Viel klassischer geht es nun wirklich kaum mehr. Zwei Sinfonien, ein großes Konzert. Und alles von Wiener Komponisten: Mozarts Haffner– und Jupiter-Symphonien umrahmen Beethovens Tripelkonzert. Langweilig und einfallslos also, könnte man meinen. Wer beim Meisterkonzert allerdings zuhört, wird schnell eines Besseren belehrt.
Sicher, atemberaubende Spannung oder überraschende Neuentdeckungen sind in der Rheingoldhalle nicht angesagt. Aber ein feinsinnig und kultiviertes Orchester, die Deutsche Staatsphilharmonie aus Ludwigshafen, und ihre Dirigent George Pehlivanian bemühen sich sehr erfolgreich um Lebendigkeit und Raffinesse.
Aber auch Pehlivanian ist dabei auf seine Weise sehr klassich. Er sucht nicht die Brüche der Musik, nicht die Nahtstellen und auch die Offenlegung des Bauplans, der Architektur der Mozartschen Symphonien reizt ihn offenbar nicht besonders. Nein, er widmet sich – typisch klassisch eben – an erster Stelle der Ganzheit der Erscheinung der Musik. Immer ist es das Verbindende, das im Vordergrund steht, die Einheit der Symphonie über ihre Sätze hinweg etwa. Er erreicht durch das organisch auf einander abgestimmte, flüssige Tempi, die gerade bei der Jupiter-Symphonie auch einige Kotnraste verschwinden lassen. Vor allem entwickelt er einen ganzheitlichen Orchesterklang, der alles umfasst und integriert. Die einzelne Stimme, das individuelle Instrument, das spezielle Motiv sind dabei nicht so besonders wichtig. Von Bedeutung ist nur der gesamte Zusammenklang, das Kollektiv. Die funkelnde, kraftvolle Schönheit der Mozartschen Symphonien wird so auf jeden Fall wunderbar deutlich. Das ist aber auch eine ziemlich abgeschlossene Klangwelt, die Pehlivanian so inszeniert – abgeschlossen von den Einflüssen des Alltags, aber auch vom Wissen der Gegenwart. Eine echte Flucht ins Reich des Schönen.
Und wie sieht es mit Beethovens Tripelkonzert aus? Ganz ähnlich – obwohl die Musik des Konzertes für Klavier, Violine, Cello und Orchester mit Mozart nun wirklich nicht mehr viel gemein hat. Ähnlich vor allem deshalb, weil Pehlivanian sich als Dirigent hier sehr weit zurücknimmt und den Solisten die Bühne überlässt. Wobei Solisten hier ja eigentlich falsch ist – das Tecchler-Trio spielt nämlich auch in Beethovens Konzert wie im Kammermusiksaal: Als Ensemble. Und das können sie wunderbar, da passt alles perfekt zueinander. Auch das gibt dann wieder eine noble, sehr stimmige und ausgewogen-runde Interpretation. Ganz klassisch eben.
(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung.)