Er selbst hätte es gar nicht gemerkt. Aber dem Orchestervorstand ist nicht entgangen, dass Michael Millard jetzt sein 15-jähriges Jubiläum als Leiter der Sinfonietta Mainz feiern kann. Damals, 1995, fing es ganz unscheinbar an: Zusamen mit einigen anderen Kandidaten wurde auch der Kapellmeister und Studienleiter des Mainzer Staatstheaters zum Vordirigieren bei dem Laienorchester eingeladen. Und es hat gleich gefunkt zwischen Ensemble und Dirigent. So ungefähr 20 feste Mitglieder hatte die Sinfonietta 1995, erinnert sich Millard. Über die Jahre sind es kontinuierlich mehr geworden. Um die 80 Musiker haben die Sinfonietta als Hobby und proben nebenbei mittlerweile mit Begeisterung in dieser Formation. Das ist auch ein Verdienst von Millard und seiner langjährigen Arbeit als Orchestererzieher. Es scheint nämlich, als hätte der Zufall da wirklich zwei passende Partner zusammengeführt.
Im Gespräch mit Millard bricht immer wieder die Begeisterung an „seinem” Orchester durch. Und die Freude, dass so viele gute Instrumenatlisten mit ihm zusammen Musik machen. Er revanchiert sich, indem er ihnen Erfahrungen besonderer Momente ermöglicht. Deshalb setzt er auch immer wieder wirklich großformatige Werke wie die Sinfonien Bruckners oder Mahlers auf das Programm: „Ich habe selbst im Jugendorchester gespielt und dort erfahren, was für ein großartiges Erlebnis so eine außergewöhnlich Sinfonie sein kann, wie toll das ist, wenn man Teil eines Orchesters ist, das gerade eine Mahler-Sinfonie spielt.“ Immer wieder kommt er darauf zurück: Musiker muss man begeistern, ihnen Erlebnisse und Erfahrungen ermöglichen. Das macht das Orchester aber auch attraktiv für gute Instrumentalisten. Und die machen das Orchester leistungsfähiger. So baut nicht nur der Dirigent das Orchester auf, das Ensemble formt auch den musikalischen Leiter: „Ich merke, wie ich mich ändere, wie ich genauer weiß, was ich den Musikern sagen muss, um sie zum Ziel zu bringen.“
Ideen hat er noch einige im Kopf für die Sinfonietta. „Mit Sängern würde ich gerne mal etwas machen, vielleicht schon im nächsten Jahr. Aber das ist immer ein großes finanzielles Risiko.” Das beschäftigt ihn auch, wie schwer es ist, ein Laienorchester zu finanzieren. „Die Konzerte kosten uns richtig viel Geld. Auch deshalb will das Programm genau überlegt sein: Nicht nur fürs Orchester, sondern auch fürs Publikum muss das ja interessant sein.“ Und was unterscheidet ein Amateurorchester wie die Sinfonietta von den Profis? Spitzbübisch lächelt er etwas versonnen, überlegt einen Moment und trinkt erst einmal einen Schluck Kamillentee. „Mit Profis muss ich sofort auf den Punkt kommen, die langweilen sich schnell. Aus der Sinfonietta muss aber jede Woche erst einmal ein Ensemble werden. Aber wenn wir jetzt ins Probenwochenende fahren, dann sind wir ungefähr auf dem Niveau, auf dem ich auch mit dem Philharmonischen Staatsorchester beginnen würde.” So verschieden ist das also gar nicht. Musik ist Musik — und Orchester ist Orchester: Wenn die Musiker keine Lust haben, kann der Dirigent noch so eine tolle Interpretation im Kopf haben — er muss die Musiker dazu motivieren können. Und Millard scheint das bei der Sinfonietta Mainz immer wieder zu gelingen — auch nach 15 Jahren noch.
(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung.)