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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; medien</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.</description>
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		<title>gro&#223;e musik im gro&#223;en raum: bachs johannes-passion im dom</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2010 19:42:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der erste Versuch war gleich ein Meisterwerk. Nun war Bach, als er die Johannes-Passion f&#252;r den Karfreitag 1724 in Leipzig komponierte, ja beileibe kein Anf&#228;nger mehr. Erfahren ist auch Domkapellmeister Mathias Breitschaft. Das merkt man seiner Interpretation der Johannes-Passion im Domkonzert mit der Domkantorei St. Martin und dem Mainzer Kammerorchester durchaus an – im besten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der erste Versuch war gleich ein Meisterwerk. Nun war Bach, als er die Johannes-Passion f&uuml;r den Karfreitag 1724 in Leipzig  komponierte, ja beileibe kein Anf&auml;nger mehr. Erfahren ist auch Domkapellmeister Mathias Breitschaft. Das merkt man seiner Interpretation der Johannes-Passion im Domkonzert mit der Domkantorei St. Martin und dem Mainzer Kammerorchester durchaus an – im besten Sinne. Denn Breitschaft agiert durchweg mit ruhiger Hand und mit Respekt vor dem Meisterwerk, in gro&szlig;en, ausholenden Geb&auml;rden steuert er durch die Passionserz&auml;hlung. Nicht zu ruhig allerdings. Immer wieder beweist er n&auml;mlich treffendes Gesp&uuml;r f&uuml;r die vielen dramatischen Momente, von den Bach und sein Texdichter so vielf&auml;ltigen Gebrauch machten. Schon der Beginn, der Eingangschor „Herr,unser Herrscher“ verdeutlichte das: Mit Gr&ouml;&szlig;e und Gro&szlig;artigkeit von Breitschaft weit ausgespannt, umfasst der schwingende Chorklang Herrlichkeit und Marter der Passion Jesu zugleich.</p>
<p>Man merkt aber auch, dass der Domkapellmeister sich f&uuml;r diese Auff&uuml;hrung eine ziemlich junge Solisten-Riege engagiert hat. Und zwar ebenfalls durchaus positiv. Denn die S&auml;nger, insbesondere die sowieso von Bach quantitativ und qualitativ hier sehr bevorzugten M&auml;nner, beleben mit ihren frischen und energischen Stimmen die Passion enorm. Zudem singen sie auch mit Mut zum Risiko, zum musikalischen Wagnis. Insbesondere der Evangelist von Thomas Volle wird so zu einem engagierten, beteiligten und unmittelbar betroffenem Erz&auml;hler, der selbst noch mitten im Geschehen steht und seine Zuh&ouml;rer da auch direkt hinein f&uuml;hrt. Der Jesus von Clemens Breitschaft wirkte gegen diesen frischen Zugang fast etwas altv&auml;terlich – sehr abgekl&auml;rt, fast entr&uuml;ckt und menschlicher Pein weit enthoben. Mechtild Bach und Heike Wessels erg&auml;nzten das passend mit Hingabe und W&auml;rme.</p>
<p>Aber eigentlich ist in der Johannes-Passion mehr der Chor als die Solisten die Hauptperson – mit den Chorszenen und vor allem den Chor&auml;len, den Meisterwerken Bachscher Satzkunst. Solide und engagiert, in den Chor&auml;len manches zwar sehr getragen und bedeutungsvoll inszeniert. Aber nichtsdestotrotz bei Domkantorei in besten H&auml;nden – bis hin zum gelungenen Finale, der treffenden Kombination aus gro&szlig;em Gestus im Chor „Ruht wohl“ und der grandiosen Steigerung des zart beginnenden Schlusschorals „Ach Herr, lass dein lieb Engelein“, der energisch-satt im ewigen Lob Christi kulminiert.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>)<img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/ae9c8fd3629443698700688d21fc70c9" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>beatbox und mehr im chor</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Mar 2010 23:26:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Spa&#223; und Groove, Anspruch und lockere Musik m&#252;ssen sich nicht zwansl&#228;ufig ausschlie&#223;en. Ein sch&#246;nes Beispiel, wie man beides vereinen kann, bieten die bei der ehrw&#252;rdigen Universal Edition in Wien erschienenen vierstimmigen S&#228;tze aus der Reihe „Rhytm Voices“. Das erfordert allerding schon eine gewissen Offenheit f&#252;r Ungewohntes und die Lust, sich nicht nur in ein fremdes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Spa&szlig; und Groove, Anspruch und lockere Musik m&uuml;ssen sich nicht zwansl&auml;ufig ausschlie&szlig;en. Ein sch&ouml;nes Beispiel, wie man beides vereinen kann, bieten die bei der ehrw&uuml;rdigen Universal Edition in Wien erschienenen vierstimmigen S&auml;tze aus der Reihe „Rhytm Voices“.<br />
Das erfordert allerding schon eine gewissen Offenheit f&uuml;r Ungewohntes und die Lust, sich nicht nur in ein fremdes Notationssystem zu versenken, sondern auch die eigene Stimme ganz anders zu nutzen: Gesungen wird hier erstmal nicht. Stattdessen wird getrommelt. Zumindest in der Luft: „Airdrummers of Tombalesi“ f&uuml;hrt sehr sch&ouml;n und dicht die Kl&auml;nge und Kombinationen des Schlagzeuges vor – ganz ohne Trommel und Becken nat&uuml;rlich. Daf&uuml;r mit vollem K&ouml;rpereinsatz. Denn auch Arme und Beine braucht man bei dieser Form der vokalen Percussion ganz selbstverst&auml;ndlich, die Choreographie der Schlagbewegungen geh&ouml;rt mit zur Partitur. Interessant sind auch die „Texte“: Die erinnern in manchen Momenten an die Lautgedichte etwa von Kurt Schwitters.<br />
„Beam me up!“ setzt nat&uuml;rlich zumindest rudiment&auml;re Kenntnisse der Star-Trek-Technik voraus. Und ben&ouml;tigt viel Energie – nicht nur, damit Mr. Spock endlich zur&uuml;ck zum Mutterschiff gebeamt werden darf. Auch daf&uuml;r, dass der Hip-Hop-Rhythmus auch wirklich groovt. Aber Richard Filz, erfahrener Lehrer der Vocal Percussion – in Workshops und B&uuml;chern, f&uuml;r Schulklassen oder Solisten – wei&szlig; als Schlagzeuger nat&uuml;rlich, wie man das zuwege bringt. Man ist als Ensemble- oder Chorleiter allerdings gut beraten, sich vorher gut mit den Techniken und M&ouml;glichkeiten der Vocal Percussion vertraut zu machen. Denn Filz gibt zwar auch ein paar Hinweise zur Ausf&uuml;hrung der reibenden und schlagenden Kl&auml;nge, aber das sind wirklich nur ganz knappe Einf&uuml;hrungen. Daf&uuml;r lassen seine Kompositionen (das klingt schon fast ein wenig hoch gegriffen – im Grunde sind es vor allem chorisch notierte Grooves mit einigen Variationen) aber auch noch viel Platz f&uuml;r die eigene Kreativit&auml;t und Phantasie.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.dcvg.de/neuechorzeit/chorzeit.html" target='blank' class="liexternal">neue chorzeit</a>.)</p>
<p>so k&uuml;ndigt es der verlag, die universal edition, an: &#8222;Rhythm Voices &#8211; f&uuml;r vier Stimmen oder Chor a cappella&#8220;. Vocal Percussion-Kl&auml;nge gemixt mit Sprechsequenzen, verschiedenen Ger&auml;uschen und Choreographien sind die wesentlichen Elemente der neuen Serie „Rhythm Voices“. Die am&uuml;santen und rhythmisch ansprechenden St&uuml;cke sind ein Highlight bei jedem Chorkonzert!<br />
&#8222;Airdrummers of Tombalesi&#8220; (Chorpartitur, 12 Seiten, Best. Nr: 34186)<br />
&#8222;Beam me up!&#8220; (Chorpartitur, 12 Seiten, Best. Nr: 34187)<br />
&#8222;Rushhour in Rio&#8220; (Chorpartitur, 16 Seiten, Best. Nr: 34674)<br />
&#8222;Monsun&#8220; (Chorpartitur, 8 Seiten, Best. Nr: 34675)<br />
Universal Edition 2009/2010<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2d4482c2f2eb43c8a739e2309554e478" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>&#8222;herz an herz&#8220;: der bachchor mit brahms &amp; reger</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 17:10:25 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es erbebt die Seele, es zittert das Herz und es schmachtet das Gem&#252;t: In der romantischen Chormusik wird gerne gesehnt und gelitten &#8211; aber auch geliebt und gefreut. Nicht gerade typisches Repertoire f&#252;r einen Kirchenchor. Aber der Bachchor ist ja schon l&#228;nger &#252;ber seine urspr&#252;ngliche Funktion hinausgewachsen. Und dass er und sein Dirigent Ralf Otto [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es erbebt die Seele, es zittert das Herz und es schmachtet das Gem&uuml;t: In der romantischen Chormusik wird gerne gesehnt und gelitten &#8211; aber auch geliebt und gefreut. Nicht gerade typisches Repertoire f&uuml;r einen Kirchenchor. Aber der Bachchor ist ja schon l&auml;nger &uuml;ber seine urspr&uuml;ngliche Funktion hinausgewachsen. Und dass er und sein Dirigent Ralf Otto romantische Musik ziemlich gut in Klang setzen k&ouml;nnen, haben sie auch schon ausreichend bewiesen.<br />
Gute Voraussetzungen f&uuml;r ein gelingendes Konzert also. Und in der Tat, das dritte Abonnement-Konzert, f&uuml;r das der Bachchor mitten in der Passionszeit ins Staatstheater wechselte, gelang ihnen. Nicht nur dem Chor, auch den begleitenden Instrumenatlisten (Burkhard Schaeffer und Petra Morath-Pousinelli am Klavier) und dem Kammermusik-Duo. Denn zwischen den liebestrunkenen und wehevollen Chors&auml;tzen sorgten auch noch Violinist Benjamin Bergmann, wiederum von Burkhard Schaeffer am Klavier unterst&uuml;tzt, f&uuml;r etwas Abwechslung: Mit einer klaren, geradlinigen A-Dur-Violinsonate von Johannes Brahms und Teilen aus der a-Moll-Suite von Max Reger.<br />
Nicht, dass die Abwechslung unbedingt n&ouml;tig gewesen w&auml;re. Denn der Bachchor selbst bringt schon gen&uuml;gend viele Klangfarben und Stimmungen mit, um einen Konzertabend vielf&auml;ltig zu gestalten.<br />
Zumal das Programm sich zwar auf zwei Komponisten, eben Brahms und Reger, beschr&auml;nkte, aber doch alles andere als langweilig war. Da gab es eine kleine Auwahl aus den Ausgew&auml;hltenn Volksliedern Regers, die beiden „Nachtwachen“ aus den F&uuml;nf Ges&auml;ngen von Brahms, aber auch Regers fr&uuml;he Ch&ouml;re f&uuml;r gemischte Stimmen mit Klavier op. 6. Und schlie&szlig;lich noch die kompletten Brahmsschen Liebesliederwalzer. Die waren nat&uuml;rlich ein echter H&ouml;hepunkt, versammelten sie zum Schluss doch noch einmal die gro&szlig;e Vielfalt romantischer Chormuik in einem – textlich und musikalisch, inhaltlich und formal.<br />
Und die reichen Differenzierungen des Chores waren hier besonders gut zu beobachten und zu bestaunen. Denn nicht nur der tanzende Dirigent sorgte f&uuml;r Stimmung, auch die pr&auml;zisen, klaren Chors&auml;tze machten Freude. Otto schaffte es n&auml;mlich wieder einmal, genau ins Ziel zu treffen: Durchh&ouml;rbare Harmonien (selbst in den komplexen S&auml;tzen Max Regers gelang ihm das sehr locker) verbinden sich mit einer wunderbar klaren Verdeutlichung der Komposition. Aber er begn&uuml;gte sich eben noch lange nicht damit. Denn er lie&szlig; seine S&auml;nger und S&auml;ngerinnen das zu wirklicher Musik machen: Mit Empfindung und auch etwas Emphase, mit Gef&uuml;hl und Geschmack leihen sie dem leidenden Herz und der &uuml;berschw&auml;nglich jubilierenden Seele immer wieder ganz frisch ihre klangvollen Stimmen.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>)<img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/6246b61c1e3d47b097562fdd618c3dc1" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>bach und die virtuosen romantiker</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 20:54:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es wirkte zun&#228;chst fast wie eine Beerdigung: Der gro&#223;e schwarze Fl&#252;gel, Kirill Gerstein ganz und gar in Schwarz gewandt, der gemessenen Schrittes zu seinem Platz schritt und dort wartete, ganz in sich selbst versunken. Aber eine Trauerfeier war der Klavierabend, das f&#252;nfte Konzert der SWR-Reihe „Internationale Pianisten“, im Frankfurter Hof nun wirklich nicht. Eine Respektbezeugung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wirkte zun&auml;chst fast wie eine Beerdigung: Der gro&szlig;e schwarze Fl&uuml;gel, Kirill Gerstein ganz und gar in Schwarz gewandt, der gemessenen Schrittes zu seinem Platz schritt und dort wartete, ganz in sich selbst versunken. Aber eine Trauerfeier war der Klavierabend, das f&uuml;nfte Konzert der SWR-Reihe „Internationale Pianisten“, im <a href="http://www.frankfurter-hof-mainz.de" class="liexternal">Frankfurter Hof</a> nun wirklich nicht. Eine Respektbezeugung allerdings schon. Zun&auml;chst ging es n&auml;mlich um JOhann Sebastian Bach. Als Komponist und als Vorbild, als Inspiration und als Heroe der klassischen Musik auch im 19. Jahrhundert.<br />
Kirill Gerstein hatte sein kurzfristig noch ge&auml;ndertes Programm rund um Bach konzipiert, mit dessen zweiter Englischen Suite als Mittel- und Referenzpunkt. Und dann spielte auch Ferruccio Busoni eine gro&szlig;e Rolle: Zun&auml;chst, zum Warmspielen und zur gegenseitigen Gew&ouml;hnung, stand dessen f&uuml;nfte Sonatine an &#8211; &#8222;in signo Joanni Sebastiani magni&#8220;. Aber schon das reichte, um Gersteins Prinzipien klar zu erkennen: &Uuml;ber allem stand ihm die Deutlichkeit. Die knackige, aber sanft artikulierte Ausarbeitung der Formen, der Motive und Themen, ihrer Verarbeitungen und Verbindungen – das lag ihm am Herzen und das gelang ihm treflich.<br />
Dar&uuml;ber hinaus hatte Gerstein sich aber auch noch Busonis Toccata verschrieben. Hier ging es dann richtig zur Sache &#8211; virtuos ausgespielt und deutlich bis fast zur Groteske, zeigte er sich von technischen Schwierigkeiten v&ouml;llig unbeeindruckt.<br />
Und noch eine Toccata bildete das Bindeglied von Bach und Busoni zu Liszt im zweiten Teil: Die C-Dur-Toccata Robert Schumanns, die Gerstein als Episodenhafte Traumbewegung, weit entr&uuml;ckt der Realit&auml;t vorstellte &#8211; ein Traum, der kristallne Klarheiten offenbarte und zugleich ganz und gar irreal erschien &#8211; erst der Applaus holte ihn wieder zur&uuml;ck in die Realit&auml;t.<br />
Das war also schon eine ganze Menge. Vor allem viel Musik mit sehr hohem spieltechnischen Anspruch. Aber Gerstein setzte noch eines drauf und schloss den Abend mit Liszts h-Moll-Sonate ab. Die ist Schumann gewidmet – womit sich der Kreis der gegenseitigen Beziehungen und Verweise an diesem Abend rundete. Nat&uuml;rlich wurde das ein gro&szlig;artiger Schluss. Auch wenn, gerade in den letzten Teilen der Sonate, die Konzentration ein kleines bisschen nachzulassen schien, die Pr&auml;zision Gersteins minimal aufweichte. Davor entwickelte er aber ganz viel d&uuml;stere, kraftvolle, konzentrierte, faustische und doch ganz lichthelle Musik. Denn Gerstein spielte das so klar und deutlich, dass man im Geiste mitschreiben h&auml;tte k&ouml;nnen.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>)<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/40e9e86abff446a1a19b28925a49855e" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>politik &amp; feuilleton</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Feb 2010 14:05:28 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[wie (fast) jeden samstag wieder die allw&#246;chentliche empfehlung der vortrefflichen kolumne &#8222;deutscher alltag&#8220; von kurt kister in der wochenend-beilage der s&#252;ddeutschen zeitung. auch wenn es schon bessere wochen gab &#8230; aber einen satz will &#038; muss ich doch zitieren: Irgendjemand, es k&#246;nnte der Autor dieser Kolumne gewesen sein, hat einmal gesagt, &#8222;Politik&#8220; komme aus dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>wie (fast) jeden samstag wieder die <a href="http://matthias-mader.de/publizistik/die-welt-ist-voller-groszer-raetsel/" class="liinternal">allw&ouml;chentliche</a> <a href="http://matthias-mader.de/diverses/deutscher-alltag-9-januar-2010/" class="liinternal">empfehlung</a> der vortrefflichen kolumne &#8222;<a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/567/466152/uebersicht/" class="liexternal">deutscher alltag</a>&#8220; von kurt kister in der wochenend-beilage der s&uuml;ddeutschen zeitung. auch wenn es schon bessere wochen gab &#8230; aber einen satz will &#038; muss ich doch zitieren:</p>
<blockquote><p>Irgendjemand, es k&ouml;nnte der Autor dieser Kolumne gewesen sein, hat einmal gesagt, &#8222;Politik&#8220; komme aus dem Griechischen und bedeute auf Deutsch so viel wie &#8222;ich habe recht&#8220;, wohingegen &#8222;Feuilleton&#8220; aus dem Franz&ouml;sischen stamme und sinngem&auml;&szlig; &uuml;bersetzt &#8222;ich habe recht und du bist doof&#8220; hei&szlig;e.</p></blockquote>
<p>dem ist ja auch nichts mehr hinzuzuf&uuml;gen ;-)</p>
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		<title>Die illiteraten Literati</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 16:26:56 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#8230; sind &#8211; nat&#252;rlich &#8211; die Verleger. Stefan Niggemeier hat (wieder einmal) sehr eloquent und treffend &#8222;Das Elend der Debatte um ARD und ZDF&#8220; aufgeschrieben. Und da geht es nat&#252;rlich auch und vor allem um die Verleger. Ihre seltsamen Gedankenspr&#252;nge und -g&#228;nge &#8211; falls man das &#252;berhaupt noch Gedanken nennen darf. Und auch um die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; sind &#8211; nat&uuml;rlich &#8211; die Verleger. Stefan Niggemeier hat (wieder einmal) sehr eloquent und treffend &#8222;<a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/das-elend-der-debatte-um-ard-und-zdf/" class="liexternal">Das Elend der Debatte um ARD und ZDF</a>&#8220; aufgeschrieben. Und da geht es nat&uuml;rlich auch und vor allem um die Verleger. Ihre seltsamen Gedankenspr&uuml;nge und -g&auml;nge &#8211; falls man das &uuml;berhaupt noch Gedanken nennen darf. Und auch um die nicht anwesende Logik &#8211; oder, wie es bei ihm so sch&ouml;n hei&szlig;t: </p>
<blockquote><p>&#8222;Die Logik hat bereits vor einer Weile einen Ausreiseantrag aus der Diskussion gestellt, der offenbar jetzt genehmigt wurde.&#8220;</p></blockquote>
<p>Er nimmt dann Stellungnahmen, Vorw&uuml;rfe, Ideen und Forderungen der Zeitungs- und Nachrichten-, d.h. Medienbranche und ihrer Chefs im einzelnen auseinander. Seine vorl&auml;ufige Schlussfolgerung:</p>
<blockquote><p>Die Verlage m&uuml;ssen von der (ohnehin schon reduzierten) Mehrwertsteuer befreit werden, Google muss verboten oder zur Zahlung von Lizenzgeb&uuml;hren verpflichtet werden, ARD und ZDF m&uuml;ssen das Internet verlassen, das Zitatrecht muss drastisch eingeschr&auml;nkt, das kostenlose Anbieten von Informationen untersagt und die Gratis-Kultur im Internet insgesamt vernichtet werden — dann, ja dann k&ouml;nnten die Verlage vielleicht, m&ouml;glicherweise, wenn das Wetter stimmt, in der Lage sein, auch in Zukunft Qualit&auml;tsjournalismus anzubieten, und wom&ouml;glich sogar im Netz. Sonst k&ouml;nnen sie f&uuml;r nichts garantieren.</p></blockquote>
<p>Und das ist, da hat er vollkommen recht, nat&uuml;rlich eine Steilvorlage gerade f&uuml;r das unbedingte Fortbestehen der &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien &#8211; ganz im Sinne der &#8222;Grundversorgung&#8220;. Und die ist unbedingt notwendig. Auch gesellschaftlich:</p>
<blockquote><p>Warum soll es gesellschaftlich erstrebenswert sein, journalistische Inhalte nur denen zug&auml;nglich zu machen, die daf&uuml;r zahlen k&ouml;nnen? Inwiefern ist es gut, wenn Menschen ohne Geld schlecht informiert werden?</p></blockquote>
<p>Und weil Niggermeier trotzdem kein Lobbyist der ARD etc. sein will, weist er wenigenstens kurz auch auf M&auml;ngel auf deren Seite hin &#8211; etwa den Umgang mit der Kritik. Nat&uuml;rlich muss die BBC da wieder mal als Vorbild dienen. Also: <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/das-elend-der-debatte-um-ard-und-zdf/" class="liexternal">dort</a> komplett lesen und nicht von den lautesten Schreiern verwirren lassen.</p>
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		<title>immer wieder oktober: peter kurzeck liest in mainz</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 17:53:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Da sitzt er also, verschwindet fast hinter seinem Buch mit dem auff&auml;lligen orangefarbenen Umschlag, wirkt noch kleiner und zerbrechlicher als sonst. Aber seine Stimme, die dringt m&uuml;helos &uuml;ber das Publikum hinweg bis in die letzte Reihe und f&uuml;llt das Antiquariat am Ballplatz ganz und gar aus. Peter Kurzeck, der aus B&ouml;hmen stammende, bei Gie&szlig;en aufgewachsene, lange in Frankfurt lebende und nun in S&uuml;dfrankreich schreibende Meister der Erinnerung und der Vergegenw&auml;rtigung liest aus seinem letzten Buch, „Oktober und wer wir selbst sind“.  Die Lesungen Kurzecks sind immer ein Fest f&uuml;r seine Leser und Fans, von denen es in Mainz inzwischen eine ganze Menge gibt – die St&uuml;hle im Antiquariat reichten gar nicht f&uuml;r alle, eine sch&ouml;ner Erfolg f&uuml;r den Veranstalter, das Literaturb&uuml;ro Mainz. Denn Peter Kurzeck liest nicht nur einfachr, was er mal, vor einigen Jahren, irgendwann aufgeschrieben hat. Nein, er tr&auml;gt es wirklich vor. Mit schwebenden Betonungen, manchmal fast singend. Und immer mit gro&szlig;em, beinahe kindlichem Erstaunen &uuml;ber diesen Text, den er da vor sich liegen hat.  Dieses Erstaunen, das ist eine echte Kurzecksche Qualit&auml;t. Es findet sich n&auml;mlich schon im Buch selbst: Als Staunen &uuml;ber die Welt, die den Erz&auml;hler umgibt. In „Oktober und wer wir selbst sind“ ist es das Frankfurt im Herbst 1983, die Wohnung in Bockenheim, die Wege in der Stadt und an ihren R&auml;ndern, mit Frau und Kind, zum Einkaufen und zum Kinderladen, im vergangenen Sommer und beginnenden Herbst. Und nat&uuml;rlich das Schreiben selbst – der Erz&auml;hler hat gerade sein drittes Buch begonnen. Kurzeck liest in Mainz aus den beiden ersten Kapiteln von „Oktober“, die genau den Moment beschreiben, in dem der Sommer endg&uuml;lig vor&uuml;ber ist. Aber in dem zugleich auch der Herbst schon da ist, schon etwas Neues begonnen hat.  Das klingt alles furchtbar banal. Und ist es eigentlich auch. Nicht aber f&uuml;r Peter Kurzeck. Er verzaubert das n&auml;mlich: Durch die Erinnerung an den Alltag, das &uuml;bliche und das ungew&ouml;hnliche, das banale und au&szlig;erordentliche Geschehen wird das alles schon wieder ganz anders und besonders. Und durch seinen feinen, pr&auml;zisen, verknappten und doch beredten Stil, der ihn schon so lange zu einer ganz au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Erscheinung der deutschen Gegenwartsliteratur macht, wird es geradezu &uuml;berh&ouml;ht. Das Ergebnis, sein Buch und seine Lesung, ist ber&uuml;hrend. Und m&auml;chtiger, auch dauerhafter als der kleine, unscheinbare Mann, der sie geschaffen hat.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>)</p>
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		<title>brahms mal anders. aber ganz anders.</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 18:11:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein ganz normales Orchesterkonzert im Staatstheater: Etwas von Carl Maria von Weber, dann das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy und am Schluss noch die erste Sinfonie von Brahms. Aber irgend etwas ist anders heute – die Musiker sind alle so jung, den Solisten eingeschlossen. Ach so, das ist das Abschlusskonzert der Musikhochschule – das erkl&#228;rt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->Ein ganz normales Orchesterkonzert im Staatstheater: Etwas von Carl Maria von Weber, dann das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy und am Schluss noch die erste Sinfonie von Brahms. Aber irgend etwas ist anders heute – die Musiker sind alle so jung, den Solisten eingeschlossen. Ach so, das ist das Abschlusskonzert der Musikhochschule – das erkl&auml;rt nat&uuml;rlich die radikale Verj&uuml;ngung. Nicht aber die professionelle Souver&auml;nit&auml;t, mit der das Orchester hier im Kleinen Haus spielt. Denn das Programm und das Dirigat Wolfram Koloseus&#8216; waren alles andere als ein Schonprogramm.</p>
<p>Am Beginn stand also Musik von Carl Maria von Weber: Die Ouvert&uuml;re und zwei Szenen aus dem Freisch&uuml;tz genau gesagt. Das war eine etwas seltsame Erfahrung. Mysteri&ouml;s gespenstig entfaltete Schauerromantik im Orchester und szenische Andeutungen der jungen S&auml;nger. Klanglich fein abgeschmeckt und auch auf authentische Wirkung ausgerichtet mit den Natur-Blechblasinstrumenten und dem vibrierenden Grundrhythmus. Aber dann brechen die elektronisch verst&auml;rkten und auch verfremdeten Singstimmen in die feinsinnige Klangwelt ein – das muss man wohl nicht verstehen. Doch sehr dramatisch ist das alles, vor allem die Wolfsschlucht-Szene mit Danilo Tepsa, Calin Cozma und Florian K&uuml;ppers.</p>
<p>Mit sehr viel Freude am virtuosen Spiel st&uuml;rzt sich Igor Tsinman dann in Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert in e-Moll. Er kann sich das aber auch leisten, sicherer Techniker er er ist.</p>
<p>Klar und dicht, in den meisten Teilen sehr unsentimental spielt er – das ist einfach Musik pur, mal wild, mal gedankenverloren tr&auml;umend. Aber immer jugendlich unbek&uuml;mmert. Schade nur, dass die robuste Pr&auml;gnanz des Solisten das flie&szlig;end begleitende Orchester ganz unverdient in den Hintergrund dr&auml;ngt.</p>
<p>Das kan daf&uuml;r noch mit der abschlie&szlig;enden ersten Sinfonie von Johannes Brahms ganz alleine brillieren. Das erregte Pulsieren des Anfang setzt sich hier unentwegt fort, im nerv&ouml;sen Hin und Her, in der Unruhe der st&auml;ndigen Bewegung und der permanenten Unsicherheit der unausgesetzten Hinterfragung aller Positionen und Werte. So, wie Wolfram Koloseus das hier entwickelt, klingt das viel moderner und gegenw&auml;rtiger, richtiggehend dekonstruktivistisch eigentlich, als gew&ouml;hnlich bei Brahms. Diese Haltung setzt sich dann durch die ganze Sinfonie hindurch fort. So richtig aufbl&uuml;hen kann sie dadurch nie. Auch wenn sich das Orchester redliche M&uuml;he gibt und mit erstaunlicher Klangkultur und gro&szlig;em Engagement durchaus einige Teilerfolge erlangen kann, bleibt es befremdlich. Das Tempo dieser fiebrigen Hast ist immer sehr bem&uuml;ht und wirkt mehr konstruiert als empfunden. Insgesamt gibt das dann eine oft d&auml;monische, bis zum Wahnsinn aufget&uuml;rmt rasende und zerfetzte Sinfonie – eine echte &Uuml;berraschung.</p>
<p>(geschrieben f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a>)</p>
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		<title>wise guys: so viel nettigkeit &#8211; das kann doch nicht sein</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 18:27:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[sie nervt zumindest ein bisschen. aber bevor ich das l&#228;stern anfange, zun&#228;chst einmal den text, den ich f&#252;r die mainzer rhein-zeitung schrieb: Sie sind bringen alle zusammen: Singende Kinder, kreischende Teenies mit und ohne Eltern, alte Fans, die schon beim ersten Konzert dabei waren genau wie zahlreich neu enthusiasmierte, solche mit Partitur unterm Arm und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>sie nervt zumindest ein bisschen. aber bevor ich das l&auml;stern anfange, zun&auml;chst einmal den text, den ich f&uuml;r die <a href="http://www.rhein-zeitung.de" target='blank' class="liexternal">mainzer rhein-zeitung</a> schrieb:</p>
<p>Sie sind bringen alle zusammen: Singende Kinder, kreischende Teenies mit und ohne Eltern, alte Fans, die schon beim ersten Konzert dabei waren genau wie zahlreich neu enthusiasmierte, solche mit Partitur unterm Arm und diejenigen, die schon im Tour-T-Shirt erscheinen und signierte CDs als Troph&auml;en heimtragen. Bei den <a href="http://www.wiseguys.de" target="_blank" class="liexternal">Wise Guys</a> ist einfach jeder zu Hause. Und die f&uuml;nf sind &uuml;berall dort daheim, wo ein B&uuml;hne und einige gut gelaunte Zuh&ouml;rer zu finden sind. In Mainz passiert das &ouml;fters. Jetzt wieder mal in der Ph&ouml;nix-Halle, um ihr neues Album vorzustellen. Das hei&szlig;t „Klassenfahrt“ &#8211; ein wunderbarer, passender Titel f&uuml;r das Quintett. Die auch nicht mehr ganz so jungen Herren aus K&ouml;ln werden n&auml;mlich einfach nicht so richtig erwachsen. Daf&uuml;r haben sie viel zu viel Spa&szlig; am Rumalbern. Und am Singen. Und ganz besonders, wenn sie beides verbinden k&ouml;nnen. Zum Beispiel in der Rap-Parodie „Hamlet“, in der zumindest zwei aus ihrer Mitte, Sari und Ferenc, mal die ganz harten Kerle geben. Das erfordert einige Umstellung, denn eigentlich sind die Wise Guys viel zu nett f&uuml;r so etwas. Deshalb ist das auch nicht gerade der H&ouml;hepunkt des Konzertes. Davon gibt es aber mehr als genug andere – mit den alten Hits wie „Es ist nicht immer leich ich zu sein“ oder dem unvergessenlichen „Radio“. Aber auch mit neuer Musik und neuen Texten, wie immer vor allem von D&auml;n und Eddi.<br />
Denn, das zeigt „Klassenfahrt“ sehr sch&ouml;n, die Wise Guys bleiben sich treu. Und das hei&szlig;t, dass sie weiterhin sehr nette, hitverd&auml;chtige Popsongs schreiben. Dass sie die als A-Cappella-Gruppe halt ausschlie&szlig;lich mit ihren Stimmb&auml;ndern produzieren, ist da fast zuf&auml;llig. Und gar nicht so wichtig. Hauptsache, die gute Laune kommt. Daf&uuml;r brauchen sie nie viel: Eine eing&auml;ngige Melodie, ein unbedingt gereimter Text, etwas Augenzwinkern: Und fertig ist schon die Rock-Hymne „Latein“, die den Klassenprimus zum Helden macht. Zumindest f&uuml;r diesen Song. &Uuml;berhaupt ihr ungebrochener Optimismus. Das wird manchmal fast zu viel, wenn sie immer noch und wieder nur an das Gute glauben – selbst „Am Ende des Tages“, mag er noch so ruppig gewesen sein. Und das „Schlechte Karma“ wird nat&uuml;rlich auch umgehend &uuml;berwunden. Das sind eben die Wise Guys: unverdrossen gut drauf. Das es musikalisch einfallsreichere und stimmlich raffiniertere Gruppen gibt, macht da gar nix. Denn wenn die Wise Guys dann zum Beispiel „Wo der Pfeffer w&auml;chst“ anstimmen, k&ouml;nnten sie sich ganz entspannen und aufs pantominische Singen verlegen – das Publikum singt gerne und rundum begeistert an ihrer Stelle. Aber das tun sie nat&uuml;rlich nicht. Sondern legen noch einen Zahn zu und rocken auf der B&uuml;hne mal so richtig ab. Schlie&szlig;lich wollen ja alle Spa&szlig; haben – und das „ganz ohne Drogen“, wie es einmal hei&szlig;t. Aber irgendewie sind die Wise Guys doch auch eine Droge. Man kommt einfach nicht los von ihnen.</p>
<p>ja, so war das. und ich habe noch ein bisschen mehr dr&uuml;ber nachgedacht. vielleicht ist ja der erfolg der wise guys in deutschland das beste zeichen f&uuml;r ihr mittelma&szlig; &#8211; in zeit und ort &#8211;, f&uuml;r die zufriedenheit der musiker &amp; des publikums mit der bequemen mitte, dem ewigen sowohl-als auch: ein bisschen witz, ein bisschen nachdenklichkeit, ein bisschen gut, ein bisschen b&ouml;se, ein bisschen freud und ein bisschen leid. aber halt nichts richtig &#8230; nichts wirklich zu ende gedacht oder gef&uuml;hrt. und das nervt nach einer weile &#8211; mich zumindest: diese ewigen halbheiten, die &#8211; das unterstelle ich &#8211; durchaus berechnet, zumindest beabsichtigt sind: n&auml;mlich aus der orientierung am gr&ouml;&szlig;ten gemeinsamen nenner. die offensichtliche &auml;sthetische (und intellektuelle) belanglosigkeit ist die folge davon. und damit ist die musik nicht nur nachrangig, sondern auch voll zufrieden: das streben nach besonderem, nach au&szlig;ergew&ouml;hnlichem hat sie l&auml;ngst aufgegeben. das aber macht sie (fast) bl&ouml;dsinnig (ok, das ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen) massenkompatibel. nur eben auch langweilig und vorhersehbar. da ist f&uuml;r mich einfach kein kitzel, kein reiz mehr dran &#8211; weder musikalisch noch inhaltlich irgend etwas &uuml;berraschendes, neues.</p>
<p>schon die besetzung weist ja darauf hin: f&uuml;nf m&auml;nnerstimmen &#8211; aber keine extreme. kein wirklich tiefer bass und kein ordetnlicher hoher tenor. auch keine beatbox oder wirklich gute vocal percussion. und, das ist die kehrseite, deswegen sind sie ja auch so wunderbar zum mitsingen geeignet. aber das liegt nat&uuml;rlich auch an den einfachst gebauten songs, den &uuml;bersichtlichen arrangements und vor allem den eing&auml;ngigen, unkomplizierten, eigentlich sogar simplen melodien.</p>
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		<title>Deutscher Alltag, 9. Januar 2010</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Jan 2010 12:41:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nein, es geht jetzt nicht um das Wetter, das ja nur ganz normaler Winter ist (also Alltag, auch wenn allerlei pseudojournalistische Medien gleich wieder Weltuntergangsszenarien konstruieren). Nein, hier geht es &#8211; wieder einmal &#8211; um den Grund, Samstag morgens die S&#252;ddeutsche Zeitung zu lesen. Vor allem die Wochenendbeilage, von der ich im allgemeinen nicht besonders [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, es geht jetzt nicht um das Wetter, das ja nur ganz normaler Winter ist (also Alltag, auch wenn allerlei pseudojournalistische Medien gleich wieder Weltuntergangsszenarien konstruieren). Nein, hier geht es &#8211; <a href="/publizistik/die-welt-ist-voller-groszer-raetsel/" title="die welt ist voller r&auml;tsle" target="_blank" class="liinternal">wieder</a> einmal &#8211; um den Grund, Samstag morgens die <a href="http://www.sueddeutsche.de" target='blank' class="liexternal">S&uuml;ddeutsche</a> Zeitung zu lesen. Vor allem die Wochenendbeilage, von der ich im allgemeinen nicht besonders begeistert bin. Aber ein kleiner Text animiert mich immer wieder: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Kister" title="kurt kister (wp)" target="_blank" rel="nofollow" class="liwikipedia">Kurt Kister</a>s Kolumne &#8222;Deutscher Alltag&#8220;. Gottseidank ist (und hoffentlich bleibt) sie eine Kleinigkeit, eine Dreingabe &#8211; aber eine wunderbare. Auf gr&ouml;&szlig;eres Format gezogen w&uuml;rde sie wahrscheinlich schnell unertr&auml;glich werden. So kann kk aber jede Woche ganz hervorragend seine ironische und satirische Ader ausleben. Und das ganze mit mehr oder weniger aktuellen Beobachtungen verkn&uuml;pfen. Nicht immer sind das zwangsl&auml;ufig grandiose W&uuml;rfe. Aber immer sind sie niveauvoll und er&ouml;ffnen neue Blicke.</p>
<p>Heute zum Beispiel steht da mitten in deneher harmlos-netten Betrachtungen zum &#8222;wilden Lesen&#8220; ein wundersch&ouml;ner (wenn auch gar nicht so wahnsinnig origineller) Satz:</p>
<blockquote><p>Es ist immer richtig, das Leben zu &auml;ndern, was bei Sloterdijk damit beginnen sollte, dass er sich endlich mal die Haar schneiden l&auml;sst.</p></blockquote>
<p>Und dann geht es gleich weiter:</p>
<blockquote><p>Sloterdijks Miniatur &uuml;ber den Scientology-Gr&uuml;nder Hubbard plus seine Grunds&auml;tzlichkeiten &uuml;ber die Nicht-Existenz von Religion bringen einen zum Beispiel zu der &Uuml;berlegung, was denn eigentlich Hubbard von Mohammed unterscheidet, und ob nicht vielleicht Tom Cruise und Osama bin Laden einen &auml;hnliche Hang zur Vertikalit&auml;t ausleben.</p></blockquote>
<p>Ja, wenn man Kurt Kister hei&szlig;t, dann kommt man offenbar auf solche herrlichen Ideen und Vergleiche.</p>
<p>Er schlie&szlig;t &uuml;brigens fast konventionell und absolut zustimmungsf&auml;hig: &#8222;Was f&uuml;r ein Abenteuer: Lesen.&#8220; Deswegen: Samstags immer Kurt Kisters &#8222;Deutschen Alltag&#8220; lesen. es ist ein Abenteuer, das Spa&szlig; mach. Bestimmt. Garantiert.</p>
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