Mit dieser Nachbarschaft wäre wohl keiner der Drei wirklich glücklich gewesen: Weder Mozart noch Dvořák noch Alban Berg haben sich mit diesen drei Streichquartetten viel zu sagen. Die Gründe, die das Signum-Quartett bewogen, gerade diese drei Komponisten in ein Programm zusammenzuspannen, erschlossen sich auch beim Hören nicht. Vielleicht auch wegen der Reihenfolge, die Bergs erstes Streichquartett zwischen Mozart und Dvorák schob und die wohl eher Äußerlichkeiten wie der Länge der jeweiligen Quartette geschuldet war als konzeptionellen Überlegungen. Das ist zwar schade, aber – und das ist ein großes Aber – es beeinträchtigt die Einzelleistungen letztlich kaum.
Am Beginn des Gastspiels des Signum-Quartetts beim Mainzer Musiksommer stand Mozarts D-Dur-Quartett KV 499 – na klar, etwas leichtes am Anfang, zum Aufwärmen und Kennenlernen. Damit ist es in der Villa Musica aber nicht weit her. Denn das junge Signum-Quartett ist vom ersten Ton an sehr präsent. Und die vier bemühen sich nicht nur um leichte Genauigkeit und filigrane Emotionalität, sondern vor allem um strukturelle Klarheit. Das Hoffmeister-Quartett klingt so durchweg gelehrt und verspielt zugleich – sehr passend, wie das Signum-Quartett die Zwiespältigkeit dieser Musik, ihr Sowohl-als-auch, ihren Witz und ihre kompositorische Schläue gleichzeitig realisiert.
Dagegen scheint Antonin Dvořáks spätes Streichquartett in G-Dur fast noch etwas leichtgewichtiger. Aber auch hier ist die heile Welt der natürlich-folkloristischen Musik nicht gänzlich ungetrübt. Doch die Brüche verschwinden hinter der filmreifen Szenerie und überwältigenden Farbigkeit der Musik. Da lässt sich auch das Signum-Quartett gerne etwas gehen, gestattet sich deutlich mehr Hingabe und mehr reine Spielfreude – und ihr mächtiger Strich, ihre auftrumpfende Dynamik sprengt den nicht gerade großen Konzertsaal der Villa Musica recht mühelos und lässt die Decke fast abheben.
Schon bei Alban Bergs Streichquartett war das beinahe zu so etwas wie einem Problem geworden: Die Größe des Klangs im Raum. Dabei ging das Signum-Quartett eigentlich recht streng und um höchste Genauigkeit bemüht an den Klassiker der Moderne heran. Angesichts der Partitur, die vor Spielanweisungen überquillt und eine große Bandbreitn von Techniken verlangt, ist das keine leichte Herausforderung. Eine Herausforderung aber, die das Signum-Quartett aber sehr souverän löst und daraus eine exzellente, kluge Mischung aus Klang und Struktur in Bergs hyperexpressiver Musik entwickelt. Und in der sich das Quartett wirklich als Einheit hören lässt, in der sich nicht mehr so sehr vier vernünftige Leute untereinander unterhalten, sondern eine Stimme spricht – in vielen Tönen, aber in einem Sinn.
(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung.)