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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; literatur</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.</description>
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		<title>Kakanien als Gesellschaftskonstruktion</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 11:58:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[open access]]></category>
		<category><![CDATA[robert musil]]></category>

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		<description><![CDATA[&#220;ber den Adresscomptoir erfuhr ich gerade, dass der B&#246;hlau-Verlag die volumin&#246;se Habilitationsschrift aus dem Berliner Sonderforschungsbereich „&#196;sthetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der K&#252;nste” von Norbert Christian Wolf mit dem Titel auch als open-access-pdf (der link f&#252;hrt zum direkten Download) zur Verf&#252;gung stellt (bzw. wohl stellen muss, aufgrund von erhaltenen F&#246;rdergeldern). Der Verlag schreibt zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über den <a href="http://adresscomptoir.twoday.net/stories/59207314/" target="_blank">Adresscomptoir</a> erfuhr ich gerade, dass der Böhlau-Verlag die voluminöse <a href="http://www.sfb626.de/veroeffentlichungen/literaturverzeichnis/monografien/wolf_2009/index.html" target="_blank">Habilitationsschrift</a> aus dem Berliner Sonderforschungsbereich „<a href="http://www.sfb626.de/index.html" target="_blank">Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste</a>” von Norbert Christian Wolf mit dem Titel auch als <a href="http://www.boehlau-verlag.com/download/162727/978-3-205-78740-2_OpenAccess.pdf" target="_blank">open-access-pdf</a> (der link führt zum direkten Download) zur Verfügung stellt (bzw. wohl stellen muss, aufgrund von erhaltenen Fördergeldern). Der Verlag <a title="verlagsinfo" href="http://www.boehlau-verlag.com/newbuchliste.aspx?id=40" target="_blank">schreibt</a> zu dem Buch:</p>
<blockquote><p>Das Buch ist eine Gesamtinterpretation von Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ mit dem Fokus auf dessen gesellschaftsanalytische Leistung. Es stützt sich auf Pierre Bourdieus Konzept einer Sozioanalyse literarischer Texte, das durch Anleihen aus der Diskurs-, Erzähl-, Gender– und Medientheorie ergänzt sowie durch Befunde der Sozial– und Kulturgeschichtsschreibung empirisch gesättigt wird.<br />
Der feldsoziologische Ansatz wird erstmals konsequent auf einen deutschsprachigen Roman angewendet. Eine Besonderheit besteht in der kulturgeschichtlichen Kontextualisierung genauer Textanalysen, die sich nicht nur auf Musils Essays und Nachlass, sondern auch auf die zeitgenössische Literatur, Wissenschaft und Politik erstreckt. „Der Mann ohne Eigenschaften“ wird als moderner Klassiker lesbar, der die Wurzeln der Katastrophengeschichte des 20. Jahrhunderts offen legt.</p></blockquote>
<p>Das Inhaltsverzeichnis — mehr habe ich noch nicht gelesen … — sieht auf jeden Fall interessant aus, gerade in der Verbindung von theoretischem Konzept, kulturgeschichtlicher Einbettung und detaillieter Textuntersuchung. Aber ob ich in der nächsten Zeit dazu kommen, mal so 1222 Seiten am Bildschirm zu lesen?</p>

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		<title>Verehrung</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 10:24:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[arno schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[fan]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man nicht mehr wei&#223;, wohin mit der Verehrung eines gro&#223;en literarischen Meisters, dann schafft man — bzw. Ralf Zeigermann — solche Kunstst&#252;cken wie die „Arno-Schmidt-Anziehpuppe” (im Original leider f&#228;lschlicherweise ohne die Bindestriche …): (Download der pdf-Druckvorlage zum Ausschneiden und Basteln: klick.) So sieht der Meister aus, bereit f&#252;r neue Taten:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man nicht mehr weiß, wohin mit der Verehrung eines großen literarischen Meisters, dann schafft man — bzw. <a href="http://zeigermann.com/" title="ralf zeigermann" target="_blank">Ralf Zeigermann</a> — solche Kunststücken wie die „Arno-Schmidt-Anziehpuppe” (im <a href="http://zeigermann.com/cartoonist/2011/10/24/die-arno-schmidt-anziehpuppe/" title="arno-schmidt-anziehpuppe" target="_blank">Original</a> leider fälschlicherweise ohne die Bindestriche …):<br />
<a href="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/Schmidt-2.jpg"><img src="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/Schmidt-2.jpg" alt="" title="Arno-Schmidt-Anziehpuppe" width="1200" height="842" class="aligncenter size-full wp-image-4777" /></a></p>
<p>(<a href="http://dl.dropbox.com/u/1933658/Arno_Schmidt.pdf" title="Bastelvorlage" target="_blank">Download</a> der pdf-Druckvorlage zum Ausschneiden und Basteln: <a href="http://dl.dropbox.com/u/1933658/Arno_Schmidt.pdf" title="pdf-Druckvorlage" target="_blank">klick</a>.)</p>
<p>So sieht der Meister aus, bereit für neue Taten:<br />
<a href="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/Schmidt1.jpg"><img src="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/Schmidt1.jpg" alt="" title="Arno Schmidt, angezogen" width="560" height="833" class="aligncenter size-full wp-image-4776" /></a></p>

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		<title>Noch einmal: E-Books &amp; Journalismus</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 12:06:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[digitalisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[faz]]></category>
		<category><![CDATA[piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[zeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Jetzt auch noch die „Zeit” (nach der FAZ). Wieder werden falsche Gegens&#228;tze aufgebaut, falsche Positionen behauptet — kurz: PR wird unhinterfragt &#252;bernommen. Ist das wirklich n&#246;tig? Christoph Schr&#246;der schreibt unter dem unsinnigen Titel „Die Debatte, die keiner versteht” (nat&#252;rlich wird die verstanden!) zum Beispiel: Eine neue Generation von Verbrauchern betrachtet den freien weltweiten Zugang zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt auch noch die „<a href="http://zeit.de" target="_blank">Zeit</a>” (nach der <a title="E-Books, Journalismus &amp; die FAZ" href="http://matthias-mader.de/literatur/e-books-journalismus-faz/" target="_blank">FAZ</a>). Wieder werden falsche Gegensätze aufgebaut, falsche Positionen behauptet — kurz: PR wird unhinterfragt übernommen. Ist das wirklich nötig?</p>
<p>Christoph Schröder schreibt unter dem unsinnigen Titel „<a title="Zeit" href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2011-10/digitalisierung-buchmarkt/komplettansicht" target="_blank">Die Debatte, die keiner versteh</a>t” (natürlich wird die verstanden!) zum <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2011-10/digitalisierung-buchmarkt/komplettansicht" target="_blank">Beispiel</a>:</p>
<blockquote><p>Eine neue Generation von Verbrauchern betrachtet den freien weltweiten Zugang zu Daten als Selbstverständlichkeit und jede Einschränkung als unzulässigen Eingriff in die Informationsfreiheit. Dem gegenüber steht ein Verleger vom alten Schlag wie Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder, der unermüdlich für die Urheberrechte von Autoren eintritt. Hinter den konträren Positionen von Open-Access-Befürwortern und Schutzrechtbewahrern stehen unvereinbare Weltbilder und inkompatible Begriffe von Kultur.</p></blockquote>
<p>Da stecken eine Menge Probleme dahinter. Die „neue Generation von Verbrauchern” (was ja auch wieder Unsinn ist, das Lesen eines Buches ist doch kein „Verbrauch”, das Buch ist doch danach immer noch da!) will also, so Schröder offensichtlich, immer und überall alle Daten umsonst haben. Sicher mag es solche Positionen geben, aber das ist erstens nicht der Punkt und zweitens wohl nur eine Minderheit. Worum es geht ist ein <em>vernünftiger</em>, angemessen bepreister Zugang zu Daten. Und dazu gehört, das ist doch im Moment das Hauptproblem, dass zum Beispiel Kunstwerke nicht so enorm lange monopolisiert vermarktet werden dürfen, sondern früher als momentan gemeinfrei werden sollten.</p>
<p>Dann kommt wieder der schöne Gegensatz: Bisher — die Verbraucher — ging es um „Daten”, also irgendetwas einfaches, minderwertiges. Jetzt kommt, als Gegenposition, der „Verleger vom alten Schlag”. Das impliziert natürlich, dass es Honnefelder nicht primär um Gewinne geht, sondern darum, die Kunst, die Literatur zu verbreiten, zugänglich zu machen (warum er sich dann im Gegensatz zu den angeblichen Jüngern des freien Zugangs positionieren muss — das ist ein Paradox dieser hier implizit aufgeauten Gegensätze, das schon darauf hinweist, dass diese Schilderung nicht der Realität enspricht). Nun aber kommt der größte Witz, der eigentlich eine Unverschämtheit ist: Honnefelder setze sich als Vorsitzender des Börsenvereins „unermüdlich” für das „Urheberrecht der Autoren” ein. Das ist ja wohl bloße Verhöhnung! Erstens geht es ja gar nicht um das Urhberrecht der Autoren, das möchte (außer extremen Vertretern) kaum jemand ihnen abstreiten oder „abnehmen”. Es geht doch vor allem darum, was dem ganzen folgt: Die Monopolisierung der Vermarktung des Urheberrechts durch Verlage durch überlange Schutzfristen. Dafür setzt Honnefelder sich ein, deswegen lügt er sich Positionen etwa der Piratenpartei zurecht.</p>
<p>Nun der nächste Schlag: Schröder vermischt das jetzt auch noch mit der Open-Access-Bewegung — einer Bewegung, die vorwiegend aus dem Bereich wissenschaftlicher Veröffentlichungen kommt und dort sehr, sehr viel Sinn hat. Die werden jetzt gleich auch noch zu den Gegnern der Schutzfristen gemacht (was so auch wieder überhaupt nicht stimmt!). Und dann noch die absolute Keule: „unvereinbare Weltbilder” und „inkompatible Begriffe von Kultur”. Damit ist dann ja eigentlich die Diskussion für überflüssig, für unmöglich erklärt worden. Aber das stimmt auch wieder nicht: Die unterschiedlichen Begriffe für Kultur — was soll das denn bitte schön sein? Das erklärt Schröder wohlweislich nicht. Und warum sie inkompatibel sind, verschweigt er ebenfalls. Muss er ja, es gibt sie schließlich gar nicht.</p>
<p>Mit welchen unsauberen journalistischen Mitteln die „Zeit” bzw. Schröder arbeitet, sieht man auch einige Absätze später. <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2011-10/digitalisierung-buchmarkt/komplettansicht" target="_blank">Dort</a> heißt es:</p>
<blockquote><p>Marina Weisband, die politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, macht hingegen auch auf der Messe noch einmal deutlich: „Der Kopierschutz muss weg.” Den Namen Gottfried Honnefelder kennt sie übrigens gar nicht.</p></blockquote>
<p>Die Intention ist klar: Die Piraten (hier noch ) sind Kulturbanausen, die nicht einmal so wichtige, ganz unbedingt notwendig zu kennende Persönlichkeiten wie den Herren Honnefelder kennen. Das ist natürlich gemeiner Schwachsinn — und sagt über inhaltliche Auseinandersetzungen überhaupt nichts aus. Ich würde außerdem wetten, dass Honnefelder den Namen Marina Weisband ebenfalls „übrigens gar nicht” kennt. Doch was sagt uns das? Die Zeit macht Kampagnenjournalismus, lässt sich von der PR des Börsenvereins vereinnahmen. Und betrügt ihre Leser.</p>
<blockquote></blockquote>

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		<title>Hausgemachter Islandroman</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 09:35:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[island]]></category>
		<category><![CDATA[narration]]></category>
		<category><![CDATA[roman]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer erz&#228;hlt denn hier &#252;berhaupt?? (107) Warum zieht Island eigentlich die Spinner an? Zumindest die gutm&#252;tigen? Wolfgang M&#252;ller ist ja schon eine Weile auf diese Spezialit&#228;ten wie Feen, Elfe und Kobolde — alles isl&#228;ndische Best&#228;nde — abonniert. Jetzt offenbar auch Albrecht E. Mangler. Mit „VERASCHUNG” (die Versalien sind Absicht), das &#252;ber Tubuk Deluxe (inklusive originaler [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>Wer erzählt denn hier überhaupt??</em> (107)</p></blockquote>
<p>Warum zieht Island eigentlich die Spinner an? Zumindest die gutmütigen? Wolfgang Müller ist ja schon eine Weile auf diese Spezialitäten wie Feen, Elfe und Kobolde — alles isländische Bestände — abonniert. Jetzt offenbar auch Albrecht E. Mangler. Mit „VERASCHUNG” (die Versalien sind Absicht), das über <a title="tubuk deluxe" href="http://tubuk.com/deluxe" target="_blank">Tubuk</a> <a href="http://tubuk.com/book/veraschung" target="_blank">Deluxe</a> (inklusive originaler Island-Asche!) den Weg auf meinen Lesetisch fand, ist jedenfalls ausreichend verrückt, um Mangler zu einem Ehren-Isländer zu machen.</p>
<p>Schon die ganze Aufmachung, das ewige drunter &amp; drüber, die zusätzlich eingeschobene Erzählerfiktion, das Casting für Figuren der Erzählung, … machen den Leser schwindlig. „Veraschung” ist nämlich vieles, aber eines bestimmt nicht: diszipliniert. Stattdessen ist das Büchlein, „der Island-Roman”, ausschweifend, undisziplinert, unbändig, wild, wirr (im besten, nämlich unterhaltenden Sinne das alles …) — und vor allem komisch. Mit allem, was das Erzählerherz und –hirn hergibt, wird gespielt: Mit Fußnoten, mit Ergänzungen, Verweisen, Pseudo-Interaktivität (inklusive <a title="vigo laflamme im netz" href="http://www.vigolaflamme.de/" target="_blank">Blog</a>, <a title="facebook" href="http://www.facebook.com/Vigolaflamme" target="_blank">Facebook-Account</a> — und mit „Warteseiten” im Buch, um die Zeit bis zur Auszählung zu überbrücken …) — das ist fast ein gedruckter Hypertext. Allerdings nur als Show, sozusagen, nur aufgesetzt, um möglichst viel Farbe und Verwirrung in den Lesefluss und den mehr oder weniger geneigten Leser zu bekommen … Dazu noch — nicht zu vergessen  (und auch nicht zu übersehen) — die Selbstreferenzialität auf verschiedenen Ebenen des Textes — eine furios Mischung, fast ein Lehrbuch der Narrativität.</p>
<p>Mangler zieht nämlich so ziemlich alle Register des (auch mal notorisch unzuverlässigen) Erzählens, unzählige Erzählerfiktionen, Fußnoten, Stimmenwechsel, der „Gastbeitrag” von Jökull Eldfellsson, der das ganze noch einmal unterbricht, aber auch die Mittel der Multimedialität (nicht nur Zeichnungen und Bildverweise, auch noch eine isländische Hobbyfotostrecke in der Mitte, stilecht auf Hochglanzpapier) und der Hyperfiktion, Spiel mit den Gattungen … so könnte man jetzt noch eine ganze Weile weiter aufzählen, was er sich so alles einfallen lässt bzw. was er von anderen übernimmt. Zum Glück für „Veraschung” ist das mit 127 Seiten gerade noch so im Rahmen, das der unaufhörliche Strom an erzählerischen Gimmicks noch auszuhalten ist — viel länger hätte ich das wohl nicht ertragen. Ach ja, so etwas wie eine „Fabel”, einen erzählerischen Kern, gibt es auch noch. Der ist aber fast banal, den brauche ich hier nicht zu referieren — ein bisschen muss dem Leser auch selbst überlassen bleiben. Schießlich ist das Entziffern und Entwirren desr Erzählknäuls ein wesenticher Teil des Spaßes — und das ist schon ein rundum amüsantes Spiel.</p>
<blockquote><p><em>Wer erzählt denn hier überhaupt??</em> (107)</p></blockquote>
<p>Albrecht E. Mangler: <a title="veraschung beim verlag" href="http://www.milena-verlag.at/index.php?item=literatur&amp;show_details=155" target="_blank">VERASCHUNG</a>. Der Island-Roman erzählt von Vigo LaFlamme. Mit einem Gastbeitrag von Jökull Eldfellsson. Wien: <a title="der verlag" href="http://www.milena-verlag.at/" target="_blank">Milena</a> 2011. 127 Seiten. ISBN <a title="worldcat" href="http://worldcat.org/isbn/9783852862101" target="_blank">978–3-85286–210-1</a>.</p>

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		<title>E-Books, Journalismus &amp; die FAZ</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 19:11:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[e-book]]></category>
		<category><![CDATA[faz]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist Buchmesse. Also muss man auch mal wieder etwas &#252;ber E-Books schreiben. Auch wenn man nicht so richtig wei&#223;, was es zu schreiben gibt. Und man — als Journalist! — auch sonst nicht so recht wei&#223;, wie man damit umgehen soll. Dann kommen solche Bl&#252;ten heraus wie heute in der FAZ, wo Georg Giersberg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist Buchmesse. Also muss man auch mal wieder etwas über E-Books schreiben. Auch wenn man nicht so richtig weiß, was es zu schreiben gibt. Und man — als Journalist! — auch sonst nicht so recht weiß, wie man damit umgehen soll. Dann kommen solche Blüten heraus wie heute in der FAZ, wo Georg Giersberg sich unter dem Titel „<a title="Elektronisches Buch" href="http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/elektronisches-buch-zahlen-aus-amerika-schocken-die-buchbranche-11491058.html" target="_blank">Elektronisches Buch: Zahlen aus Amerika schocken die Buchbranche</a>” damit herumschlägt.</p>
<p>Schauen wir uns das mal an: Zunächst der „Schock”, den die Titelzeile verspricht. Finden lässt er sich nicht: Im Text ist dann nur noch von „aufhorchen” die Rede (auch nur anonym) — und das ist dann doch ein gewisser Unterschied: In den USA sind also die Taschenbuchverkäufe eingebrochen, die E-Book-Verkäufe dagegen rasant gestiegen. Nun ja, bis es so weit kommt, wird es in Deutschland wohl noch etwas dauern, da wird ja kräftig dagegen gemauert. Und auch Amazon hat nicht den gleichen Einfluss wie in Amerika auf die Distribution von Inhalten.</p>
<p>Dann wird es spannend: Giersberg sieht das erscheinende Weltbild-Lesegerät als Durchbruch für E-Books? Das scheint mir (und <a title="tauglich?" href="http://www.e-reader-forum.de/index.php?page=Thread&amp;threadID=3773" target="_blank">nicht</a> <a title="tauglich?" href="http://www.ebookanoid.com/2011/10/07/weltbild-announce-launch-of-their-own-ereader-the-ebook-reader-3-0/" target="_blank">nur</a> <a title="tauglich?" href="http://www.focus.de/digital/multimedia/weltbild-ebook-reader-von-trekstor-der-vielseitige-preisbrecher_aid_638864.html" target="_blank">mir</a>) nun dochnoch sehr fraglich, weil das ein Gerät ohne E-Ink-Display ist — und damit kaum brauchbar … (Es ist ja auch schon Weltbilds zweiter Versuch, der — damals ebenfalls konkurrenzlos billige — Reader vom letzten Jahr wurde so ziemlich mit den gleichen Zielen und Aufgaben angepriesen und konnte dem Hype auch nicht gerecht werden).</p>
<blockquote><p>Die Geräte sind preiswerter (bei Weltbild 60 Euro), haben Farbdisplays und liegen ergonomisch bequem in der Hand.</p></blockquote>
<p>Nun ja. Farbdisplays sind kaum lesetauglich, allein schon wegen der kurzen Akkuleistung (Weltbild selbst gibt gerade mal „<a title="laufzeit" href="http://www.weltbild.de/1/ebook/ebook-reader.html" target="_blank">bis zu acht Stunden</a>” an — falls das stimmt -, darüber kann jeder Kindle-Besitzer nur lachen …) und der unangenehmen LCD-Bildschirme.</p>
<p>Aber der ganze Text ist einfach schwach und ein echtes Negativbeispiel des „Qualitätsjournalismus”: Giersberg scheint etwa nur mit Gottfried Honnefelder gesprochen zu haben. Der ist Vorsitzender des Börsenvereins und damit natürlich alles andere als neutral — warum sollte er auch? Dann taucht allerdings noch ein zweiter „Experte” auf — zumindest scheint es so: „Boos” — wer das ist (ist das überhaupt eine Person?), warum er zitiert wird — keine Erwähnung. Ganz klar, journalistischer Fehler …</p>
<p>Weiter im Text:</p>
<blockquote><p>Gottfried Honnefelder, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, geht davon aus, dass er in fünf Jahren bei knapp 10 Prozent liegen wird. Das wäre ein großes Wachstum in einem Gesamtmarkt, der im bisherigen Jahresverlauf noch im Minus (2 bis 3 Prozent) liegt.</p></blockquote>
<p>Das kapiere ich jetzt auch nicht: Weil der Gesamtmarkt schrumpft (also weniger Bücher verkauft werden), ist das prognostizierte Wachstum für die nächsten fünf Jahre (was ja reine Augenwischerei ist, die Zahlen aus den USA hat vor fünf Jahren niemand geahnt, weil keiner weiß, welche Geräte und Inhalteanbieter sich in diesem Zeitraum wirklich durchsetzen bzw. was noch neu kommt …) besonders hoch? Das ist doch Blödsinn: Wenn der Gesamtmarkt schrumpft, brauche ich weniger absolute Verkäufe, um auf 10% Anteil zu kommen!</p>
<p>Dann aber kommt der Kernabsatz:</p>
<blockquote><p>60 Prozent aller in Deutschland aus dem Netz heruntergeladenen Bücher seien illegal heruntergeladen worden. „Die illegale Entwicklung im Netz ist weiter als die legale“, beklagt Honnefelder.</p></blockquote>
<p>60 Prozent? Woher kommt diese Zahl? Wie misst man den illegale Downloads? Über die zweite Aussage brauchen wir kaum streiten, die legalen E-Book-Läden sind wirklich ziemlich grausig.</p>
<blockquote><p>Dass dies ein internationales Problem ist, belegt Boos mit den Worten, in einigen Ländern übersteige die Zahl der elektronischen Lesegeräte (E-Reader) die der legal heruntergeladenen elektronischen Bücher um das 100fache.</p></blockquote>
<p>Da ist er wieder, der mysteriöse „Boos”. Was er „belegt”, ist mir aber unklar. Um welche Länder geht es? Das wäre doch spannend: Die Zahl der Geräte ist um das 100fache (!) größer als die der legalen Downloads. Gut, man muss E-Reader ja nicht nur für elektronische Bücher verwenden, man kann ja z.B. auch pdf-Dateien betrachten. Ich vermute aber fast, dass hier einfach die Tablet-PCs als E-Reader gezählt wurden, anders kann ich mir diese Rechnung überhaupt nicht erklären. Und das wäre natürlich wiederum ausgesprochener Blödsinn. Aber nichts davon erklärt der Text, der Journalist hat das einfach so hingenommen und lässt es auch einfach so stehen …</p>
<p>Dann kommt natürlich noch der Evergreen:</p>
<blockquote><p>Honnefelder forderte auf der Messe die Politik auf, die Internetanbieter zu verpflichten, Warnhinweise anzubringen, die den Nutzern sagen, was legal und was illegal ist. In Umfragen hätten 81 Prozent derjenigen, die illegal Inhalte herunterladen, die Meinung vertreten, dass Warnhinweise das illegale sogenannte Filesharing eindämmen würden.</p></blockquote>
<p>Mal abgesehen davon, dass wieder ungenannte Umfragen mit undurchschaubaren Zahlen angeführt werden (so eine Umfrage kann ich auch schnell produzieren …), haben wir hier natürlich wieder den Wunsch nach Totalüberwachung, die auch noch die Provider übernehmen sollen. Inzwischen sollte doch eigentlich jedem klar sein, dass das erstens technisch ziemlich komplex wird, zweitens nicht durchsetzbar ist und drittens gegen so einige Grundrechte verstößt. Man muss ja schon fast dankbar sein, dass er kein Strike-Modell fordert ;-)</p>
<p>Aber davon lassen weder Journalist noch Befragte sich weiter stören. Auch im nächsten Argument nicht. Da heißt es:</p>
<blockquote><p>Bisher sei er rein linear organisiert gewesen: Der Autor schreibt ein Buch, der Verleger verlegt es, der Händler verkauft die Rechte, der Leser liest, dann interessierte sich ein Filmemacher dafür.</p></blockquote>
<p>Da sieht man natürlich so nebenbei sehr schön, wie sich der geheimnisvolle „Boos” die Welt schöndenkt: „der Händler verkauft die Rechte”. Das tut er — bisher — eben nicht: Er verkauft das Buch, als materiellen Gegenstand. Bei E-Books ist das freilich zumindest teilweise anders, da wird oft nur ein Nutzungsrecht erworben — und gerade das ist einer der Gründe, warum so viele illegal herunterladen: Weil sie nicht nur Nutzungsrechte erwerben wollen (momentan in der Regel noch dazu für unverhältnismäßig viel Geld), sondern ein mit gedruckten Texten vergleichbares Eigentum, dass man z.B. verleihen oder verschenken kann …</p>
<p>Irgendwie ist da im Qualitätsmanagement der FAZ etwas schiefgegangen. Schließlich wird der Autor als <a title="Giersberg" href="http://www.faz.net/redaktion/georg-giersberg-11123655.html" target="_blank">Wirtschaftsredakteur</a> vorgestellt — einem Volontär hätte man so einen Artikel wohl nicht durchgehen lassen.</p>
<p>Nachtrag: Beim Gedankenstrich gibt es zumindest so etwas ähnliches wie <a title="marktanteile e-books" href="http://gedankenstrich.org/2011/10/marktanteile-e-books-digital-divide/" target="_blank">Zahlen</a> (auch nur Schätzungen).</p>

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		<title>Was macht Deutschland?</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 06:51:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was macht Deutschland? Ein immerw&#228;hrender Kalender f&#252;r alle Tage des Jahres Oktober 1859 Sonntag. Deutschland pflegt sich - Wohl zu besinnen. Montag. Deutschland regt sich - Was wird’s beginnen? Dienstag. Deutschland tr&#228;gt sich - Mit gro&#223;en Gedanken. Mittwoch. Deutschland bewegt sich - In gesetzlichen Schranken. Donnerstag. Deutschland fr&#228;gt sich - Ob’s endlich soll? Freitag. Deutschland [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was macht Deutschland?</p>
<p>Ein immerwährender Kalender<br />
für alle Tage des Jahres Oktober 1859</p>
<p>Sonntag. Deutschland pflegt sich -<br />
Wohl zu besinnen.<br />
Montag. Deutschland regt sich -<br />
Was wird’s beginnen?<br />
Dienstag. Deutschland trägt sich -<br />
Mit großen Gedanken.<br />
Mittwoch. Deutschland bewegt sich -<br />
In gesetzlichen Schranken.<br />
Donnerstag. Deutschland frägt sich -<br />
Ob’s endlich soll?<br />
Freitag. Deutschland schlägt sich -<br />
Schlägt sich wie toll!<br />
Sonnabend. Deutschland legt sich -<br />
Zu Protokoll!</p>
<p>Georg Herwegh (1817–1875)</p>

]]></content:encoded>
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		<title>Fanboy</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 08:10:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[medien]]></category>
		<category><![CDATA[feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[kultur]]></category>
		<category><![CDATA[rainald goetz]]></category>

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		<description><![CDATA[Allein f&#252;r diesen Kommentar muss man Rainald Goetz doch lieben! – Der Umbl&#228;tterer hatte zum 30j&#228;hrigen Jubil&#228;um der „Feuilletonmanie” von Rainald Goetz, die — zumindest in der f&#252;r den Leser sichtbaren Form — mit einer Reportage (?) &#252;ber Feuilletonisten im Transatlantik von August 1981 begonnen hat, eine kleine (lobpreisende) W&#252;rdigung dieses „Unternehmens” (das ja eher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Allein für diesen Kommentar muss man Rainald Goetz doch lieben!<br />
– <a href="http://www.umblaetterer.de" title="der umbl&auml;tterer" target="_blank">Der Umblätterer</a> hatte zum 30jährigen Jubiläum der „Feuilletonmanie” von Rainald Goetz, die — zumindest in der für den Leser sichtbaren Form — mit einer Reportage (?) über Feuilletonisten im Transatlantik von August 1981 begonnen hat, eine kleine (lobpreisende) <a href="http://www.umblaetterer.de/2011/08/29/30-jahre-feuilleton-rainald-goetz/" title="Betriebsjubil&auml;um" target="_blank">Würdigung</a> dieses „Unternehmens” (das ja eher einem Zwang/Drang zu entspringen scheint als Überlegung, meint man manchmal) <a href="http://www.umblaetterer.de/2011/08/29/30-jahre-feuilleton-rainald-goetz/" title="Betriebsjubil&auml;um" target="_blank">geschrieben</a>. Und Rainald Goetz hat <a href="http://www.umblaetterer.de/2011/08/29/30-jahre-feuilleton-rainald-goetz/#comment-5332" title="Kommentar R. G." target="_blank">kommentiert</a>. Unter anderem damit, mit einem kleinen aber bösen Seitenhieb auf die momentane Form des FAZ-Feuilletons:</p>
<blockquote><p>Über den aktuellen KITSCH der Faz-Kultur und –Literatur, den die dortigen Frauen Lovenberg, Mühl, Bopp, Kegel u.a. mit ihren Lebenserfahrungs-berichten und todtraurigen Spießertheorien über die FAMILLJE verbreiten, anstatt Bücher zu besprechen, weil Bücher dort programmatisch nur noch bejubelt werden […]</p></blockquote>
<p>Und mit einer kleinen Abweichung zu Botho Strauß:</p>
<blockquote><p>Botho »gleichwohl« Strauß schreibt seine unschöne Erlesenheitssprache, hat seine scheußlich erlesenen Kitschgedanken auch deshalb, weil er zu wenig Feuilleton liest. Er liest zu viel gehobenen Dreck, das ergibt im Resultat Kitsch.</p></blockquote>
<p>Das ist doch — so nebenbei — einfach mal wieder herrlich.</p>

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		<title>Bloomsday</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Jun 2011 22:57:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[feiertag]]></category>
		<category><![CDATA[irland]]></category>
		<category><![CDATA[james joyce]]></category>
		<category><![CDATA[ulysses]]></category>

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		<description><![CDATA[… damit er hier wenigenstens virtuell begangen wird, der Tag des Ulysess — Irland ist f&#252;r einen Tag etwas weit ;-) (geklaut von New Yorker)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>… damit er hier wenigenstens virtuell begangen wird, der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bloomsday" target="_blank">Tag</a> des <em>Ulysess</em> — Irland ist für einen Tag etwas weit ;-)</p>
<p><img class="alignnone" title="bloomsday/james joyce" src="http://www.newyorker.com/online/blogs/books/iwroteulysses.jpg" alt="" width="425" height="554" /></p>
<p>(geklaut von <a href="http://www.newyorker.com/online/blogs/books/2011/06/what-to-do-on-bloomsday-a-roundup.html">New Yorker</a>)</p>

]]></content:encoded>
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		<title>Die Gegenwart, das Gl&#252;ck und die Literatur</title>
		<link>http://matthias-mader.de/literatur/die-gegenwart-das-gluck-und-die-literatur/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 10:39:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[literaturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[roman]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwie, so habe ich manchmal den Eindruck, gibt es &#252;ber die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zu viel und zu wenig Untersuchungen. Geschrieben wird viel und viel geschrieben &#252;ber das Geschriebene. Aber nur ganz, ganz wenig davon gelingt &#252;berzeugend. Richard K&#228;mmerlings Buch &#252;ber „Das kurze Gl&#252;ck der Gegenwart”, in dem er sich der duetschsprachigen Literatur sein 1989 widmet, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwie, so habe ich manchmal den Eindruck, gibt es über die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zu viel und zu wenig Untersuchungen. Geschrieben wird viel und viel geschrieben über das Geschriebene. Aber nur ganz, ganz wenig davon gelingt überzeugend. Richard Kämmerlings Buch über „Das kurze Glück der Gegenwart”, in dem er sich der duetschsprachigen Literatur sein 1989 widmet, ist so ein Fall: Schön, dass ein Kritiker versucht, mehr zu tun als einzelne Bücher beim Erscheinen zu besprechen und in der Rückschau noch einmal zu ordnen. Schade, dass er es so tut.</p>
<p>Das fängt schon ganz vorne an, mit der  falschen Prämisse — und ist dann leider auch noch schlecht durchgeführt. Also: Kämmerlings verlangt, <sup class='footnote'><a href='#fn-4615-1' id='fnref-4615-1'>1</a></sup> dass die deutschsprachige Literatur gegenwartshaltig sei und ihren Leserinnen und Lesern die Welt der Gegenwart erklärt. Das ist natürlich irgendwie ein hehrer Wunsch, der zunächst einmal schlüssig scheint, aber doch Unsinn ist: Warum soll die Literatur das tun? Und warum soll sie es — das ist nämlich Kämmerlings Folgerung — unbedingt und aussschließlich mit Stoffen der angeblichen Gegenwart tun? Ist Literatur nicht etwas mehr als bloße Weltbeschreibung? Sollte sie es nicht sein? Ist das die „Aufgabe” der Kunst: Uns die Welt zu zeigen und zu erklären? Oder sollte sie sich nicht mehr um „uns” kümmern — wenn sie überhaupt irgend etwas „soll”?</p>
<p>Jedenfalls geht es für Kämmerlings darum: Autoren sollen ihre Stoffe aus den Erscheinungen der Gesellschaft der Gegenwart übernehmen und entwickeln, sie sollen die Kriege der letzten Jahre thematisieren, soziale Ungleichheiten, wirtschaftliche Entwicklungen, politisches Geschehen. Und sie sollen das offenbar gefälligst in lesbarer, nicht zu ausgefallener Prosa tun — etwas anderes kennt Kämmerlings in diesem Buch nicht: Romane sind  - trotz des damit als großsprecherisch sich erweisenden Untertitels — seine Form, mit einigen Ausflügen in kürzere Formen der erzählenden Literatur. Dramatische Texte haben zur Gegenwart nichts zu sagen? Und Lyrik auch nicht? — Das sieht wie ein typischer Fehlschluss eines Zeitungs-Kritikers aus, würde ich sagen, der mit seinen beruflich bedingten (?) Scheuklappen liest — in der Tat kommt in den deutschen Zeitungen die Lyrik schon nur extrem wenig vor, die dramatischen Texte als Texte (abseits der Performanz der (Ur-)Aufführung) eigentlich überhaupt nicht. Begründbar ist das in den Kunstwerken nicht, höchstens in der vermeintlichen Größe des Interesses der Leserschaft — selbst wenn man Gegenwartshaltigkeit als Maßstab anlegt, sollte man erkennen, dass dazu auch Lyrik und Drama einiges zu sagen haben können.</p>
<p>Leider klebt Kämmerlings dann auch noch über den allergrößten Teil der zweihundert Seiten bloß am Stoff der besprochenen Bücher: Über bloße Inhaltsangaben, knappe Referate des beschriebenen Geschehens mit ein paar Beispielsätzen geht er so gut wie nie hinaus. Sowie es um die eigentliche künstlerische Gestaltung geht, um Stilfragen, um Strukturen der Texte, ihre Formen und Gestalten, wird Kämmerlings ausgesprochen ungenau und nebulös — vielmehr als der „Ton” eines Autors bleibt meist nicht übrig von seiner Analyse. Das ist natürlich schade und ausgesprochen unbefriedigend. Denn es ist ja nicht so, dass er schlechte Bücher vorstellt …</p>
<p>Dafür spielen intertextuelle Netze, die Beziehungen — inhaltliche und temporale — zwischen den Texte, also auch so etwas wie „Schulen” des Schreibens, eine ganz große Rolle. Auch echte oder vermeintliche Vorbilder sind für Kämmerlings sehr wichtig — meist kommen sie aus der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Was dieses Nacheifern, dieses Schreiben auf Anregung anderer Texte, allerdings bedeutet, bleibt er wiederum gerne schuldig: Was heißt es denn, das diese Beziehung erkennbar ist? Für Kämmerlings scheint das eher ein Vorteil zu sein, ein Lernen von den (richtigen) Meistern. Aber warum soll mich das interessieren, ob Autor A jetzt B gekannt hat oder nicht? Neben diesen Beziehungen der Texte untereinander sucht Kämmrlings auch gerne äußere Anlässe für das Entstehen von literarischen Werken auszumachen. Und wieder ist mir nicht ganz klar, was das für das Verstehen (oder auch nur Erfahren) des Kunstwerkes helfen soll. Für ihn ist das aber wichtig, weil damit ja sein Gebot der Gegenwartsnähe erfüllt wird (bzw. zu werden scheint).</p>
<p>Die abschließende Liste der 10 besten Bücher der letzten 20 Jahre ist dann ja, nun ja, ein etwas seltsamer Gag. Irgendwie habe ich den Eindruck, das war eine Verlagsidee, der sich Kämmerlings auch nur etwas widerwillig gebeugt hat. Die Liste selbst bietet eine etwas merkwürdige Mischung, finde ich. Das sind ohne Zweifel gute Bücher — aber die besten? Rainald Goetz ist zum Beispiel mit „Abfall für alle” vertreten — warum „Klage” oder „Loslabern” schlechter sein sollen, erschließt sich mir nicht. Aber die beiden Bücher kennt Kämmerlings offenbar nicht, muss man vermuten — im Text selbst kommen sie nämlich auch nicht vor — und das ist mir völlig unverständlich. Ingo Schulzes „Simple Story” halte ich tendenziell ja auch für etwas überschätzt — das ist, genau wie Marcel Beyers „Flughunde” etwa so ein Buch, das jeder irgendwie gut finden kann. Warum Thomas Lehr ausgerechnet mit „Nabokovs Katze” auf der Liste gelandet ist, das ist mir auch wiederum nicht ganz klar — ich halte das nicht für sein bestes Buch.</p>
<p>Was bleibt als von Kämmerlings Versuch, die (?) deutschsprachige Literatur seit ’89 zu erfassen und zu erklären? Eine Menge Bücher werden angerissen, kurz vorgestellt, referiert — von denen mir durchaus einige wohl durch die Lappen gegangen sind (und durchaus einige sich vielversprechend anhören). Aber ganz, ganz vieles — und leider eben vieles unheimlich Gutes — fällt durch das Raster. Unverständlich bleibt mir einiges: Warum zum Beispiel Reinhard Jirgl nur einmal nur nebenbei erwähnt wird (die Kunst des name-dropping beherrscht Kämmerlings ziemlich gut …) — gerade in das Kapitel zum erinnernden Roman hätte er wunderbar gepasst. Und fraglich bleibt dann doch auch, ob man aus Büchern wie denen von Kurzeck (der etwas mehr Gnade findet als Jirgl, aber natürlich vor allem durch das unvermeidliche „proustsche” Erzählen charakterisiert wird) nicht genauso viel oder sogar mehr über uns und die Gegenwart lernen kann als aus vermeintlich aktuellen Büchern (was bei Kämmerlings ja nur und vor allem aktuelle Stoffe meint), die sich den spezifischen Situationen der Gegenwart, d.h. der letzten ca. 10 Jahre, widmen.</p>
<p>Aber das führt mich ja wieder an den Anfang: Die Forderung der Gegenwartshaltigkeit der Literatur ist meines Erachtens kunstfremder Unsinn, der — wie Ina Hartwig in der Süddeutschen ganz richtig anmerkte — der Literatur eine Stellvertreterfunktion zuweist: Sie soll erleben, was wir selbst nicht tun. Der Anspruch, Literatur müsse uns unsere „Gegenwart”  irgendwie erklären, ist aber ein falscher, der den Kunstwerken auch nur selten gut tut. Dafür gibt es Journalisten. Und bezeichnenderweise ist Kämmerlings von journalistischen Schreibweisen wie Moritz von Uslars „Deutschboden” eben auch sehr angetan — logisch, denn sie erfüllen eben seine Bedingung der Gegenwartsnähe und –beschreibung. Aber Kunst sollte doch etwas mehr sein. Und ist es ja auch immer wieder — Kämmerlings zum Trotz sozusagen.</p>
<p>Richard Kämmerlings. Das kurze Glück der Gegenwart. Deutschsprachige Literatur seit ’89. Stuttgart: Klett-Cotta 2011. 208 Seiten. ISBN <a title="worldcat" href="http://worldcat.org/isbn/9783608946079" target="_blank">978–3-608–94607-9</a>.</p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4615-1'>Ja, er verlangt das wirklich — er will, dass das die Autoren tun, er will ihnen vorschreiben, wie Literatur zu sein hat. Auch wenn er natürlich klug genug ist, eine solche präskriptive Ästhetik mit genügend Caveats zu versehen: Im Kern geht es ihm darum, eine bestimmte Art von Literatur als die (einzig) richtige zu setzen. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4615-1'>↩</a></span></li>
</ol>
</div>

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		<title>Tristano No. 6665</title>
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		<pubDate>Mon, 16 May 2011 19:56:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<category><![CDATA[computer]]></category>
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		<description><![CDATA[„Multipler Roman in Einzelausgaben” ist der offzielle Untertitel dieses B&#252;chleins von Nanni Balestrini. Meines hat die Nr. 6665 (knapp daneben …) und ist einer von 109027350432000 Romanen. Nun hat Balestrini nat&#252;rlich nicht eine solch irrsinnige Zahl an B&#252;chern geschrieben: Der Witz am „Tristano” ist, dass per Zufallsalgorithmus (im Computer) die 20 Abschnitte f&#252;r jedes der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Multipler Roman in Einzelausgaben” ist der offzielle Untertitel dieses Büchleins von Nanni Balestrini. Meines hat die Nr. 6665 (knapp daneben …) und ist einer von 109027350432000 
<a href="http://matthias-mader.de/wp-content/gallery/diverses/6665.jpg" title="Nanni Balestrini: Tristano No. 6665" class="shutterset_singlepic409" >
	<img class="ngg-singlepic ngg-right" src="http://matthias-mader.de/wp-content/gallery/cache/409__320x240_6665.jpg" alt="Tristano No. 6665" title="Tristano No. 6665" />
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Romanen. Nun hat Balestrini natürlich nicht eine solch irrsinnige Zahl an Büchern geschrieben: Der Witz am „Tristano” ist, dass per Zufallsalgorithmus (im Computer) die 20 Abschnitte für jedes der 10 Kapitel neu angeordnet weden. 1966, als <a title="balestrini (wp)" href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Nanni_Balestrini" target="_blank">Balestrini</a> die Idee dazu hatte, war das drucktechnisch noch nicht wirklich umzusetzen — dank Digitaldruck ist das heute auch für Suhrkamp kein Problem mehr. Die Entstehung der Textblöcke ist dabei übrigens auch schon ein Ergebnis kombinatorischer Prozesse: Balestrini hat aus verschiedenen Quellen Sätze entnommen, sie ihrer inneren Satzzeichen beraubt und mehr oder minder zufällig gereiht. So viel also ganz kurz zu der Entstehung des Romans.</p>
<p>Das ist — ausnahmsweise — nicht belanglos, weil es sich natürlich massiv im Text niederschlägt: Eine „normale” Geschichte, eine herkömmliche Handlung, ein linerarer Plot — das alles gibt es hier nicht. Wohl gibt es wiederkehrende Motive — die aber in sich und in ihrer Verknüpfung sehr unklar bleiben. Denn alle (!) Eigennamen werden durch ein universelles „C” ersetzt. Trotzdem lassen sich eine männliche und eine weibliche Figur unterscheiden, die miteinander in Beziehung treten und diese auch wieder verlassen (Tristan!). Viel ließe sich sicherlich konstruieren. Aber das funktioniert natürlich nur bedingt: Zum einen ist ja jedes Buch anders, hat eine eigene „Geschichte” durch die zufällige Reihenfolge (wie hoch wäre eigentlch die Wahrscheinlichkeit, dass da zwei Mal das gleich Ergebnis herauskommt?), zum anderen ist der Spaß an diesem Experiment eher, zu schauen, was mit Wörtern, Sätzen, Abschnitten passiert — wie sich manchmal „Sinn” ergibt, wie er sozusagen aus Versehen „passiert”, wie die Signifikanten sich — im Leseprozess des wahrnehmenden Subjekts — eben doch wieder zu einem/mehreren Signifikaten gezwungen sehen, wie Leser und Text danach streben, sinnhaltig zu sein. Das allerdings ist zwar zunächst faszinierend zu beobachten, wird aber auch ermüdend. Dabei umfasst der Tristano gerade mal 120 Seiten. Doch das reicht mehr als genügend aus, das Prinzip und seine Folgen zu verstehen, begreifen und erfahren. Und auch zu erleiden. Denn so spannend das narratologisch, semiologisch — kurz: intellektuell — ist bzw. erscheint, so trocken kann die Lektüre werden: Man hängt oft sehr in der Luft, sucht beim Lesen nach sinnhaltigen Fundamenten oder Horizonten — das ist schon interessant, das an sich selbst zu beobachten. Da aber der Text/die Texte durch die Montage der Sätze aus fremder Urheberschaft und unbekannten Kontexten (manchmal kann man etwas erahnen, z.B. die wiederholten Fragment zu Text und Erzähltheorie<sup class='footnote'><a href='#fn-4606-1' id='fnref-4606-1'>1</a></sup>) auch sprachlich nur sehr bedingt faszinieren (zumindest in der deutschen Übersetzung von Peter O. Chotjewitz) ist das letztlich ein eingeschränktes Vergnügen: „Als ich diese Texte las fand ich sie nicht nur bedeutungslos sondern auch ohne irgendein Element das sich auf das vorgegebene Thema bezieht. Ich bin so unglücklich daß ich am liebsten sterben möchte.”</p>
<p>Dafür wird man neben den 120 Seiten „Roman” (die den für Suhrkamp ausgesprochen hohen Preis von 15 Euro haben) auch noch reichlich mit Paratexten versorgt: Eine Vorbemerkung des Verlags, eine Notiz des Autors eine Vorwort von Umberto Eco (zum Verfahren der Kombinatorik in der Geschichte der Wissenschaften und Künste, weniger zum „Tristano” selbst), einem nachgestellten analytischen Vorwort zur französischen Ausgabe 1972 von Jacqueline Rist und schließlich noch eine literaturgeschichtliche Einordnung des „Tristano” in die experimentelle (Prosa-)Literatur des 20. Jahrhunderts und das Lebenswerk Balestrinis durch Peter O. Chotjewitz — fast mehr Para– als –Text also …</p>
<p>Nanni Balestrini: Tristano No. 6665 von 109027350432000 Romanen. Ein multipler Roman in Einzelausgaben. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009. 120+XXXII Seiten. ISBN <a title="worldcat" href="http://worldcat.org/isbn/9783518125793" target="_blank">978–3-518–12579-3</a>.</p>
<p> </p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4606-1'>„Es wird dringend empfohlen das Buch bis zum Ende zu lesen. Je weiter man kommt desto packender wird es.”, heißt es z.B. einmal. Oder: „Es ist nicht nur verboten den normalen Gebrauchswert der Sätze und ihre Eignung zur Kommunikation zu hinterfragen sie erfahren zur gleichen Zeit auch eine zentripetale und zentrifugale Beschleunigung.” <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4606-1'>↩</a></span></li>
</ol>
</div>

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