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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; Suchergebnisse  &#187;  jirgl</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.</description>
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		<title>Die Gegenwart, das Gl&#252;ck und die Literatur</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 10:39:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwie, so habe ich manchmal den Eindruck, gibt es über die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zu viel und zu wenig Untersuchungen. Geschrieben wird viel und viel geschrieben über das Geschriebene. Aber nur ganz, ganz wenig davon gelingt überzeugend. Richard Kämmerlings Buch über „Das kurze Glück der Gegenwart”, in dem er sich der duetschsprachigen Literatur sein 1989 widmet, ist so ein Fall: Schön, dass ein Kritiker versucht, mehr zu tun als einzelne Bücher beim Erscheinen zu besprechen und in der Rückschau noch einmal zu ordnen. Schade, dass er es so tut.</p>
<p>Das fängt schon ganz vorne an, mit der  falschen Prämisse — und ist dann leider auch noch schlecht durchgeführt. Also: Kämmerlings verlangt, <sup class='footnote'><a href='#fn-4615-1' id='fnref-4615-1'>1</a></sup> dass die deutschsprachige Literatur gegenwartshaltig sei und ihren Leserinnen und Lesern die Welt der Gegenwart erklärt. Das ist natürlich irgendwie ein hehrer Wunsch, der zunächst einmal schlüssig scheint, aber doch Unsinn ist: Warum soll die Literatur das tun? Und warum soll sie es — das ist nämlich Kämmerlings Folgerung — unbedingt und aussschließlich mit Stoffen der angeblichen Gegenwart tun? Ist Literatur nicht etwas mehr als bloße Weltbeschreibung? Sollte sie es nicht sein? Ist das die „Aufgabe” der Kunst: Uns die Welt zu zeigen und zu erklären? Oder sollte sie sich nicht mehr um „uns” kümmern — wenn sie überhaupt irgend etwas „soll”?</p>
<p>Jedenfalls geht es für Kämmerlings darum: Autoren sollen ihre Stoffe aus den Erscheinungen der Gesellschaft der Gegenwart übernehmen und entwickeln, sie sollen die Kriege der letzten Jahre thematisieren, soziale Ungleichheiten, wirtschaftliche Entwicklungen, politisches Geschehen. Und sie sollen das offenbar gefälligst in lesbarer, nicht zu ausgefallener Prosa tun — etwas anderes kennt Kämmerlings in diesem Buch nicht: Romane sind  - trotz des damit als großsprecherisch sich erweisenden Untertitels — seine Form, mit einigen Ausflügen in kürzere Formen der erzählenden Literatur. Dramatische Texte haben zur Gegenwart nichts zu sagen? Und Lyrik auch nicht? — Das sieht wie ein typischer Fehlschluss eines Zeitungs-Kritikers aus, würde ich sagen, der mit seinen beruflich bedingten (?) Scheuklappen liest — in der Tat kommt in den deutschen Zeitungen die Lyrik schon nur extrem wenig vor, die dramatischen Texte als Texte (abseits der Performanz der (Ur-)Aufführung) eigentlich überhaupt nicht. Begründbar ist das in den Kunstwerken nicht, höchstens in der vermeintlichen Größe des Interesses der Leserschaft — selbst wenn man Gegenwartshaltigkeit als Maßstab anlegt, sollte man erkennen, dass dazu auch Lyrik und Drama einiges zu sagen haben können.</p>
<p>Leider klebt Kämmerlings dann auch noch über den allergrößten Teil der zweihundert Seiten bloß am Stoff der besprochenen Bücher: Über bloße Inhaltsangaben, knappe Referate des beschriebenen Geschehens mit ein paar Beispielsätzen geht er so gut wie nie hinaus. Sowie es um die eigentliche künstlerische Gestaltung geht, um Stilfragen, um Strukturen der Texte, ihre Formen und Gestalten, wird Kämmerlings ausgesprochen ungenau und nebulös — vielmehr als der „Ton” eines Autors bleibt meist nicht übrig von seiner Analyse. Das ist natürlich schade und ausgesprochen unbefriedigend. Denn es ist ja nicht so, dass er schlechte Bücher vorstellt …</p>
<p>Dafür spielen intertextuelle Netze, die Beziehungen — inhaltliche und temporale — zwischen den Texte, also auch so etwas wie „Schulen” des Schreibens, eine ganz große Rolle. Auch echte oder vermeintliche Vorbilder sind für Kämmerlings sehr wichtig — meist kommen sie aus der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Was dieses Nacheifern, dieses Schreiben auf Anregung anderer Texte, allerdings bedeutet, bleibt er wiederum gerne schuldig: Was heißt es denn, das diese Beziehung erkennbar ist? Für Kämmerlings scheint das eher ein Vorteil zu sein, ein Lernen von den (richtigen) Meistern. Aber warum soll mich das interessieren, ob Autor A jetzt B gekannt hat oder nicht? Neben diesen Beziehungen der Texte untereinander sucht Kämmrlings auch gerne äußere Anlässe für das Entstehen von literarischen Werken auszumachen. Und wieder ist mir nicht ganz klar, was das für das Verstehen (oder auch nur Erfahren) des Kunstwerkes helfen soll. Für ihn ist das aber wichtig, weil damit ja sein Gebot der Gegenwartsnähe erfüllt wird (bzw. zu werden scheint).</p>
<p>Die abschließende Liste der 10 besten Bücher der letzten 20 Jahre ist dann ja, nun ja, ein etwas seltsamer Gag. Irgendwie habe ich den Eindruck, das war eine Verlagsidee, der sich Kämmerlings auch nur etwas widerwillig gebeugt hat. Die Liste selbst bietet eine etwas merkwürdige Mischung, finde ich. Das sind ohne Zweifel gute Bücher — aber die besten? Rainald Goetz ist zum Beispiel mit „Abfall für alle” vertreten — warum „Klage” oder „Loslabern” schlechter sein sollen, erschließt sich mir nicht. Aber die beiden Bücher kennt Kämmerlings offenbar nicht, muss man vermuten — im Text selbst kommen sie nämlich auch nicht vor — und das ist mir völlig unverständlich. Ingo Schulzes „Simple Story” halte ich tendenziell ja auch für etwas überschätzt — das ist, genau wie Marcel Beyers „Flughunde” etwa so ein Buch, das jeder irgendwie gut finden kann. Warum Thomas Lehr ausgerechnet mit „Nabokovs Katze” auf der Liste gelandet ist, das ist mir auch wiederum nicht ganz klar — ich halte das nicht für sein bestes Buch.</p>
<p>Was bleibt als von Kämmerlings Versuch, die (?) deutschsprachige Literatur seit ’89 zu erfassen und zu erklären? Eine Menge Bücher werden angerissen, kurz vorgestellt, referiert — von denen mir durchaus einige wohl durch die Lappen gegangen sind (und durchaus einige sich vielversprechend anhören). Aber ganz, ganz vieles — und leider eben vieles unheimlich Gutes — fällt durch das Raster. Unverständlich bleibt mir einiges: Warum zum Beispiel Reinhard Jirgl nur einmal nur nebenbei erwähnt wird (die Kunst des name-dropping beherrscht Kämmerlings ziemlich gut …) — gerade in das Kapitel zum erinnernden Roman hätte er wunderbar gepasst. Und fraglich bleibt dann doch auch, ob man aus Büchern wie denen von Kurzeck (der etwas mehr Gnade findet als Jirgl, aber natürlich vor allem durch das unvermeidliche „proustsche” Erzählen charakterisiert wird) nicht genauso viel oder sogar mehr über uns und die Gegenwart lernen kann als aus vermeintlich aktuellen Büchern (was bei Kämmerlings ja nur und vor allem aktuelle Stoffe meint), die sich den spezifischen Situationen der Gegenwart, d.h. der letzten ca. 10 Jahre, widmen.</p>
<p>Aber das führt mich ja wieder an den Anfang: Die Forderung der Gegenwartshaltigkeit der Literatur ist meines Erachtens kunstfremder Unsinn, der — wie Ina Hartwig in der Süddeutschen ganz richtig anmerkte — der Literatur eine Stellvertreterfunktion zuweist: Sie soll erleben, was wir selbst nicht tun. Der Anspruch, Literatur müsse uns unsere „Gegenwart”  irgendwie erklären, ist aber ein falscher, der den Kunstwerken auch nur selten gut tut. Dafür gibt es Journalisten. Und bezeichnenderweise ist Kämmerlings von journalistischen Schreibweisen wie Moritz von Uslars „Deutschboden” eben auch sehr angetan — logisch, denn sie erfüllen eben seine Bedingung der Gegenwartsnähe und –beschreibung. Aber Kunst sollte doch etwas mehr sein. Und ist es ja auch immer wieder — Kämmerlings zum Trotz sozusagen.</p>
<p>Richard Kämmerlings. Das kurze Glück der Gegenwart. Deutschsprachige Literatur seit ’89. Stuttgart: Klett-Cotta 2011. 208 Seiten. ISBN <a title="worldcat" href="http://worldcat.org/isbn/9783608946079" target="_blank">978–3-608–94607-9</a>.</p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4615-1'>Ja, er verlangt das wirklich — er will, dass das die Autoren tun, er will ihnen vorschreiben, wie Literatur zu sein hat. Auch wenn er natürlich klug genug ist, eine solche präskriptive Ästhetik mit genügend Caveats zu versehen: Im Kern geht es ihm darum, eine bestimmte Art von Literatur als die (einzig) richtige zu setzen. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4615-1'>↩</a></span></li>
</ol>
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		<title>Als der Regen begann …</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Nov 2010 00:27:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>… damals …: <a href="/literatur/reinhard-jirgl-bekommt-den-georg-buechner-preis-2010/">Büchnerpreisträger</a> Reinhard Jirgl liest aus seinem wunderbaren Roman „Die Stille” — trocken, schlicht und nüchtern ganz auf den Text konzentriert. Aber leider nur ein ganz kurzer Ausschnitt …</p>
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		<title>Dietmar Dath dichtet Deutschland dicht</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2010 19:30:27 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(sorry, die Alliterationskette musste sein …) Das also ist es, das neueste Buch von Dietmar Dath. Und es hinterl&#228;sst mal wieder das typische Dath-Gef&#252;hl nach dem Lesen: Begeisterung und freudiges Staunen, aber auch Irritationen, Unverst&#228;ndnis und Ablehnung. In vielerlei Hinsicht ist „Deutschland macht dicht” (mit passender Webseite, die aber erstaunlich mager wirkt) wirklich ein typisches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(sorry, die Alliterationskette musste sein …)<br />
Das also ist es, das neueste Buch von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dietmar_Dath">Dietmar Dath</a>. Und es hinterlässt mal wieder das typische Dath-Gefühl nach dem Lesen: Begeisterung und freudiges Staunen, aber auch Irritationen, Unverständnis und Ablehnung. </p>
<p>In vielerlei Hinsicht ist „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_macht_dicht">Deutschland macht dicht</a>” (mit passender <a href="http://rosalievollfenster.de/">Webseite</a>, die aber erstaunlich mager wirkt) wirklich ein typisches Dath-Werk. Zum Beispiel wieder mal mit leicht verschlüsselten „realen” Personen — die „erhabene Zeitung” ist natürlich die FAZ, deren Redaktion Dath schließlich mal angehörte, Bernd Vollfenster, „Held des direkten begrifflichen Zugriffs” (58) (diese Namen, ihre gleichermaßen phantastische und doch imemr auch banale Gestalt, sind typisch für Dath überhaupt) erinnert als Feuilleton-Chef natürlich an Frank Schirrmacher und so weiter und so fort.</p>
<p>Dazu kommen dann noch Hendrik Kilian, Clea Pinguin (deren Mutter ziemlich grandios charakterisiert wird: „Hilde Pinguin war alles andere als die Herrin ihrer eigenen Angelegenheiten. Im Gegensatz zu den ganz großen Verbrechern, die den Planeten zu der Hölle zugerichtet hatten, die er den meisten Menschen war, mußte sie zusehen, daß si von ihrem vielen Glück nicht hinterrücks aufgefressen wurde.” (32)) und Rosalie Vollfester als behütete Kinder mehr oder weniger reicher Frankfurter Bürger im Beginn und Zentrum der „Mandelbaumiade”.</p>
<p>Und unterdessen sperrt der Kanzler (der früher mal eine Frau war und kopfüber im Büro hängt) in Anwesenheit des Wirtschaftsministers und des „Geistes” Schumpeters das Land zu — der Monogenis-Plan: </p>
<blockquote><p>„Wenn wir das machen … hchhh …’, grunzte der Kanzler, ‚dann natürlich nicht für immer. Eher wie beim Krämerladen, wegen Inventur geschlossen … danach können wir dann filrter. Das Problem ist … doch nur .. dieses ungeregelte Rein und Raus […]. Dieses Abschotten und Aufräumen, erst mal den eigenen Laden in Schuß bringen, und dann sortieren, wer später irgendwann wieder rein kann, den ganzen Handel und Wandel, einerseits Einwanderere, andererseits Export … Monogenis-Plan. Internet abschalten. Prima.” (31)</p></blockquote>
<p>Ganz so einfach geht es dann doch nicht, der Moment der Abdichtung/Dichtmachung bzw. Plombierung fordert die Phantasie heraus … und hat Folgen, auch einige unerwünschte bzw. ungeplante Nebeneffekte, z.B. „Involution[en] der Welterschließungsfunktion des gesamtdeutschen Bewußtseins” (62).</p>
<p>Hängen bleibt vor allem: Die Wirklichkeit ist aber ein Fluidum hier — es gibt sprechende Kunstwerke, stotternde, nicht-grammatische Sätze bildende Professoren und redegewandt dozierende Stoffhasen mit dem Namen Mandelbaum leben einträchtig mit– und nebeneinander — dazu noch die seltsam anthopomorphischen Tiere und die „billigen”, unfertig aussehenden Menschen — und fertig ist auch schon wieder ein typischer Dath-Text.</p>
<p>Dazu tritt dann noch der „älteste Kommunist Deutschlands”, einige verrückte Begebenheiten geschehen, die zunächst völlig zusammenhanglos nebeneinander stehen und erzählt werden, mehr braucht es für einen echten Dath eigentlich gar nicht: „Es fing jetzt an, unterbezahlt zu regnen.” (43) — solche Sätze gibt es hier haufenweise. Die Handlung dagegen ist reichlich wirr und irgendwie auch gar nicht so wichtig. Interessanter sind die Motive und ihre Verwendungen.</p>
<p>Etwa das verrotende Geld, auch so eine typische Dath-Idee: Einfach mal die Redensart der „harten” und „weichen” Währung — so in der Art eines Eulenspiegels — wörtlich nehmen und die Menschen daran wie an einer ansteckenden Krankheit leiden lassen.</p>
<p>Der Moment des Dichtmaches ist dann — natürlich — grausam schön, hinterlässt ein „reines” Deutschland — alle irgendwie ausländischen Menschen überstehen den Prozess nicht. Und dann, mit dieser Dichtmachung, beginnt natürlich der eigentliche Spaß erst — weil das nicht ganz so glatt läuft, dann treten natürlich wieder Zombies und ähnliches auf, es wird gekämpft mit allen Mitteln, der Käse gegen den Hase, die Tat gegen die Anschauung — und die Menschen mittendrin und dazwischen. Das Geld nicht nur lebendig, sondern zum Akteur geworden und steht als solcher natürlich im Zentrum der Handlung und der ganzen Scharade .… </p>
<p>Überhaupt tritt Allegorisches zuhauf in Erscheinung. Und dann wird, auch wieder typisch Dath, noch die eine oder andere Meta-Ebene eingezogen — z.B. die Figuren 15 Jahre später an anderem Ort, die sich das gerade gelesene erzählen und darüber — und über die Fiktionalität dessen — reflektieren — was aber dann doch wieder nur ein Effekt der „Übergangstrance” ist und damit sich selbst sozusagen wieder wiederruft.</p>
<p>Und mittendrin in diesem Gewusel gibt es aber auch durchaus „schöne”, d.h. eher nette, weil treffende Stellen — z.B. das „Schäubleprinzip” — „Alles ist verdächtig!” (170) und ähnliche Momente. Genau an dieser Stelle zeigt sich aber auch: Dath ist wieder mal hyperaktuell — das ist jetzt gerade ganz nett, aber ob das in 15, 20 Jahren auch noch tragfähig ist?</p>
<p>Typisch <a href="http://www.ub.fu-berlin.de/service_neu/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/autord/dath.html">Dath</a> ist das alles, aber vor allem die Situation der „Endzeit” (nicht unbedingt die einer Apokalypse, aber doch nahe dran). Aber — damit einhergehend — schreibt Dath mehr oder weniger immer von Situationen der Veränderung, eine Lage der Änderungen, der neuen Umstände, des Anderssein (der Gesellschaft, des Lebens, der Menschen etc.) — also der Notwendigkeit der Entscheidungen. Hier in „Deutschland macht dicht” wird das sozusagen noch potenziert, durch die ständig instabil fluktuierende Wirklichkeit und das Hin– und Herreisen in der Zeit. Genau das unterscheidet ihn von vielen anderen Skribenten — und ich glaube, es macht für mich einen Großteil der Faszination (oder der zumindest der Anziehung) aus, die Daths Werke auf mich ausüben: Die Idee, dass etwas anderes, eine andere Verfasstheit der Gesellschaft/Gemeinschaft, der politischen/kulturellen/wirtschaftlichen Gemeinwesen möglich ist, — und das eben auch dann Änderungen, neue Kurse möglich sind, dass — auch einzelne — Menschen das weitere Geschick, die Entwicklung größerer, komplexere Gebilde beeinflussen können. Übrigens auch per Kunst. Und das ist ja nicht nur ein ungemein tröstender, sondern auch ein zwar utopischer, aber positiver Akt der Zu-Mut-ung. Dagegen stehen die „Beschreiber”, Erfasser und Erzähler des status quo — ich sage nur Rainald Goetz -, die zweifellos auch wichtig sind, weil sie oft genug (wie gerade Goetz, aber auch z.B. in eher historischer Perspektive Reinhard Jirgl) nicht nur beschreiben, sondern auch erkennen und/oder durchschauen und/oder diese Erkenntnis dem Leser nicht nur vorlegen, sondern auch selbst ermöglichen — eine Seite, die bei Dath nicht so sehr ausgeprägt ist. </p>
<p>Genauso wenig übrigens auch die künstlerische Seite, die leider nicht ganz so anziehungskräftig für mich ist: das ist (kunsthandwerklich) alles geschickt gemacht, aber ohne besonders herausragende Qualitäten — formal oder stilistisch zum Beispiel bleibt das im ungefähren — und im Mittelmaß. </p>
<p>Dietmar Dath: Deutschland macht dicht. Eine Mandelbaumiade. Mit Bildern von Piwi. Berlin: Suhrkamp 2010. 201 Seiten. ISBN 978–3-518–42163-5.</p>

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		<title>Reinhard Jirgl bekommt den Georg-B&#252;chner-Preis 2010</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 10:09:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das ist eine gute Nachricht. Vor allem f&#252;r einen Jirgl-„Fan” wie mich: Jirgl bekommt in diesem Jahr den Georg-B&#252;chner-Preis der Deutschen Akademie f&#252;r Sprache und Dichtung verliehen (am 23. Oktober, traditionsgem&#228;&#223; im Staatstheater Darmstadt). Und damit auch das immerhin recht ansehnliche Preisgeld von 40.000 Euro. Aus der Pressemitteilung der Akademie: [… Jirgl,] der in einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das ist eine gute Nachricht. Vor allem für einen Jirgl-„Fan” wie mich: Jirgl bekommt in diesem Jahr den Georg-Büchner-Preis der <a href="http://www.deutscheakademie.de">Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung</a> verliehen (am 23. Oktober, traditionsgemäß im <a href="http://www.staatstheater-darmstadt.de/">Staatstheater Darmstadt</a>). Und damit auch das immerhin recht ansehnliche Preisgeld von 40.000 Euro. Aus der <a href="http://www.deutscheakademie.de/aktuell2.html">Pressemitteilung</a> der Akademie: </p>
<blockquote><p>[… Jirgl,] der in einem Romanwerk von epischer Fülle und sinnlicher Anschaulichkeit ein eindringliches, oft verstörend suggestives Panorama der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert entfaltet hat.<br />
Mit großer erzählerischer Sensibilität und Leidenschaft – geschützt durch den Firnis eines avantgardistischen Schreibgestus – erzählt Jirgl von den Aufbrüchen und Katastrophen, den Kriegen und Vertreibungen, den Zeiten der Teilung und der schwierigen Vereinigung.<br />
Dabei lässt er die historischen Umbrüche aus unterschiedlichsten Perspektiven alltäglichen Erlebens gegenwärtig werden und macht – so zuletzt in den großen Romanen „Die Unvollendeten“ und „Die Stille“ – die Stimmen der Vergessenen und Verschütteten wieder hörbar.</p></blockquote>
<p>Besonders riskant ist die Entscheidung der Akademie wohl nicht, seit dem Alfred-Döblin-Preis von 1993, der Jirgls „Karriere” (wenn man das so nennen kann) in Gang setzte, hat <a href="/?s=jirgl">Jirgl</a>, der nicht nur ein ausgezeichneter Stilist, sondern auch ein großer Gestalter der Form des Romans ist, immerhin einige mehr oder weniger wichtige Literaturpreise bekommen — u.a. im letzten Jahr den <a href="/literatur/jirgl-erhaelt-den-feuchtwanger-preis/">Feuchtwanger-Preis</a> für historische Romane. Die „Zeit” hat sich das von der dpa auch schreiben lassen: <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-07/jirgl-buechner-preis">klick</a>, <a href="http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~E6D8823B9E56643839CB94491B4680023~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a> und <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,705522,00.html">Spiegel</a> ebenso mit minimal ausführlicheren Texten. Und noch eine Kritik der Begründung am <a href="http://www.stilstand.de/archives/4956">Stilstand</a>.</p>

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		<title>„degeneration beginnt …</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 20:01:04 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>    „degeneration beginnt, wo der wille zum geist aufört.” (reinhhard <br />jirgl, abschied von den feinden)</p>

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		<title>jirgl erh&#228;lt den feuchtwanger-preis</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 07:26:39 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>reinhard jirgl, in meinen augen einer der ganz wenigen ganz großen lebenden deutschen schriftsteller (in der bedeutung als sprach-künstler) <a href="http://www.adk.de/de/aktuell/pressemitteilungen/index.htm?we_objectID=24611#">erhält heute den lion-feuchtwanger-preis</a> für historische romane. fast ein wenig ironisch, diese auszeichnung. denn auch wenn jirgls romane sich thematisch mit der vergangenheit beschäftigen (zwar nicht unbedingt in erster linie, wie es die pressemitteilung der akademie der künste will, mit „mit heißen Eisen, die sonst keiner anfassen mag”), so fällt mir ihre charakterisierung als „historische” romane doch eher schwer. das liegt natürlich zum einen an der form/kategorie selbst, die ja in der regel nur ein zerrbild ihrer selbst ist, zum anderen aber auch an jirgls texten — denn in meiner lektüre gibt es kaum gegenwärtigere texte als jirgls romane. da ist die titulierung als „historisch” eben eher ungewöhnlich. die charakterisierung als „historiographische metafiktion”, auch wenn sie ein begriffliches ungeheuer ist, scheint mir — als ((post-)moderne) variante und fortsetzung des „klassischen” historischen romans für jirgl geeigneter. aber dafür gibt es (noch) keine preise.</p>

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		<title>„Der Mund …</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Aug 2009 18:05:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>… ist auch zum Schweigen da. Denn Daswort ist der höchsten Güter nicht. Doch aller Ehr=Geiz, alles Strebertum ist im-Wort. So schlagen die-Jahre ihren Weg durch immer unbekannte Wildnisse der-Lebenden, deren Fußspuren unbekannt bleiben als seien sie durch Wasser gelaufen, u alles Schweigen wird unterschätz.</em> (Reinhard Jirgl, Die Stille, 528)</p>

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		<title>„Wo Geschichte nach Atem ringt, …</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Aug 2009 21:32:58 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>… holt Natur !erstaunlich schnell sich zurück, was lange Menschen=Geschichte zuvor ihr geraubt.” (Reinhard Jirgl, Die Stille, 423)</p>

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		<title>„Es f&#228;ngt immerwieder an, …</title>
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		<pubDate>Fri, 29 May 2009 19:10:58 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>… die-Akten &amp; die-Vorgänge; von Papier bis du zu Papier wirst du: die einzig=wirkliche Auferstehung heißt Bürokratie” — Reinhard Jirgl, Die Stille, 193</p>

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		<title>„Doch mit steigender …</title>
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		<pubDate>Fri, 29 May 2009 15:03:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>… Mobilität steigt auch die-Dummheit, weil Mobilität den Raum des Wissens expandiert, was zugleich die Zahl der Berührungsflächen mit dem Unwissen potenzieren heißt.” — Reinhard Jirgl, Die Stille, 145</p>

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