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	<title>„Nächstens mehr.“ &#187; geschichte</title>
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	<description>Literatur, Musik, Theater - die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.</description>
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		<title>Die R&#246;mer und die Kartoffel</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 10:03:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Manchmal hat es eben doch einen guten Grund, wenn &#252;ber die Provinz gelacht und gesp&#246;ttelt wird. Zum Beispiel diesen hier: Oder den hier: (beides Beispiele aus aktuellen Flyern, von der Homepage der Ausstellung „Leben im R&#246;mischen Reich”.) Das ist ja so bl&#246;d, dass man eigentlich gar nicht mehr lachen kann. Und es sticht auch derma&#223;en [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal hat es eben doch einen guten Grund, wenn über die Provinz gelacht und gespöttelt wird. Zum Beispiel diesen hier:</p>
<p><a href="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/romer1.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-4849" title="r&ouml;meressen-1" src="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/romer1.png" alt="" width="370" height="293" /></a></p>
<p>Oder den hier:</p>
<p><a href="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/romer2.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-4850" title="r&ouml;mer-2" src="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/romer2.png" alt="" width="379" height="360" /></a></p>
<p>(beides Beispiele aus <a href="http://r&ouml;mer-in-erbach.de/index.php/kulinarische-angebote/restaurant-am-elfenbeinmuseum.html" target="_blank">aktuellen Flyern</a>, von der Homepage der Ausstellung „<a title="r&ouml;mer-ausstellung in erbach" href="http://r&ouml;mer-in-erbach.de/" target="_blank">Leben im Römischen Reich</a>”.)</p>
<p>Das ist ja so blöd, dass man eigentlich gar nicht mehr lachen kann. Und es sticht auch dermaßen ins Auge, dass es doch irgend jemandem hätte auffallen müssen. Zumal man ja nicht gerade Spezialwissen benötigt, um diesen Fehler zu erkennen, das darf (und kann) auch ein Grafiker/Setzer wissen …</p>
<p>Die Kartoffelwochen scheinen im Odenwald wirklich eine nachhaltige Wirkung gehabt zu haben (und nur nebenbei: Es ist ja nicht so, dass die Kartoffel als Agrarprodukt im Odenwald noch irgend eine Rolle spielen würde. Im Mümlingtal zumindest — das überblicke ich zumindest halbwegs — wird sie faktisch nicht mehr angebaut. Zumindest nicht in ausreichenden Mengen) und sogar rückwirkend zu wirken, mit der Kraft, schlappe 1500 Jahre (ganz grob geschätzt, ich weiß …) zu überspringen. Und die Geschichtslehrer vor Ort freuen sich auch sehr, wenn sie sehen, was ihre ehemaligen Schüler und jetzigen Küchenchefs so alles gelernt haben.</p>
<p>Kein Wunder, dass „Land” und „Provinz” zum Schimpfwort verkommen sind.</p>

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		<title>Verh&#228;ngnis</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 19:54:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Es waltet ein Verh&#228;ngnis &#252;ber diesem Land und ich wei&#223; genau, da&#223; es nicht nur der Kapitalismus ist. Da&#223; dieser bestialisch werden kann, hat keineswegs &#246;konomische Gr&#252;nde allein. […]Ich erkenne nur ein allgemeines Schlamassel, und beinahe w&#228;re mir am liebsten, es k&#246;nnte noch so fortgewurstelt werden.” (Siegfried Kracauer an Theodor W. Adorno, 28.8.1930)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Es waltet ein Verhängnis über diesem Land und ich weiß genau, daß es nicht nur der Kapitalismus ist. Daß dieser bestialisch werden kann, hat keineswegs ökonomische Gründe allein. […]Ich erkenne nur ein allgemeines Schlamassel, und beinahe wäre mir am liebsten, es könnte noch so fortgewurstelt werden.” (Siegfried Kracauer an Theodor W. Adorno, 28.8.1930)</p>

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		<title>Again and Again and Again and Again</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Sep 2011 15:34:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[exkursion]]></category>
		<category><![CDATA[frühe neuzeit]]></category>
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		<description><![CDATA[Wien also mal wieder. Dieses Mal aber unter ganz besonderen Gesichtspunkten: „Wien — die kaiserliche Residenzstadt” hie&#223; die Exkursion des Historischen Seminars, an der ich — aufgrund einiger gl&#252;cklicher Umst&#228;nde — trotz versp&#228;teter Anmeldung noch teilnehmen durfte/konnte. So machte ich mich am Freitag also wieder einmal auf nach Wien, eine meiner Lieblingsst&#228;dte. Das war aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wien also mal wieder. Dieses Mal aber unter ganz besonderen Gesichtspunkten: „Wien — die kaiserliche Residenzstadt” hieß die Exkursion des Historischen Seminars, an der ich — aufgrund einiger glücklicher Umstände — trotz verspäteter Anmeldung noch teilnehmen durfte/konnte. So machte ich mich am Freitag also wieder einmal auf nach Wien, eine meiner Lieblingsstädte.</p>
<p>Das war aber auch schon gleich die erste Herausforderung: Treffpunkt zur Abfahrt war 7:30 Uhr am Mainzer Hauptbahnhof. Das hieß für mich: Der Wecker klingelte um 5:30 Uhr, damit ich noch ohne größere Zeitnot eine Runde laufen gehen konnte. Trotz der unbarmherzigen Zeit hat das gut geklappt, ich war dann sogar noch fast zu früh am Bahnhof, wo so langsam alle anderen der 15 Teilnehmer eintrudelten. Der Regionalzug braucht uns dann unproblematisch zum Frankfurter FLughafen, von dort ging’s mit Air Berlin — bzw. mit dem Airbus 320 der Niki Air — ohne Problem nach Wien Schwechat. Und dort erst mal wieder in den Zug, der uns zu Wien Mitte brachte, von wo aus die Straßenbahn weiterhalf. Und nach ein paar hundert Metern Fußmarsch standen wir dann in der Baustelle, d.h. direkt vor dem <a title="hotel" href="http://www.academiahotels.at/index.php?id=29" target="_blank">Hotel Academia</a> in der Pfeilgasse. Das liegt zwar recht praktisch, nicht weit vom Burgring, ist aber auch recht spartanisch und fast schon ein Denkmal. Seit der Eröffnung in den 1960ern hat sich an der Inneneinrichtung nämlich offenbar gar nichts getan — nur etwas abgenutzt wurde sie im Laufe der Zeit. Aber immerhin war’s sauber — und viel Zeit verbrachten wir da ja eh nicht.</p>
<p>Schon am ersten Tag ging es gleich mittags los — mit einem großen Rundgang durch den 1. Bezirk und entsprechenden Ausführungen zur „Stadttopographie” — Parlament, Rathaus (Alt und Neu), Burgtheater, Universität, Votivkirche, Judenplatz, St. Ruprecht, St. Stephan, Albertina, Staatsoper — und schließlich noch die Hofburg in all ihren Teilen (vor der neuen Burg, auf dem Heldenplatz, wurde allerdings gerade noch das Erntedankfest des Bauernverbandes aufgebaut). Mit dem Extra-Referat zur Baugeschichte waren wir dann erst fertig, als die Sonne schon längst verschwunden war und das Licht nur noch vom Mond und aus den Straßenlaternen schien.</p>
<p>Samstags klingelte mein Handywecker wieder ausgesprochen früh, nämlich bereits um 6:30. Wieder eine Morgenlaufrunde, die mich über den Ring und Karlsplatz zum Bellevue führte, wo um diese Zeit noch (fast) nichts los war. Über Naschmarkt und Karlsplatz fand ich deann den Weg zurück — auch wenn ich zwischendurch an meinem Orientierungssinn etwas zweifelte. Und angesichts der Alkoholleichen, die beim Naschmarkt aus dem Club in die Taxen fielen, einen anderen Rückweg bevorzugt hätte. Nach dem eher kargen Frühstück (leider ohne Müsli) war es auch schon Zeit für dem gemeinsamen Abmarsch: Zurück zum Belvedere. Dieses Mal aber mit der Straßenbahn. Und dort dann ausführliche Erkundung: Erst mit dem biographischen Referat zu Prinz Eugen, dem Erbauer dieser Sommerresidenz (das auch gleich den Hintergrund für mein eigenes Referat am Mittag lieferte). Und dann ein super ausführlicher Vortrag zur barocken Gartenbaukunst, mit dem großartigsten Handout, das ich je gesehen habe — vollgestopft mit (farbigen!) Abbildungen und Hinweisen … Der Garten beschäftigte uns noch den Rest des Vormittags — bei dem strahlenden Sonnenschein und Temperarturen um 30 °C hatten wir allerdings die Tendenz, Schattenzu suchen. Danach führte uns unser Weg zum Arsenal, wo sich das <a title="HGM" href="http://www.hgm.or.at/" target="_blank">Herresgeschichtliche Museum</a> befindet. Davor, im Schweizerpark, durfte ich noch zu „Prinz Eugen als österreichischem Erinnerungsort” referieren — trotz meiner etwas knappen Vorbereitung und meiner eher konfusen Notatate hat das ganz gut geklappt. Das Heeresgeschichtliche Museum <a href="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/kriege.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4748" title="kriege geh&ouml;ren ins museum" src="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/kriege-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>war ein sehr seltsames Erlebenis: Ein großartiger Bau (vor allem wenn man den ursprünglichen Zweck als Arsenal bedenkt), der ganz unbescheiden auf das Arsenal von Venedig (vor allem in der äußeren Gestaltung) und den dortigen Markusdom (insbesondere im Inneren, den Decken und der Benutzung von Gold(-farbe), Die Ausstellung in diesem Meisterwerk des Historizismus war allerdings so ziemlich die schrecklichste, die ich ich erinnere — nicht nur wegen der Exponate, sondern auch wegen der Präsentation: Ohne Zusammenhang, ohne Erklärung, ohne Ordnung und Einordnung werden hier einfach mannigfaltige Waffen, Schlachtenbilder, Heerführer etc … hingestellt. Der <a href="http://www.hgm.or.at/p_eugen.html" target="_blank">Prinz-Eugen-Raum</a> ist dann auch ein ziemlicher Witz: Ein unbeleuchtetes, stark nachgedunkeltes Porträt, die Bahrtücher und kaum mehr, das ganze unauffällig in der Ecke untergebracht. Etwas besser war die Ausstellung im Teil zum Zweiten Weltkrieg — aber auch hier noch total überladen. Ntürlich interessiert mich Militärgeschichte auch allerhöchstens peripher — aber das ist ja sozusagen mein Problem. Hier zeigte sie sich aber auch von ihrer unansehnlichsten Seite. Eine kleine spezielle Freude bereitete allerdings die Probe einer kleinen Schauspieltruppe, die an Heiner Müllers „Wolokolamsker Chaussee „arbeitete und auf dem Balkon des Arsenals einiges ausprobierte — ich habe lange keinen Müller-Text (in diesem unverwechselbaren Sound!) mehr live gehört …</p>
<p>Nach der Mittagspause in der „kleinen Steiermark” im Schweizerpark trafen wir uns am  Karlsplatz wieder zur Abfahrt zum von Touristen natürlich total überlaufenen Schloss Schönbrunn, wo wir uns an der Ecke des Gartens zunächst Maria Theresia widmeten, bevor wir den Garten spazierend erschlossen — inklusive einem Abstecher zur Gloriette mit ihrem schönen Ausblick über Garten, Schloss und Stadt.  Nach der Rückkehr in die Stadt verschlug es uns in die „<a href="http://www.mq-kantine.at/" target="_blank">Kantine</a>” im Museumsquartier, wo man nicht nur gut speisen konnte, sondern auch sehr schön am Samstag Abend einfach noch entspannt den Tag ausklingen lassen konnte.</p>
<p>Der Sonntag begann — natürlich — wieder mit einem Morgenlauf. Dieses Mal führten meine Füße mich über die Westbahn auf die Heiligenstädter Straße, einfach gerade stadtauswärts. Zum GLück fand ich auf dieser Strecke eine McDonalds-Filiale, sonst wäre es zu einem Notfall gekommen — morgens laufen ist einfach nicht mein Ding …Vormittags standen zunächst zwei weitere Sommerresidenzen auf der Stadt, die im 18. Jahrhundert noch vor der Stadt lagen, heute aber schon zum Kern gehören. Wir begannen mit dem Palais Schönborn: Davon ist aber nur sehr wenig übrig, vor allem vorm Garten gar nichts — und auch noch dazu mit einer falsch beschriftete Beschilderung, wie wir feststellen mussten. Dann widmeten wir uns dem Palais Liechtenstein, das nicht nur von Anfang an wesentlich repräsentativer, größer und ästhetische beeindruckernder angelegt war, sondern auch schön restauriert wurde und vor allem über einen schönen Garten verfügt. Das ist allerdings auch nicht mehr die origianle barocke Anlage, sondern eine Umgestaltung des 19. Jahrhunderts zum Englischen Garten. Natürlich wurde der „reine” Besuch der Orte auch hier jeweils mit den entsprechenen Fachreferaten zur Familiengeschichte ergänzt. Das Ende des Vormittagsprogramms bildete — nach einem Überblick über Wien als „Stadt, in der der Kaiser residierte” — der Besuch des Wien-Museums neben der Karlskirche. Und das lohnt sich wirklich. Nicht nur wegen der vielen Stadtansichten, auch die Exponate sind hier bunt gemischt aus Stadtleben und Kunst und mit kurzen, aber ausreichenden Texten schön zusammengestellt. Highlights sind — neben den Fenstern und Statuen von St. Stephan (den Originalen, die dort schon im 19. Jahrhundert durch Kopien ersetzt wurden) -  vor allem die drei auf-/nachgebauten Räume: Das Wohnzimmer Alfred Loos’, die Wohnugn von Grillparzer und ein großbürgerlicher-adliger Jugendstil-Salon. Eine lebendige, umfassende Austellung zur Geschichte Wiens in Schlaglichtern.</p>
<p>Den Nachmittag widmeten wir ausführlich der Karlskirche, dem äußeren und inneren Bildprogramm, ihrer Planung, Entstehung und Ausführung. Und natürlich besodners den Fresken der inneren Kuppeln, weil noch die Möglichkeit bestand, das ehemal szu Restaurierungsarbeiten aufgestellte Gerüst mit dem <a title="panoramalift" href="http://www.karlskirche.at/tour-pl.html" target="_blank">Lift</a> (und einigen abschließenden Treppen) zu nutzen, die Fresken aus wirklich unmittelbarer Nähe zu bestaunen — erstaunlich, wie detailreich die ausgeführt wurden, obwohl sie doch eigentlich für die Betrachtung vom Boden aus angelegt waren. Aus der Laterne ganz oben konnte man sogar einen schönen, weiten Blick über die Wiener City werfen — nur schade, dass man nicht hinaus konnte: Das wäre spannend gewesen … Den Rest des Nachmittags verbrachten wir dann mit einem Spaziergang über den Graben und auf dem angenehm entspannten Erntedankfest, wo es auch leckeren Saft gab — bei gut 30 °C und weiterhin purem Sonnenschein ein wahre Genuss. Abends landeten wir dann zu Speis und Trank im „Bettelstudenten”, der uns mit einem großzügigen Gutschein über die Hälfte des Rechnungswertes überraschte — damit war der Plan für Montag auch klar …</p>
<p>Aber noch war es nicht so weit. Der Montag begann nämlich noch etwas früher — wegen des Aufbruchs um 8:30 Uhr fiel mein Morgenlauf allerdings auch etwas kürzer aus. Unser Programm führte uns zunächst zum Haus-, Hof– und Staatsarchiv, mit interessanter, weit ausgreifender Führung. Interessant nicht nur die Geschichte des Archives, sondern auch die des Archivsbaus, einer Stahlträgerkonstruktions mit Gitterböden (für die bessere Luftzirkulation) in den Depots, die auch über erstaunlich kunstvoll gearbeitete Metallregale (die zugleich Teil der tragenden Konstruktion sind) aus dem 19. Jahrhundert verfügt. Und in denen natürlich wahnsinnige Schätze lagern … Sehen durften wir — neben einigen Faksimiles — davon einige der privaten Tagebücher Karl VI. Interessant, wie sich so eine Schrift im Laufe der Jahre verändert. Und wie auf manchen Seiten mehr Ziffern als Buchstaben zu finden sind, weil Karl gerade in späteren Jahren doch einiges nur chiffriert notierte. Dem Besuch der „archivalischen Sätze” schloss sich ein Besuch der weltlichen an: In der Schatzkammer der Burg bestaunten wir vor allem die Reichsinsignien (mit Referat, natürlich), die alte Kaiserkrone, Szepter, Schwert, Reichsapfel und den ganzen wertvollen Krempel, nicht zuletzt die Krönungsgewänder. Und natürlich auch den Schatz des Ordens vom Goldenen Vlies, den uns ein anderes Referat schon vorgestellt hatte.</p>
<p>Nach unserer kleinen Pause im Cafe Central — ein Kaffeehausbesuch pro Wienbesuch ist ja sozusagen obligatorisch — fuhren wir mit U-Bahn und Bus nach Klosterneuburg, bestaunten unterwegs schon den Karl-Marx-Hof, eines der größten Projekte des Sozialwohnungsbaus und widmeten dann viel Aufmerksamkeit dem Stift Klosterneuburg, seiner barocken Kirche mit ihrer fast pronographischen Pracht und vor allem dem Residenzteil, den mageren Resten des Escorial-Plans Karls VI. (allein die Reichskrone auf der Mittelkuppel hat jagigantische Ausmaße  auch wenn sie nur aus Kupfer ist …) und sahen auch, wie solche Prachtbauten im Rohbau aussahen … Auf dem Rückweg kehrten wir noch beim Heurigen ein und genossen ausreichende Mengen des „Sturms”, wie die Österreicher den Federweißen nennen. Abschließen mussten wir den Abend natürlich mit einer Rückkehr zum Bettelstudenten — schließlich brannte der Gutschein ein Loch in unsere Tasche (überlebte aber naturgemäß den Abend nicht …).<a href="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/mumok.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-4747" title="mumok" src="http://matthias-mader.de/wp-content/uploads/mumok-273x300.jpg" alt="" width="273" height="300" /></a></p>
<p>Am Dienstag schließlich ging es noch einmal früher los, jetzt klingelte mein Wecker um 6:15 Uhr — so langsam wurde es hart. Und die Lust, überhaupt zu laufen, schwand auch merklich … Nach dem Frühstück zogen wir um 8 Uhr los, die Koffer schon einmal in Wien Mitte für den Flug aufgeben und widmeten uns dann noch, ganz zum Schluss, der habsburgischen Memorialkultur: Zunächst in der schönen Augustinerkirche, wo vor allem die Herzgruft Beachtung fand, dann in der Kapuzinergruft mit den irrsinnigen Sakrophagen der Habsburger, vor allem den Prachtexemplaren von etwa Karl VI. oder dem gemeinsamen Sakrophag von Maria Theresia und ihrem Gemahl Franz Stephan. Und das war’s auch schon fast: In der verbleibendne Freizeit gingen wir zu dritt noch ins <a title="momok" href="http://www.mumok.at/" target="_blank">Mumok</a>, in die großartige, gerade erst eröffnete Ausstellung „<a title="museum der w&uuml;nsche" href="http://www.mumok.at/programm/ausstellungen/museum-der-wuensche/" target="_blank">Museum der Wünsche</a>” — so etwas wie eine Retrospektive des Museums, aus der eigenen Sammlung v.a., die grandiose Klassiker der Moderne mit zeitgenössischen Verrücktheiten kombiniert und versucht, da so etwas wie Ordnung hineinzubringen: Ungemein faszinierend wirklich in fast jedem Raum, nur halt  wahnsinnig viel …</p>
<p>Nach dem abschließenden leckeren Käsekrainer düsten wir mit dem CAT zum Flughafen — und dann auch schon Up &amp; Away nach Deutschland, mit der S-Bahn von Frankfurt zurück nach Mainz, wo mein Bett  mich sozusagen schon erwartete …</p>
<p>Eine spannende Exkursion war das, sicher, auch ziemlich anstrengend — aber schön. Und lehrreich. Und interessant. Nicht zuletzt wegen der angenehmen Gruppe ;-)</p>
<p>PS: Der Titel ist natürlich eine popkulturelle Referenz [die mit Wien nix weiter zu tun hat …] — wer findet’s heraus?</p>

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		<title>Dieter berichtet von der Front</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Apr 2011 19:22:25 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Gerade finde ich dieses spannende Projekt: Das Kriegstagebuch des Soldaten Dieter Finzen wid gerade (zeitversetzt) als Blog ver&#246;ffentlicht (von dem Kriegstagebuch-Archiv). Zu Finzen, deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg, hei&#223;t es dort: In Mori (Stockelsdorf) bei L&#252;beck aufgewachsen, habe ich nach Absolvieren des Abiturs meinen Milit&#228;rdienst im FR 86 angetreten. Dort werde ich seit &#252;ber einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade <a href="http://schmalenstroer.net/blog/2011/03/linktipp-das-kriegstagebuch-des-dieter-finzen/" target="_blank">finde</a> ich dieses spannende Projekt: Das <a href="http://dieter-finzen.blogspot.com" target="_blank">Kriegstagebuch des Soldaten Dieter Finzen</a> wid gerade (zeitversetzt) als Blog veröffentlicht (von dem Kriegstagebuch-Archiv). Zu Finzen, deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg, heißt es <a title="&uuml;ber finzen" href="http://www.blogger.com/profile/06564917834898528473" target="_blank">dort</a>:</p>
<blockquote><p>In Mori (Stockelsdorf) bei Lübeck aufgewachsen, habe ich nach  Absolvieren des Abiturs meinen Militärdienst im FR 86 angetreten. Dort  werde ich seit über einem Jahr in der Fernsprechabteilung eingesetzt. In diesem Blog veröffentliche ich mein Kriegstagebuch um 93 Jahre  versetzt.</p></blockquote>
<p>Publiziert wird das recht detaillierte, genau beobachtende und reflektierende Tagebuch nicht nur mit englischen, französischen und italienischen Übersetzungen, sondern auch mit einigem Zusatzmaterial — mit Fotos der Lagezeichnungen des Autors, anderen Fotografien und Karten etwa. Eine sehr reichhaltige Fundgrube!</p>

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		<title>Konservative Tugenden: L&#252;gen, T&#228;uschen, Betr&#252;gen</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Feb 2011 14:10:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gustav Seibt hat f&#252;r das heutige Feuilleton der S&#252;ddeutschen Zeitung eine wunderbare kleine Abhandlung geschrieben, in der er Guttenbergs uns&#228;gliche Versuche, die konservativen Tugendenden des L&#252;gen, des Anpassen von Regeln und Werten (des Staates vor allem) den eigenem Gutd&#252;nken unterzuordnen, auf die Wissenschaft auszudehnen, in eine historische Kontinuit&#228;t stellt und auf eine N&#228;he dieses „putschistischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Seibt" target="_blank">Gustav Seibt</a> hat für das heutige Feuilleton der <a title="sz" href="http://sueddeutsche.de/" target="_blank">Süddeutschen Zeitung</a> eine wunderbare kleine Abhandlung geschrieben, in der er Guttenbergs unsägliche Versuche, die konservativen Tugendenden des Lügen, des Anpassen von Regeln und Werten (des Staates vor allem) den eigenem Gutdünken unterzuordnen, auf die Wissenschaft auszudehnen, in eine historische Kontinuität stellt und auf eine Nähe dieses „putschistischen Regelverstoßes” zum verfassungs– und gesetzesverachtenden Verhalten Berlusconis hinweist. Und den Schluss muss ich einfach hier noch einmal zitieren, das ist zu gut und zu treffend:</p>
<blockquote><p>Und es ist schon toll, dass wir nun, zehn Jahre nach Casimir, Kanther und Kohl, schon wieder ein Virtuosenstück dieser gummiartig beweglichen und zugleich wetterfest tannenhaften aristokratischen Prinzipienstärke anstaunen dürfen. Nach der brutalstmöglichen Aufklärung kam die mühevollste Kleinarbeit elektronisch gestützter Textgenese, mit der mindestens zwei Grundregeln wissenschaftlichen Anstandes verletzt wurden: das Urheberrecht und die ehrenwörtliche Versicherung selbständiger Herstellung einer wissenschaftlichen Qualifikationsschrift. Dazu kommt jener dreiste Mut zur Unwahrheit gegenüber der Öffentlichkeit, der die bald eindeutig belegten Verfehlungen zunächst als „abstrus” und dann als unabsichtlich hinstellt. Möglicherweise kommt durch die Verwendung wissenschaftlicher Zuarbeiten aus dem Bundestag noch Amtsmissbrauch hinzu.</p>
<p>Gekrönt wird das Verhaltensmuster des putschistischen Regelverstoßes dadurch, dass der so überführte Edelmann sich nachträglich zum Herren des Promotionsverfahrens macht und seinen Doktortitel von sich aus ablegt. Der Große steht dabei im Sturm des Beifalls einer Menge, die, wie Professor Baring weiß, beim Wort „Fußnoten” fragt: Ach, werden jetzt auch Füße benotet? Dagegen wirken ein Universitätskanzler und ein in Urlaub gegangener Doktorvater mit ihren tüdeligen Prüfungsverfahren nur bürgerlich-grau und glanzlos. Das Stehende der Institution und ihres Ethos verdampft unter der Sonne ständischen Glanzes. Der Beifallumtoste mag kurz wackeln, aber vorerst steht er fest, weil jede und jeder, der ihm den entscheidenden Stoß versetzen würde, der wütenden Menge um ihn zum Opfer fallen müsste. Vielleicht ist diese geschichtliche Anpassungsfähigkeit an Zeitumstände das eigentliche Geheimnis achthundertjähriger Familiengeschichten.</p>
<p>Aber was unterscheidet solche Durchhaltekraft eigentlich noch von der Zähigkeit eines Silvio Berlusconi?</p></blockquote>
<p>Der ganze Text mit der Überschrift „<a title="Der Herr des Verfahrens" href="http://bit.ly/i9ha6P" target="_blank">Der Herr des Verfahrens</a>” steht sogar <a title="Der Herr des Verfahrens" href="http://bit.ly/i9ha6P" target="_blank">online</a>.</p>

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		<title>venedig: erste eindr&#252;cke</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 22:37:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#252;bers wochenende (von donnerstag nachmittag bis montag mittag — also ein sehr gro&#223;z&#252;giges wochenende) war ich in venedig — dank daniel und seiner gastfreundschaft im deutschen studienzentrum dort eine sehr kosteng&#252;nstige bildungreise. heute nur ein paar erste eindr&#252;cke, der komplette bericht kommt sp&#228;ter. die reisezeit war optimal: f&#252;r venezianische verh&#228;ltnisse war die stadt ausgestorben. bis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>übers wochenende (von donnerstag nachmittag bis montag mittag — also ein sehr großzügiges wochenende) war ich in venedig — dank daniel und seiner gastfreundschaft im deutschen studienzentrum dort eine sehr kostengünstige bildungreise.</p>
<p>heute nur ein paar erste eindrücke, der komplette bericht kommt später.</p>
<p>die <span style="text-decoration: underline;">reisezeit</span> war optimal: für venezianische verhältnisse war die stadt ausgestorben. bis auf den absoluten kernbereich war es wirklich sehr leer — überall. am montag freilich nicht mehr ganz so sehr wie am freitag zuvor. die temperaturen waren zwar nicht ausgesprochen angenehm, aber durchaus erträglich. zumindest für einen heißblütler wie mich. und das wetter war wunderbar: ganz viel sonnenschein, ein bisschen leichte bewölkung, überhaupt kein niederschlag. so konnten wir die stadt und ihre schätze herrlich erlaufen.</p>
<p>ach ja, das <span style="text-decoration: underline;">laufen</span>: natürlich bin ich auch in venedig jeden tag gelaufen. aber das ist dafür eine unbarmherzige stadt. gleich dreifach: der boden ist immer nur stein. und wirklich nur. (na gut, eine winzige ecke garderinie gibt es. viel weicher ist’s da aber auch nicht). und es gibt einfach keine gerade strecken: ecken, kanten, scharfe knicke — die gassen sind schwer zu rennen. und dann nochdie kanäle. d.h. die brücken darüber. die stören den rhythmus auch nochmal gewaltig. und wenn dann noch leute unterwegs sind, wird es wirklich fast zum parcour, das lauftraining.</p>
<p>aber deswegen war ich ja nicht dort. sondern um venedig zu erleben und kennenzulernen. das ist die <span style="text-decoration: underline;">stadt</span>: verrückt. der reichtum der vergangenheit. und auch noch der gegenwart. und dann zugleich auch der verfall: schon immer — zumindest aber lange (man lese nur thomas mann) eine morbide stadt: liebt den tod. das ende. das vergehen. das verfallen. so sieht es da auch aus: überall bröckelt es. überall stehen halbe ruinen rum, die noch bewohnt werden. sehr seltsam. und dann daneben oder darin die prächtigsten kulturschätze.<br />
die geschichte: wahnsinn. dieses selbstbewusstsein. bzw. die grandiose selbstüberhebung und –verherrlichung. da ist jede konzernzentrale heute dreck dagegen. und auch in dubai kann das nur schwer zu toppen sein. und die dichte an kunst — das ist einfach überwältigend. mir brummt jetzt immer noch der kopf von den ganzen eindrücken. das muss ich jetzt erst einmal alles noch mental sortieren. und hoffentlich bin ich noch halbwegs in der lage, das auseinanderzuhalten …<br />

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		<title>jirgl erh&#228;lt den feuchtwanger-preis</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 07:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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		<category><![CDATA[literaturpreis]]></category>
		<category><![CDATA[reinhard jirgl]]></category>
		<category><![CDATA[roman]]></category>

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		<description><![CDATA[reinhard jirgl, in meinen augen einer der ganz wenigen ganz gro&#223;en lebenden deutschen schriftsteller (in der bedeutung als sprach-k&#252;nstler) erh&#228;lt heute den lion-feuchtwanger-preis f&#252;r historische romane. fast ein wenig ironisch, diese auszeichnung. denn auch wenn jirgls romane sich thematisch mit der vergangenheit besch&#228;ftigen (zwar nicht unbedingt in erster linie, wie es die pressemitteilung der akademie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>reinhard jirgl, in meinen augen einer der ganz wenigen ganz großen lebenden deutschen schriftsteller (in der bedeutung als sprach-künstler) <a href="http://www.adk.de/de/aktuell/pressemitteilungen/index.htm?we_objectID=24611#">erhält heute den lion-feuchtwanger-preis</a> für historische romane. fast ein wenig ironisch, diese auszeichnung. denn auch wenn jirgls romane sich thematisch mit der vergangenheit beschäftigen (zwar nicht unbedingt in erster linie, wie es die pressemitteilung der akademie der künste will, mit „mit heißen Eisen, die sonst keiner anfassen mag”), so fällt mir ihre charakterisierung als „historische” romane doch eher schwer. das liegt natürlich zum einen an der form/kategorie selbst, die ja in der regel nur ein zerrbild ihrer selbst ist, zum anderen aber auch an jirgls texten — denn in meiner lektüre gibt es kaum gegenwärtigere texte als jirgls romane. da ist die titulierung als „historisch” eben eher ungewöhnlich. die charakterisierung als „historiographische metafiktion”, auch wenn sie ein begriffliches ungeheuer ist, scheint mir — als ((post-)moderne) variante und fortsetzung des „klassischen” historischen romans für jirgl geeigneter. aber dafür gibt es (noch) keine preise.</p>

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		<title>wie man aus einer normalen mittelgebirgslandschaft deutschlands ein verwunschenes geisterland macht</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 07:05:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[geschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[19. jahrhundert]]></category>
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		<category><![CDATA[odenwald]]></category>
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		<description><![CDATA[willi weiss reiste f&#252;r die s&#252;ddeutsche zeitung durch den odenwald. und es schon interessant, so etwas mal zu lesen, wenn man das zielgebiet etwas kennt. da kommen n&#228;mlich so einige ungenauigkeiten und verzerrungen zutage. zum beispiel steht da: erbach wurde im sp&#228;ten mittelalter zum zentrum der elfenbeinschnitzer. franz I, graf von erbach, der daf&#252;r ma&#223;geblich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>willi weiss reiste für die süddeutsche zeitung durch den odenwald. und es schon interessant, so etwas mal zu lesen, wenn man das zielgebiet etwas kennt. da kommen nämlich so einige ungenauigkeiten und verzerrungen zutage.</p>
<p>zum beispiel steht da: erbach wurde im späten mittelalter zum zentrum der elfenbeinschnitzer. franz I, graf von erbach, der dafür maßgeblich verantwortlich war, lebte leider erst 1754–1823 — also unbedeutend später (übrigens, um den abstand zum mittelalter zu verdeutlichen: franz I. war auch der letzte graf vor der mediatisierung der grafschaft erbach). im späten mittelalter war im odenwald noch nicht so viel los mit spezialisierter wirtschaftspolitik und so …</p>
<p>was mich aber am meisten stört (abgesehen von der ungenauen darstellung der geschichte um die fusion von erbach und michelstadt): der odenwald ist hier eine einzige waldidylle, nahezu menschenleer — abgesehen von den wenigen hier hausenden originalen, den künstlern auf der suche nach „kontemplation” und den alten bauern -, ständig werden mythen und aberglauben des 18. und 19. jahrhunderts zitiert und evoziert, die im odenwald faktisch kaum noch jemand kennt …und  sonst: vor allem lauter abgelegene dörfchen, einzelne höfe, alte scheunen etc. — das der odenwald inzwischen ziemlich großflächig zugebaut wurde, erfährt man da kaum. stattdessen heißt es dann: „wasserreiche wälder, aus denen immer wieder hügel mit burgen oder fachwerk-städtchen … auftauchen” — nun ja. so viele burgen tauchen da nicht auf. und fachwerk-städtchen auch nicht so oft. aber das wäre ja zu normal und würde nicht in die rezeption des odenwaldes als magisch-verwunschene landschaft passen, in der auch heute noch die bauern schauergeschichten erzählen, wenn sie dem vorbeischauenden reisenden aus der fernen großstadt kochkäse auftischen — wie das gespräch mit dem landwirt in ober-kainsbach wirklich abgelaufen ist, würde ich ja schon gerne wissen. und ob weiss wirklich glaubt, dass sei real, was er hier schreibt und andeutet.</p>
<p>der artikel mit dem passenden titel „der ritter der lüfte” will sich ausweislich seine runterzeile dem „rodensteiner land im odenwald” widmen. seltsam, dass weiss dann auf einmal in hesseneck und am krähberg auftaucht — das ist doch eine ziemlich andere ecke. immerhin hat er mitbekommen, dass der odenwald ein größeres problem mit gehirnamputierten motorradfahrern hat, die sich wie die lemminge auf den straßen in den tod stürzen. aber selbst dieser ziemlich moderne irrsinn wird dann wieder in das abergläubische, mythisch-verwuschene bild des odenwaldes ganz nahtlos eingepasst: „Was sind das für Geräusche? Sind es ferne Motorräder  oder ist es anschwellendes Geschrei aus der Höhe? [Weiss sollte sich mal im Sommer an einem sonntag an einem ziemlich beliebigen ort im odenwald raussetzen — er wird den krach der motorräder schnell kennenlernen] Bellen Hunde? Klirren Schwerter? Man kann da nicht so sicher sein — im Odenwald.” na ja, eilli weiss vielleicht nicht — man schon.</p>

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		<title>„die zeit, vor sich betrachtet, …</title>
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		<pubDate>Thu, 07 May 2009 17:34:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>kann es nicht wirken, sondern die dinge, die in der zeit sind.” — Zedler, Art. Volck (1740)</p>

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		<title>„wache auf und lies, …</title>
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		<pubDate>Thu, 07 May 2009 13:36:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>matthias</dc:creator>
				<category><![CDATA[geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[… ist die beste maxime zur heilung der vorurteile wider nationen, die man nicht kennt” — johann georg zimmermann, vom nationalstolze (1758)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>… ist die beste maxime zur heilung der vorurteile wider nationen, die man nicht kennt” — johann georg zimmermann, vom nationalstolze (1758)</p>

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