laufen und lesen

Bei­des tue ich sehr gerne und rela­tiv aus­gie­big. Also wird es mal Zeit, das zu kom­bi­nie­ren. Die Kom­bi­na­tion gibt es in zwei Mög­lich­kei­ten: Lauf-Bücher und Bücher, in den gelau­fen wird oder das Lau­fen eine Rolle spielt — als Erfah­rungs­be­richt oder in eher künst­le­ri­scher Form. Beim Lau­fen lesen ich eher nicht, Hör­bü­cher sind für mich auch keine Alter­na­tive, da ich — zumin­dest beim Lau­fen — gerne mit­be­komme, was um mich herum pas­siert. Und vor­ge­le­sene Bücher halte ich für eher blöd­sin­nig ;-)
Ins­ge­samt aber sind das eher zufäl­lige Lek­tü­ren, die ich auch nicht beson­ders aus­gie­big betreibe — es „fehlt” also ganz viel …

Sport, Medi­zin und Training

Also, Bücher, die das Lau­fen „erklä­ren” oder ver­mit­teln. Das ist vor allem: Trai­nings­lehre.
Davon kenne ich eher wenige, aber ein paar seien hier vorgestellt:

  • Bernd Hein­rich: Lau­fen. Geschichte einer Lei­den­schaft. Mün­chen: List Taschen­buch 2005 |
    Der Unter­ti­tel trifft es sehr genau: Denn um Lei­den­schaf­ten geht es hier. Nicht nur um das Lau­fen als Sport, als Fort­be­we­gungs­form oder als Wett­kampf, son­dern auch um Bio­lo­gie und ihre Läu­fer, die Käfer zum Bei­spiel, oder auch andere Ausdauer-Tiere wie die Zug­vö­gel. Denn Hein­rich ist nicht nur Mara­thon– und Ultra­läu­fer ers­ter Klasse, son­dern auch Bio­loge — offen­bar genauso mit Leib und Seele, wie er das Lau­fen ver­folgt …
    Diese „Geschichte einer Lei­den­schaft” (eigent­lich sind es zwei, das Lau­fen udn die Bio­lo­gie) ist ganz klar eines der schöns­ten Bücher über das Lau­fen, das ich kenne. Wahr­schein­lich, weil das eigent­li­che Lau­fen an sich (des Men­schen) gar nicht so sehr im Vor­der­grund steht. Son­dern eher die Begeis­te­rung für die lau­fende Fort­be­we­gung. Oder, noch all­ge­mei­ner, die Begeis­te­rung über aus­dau­ernde Ent­fer­nungs­über­brü­ckun­gen, egal wie oder durch wen — so lange es mit eige­ner Kör­per­kraft und ohne tech­ni­sche Hilfs­mit­tel geschieht. Noch dazu ein klu­ges, sym­pa­thi­sches, über­haupt nicht ange­be­ri­sches Buch. Abso­lute Lese­emp­feh­lung! (Mehr zum Buch steht hier.)
  • Hal Hig­don: Run Fast. How to Beat Your Best Time Every Time. Emmaus, Pa.: Rodale 2000 [über­ar­bei­tete zweite Aus­gabe] (Inhalts­über­sicht)
    Trotz des Titels ist das eigent­lich ein ziem­lich umfas­sen­des Buch, auf den ca. 240 Sei­ten wird vie­les erzählt von Hig­don. Der hat näm­lich als erfah­re­ner Jour­na­list einen ziem­lich plau­dern­den Stil, erzählt nicht nur aus sei­ner eige­nen lan­gen Erfah­rung als Läu­fer und Trai­ner, son­dern auch von vie­len ande­ren ame­ri­ka­ni­schen Läu­fern und Trai­nern auf allen Leis­tungs­ebe­nen und aus den Jahr­zehn­ten seit dem Zwei­ten Welt­krieg. Mir scheint es aber eher für Läu­fer geeig­net, die noch nicht viel gele­sen haben und noch kein bzw. wenig sys­te­ma­ti­sches Trai­ning machen. Das wird näm­lich in allen Kom­po­nen­ten vor­ge­stellt — aller­dings eben mit deut­li­chem Akzent auf der Ver­bes­se­rung des Tem­pos. Und mit Kon­zen­tra­tion auf die Mit­tel­stre­cke. Das ist eher ein all­ge­mei­ner Über­blick über Trai­nings­for­men wie Tem­po­läufe, Fart­leks, Wie­der­ho­lun­gen, Inter­vall­trai­nings, Sprints etc. pp, aber noch kein fer­ti­ges Trai­ning. Hig­don gibt zwar einige Hin­weise zur Perio­di­sie­rung udn stellt auch einige Beispiel-„Pläne” vor, die blei­ben aber her unspe­zi­fisch und auf 5 bzw. 10000 m beschränkt. Über­haupt scheint er dazu zu ten­die­ren, nicht zu kon­kret zu wer­den — was ich ganz sym­pa­thisch finde, denn das sekun­den­ge­naue Lau­fen im Trai­ning, das viele zu prak­ti­zie­ren pfle­gen (und die GPS-Uhren sind da eine ganz schlimme Ver­füh­rung) und viele Pläne auch nahe­le­gen, halte ich eh’ bei ca. 90% der Frei­zeit­läu­fer für über­trie­ben (man muss sich nur mal die­sen Thread im Laufen-aktuell-Forum durch­le­sen …).
    Hig­don dage­gen steht auf dem Stand­punkt: „Coa­ching remains some­what of a gues­sing game; it’s more art than sci­ence.” (99) — für einen Lauf­buch­au­tor ist das — trotz aller ent­hal­te­nen Wahr­heit — natür­lich auch eine recht bequeme Posi­tion. Aber Hig­don macht das, so scheint mir, nicht aus Faul­heit oder Angst, son­dern aus Erfah­rung — jeder Läu­fer ist schließ­lich ver­schie­den: nicht nur in bezug auf seine Ver­an­la­gung, son­dern auch auf seine Ziele und seine Moti­va­tion. Und des­halb gilt bei ihm auch immer wie­der: „Because it fel­les right.” als aus­rei­chende Begrün­dung: „Every run­ner needs to deter­mine the best form of rest for his or her par­ti­cu­lar needs.” (87) schreibt er etwa im Kapi­tel „Speed­work”. Das soll aber nicht hei­ßen, dass er nur intui­ti­ves Lau­fen vor­schlägt: Er gibt mehr als genug Hin­weise, was sich als sinn­voll erwie­sen hat, was gute Erfolge bringt, was wie am bes­ten zu kom­bi­nie­ren ist — über­lässt das dann aber auch dem mit­den­ken­den Läu­fer.
    Ihm liegt an umfas­sen­der „Aus­bil­dung” des Läu­fers, auch wenn er sich (hier) auf Tempo (was, wie er immer wie­der betont, ein rela­ti­ver Begriff ist) und „schnel­les Lau­fen” kon­zen­triert. Des­halb auch aus­führ­li­ches Kapi­tel zum Lauf-ABC — bei ihm unter dem Begriff „Dyna­mic Fle­xi­bi­lity” (aber das scheint mir fast der unstrit­tigste Bereich der gesam­ten Trai­nings­lehre zu sein, die Dif­fe­ren­zen zwi­schen den ver­schie­de­nen Ansät­zen sind hier eher mar­gi­nal) -, zum Kraft­trai­ning und (natür­lich) zum Ren­nen selbst, wo Hig­don sich vor allem für das rich­tige Auf­wär­men stark macht.
  • Kuno Hot­ten­rott, Mar­tin Zülch: Aus­dau­er­trai­ner Lau­fen. Trai­ning mit Sys­tem. 9. Auf­lage Rein­bek: Rowohlt 2005 (Inhalts­über­sicht) |
    Der Hottenrott/Zülch ist ja ein deut­scher Klas­si­ker, was das Lauf­trai­ning angeht. Und als Taschen­buch preis­güns­tig zu erwer­ben, seit dem ers­ten Erschei­nen 1997 gibt es auch so einige Auf­la­gen. Er war auch das erste Büch­lein, das ich zum Lau­fen bzw. Lauf­trai­ning gele­sen habe. Und bei dem ich schnell gemerkt habe, dass es mir nur begrenzt wei­ter­hilft: Hottenrott/Zülch ist näm­lich stark fokus­siert auf das puls­ge­steu­erte Trai­ning (das Buch ist nicht umsonst „In Koope­ra­tion mit Polar” ent­stan­den, wie auch schon auf der Titel­seite ver­merkt ist). Die Puls­steue­rung ori­en­tiert sich bei den bei­den wie­derum am Lak­tat­wert — das ist die Haupt­größe zur Trai­nings­steue­rung. Hot­ten­rott und Zülch ent­wi­ckeln dann, nach der knap­pen theo­re­ti­schen Grund­le­gung, ihre Trai­nings­pro­gramme — dif­fe­ren­ziert nach „Frei­zeit­jog­ger”, „Volks­läu­fer” und „Mara­thon­läu­fer”, die alle ver­schie­dene Pro­gramme und Trai­nings­be­rei­che kom­bi­nie­ren und in Wochen­plan­kon­zep­ten gip­feln, die je nach Läu­fer­typ und Trai­nings­phase von 3 bis 16 Wochen rei­chen. Der für mich inter­es­san­teste Teil war dem aber noch vor­ge­schal­tet: Die knappe, aber wis­sen­schaft­lich fun­dierte Erklä­rung und Vor­stel­lung der ver­schie­de­nen Trai­nings­be­rei­che — mit den Klas­si­kern REKOM (Rege­ne­ra­tion und Kom­pen­sa­tion), GA 1 & 2 (Grund­la­genaus­dauer), Tempo– und Inter­vall­läufe und eini­gen Spe­zi­al­for­men, aber auch Alter­na­tiv­trai­nings wie Rad­fah­ren oder Ski­lang­lauf. Ergänzt wird das dann noch mit Kapi­teln zum Deh­nen und recht viel Vor­schlä­gen zum Kraft­trai­ning. Um eine Ahnung von den ver­schie­de­nen Trai­nings­for­men zu bekom­men, ist das bestimmt recht hilf­reich — aber oft auch sehr, sehr knapp und ganz klar auf eine, näm­lich ihre, Trai­nings­me­thode fokus­siert und berück­sich­ti­gen ande­res nicht.
  • Her­bert Jost, Lud­wig Gei­ger: Das Hand­buch für Berg­läu­fer. Ober­ha­ching: sport­in­form 1989 |
    Eine — die — umfas­sende Dar­stel­lung der spe­zi­el­len Anfor­de­run­gen und Tech­ni­ken des Lau­fens an/auf Ber­gen. Mehr dazu nach dem klick.
  • Andreas M. Marlo­vits: Lauf-Psychologie. Dem Geheim­nis des Lau­fens auf der Spur. Mit 29 Zeich­nun­gen von Rolf Jahn. 3. Auf­lage. Regens­burg: LAS 2006. |
    Genau das, was der Titel veheißt: Psy­cho­lo­gi­sche Effekte des Lau­fens (nicht umge­kehrt!) — mehr hier: klick.
  • Tim Noa­kes: The Lore of Run­ning. Fourth Edi­tion. Cham­paign, Ill.: Human Kine­tics 2002 (zu deutsch etwa: Die Lehre des Lau­fens — soweit ich weiß, nicht über­setzt) (Inhalts­über­sicht) |
    Das ist eine fast 1000 Sei­ten starke wis­sen­schaft­lich fun­dierte Abhand­lung zu so ziem­lich allen Aspek­ten des Lau­fens — Trai­ning für die meis­ten Stre­cken (bis hin zum Ultra), Aus­rüs­tung, Phy­sio­lo­gie, Psy­cho­lo­gie, Ver­let­zun­gen und noch vie­les mehr, die zumin­dest ver­sucht, keine Fra­gen offen­zu­las­sen. Noa­kes, süd­afri­ka­ni­scher Arzt und Läu­fer, weiß, wovon er schreibt. Das merkt man sehr. Außer­dem ist es auch eine kleine Geschichte des Lau­fens (v.a. im 20. Jahr­hun­dert) in Schlag­lich­tern, mit Por­träts gro­ßer Läu­fer und Vor­stel­lung ihrer und ande­rer Trai­nings­me­tho­den bzw. –kon­zepte — „Learning From the Experts” heißt das Kapi­tel im Trai­nings­teil.. Das kann man bzw. ich natür­lich nicht am Stück lesen, zum Nach­schla­gen, Blät­tern, Kapi­tel oder Absätze lesen ist mir die­ses Buch aber unheim­lich hilf­reich und wert­voll. Und des­halb steht es bei mir immer griff­be­reit und ist wahr­schein­lich das Lauf­buch, dass ich am öftes­ten in der Hand habe.
    Noa­kes bemüht sich um wis­sen­schaft­li­che Red­lich­keit. Das heißt, wo mög­lich — und das ist erstaun­lich viel — greift er auf wis­sen­schaft­li­che Stu­dien und Unter­su­chun­gen zurück, um Trai­nings­for­men, aber auch Ver­let­zun­gen und ihre Risi­ken und Häu­fig­kei­ten, dar­zu­stel­len. Das ist dann natur­ge­mäß an man­cher Stelle etwas müh­sam zu lesen, weil es nicht für alles eine klare, ein­deu­tige Erklä­rung gibt — und dann täuscht Noa­kes auch keine vor, son­dern refe­riert die ver­schie­de­nen Ergeb­nisse und gibt höchs­tens noch eine Ein­schät­zung, wel­che Unter­su­chung ihm zum Bei­spiel metho­disch fun­dier­ter erscheint und eine sinn­volle, in grö­ßere Rah­men pas­sende Erklä­rung abge­ben kann.
    Also, wirk­lich ein abso­lu­tes Muss für jeden, der sich etwas inten­si­ver und nicht nur auf­grund des eige­nen Erfah­rens und Erle­bens mit dem Lau­fen beschäf­ti­gen möchte.

  • eine knappe Über­sicht über medizinische/biologische Fak­to­ren des Lau­fens und ihre „Ver­bese­rung”. Mehr nach dem Klick.
  • Jack Dani­els: Dani­els’ Run­ning For­mula. Second Edi­tion. Cham­paign, Ill.: Human Kine­tics 2005. [noch nicht gele­sen, liegt aber schon bereit]

Bel­le­tris­tik, Berichte etc.

  • Wigald Bon­ing: Bekennt­nisse eines Nacht­sport­lers. Rein­bek: Rowohlt 2007. 299 Sei­ten. ISBN 9783−499−62192−5 |
    Wigald Bon­ing läuft — oder spor­telt also nachts. Und bekennt sich dazu. Und er tut das, das Beken­nen natür­lich, in einem net­ten Buch: „Bekennt­nisse eines Nacht­sport­lers”.
    Das ist rundum unter­halt­sam und amü­sant, aber eher schmun­zelnd als — wie der Klap­pen­text ver­heißt — im Sinne eines „Lach­mus­kel­trai­ning”. Sooooo lus­tig finde ich seine auto­bio­gra­phi­sche Schil­de­rung sei­nes sport­li­chen Lebens, der Ver­su­che, das mit Beruf und Fami­lie in Ein­klang zu brin­gen, auch wie­der nicht. Aber es ist ein sehr locke­rer Text. Und auch das Lau­fen geschieht eher neben­bei, der Mara­thon geschieht in ein paar Zei­len, der erste Ultra hat immer­hin einige Sei­ten, in denen es aber nicht so sehr ums Lau­fen als um das Drum­herum geht. Und um ganz viel Leicht­sinn. Zumin­dest so wie Bon­ing es erzählt, ist er extrem unvor­sich­tig und drauf­gän­ge­risch, ris­kiert Leib und Leben (übri­gens nicht nur sei­nes) — es sei mal dahin­ge­stellt, ob das der Rea­li­tät ent­spricht oder ob er nur gerne dra­ma­ti­siert. Aber ver­füh­re­re­risch und eben leicht­sin­nig ist es doch — „Und zurück kammt man immer, irgend­wie.” ist offen­bar sien Haupt­motto gewor­den — und das ist schon grenz­wer­tig, finde ich …

    Mein Fazit daher: Das ist eher ein Lauf­buch für Nicht­läu­fer — oder ein Sport­buch für Boning-Fans. Und eine ganz angenehm-nette Bett­lek­türe — ohne gro­ßen Anspruch und beson­de­ren Erkenntniswert.

  • Andreas Butz: run­ners high. Die Lust zu lau­fen. Mün­chen: Copress 2002. 191 Sei­ten. ISBN 3−7679−0820−4 |
    Die Lust zu lau­fen ist das große und ein­zige Thema die­ses Büch­leins. Andreas Butz, der wie so viele als Frei­zeit­läu­fer zur Stei­ge­rung der all­ge­mei­nen Fit­ness ange­fan­gen hat, irgend­wann der erste Mara­thon (inklu­sive Schei­tern am eige­nen Ziel), und das dann auch wei­ter getrie­ben bis zum Iron­man (Ultras eher nicht), ist inzwi­schen einer der rüh­ri­gen Ver­mark­ter des Lau­fens und Betrei­ber des Lauf­cam­pus.
    „Run­ners Hight“ ist eine Ode an das Lau­fen – ins­be­son­dere die schö­nen Sei­ten (und das muss nicht immer der im Titel zitierte „runner’s high“ sein), die Mor­gen­läufe, das Erle­ben der Natur etc. pp. Nett, unter­halt­sam und tref­fend plau­dert Butz in knap­pen Kapi­tel bezie­hungs­weise einer Reihe von kleine Erzäh­lun­gen mit spür­ba­rer Begeis­te­rung von sei­ner Lei­den­schaft. Es geht aber auch mal ein biss­chen ums Lau­fen selbst – die Bekeh­rung Butz zum Strunz-Anhänger und Vor­fuß­läu­fer etwa, natür­lich auch der erste „rich­tige“ Lauf­schuh­kauf sind ebenso The­men wie die Ver­ein­bar­keit des Lau­fens mit Beruf und vor allem Fami­lie – irgendwo muss die Zeit, die der Läu­fer mit der Erfah­rung des Hoch­ge­fühls ver­bringt, ja her­kom­men … Ins­ge­samt deckt Butz so ziem­lich alle übli­chen The­men ab: Lauf­schuhe, Lauf­klei­dung, Lauf­stre­cken, Tempo im Trai­ning, Ernäh­rung, Lauf­tech­nik, Lauf­treffs, der innere Schwei­ne­hund, die klei­nen und grö­ße­ren Wett­kämpfe auch, aber nicht so wich­tig.
    Ein Büch­lein, das sehr schön die Fas­zi­na­tion des „nor­ma­len“ Lau­fens ver­mit­telt – also nicht so sehr „beson­dere“ Momente wie irgend einen Berg­lauf, Ultra, Etap­pen­lauf oder ähnli­ches (wie es in Bon­ings „Bekennt­nis­sen eines Nacht­sport­lers“ zum Bei­spiel ganz stark ist), son­dern das Glück des all­täg­li­chen Lau­fens vor der Haus­tür, die Befrie­di­gung, die der Läu­fer dar­aus zieht, den Luxus genie­ßen zu kön­nen, ein­fach mal eine oder zwei Stun­den lau­fen gehen zu dür­fen und zu können.
  • Her­bert E. Gossi, Reni Gossi: Ultra­l­ang­stre­cke. Lau­fen jen­seits der 42,195 Kilo­me­ter. Läu­fer­pro­file, Ultra­l­auf­ver­an­stal­tun­gen, Trai­nings­pläne, Laufaben­teuer. Necken­markt: edi­tion nove 2008 |
    Ein tol­ler Titel, der auf die­sem Buch steht: „Ultra­l­ang­stre­cke”. Der — und die Unter­ti­tel — haben mich ver­führt. Aber das ist ein fal­scher Ver­füh­rer. Denn das, worum es geht, ist im zwei­ten Unter­ti­tel ver­steckt: „Läu­fer­pro­file” — sonst ist da eigent­lich kaum etwas drin. Die Trai­nings­pläne sind eher ein Witz, die Ver­an­stal­tun­gen und Laufaben­teuer wer­den viel zu kurz und ober­fläch­lich dar­ge­stellt, oft nur erwähnt. Die Läu­fer­pro­file sind, nun ja, selt­sam. Das ist fast eine rein öste­rei­chi­sche Sache — vom Frei­zeit­läu­fer bis zum Welt­re­kord, sozu­sa­gen. Irgend­wie habe ich keine Ahnung, was die­ses Buch will, für wen es geschrie­ben wurde. Für Ein­stei­ger der Ultra­szene in Öster­reich mag es ja ganz inter­es­sant sein, die „Kon­kur­ren­ten” so ken­nen­zu­ler­nen — nötig ist das nicht …

  • Gün­ter Her­bur­ger: Schlaf und Stre­cke. Mün­chen: A1 2004 |
    Das Buch, von einem Freund emp­foh­len, ist etwas selt­sam. Her­bur­ger ist ein enga­giert Läu­fer, der sich auch an gro­ßer Unter­neh­mun­gen wagt (wie z.B. Cin­que Terre, La Réunion und andere Ultra­läufe). Als Schrift­stel­ler bin ich mit ihm aber nicht so warm gewor­den — was vor allem eine Frage des Stils ist. Ich finde das, was er in sei­nen per­sön­lich gepräg­ten Lauf­be­rich­ten, ver­sucht, etwas über­am­bi­tio­niert und geküns­telt. Mir scheint — das ist aber eben mein per­sön­li­cher Ein­druck — er bemüht sich zu deut­lich, zu gewollt um einen hohen Stil, eine Schreib­weise, die seine Erleb­nisse wäh­rend des Lau­fes und drum­herum ver­mit­teln kann. Das ist in klei­ne­ren Dosen zunächst durch­aus inter­es­sant, manch­mal auch fas­zi­nie­rend. Auf die Dauer wird es aber furch­bar anstren­gend. Aber Her­bur­ger stößt da auf ein wirk­li­ches Pro­blem: Was wäh­rend dem Lau­fen, ins­be­son­dere auf der Lang­stre­cke in der Natur nach eini­gen Stun­den, in dem Läu­fer pas­siert, lässt sich nur recht schwer ver­sprach­li­chen. Etwas schade fand ich auch, das sei am Rande bemerkt, dass Her­bur­ger sich ganz und gar auf seine sub­jek­tive Sicht beschränkt — und Infor­ma­tio­nen zu den Läu­fen fast Man­gel­ware sind. Da hätte ich gerne ein­fach noch etwas mehr erfah­ren, über Stre­cke, Orga­ni­sa­tion, Ort etc. pp. Aber trotz­dem, ein durch­aus ehren­wer­ter Ver­such, das Erleb­nis des Lau­fens zu Lite­ra­tur zu machen.
  • Neal Jami­son (Hrsg.): Run­ning Through the Wall: Per­so­nal Encoun­ters with the Ultra­ma­ra­thon. Hal­cotts­ville, NY: Bre­a­ka­way Books 2003 |
    Eine Samm­lung der Lauf-„Geschichten” von 39 Ultra­läu­fern Ame­ri­kas, ihrer beson­ders prä­gen­den Erleb­nisse auf der Lang­stre­cke und teil­weise auch ihrer Lauf­bio­gra­phie. Mehr nach dem Klick.
  • Dean Kar­na­zes: Ultramarathon-Mann. Aus dem Leben eines 24-Stunden-Läufers. 2. Auf­lage. Mün­chen: Riva 2008 |
    so etwas wie ein Klas­si­ker der Erleb­nis­be­richte gro­ßer Ultra­läu­fer. Und das ist Kar­na­zes durch­aus — auch wenn er wohl ewig umstrit­ten blei­ben wird. Und extrem von sich selbst ein­geom­men ist er auch (das Buch beginnt erst ein­mal mit zwei Sei­ten Lob­prei­sun­gen sei­ner heroi­schen Taten). Im Grunde schil­dert er eine typi­sche Läufer-Geschichte: Fängt an zu lau­fen und hört nicht mehr auf — wird immer bes­ser, sucht stän­dig neue Her­aus­for­de­run­gen. Die sind dann bei Kar­na­zes halt sehr extrem — bis zum Mara­thon am Süd­pol und vie­len ande­ren Ver­rückt­hei­ten. Und sie wer­den von ihm gut ver­kauft — was für Ultras ja schon eher untyp­sich ist … Etwas genervt hat mich die stän­dige Heroi­sie­rung des Ultra­l­au­fes — da kommt wohl die ame­ri­ka­ni­sche Men­ta­li­tät voll durch. Und das Buch ist eher mit­tel­präch­tig über­setzt, die Gra­fi­ken z.B. oft über­haupt nicht — was zu lus­ti­gem Durch­ein­an­der der Maß­ein­hei­ten führt. Aber alles in allem trotz­dem eine nette Lek­türe. Auch wenn man die Läufe nicht unbe­dingt alle selbst (nach-)machen will/kann. Hier habe ich direkt nach der Lek­türe schon mal was geschrie­ben: klick.
  • Tom McNab: Trans-Amerika. Ber­lin: Auf­bau Taschen­buch 2010 |
    Das ist wohl das beste Buch, das ich bis­her gele­sen habe, in dem Lau­fen eine Rolle spielt. Denn es ist eigen­tich kein Lauf­buch, son­dern ein­fach ein his­to­ri­scher Roman, der (zufäl­lig) beim Trans-Amerika-Lauf 1931 spielt. Sehr schön zu lesen ist das — mehr dazu nach dem klick.
  • Ulfi­las Meyer: Born to run. Aus dem Leben des Extrem­läu­fers Achim Heu­ke­mes. Rein­bek: Rowohlt 2003. |
    Die Erzäh­lung eines „typi­schen” Läufer-Paulus: Bekeh­rung vom unge­sun­den Lebens­stil des Fern­fah­rers zum Läu­fer — und dann die packende Fas­zi­na­tion, die fast zur Sucht wird, das immer wei­ter zu trei­ben — bis zum Extrem­lauf. Lei­der ist das, so erin­nere ich es zumin­dest im Moment, über weite Pas­sa­gen von Meyer arg rei­ße­risch geschrie­ben. Aber das Büch­lein ist trotz­dem inter­es­sant und lehr­reich — weil Heu­ke­mes ers­tens einige beacht­li­che Leis­tun­gen erzielt hat und zwei­tens im Buch auch das Schei­tern an Zie­len, an Rekor­den vor allem, aus­gie­big the­ma­ti­siert wird (übri­gens neben dem Pro­blem Heu­ke­mes, das Lau­fen zu pro­fes­sio­na­li­sie­ren, also irgend­wie Geld damit ver­die­nen zu kön­nen und sich damit ja auch immer wie­der in die Abhän­gig­keit von Spon­so­ren und den typi­schen Fol­gen — höher, wei­ter, schnel­ler — zu bege­ben). Und das gehört ja nach mei­ner pri­va­ten Lauf­theo­rie ganz beson­ders zu die­sem Sport — dass das Ver­feh­len von Zie­len näm­lich immer nur eine Ursa­che hat: den Läu­fer selbst. Und damit muss man als Läu­fer zu Recht kom­men ler­nen — und Heu­ke­mes gelang das offen­bar recht gut …

  • Haruki Mura­kami: Wovon ich rede, wenn ich vom Lau­fen rede. 3. Auf­lage. Köln: Dumont 2008 |
    Gekauft und gele­sen vor allem wegen des genia­len Titels. Ich bin gene­rell kein beson­de­rer Lieb­ha­ber der Erzäh­lun­gen Mura­ka­mis, was meine Wert­schät­zung die­ses Buches womög­lich stark beein­träch­tigt hat. Jeden­falls plau­dert Mura­kami hier von sei­ner lan­gen „Kar­riere” als Läu­fer, den ver­schie­de­nen Wett­kämp­fen, dem Trai­ning, den guten und schlech­ten Läu­fen, die er erlebt hat, den Erfolgs­er­leb­nis­sen und natür­lich auch den Rück­schlä­gen — das typi­sche Läu­fer­le­ben eben. Und natür­lich auch viel von sich selbst. Und schließ­lich auch davon, wie man das Lau­fen ins „Leben” inte­griert. Durch­aus nett zu lesen, mich hat es aber eben nicht beson­ders begeistert.
  • Tom Ockers: Eis-Lauf. In der Kälte des Sibirien-Marathons. Mün­chen: List-Taschenbuch 2002 |
    Tom Ockers Buch ist hier schnell erle­digt: Ein ver­rück­ter Ham­bur­ger Nicht-Läufer läuft in Omsk/Sibirien einen Halb­ma­ra­thon. Und er schreibt – natür­lich – dar­über ein Buch. Das ist schnell gele­sen, schnell erzählt, schnell ver­ges­sen (wahr­schien­lich auch schnell geschrie­ben – aber wohl nicht so schnell gelau­fen).
    Es geht eigent­lich nur um seine man­gel­hafte Vor­be­rei­tung, die Spon­so­ren­su­che (und tat­säch­lich –akquise), die Reise nach Omsk – dafür braucht er mehr als 200 Sei­ten, ohne viel zu erzäh­len. Dafür bemüht er sich sehr, wit­zig oder wenigs­tens amü­sant zu sein. Lei­der merkt man die Mühe dem Text noch recht deut­lich an …
    Dann – end­lich – der Lauf, der „Wett­kampf“. Nach allen übli­chen und ver­nünf­ti­gen Kri­te­rien eher ein Desas­ter. Der natür­lich nie ein Mara­thon wurde, auch wen Ockers das beharr­lich so nennt. Es ist halt sehr, sehr kalt da. Aber das war’s dann auch schon (etwas mehr hier).
  • Harald Pammin­ger, Alfred Ober­mayr: Oxi nein oder Wie ich zum ‚Kreta-Läufer’ wurde. Das etwas andere Lauf­buch. Wien: Books on Demand 2002 |
    Ein schlech­tes Buch, das mich über­haupt nicht beein­druckt hat und den Lauf­leis­tun­gen Pammin­gers sicher­lich in kei­ner Weise gerecht wird. Mehr nach dem Klick.
  • Ingo Schulze: TransEurope-Footrace 2009. Bari — Nord­kap: 4.487,7 km in 64 Tages­etap­pen. Leip­zig: Engels­dor­fer 2010 |
    Nunja. Sozu­sa­gen Pflicht­lek­türe, weil ich den Lauf schon „live” mit gro­ßem Inter­esse und Stau­nen ob des unglaub­li­chen Tem­pos an der Spitze beob­ach­tet habe. Das hier ist aber ehr­lich gesagt nicht der beste Weg, große Etap­pen­läufe wie den Trans­eu­ro­pa­l­auf ken­nen­zu­ler­nen. Denn eigent­lich ist das nur eine gedruckte Form der kur­zen täg­li­chen Ein­träge des Orga­ni­sa­tors, Ingo Schulze, die er wäh­rend des Lau­fes für seine Inter­net­seite als eine Art Blog geschrie­ben hat. Und lei­der ist Schulze nicht nur kein beson­ders begna­de­ter Schrei­ber (das wäre ja ohne wei­te­res zu ver­schmer­zen), son­dern lei­der sind diese Ein­träg für mei­nen Geschmack, da aus­sschließ­lich aus der per­sön­li­chen Sicht Schul­zes geschrie­ben, für den Orga­ni­sa­tor eine sol­chen gro­ßen Unter­neh­mens etwas arg weh­lei­dig. Und der zweite große Man­gel: Sie sind gerne gespickt mit Andeu­tun­gen, die für Außen­ste­hende kaum bis gar nicht nach­zu­voll­zie­hen sind. Und schließ­lich bleibt die läu­fe­ri­sche Seite, die Wahr­neh­mung, aber auch das Erle­ben der Läu­fer völ­lig außen vor — das ist zwar ver­ständ­lich, weil Schulze wäh­rend des Ren­nens eben ande­res zu tun hatte, als große Inter­views etc. zu füh­ren. Für den Leser aber sehr schade. Immer­hin ist das Buch recht preis­güns­tig zu erwer­ben und auch schnell gele­sen — 190 Sei­ten sind es, die auch einige (kleine, unbe­schrif­tete) Fotos enthalten.
  • Alan Sil­li­toe: The Lone­liness of the Long-Distance Run­ner. Stutt­gart: Phil. Reclam junior 1985 |
    Der Klas­si­ker der Lauf­li­te­ra­tur darf hier natür­lich nicht feh­len. Wer’s nicht kennt: Es sind nur wenig Sei­ten, die man irgend­wann mal gele­sen haben sollte …
  • und natür­lich die unzäh­li­gen Lauf­be­richte im Netz, in den Foren und sonst überall …
  • Außer­dem habe ich bestimmt eini­ges wie­der vergessen …

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