der swr-jazzpreis 2008 für heinz sauer und michael wollny

 

Wenigs­tens ein­mal im Jahr wird Mainz zur Jazz­me­tro­pole. Dann wer­den im Funk­haus des SWR große Jaz­zer mit dem SWR-Jazzpreis geehrt. Und zum Glück für die Main­zer gibt es immer auch ein Kon­zert dazu, so dass jeder die Jury-Entscheidung nach­voll­zie­hen kann. Die­ses Jahr wählte sie das Duo Michael Wollny und Heinz Sauer für den mit 10.000 Euro dotie­ren, von Land und SWR gemein­sam getra­ge­nen Preis. Und bei der Preis­ver­lei­hung konnte Staats­se­kre­tär Joa­chim Hoffmann-Götting gleich noch eine zweite gute Nach­richt ver­kün­den: Ab nächs­tem Jahr wird der Jazz­preis auf 15.000 Euro auf­ge­stockt – und zieht damit mit dem Baden-Württembergischen Jazz­preis gleichauf.

Das Duo Wollny-Sauer war zwar keine über­ra­schende Ent­schei­dung, aber eine sichere Bank – seit eini­gen Jah­ren schon sor­gen der junge Pia­nist Wollny und der Frank­fur­ter Saxophon-Veteran Sauer mit ihrer Zusam­men­ar­beit für Auf­se­hen. Im Foyer des SWR war das gut nach­zu­voll­zie­hen. Ihr aus­ge­spro­chen rei­ches Reper­toire an Mit­teln und sti­lis­ti­schen Mög­lich­kei­ten macht ihre Musik näm­lich immer wie­der span­nend. Und ihre Offen­heit im Zusam­men­spiel sorgt für viele über­ra­schende und über­wäl­ti­gende Momente. Vor allem beim lis­ti­gen Fuchs Heinz Sauer bricht dabei immer wie­der der Schalk durch. Dabei ist ihre Musik eigent­lich gar nicht beson­ders komisch. Im Gegen­teil, sie wird von einem fast hei­li­gen Ernst getra­gen. Ihre Brü­chig­keit ver­wei­gert sich sehr kon­se­quent fer­ti­gen Ant­wor­ten und stellt lie­ber ein paar Fra­gen zu viel als zu wenig.

Das Duo nutzt den Auf­tritt in Mainz auch gleich wie­der für einen Ver­such: Für die zweite Hälfte haben sie sich die Unter­stüt­zung Jörg Meders geholt. Das ist ein Expe­ri­ment, weil er das für Jaz­zer eher unge­wöhn­li­che Instru­ment Viola da Gamba spielt. Es bleibt aller­dings auch recht expe­ri­men­tell: Das Zusam­men­spiel von Kla­vier, Viola und Tenor­sa­xo­phon ist vor allem akus­tisch pro­ble­ma­tisch, weil Wollny und Sauer den Gam­bis­ten gerne an die Wand spie­len. Und auch sonst zeigt sich der Erpro­bungs­sta­tus noch deut­lich: Die Mög­lich­kei­ten vor allem der klang­li­chen Berei­che­rung des Duos sind erkenn­bar, aber ihr Poten­zial ist noch lange nicht aus­ge­schöpft. Aber der SWR-Jazzpreis soll ja auch nicht das Ende einer Musi­ker­kar­riere feiern.

Aus­schnitte wer­den am 18.6. ab 19.05 Uhr in SWR2 gesen­det.