noch ein messias. aber immer wieder der selbe.

manch­mal muss man ganz schön lei­den für die kunst. über drei stun­den in har­ten kir­chen­bän­ken. und das für den xten mes­siah. und der war nicht so über­ra­gend gut, dass das rum­sit­zen wirk­lich spaß gemacht hätte (über­haupt, der mes­siah hat ja doch so einige län­gen. oder anders: das heu­tige zeit­emp­fin­den passt nicht mehr zu sol­chen din­gern — drei stun­den musik — und nix passiert …)

Irgend­wann muss jeder Chor in die­sem Jahr dem Jubi­lar hul­di­gen. Die Johan­nis­kan­to­rei ist da schon rela­tiv spät mit ihrem Tri­but an Hän­dels 250. Todes­tag. Aber dafür war es dann auch ein ambi­tio­nier­tes Vor­ha­ben: Der „Mes­siah“ musste es schon sein, die­sen Anlass zu wür­di­gen. Schade eigen­lich, dass es offen­bar wirk­lich immer der Mesias sein muss — Hän­del hat ja noch einige Ora­to­rien mehr komponiert.

Für die Johan­nis­kan­to­rei war es immer­hin eine große Her­aus­for­de­rung, die fast drei Stun­den Musik auf die Beine zu stel­len. Und für das Publi­kum in den voll besetz­ten har­ten Bän­ken von Sankt Johan­nis auch, wirk­lich bis zum Schuss durch­zu­hal­ten. Aber das lag nicht an den Musi­kern, son­dern an den unbe­que­men Sit­zen. Denn Vol­ker Ellen­ber­ger hat neben sei­nem solide vor­be­rei­te­ten Chor noch eini­ges auf­ge­bo­ten für die­sen Mes­sias. Das auf eng­lisch gesun­gen wurde, ist inzwi­schen ja schon fast selbst­ver­ständ­lich — auch wenn das der Ver­ständ­lich­keit nicht gerade för­der­lich ist. Zumal Chor und Solis­ten sich ziem­lich peni­bel an die Aus­spra­che des 18. Jahr­hun­derts hiel­ten. Auch die his­to­ri­schen Instru­mente des Orches­ters, der sehr klang­star­ken Frank­fur­ter Came­rata musica, gehö­ren mitt­ler­weile zum guten Ton. Und es lohnt sich — wer ein­mal die große Bass-Arie „The trum­pet shall sound” im drit­ten Teil mit einer authen­ti­schen Trom­pete erlebt hat, will an die­ser Stelle kein moder­nes Instru­ment mehr hören. In Sankt Johan­nis kam noch hinzu, dass der leicht­fü­ßige Bass von Johan­nes Wil­helmi mit sei­ner sehr bari­to­na­len Fär­bung sich nicht nur hier wun­der­bar mit Trom­pete und Orches­ter mischte.

Fast so gut wie der Alt von Maar­ten van Leer. Der zeigte, etwa im zwei­ten Teil, wirk­lich alle Facet­ten sei­nes Kön­nens und zog alle Regis­ter der musi­ka­li­schen Emp­fin­dung. Gerade die zar­ten, inner­li­chen Momente gelan­gen ihm aus­ge­spro­chen bewe­gend. Am deut­lichs­ten im „He was des­pi­sed” — eine hoch­gra­dig empha­ti­sche Musik, die er zusam­men mit Ellen­ber­ger hier ent­fal­tete. Das konn­ten weder der Tenor Chris­tian Petrenz noch die Sopra­nis­tin Renata Grun­wald über­bie­ten. Aber schließ­lich hatte von Leer in Ellen­ber­ger ein mehr als pas­sen­des Gegen­über. Denn auch der Diri­gent hatte seine größ­ten Erfolge in den zar­ten, zurück­ge­nom­me­nen Stel­len des Ora­to­ri­ums. Sicher, so kra­chende Chor­hits wie der große „Hallelujah”-Chor lösen immer wie­der Begeis­te­rung aus. Aber viel span­nen­der, viel unmit­tel­ba­rer gelan­gen Ellen­ber­ger die Details der stär­ker intro­ver­tie­ren Chöre und Arien. Hier wurde sein Gespür für die Kraft der inni­gen Momente sehr deut­lich. Und seine Fähig­keit, prä­zise abge­stimmte Pau­sen ganz genau zu set­zen. So lässt sich dann auch im „Mes­siah” immer wie­der Neues entdecken.