Nach 25 Jahren darf man ein bisschen feiern. Und dann darf es auch ein wenig krachen dabei. Dass also Domkapellmeister Mathas Breitschaft zum Jubiläum der Domkonzerte sich auf großartige und wirkungsmächtige Werke konzentrierte, ist nur folgerichtig. Und unter dem Titel „Gloria“ versammelte er auch Musik mit der entsprechenden kirchenmusikalischen Schlagrichtung – schließlich gab es heute besonders viel zu loben. Zu loben war aber nicht nur Gott, sondern zu loben sind auch Breitschaft und seine Chöre, die Domkantorei St. Martin und die Männerstimemn des Mainzer Domchores, die für das Jubiläumskonzert von der Rheinischen Philharmopnie aus Koblenz begleitet wurden.
Schon die einleitende „Gloria-“Vertonung von Francis Poulenc machte das klar: Hell strahlend und fein schillernd, mit festem, kräftigem Klang lässt Breitschaft den Chor wie eine einzige Stimme immer wieder gewaltig aufbrausen, ohne dem Dauerpathos zu verfallen. Poulencs eher selten zu hörendes Orgelkonzert erfüllte die Erwartungen aber nicht ganz. Das blieb sowohl im Orgelpart von Daniel Beckmann als auch im Orchester ziemlich langweilig und betulich. Zumal vieles verwischte – die Domakustik ließ zwar die Pauken scheppernd dröhnen, die filigranen Figuren der Streicher (und auch der Orgel) aber gnadelos untergehen.
Kein Problem war das schließlich bei der Hauptsache, Giacomo Puccinis „Messa di Gloria“. Ja, der Meisterkomponist der italienischen Oper hat auch eine Messvertonung hinterlassen. Die ist aber mehr das Versprechen zukünftiger Geniestreiche als eine kompositorische Großtat. Die Jugend des Komponisten – Puccini war gerade mal 22 Jahre alt, als er 1880 seine erste und einzige Messe beeendete – kann das entschuldigen und rechtfertigen. Und außerdem reicht schon der jugendliche Überschwang, die gnadenlose Genialität des geborenen Melodikers Puccini für ein begeisterndes Werk, das auch in der Kirche oder im Dom überhaupt nicht Fehl am Platze ist, obwohl ein Teil dann auch in seiner Oper „Manon Lescaut“ landete. Breitschaft zelebriert die Vorzüge der Messe aber auch ausgesprochen ausgiebig. Breit und wendig gleichermaßen entfaltet er natürlich vor allem das zentrale Gloria, aber auch das Credo in präziser und feiner Lockerheit. Das ist ideal, sich als Hörer dem ganz hinzugeben, träumend in der Musik aufzugehen und Text und Emotionen überwältigend direkt mitzuerleben und so mitzufeieren, mit Chor, Orchester und den beiden Solisten (Thomas Dewald und Richard Morrison) miteinzustimmen in den klingenden Lobpreis Gottes.
(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung.)