ein irgendwie seltsames und doch logisches programm hat sich die roam für die 13. arbeitsphase ausgedacht: englische musik (sowieso meist kaum mein fall …) aus dem 20. jahrhundert. zwei klassiker — brittens „sea interludes” und elgars „enigma-variationen” — und ein kuriosum: ein concerto für basstuba und orchester. trotz tuba day: so toll ist das nicht, dass ich nun der ansicht wäre, so etwas müsste unbedingt regelmäßig aufgeführt werden …
Einen „Klassiker unter den Tubakonzerten“ nennt das Programmheft Ralph Vaughan Williams‘ 1954 komponiertes Concerto. Nun, unter den Blinden ist der Einäugige König, könnte man einwenden: So arg viele Tubakonzerte gibt es eben nicht. Schon gar nicht bekannte. Aber dieses Concerto aus der Feder des englischen Komponisten bleibt davon unberührt. Denn es würde sich auch in größerer und stärkerer Konkurrenz behaupten. Das bewies jetzt der junge Tubist Carl Woodcroft – ebenfalls aus England -, den die Rheinische Orchesterakademie Mainz für ihr ganz der englischen Musik des 20. Jahrhunderts gewidmetes Programm gewonnen hat. Das Concerto nahm da als Rarität eine zentrale Stellung ein. Aber nicht nur als Kuriosum. Denn sowohl die ROAM mit ihrer Dirigentin Marion Leleu als auch Woodcroft machten sich zu wahren Botschaftern dieses Werkes. Mit Charme und Akribie spielten sie wie Vaughan Williams mit dem kompositorischen Material: Denn auch wenn es ziemlich schmissig und eingäng sich gibt, das Tubakonzert führt abwechslungsreich allerei musiklaische Technik vor. Und natürlich das Instrument, die Basstuba. Hinter dem (und seinem Notenpult) verschwindet Woodcroft fast. Aber akustisch ist er dafür umso präsenter: Klug gliedert er sich in den Orchesterklang ein, um an den entscheidenden Stellen einen Schritt nach vorn zu tun. Seine klare Artikulation, die weiche Tonkaskaden und das wunderbar samtige Pianissimo auch in der dunkelsten Tiefe heben ihn klanglich deutlich heraus. Das Orchester ist dabei aber weit mehr als bloßer Hintergrund oder reiner Sparringpartner. Denn Vaughan Williams verteilt sein Material dicht auf so ziemlich alle Beteiligten – eine Chance, die auch die ROAM nutzt.
Mehr noch als in den „Four Sea Interludes“ von Benjamin Britten, die das Konzert im Schoss eröffneten. Die blieben nämlich etwas unbefriedigend verschwommen – ihre geheimnisvolle Stimmungsmagie hatte so kaum eine Chance. Viel weniger jedenfalls als Edward Elgars Enigma-Variationen. Auch wenn man die menschlichen Vorbilder, die Elgar hier mit Variationen eines Themas charakterisiert, nicht kennt: Die Musik ist so beredt, dass sich die Wissenslücke leicht schließt. Und Marion Leleu und die ROAM sind gut geeignete Vermittler: Pointiert, mit ironischer Keckheit und sanft schmelzendem Spott, aber auch mit Mut zur pathetischen Größe bringen sie das gekonnt auf den Punkt – und spielen dabei locker die ganze Bandbreite der Möglichkeiten vom robusten Lärmen bis zum feinsinnigen Tongespinst und wieder zurück aus.