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Rebellion in der Villa Musica

Das hätte man von der Villa Musica nun nicht unbe­dingt erwar­tet: Lau­ter kleine Rebel­lio­nen, im Pro­gramm und auf der Bühne. Zumin­dest ein biss­chen. Bis zur sys­tem­um­stür­zen­den Revo­lu­tion reichte es dem Trio Kaliya näm­lich nicht. Aber das will ja auch kei­ner. Wohl aber die Gren­zen ein biss­chen aus­rei­zen und austesten.

Schon Joseph Haydn, oft alles andere als der gemüt­li­che Papa der Klas­sik, als der er heute immer noch her­um­geis­tert, hat ja gerne und oft so eini­ges aus­pro­biert. Auch und gerade in bewuss­ter Auf­leh­nung gegen die sei­ner­zeit gül­ti­gen Trends. Das lässt sich beim D-Dur-Klaviertrio aus op. 40 ziem­lich gut beob­ach­ten und erfah­ren. Schon die Satz­folge ist nicht so recht norm­ge­recht: Haydn beginnt mit einem Andante, das sonst eigent­lich eher an zwei­ter Stelle steht. Dafür lässt er dem gleich noch ein zwei­tes Andante fol­gen und das drei­sät­zige Trio mit einem auf­ge­brach­ten Alle­gro enden. Das Trio Kaliya spielte das zunächst ein­mal sehr zivi­li­sert und kul­ti­viert. Im Detail las­sen sie das aber auch wie­der ganz kan­tig und auf­rüh­re­risch klin­gen — und form­voll­en­det spannend.

Der zweite große Rebell in Wien war natür­lich Lud­wig van Beet­ho­ven. Auch er nicht nur auf dem Noten­pa­pier, son­dern auch am Instru­ment. Davon ist noch viel zu spü­ren im Trio op. 11. Das ist ja eigent­lich fast kurios, dass der so betont, bis zum Starr­sinn nicht ange­passte Beet­ho­ven hier aus­ge­rech­net einen Schla­ger eines aus­ge­spro­chen popu­lä­ren „Kon­kur­ren­ten“, das Ter­zett „Pria ch‘io l‘impegno“ aus der Oper „L‘amore mari­naro“ von Joseph Weigl zur Grund­lage des Fina­les macht. Ange­passte Musik ist das für das Trio Kaliya aber den­noch nicht: Mit genau aus­ta­rier­tem Klang füh­ren sie voll­en­dete Gestalt der Varia­tio­nen sehr genau vor. Und vor allem der Pia­nist Kai Schu­ma­cher nutzt auch jede Gele­gen­heit für vir­tuose Ausbrüche.

Am stärks­ten auf­blü­hen kön­nen die drei jun­gen Musi­ker aber in Daniel Schny­ders „Piano Trio“. Das trägt zwar einen ganz und gar klas­si­schen Namen, ver­hält sich aber voll­ko­men anders. In Rebel­lion gegen die strenge Schei­dung zwi­schen erns­ter, klas­si­scher Musik und popu­lä­ren For­men hat Schny­der in den Neun­zi­gern des 20. Jahr­hun­derts ver­sucht, bei­des zu ver­ei­nen – die Ernst­haf­tig­keit der Klas­sik und den rasant-körperlich fet­zi­gen Schwung des Funk. Es bleibt zwar Geschmack­sa­che, ob das nötig und gelun­gen ist. Das Trio Kaliya bie­tet es jeden­fall sehr mit­rei­ßend dar: Stür­misch fegen sie durch die glis­sandi, vor allem Schu­ma­cher hat wie­der sicht­lich eine Menge Spaß an den unge­wohn­ten Rhyth­men, die Schny­der in seine har­mo­nisch und moti­visch eher tra­di­tio­nell arbei­tende Musik mischt: Keine Revo­lu­tion der Musik, aber schon ein biss­chen rebellisch.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung)

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