Ins Netz gegangen (2.8.)

net (unsplash.com)Andrés Canchón

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  • Was lesen Buch­blog­ger: Eine neue Ana­lyse mit Visua­li­sie­run­gen und Sta­tis­ti­ken | lesestunden.de → tobi hat ver­sucht zu ana­ly­sie­ren (und visua­li­sie­ren), was buch­blog­ge­rin­nen (er hat ein fast aus­schließ­lich weib­li­ches sam­ple) eigent­lich lesen. die daten­grund­lage ist aber zumin­dest in tei­len schwie­rig, die genre-ein­tei­lung zum bei­spiel nahe an der grenze zum absur­den (wie er selbst auch anmerkt)
  • Inte­gra­tive Obst­ar­beit | Drau­ßen nur Känn­chen → wun­der­bare „integrations“-begegnung, auf­ge­schrie­ben von frau nessy
  • The People Who Craft World-Class Stein­way Pia­nos → schöne foto­stre­cke (anläss­lich eines ent­spre­chen­den buchs …) über die arbeiter/innen in stein­ways fabri­ken
  • Besuch bei Ver­le­ger Jochen Jung: „Du bist ein Schma­rot­zer! Nutz­nie­ßer, eine Zecke“ | Welt → aus­nahms­weise mal eine emp­feh­lung zur sprin­ger-presse: man­fred reb­handl hat näm­lich ein schö­nes stück über den ver­le­ger jochen jung geschrie­ben
  • Zum Ethos der Tech-Szene in der digi­ta­len Öko­no­mie: Zwi­schen Anspruch und Wirk­lich­keit | netzpolitik.org → Maciej Cegłow­ski über pro­gram­mie­rer und ihren zugriff auf die wirk­lich­keit und die dar­aus resul­tie­ren­den fra­gen und pro­bleme

    Unsere Ziele sind ein­fach und klar. Zuerst wer­den wir mes­sen, dann ana­ly­sie­ren, dann opti­mie­ren. Und man wird uns dank­bar sein.

    Aber die reale Welt ist eigen­sin­nig. Sie ist so kom­plex, dass sie Abs­trak­tion und Model­lie­rung wider­steht. Sie erkennt unsere Ver­su­che sie zu beein­flus­sen und reagiert dar­auf. Genauso wenig, wie wir aus unse­rer eige­nen Haut kön­nen, kön­nen wir hof­fen, die Welt von außen objek­tiv zu erfas­sen.

    Die ver­netzte Welt, die wir erschaf­fen, mag Com­pu­ter­sys­te­men ähneln, aber es bleibt den­noch die glei­che alte Welt wie vor­her, nur mit ein paar Mikro­fo­nen und Tas­ta­tu­ren und Flatscreens, die hier und dort her­aus­ra­gen. Und sie hat immer noch die glei­chen alten Pro­bleme.

  • Ein­fach nur pri­va­tis­ti­sch Inti­mi­tä­ten aus­plau­dern, kann nicht ziel­füh­rend sein.“ | femi­nis­ti­sche stu­dien → inter­es­san­tes inter­view mit caro­lin emcke über sub­jek­ti­vi­tät, inti­mi­tät und spre­che & spra­che

    Ein­fach nur „ich“ sagen, ein­fach nur pri­va­tis­ti­sch Inti­mi­tä­ten aus­plau­dern, kann nicht ziel­füh­rend sein. Die sub­jek­tive Form, das Reflek­tie­ren auf eigene Erfah­run­gen oder Wahr­neh­mun­gen braucht, mei­ner Ansicht nach, immer einen Grund, warum sie in einem bestimm­ten argu­men­ta­ti­ven, dis­kur­si­ven Kon­text ein­ge­setzt wird.

    Als Publi­zis­tin fühle ich mich ver­pflich­tet, mit sprach­li­chen Mit­teln jene ideo­lo­gi­sch auf­ge­la­de­nen Bil­der und Begriffe, jene Asso­zia­ti­ons­ket­ten und Vor­stel­lun­gen auf­zu­bre­chen, die Res­sen­ti­ments gegen­über Frauen oder Homo­se­xu­el­len, Gehör­lo­sen oder Jüdin­nen, Links­hän­dern oder Schalke-Fans trans­por­tie­ren. Und dazu gehört dann, dass wir nor­ma­tive Begriffe in Erfah­run­gen über­set­zen, dass wir das, was uns wütend oder ver­zwei­felt zurück lässt, ver­steh­bar machen für die­je­ni­gen, die diese Erfah­run­gen nicht tei­len.

  • Feti­sch Effi­zi­enz | Mar­cel Hänggi → mar­kus hänggi hat für „zeit wis­sen“ die geschichte und theo­rie der ener­gie­ef­fi­zi­enz schön auf­ge­schrie­ben.
    Die unter dem Gesichts­punkt der Ener­gie­ef­fi­zi­enz bemer­kens­wer­teste Erfin­dung der Moderne war das Fahr­rad

    Es gibt kei­nen Grund, Ener­gie­trä­ger, deren Nut­zung die mensch­li­che Zivi­li­sa­tion bedro­hen, über­haupt auf den Markt zu las­sen.

  • Inter­view: „Ich bin kein Foto­ro­bo­ter“ | der Frei­tag → inter­es­san­tes inter­view mit dem foto­gra­fen chris­toph ban­gert (der mit „war porn“ ein her­vor­ra­gen­des foto­buch über den krieg ver­öf­fent­lichte) über krieg, gewalt, absur­di­tät, ver­ste­hen und ver­ar­bei­ten
  • Auto­fah­ren in Deutsch­land: Die Stra­fen für Raser und Ver­kehrs­sün­der sind lächer­lich – Poli­tik – Tages­spie­gel Mobil → hein­rich schmitz hat wort­ge­wal­tig und fak­ten­ge­sät­tig genug von der ver­harm­lo­sung der raser und der mit­leids­lo­sen inkauf­nahme der töd­li­chen ver­kehrs­un­fälle

    Bei „bereif­ten Mör­dern“ – so wer­den hier in der Region scherz­haft Auto­fah­rer mit einem BM-Kenn­zei­chen aus Berg­heim genannt – packt die Poli­tik die Samt­hand­schuhe aus. Auto­fah­rer sind halt Wäh­ler und nicht mal wenige. Da wer­den selbst die in der sonst für ihre Poli­tik so heiß gelieb­ten Schweiz gel­ten­den Regeln nicht ein­ge­führt.

  • Zu Besuch Frie­de­rike May­rö­cker: Eine Glei­chung von mathe­ma­ti­scher Ele­ganz | FAZ → der bald-büch­ner-preis­trä­ger mar­cel beyer über einen besuch bei büch­ner-preis­trä­ge­rin frie­de­rike may­rö­cker

    Leben = Schrei­ben: Mir fiele nie­mand ein, für den diese Glei­chung so wenig antast­bar, so pro­duk­tiv, schlicht unum­stöß­lich wahr wäre wie für Frie­de­rike May­rö­cker. Eine Glei­chung von mathe­ma­ti­scher Ele­ganz.

  • Mar­tin Vogel: Anmer­kung zu einem rich­ti­gen Urteil | perlentaucher.de → mar­tin vogel legt noch ein­mal seine/die sicht der urhe­be­rin­nen zur vg wort, ihren aus­schüt­tun­gen und ihrer kra­chen­den nie­der­lage vor dem bgh dar. sehr lesens­wert
  • Died­rich Diede­rich­sen im Gespräch über poli­ti­sche Kor­rekt­heit in öffent­li­chen Debat­ten | jungle-world.com → span­nen­des, lan­ges inter­view mit died­rich diede­rich­sen über poli­ti­sche kor­rekt­heit, kul­tur­kampf, (neue) rechte und die ent­wick­lun­gen in der (deut­schen) dis­kurs­ge­sell­schaft der letz­ten jahre/jahrzehnte

    Mit der soge­nann­ten PC kam der Ärger auf einer unge­wohn­ten Ebene zurück, als Debatte um Spra­che. Letzt­lich war der dann fol­gende Auf­schrei in der kon­ser­va­ti­ven bis reak­tio­nä­ren Mitte vor allem ein Sym­ptom der Ent­täu­schung. Man hatte gehofft, ganz demar­kiert Poli­tik und Geschäfte machen zu kön­nen, und wollte mit inhalt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die dann auch noch auf poli­ti­schen oder ethi­schen Grund­über­zeu­gun­gen – Bezeich­nun­gen wie Ras­sis­mus waren ja wich­tig, wir woll­ten Ras­sis­mus Ras­sis­mus nen­nen, die ande­ren Frem­den­feind­lich­keit – nichts mehr zu tun haben.

    Das ist eine schlimme Ent­wick­lung, die die stra­te­gi­sch berech­tigte Idee, Orte zu schaf­fen, in denen man zum Bei­spiel vor trans- und homo­pho­ber Ver­fol­gung sicher ist, in eine völ­lig bescheu­erte Rich­tung ver­scho­ben haben. Safe Spaces sind jetzt Semi­nare, die als so eine Art erwei­ter­tes Kin­der­zim­mer mit Kuschel­kul­tur nur über Dinge spre­chen, die die behü­te­ten Mit­tel­schichts­kin­der nicht erschre­cken. »Trig­ger Warnings« sol­len hel­fen, dass man das Böse gar nicht erst zur Kennt­nis nimmt. Von Ver­ge­wal­ti­gung und Ras­sis­mus darf man dann gar nicht mehr spre­chen.

Ins Netz gegangen (10.6.)

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  • Debatte um Ver­gü­tung: Wenig Fair­ness im Umgang mit Auto­ren | Deutsch­land­ra­dio → henry stein­hau über die bezie­hung zwi­schen ver­la­gen und auto­rin­nen:
    Ver­lage soll­ten ihre Kräfte dar­auf ver­wen­den, trag­fä­hige Geschäfts­mo­delle zu ent­wi­ckeln. Und zwar sol­che, die nicht dar­auf ange­wie­sen sind, den Auto­ren eine Betei­li­gung an Ver­gü­tun­gen abzu­rin­gen.
  • Der #öffent­li­che_­Raum ist immer poli­ti­sch. Ein Gespräch mit Chris­toph Haerle (Teil 1) | Geschichte der Gegen­wart → phil­ipp sara­sin hat sich mit dem archi­tek­ten, stadt­pla­ner und künst­ler chris­toph haerle über den öffent­li­chen raum unter­hal­ten. im ers­ten teil geht es vor allem um die geschichte des öffent­li­chen raums bis ins 19. jahr­hun­dert – sehr span­nend.
  • Der post­mo­derne #öffent­li­che_­Raum. Ein Gespräch mit Chris­toph Haerle (Teil 2) | Geschichte der Gegen­wart → der zweite teil des gesprächs von phil­ipp sara­sin mit chris­toph haerle, nun zu den öffent­li­chen räu­men des 20. jahr­hun­derts und der gegen­wart – und deren pro­ble­men und gefähr­dun­gen.
  • Mein Vater, der bekannte Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker | Broadly → die toch­ter eines ein­fluss­rei­chen ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kers („trut­her“) erzählt

    Gerade weil Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker immun gegen jedes noch so ver­nünf­tige Argu­ment aus der „Main­stream-Welt“ sind, sehe ich diese Bewe­gung als äußerst gefähr­lich an. Wie viele sub­ver­sive Grup­pen aus dem rech­ten Lager, holen sich die Trut­her meis­tens Leute aus schwie­ri­gen sozia­len Ver­hält­nis­sen ins Boot. Men­schen, die froh über Sün­den­bö­cke sind und in elo­quen­ten Per­sön­lich­kei­ten Füh­rung suchen. Die Trut­her bestrei­ten eine Zuge­hö­rig­keit zum rech­ten Lager zwar vehe­ment, jedoch spre­chen meine per­sön­li­chen Erfah­run­gen für sich. Sexis­mus, Homo­pho­bie und Ras­sis­mus sind genauso ver­brei­tet, wie eine fehl­ge­lei­tete Vor­stel­lung von Kul­tur und Hei­mat­liebe.

  • Was darf die Satire? – Kurt Tuchol­sky, Jan Böh­mer­mann und die Fol­gen | literaturkritik.de → ste­fan neu­haus über satire von tuchol­sky und böh­mer­mann, unter beson­de­rer berück­sich­ti­gung ihrer ästhe­ti­schen und poli­ti­schen impli­ka­tio­nen in deutsch­land
  • Ver­fas­sungs­recht­ler über die AfD: „Unver­ein­bar mit dem Grund­ge­setz“ | taz.de → jurist joa­chim wie­land im taz-inter­view über das grund­satz­pro­gramm der afd:
    Aus mei­ner Sicht ver­sucht die AfD, die Grenze, die die Ver­fas­sung zulässt, bis ins Äußer­ste aus­zu­tes­ten. Dabei arbei­tet sie mit unkla­ren Begrif­fen, damit sie, wenn sie zur Rede gestellt wird, sagen kann: So war das gar nicht gemeint. In eini­gen Punk­ten sehe ich den Men­schen­rechts­kern des Grund­ge­set­zes ver­letzt. Das könnte die AfD, selbst wenn sie ent­spre­chende Mehr­hei­ten hätte, nicht umset­zen, ohne dass es zu einer ein­deu­ti­gen Ver­fas­sungs­ver­let­zung käme. Man muss also sagen: Die AfD bewegt sich in vielem an der Grenze zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit und in man­chem hat sie diese Grenze bereits über­schrit­ten.
  • EBooks vs Papier-Bücher: Vom Kul­tur­wan­del und not­wen­di­gen Lern­pro­zes­sen (in der Schule) | herrlarbig.de → herr lar­big denkt dar­über nach, was eigent­lich den unter­schied zwi­schen papier­buch und ebook aus­macht

    Wäh­rend wir das ana­loge Buch aus Papier nach wie vor gut im Rah­men der von uns erlern­ten (hart­nä­cki­gen) Mus­ter des Lesens auf­zu­neh­men und zu bear­bei­ten wis­sen, ver­langt das digi­tale Buch von uns, in einen Lern- und Gewöh­nungs­pro­zess ein­zu­tre­ten.

    Es muss gelernt wer­den, wie man mit den ver­än­der­ten Mög­lich­kei­ten des Daten­trä­gers zu arbei­ten ver­mag und man muss sich gleich­zei­tig daran gewöh­nen, dass Texte die Dimen­sion der Tiefe im Sinne von Sei­ten­zah­len »ver­lie­ren«. – Dies ist aller­dings viel mehr als eine Frage der Hap­tik.

Bücherleben

– –Dann müßtn Sie auch noch auf die-Bücher auf­pas­sen. – Erwi­derte ich im sel­ben Ton. –Denn Bücher leben. Und was lebt, das will – sich behaup­ten.Rein­hard Jirgl, Oben das Feuer, unten der Berg, 232

Aus-Lese #42

Viel zu lange gewar­tet mit der nächs­ten Aus-Lese, des­we­gen ist das jetzt eine Aus­lese der Aus-Lese …

Fried­rich Fors­s­man: Wie ich Bücher gestalte. Göt­tin­gen: Wall­stein 2015 (Ästhe­tik des Buches, 6). 79 Sei­ten.

forssman, wie ich bücher gestalteEin Buch ist schön, wenn die Gestal­tung zum Inhalt paßt.“ (71) – in die­sem klei­nen, harm­lo­sen Satz steckt eigent­lich schon das gesamte gestal­te­ri­sche Credo Fors­s­mans (des­sen Name ich immer erst beim zwei­ten Ver­such rich­tig schreibe …) drin. Fors­s­man, als Gestal­ter und Set­zer der Spät­werke Arno Schmidts schon fast eine Legende, inzwi­schen auch durch die Neu­ge­stal­tung der Reclam­schen „Uni­ver­sal Biblio­thek“ in fast allen Hän­den, will in die­sem klei­nen Büch­lein – 79 Sei­ten sind nicht viel, wenn es um Buch­ge­stal­tung, Typo­gra­phie, Her­stel­lung und all das drum­herum gehen soll – zei­gen, wie er selbst Bücher gestal­tet, das heißt, nach wel­chen Kri­te­rien er arbei­tet. Ein Werk­statt­be­richt soll das sein – und das ist es auch, nicht nur, weil es so aus­sieht.

Locker plau­dert er, könnte man sagen, über die Arbeit an der Her­stel­lung eines Buches. Das betrifft letzt­lich all die Aspekte, die über den „rei­nen“ Text als Inhalt hin­aus­ge­hen: Typo­gra­phie, Satz, For­mat, Her­stel­lung, Umschlag und vie­les mehr. Fors­s­man plau­dert, sage ich, weil er sich dezi­diert als Theo­rie-Ver­äch­ter dar­stellt. Letzt­lich sind das alles Regel- und Geschmack­fra­gen: Ein Buch ist schön, wenn es gut ist – und es ist gut, wenn es schön ist. Viel mehr steckt da eigent­lich nicht dahin­ter. Fors­s­man sieht Buch­ge­stal­tung aus­drück­lich als Kunst­hand­werk, das bestimm­ten Regeln gehorcht. Die – und den guten Geschmack bei der Beur­tei­lung ihrer Anwen­dung – lernt man, indem man andere Bücher der Ver­gan­gen­heit (und Gegen­wart) anschaut und stu­diert. Frei­heit und Tra­di­tion bzw. Regel sind die Pole, zwi­schen denen jeder Kunst­hand­wer­ker sich immer wie­der ver­or­tet. Beim Lesen klingt das oft tra­di­tio­nel­ler und lang­wei­li­ger, als Fors­manns Bücher dann sind. Das liegt wahr­schein­lich nicht zuletzt daran, dass er sehr stark auf eine aus­ge­feilte und kon­se­quente Durch­ge­stal­tung des gesam­ten Buches Wert legt – vom Bin­dungs­leim bis zur kor­rek­ten Form der An- und Abfüh­rungs­stri­che hat er alles im Blick. Und, dar­auf weist er auch immer wie­der hin, Regel­haf­tig­keit und Tra­di­tion heißt ja nicht, dass alles vor­ge­ge­ben ist: Es gibt Frei­heits­grade, die zu nut­zen im Sinne einer Inter­pre­ta­tion des vor­lie­gen­den Tex­tes die Auf­gabe des Buch­ge­stal­ters ist. Und dabei gilt dann doch wie­der:

Die Beweis­last liegt immer beim Ver­än­de­rer, in der Typo­gra­phie erst recht. (42)
Ilija Tro­ja­now: Macht und Wider­stand. Frank­furt am Main: Fischer. 479 Sei­ten.

ilija trojanow, macht und widerstandEin ganz schö­ner Bro­cken, und ein ganz schön hef­ti­ger dazu. Nicht wegen der lite­rar­ir­schen Form, son­dern wegen des Inhalts – der ist nicht immer leicht ver­dau­lich. Es geht um Bul­ga­rien unter sozialistischer/kommunistischer Herr­schaft, genauer gesagt, um die „Arbeit“ und die Ver­bre­chen der Staats­si­cher­heit. Das erzählt Tro­ja­now auf der Grund­lage von Archiv­ak­ten, die zum Teil auch ihren Weg ins Buch gefun­den haben (selt­sa­mer­weise wer­den sie – und nur sie – in klein­schrei­bung ange­kün­digt …). Tro­ja­now kon­stru­iert eine Geschichte aus zwei Polen – Macht und Wider­stand natür­lich – die sich in zwei Män­nern nie­der­schla­gen und recht eigent­lich, das wird ganz schnell klar, per­so­ni­fi­zie­ren. Die sind dadurch für mei­nen Geschmack manch­mal etwas ein­di­men­sio­nal gewor­den: Der eine ist eben die mehr oder weni­ger reine Ver­kör­pe­rung des Prin­zi­pes Wider­stand, der ande­ren der Macht (bzw. des prin­zi­pi­en­lo­sen Oppor­tu­nis­mus). In abwech­seln­den Kapi­teln wech­selt auch immer die Per­spek­tive ent­spre­chend. Geschickt gelingt Tro­ja­now dabei ein har­mo­ni­scher Auf­bau, der Infor­ma­tio­nen sehr har­mo­ni­sch und all­mäh­lich wei­ter­gibt. Sei­nen haupt­säch­li­chen Reiz zieht Macht und Wider­stand viel­leicht aber doch dar­aus, dass es sozu­sa­gen Lite­ra­tur mit Wahr­heits­an­spruch ist, den Fik­tio­na­li­täts­pakt also auf­kün­digt (und daran im Text durch die ein­ge­streu­ten Akten­über­set­zun­gen, die sonst für den lite­ra­ri­schen Text wenig tun, immer wie­der erin­nert). Das macht die Bewer­tung aber zugleich etwas schwie­rig: Als rein lite­ra­ri­scher Text über­zeugt es mich nicht, in sei­ner Dop­pel­funk­tion als Lite­ra­tur und his­to­ri­sch-poli­ti­sche Auf­klä­rung ist es dage­gen groß­ar­tig.

John Hirst: Die kür­zeste Geschichte Euro­pas. Ham­burg: Atlan­tik 2015. 206 Sei­ten.

hirst, europaEine inter­es­sante Lek­türe bie­tet diese Geschichte Euro­pas, sie ist durch­aus erfri­schend, die extreme Ver­knap­pung. Aber halt auch immer wie­der pro­ble­ma­ti­sch – vie­les fehlt, vie­les ist unge­nau bis feh­ler­haft. Aber um Voll­stän­dig­keit (der behan­del­ten The­men oder der Dar­stel­lung) kann es in einer „kür­zes­ten Geschichte“ natür­lich über­haupt nicht gehen. 

Hirst geht es im ers­ten Teil – „Die kür­zeste Ver­sion der Geschichte“ über­schrie­ben – vor allem um die For­mie­rung Euro­pas: Wie wurde Europa das, was es heute ist (oder vor weni­gen Jah­ren war)? Er stützt sich dabei vor allem auf drei Phä­no­mene und sie­delt das maß­geb­lich im Über­gang von Antike zu Mit­tel­al­ter an: Europa ist die Ver­bin­dung von der „Kul­tur des anti­ken Grie­chen­lands und Roms“, dem Chris­ten­tum und der „Kul­tur der ger­ma­ni­schen Krie­ger“. Immer wie­der betont er, dass Europa als Idee und Gestalt eben maß­geb­lich eine Mischung sei. Und die ver­steht man nur, wenn man ihre Genese im Blick hat (das alles gilt übri­gens für ihn bis in die Jetzt­zeit – ich bin mir nicht sicher, ob er dabei nicht doch die Macht & Not­wen­dig­keit der Geschichte über­schätzt …): Nur mit Kennt­nis die­ser Wur­zeln ver­steht man also die Gegen­wart. Er fasst seine Über­le­gun­gen zum Zusam­men­wir­ken sei­ner Grund­fak­to­ren immer wie­der in schö­nen Dia­gram­men zusam­men, die dann zum Bei­spiel so aus­se­hen:

Die ers­ten Teile – wo es um die eigent­li­che Geschichte und For­mie­rung Euro­pas als Europa geht – sind dabei gar nicht so schlecht: Natür­lich ist das alles sehr ver­kürzt, aber übri­gens auch gut les­bar. Danach, wo es unter Über­schrif­ten wie „Ein­fälle und Erobe­run­gen“, „Staats­for­men“, „Kai­ser und Päpste“ um Linien und Ten­den­zen der euro­päi­schen Geschichte in Mit­tel­al­ter und Neu­zeit geht, wird es für mei­nen Geschmack aber zu epi­so­di­sch und auch his­to­ri­sch oft zu unge­nau. In der Kon­zep­tion fehlt mir zu viel Kul­tur und Kul­tur­ge­schichte: Hirst geht wei­test­ge­hend von klas­si­scher poli­ti­scher Geschichte aus, ergänzt das noch um etwas Phi­lo­so­phie und ein biss­chen Reli­gion. Und: Hirst denkt für mei­nen Geschmack auch zu sehr in moder­nen Begrif­fen, was manch­mal zu schie­fen Bewer­tun­gen führt (übri­gens auch ande­ren bei His­to­ri­kern (immer noch) ein belieb­ter Feh­ler …)

Man­che Wer­tung und Ein­schät­zung stößt bei mir auf grö­ße­ren Wider­stand. Manch­mal aber auch ein­fa­ches hand­werk­li­ches Pfu­schen, wenn Hirst etwa Davids Zeich­nung „Schwur im Ball­haus“ unhin­ter­fragt als getreues Abbild einer wirk­li­chen Hand­lung am Beginn der Fran­zö­si­schen Revo­lu­tion liest und inter­pre­tiert (dass er den Leser sonst mit Quel­len nicht wei­ter behel­ligt, ist natür­lich dem For­mat geschul­det). Selt­sam fand ich auch sein Bild der mit­tel­al­ter­li­chen Kir­che vor Gre­gor VII und ihr Ver­hält­nis zur Poli­tik: „Ört­li­che Macht­ha­ber und die Mon­ar­chen Euro­pas hat­ten sie [die Kir­che] unter­gra­ben, schlecht­ge­macht und aus­ge­plün­dert.“ (149) – ein­deu­ti­ger kann man kaum Posi­tion bezie­hen …

Damit ist Hirst ins­ge­samt also sicher nicht die letzte Auto­ri­tät zur Geschichte Euro­pas, nichts­des­to­trotz aber durch­aus eine sti­mu­lie­rende Lek­türe. So weit wie Gus­tav Seibt, der das in der SZ ein „Meis­ter­werk der Ver­ein­fa­chung“ nannte, würde ich aller­dings nicht gehen.

Roland Barthes: Der Eif­fel­turm. Ber­lin: Suhr­kamp 2015. 80 Sei­ten.

barthes, eiffelturmZum 100. Geburts­tag des gro­ßen Roland Barthes hat Suhr­kamp sei­nen klei­nen Text über den Pari­ser Eif­fel­turm in einem schön gemach­ten Büch­lein mit ergän­zen­den Fotos ver­öf­fent­licht (das bei mir aller­dings schon beim ers­ten Lesen zer­fiel …). Barthes unter­sucht nicht nur, was der Eif­fel­turm eigent­lich ist – näm­lich ein (annä­hernd) lee­res Zei­chen -, son­dern vor allem, was er bedeu­tet und was er mit Paris und dem Beob­ach­ter oder bes­ser Betrach­ter macht. So kon­sta­tiert er unter ande­rem, dass der Eif­fel­turm einen neuen Blick (aus der Höhe eben) auf die Stadt als neue Natur, als mensch­li­chen Raum ermög­licht und eröff­net. Und damit ist der Eif­fel­turm für Barthes die Mate­ria­li­sa­tion des­sen, was die Lite­ra­tur im 19. Jahr­hun­dert schon längst geleis­tet hatte, näm­lich die Ermög­li­chung, die Struk­tur der Dinge (als „kon­krete Abs­trak­tion“) zu sehen und zu ent­zif­fern. Der beson­dere Kniff des Eif­fel­turms besteht und darin, dass er – im Unter­schied zu ande­ren Tür­men und Monu­men­ten – kein Innen hat: „Den Eif­fel­turm besich­ti­gen heißt sich zu sei­nem Para­si­ten, nicht aber zu sei­nem Erfor­scher machen.“ (37), man glei­tet immer nur auf sei­ner Ober­flä­che.

Damit und durch die Eta­blie­rung eines neuen Mate­ri­als – dem Eisen statt dem Stein – ver­kör­pert der Eif­fel­turm einen neuen Wert – den der funk­tio­nel­len Schön­heit. Gerade durch seine Nutz­lo­sig­keit (die ihn vor sei­ner Erbau­ung so suspekt machte) befä­higt ihn beson­ders – weil keine tat­säch­li­che Nut­zung sich mit ein­mengt -, zum Sym­bol der Stadt Paris zu wer­den: „Der Eif­fel­turm ist durch Met­ony­mie Paris gewor­den.“ (51) – und mehr noch, er ist „die unge­hemmte Meta­pher“ über­haupt: „Blick, Objekt, Sym­bol, der Eif­fel­turm ist alles, was der Men­sch in ihn hin­ein­legt.“ (63). Genau das ist es natür­lich, was ihn für den struk­tu­ra­lis­ti­schen Semio­ti­ker Barthes so inter­es­sant und anzie­hend macht. Und diese Fas­zi­na­tion des Autors merkt man dem Text immer wie­der an.

Michael Fehr: Sime­li­berg. 3. Auf­lage. Luzern: Der gesunde Men­schen­ver­sand 2015. 139 Sei­ten.

Grau
nass
trüb
ein Schwei­zer Wet­ter
ziem­lich ab vom Schuss (5)

fehr, simeliberg- so fängt das „Satz­ge­wit­ter“ von Michael Fehrs Sime­li­berg an. Die Methode bleibt über die fast 140 Sei­ten gleich: Die Sätze der har­ten, schwei­ze­ri­sch gefärb­ten Prosa wer­den durch ihre Anord­nung der Lyrik ange­nä­hert (das typo­gra­phi­sche Dis­po­si­tiv ist sogar ganz unver­fälscht das der Lyrik), statt Satz­zei­chen benutzt Fehr Zei­len­um­brü­che. Diese zei­len­weise Iso­lie­rung von Satz­tei­len und Teil­sät­zen ver­leiht dem Text nicht nur eine eigen­ar­tige Gestalt, son­dern auch ein ganz eige­nes Lese­er­leb­nis: Das ist im Kern „echte“ Prosa, die durch ihre Anord­nung aber leicht wird, den Boden unter den Füßen ver­liert, ihre Fes­tig­keit und Sicher­heit (auch im Bedeu­ten und Mei­nen) auf­ge­ge­ben hat: Sicher im Sinne von unver­rückt und wahr ist hier kaum etwas, die Form lässt alles offen. Dabei ist die erzählte Geschichte in ihrem Kri­mi­cha­rak­ter (der frei­lich keine „Auf­lö­sung“ erfährt) bei­nahe harm­los: Ein abge­le­ge­ner Hof, selt­same Todes­fälle, eine gigan­ti­sche Explo­sion, eine Unter­su­chung, die Kon­fron­ta­tion von Dorf und Stadt, von Ein­hei­mi­schen und Zuge­zo­ge­nen. Genau wie die Geschichte bleibt alles im Unge­fäh­ren, im Düs­te­ren und Schlam­mi­gen – die Figu­ren sind Schat­ten­risse, ihre Moti­va­tion wie ihre Spra­che bruch­stück­haft. Und genau wie die Men­schen (fast) alle selt­same Son­der­linge sind, ist auch der Text son­der­bar – aber eben son­der­bar fas­zi­nie­rend, viel­leicht gerade durch seine Härte und die abgrün­dige Dun­kel­heit, die er aus­strahlt. Und die Fehr weder mil­dern will noch kann durch eine „ange­neh­mere“, das heißt den Lese­rer­war­tun­gen mehr ent­spre­chende, Erzähl­weise.

Hans-Jost Frey: Hen­rici. Solo­thurn: Urs Enge­ler 2014. 84 Sei­ten.

frey, henriciAuch wie­der ein net­tes, sym­pa­thi­sches Büch­lein: In über 60 kur­zen Geschich­ten, Anek­do­ten, Skiz­zen hin­ter­fragt Hen­rici (den man sich wohl als alter ego des Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lers Frey vor­stel­len darf) den All­tag der Gegen­wart, unser Tun und unser Spre­chen. Das ist ein­fach schön ver­spielt, ver­liebt ins Spie­len, genauer gesagt, ins Wort­spiel: Durch das spie­le­ri­sche Arbei­ten mit gedan­ken­los geäu­ßer­ten Wor­ten und Sät­zen, mit Gemein­plät­zen, hin­sicht­lich ihres Klan­ges und ihrer Seman­tik bringt Frey immer wie­der die Bedeu­tun­gen zum Tan­zen. Das sind oft oder sogar über­wie­gend gar keine welt­ver­än­dern­den Beob­ach­tun­gen, die diese Minia­tu­ren erzäh­len. Aber sie haben die Kraft, das All­täg­li­che, das Nor­male, das man immer wie­der als Gege­ben unhin­ter­fragt ein­fach so hin­nimmt und wei­ter­führt, für die Beob­ach­tung und Inspek­tion zu öff­nen: Denn im spie­le­ri­schen Ver­dre­hen der Worte zeigt Frey immer wie­der, was die eigent­lich leis­ten (kön­nen), wenn man sie nicht bloß unbe­dacht äußert, son­dern auch in bana­len Situa­tio­nen auf ihre Mög­lich­kei­ten und Bedeu­tun­gen abklopft – da kommt Erstaun­li­ches, oft aus­ge­spro­chen Komi­sches dabei her­aus. Eine sehr sym­pa­thi­sche (und leicht zugäng­li­che) Art des (Sprach)Philosophierens …

Titus Meyer: Mei­ner Buch­sta­be­neu­ter Milch­wucht­ord­nung. Leip­zig: Rei­ne­cke & Voß 2015. 84 Sei­ten.

Zu die­sem ganz wun­der­ba­ren Büch­lein mit dem zau­ber­haf­ten Titel Mei­ner Buch­sta­be­neu­ter Milch­wucht­ord­nung von Titus Meyer, das vol­ler fas­zi­nie­rend artis­ti­scher Sprach­kunst­werke steckt, habe ich schon vor eini­ger Zeit ein paar Sätze ver­lo­ren: klick.

Wolf­gang Herrn­dorf: Bil­der dei­ner gro­ßen Liebe. Ein unvoll­ende­ter Roman. Her­aus­ge­ge­ben von Kath­rin Pas­sig und Mar­cus Gärt­ner. RM Buch und Medien 2015. 141 Sei­ten.

herrndorf, bilder deiner großen liebeBil­der dei­ner gro­ßen Liebe ist ein unver­öf­fent­lich­tes und auch unfer­ti­ges Manu­skript aus dem Nach­lass Wolf­gang Herrn­dorfs, das Kath­rin Pas­sig und Mar­cus Gärt­ner (die mit Herrn­dorf eng bekannt/befreundet waren) zur Ver­öf­fent­li­chung „arran­giert“ haben. Denn das vor­han­dene Text­ma­te­rial setzt an ver­schie­de­nen Stel­len des geplan­ten Romans an und ist auch unter­schied­lich stark aus­ge­ar­bei­tet. Das merkt man auch beim Lesen – eini­ges passt (etwa chro­no­lo­gi­sch und topo­gra­phi­sch) nicht zusam­men, an eini­gen Stel­len bre­chen Epi­so­den mit Stich­wor­ten oder Halb­sät­zen ab. Trotz­dem liest man eben Herrn­dorf: Wie­der eine Art Road-Novel, dies­mal von der „ver­rück­ten“ Isa auf ihrem Weg durch das Land berich­tend, wobei sie einige span­nende Begeg­nun­gen erlebt. Ein sehr bun­ter, etwas chao­ti­scher und deut­lich unfer­ti­ger Text – ich bin mir nicht sicher, ob Herrn­dorf damit ein Gefal­len getan wurde, das noch zu ver­öf­fent­li­chen. Sicher, das ist nett zu lesen. Aber in die­ser Form ist es eben über­haupt nicht auf der Ebene, auf der Herrn­dorfs andere Texte ange­sie­delt sind. Für Herrn­dorf-Fans sicher ein Muss, die ande­ren kön­nen das ohne gro­ßen Ver­lust aus­las­sen.

Ver­rückt sein heißt ja auch nur, dass man ver­rückt ist, und nicht bescheu­ert. (7)

außer­dem noch gele­sen:

  • Iris Hanika: Wie der Müll geord­net wird. Graz, Wien: Dro­schl 2015. 298 Sei­ten.
  • Ulrike Almut San­dig: Grimm. Gedichte. Nach den Kin­der- und Haus­mär­chen von Jacob und Wil­helm Grimm, hg. von Bri­gitte Labs-Ehlert. Det­mold: Wege durch das Land 2015 (Wege durch das Land 23). 32 Sei­ten.
  • Urs Faes: Und Ruth. Frank­furt am Main, Wien, Zürich: Bücher­gilde Guten­berg 2001 [Suhr­kamp 2001]. 181 Sei­ten.
  • Moni­que Schwit­ter: Eins im Andern. 5. Auf­lage. Graz: Dro­schl 2015. 232 Sei­ten.
  • Tho­mas Melle: Raum­for­de­rung. Erzäh­lun­gen. Frank­furt am Main: Suhr­kamp 2007. 200 Sei­ten.
  • Man­fred Mit­ter­mayer: Tho­mas Bern­hard. Eine Bio­gra­fie. Wien: Resi­denz Ver­lag 2015. 452 Sei­ten.
  • Peter Stamm: Nacht ist der Tag. Frank­furt am Main: Fischer Taschen­buch Ver­lag 2014. 253 Sei­ten.
  • Sig­mar Schollak: Nar­ren­reise. Halle: Mit­tel­deut­scher Ver­lag 2015. 159 Sei­ten.
  • Sabine Scholl: Wir sind die Früchte des Zorns. Zürich: Seces­sion Ver­lag für Lite­ra­tur 2013. 288 Sei­ten.
  • Anke Stel­ling: Boden­tiefe Fens­ter. 4. Auf­lage. Ber­lin: Ver­bre­cher 2015. 249 Sei­ten.
  • Gun­nar Gun­n­ars­son: Advent im Hoch­ge­birge. Erzäh­lung. Stutt­gart: Reclam 2006. 103 Sei­ten.
  • Hans Joa­chim Schäd­lich: Ver­suchte Nähe. Prosa. Rein­bek: Rowohl 1992.

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  • The Danish Cycling Expe­ri­ence – The Euro­pean – es ist ganz ein­fach:
    If you want to have bicy­cles cycling your city, you have to build your city for bicy­cles to cycle. 

    oder:

    The main rea­son why the bike has become such a popu­lar choice: It’s the easiest way! It’s healthy, cheap, sustainable, and nowa­days the two-whee­ler is even pretty trendy in major cities around the world. But at the end of the day, sim­pli­city is the one thing that really counts for com­mu­ters.
  • Des Kaiser’s neue Karte: Dis­rup­tion mit Daten­schutz? — Das gute digi­tale Leben — Medium – lea gim­pel über eine neue kun­den­karte, die zwar auf per­sön­li­che daten ver­zich­ten, dabei aber – und das ist min­des­tens genauso schlimm – wei­ter dazu bei­trägt, die soli­da­ri­sche gesell­schaft auf­zu­lö­sen:
    Die abso­lute Preis­dis­kri­mi­nie­rung ist der feuchte Traum jedes Wirt­schafts­wis­sen­schaft­lers. Und wird sich bald auf alle Lebens­be­rei­che erstre­cken: Vom Super­markt­ein­kauf über das Ticket für den öffen­li­chen Nah­ver­kehr bis zur Strom- und Was­ser­ver­sor­gung. Doch was pas­siert mit denen, die dabei nicht mit­ma­chen wol­len? Nach wel­chen Kri­tie­ren wer­den Preise gemacht, wer bestimmt sie? Und wel­che gesell­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen hat die kom­plette Umstel­lung des Preis­mo­dells, das unse­rem Wirt­schafts­sys­tem zugrunde liegt?
  • The 20 Most Bike-Fri­endly Cities on the Pla­net | WIRED – With each edi­tion, the Copenhagen­ize Design Company’s Index of the most bike-fri­endly cities in the world evol­ves. In 2011 we ran­ked 80 glo­bal cities; in 2013 we ran­ked 150.

    This year, we con­side­red cities with a regio­nal popu­la­tion over 600,000 (with a few excep­ti­ons because of their politi­cal and regio­nal import­ance, and to keep things inte­res­ting). We ran­ked 122 cities. The top 20 are pre­sen­ted here.

  • Vom Per­ga­ment ins Inter­net – das jgu-maga­zin berich­tet über das dfg-pro­jekt der digi­ta­len ver­öf­fent­li­chung der augs­bur­ger bau­meis­ter­bü­cher
    Die Augs­bur­ger Bau­meis­ter­bü­cher sind ein außer­ge­wöhn­li­che Quelle. „Es gibt fast aus jeder grö­ße­ren Stadt und selbst aus klei­ne­ren Orten in Deutsch­land Kon­to­bü­cher oder Rech­nungs­bü­cher“, erklärt Rogge. „Sie sind nur unter­schied­lich gut über­lie­fert. Man­che fan­gen erst um das Jahr 1500 an. Die Augs­bur­ger Bau­meis­ter­bü­cher begin­nen 1320. Das ist sehr früh. Außer­dem sind sie bis zum Jahr 1800 fast kom­plett erhal­ten. Bei vie­len ande­ren Städ­ten klaf­fen große Lücken.“ Und bei Augs­burg han­delt es sich um einen bedeu­ten­den Ort, eine Reichs­stadt, eine weit­ge­hend auto­nome Kom­mune, die nur dem Kai­ser unter­stand. „Sie war unter ande­rem stark in den inter­na­tio­na­len Han­del ein­ge­bun­den.“
  • Thema: 70 Jahre Auf­bau-Ver­lag: Bau Auf­bau auf | ZEIT ONLINE – burk­hard mül­ler por­trät den (heu­ti­gen) auf­bau-ver­lag inkl. sei­ner geschichte und sei­nen besit­zer, mat­thias koch
  • Glei­che Rechte als Son­der­rechte? – sehr gute aus­füh­run­gen von anna katha­rina mari­gold zur gleich­stel­lung vor dem recht in deutsch­land …
  • Hat­ten im Mit­tel­al­ter alle Men­schen schlechte Zähne? | blog.HistoFakt.de – das his­to­fakt-blog über die zähne des mit­tel­al­ter­li­chen men­schens – die wahr­schein­lich (so weit wir das wis­sen) gar nicht so schlecht waren …
    wer etwas auf sich hielt, wird ohne Zwei­fel von den zahl­rei­chen Mög­lich­kei­ten zur Zahn­pflege Gebrauch gemacht und auf fri­schen Atem geach­tet haben. Da die typi­sche Ernäh­rung die Zahn­ge­sund­heit zudem weit weni­ger gefähr­dete, als dies heut­zu­tage der Fall ist, dürf­ten also die meis­ten Men­schen im Mit­tel­al­ter ent­ge­gen popu­lä­rer Vor- und Dar­stel­lun­gen tat­säch­lich nicht über schlechte, son­dern im Gegen­teil über starke, gesunde und weiße Zähne ver­fügt haben.
    Nicht Ver­fall war im Mit­tel­al­ter die größte Gefahr für Zähne und Zahn­flei­sch, son­dern Ver­schleiß.

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  • Die zwölf Arbei­ten des Ver­le­gers | Edit – jan wen­zel cha­ra­ke­ri­siert die tätig­keit des ver­le­gens in 12 arbei­ten und beginnt mit dem „ein­krei­sen der gegen­wart“, bevor er sich eher pro­sai­schen arbei­ten wid­met
    Die Arbeit des Ver­le­gers ist vor allem eine Suche. […] Der Wunsch, die flüch­tige Gegen­wart les­bar zu machen, ist sein Antrieb. Die Spur sei­ner Such­be­we­gung sind die Bücher, die ent­ste­hen. Jetzt und jetzt und jetzt.
  • Vor­schläge für eine bes­sere Opern­welt. | Bad Blog Of Musick – moritz eggert macht – ziem­lich ein­fa­che – vor­schläge, wie die opern­welt deutsch­lands bes­ser (und vor allem: aktu­el­ler) wer­den könnte: ein­fach mehr neue opern spie­len – und zwar nicht nur urauf­füh­run­gen, son­dern auch nach-insze­nie­run­gen …
    Gäbe es aber viel Neues, Ver­rück­tes und Expe­ri­men­tel­les in den Opern­häu­sern zu sehen, so würde man sich auch gerne mal eine Mozar­t­o­per anschauen, die ohne sinn­lo­sen Schnick­schnack aus­kommt und in der sich nie­mand anpis­sen muss. Das wäre dann auch nicht spie­ßig, son­dern leben­dige Tra­di­tion in Kom­mu­ni­ka­tion mit dem Neuen. Wenn ich mir die “Mona Lisa” anschaue, so ist es halt die “Mona Lisa”, und das ist auch in Ord­nung so. Ein Doku­ment einer bestimm­ten Zeit, einer bestimm­ten Sicht auf die Dinge. Ich muss das nicht zer­stö­ren, son­dern kann es auch so mal ste­hen las­sen.
    Es wäre alles so ein­fach.
    Wenn sich nur jemand mal end­lich trauen würde, etwas dau­er­haft zu ändern.
  • Hei­deg­ger-Lehr­stuhl-Streit: Rek­tor ver­steht nicht – jür­gen kaube über die „auf­re­gung“ um die umwid­mung eines lehr­stuhls zur junior-pro­fes­sur an der uni frei­burg:
    Doch der Rek­tor der Uni­ver­si­tät Frei­burg ver­steht die ganze Auf­re­gung nicht. Wir glau­ben ihm. Er ver­steht es ein­fach nicht, aber genau das ist ja das Pro­blem. An deut­schen Uni­ver­si­tä­ten, die dau­ernd Exzel­lenz beschwö­ren und nach Stan­ford schauen, gibt es zu viel Spit­zen­per­so­nal, das ein­fach nicht ver­steht, wenn sich andere über die Phra­sen auf­re­gen, mit denen es seine merk­wür­di­gen Ent­schei­dun­gen deko­riert.
  • BND-Über­wa­chung: Warum schickt der BND der Bun­des­wehr abge­hörte Daten? | ZEIT ONLINE – es hört nicht auf mit den spio­na­geskan­da­len – der bnd scheint wirk­lich kei­ner­lei respekt für irgend­wel­che deut­schen gesetze und gren­zen zu haben:
    Warum gibt der BND der Bun­des­wehr abge­hörte Daten? Und lässt von ihr Spio­nage­mel­dun­gen über­set­zen? Es ist ille­gal
  • Vor­rats­da­ten­spei­che­rung : Ein Schritt zur tota­len Über­wa­chung | ZEIT ONLINE – kai bier­mann erin­nert (mal wie­der, lei­der aber eben auch mal wie­der not­wen­di­ger­weise) daran, warum eine lücken­lose über­wa­chung der gesam­ten bevöl­ke­rung mit der vor­rad­t­s­da­ten­spei­che­rung keine so gute idee ist:
    Darum aber, die Arbeit der Poli­zei beque­mer zu machen, darf es nicht gehen. Sicher­heit ist nicht das ober­ste Ziel eines Staa­tes, auch wenn Innen­mi­nis­ter das gerne behaup­ten. Wäre es das, würde die­ser Staat bald all seine Bür­ger voll­stän­dig über­wa­chen. Genau um das zu ver­hin­dern, gibt es das Grund­ge­setz, es ist eine Samm­lung von Abwehr­rech­ten, mit denen sich die Bür­ger den Staat vom Leib hal­ten sol­len. Und dort steht, die Würde der Men­schen zu schüt­zen und zu erhal­ten, sei die erste Regel.
    […] Kein Anschlag der ver­gan­ge­nen Jahre war im Nach­hin­ein eine Über­ra­schung, alle Täter waren bereits zuvor auf­ge­fal­len. Für diese Erkennt­nisse brauchte es keine gesetz­li­che Vor­rats­da­ten­spei­che­rung.
  • Peter Engst­ler: Die Frei­heit, lang­sam zu sein | Frank­fur­ter Rund­schau – sabine vog­ler hat den wun­der­ba­ren peter engst­ler und sei­nen ver­lag besucht und ein schö­nes por­trät eines idea­lis­ten geschrie­ben:
    Als Engst­ler 1986 mit dem Bücher­ver­le­gen begann, hatte er kei­ner­lei Finanz­ka­pi­tal im Hin­ter­grund. Das ist bis heute so. Sein Ein­mann­be­trieb rech­net sich markt­wirt­schaft­lich nicht. Engst­lers Bücher, nun­mehr knapp 200 und fast alle noch lie­fer­bar, sind Nischen­pro­dukte: Lyrik, expe­ri­men­telle Prosa.
    […] Engst­ler ist ein Bei­spiel dafür, dass doch ein rich­ti­ges Leben im fal­schen mög­lich ist. Ein glück­li­cher Rebell, dem nichts man­gelt. […] Was immer da abläuft, es ist unbe­zahl­bar.
  • ICE-Anbin­dung Darm­stadts: Kniff­lige Über­le­gun­gen – neue Eisen­bahn­stre­cken zu pla­nen kann ganz schön kom­pli­ziert sein. Hier: ICE in Darm­stadt – hält er oder nicht?

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  • Kolumne Bes­ser: Wie der Herr, so’s Gescherr – taz.de – das gibt’s auch nicht jeden tag: dass ich deniz yücel zustimme und sei­nen text auch noch gut finde. dank „pegida“-blödsinn ist’s mög­lich (und nötig!) – also lesen!:
    Pegida fin­det die „Lügen­presse“ doof, die „Lügen­presse“ fin­det Pegida doof. Aber es gibt Aus­nah­men: Ste­phan, Wei­mer, Matus­sek, Bro­der, di Lorenzo.
  • 32. Lepanto oder Der fort­ge­setzte Miss­brauch der Ver­gan­gen­heit | Geschichte wird gemacht – achim land­wehr beschäf­tigt sich (not­ge­drun­gen …) mit dem umstand, dass der afd-poli­ti­ker ein­fach mal ohne anlass in der fas ohne beson­dere his­to­ri­sche kennt­nis über die schlacht von lepanto schreibt.
    Was ler­nen wir aus die­sem ansons­ten gänz­lich zu ver­nach­läs­si­gen­den Bei­trag?

    Miss­brau­che nicht die Ver­gan­gen­heit in ver­ein­fa­chen­der und ver­fäl­schen­der Form für bil­lige poli­ti­sche Anlie­gen der Gegen­wart.
    Wenn du schon von die­ser Ver­gan­gen­heit erzählst, dann tue es in mög­li­cher kom­ple­xer, mög­lichst zahl­rei­che Aspekte berück­sich­ti­gen­der Form.
    Wenn du schon einen Arti­kel schreibst, in dem bil­lige Res­sen­ti­ments gegen Andere bedient wer­den, dann schreibe wenigs­tens einen guten Arti­kel. Üble Bei­träge mit üblen Inhal­ten sind eine dop­pelte Belei­di­gung.
    Wenn du etwas aus Lepanto ler­nen willst, dann lerne dies: Es ist wirk­lich für alle Betei­lig­ten bes­ser, auf gegen­sei­tige Aner­ken­nung und Zusam­men­ar­beit zu set­zen als auf gegen­sei­ti­ges Abschlach­ten.

    Muss man so etwas wirk­lich noch hin­schrei­ben?

  • Kraut von Rüben sor­tiert – Kraut­re­por­ter durch­ge­zählt | Ver­wi­ckel­tes – marc mit eini­gen inter­es­san­ten beob­ach­tun­gen und bemer­kun­gen zu den „kraut­re­por­tern“. eini­ges deckt sich mit mei­ner eige­nen erfah­rung – etwa das generv­t­s­ein von den tilo-jung-plau­der­stünd­chen. jeden­falls haben es die „kraut­re­por­tern“, denen ich ja gerne geld bezahlt habe (und so arg viel war es ja auch gar nicht) noch nicht geschafft, zu einem wich­ti­gen teil mei­nes medi­en­kon­sums zu wer­den – ich ver­gesse immer mal wie­der, das zu che­cken …
  • Höh­len: Geh zum Teu­fel! | ZEIT ONLINE – „Die Welt brauchte viel weni­ger Psy­cho­phar­maka, wenn die Leute öfter in Höh­len gehen wür­den.“ >
  • Das Auge liest mit – Nur wenige Lite­ra­ten nut­zen die Ober­flä­che ihrer Texte als eigen­stän­dige Aus­drucks­form oder machen sich die Mühe, die mate­ri­elle Grund­lage ihrer Texte – die Schrift – zu reflek­tie­ren. – fea­ture von jochen meiß­ner, ca. 54 minu­ten
  • France’s rock star eco­no­mist Tho­mas Piketty turns down Legion of Honour | World news | The Guar­dian – piketty scheint ein mann mit cha­rak­ter zu sein:
    French eco­no­mist Tho­mas Piketty has spur­ned the Legion of Honour, the country’s hig­hest dis­tinc­tion, on the grounds that the govern­ment should not decide who is hono­ura­ble.

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  • 30. Neo­his­tof­lo­xi­kon oder Neue Flos­keln braucht das Land | Geschichte wird gemacht – achim land­wehr wird grund­sätz­lich:
    Es ist eigent­lich immer an der Zeit, das eigene Den­ken über Ver­gan­gen­heit und Geschichte mal etwas durch­zu­schüt­teln und auf den grund­sätz­li­chen Prüf­stand zu stel­len.
  • Who is afraid of jazz? | Jazz­Zei­tung – „Wer hätte gedacht, dass ich sogar Bruck­ner ein­mal span­nen­der und fre­ne­ti­scher fin­den würde als neuen Jazz!“
  • Essay: Schläf­rig gewor­den – DIE WELT – er ost­eu­ropa-his­to­ri­ker karl schlö­gel wider­spricht in der „welt“ den ver­fas­sern & unter­zeich­nern des auf­ru­fes „wie­der krieg in europa?“ – mei­nes erach­tens mit wich­ti­gen argu­men­ten:
    Denn in dem Auf­ruf ist neben vie­len All­ge­mein­plät­zen, die die Eigen­schaft haben, wahr zu sein, von erstaun­li­chen Din­gen die Rede. So lau­tet der erste Satz: „Nie­mand will Krieg“ – so als gäbe es noch gar kei­nen Krieg. Den gibt es aber. Rus­si­sche Trup­pen haben die Krim besetzt
    […] Aber­mals ist vom „Nach­barn Russ­land“ die Rede: Wie muss die Karte Euro­pas im Kopf derer aus­se­hen, die so etwas von sich geben oder mit ihrer Unter­schrift in Kauf neh­men! Pein­lich – und wahr­schein­lich in der Eile von den viel beschäf­tig­ten, ernst­haf­ten Unter­zeich­nern nicht zur Kennt­nis genom­men – die Behaup­tung, Russ­land sei seit dem Wie­ner Kon­gress Mit­ge­stal­ter der euro­päi­schen Staa­ten­welt. Das geht viel wei­ter zurück, wie auch Laien wis­sen, die schon von Peter dem Gro­ßen gehört haben. Und aus­ge­rech­net die Hei­lige Alli­anz zu zitie­ren, mit der die Tei­lung Polens zemen­tiert, die pol­ni­schen Auf­stände nie­der­ge­wor­fen und die 1848er-Revo­lu­tion bekämpft wor­den ist – das passt nicht gut zur Ernst­haf­tig­keit eines um den Dia­log bemüh­ten Unter­neh­mens. Vom Molo­tow-Rib­ben­trop-Pakt – eine zen­trale Erfah­rung aller Völ­ker „dazwi­schen“ und im 75. Jahr der Wie­der­kehr des Ver­tra­ges, der den Zwei­ten Welt­krieg mög­lich gemacht hat – ist im Text gar nicht die Rede, ein­fach zur Seite gescho­ben, „ver­drängt“.
  • Was bewegt Yvan Sagnet?: Hoff­nung der Skla­ven | ZEIT ONLINE -
    Arbei­ter aus dem Sudan, aus Bur­kina Faso, aus Mali, aus fast jedem Land Afri­kas. In dre­cki­gen Män­teln suchen sie vor den Müll­hau­fen nach Ver­wert­ba­rem. Es ist, als würde man durch einen düs­te­ren, apo­ka­lyp­ti­schen Roman von Cor­mac McCar­thy fah­ren. An den Feld­we­gen, die von den Land­stra­ßen abge­hen, ste­hen Pro­sti­tu­ierte. Rumä­nin­nen und Bul­ga­rin­nen. So sieht es aus, das Herz der ita­lie­ni­schen Toma­ten­pro­duk­tion.

    – fritz schaap in der zeit über den ver­such des gewerk­schaf­ters yvan sagnet, die mise­ra­blen bedin­gun­gen der arbei­ter in ita­lien, v.a. der ern­te­hel­fer, zu ver­bes­sern. der sagt u.a.

    Der Käu­fer muss wis­sen: Wenn er in den Super­markt geht und ein Kilo­gramm ita­lie­ni­sche Toma­ten für acht­zig Cent kauft, dann wur­den diese Toma­ten von mise­ra­bel ent­lohn­ten Arbei­tern geern­tet, die man ohne Wei­te­res als moderne Skla­ven bezeich­nen kann.“
  • Eine wich­tige Infor­ma­tion der Ver­ei­nig­ten Geheim­dienste – YouTube – Bet­ter no Let­ter: Eine wich­tige Infor­ma­tion der Ver­ei­nig­ten Geheim­dienste (siehe auch: The U.S.S.A. says: BETTER NO LETTER!)
  • Union kri­ti­siert Rame­low-Wahl in Thü­rin­gen: Ver­lo­gene Heul­su­sen | tagesschau.de – wow, bei der ARD & der Tages­schau ist jemand genauso ange­wi­dert vom Ver­hal­ten der CDU in Thü­rin­gen wie ich
  • For­schung: So will doch kei­ner arbei­ten! | ZEIT ONLINE – For­schung: So will doch kei­ner an Unis arbei­ten! – Die­ses Mal mit einer His­to­ri­ke­rin
  • Zer­schla­gen, aber im Samm­lungs­kon­text erschließ­bar: In der Baye­ri­schen Staats­bi­blio­thek wurde über den Ankauf des Schott-Archivs infor­miert | nmz – neue musik­zei­tung – Zer­schla­gen, aber im Samm­lungs­kon­text erschließ­bar: Die Bestände des Archivs des Schott-Ver­la­ges tei­len sich künf­tig auf die Staats­bi­blio­the­ken Mün­chen und Ber­lin sowie sechs For­schungs­ein­rich­tun­gen auf. Über den Kauf­preis wurde Still­schwei­gen ver­ein­bart.
  • So ent­stand der Mythos der „Trüm­mer­frauen“ – Poli­tik – Süddeutsche.de – die sz lässt sich von der his­to­ri­ke­rin leo­nie tre­ber noch ein­mal erklä­ren, woher die „trüm­mer­frauen“ kom­men:
    Es wurde ein äußerst posi­ti­ves Bild die­ser Frauen ver­mit­telt: Dass sie sich frei­wil­lig und mit Freude in die harte Arbeit stür­zen und den Schutt weg­räu­men, um den Wie­der­auf­bau vor­an­zu­trei­ben. Die PR war auch enorm wich­tig, weil die Trüm­mer­räu­mer – wie zuvor erwähnt – stig­ma­ti­siert waren und sol­che schwe­ren Jobs bis dahin eigent­lich nicht von Frauen erle­digt wer­den soll­ten. Des­halb wurde das Bild der „Trüm­mer­frau“ posi­tiv auf­ge­la­den mit den Ste­reo­ty­pen, die wir noch heute mit dem Begriff ver­bin­den.
  • Main­zer Schott-Musik­ver­lag: His­to­ri­sches Archiv wird öffent­lich zugäng­lich – Rhein­land-Pfalz | SWR.de – „opti­male Erschlie­ßung“ = Zer­stö­rung des Zusam­men­hangs. Schott-Musik­ver­lag: Archiv wird öffent­lich zugäng­lich
  • Hat die Jugend kei­nen Ehr­geiz mehr? | Blog Maga­zin – phil­ipp ting­ler über die gegen­wart, die kul­tur und den ehr­geiz zum glück:
    Gegen­wär­tig leben wir in einer Gesell­schaft, die Selbst­per­fek­tio­nie­rung, die Arbeit am Ich, als Selbst­ge­nuss pos­tu­liert; einer der letz­ten Leit­werte in der irre­du­zi­blen Viel­falt der uns allent­hal­ten umge­be­nen Kon­tin­genz­kul­tur ist: Authen­ti­zi­tät. Dafür steht auch Diane von Fürs­ten­berg. Die Bio­gra­fie als Pro­jekt. Wenn jetzt also plötz­lich alle aus ihrem Leben ein Kunst­werk machen wol­len, dann ist das nicht nur ein ethi­scher, son­dern auch ein sehr ehr­gei­zi­ger Impe­ra­tiv: Lebens­wel­ten und –for­men wer­den ambi­tio­niert durch­äs­the­ti­siert, und das Pathos der Selbst­er­schaf­fung rich­tet sich auf die bei­den gros­sen Ziele der Post­wachs­tums­ge­sell­schaft: Spass und Glück.
    […] Wir sehen also, dass Ehr­geiz durch­aus nicht ver­schwun­den ist, son­dern sich nur ver­irrt hat.

    seine the­ra­pie ist übri­gens ziem­lich ein­fach (und wahr­schein­lich gar nicht so ver­kehrt): selbst­iro­nie als die „schönste Form der Eigen­liebe“

  • Duden | Kon­rad-Duden-Preis 2014 geht an Dama­ris Nüb­ling | – Der Kon­rad-Duden-Preis 2014 geht an @DFDmainz-Projektleiterin Dama­ris Nüb­ling
  • E-Books: Wir sind die Fähr­ten­le­ser der neuen Lite­ra­tur – Bücher – FAZ – elke hei­nemann über die viel­falt der neuen (kleine) e-book-ver­lage:
    Dich­tung ist längst auch digi­tal: Auf der Suche nach E-Books abseits des Main­streams führt der Weg in Deutsch­land vor allem nach Ber­lin. Doch die enga­gier­ten Spe­zi­al­ver­lage haben auch spe­zi­elle Pro­bleme.
  • Gen­der-Debatte: Anschwel­len­der Ekel­fak­tor | ZEIT ONLINE – wun­der­bar: robin detje rech­net gna­den­los mit den kolum­nen­het­zern #ulfha­rald­jan­mat­thias aber (schade nur, dass das bei der @Zeit wie­der nie­mand lesen wird und harald des­halb wei­ter die leser­schaft ver­gif­ten darf):
    Heute tobt die Schluss­strich­de­batte Femi­nis­mus. Ende: nicht abzu­se­hen. Alternde Män­ner an vor­ders­ter Front. Hoher Unter­hal­tungs­wert, aber auch anschwel­len­der Ekel­fak­tor. Die Argu­men­ta­tion wie­der fas­zi­nie­rend: Femi­nis­mus gibt es inzwi­schen doch schon so lange, das nervt, Frauen ner­ven ja immer, und die Frauen wol­len offen­bar tat­säch­lich, dass wir Män­ner unser Ver­hal­ten ändern, wes­halb jetzt wir die eigent­li­chen Opfer sind.
    […] Und des­halb husch, husch, ihr all­män­ner­mäch­ti­gen Dis­kurs­be­herr­scher, zurück in eure Eck­kneipe. Die jetzt lei­der von einem Gen­der-Stu­dies-Les­ben-, Tran­sen- und X-trupp über­nom­men wird, und ihr schiebt für eine Weile in der Küche Abwasch­dienst.

    Ent­schul­di­gung, aber das wird man sich als auf­ge­klär­ter, älte­rer deut­scher Mann doch noch wün­schen dür­fen.

  • “Femi­nis­mus kann nie­mals Life­style sein” • Denk­werk­statt – gabriele micha­lit­sch im inter­view mit eini­gen sehr rich­ti­gen beob­ach­tun­gen:
    Femi­nis­mus kann nie­mals Life­style sein, Femi­nis­mus ist immer poli­ti­sch. Wenn die Medien eine sol­che Dis­kus­sion befeu­ern, ist das eine Form von Anti­fe­mi­nis­mus und der Ver­such, den Begriff Femi­nis­mus zu ver­ein­nah­men, ihm seine poli­ti­sche Rele­vanz abzu­spre­chen. Femi­nis­mus war zudem nie män­ner­feind­lich, er wurde immer auch von Män­nern mit­ge­tra­gen. Wenn, dann wen­det er sich gegen bestimmte Kon­zep­tio­nen von Männ­lich­keit – wie auch Weib­lich­keit. Wäre die­ser angeb­lich neue Femi­nis­mus nicht Gegen­stand öffent­li­cher Debat­ten, müss­ten wir uns erst gar nicht damit aus­ein­an­der­set­zen – in mei­nen Augen ist das eine anti­fe­mi­nis­ti­sche Stra­te­gie.

    und spä­ter auf den punkt gebracht:

    Wenn Femi­nis­mus auf Kar­riere mit Kin­dern redu­ziert wird, ist das das Ende des Femi­nis­mus.
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