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Archiv für die Kategorie ‘politik’

Deutscher Alltag oder: Fragezeichenniemands

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Es wird ja langsam zur Gewohnheit hier: Die Empfehlung von Kurt Kisters „Deutscher Alltag“ in der Wochenendebeilage der Süddeutschen. Aber da stehen eben auch immer so tolle Sätze drin. Zum Beispiel dieses Mal:

Gerade die Fragezeichenniemands aber haben eine ausgeprägte Tendenz, zu schlagen. […] Koch ist ein Beispiel dafür, dass man es vom Fragezeichnniemand durch konsequentes Krawallieren wenn schon nicht zum Ausrufezeichenjemand, so doch zum Ausrezeichenausrufezeichen schaffen kann. „Koch stellt Merkel Ultimatum“ geht als Schlagzeile genauso wie etwa „Ahmadinedschad will Atomwaffen“. Auch „Koch will Atomwaffen“ oder „Ahmadinedschad stellt Merkel Ultimatum“ ist mgölich, verständlich und glaubwürdig.

Die Verbindung von Krawallieren und „Ausrezeichenausrufezeichen“ als Kennzeichen des Politikstils des hessischen Lügenpräsidenten ist schon sehr treffend, finde ich. Und erfrischend sprachschöpferisch. Vor allem aber nicht sauertöpfisch. Das wird man ja schon von alleine, wenn man sich die Äußerungen Kochs in mehr als homöopathischen Dosen zuführen muss.

Geschrieben von matthias

24. Mai 2010 um 23:43

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politik & feuilleton

1 Kommentar

wie (fast) jeden samstag wieder die allwöchentliche empfehlung der vortrefflichen deutscher alltag“ von in der wochenend-beilage der süddeutschen zeitung. auch wenn es schon bessere wochen gab … aber einen satz will & muss ich doch zitieren:

Irgendjemand, es könnte der Autor dieser gewesen sein, hat einmal gesagt, „Politik“ komme aus dem Griechischen und bedeute auf Deutsch so viel wie „ich habe recht“, wohingegen „Feuilleton“ aus dem Französischen stamme und sinngemäß übersetzt „ich habe recht und du bist doof“ heiße.

dem ist ja auch nichts mehr hinzuzufügen ;-)

Geschrieben von matthias

27. Februar 2010 um 15:05

Juli Zeh, Corpus Delicti

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… habe ich gelesen auf der Reise von Venedig zurück nach Mainz.

Ein Thesenroman. Reinsten Wassers. Und durchaus oberster Güteklasse. Aber eben mit all den typischen Problemen – Man merkt die Absicht und ist verstimmt (oder so ähnlich). Nun hielt sich die Verstimmung bei mir extrem in Grenzen, weil ich dem Ziel Zehs, dem freien statt dem sicheren voll zustimme und stark sympathisiere. Das ändert aber wenig daran, dass der – der sich im Untertitel als „Ein Prozess“ ausgibt (Gerichtsverhandlung und Entwicklung – natürlich ist beides gemeint … [und diese absolut durchschaubare Doppeldeutigkeit ist typisch für das Buch {leider, meines Erachtens, den semantische Leerstellen sind interpr), künstlerich eher mittelmäßig ist. Ok, die Informationsvergabe ist ganz gut gelungen, sie entwickelt sich halbwegs ungezwungen (am Anfang freilich mit hohem Tempo – und bewusst auf Klarheit der message ausgerichtet).

Worum geht’s? Um einen Staat der Zukunft, in dem Normalität als Gesundheit definiert wird (bzw andersrum) und Krankheit demzufolge abgeschafft ist – gesellschaftlich und privat. Das bedarf natürlich einiger Vorkehrungen … Jedenfalls gerät die Hauptfigur, eine Biologin, mit diesen staatlichen Vorkehrungen, genannt die „Methode“, in Konflikt. Und entwickelt sich zur Widerständlerin auf sehr eigenen Weise, zu einer Art Revolutionärin ohne Revolution. Jedenfalls zu einem Problem für die „Methode“, dass mit allen Mitteln gelöst und schließlich beseitigt werden muss – nicht ohne einige Verwicklungen natürlich. Durch die Montage verschiedener Ebenen, u.a. auch die eines Putzfrauen-Trios, wird das ganz harmonisch in seiner Vielstimmigkeit und Perspektivität. Aber nichtsdestotrotz bleibt die Botschaft klar: Ohne Freiheit ist der Mensch kein Mensch mehr, ist das Leben keine Leben mehr, sondern nur noch Existenz. Die mag zwar sorgen-, schmerz- & krankheitsfrei sein, aber eben ohne Leben. Die Parallelen zu aktuellen Diskussionen sind wohl mehr als zufällig ;-). Und auch mehr als deutlich … Das, es klang oben ja schon an, mindert meine Begeisterung für dieses Buch etwas: Dass die Phantasie zu wenig ausgereizt wird, die Vorstellungkraft zu blass scheint – auch um den Preis der etwa unvollkommenen Vermittlung der zentralen Textbotschaft wäre das doch etwas spannender gewesen. Für mich zumindest. Aber man kann ja nicht immer alles haben.

: Corpus Delicit. Ein Prozess. Frankfurt am Main: Schöffling 2009.

Geschrieben von matthias

19. Januar 2010 um 16:11

„heimatfront“

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ich glaube es ja wirklich nicht: gerade, beim der „zeit“ der letzten woche, stolpere ich in dem sowieso recht seltsamen text über bzw. gespräch mit johann dora, bundeswehrgeneral, über diesen satz: „Gerade deswegen ist heute wie damals die Unterstützung an der Heimatfront wichtig.“ wirklich, weder lese- noch tippfehler. so viel also zum staatsbürger in uniform, zur politischen bildung der . „damals“ meint hier übrigens nicht die vierziger, sondern den krieg in serbien. auch sonst faselt der liebe general schöne sprechblasen – das beste ist ja noch „Ein Soldat ist ein Spezialist für “ – nunja, normalerweise sind soldaten dafür da, zu töten, nicht zu sichern. und dann geht es passend weiter: „Und für die kämpft er mit militärischen Mitteln, d.h., wenn es nötig ist, übt er militärische aus.“ sehr schön, der sicherheitsspezialist muss im fremden land nicht einmal mehr kämpfen, sondern nur noch „militärische “ ausüben. wer so denkt und redet braucht sich nun wirklich nicht zu beschweren, wenn der rückhalt in der heimat für das morden seiner truppe zu gering ist.

Geschrieben von matthias

4. Dezember 2009 um 23:50

harter gegenwind für die wikipedia

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der weht gerade in den letzten tagen ein harter wind ins gesicht – nicht so ganz verständlich, meiner meinung nach, weil die inklusionisten, die gerade v.a. das wort führen, eine enzyklopädie mit einer datenbank und wissen mit information verwechseln (und deshalb so unsinnig pauschal gegen relevanzkriterien argumentieren). jetzt in der telepolis gefunden: Das Interview mit dem umstrittenen Medientheoretiker Prof. Eugen Driverman zur ihm drohenden Entziehung der Lehrbefugnis, der fefe-Krise von 2009 und der Kanzlerwahl Westerwelles von 2016 von Markus Kompa. da stehen viele nette sachen drin. zum beispiel: „Diese Sperren waren jedoch damals noch nicht durchsetzbar, da die seinerzeit an der Regierung beteiligte FDP alle anderen Wahlversprechen gebrochen hatte und zur Gesichtswahrung wenigstens das Internetsperrgesetz von 2009 vorläufig blockierte.“

Geschrieben von matthias

26. Oktober 2009 um 13:13

das „Internet-Manifest“

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hm. nicht schlecht: da haben sich 15 journalisten, die sich viel im & mit dem netz beschäftigen, ein paar gedanken zum netz gemacht und das ganze als Internet-Manifest veröffentlicht. zu seiner rolle für politik und gesellschaft, zur funktion und form des journalismus unter der bedingung des , zu freiheit und urheberrecht und so weiter. nicht perfekt, teilweise zu ungenau, teilweise zu optimistisch, teilweise zu emphatisch – aber im ganzen trotzdem nicht schlecht. schade finde ich nur, dass es eine mischung aus beobachtungen und forderungen bleibt – und nicht ganz klar ist, was daraus für wen jetzt folgen soll.

die zeit (d.h. kai biermann) hat auch gleich ein paar einwände (die ich auch wieder nicht alle unterschreiben will …)

Geschrieben von matthias

7. September 2009 um 20:22

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