Heute ist klar, was hier kommen muss: Dietrich Fischer-Dieskau.
Zum Beispiel hier mit einer Aufnahme des „Leiermann”, am Klavier Murray Perahia:
oder Schumanns unvergleichliche „Mondnacht”:
Literatur, Musik, Theater – die Welt meiner Kultur.
Heute ist klar, was hier kommen muss: Dietrich Fischer-Dieskau.
Zum Beispiel hier mit einer Aufnahme des „Leiermann”, am Klavier Murray Perahia:
oder Schumanns unvergleichliche „Mondnacht”:
Das ist ein wunderbares nettes kleines Buch, dieser Weltmüller von Frank Fischer.1 Der hat sich ja — zumb Beispiel in der ebenfalls amüsanten „Zerstörung der Leipziger Stadtbibliothek im Jahr 2003″ — schon öfters an kontrafaktischen Reportagen versucht. Das ist nicht unbedingt wahnsinnig gehaltvoll und tiefschürfend, aber hochtrabend unterhaltsam. Dass wahrscheinlich kein Publikum der Welt den „Hamlet” so genau kennt, dass es genau folgen kann, wenn statt Menschen Hunde auf der Bühne stehen und entsprechend kein einziges Wort gesprochen wird — geschenkt. Dass Godot in einer bahnbrechenden Inszenierung zwar mit „dem besten deutschsprachigen” Schauspieler besetzt wird, aber naturgemäß nicht auftaucht, nicht einmal zum Schlussapplaus, ist natürlich an sich eine blasse Pointe. Aber darum alleine geht es Fischer ja nicht. Sondern um die Mittel und Möglichkeiten, solche (Nicht-)Ereignisse des Kulturlebens zu beschreiben. Und das kann er richtig gut — einfach präzise unterhaltend nämlich, in einer genau durchgeführten Stilparodie. Mehr ist das ganze Büchlein auch kaum. Aber das ist ja schon nicht wenig.
Der Witz bei den Erzählungen hier ist natürlich, dass sie zwar einerseits absurd erscheinen, andererseits als (fast?) realistisch gelten müssen: Ohne Probleme kann man sich eine Godot-Inszenierung vorstellen, bei der ein Godot besetzt wird. Selbstverständlich liegt es nicht außerhalb des Möglichen, das ein Kunstwerk quasi im Moment des Entstehens verwaist, weil sein vorgeblicher Schöpfer jede Beteiligung leugnet und so eine „semantische Zeitbombe” im öffentlichen Raum hinterlässt — denn wenn nicht bekannt ist, wer das Kunstwerk (das spricht dem Projekt übrigens bei Fischer fast niemand ab) geschaffen hat, ist es auch nicht deutbar.2 Schließlich muss der imaginäre Journalist Fischers resümieren: „Man lässt das Werk nun doch einfach gewähren.” (81)
Das Changieren zwischen unserer „Realität” und kontrafaktischen Situationen, denkbaren Ereignissen in möglichen Welten zieht seinen Witz genau daraus, dass nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist, was Realität ist oder sein kann und was nur eine mögliche Vorstellung darstellt. Wer außerdem noch Freude an Metaspielchen (aber ganz unaufgeregt, ohne großes Theoretisieren) und Schlüsselerzählungen aus dem Kulturbetrieb hat und sich an den vorgeführten Hohlheiten von mannigfaltigen Worthülsen aus diesem Sektor delektieren kann, der wird hier sicherlich eine oder zwei vergnügliche Stunden haben (übrigens gibt es „Weltmüller” auch als preiswertes E-Book).
Frank Fischer: Weltmüller. Berlin: Sukultur 2012. 120 Seiten. ISBN 978−3−941592−32−2.
Schön: Hilary Hahn & Hauschka, Silfra. Gibt es bei NPR komplett zu hören. Oder hier einen Teil davon:
(via Song des Tages)
und noch das Promo-Erklär-Video dazu:
Via Adresscomptoir bin ich gerade auf dieses gut gemachte, interessante Feature über die Eisler-Familie (d.h. Hanns Eisler, Gerhart Eisler & Ruth Fischer) beim Ö1 gestoßen, das noch 7 Tage online gehört werden kann: Unbedingt zu empfehlen, für alle, die sich auch nur etwas für die Geschichte des 20. Jahrhunderts interessieren. Viel typisches passiert mit den drei Geschwistern Hanns Eisler als Musiker, Gerhart Eisler & Ruth Fischer vor allem als Politiker des linken Spektrums, in Deutschland, Österreich, den USA, der Sowjetunion und anderswo. Immer wieder berühren mich die Eislerschen Musiken, der unbedingte Ernst und der feste Glaube an die historische Mission des Kommunismus, die aus seiner Musik immer wieder spricht — ob es nun um Märsche geht, um Lieder, Musiktheater oder Orchesterwerke. Das Feature von Henry Bernhard erzählt die ganzen Verknüpfungen, die Versuche und Fehler und natürlich auch ganz stark die Tragik dieser Leben:
Der Karl Marx der Musik, die Denunzianten-Lady und der gefährlichste Terrorist der Welt. Die Eislers — eine Ausnahmefamilie. Wie politische Gesinnung die Geschwister Gerhart Eisler, Hanns Eisler und Ruth Fischer entzweit.
„In der Familie Eisler herrschen verwandtschaftliche Beziehungen wie in den Shakespeare’schen Königsdramen”, hatte Charlie Chaplin über die Geschwister Eisler gesagt. Er hatte allen Grund dazu. Stand der ältere Gerhart Eisler 1947 in New York als Angeklagter vor Gericht, so traten sein jüngerer Bruder Hanns als Zeuge der Verteidigung und die Schwester Ruth Fischer als Zeugin der Anklage auf.
Gerhart gilt zeitweise als „Staatsfeind Nr. 1″ in den USA; der Kommunist soll ein Aufwiegler, Terrorist und Agent der Komintern gewesen sein — dies meinte auch und gerade seine Schwester. Und wenn sich die Geschwister auch nicht gegenseitig umbrachten, so kamen ihre Verleumdungen doch Rufmorden gleich. […]
Die Revolution hat ihre Kinder gefressen — außerordentlich begabte Kinder, die an ihren verratenen Hoffnungen zerbrochen sind.
„Es thut mir leid daß Sie vom nahen Bauwesen so viel dulden. Es ist ein böses Leiden und dabei ein reizender Zeitverderb, in seiner Nähe arbeitende Handwerker zu haben.”
noch einmal Rebecca Saunders, hier mit „Behind the velvet curtain”, gespielt von der musikFabrik