Pianist Kristian Zimerman in einem aufschlussreichen Gespräch mit dem NZZ-Redakteur Peter Hagmann. Da geht es neben anderem auch um Motivation und Ziel des Pianisten:
Man könnte ja sagen: Das Konzert ist beinahe ein Abfallprodukt. Ich übe nicht, um Karriere zu machen, ich übe auch nicht für ein Konzert. Ich versuche mich zu entwickeln und zu bereichern
Aber hauptsächlich geht es um Chopin, dessen Jubiläum ja gerade ganz dringend ansteht. Und da ist Zimerman als einer der besten gegenwärtigen Chopin-Pianisten natürlich ein wunderbarer Gesprächspartner, der nicht nur Klavier spielen kann, sondern auch eine Menge weiß. Z.B. über das Problem der Nation & der Nationalität — im Leben und in der Musik:
Am Ende geht es aber überall um dasselbe: um Liebe, um Sicherheit, um das Dazugehören, um Heimat. Und Chopin schreibt über diese Dinge, er schreibt aus der Seele heraus über die Seele. Und er schreibt in einer besonderen Ehrlichkeit.
Oder über das Genie der Konstanz der Qualität bei Chopin, oder über den Begriff der Romantik und ihrer heutige Interpreation:
Das geht daneben, man muss Chopin in einem eigentlichen Sinn romantisch spielen. Das fängt an mit dem Rubato. Das Rubato darf nicht mit zu kleinen Werkzeugen gemacht werden. Man muss sich vielmehr bewusst sein, dass die Masse, die hier bewegt werden soll, von enormer Dimension ist und dass dieser Bewegungsvorgang seine Zeit braucht. Das Rubato darf sich also nicht auf allzu kleinem Raum entfalten, es muss im Gegenteil in einen grossen Atem integriert sein.
Das sind auch die Gründe, warum ich Zimeman so schätze: Weil man dieses Wissen, diese Überlegung und die Detailfreudigkeit sowie seine Genauigkeit auch hört.
Heute in der Neuen Zürcher Zeitung: klick.