Fantastisches in der Rheingoldhalle: Das erste Meisterkonzert der Spielzeit 2010/11

Man könnte es fast einen Glücks­fall nen­nen. Die Solis­tin des ers­ten Meis­ter­kon­zer­tes, Vilde Frang, erkrankte zwei Tage vor dem Main­zer Kon­zert. Dem Ver­an­stal­ter gelang es aber, Ersatz auf­zu­trei­ben. Und das war Glück: Hyeyoon Park ist alles andere als eine Ersatz­gei­ge­rin. Auch eine Frau, dafür noch jün­ger und noch preis­ge­krön­ter als Vilde Frang. Und vor allem hatte sie das Vio­lin­kon­zert von Jean Sibe­lius parat, so dass das Meis­ter­kon­zert ganz ohne Pro­gramm­än­de­rung statt­fin­den konnte. Und wie sie es parat hatte.

Die junge Vio­li­nis­tin beein­druckte vom ers­ten Ton an durch ihre gelas­sene tech­ni­sche Sou­ve­rä­ni­tät und die aus­ge­spro­chen starke Prä­senz ihres Tons. Mit vol­ler Kraft­ent­fal­tung bot sie hier ech­tes Power­play ohne sicht– oder hör­bare Anstren­gung – ein Zugriff, der dem Sibelius-Konzert durch­aus gut tut. Kein Wun­der, dass die herz­li­che Dank­bar­keit und gespannte Erwar­tung, mit der Publi­kum in der Rhein­gold­halle Park emp­fing, gro­ßer Begeis­te­rung wich.

Die Deut­sche Staats­phil­har­mo­nie Rheinland-Pfalz hatte dage­gen einen schwe­ren Stand. Zumal die Rolle des Orches­ters in die­sem Vio­lin­kon­zert nie beson­ders dank­bar ist. Aber Diri­gent Hubert Sou­dant beschränkte sich doch sehr stark, stär­ker noch als Sibe­lius das schon ange­legt hat, auf das harmlos-zurückhaltende Grundieren.

Dafür stand ja noch ein „Kon­zert“ nur fürs Orches­ter auf dem Plan: Die „Sym­pho­nie fan­tas­ti­que“ von Hec­tor Ber­lioz. Sou­dant ging aber auch hier nicht beson­ders gerne und oft in die Tiefe – er bevor­zugte eher eine glatte, sau­bere, schön kul­ti­vierte und weit­ge­hend unge­fähr­li­che Klang­ge­schichte. Seine Inter­pre­ta­tion suchte die mög­lichst reine Schön­heit, ohne Zwei­fel, Wider­ha­ken oder Gefah­ren – von denen Ber­lioz in der Sym­pho­nie fan­tas­ti­que, die ja als „Instrumental-Drama“ Sze­nen eines Künst­ler­le­bens pro­gram­ma­tisch ver­tont, aber so einige schil­dert. Das gelang Sou­dant nicht schlecht, auch wenn er frei­lich arg zügig über vie­les hin­weg eiltt. Ohne Frage gelan­gen ihm hier viele Momente, vor allem im zwei­ten und drit­ten Satz, wo Ber­lioz zunächst die Erle­be­nisse eines Künst­lers auf gro­ßem, fest­li­chem Ball schil­dert und dann eine gran­diose länd­li­che Szene ent­wirft, die nicht nur die Hir­ten und ihre Musik ima­gi­niert, son­dern auch ein brei­tes Gedan­ken­pan­orama des Helden,

Das tran­szen­dierte Sou­dant wun­der­bar ins All­ge­mein, für die gesamte Mensch­heit gül­tige – wenn Ein­sam­keit immer so schön wäre, gäbe es wohl wesent­lich mehr Ere­mi­ten. Über­haupt ent­deckt er immer und über­all vor allem Hoff­nung und Schön­heit – auch im Gang zum Richt­platz, bei der Hin­rich­tung selbst oder dem geträum­ten Hexen­sab­bat mit dro­hen­dem „Dies Irae“: Bedroh­lich oder ver­un­si­chernd ist Ber­lioz’ Musik in der Rhein­gold­halle nie. Aber immer wie­der ein­fach schön.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung.)

Comments

  1. The Lending Tree sagt:

    Das tran­szen­dierte Sou­dant wun­der­bar ins All­ge­mein, für die gesamte Mensch­heit gül­tige – wenn Ein­sam­keit immer so schön wäre, gäbe es wohl wesent­lich mehr Ere­mi­ten. Über­haupt ent­deckt er immer und über­all vor allem Hoff­nung und Schön­heit – auch im Gang zum Richt­platz, bei der Hin­rich­tung selbst oder dem geträum­ten Hexen­sab­bat mit dro­hen­dem „Dies Irae“: Bedroh­lich oder ver­un­si­chernd ist Ber­lioz‘ Musik in der Rhein­gold­halle nie. Aber immer wie­der ein­fach schön.
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