhalten, die andern entgangen ist, allein man riskiert auch zuweilen, die beste Zeit seines Lebens zu verkuxen. [H 56]

oder

Es ist sehr gut, die von andern hundertmal gelesenen Bücher immer noch einmal zu lesen, denn obgleich das Objekt einerlei bleibt, so ist doch das Subjekt verschieden. [H 54]

— Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher

Seite 1 von 3

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén