Zur Weihnachtszeit kann es kaum festlich genug sein. Da suchen alle Chöre in ihren Notenschränken nach etwas Besonderem – jedes Jahr das Bach’sche Weihnachtsoratorium ist ja auch langweilig. Aber der Meister hat ja noch mehr komponiert. Zum Beispiel die Messe in H-Moll. Obwohl komponiert ja fast zu viel gesagt ist – kompiliert träfe es fast besser. Denn Bach hat sich keineswegs einfach so hingesetzt und mal eine Messe vertont. Dafür bestand ja auch kaum Bedarf bei protestantischen Kirchenmusikern seiner Zeit. Seine Messe ist über Jahre hinweg entstanden, unter fleißiger Wiederverwendung eigener Musik früherer Jahrgänge – ein Prinzip, das Bach oft benutzte. Und bei dem er es auch zu großer Meisterschaft brachte. Merken würde man es nämlich nicht, dass diese Musik ursprünglich für etwas anderes gedacht war. Auch nicht im Dom, wo Domkapellmeister Mathias Breitschaft mit seinen Chören diese „Hohe Messe” in seinem diesjährigen Weihnachtskonzert aufführte.
Worum es ihm dabei ging, war schon gleich zu Beginn klar – mehr als das erste „Kyrie eleison” brauchte es nicht, schon war die Richtung deutlich festgelegt: Breitschaft suchte den großen Klang. Und er fand ihn auch reichlich – kein Wunder, dafür sind seine immer wieder Chöre bestens vorbereitet. Die knapp 130 Sängerinnen und Sänger können dabei einiges erreichen. Was sie allerdings nicht schaffen – und was Breitschaft wohl auch gar nicht so sehr anstrebt bei diesem Konzert – sind die Feinheiten, die kleinen Details, in denen die Bach’sche Meisterschaft so deutlich wird. Auch im Orchester, dem soliden Mainzer Kammerorchester, ist davon wenig zu hören. Aber das verschwindet sowieso meistens hinter dem gewaltigen Chor. Am ehesten lässt sich das noch in den Soli erfahren – mit Katharina Leyhe, Patricia Roach, Dominik Geiger und Patrick Pobeschin hat Breitschaft wieder solide Gesangsleistungen verpflichtet, die zwar keinen Ehrgeiz haben, besonders herauszustechen. Aber in ihren Parts findet sich doch noch am meisten Beweglichkeit, Dynamik und feine Zeichnung.
Die Chöre dagegen beschränken sich unter Breitschafts strenger Leitung auf die Überwältigungsarbeit. Das wiederum können sie ausgezeichnet, dieser lebendige, kraftvolle und emotional aufgeladene Chorklang macht das Credo damit auch ohne Zweifel zum besten Teil dieser Messe. Und wie der Domkapellmeister seine Sänger dann ganz zum Schluss noch einmal durch das „Dona nobis pacem” führt, wie er die ganze Messe im Finale zu einer einzigen grandiosen Steigerung und permanenten Erhöhung und Vergrößerung gestaltet, das ist dann doch einfach großartig. Und erhebend und festlich noch dazu.
(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung.)