Es ist heute kaum mehr vorstellbar: Da schreibt ein Komponist, technisch und ästhetisch auf der Höhe der Zeit, ein kongeniales, komplexes Cellokonzert – als Filmmusik für eine Hollywood-Produktion. Erich Wolfgang Korngold gelang 1946 das Kunststück, nicht nur Irving Rappers „Deception” zu vertonen, sondern damit auch noch ein Solokonzert zu schreiben, das ausgezeichnet ohne den Film funktioniert. Zumindest, wenn es einen fähigen und engagierten Interpreten findet. So jemanden wie den jungen Cellisten Daniel Müller-Schott, der beim vierten Meisterkonzert in der Rheingoldhalle, vehement für diese Musik warb.
Korngolds Musik klingt immer nach Hollywood – nicht, weil er sich populär angebiedert hätte. Sondern weil er in den vierziger Jahren den Sound der Filme maßgeblich prägte. Mit seinen ausgefeilten, trickreichen Instrumentationen, mit seiner flexiblen Handhabung klassischer Formen, mit seiner Einfallsvielfalt – und all das prägt auch das Cellokonzert. Das gibt Müller-Schott viel Raum, sich als Musiker mit vielen Möglichkeiten und Facetten zu präsentieren: Er kann sein Cello wunderbar schmachten lassen, ohne kitschig zu werden. Er kann aber auch ganz unvermittel heftig attackieren und mit feurigem Elan rasen. Er kann aber auch, und das prägt sein Spiel sehr stark, nachdenklich und sehr verständig emotionale Wärme mit analytischer Klarheit verbinden. So gleitet er, sanft begleitet von der Rheinischen Philharmonie aus Koblenz unter Daniel Raiskin, von Stimmung zu Stimmung, von aufbrausendem Überschwang zu zurückhaltender Traumseligkeit.
Seine gradlinige, fest positionierte Spielweise hatte auch schon das D-Dur-Konzert von Joseph Haydn geprägt und stark gemacht. Denn noch mehr als bei Korngold ließ Müller-Schott die Ecken und Kanten der Musik an ihrem Platz. So konnte er eine wunderbar entschlackte, pointierte Spielart des Konzertes entwickeln, die in seinem minimal angerauhten, knackigen Ton sehr lebendig wurde. Lebendiger jedenfalls als der Orchesterpart, der stets etwas arg stromlinienförmig, ein bisschen zu glatt daherkam.
Leider änderte Raiskin das auch für Felix Mendelssohn Bartholdys dritte Sinfonie nicht mehr wesentlich. Die „Schottische“ entfaltete mit der Rheinischen Philharmonie zwar durchaus ihren Effekt. Mit mehr klanglicher Klarheit wäre aber noch viel mehr möglich gewesen. So blieb es bei einer soliden Aufführung, die weder das Potenzial der Sinfonie noch das des Orchesters voll ausreizte.