und zwar in der süddeutschen, anlässlich der ablehnung des lissaboner vertrages durch die irische bevölkerung. und da heißt es dann:
Das pikierte Schweigen der Regierungen über die Zukunft Europas deckt den Zielkonflikt zu, der der europäischen Einigung seit Jahren die Perspektive und die Ansteckungskraft raubt. Soll Europa zu einem gestaltungsfähigen Akteur werden, der nach innen und nach außen politische Handlungsfähigkeit gewinnt — oder bleibt es bei der zivilisierenden Anziehungskraft eines Erweiterungsprojektes für die Anrainerstaaten, die sich für den Beitritt zu einer immer größeren Union fitmachen?
Der Preis für das diffuse Erweiterungsprojekt ist die fehlende politische Gestaltungskraft in einer ökonomisch zusammenwachsenden Weltgesellschaft, die seit 2001 politisch auseinanderdriftet. Man muss nur die tristen Bilder der Duodezfürsten Brown, Sarkozy und Merkel sehen, die bei Präsident George W. Bush einer nach dem anderen und jeder für sich antichambrieren, dann weiß man, dass sich Europa von der Weltbühne verabschiedet.
später heißt es dann:
Aber nach dem irischen Signal sollten wir von unseren Regierungen zwei Dinge erwarten. Sie müssen sich eingestehen, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind. Und sie dürfen ihren lähmenden Dissens nicht weiter verdrängen. Am Ende bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Bevölkerungen selbst entscheiden zu lassen.
er plädiert dann ziemlich deutlich für ein „europa der zwei geschwindigkeiten” — und zwar ein europa, in dem die bevölkerungen entscheiden sollen, welcher gruppe sie sich anschließen möchten. in der tat scheint mir die union inzwischen ein solcher koloss geworden zu sein, dass ein anderes vorgehen nicht mehr sinnvoll möglich ist — es sei denn um den preis des stillstandes, der ewigen beharrung. nötig ist aber etwas ganz anderes: eine unbedingte politische demokratisierung der eu, der zusammenarbeit der nationen und auch (!) und ganz besonders der institutionen, die weit über die bisherige liberal organisierte wirtschaftliche zusammenarbeit hinausgehen müsste. denn nur so kann ein wirkliches europa wachsen.