Leichte Klassik ganz schwerwiegend: Beethoven & Prokofiev in der Rheingoldhalle

Auf dem Papier sah es etwas unge­wöhn­lich aus: Beet­ho­vens zwei­tes Kla­vier­kon­zert neben der fünf­ten Sin­fo­nie von Ser­gej Pro­ko­fiev. Aber beim Meis­ter­kon­zert in der Rhein­gold­halle passte es dann doch ganz aus­ge­zeich­net. Nicht zuletzt, weil sich sowohl der Pia­nist Sebas­tian Knauer als auch der Diri­gent Phil­ippe Entre­mont sehr genau darum bemühten.

Das zeigte sich schon ganz schnell, schon in den ers­ten Tak­ten des zwei­ten Kla­vier­kon­zer­tes von Beet­ho­ven. Knauer und Entre­mont gin­gen das zusam­men mit der Deut­schen Staats­phil­har­mo­nie Rheinland-Pfalz sehr har­mo­nisch und aus­ge­gli­chen an. Bewun­ders­wert vor allem die naht­lose Zusam­men­ar­beit: Man merkt, dass die bei­den sich schon eine Weile ken­nen. Oder bes­ser: Man merkt nichts, weil sie sich ganz unspek­ta­ku­lär ver­ste­hen und gut ergän­zen, in die­sem Beethoven-Konzert.
So füh­ren sie Beet­ho­vens Leich­tig­keit, die­ses reiz­volle, ele­gante und, ja, auch durch­aus wit­zige, jeden­falls reich mit Esprit geseg­nete Kon­zert ganz unge­zwun­gen vor. Die freu­dige Locker­heit wirkt zwar recht unspek­ta­ku­lär, aber Knauer und Entre­mont gelingt sie mit gar nicht so leicht zu schaf­fen­der Leich­tig­keit und schwe­ben­der Gra­zie: Das Vor­bild Mozarts, das Beet­ho­ven hier noch spür­bar gelei­tet hat, wird ganz deut­lich. Und genau wie bei der Urauf­füh­rung in Wien vor über 200 Jah­ren erhielt das Kon­zert in Mainz unge­teil­ten Bei­fall, selbst wenn der Kom­po­nist es – ganz beschei­den – nicht zu den bes­ten aus sei­ner Feder zählte.

Die frohe Ener­gie, die Beet­ho­ven hier so unge­bremst ver­stö­men durfte, hin­ter­lässt auch bei Ser­gej Pro­ko­fiev fünf­ter Sin­fo­nie deut­li­che Spu­ren. Bei­nahe unglaub­lich erscheint immer noch, wie unge­bremst posi­tiv und zukunfts­froh diese Musik tönt – bei der Urauf­füh­rung im März 1945 musste der Kom­po­nist und Diri­gent noch auf das Ende der Kano­nan­den war­ten. Phil­ippe Entre­mont nimmt die posi­tive Ener­gie der Musik gerne auf und lässt ihr ganz viel Raum. Über­haupt lässt er ganz viel schein­bar ein­fach so gesche­hen. Unter sei­nen weit aus­ho­len­den, immer große Ges­ten bevor­zu­gen­den Hän­den ent­wi­ckelt sich die Sin­fo­nie ganz von selbst, von ihren bei­nahe gro­tes­ken Anfän­gen und ihren Abgrün­den bis hin zum enthu­si­as­ti­schen Jubel. Und der Diri­gent scheut dabei auch die Ste­reo­type nicht. Doch selbst der in die­ser Sin­fo­nie noch her­um­geis­ternde roman­tischste Welt­schmerz und die dazu­ge­hö­rige Sehn­sucht ver­lie­ren in den rei­chen Klang­far­ben des meis­ter­haf­ten Instru­men­ta­tors Pro­ko­fiev, die die Staats­phil­har­mo­nie so wun­der­bar voll aus­spielt, ihren Kli­schee­cha­rak­ter. So über­rascht Entre­mont auf ganz har­mo­ni­sche und unspek­ta­ku­läre Weise immer wieder.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung.)