schumann, schumann, schumann

nein, nicht robert, euse­bius und flo­res­tan. ein­fach drei mal schu­mann. ihm zum 200. geburts­tag. ein kon­zert mit ers­ter und vier­ter sym­pho­nie und der spä­ten kon­zert­phan­ta­sie für vio­line & orches­ter. und ein­fach ein wun­der­ba­res kon­zert. nix zu meckern gibt es da …

Dar­über hätte Robert Schu­mann sich bestimmt gefreut: Wenn er gehört hätte, wie Lena Neu­dauer seine Phan­ta­sie für Vio­line und Orches­ter spielt. Zusam­men mit dem Phil­har­mo­ni­schen Staats­or­ches­ter unter Cathe­rine Rück­wardt, das dem vor 200 Jah­ren gebo­re­nen Kom­po­nis­ten stan­des­ge­mäß mit einem Kon­zert gra­tu­lierte. Lei­der vor über­wie­gend lee­ren Sit­zen in der Phö­nix­halle. Und das ist nun wirk­lich aus­ge­spro­chen schade, dass diese Hom­mage an den Orches­ter­kom­po­nis­ten Schu­mann so wenig Reso­nanz gefun­den hat. Ver­dient hätte sie näm­lich ein aus­ver­kauf­tes Haus. Schließ­lich kam hier fast alles zusam­men, was ein wun­der­ba­res Kon­zert­er­leb­nis garan­tiert: Ein gut auf­ge­leg­tes Orches­ter, eine inspi­rierte Diri­gen­tin und eine außer­ge­wöhn­li­che Solis­tin. Denn Lena Neu­dauer macht Schu­manns sel­ten gespielte späte Kon­zert­phan­ta­sie zu einem wirk­lich phan­tas­ti­schen Ereig­nis. Mit über­ir­disch schei­nen­der Prä­zi­sion führt sie die „Phan­ta­sie für Vio­line und Orches­ter“ vor, mit hyper­kon­trol­lier­ter Bogen­füh­rung und höchs­ter into­na­to­ri­scher Genau­ig­keit. Aber, und das war das wirk­lich fas­zi­nie­rende, ihr Kön­nen reicht weit über tech­ni­sche Voll­kom­men­heit hin­aus. Denn ihre Per­fek­tion ist nie tro­cken, son­dern als Mit­tel der Gefühls­dar­stel­lung und Emp­fin­dung gran­dios treff­si­cher aus­ge­nutzt. Pure Natür­lich­keit und hohe Kunst in einem ist das – Wider­sprü­che, die nicht jeder Solist so naht­los und schein­bar unpro­ble­ma­tisch ver­ei­nen kann wie Neudauer.

Gerahmt wurde diese Phan­ta­sie von der ers­ten und letz­ten Sym­pho­nie Schu­manns. Die Früh­lingssin­fo­nie, sein ers­ter Ver­such, dem kaum etwas ver­su­chen­des anhaf­tet, ließ Rück­wardt pul­sie­rend trei­bend spie­len. Und das Orches­ter machte mit schlan­kem, kla­rem Klang die impul­sive Seite sehr stark. Die Früh­lingssin­fo­nie ist so kein ver­träum­tes roman­ti­sches Traum­ge­spinst, selbst die idyl­li­schen Mit­tel­sätze sind ganz wirk­lich – mit einem mini­ma­len Schuss roman­ti­scher Ver­klä­rung.
Wesent­lich gestei­gert wurde die­ses früh­lings­fri­sche Froh­lo­cken in Schu­manns vier­ter Sym­pho­nie, zwei Jahre vor sei­nem Tod voll­en­det. Mit dem typi­schen Hang zu gran­dio­sen, leicht über­reiz­ten Stei­ge­run­gen ließ Rück­wardt dem Über­schwang hier reich­lich Raum – genau so, wie es sich für Schu­mann gehört. So wurde das wun­der­bar groß­ar­tig, ein klei­nes biss­chen pathe­tisch und klang­lich reich­hal­tig ein per­fek­ter Abschluss für das Geburtstagskonzert.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung)