herz an herz”: der bachchor mit brahms & reger

Es erbebt die Seele, es zit­tert das Herz und es schmach­tet das Gemüt: In der roman­ti­schen Chor­mu­sik wird gerne gesehnt und gelit­ten — aber auch geliebt und gefreut. Nicht gerade typi­sches Reper­toire für einen Kir­chen­chor. Aber der Bach­chor ist ja schon län­ger über seine ursprüng­li­che Funk­tion hin­aus­ge­wach­sen. Und dass er und sein Diri­gent Ralf Otto roman­ti­sche Musik ziem­lich gut in Klang set­zen kön­nen, haben sie auch schon aus­rei­chend bewie­sen.
Gute Vor­aus­set­zun­gen für ein gelin­gen­des Kon­zert also. Und in der Tat, das dritte Abonnement-Konzert, für das der Bach­chor mit­ten in der Pas­si­ons­zeit ins Staats­thea­ter wech­selte, gelang ihnen. Nicht nur dem Chor, auch den beglei­ten­den Instru­me­nat­lis­ten (Burk­hard Schaef­fer und Petra Morath-Pousinelli am Kla­vier) und dem Kammermusik-Duo. Denn zwi­schen den lie­bes­trun­ke­nen und wehe­vol­len Chor­sät­zen sorg­ten auch noch Vio­li­nist Ben­ja­min Berg­mann, wie­derum von Burk­hard Schaef­fer am Kla­vier unter­stützt, für etwas Abwechs­lung: Mit einer kla­ren, gerad­li­ni­gen A-Dur-Violinsonate von Johan­nes Brahms und Tei­len aus der a-Moll-Suite von Max Reger.
Nicht, dass die Abwechs­lung unbe­dingt nötig gewe­sen wäre. Denn der Bach­chor selbst bringt schon genü­gend viele Klang­far­ben und Stim­mun­gen mit, um einen Kon­zert­abend viel­fäl­tig zu gestal­ten.
Zumal das Pro­gramm sich zwar auf zwei Kom­po­nis­ten, eben Brahms und Reger, beschränkte, aber doch alles andere als lang­wei­lig war. Da gab es eine kleine Auwahl aus den Aus­ge­wähl­tenn Volks­lie­dern Regers, die bei­den „Nacht­wa­chen“ aus den Fünf Gesän­gen von Brahms, aber auch Regers frühe Chöre für gemischte Stim­men mit Kla­vier op. 6. Und schließ­lich noch die kom­plet­ten Brahms­schen Lie­bes­lie­der­wal­zer. Die waren natür­lich ein ech­ter Höhe­punkt, ver­sam­mel­ten sie zum Schluss doch noch ein­mal die große Viel­falt roman­ti­scher Chor­muik in einem – text­lich und musi­ka­lisch, inhalt­lich und for­mal.
Und die rei­chen Dif­fe­ren­zie­run­gen des Cho­res waren hier beson­ders gut zu beob­ach­ten und zu bestau­nen. Denn nicht nur der tan­zende Diri­gent sorgte für Stim­mung, auch die prä­zi­sen, kla­ren Chor­sätze mach­ten Freude. Otto schaffte es näm­lich wie­der ein­mal, genau ins Ziel zu tref­fen: Durch­hör­bare Har­mo­nien (selbst in den kom­ple­xen Sät­zen Max Regers gelang ihm das sehr locker) ver­bin­den sich mit einer wun­der­bar kla­ren Ver­deut­li­chung der Kom­po­si­tion. Aber er begnügte sich eben noch lange nicht damit. Denn er ließ seine Sän­ger und Sän­ge­rin­nen das zu wirk­li­cher Musik machen: Mit Emp­fin­dung und auch etwas Emphase, mit Gefühl und Geschmack lei­hen sie dem lei­den­den Herz und der über­schwäng­lich jubi­lie­ren­den Seele immer wie­der ganz frisch ihre klang­vol­len Stimmen.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung)