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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; 19. jahrhundert</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur.</description>
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		<title>Liszt zum Zweihundertsten</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Mar 2011 21:07:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>2011 als Jubiläumsjahr — sein Geburtstag jährt sich zum 200. Mal — war der offensichtliche Anlass für diese Buch: Wolfgang Dömlings kleine Biographie „Franz Liszt”. Erschienen ist das in der von mir grundsätzlich sehr geschätzen Reihe „Wissen” des Beck-Verlags. Aber da passt dieses Buch kaum rein — im Gegensatz zu anderen dort erschienen Bändchen hat es mich sehr enttäuscht, obwohl es in der Taschenbuchkolumne der Süddeutschen Zeitung sehr direkt empfohlen wurde. Und zwar war ich sowohl inhaltlich als auch formal und sprachlich ziemlich enttäuscht.</p>
<p>Fangen wir mit dem pingeligsten an, den Formalalitäten: Entgegen der Reihen-Gepflogenheiten gibt es hier überhaupt keine vernünftigen Literaturhinweise: Dömling erwähnt den MGG-Artikel — und genau ein Buch.<sup class='footnote'><a href='#fn-4537-1' id='fnref-4537-1'>1</a></sup> Das war’s auch schon — sehr enttäuschend. Und auch wenig hilfreich. Es gibt doch bestimmt auch gute musikwissenschaftliche, werkanalytische Literatur zu Liszt, die dem Leser etwas weiterhelfen könnte.<sup class='footnote'><a href='#fn-4537-2' id='fnref-4537-2'>2</a></sup> Damit hängt vielleicht auch das inhaltliche Problem zusammen … — aber dazu später noch etwas.</p>
<p>Sprachlich fallen sofort die Satz-Ungetüme oder –Ungeheuer auf: Dömling häuft nämlich gerne in einem Satz alles an, was ihm so an Information über den Weg läuft — mit unzähligen Einschüben, Appositionen, Relativsätzen und so weiter. Und irgendwann, das ist bei ihm gar nicht selten, ist der ursprüngliche Satz gar nicht mehr zu erkennen. Ob der trockene, spröde Stil (der nur auf den letzten Seiten, wo es um Liszts Spätwerk geht, einige Funken schlägt) als Plus– oder Minuspunkt zu werten ist, bleibt sicher Geschmacksache. Ich fand es oft arg dürr.</p>
<p>Und inhaltlich? Das hängt durchaus wieder mit der sprachlichen Gestaltung zusammen. Dömling gibt sich gerne etwas besserwisserisch, etwas paternalistisch belehrend erzählt er den Lebensweg in groben (oft nur sehr bruchstückhaften) Umrissen, greift gerne mal auf das „wie bekannt” zurück. Dabei hat er offenbar durchaus den Laien im Blick, vieles musikfachliches wird von ihm nämlich gut und knapp erklärt, die fachlichen Voraussetzungen hält er ausgesprochen niedrig: Selbst eigentlich banale Dinge wie das Transponieren oder vom-Blatt-Spielen erklärt er mehrfach (aber wer eine Virtuosen– &amp; Komponistenbiographie liest, wird solch elementare Sachverhalten doch wohl ungefähr parat haben …). Das sieht dann z.B. mal so aus:</p>
<blockquote><p> </p>
<div>1834 begegnete Liszt der Schriftstellerin George Sand (nom de plume für Aurore Dudevant), einer Frau, deren Klischeebild in der Nachwelt, besonders der deutschen, recht unfreundlich ist: als hosentragende, zigarren– und männerverschlíngende Emanze, die viele schlechte Romane geschrieben hat und nur als Pﬂegerin-Muse des unglücklichen Chopin in Erinnerung bleibt. (Eine der mit steter Regelmäßigkeit auftauchenden Kulturveranstaltungen in deutschen Städten heißt „Ein Winter auf Mallorca”, multimedial gestaltet mit einer Lesung aus Sands gleichnamigem Buch, mit Lichtbildern und mit Chopins Musik — darunter natürlich <em>das</em> „Regentropfen-Prélude”, das freilich als solches nur in der populären Überlieferung identiﬁzierbar scheint …) Sand und Chopin lernten sich übrigens bei Liszt kennen. Der Winter auf Mallorca 1838/1859, worunter man sich heute vielleicht etwas „Rornantisches” vorstellt, war voller mehr oder weniger schrecklicher Erlebnisse. (Welch seltsame Idee ja auch, mit zwei Kindern und einem Pianisten und Komponisten, Großstadtmensch und krank dazu, sich im Winter auf eine unwirtliche und ungastliche Insel zurückzuziehen!) <sup class='footnote'><a href='#fn-4537-3' id='fnref-4537-3'>3</a></sup></div>
<p> </p></blockquote>
<p>Gut gelingt Dömling aber auch manches, vor allem die (musik-)historische Situierung und Einordnung Liszts, seiner Konzertpraxis und seiner Kompositionen. Das nimmt zar nur sehr wenig Raum ein, aber immerhin nimmt er sich die Zeit und den Platz — gerne auch mit entsprechenden Rückblicken, zu klar soll es ja nicht werden — zu schildern, was an Listzs Treiben Besonderheit oder Normalität im 19. Jahrhundert war — das ist ein sehr guter Zug.</p>
<p>Im ganzen wirkt das aber auf mich noch arg unfertig, wie eine Vorstudie für ein „richtiges” Buch: Dömling springt fleißig hin und her, ohne das immer ausreichend deutlich zu machen, beginnt irgendwie immer wieder neu. Deutlich wird das vor allem in seiner Darstellung der 1830er: Liszts Konzertkarriere darf hier unzählige Male neu beginnen — aber über das wie, das was und vor allem das warum erfährt man dann doch herzlich wenig. Überhaupt, der Konzertkünstler Liszt ist hier total unterbelichtet, gerade was die zeitgenössische Rezeption angeht, aber auch, was seine eigentlichen Unternehmungen betrifft.<br />
Dazwischen, in dieser Materialsammlung oder diesem Steinbruch, stehen dann doch immer wieder kluge Sätze, die Einsicht und Einfühlungsvermögen verraten und den Leser wieder versöhnen.<sup class='footnote'><a href='#fn-4537-4' id='fnref-4537-4'>4</a></sup> Schade nur, dass es so wenige bleiben und dass sie so verstreut sind. Seine Andeutungen haben aber irgendwie Methode: Das geschieht immer auf ähnliche Weise, wie z.B. Liszts Beziehung zu Wagner:</p>
<blockquote><p>Cosimas detaillierte Tagebuchnotate sagen dazu mehr als genug.<sup class='footnote'><a href='#fn-4537-5' id='fnref-4537-5'>5</a></sup></p></blockquote>
<p>Toll, dass Dömling das weiß. Ich hätte es auch gerne erfahren …</p>
<p>Mein Haupt-„Problem” bei der Lektüre des biographischen Abrisses aber: Mir scheint, er hat keine wirkliche Deutung des Lebens, keine Interpretation des Lebensweges — deswegen wirkt das so akademisch, weil er über große Teile des Textes nur die äußeren Stationen abhandelt, die Psychologie des Komponisten aber keine (bzw. nur eine kleine) Rolle spielt. Dazu kommt dann noch eine eher verwunderliche Zurückhaltung, was die Beschreibung und/oder Analyse der Musik Liszts angeht — das ist oft erschreckend und ärgerlich kurz, oberflächlich und nichtssagend. Von einem Musikwissenschaftler, der sich schon länger mit Liszt beschäftigt, hätte ich gerade in diesem Punkt deutlich mehr erwartet.</p>
<p>Also, in meinen Augen keine empfehlenswerte Biographie, auch im Jubiläumsjahr nicht: Wer noch keine Kenntnisse der Biographie Liszts hat, wird sich hiermit wohl schwertun. Und warum die Süddeutsche das empfehlenswert fand, erschloss sich mir überhaupt nicht.</p>
<p>Wolfgang Dömling: Franz Liszt. München: Beck 2011 (Wissen). ISBN <a href="http://worldcat.org/isbn/9783406611957">978–3-406–61195-7</a>. 112 Seiten.</p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4537-1'>Der MGG-Artikel von Detlef Altenburg ist durchaus zu recht erwähnt, der ist schon sehr gut. Und dass Dömling sich bei Burgers Bild– und Dokumentband fleißig bedient hat (natürlich nur, was die Texte angeht, Bilder gibt es in dieser Reihe ja nicht), merkt man im Text deutlich. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4537-1'>↩</a></span></li>
<li id='fn-4537-2'>Ich kenne mich da nicht wirklich aus — aber Dömling ist ja mit Werkanalysen oder wenigstens –beschreibungen auch ärgerlich extrem zurückhaltend. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4537-2'>↩</a></span></li>
<li id='fn-4537-3'>S. 34f. — so steht das wirklich mitten in einer Liszt-Biographie. Und das ist nicht die einzige derartige Stelle, solche und ähnliche Seitenhiebe gibt es unzählige … <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4537-3'>↩</a></span></li>
<li id='fn-4537-4'>Zum Beispiel die wenigen, knappen, aber m. E. sehr genau treffenden Sätze zur Heimat-Idee Liszts, zu seiner Beziehung zu Ungarn — das hätte durchaus Potenzial zur Ausarbeitung gehabt … <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4537-4'>↩</a></span></li>
<li id='fn-4537-5'>Und damit ist Dömling auch fast am Ende seiner knappe Schilderung der Begegnung Wagner-Liszt im Winter 1882/83, S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4537-5'>↩</a></span></li>
</ol>
</div>

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		<title>51 Saiten im Akkord</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Jul 2010 17:17:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit 51 Saiten l&#228;sst sich eine Menge Musik machen. Die Kombination Harfe und Violine ist zwar nicht so sehr verbreitet, weder heute noch in der Musikgeschichte. Aber es gab doch immer wieder Zeiten, in denen sie favorisiert wurde. Zum Beispiel und vor allem im 19. Jahrhundert, als die Harfe ihre moderne Form bekam. Und etwa [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit 51 Saiten lässt sich eine Menge Musik machen. Die Kombination Harfe und Violine ist zwar nicht so sehr verbreitet, weder heute noch in der Musikgeschichte. Aber es gab doch immer wieder Zeiten, in denen sie favorisiert wurde. Zum Beispiel und vor allem im 19. Jahrhundert, als die Harfe ihre moderne Form bekam. Und etwa in den Pariser Salons, wo das Instrument durchaus beliebt war.<br />
Das Sommerkonzert in den unklimatisierten und entsprechend aufgeheizten Räumen der <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.villamusica.de" title="Villa Musica" target="_blank">Villa Musica</a></span> trieb die historische Aufführungspraxis vielleicht ein wenig weiter als unbedingt nötig. Aber bei offenen Fenstern war es auszuhalten – und die Vögel im Garten hatten auch etwas davon. Aber ob sie die Kunstfertigkeit der beiden Preisträger des Villa-Musica-Förderpreis zu schätzen wussten? Das menschliche Publikum tat es jedenfalls.</p>
<p>Es gab schließlich auch einiges zu hören – vorwiegend Unbekanntes allerdings. Denn ein Duo Geige und Harfe findet sich eher aus Zufall, etwa weil beide gleichzeitig Preisträger sind, wie bei Helena Madoka Berg und Christoph Bielefeld. Die jungen, aber versierte Instrumentalisten stellten ihr Können auch solistisch unter Beweis. Helena Berg tat dies mit einer knackig-kantigen, kraftvollen Interpretation der vierten Violinsonate von Eugène Ysaye, während Christoph Bielefeld sich und seine Harfe mit Louis Spohrs C-Moll-Fantasie ins rechte Licht rücke. Der Gedanke an Mozart liegt bei diesem Werk nahe, heute würde so etwas wohl leicht unter den Plagiatsverdacht fallen und bestimmt keinen Innovationspreis gewinnen. Nichtsdestotrotz zeigte Bielefeld sehr genau, dass das auch so schöne und gute Musik ist, die mit einer ganz eigenen klanglichen Poesie aufwarten kann. </p>
<p>Die Hauptsache des Abends in der Villa Musica waren aber die Duos. Auch hier war Spohr wieder vertreten mit einem gefälligem Potpurri über Themen aus Mozarts Zauberflöte, komponiert für die eigene Konzertpraxis, der Violinvirtuose Spohr war mit der konzertierenden Harfenistin Dorette Scheidler verheiratet. Und das hört man der lose gefügten Reihung durchaus an: Die Harfe darf hier zeitweise auch mal richtig angeben, was auf ihr alles möglich ist.</p>
<p>Daneben gab es noch viel Französisches zu hören. Besonders herausragend dabei: Camille Saint-Saens „Fantaisie“, eine formal eher lockere Reihung melodisch und harmonsich sehr verführerischer Reize. Bielefeld und Madoka Berg trugen das brillant und inspiriert vor, ließen die leicht fließende Schwärmerei mit ihrer gefangennehmender Mischung aus unterhaltsamen Belanglosigkeiten und suchender Nachdenklichkeit wirbeln und blitzen: Eine Fantasie, die das ganze Konzertprogramm noch einmal wunderbar zusammenfasste.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>.)<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/a3241ffe7ac6417d9495f7fd1834c7a9" width="1" height="1" alt=""></p>

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		<title>bach und die virtuosen romantiker</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 20:54:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es wirkte zun&#228;chst fast wie eine Beerdigung: Der gro&#223;e schwarze Fl&#252;gel, Kirill Gerstein ganz und gar in Schwarz gewandt, der gemessenen Schrittes zu seinem Platz schritt und dort wartete, ganz in sich selbst versunken. Aber eine Trauerfeier war der Klavierabend, das f&#252;nfte Konzert der SWR-Reihe „Internationale Pianisten“, im Frankfurter Hof nun wirklich nicht. Eine Respektbezeugung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wirkte zunächst fast wie eine Beerdigung: Der große schwarze Flügel, Kirill Gerstein ganz und gar in Schwarz gewandt, der gemessenen Schrittes zu seinem Platz schritt und dort wartete, ganz in sich selbst versunken. Aber eine Trauerfeier war der Klavierabend, das fünfte Konzert der SWR-Reihe „Internationale Pianisten“, im Frankfurter Hof nun wirklich nicht. Eine Respektbezeugung allerdings schon. Zunächst ging es nämlich um JOhann Sebastian Bach. Als Komponist und als Vorbild, als Inspiration und als Heroe der klassischen Musik auch im 19. Jahrhundert.<br />
Kirill Gerstein hatte sein kurzfristig noch geändertes Programm rund um Bach konzipiert, mit dessen zweiter Englischen Suite als Mittel– und Referenzpunkt. Und dann spielte auch Ferruccio Busoni eine große Rolle: Zunächst, zum Warmspielen und zur gegenseitigen Gewöhnung, stand dessen fünfte Sonatine an — „in signo Joanni Sebastiani magni”. Aber schon das reichte, um Gersteins Prinzipien klar zu erkennen: Über allem stand ihm die Deutlichkeit. Die knackige, aber sanft artikulierte Ausarbeitung der Formen, der Motive und Themen, ihrer Verarbeitungen und Verbindungen – das lag ihm am Herzen und das gelang ihm treflich.<br />
Darüber hinaus hatte Gerstein sich aber auch noch Busonis Toccata verschrieben. Hier ging es dann richtig zur Sache — virtuos ausgespielt und deutlich bis fast zur Groteske, zeigte er sich von technischen Schwierigkeiten völlig unbeeindruckt.<br />
Und noch eine Toccata bildete das Bindeglied von Bach und Busoni zu Liszt im zweiten Teil: Die C-Dur-Toccata Robert Schumanns, die Gerstein als Episodenhafte Traumbewegung, weit entrückt der Realität vorstellte — ein Traum, der kristallne Klarheiten offenbarte und zugleich ganz und gar irreal erschien — erst der Applaus holte ihn wieder zurück in die Realität.<br />
Das war also schon eine ganze Menge. Vor allem viel Musik mit sehr hohem spieltechnischen Anspruch. Aber Gerstein setzte noch eines drauf und schloss den Abend mit Liszts h-Moll-Sonate ab. Die ist Schumann gewidmet – womit sich der Kreis der gegenseitigen Beziehungen und Verweise an diesem Abend rundete. Natürlich wurde das ein großartiger Schluss. Auch wenn, gerade in den letzten Teilen der Sonate, die Konzentration ein kleines bisschen nachzulassen schien, die Präzision Gersteins minimal aufweichte. Davor entwickelte er aber ganz viel düstere, kraftvolle, konzentrierte, faustische und doch ganz lichthelle Musik. Denn Gerstein spielte das so klar und deutlich, dass man im Geiste mitschreiben hätte können.</p>
<p>(geschrieben für die <span class='wp_keywordlink'><a href="http://www.mainzer-rhein-zeitung.de" title="Mainzer Rhein-Zeitung" target="_blank">mainzer rhein-zeitung</a></span>)<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/40e9e86abff446a1a19b28925a49855e" width="1" height="1" alt=""></p>

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		<title>wie man aus einer normalen mittelgebirgslandschaft deutschlands ein verwunschenes geisterland macht</title>
		<link>http://matthias-mader.de/publizistik/wie-man-aus-einer-normalen-mittelgebirgslandschaft-deutschlands-ein-geisterland-macht/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 07:05:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[willi weiss reiste f&#252;r die s&#252;ddeutsche zeitung durch den odenwald. und es schon interessant, so etwas mal zu lesen, wenn man das zielgebiet etwas kennt. da kommen n&#228;mlich so einige ungenauigkeiten und verzerrungen zutage. zum beispiel steht da: erbach wurde im sp&#228;ten mittelalter zum zentrum der elfenbeinschnitzer. franz I, graf von erbach, der daf&#252;r ma&#223;geblich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>willi weiss reiste für die süddeutsche zeitung durch den odenwald. und es schon interessant, so etwas mal zu lesen, wenn man das zielgebiet etwas kennt. da kommen nämlich so einige ungenauigkeiten und verzerrungen zutage.</p>
<p>zum beispiel steht da: erbach wurde im späten mittelalter zum zentrum der elfenbeinschnitzer. franz I, graf von erbach, der dafür maßgeblich verantwortlich war, lebte leider erst 1754–1823 — also unbedeutend später (übrigens, um den abstand zum mittelalter zu verdeutlichen: franz I. war auch der letzte graf vor der mediatisierung der grafschaft erbach). im späten mittelalter war im odenwald noch nicht so viel los mit spezialisierter wirtschaftspolitik und so …</p>
<p>was mich aber am meisten stört (abgesehen von der ungenauen darstellung der geschichte um die fusion von erbach und michelstadt): der odenwald ist hier eine einzige waldidylle, nahezu menschenleer — abgesehen von den wenigen hier hausenden originalen, den künstlern auf der suche nach „kontemplation” und den alten bauern -, ständig werden mythen und aberglauben des 18. und 19. jahrhunderts zitiert und evoziert, die im odenwald faktisch kaum noch jemand kennt …und  sonst: vor allem lauter abgelegene dörfchen, einzelne höfe, alte scheunen etc. — das der odenwald inzwischen ziemlich großflächig zugebaut wurde, erfährt man da kaum. stattdessen heißt es dann: „wasserreiche wälder, aus denen immer wieder hügel mit burgen oder fachwerk-städtchen … auftauchen” — nun ja. so viele burgen tauchen da nicht auf. und fachwerk-städtchen auch nicht so oft. aber das wäre ja zu normal und würde nicht in die rezeption des odenwaldes als magisch-verwunschene landschaft passen, in der auch heute noch die bauern schauergeschichten erzählen, wenn sie dem vorbeischauenden reisenden aus der fernen großstadt kochkäse auftischen — wie das gespräch mit dem landwirt in ober-kainsbach wirklich abgelaufen ist, würde ich ja schon gerne wissen. und ob weiss wirklich glaubt, dass sei real, was er hier schreibt und andeutet.</p>
<p>der artikel mit dem passenden titel „der ritter der lüfte” will sich ausweislich seine runterzeile dem „rodensteiner land im odenwald” widmen. seltsam, dass weiss dann auf einmal in hesseneck und am krähberg auftaucht — das ist doch eine ziemlich andere ecke. immerhin hat er mitbekommen, dass der odenwald ein größeres problem mit gehirnamputierten motorradfahrern hat, die sich wie die lemminge auf den straßen in den tod stürzen. aber selbst dieser ziemlich moderne irrsinn wird dann wieder in das abergläubische, mythisch-verwuschene bild des odenwaldes ganz nahtlos eingepasst: „Was sind das für Geräusche? Sind es ferne Motorräder  oder ist es anschwellendes Geschrei aus der Höhe? [Weiss sollte sich mal im Sommer an einem sonntag an einem ziemlich beliebigen ort im odenwald raussetzen — er wird den krach der motorräder schnell kennenlernen] Bellen Hunde? Klirren Schwerter? Man kann da nicht so sicher sein — im Odenwald.” na ja, eilli weiss vielleicht nicht — man schon.</p>

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		<title>deutsche literaturgeschichte in einer stunde</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Jul 2006 11:43:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
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		<description><![CDATA[auch wenn klabund der verfasser der jetzt als nachdruck der zweiten auflage von 1921 beim textem-verlag erschienen deutschen literaturgeschichte in einer stunde. von den &#228;ltesten zeiten bis zur gegenwart ist — die autorit&#228;t des schriftstellers reicht in diesem falle nicht aus, &#252;ber die m&#228;ngel solcher unternehmen hinwegzut&#228;uschen. das sind nat&#252;rlich zuforderst ganz prinzipielle — eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>auch wenn<strong> klabund</strong> der verfasser der jetzt als nachdruck der zweiten auflage von 1921 beim textem-verlag erschienen <em><strong>deutschen literaturgeschichte in einer stunde</strong><strong>. von den ältesten zeiten bis zur gegenwart</strong></em> ist<em><strong> — </strong></em>die autorität des schriftstellers reicht in diesem falle nicht aus, über die mängel solcher unternehmen hinwegzutäuschen. das sind natürlich zuforderst ganz prinzipielle — eine solche „literaturgeschichte” kann weder literatur noch geschichte sein, sie ist bloß eine knappe versammlung der höhenkammliteratur, eine aufzählung des kanons. auch wenn klabund sein ziel noch anders verfehlt — in einer stunde wird der text kaum zu schaffen sein, ich brauchte fast drei dafür (und habe nicht sehr getrödelt). auffallend an klabunds unternehmung sind eher die immer wieder eingestreuten unbekannten namen — z.b. johann christian günther, zu dem ihm einfällt: „wie ein sturmwind braust [er], der götterbote einer neuen zeit, in die deutsche dichtung.” (35) anlässlich eines anderen unbekannten schwingt er sich zu wahren großtaten auf: salomon „geßner war einmal eine europäische berühmtheit. es wird nicht besser werden in der welt, ehe es geßner nicht wieder ist. wir werden erst dann ewigen frieden haben, wenn arkadische dichter wie er wahrhaft populär geworden sind.” (41)</p>
<p>und damit sind wir ja auch schon beim eigentlichen problem: klabund ist ein bekennender und gnadenloser emphatiker, um eine kürzlich aufgebrachte unterscheidung hier anzuwenden. als autor hat er natürlich jedes recht, ein solcher zu sein — als literarhistoriker meines erachtens aber überhaupt keines. und es ist natürlich sehr passend, dass ausgerechnet volker weidermann, an dessen „lichtjahre” sich die von hubert winkels (<a href="http://www.zeit.de/2006/14/Debatte1_neu?page=all">zeit vom 30.3.</a>) eingeführte unterscheidung der literaturkritiker zwischen emphatikern  und gnostikern überhaupt entzündete, das vorwort zu diesem nachdruck beisteuert: eine rückvergewisserung des eigenen unternehmens — seht her, auch der große klabund war (wie ich) ein emphatiker! und die „lichtjahre” sind dann auf einmal so etwas wie eine fortsetzung von klabunds werk, der ja zu beginn des 20. jahrhunderts aufhört zu lesen und sich zu begeistern (und schon ab der zweiten hälfte des 19. jahrhunderts gehörig ins schwimmen gerät und kaum noch sortiert bzw. zwischen gut und schlecht unterscheidet und deshalb notgedrungen auch nichts mehr wirklich beschreibt, sondern alles nur noch gehetzt anreißen kann).</p>
<p>als solcher präsentiert klabund naturgemäß einen vollkommen subjektiven blick auf die geschichte der deutschen literatur und tut doch gleichzeitig so, als sei dies eine richtige literaturgeschichte. dazu passend ist sein ansatz viel zu sehr personal geprägt, um wirklich zu relevanten einschätzungen zu kommen — personal insofern, als er bedeutung zunächst an seiner eigenen leseerfahrung misst und personal auch insofern, als er literaturgeschichte als geschichte von autorenpersonen schreibt (die fast durchweg männlich sind, natürlich). das ergibt ein ziemliches misch-masch, geprägt von einer fast ausschließlich identifikatorischen lektüre. epochen, geistige verbindungslinien, traditionen etc. kommen bei ihm allenfalls am rande vor. und solch ein ansatz führt naturgemäß zu einigen gerechten, aber auch zu einigen ungerechten urteilen und fehlern (z.b. das hier: „friedrich schiller ist der dichter der jugend” (53) — dazu muss man schon einiges aus dem werk schillers ausblenden) — immerhin unternimmt klabund nicht noch den versuch, das zu verbergen: die (selbst-)sicherheit des urteilens hat schon fast etwas großartiges. als zeitdokument und in seiner ausgrabung gerade zu diesem zeitpunkt heute, wo sich immer mehr literaturkritiker als emphatiker genügen und darauf auch noch stolz sind (was natürlich in der tradition des großen grauenhaften anti-kritikers reich-ranicki steht), ist das immerhin eine ergötzliche lektüre — für historische wahrheit und gerechtigkeit ist klabund hier halt nicht zuständig.</p>

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